Donnerstag, 28. November 2013

Die zunehmende Kriegslüsternheit der neoliberalen Bande


Seit Jahren schon gilt das Grundgesetz nichts mehr, wenn die deutsche Militärdoktrin amtlich definiert wird; der Begriff "Verteidigung" ist verwandelt in den einer "Sicherheitspolitik" out of area, die "nationale Interessen" kriegerisch durchsetzen soll. Die "Verteidigungspolitischen Richtlinien" von 2011 haben dies ungeniert beschrieben. Diese Bereitschaft zum "Waffengang" braucht ideologische Begleitung, Volksaufklärung auch durch Einsatz von Wissenschaftlern und Publizisten. Beispielhaft dafür sind Veröffentlichungen wie die des Zeit-Redakteurs Bernd Ulrich, der dem Publikum erklärte, "wofür Deutschland Krieg führen darf und muss"; oder neuerdings das historische "Grundlagenwerk" von Ian Morris: "Krieg – Wozu er gut ist", ein Renner aus dem Campus Verlag.

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Anmerkung: Wer gedacht hat, die bisherigen Kriegsbeteiligungen Deutschlands in fernen Ländern seien bereits der Zenit des Wahnsinns, wird dank dieses sehr lesenswerten Artikels von Arno Klönne eines Schlechteren belehrt: Wir stehen offensichtlich erst am Beginn eines langen, bösen Weges der militärischen Gewalt. Die neoliberale Bande arbeitet emsig und mit erheblichen Kapazitäten daran, einen möglichst permanenten Kriegszustand herbeizuführen, um dem Kapital "wirtschaftliche Zugangs-, Nutzungs- und Ausbeutungsrechte" weltweit zu gewährleisten und natürlich um der heimischen Kriegsindustrie das unvermeidliche, möglichst üppige Wachstum dauerhaft garantieren zu können. Was die USA schon seit so vielen Jahrzehnten vormachen, will die deutsche "Elite" nun auch endlich tun - selbstverständlich auch in Sachen Krieg.

Ehemalige Prinzipien wie "Nie wieder Krieg" oder, spezieller, "Nie wieder darf von deutschem Boden Krieg ausgehen" gelten nun offenbar endgültig offiziell als abgeschafft - die Generation der Menschen, die den Horror und Terror des Zweiten Weltkrieges noch am eigenen Leib erdulden musste, stirbt allmählich aus. Das Grundgesetz, das eine solche schreckliche Entwicklung gerade verhindern sollte und militärische Handlungen Deutschlands ausdrücklich einzig zum Zwecke der Selbstverteidigung im Angriffsfalle erlaubt, ist heute bedeutungslos - und das gilt bekanntlich nicht bloß für die widerlichen Militärfantasien der Bande. Seit der vorausschauenden Abschaffung der Wehrpflicht müssen die BefürworterInnen der Kriege auch nicht mehr damit rechnen, im Fall der Fälle selbst zum Morden und Sterben rekrutiert zu werden oder ihren Nachwuchs dieser Mordmaschinerie zu überlassen - so lässt es sich trefflich und völlig gefahrlos nach deutschen Kriegen in fernen Ländern rufen.

Ich finde keine angemessenen Worte dafür, um meinem Ekel und meiner Verachtung für diese widerliche Kriegslüsternheit und ihre UrheberInnen Ausdruck verleihen zu können. Der Gipfel des geschmacklosen, widerlichen Irrsinns ist aber noch die Begründung, die diese Bande für ihre steinzeitlichen Kriegsfantasien ganz unverblümt auf den Tisch legt: Kapitalinteressen sind der Grund - Kapitalinteressen! Sie versuchen nicht einmal mehr, irgendwelche anderen ("humanistischen", "demokratischen") Gründe vorzuschieben, so absurd sie auch sein mögen - nein, sie sagen klar und deutlich, dass es ihnen einzig um Geld geht. In den letzten Jahrhunderten war das freilich nie anders - aber dermaßen unverhohlen hat das meines Wissens bisher noch niemand in die Welt posaunt.

