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"Die Frage ist nicht mehr, ob der Zusammenbruch kommt - sondern wie wir danach leben werden", meint Johannes Heimrath. Sein Buch "Die Post-Kollaps-Gesellschaft" dreht sich deshalb ganz um die Frage, wie eine Welt nach dem Zusammenbruch aussehen könnte und welche Weichen wir jetzt stellen können und sollten. (...)
Mit durchdringendem Blick benennt Heimrath auf diesem Weg auch viele der vermeintlich nachhaltigen und fortschrittlichen Ideen, wie etwa das Bedingungslose Grundeinkommen oder einen New Green Deal oder ein neues Wirtschaftssystem, als ein bloß illusionäres "Weiter-so" mit leicht anderem Anstrich (...). (...)
Dass der Kollaps also kommt, steht für Heimrath fest. Wie das geschieht und was dann passiert allerdings nicht. Er entwirft drei Szenarien, die weniger prophetisch als vielmehr modellhaft zu verstehen sind:
1. Schrecken ohne Ende
Die Krise beschleunigt sich und durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren kommt es zu einem raschen Totalzusammenbruch. Es gibt keine öffentliche Ordnung und keine Zivilgesellschaft mehr. Reiche Eliten sichern sich mit Privatarmeen auf High-Tech-Inseln ihr eigenes Überleben und errichten faschistische Privatstaaten mit striktem Militarismus.
Wahrscheinlichkeit: 85 Prozent
2. Langsames Siechtum
Die Eliten sichern sich die Ressourcen, fusionieren mit den Staaten und sorgen in den ehemaligen Industrieländern für einen ökologisch vertretbaren Mindestlebensstandart. Die Dritte Welt wird fallengelassen, die reichen Nationen schotten sich militärisch ab. Mit grünen Technologien und einem Grundeinkommen tritt die westliche Welt in eine Art Öko-Diktatur ein.
Wahrscheinlichkeit: 14 Prozent
3. Eine enkeltaugliche Welt entsteht
Der Kollaps führt zu einem Umdenken, die Ideen und Träume von einer lebensfördernden Welt werden von einer kritischen Masse aufgenommen und setzen sich durch. Aus den Keimzellen der Graswurzelbewegungen der letzten 40 Jahre entsteht das neue Gesellschaftsmodell der "Commonie".
Wahrscheinlichkeit: 1 Prozent
(Weiterlesen)
Anmerkung: Ich kann und will das in Rede stehende Buch von Johannes Heimrath nicht bewerten, da ich es nicht gelesen habe. Auch die eher mit Vorsicht zu genießende Quelle dieser Buchvorstellung (www.sein.de) will ich nicht bewerben. Den verlinkten Text allerdings halte ich für durchaus lesenswert, da er in ungewohnt offener und unaufgeregter Form Themen anspricht, die unsere Propagandamedien nicht einmal mit der Kneifzange anfassen, obwohl es sich um sehr drängende Fragen handelt.
Ich teile insbesondere die Einschätzungen des Buchautors bezüglich der unserer Gesellschaft bevorstehenden Szenarien und deren Wahrscheinlichkeit. Allerdings würde ich nie so weit gehen, die westlichen Gesellschaften als "Zivilisation" zu bezeichnen - denn was soll "zivilisiert" daran sein, wenn eine Minderheit der Menschheit sich überquellenden Luxus gönnt, während der große Rest in Elend, Armut und Not vor sich hin vegetiert? An dieser Situation hat sich seit vielen hundert Jahren nichts Grundlegendes verändert, und auch in den westlichen Staaten sind Zwangsverarmung, totale Ausbeutung und Überwachung, Faschismus und Militarismus längst wieder auf dem Vormarsch. Die westliche Welt war nie wirklich zivilisiert und befindet sich in einem rasanten Prozess der weiteren Dezivilisation.
"Eigentlich" sehnen sich doch fast alle Menschen nach der genannten "enkeltauglichen Welt", die ich allerdings nicht mit einem blöden Neologismus wie "Commonie" belegen möchte. Dass wir sie dennoch mit 99prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht erleben werden, ist eine Folge dieses verfluchten Systems - und ein Spiegel, in dem wir die Manipulierbarkeit und Dummheit der Menschen und die Perfidie der selbsternannten "Elite" klar erkennen.
Und unsere liebe Neoliberale Einheitspartei (NED) sorgt brav und kapitaltreu dafür, dass sich daran auch ja nichts ändert. In Krisen- und Endzeiten wird das offenbar regelmäßig deutlich:
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Die Blutsauger

"Alles geht vorzüglich. Sogar die Parteiunterschiede verschwinden mehr und mehr."
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 02.03.1925)
(Pink Floyd: "Your Possible Pasts", aus dem Album "The Final Cut", 1983)
They flutter behind you, your possible pasts,
Some bright-eyed and crazy, some frightened and lost.
A warning to anyone still in command
Of their possible future to take care.
In derelict sidings the poppies entwine
With cattle trucks lying in wait for the next time.
Do you remember me? How we used to be?
Do you think we should be closer?
She stood in the doorway, the ghost of a smile,
Haunting her face like a cheap hotel sign.
Her cold eyes imploring the men in their macs,
For the gold in their bags or the knives in their backs.
Stepping up boldly - one put out his hand -
He said: "I was just a child then, now I'm only a man."
Do you remember me? How we used to be?
Do you think we should be closer?
By the cold and religious we were taken in hand,
Shown how to feel good and told to feel bad.
Tongue-tied and terrified we learned how to pray,
Now our feelings run deep and cold as the clay.
And strung out behind us the banners and flags
Of our possible pasts lie in tatters and rags.
Do you remember me? How we used to be?
Do you think we should be closer?