Wird es nun einen Aufschrei des Entsetzens und massiven Widerstand gegen diese widerwärtigen Pläne geben - zuerst in der Presse und danach in der Bevölkerung? Der Ossietzky-Autor meint dazu: "Eine breite Bereitwilligkeit, den Vorschlägen zur 'Neuvermessung der deutschen Weltpolitik' mediale Sympathie zuzuwenden, dürfte damit gesichert sein". Ich formuliere es etwas drastischer und prognostiziere: Die Kriegshetze in den Mainstreammedien wird weiter massiv zunehmen, mahnende Feigenblatt-Appelle werden die Ausnahme bleiben - und in nicht allzu ferner Zukunft wird auch die Mehrheit der Bevölkerung es ganz normal, alternativlos und womöglich gar richtig finden, dass die "Bundeswehr" im Verbund mit anderen "westlichen" Armeen mordend durch die (vorzugsweise bettelarme) Welt zieht.

Eine dann eigentlich notwendige Umbenennung der "Bundeswehr" - beispielsweise in "Bundesangriffstruppen" oder "Kriegsheer für deutsche Kapitalinteressen" - wird aber selbstverständlich ausbleiben. Man hat schließlich gelernt aus der Vergangenheit - wenn auch, wie immer, das völlig Falsche.

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Mors triumphator
[nach lat. "Mors Imperator" = "Tod, der Herrscher"]


Der größte Kriegsgewinnler bleibt steuerfrei.

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 7 vom 14.05.1918)

Mittwoch, 27. November 2013

Was die Überwachungsfetischisten der neoliberalen Bande mit uns vorhaben


Verschiedene Medien haben in der vergangenen Woche über ein Forderungspapier des Bundesinnenministeriums für die gerade laufenden Koalitionsverhandlungen berichtet. Darin findet sich eine Wunschliste für mehr Überwachung, angefangen bei den Mautdaten bis hin zur flächendeckenden Überwachung unserer gesamten Internetkommunikation. Da ist wohl unser Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich neidisch auf das, was die NSA und der GCHQ können und will auch unsere Leben mehr überwachen können.

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Anmerkung: netzpolitik.org hat die erwähnte "Wunschliste" des Ministeriums der Friedrich-Hohlbirne dankenswerter Weise ins Netz gestellt - das sollte sich wirklich jeder durchlesen, der in den vergangenen Wochen auch nur sekundenweise in Erwägung gezogen hat, dass diese widerliche Bande tatsächlich "überrascht" oder gar "empört" gewesen sei wegen der nun nicht mehr zu leugnenden Überwachungsorgien der gesamten Bevölkerung durch die so genannten "Five Eyes". Inzwischen ist es ja offensichtlich, dass diese Gestalten das nicht nur gewusst, sondern auch tatkräftig gefördert haben. Was ist das bloß für ein Volk, das solche Enthüllungen nicht zur Kenntnis nimmt und die Urheber dieser klaren Grundgesetzverletzungen nicht lautstark dahin befördert, wo der Pfeffer wächst?

Ich möchte Leute wie Merkel, Friedrich, gar den Spinner Uhl oder andere Ekelvisagen aus diesem faschistoiden Dunstkreis nun wirklich, wirklich nicht nackt sehen müssen - angesichts ihrer Taten müsste man aber genau das von ihnen fordern. Über die SPD, die sich mit dieser "Wunschliste" im Rahmen der noch laufenden "Koalitionsverhandlungen" mit den Schwesterparteien CDU und CSU auch noch "auseinandersetzen" muss, will ich in diesem Zusammenhang besser gar nicht erst nachdenken (Stichworte: "Gabriel", "Nahles" etc.). Ich weiß gar nicht, was ich schlimmer fände und was mehr prall gefüllte Kotztüten verursachen würde: Eine nackte neoliberale Bande - oder ein noch datengeilerer Staat als heute, der uns alle bis auf die Knochen durchleuchtet und alles fein säuberlich speichert. Beides wäre extrem ungesund und führte zu schlimmen Folgeerkrankungen.