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Anmerkung: Leider habe ich diesen Song im Original nirgends werbefrei gefunden - ertragt und ignoriert den Spot am Anfang oder klickt nicht auf das Video - zumal die Soundqualität auch sehr bescheiden ist. Eine halbwegs gelungene Coverversion von der Band Anathema gibt es hier.
Ein wichtiger Song ist es dennoch - auch wenn sich der Sinn vielleicht nicht jeder oder jedem beim ersten Hören erschließt. Für diejenigen, die nicht so gut Englisch verstehen, sei daher angemerkt, dass mit den "cattle trucks" schlicht Viehwaggons gemeint sind, die auf "das nächste Mal" warten und die man im Hintergrund des Original-Songs auch hören kann, wenn man die Lautstärke aufdreht - das Lied ist eine einzige eindringliche Warnung davor, auch in Zukunft wieder in denselben faschistischen Horrorstrudeln zu versinken, die die Menschheit bereits erleiden musste.
Die wichtigste Botschaft des Songwriters Roger Waters ist meines Erachtens wohl diese: "A warning to anyone still in command of their possible future to take care." ("Eine Warnung an alle, die noch an der Macht sind, sich um die mögliche Zukunft zu sorgen/kümmern.") Ein Seitenhieb auf die "Kalten und Religiösen" ("the cold and religious"), die das natürlich zu verhindern suchen und ganz andere, nämlich menschenfeindliche Ziele verfolgen, darf in diesem Zusammenhang selbstverständlich nicht fehlen. Erhellender ist da schon die Tatsache, dass in dieser Strophe zwei Zeilen vermisst werden, die erst viele Jahre nach der Erstveröffentlichung zurück in den Song gefunden haben - auch in der verlinkten Originalversion sind sie nicht vorhanden: "Tongue-tied and terrified we learned how to pray, now our feelings run deep and cold as the clay."
Der Song ist fast 30 Jahre alt. Heute geht es längst nicht mehr um das Ob, sondern wieder einmal nur noch um das Ausmaß der Menschenfeindlichkeit, das unsere westlichen Gesellschaften an den Tag legen. Deutschland ist da mal wieder unter den "Besten" - und die Grenze nach unten ist weiter offen wie ein verfaulendes Scheunentor.

("The Knives in their Backs")
Hundertmal hab' ich gepocht.
Kein Pförtlein knarrte.
Nirgends ein brennender Docht,
der meiner harrte.
Nirgends ein Herz, eine Hand,
mich zu begaben ...
Baum, du am Straßenrand,
willst du mich haben?
Bist ja wie ich so allein.
Kannst mit mir prangen,
wenn ich im Morgenschein
an dir werde hangen.
(Dr. Owlglaß alias Ratatöskr alias Hans Erich Blaich [1873-1945], in "Simplicissimus", Heft 38 vom 21.12.1931)
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Rohstoffmangel

"Würden Sie gestatten, dass ich nach Ihnen den Strick benütze?"
(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 19 vom 04.08.1920)
Anmerkung: Eine höchst zutreffende Rede, die in ihrer Deutlichkeit einmal mehr an die Endphase der Weimarer Republik erinnert. Wenn politische Erklärungen oder Beschlüsse bereits in einer einzigen Wochenfrist zur Makulatur verkommen, steht der Laden lichterloh in Flammen. Die Verwendung der Vokabeln "Marionetten" und "Fassadendemokratie" muss ich nicht weiter kommentieren.
Ich wünschte mir sehnlich, dass die Linke eine Chance bekäme, den kapitalistischen Katastrophenkurs der schwarz-gelb-rot-grünen "Eliten"-Mästung zu korrigieren - und diese Chance dann auch tatsächlich nutzte. Beides ist leider utopisch in der Bananenrepublik Deutschland: Diese Partei wird aufgrund der anhaltenden medialen Dauerpropaganda niemals eine nennenswerte Mehrheit bekommen - und wenn sie sie wider Erwarten doch bekäme, wäre sie schneller unterwandert und auf einen stramm neoliberalen Kurs gebracht als wir "Hoppla" sagen können.
Von der "Quasselbude", wie der Reichstag in der Weimarer Zeit genannt wurde, ist keine positive Veränderung zu erwarten. SPD und Grüne haben das nach 1998 eindrucksvoll und andauernd belegt.
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Die neue Regierung

"Sieh mal, Großpapa, soviel schwarze Eier!" - "Sonderbar! Aber der Hase war rot."
(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 4 vom 21.04.1930)
Im folgenden [sic!] möchte ich ein Modell vorstellen, wie sich eine Gesellschaft anders organisieren könnte als die aktuelle, und sicher auch anders als bisherige, nämlich “sozialistische”. Der Entwurf enthält vieles, was mir persönlich gefallen würde, ist aber dennoch nicht frei von Beliebigkeit. Fast sämtliche Details könnten auch anders geregelt werden. Ich skizziere das, um die Gelegenheit zu bieten, sich am Beispiel abarbeiten zu können. Im Entwurf als solchem kreuzen sich abstrakte und konkrete Momente von Alternativen zum Bestehenden.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Bullshit. Es gibt genügend alternative Entwürfe zum kapitalistischen Irrsinn, wozu braucht es einen so hingerotzten Mist in wenigen Zeilen?
So nett ich die Bloggerszene ja auch finde, dieses System verführt aber leider auch dazu, ganze Regalwände in den Bibliotheken zu ignorieren, in denen viele verschiedene Antworten auf viele Fragen schon längst ruhen. Sie müssten nur endlich ernsthaft diskutiert werden.
Dieser Beitrag ist ein Paradebeispiel dafür - er beschreibt in hochalberner Form die Neuentdeckung des Rades, während in den Wissenskammern der Menschheit eine Unzahl von dicken Bänden über dasselbe Thema leise vor sich hin modert.
So wird das nichts mit der Weiterentwicklung der Menschheit, die ich ohnehin für eine lächerliche Utopie halte. Solange der Egoismus und die Habgier nicht besiegt sind, solange wird die Menschheit im Elend verharren - und ich gehe fest davon aus, dass dieses perverse Konstrukt solange andauern wird, bis die Menschheit sich selbst erledigt hat. Man könnte das auch als "natürlich" bezeichnen, da uns eben jene Natur diesen Egoismus, aus dem die Habgier folgt, in die Gene geschrieben hat.
Es ist kein Wunder, dass bei einer solchen Ausgangslage ein mörderisches Unrechtssystem wie der Kapitalismus entstanden ist. Man kann das intellektuell verfluchen und verdammen, bis sich die Balken biegen - es ist und bleibt "natürlich" (der Natur nachempfunden). Und ich glaube angesichts der vielen Jahrhunderte des kapitalistischen Triumphes nicht daran, dass die menschliche Fähigkeit des Denkens jemals etwas an dieser schlimmen Ausgangslage verändern könnte.
In jedem bisher bekannten Alternativsystem bedarf es nur einiger weniger Ackermanns, Westerwelles, Kohls oder Schröders an den "richtigen" Stellen der Macht, um es zu pervertieren - da kann die große Mehrheit noch so sehr den Idealen des Sozialen anhängen. Keine Chance - diese Spezies ist ein evolutionärer Irrweg, wie er offensichtlicher gar nicht sein könnte. Das wird noch viele, viele Jahre andauern und sehr viel Leid und Elend produzieren - aber letzten Endes ist diese Menschheit nicht überlebensfähig.
Hier diskutieren Menschen, die in irgendwelchen gut beheizten Büros oder Zimmern am Computer sitzen und Kaffee trinken, während zeitgleich alle paar Sekunden ein Mensch an Hunger, Kälte, Wassermangel oder mangelnder Gesundheitsversorgung stirbt.
Was soll man von einer solchen Gesellschaft denn bitte erwarten. Ich erkenne da keine grundlegenden Unterschiede zu dem Horror von Auschwitz. Diese Menschheit hat eindrucksvoll und nachhaltig bewiesen, dass sie nur eines wirklich und kontinuierlich kann: Faschismus. Und den in immer perfektionierterer Form.
Heute sind wir Bürger der westlichen Welt diejenigen, die sich den bohrenden Fragen der Opfer stellen müssen: Wir konntet ihr so etwas nur zulassen? Antworten darauf haben wir natürlich keine - bis auf die allgemein bekannten, wie "Ja, was sollten wir denn auch tun ..." Und wir machen einfach immer weiter. Aber uns geht es ja auch noch relativ gut. Den meisten Menschen auf diesem Planeten ging und geht es indes nicht gut.
Und jetzt gehen wir Weihnachtsgeschenke kaufen.
[Du bist tot. Spiel neu laden - JA | NEIN]
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(Falls intelligente Lebewesen auf die Erde stoßen sollten, wird ihre Reaktion sicherlich so aussehen.)
Seit seinem Auftritt in New York am 11. Oktober dieses Jahres gehört auch Nicolas Sarkozy zum erlauchten Kreis der gut bezahlten Redner. Seine Amtszeit war kaum beendet, da häuften sich schon die Anfragen, die in der Regel mit Honoraren von um die 100.000 Euro locken, auf dem Schreibtisch des französischen Expräsidenten. Das Wochenmagazin L'Express berichtete am 3. Oktober 2012, Sarkozy habe "seit seinem Auszug aus dem Élysée-Palast im vergangenen Mai bereits 70 Einladungen bekommen".
Man könnte meinen, dass höchste Staatsämter nur noch als Durchgangsstation dienen und das eigentliche Karriereziel in der Anhäufung eines großen privaten Vermögens liegt. Sarkozy jedenfalls dachte schon 2008 in dieser Weise über seine Zukunft nach: "2012 bin ich 57 Jahre alt, da trete ich nicht noch einmal an. Wenn ich die Milliarden sehe, die Clinton verdient - ich mache das hier jetzt für fünf Jahre, danach gehe ich meiner Wege und stopfe mir die Taschen voll." Der ehemalige US-Präsident, der bei seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus im Januar 2001 etwa 11 Millionen Dollar Schulden hatte, wurde danach zum "Autor und Redner". Innerhalb eines Jahres stieg das Einkommen des Ehepaars Clinton von 358.000 auf 16 Millionen Dollar, vor allem dank des Vorschusses auf Bill Clintons Memoiren und großzügiger Rednerhonorare.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Man könnte nicht nur meinen, dass reine Habgier die Antriebsfeder der meisten hochrangigen Akteure auf der politischen Bühne weltweit ist - man muss diese Meinung vielmehr vertreten, wenn man mit einem halbwegs wachen Geist diese Welt durchwandelt.
Auch und gerade in Deutschland ist es inzwischen ja üblich, sich nach dem Ende der politischen "Karriere" (die in der Regel vier bis höchstens acht Jahre dauert) die Entlohnung für die zuvor geleisteten neoliberalen Zerstörungen bei der Wirtschaft abzuholen. Ob Gerhard Schröder, Joschka Fischer oder Roland Koch - den süßen Verlockungen des leistungslosen Immer-reicher-Werdens (zusätzlich zu den lebenslangen Zahlungen, die ein politisches Amt in erklecklicher Höhe stets auch mit sich bringt) kann sich offenbar kaum ein Politiker entziehen. Für Deutschland gibt es auf den Seiten von Lobbypedia eine kleine, keinesfalls vollständige Auswahl zu bestaunen.
Früher nannte man so etwas Korruption. Im neoliberalen Neusprech ist daraus schlicht "Geld verdienen" (Peer Steinbrück) geworden. Die Frage, wieso jemand für das inkompetente, dumme Gesabbel eines Blair, Sarkozy, Clinton oder Steinbrück mehrere zehntausend oder gar hunderttausend Euro / Dollar bezahlen sollte, stellt sich niemand mehr - diese absurden Zahl(ung)en werden einfach hingenommen als seien sie reell und stünden in einem logischen Zusammenhang zum "Geleisteten" (eine dusselige, wahrscheinlich nicht selbst verfasste Rede halten). So viel Orwell kann man gar nicht lesen.