Ich weiß, ich weiß - es ist billig und letztlich nicht weniger dämlich, auf die Äußerlichkeiten der genannten Marionetten so ausführlich einzugehen. Aber was bleibt denn sonst noch übrig? Die üblen, widerwärtigen Fakten liegen - frei für jedermann zugänglich - auf dem Tisch. Dennoch rührt sich nichts im Land. Offensichtlich können diese korrupten, menschenfeindlichen Figuren tun, was sie wollen - irgendeine Konsequenz hat das nicht. Welche Schlüsse soll man daraus also ziehen?

Ich weiß nicht mehr weiter - ich verstehe die Menschen in diesem Land nicht, und ich verstehe die kriminelle Bande in der Politik nicht - ich bin doch wahrlich nicht der einzige Mensch auf dieser Welt, der so etwas wie ein (soziales) Gewissen hat. Die Anlässe häufen sich, zu denen ich mich fast zwanghaft an den Film "Brazil" von Terry Gilliam erinnert fühle. Damals, 1985, war das eine satirische Dystopie, über die wir herzlich gelacht haben. Heute beschreibt dieser Film unsere anstehende, teilweise längst erreichte und von den pervertierten "Eliten" sehnlichst erwünschte Zukunft so treffend, dass mir die nach alter Kotze schmeckende Spucke am Gaumen gefriert.

Es ist nicht zehn vor zwölf, nicht fünf vor zwölf, auch nicht zwei vor zwölf. Den donnernden Schlag der vollen Stunde haben wir taumelnd zwölfmal vernommen - jetzt wäre die Zeit zu handeln.

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Und Charlie klappte das Märchenbuch zu und schloss mit den Worten: "Und wenn sie nicht gestorben sind, werden sie den Terror eben erneut durchleben müssen und erst dann sterben - und mit demselben perversen Spiel einmal mehr von vorn beginnen."

Dienstag, 26. November 2013

Der Polizeistaat in Aktion: Schöne neue Welt im "Land of the Free"


Bei einem Verkehrsstopp in New Mexico ist ein Mann an einem Stop-Schild nicht vollständig zum Stehen gekommen mit seinem Auto. Die Polizei hat ihn daraufhin angehalten und ihm gesagt, er soll[e] aus dem Auto aussteigen. Dabei glaubte der Polizist beobachten zu können, dass der Mann [...] die Arschbacken zusammenkniff, und folgerte messerscharf, dass der da Drogen versteckt haben [müsse]. Daraufhin haben sie ihn verhaftet und von einem Richter einen Durchsuchungsbefehl erwirkt.

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Anmerkung: Bitte die ganze Geschichte lesen - möglichst auch den ursprünglichen Bericht von rt dazu. Es wird sicherlich nicht mehr allzulange dauern, bis die polizeiliche Willkür und die Allmachtsfantasien dieser mit gewissen "obrigkeitlichen Befugnissen" ausgestatteten Behörden auch in Deutschland wieder in einer solchen schauerlichen "Hochphase" aufblühen - auf dem allerschlechtesten Wege dahin befindet sich auch dieses Land ja längst.

Derweil wird das Propaganda-Fernsehen nicht müde, der staunenden (oder besser: stumpf vor sich hin dämmernden) Bevölkerung unablässig und zunehmend in tausenden von Krimi-Serien und Spielfilmen immer und immer wieder das infantile Märchen von den "menschelnden Polizisten" zu erzählen, die letztlich (auch wenn sie in diesen filmischen Fiktionen permanent und ohne jemals dafür belangt zu werden Gesetze und sogar Grundrechte brechen) doch nur "das Gute wollen" - während man ansonsten keinem "normalen" Menschen glauben oder gar vertrauen darf, denn verdächtig sind wir in den Augen dieser Staats- bzw. Systemschergen allesamt.

Dazu fällt mir eigentlich nur noch ein Zitat aus einem uralten Polizei-Song von der Törner Stier Crew ein, in dem zunächst ein beschwingter Ausflug der reggaesüchtigen Protagonisten nach Amsterdam beschrieben wird und der sodann wie folgt endet:

"Wir fahr'n nach Hause auf Autobahn,
kommen an deutsche Grenze ran:
'Ach, fahr'n Sie doch mal eben hier rechts ran, bitte!'
sagt der grüne Pötermann.

Nimmt mich mit in Kabine rein,
zieht mich Hose aus - altes Schwein!
Pötermann
will nur von hinten ran."

(Törner Stier Crew: "Pötermann", aus dem Album "Ausbruch", 1980)

Damals war das - Trommelwirbel - real erlebte, frisch herausposaunte und gesellschaftlich zumindest geduldete Satire. Heute sind solche Spottlieder schlichtweg undenkbar. Der zunehmende Rückschritt ist unübersehbar.

Samstag, 23. November 2013

Die Verbrechen der Deutschen Bank und ihrer BesitzerInnen


Am 16. November 2013 verlieh die Ethecon-Stiftung in Berlin zwei Preise: Den "Blue Planet Award" zur Ehrung herausragenden Einsatzes für den Erhalt und die Rettung der Erde erhielt die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano. Der Negativpreis "Black Planet Award" für Verantwortliche der Zerstörung der Erde wurde an die Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie weitere Manager und Großaktionäre der Deutschen Bank verliehen. Jutta Ditfurth hielt die "Schmährede", die die junge Welt an dieser Stelle dokumentiert.

(Weiterlesen - und das ist ein Lesebefehl)

Anmerkung: Ich habe selten einen besseren Text zu diesem Thema gelesen und danke Jutta Ditfurth und der jungen Welt von Herzen dafür. Beeindrucken wird das die beiden Herren von der Deutschen Bank und natürlich die Eigentümer derselben - also die "Großaktionäre" dieses furchtbaren Krebsgeschwürs bzw. die wenigen Superreichen - in keiner Weise.

Ein Lob ist das aber leider dennoch nicht - ich bin sowieso der Meinung, dass es vollkommen falsch ist, den an die Öffentlichkeitsfront gestellten Marionetten, wie es diese beiden "Chefs" der Deutschen Bank stellvertretend für die Deutsche Bank ja sind, die Schuld in die Schuhe zu schieben. Zweifelsfrei sind sie schuldig - aber sie tun das Widerliche ja auf Geheiß, und wenn sie es nicht täten, wären sie schneller ausgetauscht als sie zucken könnten, und irgendwelche andere Marionetten täten an ihrer Stelle das Widerliche. Das spricht sie keineswegs frei, macht aber doch deutlich, dass die wirklichen "Preisträger" - also die Urheber dieses humanistischen Wahnsinns - woanders zu suchen sind. Ditfurth weist darauf in ihrer Rede ja sogar ausdrücklich hin.

Jain und Fitschen sind so etwas wie die ausführenden Organe der widerlichen Bande - Verbrecher allemal, aber nicht die Urheber des Verbrechens. Auf die Negativ-Preisverleihung der Widerlichkeit, der Menschenverachtung und der Ekelhaftigkeit an jene Verursacher - also an die handvoll Superreichen, die den Hals trotz der absurden und stetig zunehmenden Anhäufung von Macht, Besitz und Kapital niemals voll bekommen - werde ich wohl vergeblich warten müssen.

Es ist dasselbe Trauerspiel wie in der Poltik, wo auch stets nur - wenn auch nur in ausgewählten kritischen Kreisen - die politischen Marionetten der neoliberalen Blockparteien wie beispielsweise Merkel, Gabriel, Özdemir oder Rösler das Fett abbekommen, das sie zwar zweifellos verdient, aber dennoch nicht allein ausgebrütet haben.

Es gilt, die Urheber dieses kapitalistischen Irrsinns endlich anzugreifen, ihre Identitäten offenzulegen und ihr schreckliches, abgrundtief menschenfeindliches Tun beim Namen zu nennen - und nicht nur ihre bezahlten, eingekauften und willfährigen Vollstrecker, die für fürstliche Gehälter ihren Kopf in die alberne Medienwelt halten - und dennoch nie wirklich gefährdet sind, weil sie jederzeit abtauchen und durch neue bezahlte Visagen ersetzt werden können.