Diese verkommene Bande lässt sich dreist und für alle sichtbar vor unser aller Augen bestechen - und im Falle Steinbrück kommt noch die Impertinenz hinzu, sich dennoch wieder zum Bundeskanzler wählen lassen zu wollen. Da bleibt mir die Spucke weg. Ich nenne diesen habgierigen Vollpfosten ab jetzt nur noch "Peerlusconis Erbe".
Jedenfalls sollten wir die Beweggründe, die Sarkozy laut dem verlinkten Text so freimütig ausgeplaudert hat, stets bedenken, wenn wieder einmal eine Wahl ansteht. Denn dann können wir ... ja, dann können wir ... äh, dann können wir immer noch nichts dagegen tun. Aber Hauptsache, wir leben in einer Demokratie. "Die Welt ist schön, und erst der Sonnenschein!" sagt der Igel zu dem Stachelschwein ...
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Stimme von unten

"Wenn ick nu der Oberbahnrat Schulze wär', tät ick die Weiche falsch stell'n - es hat ja keen Aas jeschmiert!"
(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 3 vom 16.04.1928)
Nachtrag: "Gerhard Schröder hat die meisten, Helmut Schmidt die modernsten und Helmut Kohl die dicksten Autos: Deutschlands Altkanzler können auf einen stattlichen Fuhrpark zugreifen. So stehen Schröder (SPD) gleich sieben Fahrzeuge zur Verfügung, darunter neben mehreren Mercedes-Limousinen zwei VW-Transporter T5. Schmidt (SPD) begnügt sich mit vier Autos, allerdings waren zwei davon besonders teuer: Je 94.275,55 Euro überwies der Bund für zwei Mercedes 420 cdi. Kohl (CDU) wiederum reist am bequemsten von allen, er verfügt über drei - allerdings schon etwas ältere - Mercedes 600 SEL sowie drei kleinere Mercedes-Modelle. Insgesamt zahlte der Bund laut Bundesinnenministerium für alle Altkanzler-Autos 'ab Inbetriebnahme bis heute rd. 1,265 Mio. Euro für Instandsetzung, Reparatur, Unterhaltung und Betrieb etc.'" (Quelle)
(Virgin Black: "In Death", aus dem Album "Requiem - Mezzo Forte", 2007)
O misery you live
I have been struck and am suffering
O misery you live
You take bread from hands
that hold so little
And show treason to a faithful heart
There is no healing balm of reason
O wretchedness, o misery
Fall upon mercy
Set thy alter here
Lifeless life cradles lifeless death
Set thy alter here
Fall upon mercy
O wretchedness, o misery
O misery you live
I have been struck and am suffering
O misery you live
O misery you live in death
Exaudi orationem (meam)
Quantus tremor est futurus
Exaudi orationem (meam)
The hour is at, parting is at hand
The hour is at hand
The hour is at, parting is at ...

Anmerkung: Eine schrille, dissonante, untergehende Zeit produziert auch schrille, dissonante, untergehende Musik - das war schon immer so und wiederholt sich auch heute wieder eindrucksvoll. Ein solches Requiem ist ein beredtes Beispiel dafür - auch wenn die Australier von Virgin Black, anders als der deutsche Wikipedia-Artikel behauptet, mit dem Christentum nichts weiter gemein haben als die Benutzung eben dieser traditionsreichen Form der Totenmesse, die hier eben nichts anderes ist als die musikalische Illustration des Verfalls und Untergangs. Der Text und die Musik sprechen für sich.
Ich möchte dazu auf das Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln" des Spätromantikers Franz Schmidt [1874-1939] verweisen, das zwischen 1935 und 1937 komponiert wurde und ähnliche apokalyptische Züge trägt - und auch dieses Werk ist nur ein Beispiel von hunderten. Die (ernsthafte, nicht-kommerzielle) Musik ist immer ein Spiegel ihrer Zeit.
Nach Aufdeckung des NSU-Terrors war viel die Rede von mehr Sensibilität der Behörden gegenüber Zuwanderern. Ein Jahr später steigt Derege Wevelsiep in eine Frankfurter U-Bahn und wird von Polizisten verprügelt. Eine Geschichte darüber, dass sich nichts geändert hat.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Lest Euch das bitte genau durch - es ist wieder einmal unfassbar, wie sich die Kontrolleure der Bahn und insbesondere die uniformierten Schergen des Staates hier wieder einmal verhalten haben. Mir kommt die Galle hoch, wenn ich mich in die Lage dieses Mannes versetze, der völlig nachvollziehbar fragt, ob wir eigentlich das Jahr 2012 oder doch eher das Jahr 1942 schreiben.
Der Autor der Frankfurter Rundschau kommt zu dem wenig hoffnungsfrohen Schluss: "Der Fall von Derege Wevelsiep wird enden, wie solche Fälle immer enden. Es wird intern ermittelt, Polizisten befragen Polizisten, die behaupten, er habe Widerstand geleistet, sie hätten gar nicht anders handeln können. Und dann passiert nichts. Und wieder hat ein Mensch das Vertrauen in deutsche Sicherheitsbehörden verloren."
So wird es wohl geschehen. Das wirkliche Problem, das dieser Fall wieder einmal deutlich aufzeigt, bleibt auch weiterhin unangetastet, nämlich der offensichtlich in Teilen der Polizei latent vorhandene dumpfe Rassismus, gepaart mit einem Gefühl der Allmacht, das jedem demokratischen Verständnis Hohn spricht. Diese arrogante Überheblichkeit, die wie ekelhaftes, übelriechendes Fett aus den zitierten Dialogfetzen der Polizisten trieft, widert mich nur noch an.