Nun mag man angesichts dieses Beispieles fragen: "Und wem gehört die Deutsche Bank nun eigentlich?" - Die Gesetze dieses widerlichen Staates haben darauf eine recht informative, wenn auch ernüchternde Antwort: Das lässt sich nicht feststellen. Es gibt kein Gesetz und keine Pflicht für Konzerne in diesem Land, diese Angaben öffentlich zu machen, wenn sie auch nur rudimentär geschönt sind. Wenn also Unternehmen X zwei Prozent, Unternehmen Y drei Prozent und Willy Schmidt vier Prozent der Aktien besitzen, gelten diese drei als "unterschiedliche Aktionäre", auch wenn alle beide Unternehmen Willy Schmidt gehören. So ist das in der Bananenrepublik Deutschland, gestützt von CDU, SPD, FDP und den Grünen. Es verwundert nicht, dass im aktuellen "Aktionärsbericht" der Deutschen Bank fast kein Großaktionär auftaucht.

Die Herrschaften möchten eben gerne im Verborgenen bleiben - und dieser widerliche, korrupte Staat und seine gekauften Blockparteien tun alles, um ihnen das auch weiterhin zu ermöglichen. Hier befindet sich der Angriffspunkt - und nicht bei den eingekauften DarstellerInnen im Rampenlicht, die nach ihrem zeitlich befristeten Auftritt auf der schauerlichen Bühne des Kapitalismus in ihr albernes kleines Luxusleben abtauchen können.

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Die neuen Reichen


"Naa, Frau Meier, ich find's net so schlimm, dass alles teurer wird. So bleiben die noblen Leut' immer mehr unter sich."

(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 10 vom 04.06.1918)

Freitag, 22. November 2013

Song des Tages: Rebel Waltz




(The Clash: "Rebel Waltz", aus dem Album "Sandinista!", 1980)

I slept as I dreamed of a time long ago,
I saw an army of rebels, dancing on air.
I dreamed as I slept I could see the campfires,
a tune of the battle that was born in the flames
and the rebels were waltzing on air.

I danced with a girl to the tune of a waltz
that was written to be danced on the battlefield.
I danced to the song of a voice of a girl,
a voice that called: "Stand till we fall!
We stand till all the boys fall!"

As we danced came the news that the war was not won,
five armies were coming with carriage and gun.
Through the heart of the camp swept the news from the front!
A cloud crossed the moon, a child cried for food -
we knew the war could not be won.

So we danced with a rifle to the rhythm of the gun!
In a glade through the trees I saw 'my only one' ...
Then the earth seemed to rise hell hot as the sun -
the soldiers were dying, there was a tune to the sighing.
The song was an old rebel one.

As the smoke of our hopes rose high from the field,
my eyes played tricks through the moon and the trees.
I slept as I dreamed I saw the army rise.
A voice began to call: "Stand till you fall!" -
The tune was an old rebel one.



Anmerkung: Ich persönlich kenne keinen anderen Song, der den eigentlich allzu berechtigten gewalttätigen Widerstand gegen die bestehenden Strukturen noch offensichtlicher ad absurdum führt als dieses alte, resignative Liedchen von The Clash. Ein Blick in die Geschichte reicht da aus: Wann jemals ist ein mit Waffengewalt geführter Widerstand gegen offensichtliches Unrecht von einem wie auch immer gearteten Erfolg, der diesen Namen auch verdient, gekrönt worden? Mir fällt kein einziges Beispiel größeren Maßstabs ein, dafür aber massenhaft solche, die ein weiteres, leicht modifiziertes und zuweilen gar noch viel schlimmeres Unrecht zur Folge hatten.

Wie auch immer die Antwort auf den kapitalistischen, brutalen Terror unserer Zeit auch ausfallen mag - wir dürfen niemals wieder auf das steinzeitliche Einzeller-Niveau der Kapitalisten absinken und ihrem brachialen Beispiel folgen - Gewalt und Krieg können niemals eine Lösung sein, und wenn diese Bande uns noch zehnmal öfter eine Kriegserklärung zukommen lässt. Am Ende eines Krieges wird - neben dem unsäglichen Leid, dem massenhaften Tod und der umfassenden Zerstörung - immer nur das warten, was die Texter dieses Songs, Joe Strummer und Paul Simonon, so wunderbar lakonisch benannt haben: "The smoke of our hopes".