Das beschriebene Vorgehen der Polizei bis hin zum grundgesetzwidrigen Betreten der Wohnung des terrorisierten und misshandelten Opfers ist ein einziger, himmelschreiender Skandal - solche Menschen haben bei der Polizei nichts verloren, sondern gehören auf der Stelle vor ein ordentliches Gericht (wenn es ein solches denn tatsächlich noch gäbe). Darauf können wir in den zerbröckelnden Demokratiefassaden dieses zerstörten Staates allerdings warten bis zur einsetzenden Verwesung.
Nebenbei ist diese Geschichte ein Beleg dafür, weshalb die in den letzten Jahren zu recht in die Kritik geratene Frankfurter Rundschau trotzdem erhaltenswert ist - wer sich das leisten kann, sollte diese vor dem Aus stehende Zeitung dringend unterstützen.
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Wiener G'müat

"Wir lassen unsere lieben Juden nicht nach Palästina - wir wollen sie in Wien totschlagen!"
(Zeichnung von Eduard Thöny [1866-1950], in "Simplicissimus", Heft 23 vom 07.09.1925)
Es ist nichts zu loben, nichts zu verdammen, nichts anzuklagen, aber es ist vieles lächerlich; es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt. Die Zeitalter sind schwachsinnig, das Dämonische in uns ein immerwährender vaterländischer Kerker, in dem die Elemente der Dummheit und der Rücksichtslosigkeit zur tagtäglichen Notdurft geworden sind. Der Staat ist ein Gebilde, das fortwährend zum Scheitern, das Volk ein solches, das ununterbrochen zur Infamie und zur Geistesschwäche verurteilt ist. Das Leben Hoffnungslosigkeit, an die sich die Philosophien anlehnen, in welcher alles letzten Endes verrückt werden muss. Wir sind Österreicher, wir sind apathisch; wir sind das Leben als das gemeine Desinteresse am Leben. Wir haben nichts zu berichten, als dass wir erbärmlich sind. Mittel zum Zweck des Niedergangs, Geschöpfe der Agonie, erklärt sich uns alles, verstehen wir nichts. Wir brauchen uns nicht zu schämen, aber wir sind auch nichts, und wir verdienen auch nichts als das Chaos."
(Thomas Bernhard [1931-1989]: Rede anlässlich der Verleihung des österreichischen Förderungspreises für Literatur, 1968. - "Ich war mit meinem Text noch nicht zuende gekommen, da war der Minister mit hochrotem Gesicht aufgesprungen [...], bedrohte mich, ja, er ging mit vor Wut erhobener Hand auf mich zu, darauf eine abrupte Kehrtwendung und verließ den Saal." So beschreibt Bernhard die Reaktion des damaligen österreichischen Unterrichtsministers Theodor Piffl-Percevic auf diese Rede bei der Zeremonie am 4. März 1968 in dem posthum erschienenen Band "Meine Preise", 2009.)

Geht der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, zu Ende? Die beiden Autoren sehen dies so und empfehlen eine neue Gesellschaftsform, die auf mitfühlende Solidarität setzt, mit Namen "Empathismus". Hier ihre erhellenden Gedanken und Visionen eines zukünftigen Miteinander.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Nach dem (unvermeidlichen, weil systembedingten) Zusammenbruch des Kapitalismus wird auch diesmal, wie schon unzählige Male zuvor, nur eines kommen: Ein Neustart des kapitalistischen Systems. Bei allen vorangegangenen Zusammenbrüchen gab es auch immer wieder verschiedenste Visionen oder Utopien, wie es denn danach wohl weitergehen könne und die nichts bewirkt haben, und nichts, aber auch gar nichts deutet heute darauf hin, dass es diesmal anders verlaufen wird.
Visionen und Entwürfe für eine bessere Welt gibt es mannigfach – und das nicht erst in neuer Zeit. Umgesetzt wurden und werden sie allerdings nie (und wenn, dann höchstens in pervertierter Form, die mit den ursprünglichen Ideen nichts mehr zu tun hat, wie das Beispiel des sich so nennenden Sozialismus eindrucksvoll zeigt).
Die wenigen Personen, die den großen Reichtum und die Macht an sich gerissen haben, haben diese Ansprüche stets erfolgreich verteidigt oder sind in eher seltenen Extremfällen von anderen Personen abgelöst worden, die sich ihrerseits im Namen irgendwelcher Ideologien wieder großen Reichtum und Macht angeeignet haben. Das ist die Geschichte der Menschheit.
Die Frage “Was kommt nach dem Kapitalismus?” ist hinlänglich beantwortet – die Antwort lautet: Natürlich wieder der Kapitalismus. Und wenn nach dem regelmäßigen Kollaps des Kapitalismus und dem systemisch verbundenen Faschismus irgendwann mangels verbliebener natürlicher und menschlicher Ressourcen kein Neustart mehr möglich ist, kommt eben einfach der Schlusspunkt. Die Dinosaurier haben es uns Menschen vorgelebt.
Seit Jahrhunderten gibt es massenhaft Gesellschaftsentwürfe, die einen Ausweg aus diesem kapitalistischen Teufelskreis formulieren – aber nicht ein einziges Mal ist es gelungen, irgendetwas davon auch in die Tat umzusetzen, ohne wieder in denselben widerlichen Strukturen zu landen. Die Hab-, Raff- und Machtgier und der asoziale Egoismus einzelner Menschen scheint unauslöschbar zu sein. Die widerliche Bande, die uns und fast alle anderen Staaten regiert, ist ein beredtes Beispiel dafür – von den Machenschaften der internationalen Konzernbosse ganz zu schweigen.
Wir brauchen keine zusätzlichen Visionen – die gibt es doch längst. Wir brauchen statt dessen einen Plan, wie wir diese furchtbare Bande der Eigennutzoptimierer, diese schrecklichen habgierigen Kapitalisten loswerden und der Bevölkerung endlich beibringen, dass Konkurrenz, Wettbewerb und Egoismus (“Eigenverantwortlichkeit”) zwangsläufig in eine solche Alptraumwelt münden, wie wir sie jetzt wieder haben.
Ich halte das evolutionäre Projekt “Menschheit” für gescheitert.
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Wahlfrühling
Nun, deutsches Wahlvieh, spitze deine Ohren
und friss den frech erlog'nen Phrasendreck!
Hat man dich auch bis auf die Haut geschoren -:
den frohen Glauben hast du nie verloren!
Schnapp zu, mein Mäuschen, auf den Rede-Speck!
Hier lockt man dich mit kaiserlichem Glanze -
hier wirst du aufgewertet, zollgeschützt -
hier geht man radikal-gesinnt aufs Ganze -:
und jeder bricht für dich die dickste Lanze
solang der Rede-Speichel ihm entspritzt ---
Doch süßer noch als die Sirenen-Flöten
tönt salbungsvoll des Pfarrers Wortsalat!
Er lehrt dich arbeiten und lehrt dich beten
und wird dich nicht nur hierorts stramm vertreten,
da er auch droben was zu sagen hat!
So oder so: man wird dich schon bequasseln,
du deutsches Schaf, zu jeder Schur bereit!
Gebrauch dein Recht, dir alles zu vermasseln:
zum Fluchen, Schimpfen, Hungern, Kettenrasseln
hast du dann wieder mal vier Jahre Zeit!
(Benedikt alias Reinhard Koester [1885-1956], in "Simplicissimus", Heft 7 vom 14.05.1928)
Die SPD vertreibt mit Hilfe der Bahn Wohnungslose aus der Hamburger Innenstadt. Doch in den Unterkünften fehlen noch eintausend Schlafplätze für Obdachlose.
(...) Der Hamburger Hauptbahnhof ist der meist frequentierte Bahnhof bundesweit. Besonders in den kalten Monaten sind die Vordächer ein zentraler Treffpunkt für Menschen ohne Obdach. (...)
Die neue Linie der Hamburger Sozialdemokraten zeigt sich nicht nur im Umgang mit Marginalisierten am Bahnhof. Flüchtlinge werden in Hamburg neuerdings in überfüllten 40-Mann-Zelten untergebracht, weil die Räume im Gebäude der Erstaufnahmestelle im Norden der Stadt überfüllt sind und es an Sozialwohnungen mangelt. (...)
Von vornherein für mehr Schlafplätze [für Obdachlose] sorgen will die SPD nicht. Jede Einrichtung, die eröffnet werde, sei schon am nächsten Tag voll, erklärt Sozialsenator Detlef Scheele. Die SPD will in jedem Fall verhindern, dass ein auskömmliches Angebot mehr Leute anzieht.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Zu einem solchen asozialen, menschenfeindlichen Verhalten fällt mir nicht mehr viel ein. Erst sorgen sie mittels einer perversen, faschistoiden Gesetzgebung und der massenhaften Privatisierung von Sozialwohnungen dafür, dass immer mehr Menschen obdachlos werden, und im Nachschlag wird den so Verarmten und Vertriebenen dann auch die letzte Hilfe im Winter noch verweigert. Und dennoch nennt sich diese lächerliche Partei noch immer "sozialdemokratisch".
Die typisch neoliberale, menschenfeindliche Argumentationsweise, dass ein auskömmliches (noch nicht einmal ein halbwegs gutes!) Angebot mehr Menschen, die in Not geraten sind, anziehen würde, passt da nur zu gut ins Bild. Konkurrenz und Wettbewerb sind die bösen Götter des kapitalistischen Unrechtssystems. Sollen diese Schmarotzer und Überflüssigen doch selber sehen, wo sie bleiben - die SPD bzw. der Kapitalismus hat mit denen nichts mehr zu tun. Wer nicht mehr ausbeutbar ist, wird "freigesetzt" und darf in totaler Freiheit unter einer Brücke selbstbestimmt und eigenverantwortlich erfrieren oder verhungern.
Ganz abgesehen von dem nicht tolerierbaren Skandal, dass es in diesem vor Luxus überquellenden Land überhaupt obdachlose Menschen gibt und die Zahl auch noch bedenklich steigt, zeigt die Asoziale Undemokratische Partei Deutschlands (ASPD) hier exemplarisch einmal mehr, was von ihr zu halten ist und inwiefern sie sich von den übrigen schwarz-gelb-grünen Blockparteien der Neoliberalen Einheitspartei Deutschlands (NED) unterscheidet: In nichts.
Ich schäme mich in Grund und Boden für diesen widerlichen Staat.