Und die Warnung vor dem immer gleichen Fehler folgt sofort im Anschluss - hier ist die scheinbar ewige böse Zeitschleife der Menschheit (Unrecht - Widerstand - Krieg - Unrecht) in Töne und Worte gefasst. Mich bringt dieser Song immer wieder zum bitteren Heulen.

Dienstag, 19. November 2013

Zitat des Tages: Die Käuferin


Ich bin eine alte Frau.
Als Deutschland erwacht war,
Wurden die Unterstützungen gekürzt. Meine Kinder
Gaben mir ab und zu einen Groschen. Ich konnte aber
Fast nichts mehr kaufen. Die erste Zeit
Ging ich also seltener in die Läden,
Wo ich früher täglich gekauft hatte.
Aber eines Tages dachte ich nach, und dann
Ging ich doch wieder täglich zum Bäcker, zur Grünkramhändlerin
Als alte Käuferin.
Sorgfältig wählte ich unter den Esswaren,
Griff nicht mehr heraus als früher, doch auch nicht weniger,
Legte die Brötchen zum Brot und den Lauch zum Kohl, und erst
Wenn zusammengerechnet wurde, seufzte ich,
Wühlte mit meinen steifen Fingern in meinem Lederbeutelchen
Und gestand kopfschüttelnd, dass mein Geld nicht ausreiche,
Das Wenige zu bezahlen, und ich verließ
Kopfschüttelnd den Laden, von allen Kunden gesehen.
Ich sagte mir:
Wenn wir alle, die nichts haben,
Nicht mehr erscheinen, wo das Essen ausliegt,
Könnte man meinen, wir brauchten nichts.
Aber wenn wir kommen und nichts kaufen können,
Weiß man Bescheid.

(Bertolt Brecht [1898-1956], zuerst erschienen in der deutschen Exilzeitschrift "Die Sammlung", hg. von Klaus Mann, Heft 12, 1934)


Anmerkung: Der gute Brecht hat die Fähigkeit der Mehrheit der Bevölkerung dieses Landes zur Empathie und Solidarität zu seiner Zeit schon grotesk überschätzt, wie dieses kleine, einfühlsame Gedicht aufzeigt. Heute käme er wohl gar nicht mehr auf den Gedanken, einen solchen Text zu schreiben - der gemeine Deutsche unserer Zeit ist in der Regel vollkommen resistent gegen jede Art von Mitleid, Empathie oder Solidarität und sieht in sichtbarer Armut bestenfalls eine Belästigung und schlimmstenfalls (aber nicht selten) gar eine Bedrohung seines eigenen kleinen Mini-Wohlstands. Die permanente Indoktrination der neoliberalen Bande trägt Früchte: Nicht der absurde, überquellende Superreichtum einiger Weniger wird von der großen Mehrheit der Menschen in diesem Land als Ursache der beginnenden bzw. stetig weiter fortschreitenden Verarmung ausgemacht, sondern ausgerechnet diejenigen, die noch viel weniger haben.

Wenn man, wie wir heute, in einer vom Irrsinn beherrschten Zeit lebt, muss man letzten Endes selber irrsinnig werden, um überleben zu können. Die einzige mir ersichtliche Alternative besteht in einer Flucht - in ferne Länder, in den Wahnsinn, in die Realitätsverleugnung, in digitale oder Traumwelten. Ich persönlich habe mich noch nicht ganz entschieden, ob ich den Irrsinn oder die Flucht bevorzuge - meine zunehmenden Aufenthalte in digitalen Welten wie "Skyrim" und anderen Oasen der Realitätsferne lassen aber darauf schließen, dass mir irgendetwas in mir diese Entscheidung abzunehmen gedenkt.

Damit könnte ich sehr übel aufs Maul fallen, denn es ist ja absehbar, dass die neoliberalen Zerstörungen auch diesmal nicht plötzlich aufhören werden - auch dann nicht, wenn die radikale Zwangsverarmung der Menschen hierzulande längst keinen Besitz und Betrieb von Computern und entsprechenden Spielen mehr erlaubt. Für Menschen, die nicht auf Lohnzahlungen, irgendwelche Rücklagen aus "besseren Zeiten" oder die Hilfe von anderen Menschen zurückgreifen können, ist das heute ja bereits Realität: Kein Hartz-Terror-Opfer kann sich einen halbwegs angemessenen Computer oder gar irgendwelche Spiele leisten. Wenn Lebensmittel und Strom für einen Monat bezahlt sind, befindet sich das prekäre Konto bereits im Minus-Bereich.