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Abseits

(Zeichnung von Anton Hansen [1891-1960], in "Simplicissimus", Heft 42 vom 12.01.1925)
(Via)
(Adrian Ils: "Im Garten steht ein Feigenbaum, oder: Ein Börsenverlierer stürzt ab", aus dem Album "Liebe, Tod und Heimarbeit", 2005)
Der Regen trommelt auf das Dach
Und ich lieg mal wieder wach
Und denke nach
Mir schwimmen alle Felle weg
Ja, da lieg ich nun im Dreck
Und fühl mich schwach
Du warst für mich die schönste Frau
Und das weißt du ganz genau
Mein falscher Schatz
Nur weil ich mit den Zähnen knirsch
Röhrt jetzt ein and'rer Hirsch
Auf meinem Platz
Als ich noch ohne Tadel war
Nadelstreifen, Öl im Haar
Warst du entzückt
Für dich war Liebe nur ein Sport
Doch ich glaubte jedes Wort
Ich war verrückt
Ich brauchte dich für das Gefühl
Mit dabei zu sein beim Spiel
Um Geld und Macht
Dir hörig bis zur Raserei
War ich ausgeliefert
deiner Niedertracht
Und als er sank, mein Börsenstern
Gab's da schnell 'n andern Herrn
Auf dem Parkett
Der hat in einer langen Nacht
Ein Vermögen durchgebracht
In deinem Bett
Die Schönheit ist dein Kapital
Deine Scham agiert global
Der Markt ist groß
Wenn irgendwo die Kurse steigen
bist du sofort dabei
Mit deinem Schoß
Kein Offenbarungseid, kein Gott
Hilft mir jetzt mehr, ich bin bankrott
Mein Sturz ist tief
Ich wünsch die Pest dir an den Hals
Mein Unglück war besiegelt als
Ich mit dir schlief
Geschossen aus der Umlaufbahn
Schwarzes Loch im Liebeswahn
Ich weiß nicht wie
Ich dich aus meinem Herz vertreib
Ach, deinen wunderbaren Leib
Vergess ich nie
Im Garten steht ein Feigenbaum
Jede Feige ist ein Traum
Ihr Saft ist süß
Die will ich pflücken, weil ich weiß
Ich komm, wenn ich in eine beiß
Ins Paradies
Ich stehe auf und zieh mich an
Blick in den Spiegel, trete dann
Auf den Balkon
Es weht ein kleiner Wind ums Haus
Ich breite beide Arme aus
Und flieg davon

Was haben Sie eigentlich letztes Jahr für das Privatfernsehen bezahlt? / Das sehen Sie gar nicht? Macht nichts, Sie zahlen dennoch. / Sie haben gar keinen Fernseher und zahlen auch keine GEZ-Gebühr? Macht nichts, für das Privatfernsehen blechen Sie trotzdem, und nicht zu knapp.
8,3 Milliarden Euro erlösten die privaten Fernsehsender im Jahr 2006 mit Werbesendungen. Das Geld stammt letztlich aus den Geldbörsen derjenigen, welche die beworbenen Produkte kaufen. Vor allem bei neuen, "trendigen" Produkten übersteigt der im Verkaufspreis enthaltene Anteil für Werbung die Herstellungskosten oft um ein Vielfaches. Gutgläubige Rentner lassen sich ja manchmal auf Kaffeefahrten überteuerte Produkte aufschwatzen – ihren coolen Enkeln zuhause vor der Glotze geschieht genau das Gleiche, nur öfter.
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Anmerkung: Dieses Thema betrifft natürlich nicht nur das Privatfernsehen, denn auch viele öffentlich-rechtliche Sender belästigen ihre Zuschauer mit dämlicher Werbung und kassieren so neben der GEZ-Zwangsgebühr noch weitere hübsche Sümmchen. Dass diese wie bei den privaten Sendern auch größtenteils nicht in ein sinnvolles Programm investiert werden, sondern statt dessen auf den Konten völlig überbezahlter Millionäre wie Gottschalk oder Jauch landen oder in der Bürokratie samt den auch dort sich sammelnden Aufsichtsrats- und anderen sinnfreien, geldwerten Posten versickern, interessiert im auf reine Habgier und Eigennutz ausgerichteten Kapitalismus niemanden - egal, ob öffentlich-rechtlich oder privat.
Es ist nur ein logischer Treppenwitz im Rahmen dieses Systems, dass die GEZ-Gebühr in wenigen Wochen in eine Zwangsgebühr für jeden Haushalt umgewandelt wird - zahlbar von jedem, der ein Zimmer, eine Wohnung oder ein Haus in Deutschland bewohnt, und unabhängig von der Frage, ob es dort Fernseh- oder Radiogeräte gibt oder nicht. Ob diese, wenn vorhanden, auch für öffentlich-rechtliche Programme genutzt werden, ist ja schon heute keine Gebührenfrage mehr.
Derweil wird im Fernsehen und im Rest unserer Wahrnehmungswelt jeder letzte freie verbleibende Raum mit Reklame zugekleistert - dieser Seuche kann heute niemand mehr entkommen, der sich in unseren Städten bewegt, in seinen Briefkasten schaut, im Internet surft oder die Glotze oder das Radio einschaltet. Die Kosten, die dabei entstehen und nicht nur von allen Käufern der beworbenen Produkte, sondern von allen Kunden der werbenden Firmen bezahlt werden (auch wenn sie die betreffenden Produkte gar nicht kaufen), sind dabei nur eine Randerscheinung - viel schlimmer finde ich die absurde Dominanz dieser allgegenwärtigen Werbung und ihre fürchterlichen Auswirkungen. Schon Erich Fromm schrieb dazu in seinem sehr empfehlenswerten Buch "Haben oder Sein", erschienen 1976:
"Die in der Werbung und der politischen Propaganda angewandten hypnoseähnlichen Methoden stellen eine ernste Gefahr für die geistige und psychische Gesundheit, speziell für das klare und kritische Denkvermögen und die emotionale Unabhängigkeit dar. Ich bezweifle nicht, dass durch gründliche Untersuchungen nachzuweisen wäre, dass der durch Drogenabhängigkeit verursachte Schaden nur einen Bruchteil der Verheerungen ausmacht, die durch unsere Suggestivmethoden angerichtet werden, von unterschwelliger Beeinflussung bis zu solchen semihypnotischen Techniken wie ständige Wiederholung oder die Ausschaltung rationalen Denkens durch Appelle an den Sexualtrieb. Die Bombardierung durch rein suggestive Methoden in der Werbung, vor allem in Fernsehspots, ist volksverdummend. Dieser Untergrabung von Vernunft und Realitätssinn ist der einzelne tagtäglich und überall zu jeder Stunde ausgeliefert: viele Stunden lang vor dem Bildschirm, auf Autofahrten, in den Wahlreden politischer Kandidaten etc. Der eigentümliche Effekt dieser suggestiven Methoden ist ein Zustand der Halbwachheit, ein Verlust des Realitätsgefühls."
Ganz nebenbei will ich auch noch einmal darauf hinweisen, dass die Werbung für ein 300-Euro-Handy, einen 700-Euro-Fernseher oder ein 10.000-Euro-Auto für jeden einzelnen der vielen Millionen Niedriglöhner und Hartz-Terror-Opfer in Deutschland nichts weiter als blanker Hohn ist - ganz abgesehen von den "Produkten" der auch in der bizarren Werbung versammelten Versicherungs- und Finanzbranche. Diese ausgesonderten Menschen spielen auch in der Reklameindustrie natürlich keine Rolle mehr - dabei ist es völlig unerheblich, dass dort mit Preisen geworben wird, die einem Verarmten in Deutschland das Überleben teils für viele Monate sichern könnten. Kurt Tucholsky schrieb dazu 1931:
"Wer soll sich denn das noch kaufen, was sie da herstellen? Ihre Angestellten, denen sie zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel geben, wenn sie sie nicht überhaupt auf die Straße setzen? Die kommen als Abnehmer kaum noch in Frage. Aber jene protzen noch: dass sie deutsche Werke seien, und dass sie deutsche Kaufleute und deutsche Ingenieure beschäftigen – und wozu das? 'Um den Weltmarkt zu erobern!' So schlau wie die deutschen Kaufleute sind ihre Kollegen jenseits der Grenzen noch alle Tage. Es setzt also überall jener blödsinnige Kampf ein, der darin besteht, einen Gegner niederzuknüppeln, der bei vernünftigem Wirtschaftssystem ein Bundesgenosse sein könnte. (...) Der unbeirrbare Stumpfsinn, mit dem diese Kapitalisten ihre törichte Geldpolitik fortsetzen, immer weiter, immer weiter, bis zur Ausblutung ihrer Werke und ihrer Kunden, ist bewundernswert. Alles, was sie seit etwa zwanzig Jahren treiben, ist von zwei fixen und absurden Ideen beherrscht: Druck auf die Arbeiter und Export. / Für diese Sorte sind Arbeiter und Angestellte, die sie heute mit einem euphemistischen und kostenlosen Schmeichelwort gern 'Mitarbeiter' zu titulieren pflegen, die natürlichen Feinde. Auf sie mit Gebrüll! Drücken, drücken: Die Löhne, die Sozialversicherung, das Selbstbewusstsein – drücken, drücken! Und dabei merken diese Dummköpfe nicht, was sie da zerstören. Sie zerstören sich den gesamten inneren Absatzmarkt."
Es dürfte regelmäßige Leser dieses Blogs sowieso nicht überraschen, dass auch diese Zuspitzung und groteske Dominanz der Reklame in der schrillen Endphase des sich auflösenden Kapitalismus kein neues Phänomen ist:
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Fortschritt

"Um die unerhört gestiegenen Unterhaltskosten der Friedhöfe aufzubringen, dürfen von jetzt ab gegen entsprechende Gebühren an den Grabmälern Reklametafeln angebracht werden."
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine, in "Simplicissimus", Heft 29 vom 12.10.1921)
49 Millionen Menschen in den USA, unter ihnen 16 bis 17 Millionen Kinder, haben nicht ausreichend zu essen. Sie leben in Haushalten mit "Lebensmittelunsicherheit". So der im November 2011 veröffentlichte Bericht der US‐Behörde für Landwirtschaft (United States Department of Agriculture / USDA). Von gesundem, ökologisch wertvollem Essen ist da ohnehin nicht die Rede. Der im Repräsentantenhaus eingebrachte Haushaltsentwurf für 2012 sieht deutliche Einsparungen bei den staatlichen Lebensmittelprogrammen vor.
Den Hunger hat der damalige US‐Präsident George W. Bush übrigens mit einem Schlag abgeschafft, indem er ihn in "sehr niedrige Lebensmittelsicherheit" umtaufte. Noch in seiner Amtszeit (2001–2009), vor der Rezession, stieg der Anteil der Empfänger von Lebensmittelkarten um 4 Millionen Menschen. Allein in der Stadt Philadelphia – hier wurden die USA einmal gegründet – hatte ein Viertel der Bevölkerung schon 2009 nicht genug zu essen, das waren 352 000 Menschen. So sehen sie aus, die Verhältnisse im gelobten Land der "working poor", der arbeitenden Armen. Natürlich existieren in Philadelphia noch keine Verhältnisse wie im ärmsten Afrika. Wer ein kompliziertes Antragsverfahren übersteht, konnte im Monat Lebensmittelmarken im Wert von maximal 176 US‐Dollar erhalten. Aber ohne die 40.000 privaten und kirchlichen Suppenküchen im Land herrschten Verhältnisse wie in Somalia, sagt ein Aktivist.
Unter Barack Obama, Präsident seit Januar 2009, ist der Hunger weiter gestiegen. Demokraten und Republikaner streiten über die Höhe der Kürzungen der Lebensmittelprogramme. Der mehrheitlich demokratische Senat stimmte im Juni 2012 dafür, das Lebensmittelmarkenprogramm (Supplemental Nutrition Assistance Program / SNAP) um 5,4 Milliarden US‐Dollar zu kürzen, die Republikaner verlangten noch größere Einschnitte. Dass Obama im Wahlkampf von 2008 einmal versprochen hatte, bis zum Jahr 2015 den Hunger aller Kinder zu beseitigen, ist vergessen. We can, but we won’t.
(aus: Jutta Ditfurth [*1951]: "Zeit des Zorns. Warum wir uns vom Kapitalismus befreien müssen", 2012)
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Amerikanischer Humor

"Amerika ist das freiste Land der Welt!" - (frei nach amerikanischen Zeichnern)
(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 25 vom 20.09.1922)