Da kann eine alte Frau - wie in Brechts Gedicht - gleich dreimal kopfschüttelnd den Laden ohne Nahrungsmittel verlassen, weil sie zu arm ist, um sie zu bezahlen: Sie wird heute fast nur höhnische, spöttische oder richtig bösartige Kommentare dazu hören. Die Leute wissen Bescheid - interessieren sich aber nicht für die Armut der Anderen. Soll die Alte doch selber sehen, wo sie bleibt und wie sie zurecht kommt - das ist die Essenz des heutigen kapitalistischen Lebensgefühls. In eine solche Horrorwelt möchte man seinen schlimmsten Feind nicht schicken - aber wir leben selber darin.

O Grauen - du hast einen Namen.

Montag, 18. November 2013

Song des Tages: A Different Kind Of Hell




(Madder Mortem: "A Different Kind Of Hell", aus dem Album "Eight Ways", 2009)

There are many names for the place I'm in
It's a different kind of hell
There is room enough but too many stairs
No-one asks and no-one tells
It's a different kind of hell

With each door you pass
another set of traps revealed
Pin-on smirks that smell like fear
It's a different kind of hell

See behind the pretty faces
There's just no substance underneath
It's all a game, and how I hate it
when all their fancy words turn out to mean the same

Let it seep - let it slide
Let it fill you up
You'll feel the little cracks appear
The venom dancing in your blood
You're coming just in time to see me tear
It's a different kind of hell

See behind the pretty faces
There's just no substance underneath
It's all a game, and how I hate it
when all their fancy words turn out to mean the same

Just a little hope stretched far too long
It's a different kind of hell
Just a different kind of hell



Anmerkung: Das denke ich mir jeden Tag aufs Neue, wenn ich mir das üble Spiel der neoliberalen Bande und ihrer Vasallen in diesem Land und in der Welt anschauen muss ... "and how I hate it"! Ich wünschte nur, ich könnte diesen Frust und Zorn auch so irrsinnig aus mir herausschreien wie es Agnete M. Kirkevaag von Madder Mortem in diesem herrlich sperrigen Song tut: Norwegian Wood Metal meets Anton Webern.

Samstag, 16. November 2013

Die Hofierung eines Zombies: Über die gesellschaftliche Wahrnehmung der SPD-Ruine


Zahlreiche Schriftsteller, Schauspieler, Musiker und Wissenschaftler haben die SPD dazu aufgerufen, keine große Koalition mit der Union einzugehen. Es gehe um die Frage, ob sich die SPD in einer Regierung mit CDU und CSU weiter marginalisieren und für ein "Weiter so" einspannen lasse, oder ob sie für eine echte politische Alternative einstehe, heißt es in dem Aufruf "Wider die große Koalition".

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Anmerkung: Ich gewinne einmal mehr den Eindruck, dass die "Prominenten", die diesen "Aufruf" unterschrieben haben, noch immer nicht den Weg aus ihrem Paralleluniversum zurück in die widerwärtige Realität dieses verkommenen Staates gefunden haben.

Wer die Chance oder auch nur die billige Hoffnung auf eine andere, menschenfreundliche, soziale Politik heute immer noch ausgerechnet bei der SPD sucht, hat die vergangenen Jahrzehnte dumpf verschlafen und die Zerstörungen und Verwüstungen in diesem Land sowie die ausufernden Kriege dieser Bande entweder bewusst ignoriert oder aber nicht mitbekommen. Ich kann mir das nicht erklären – mit dem identischen hanebüchenen Ansatz könnten auch beispielsweise christlich orientierte Menschen einen “Aufruf für mehr Menschlichkeit” an die CDU verfassen – beides ist bzw. wäre so irrsinnig und grotesk, dass sich selbst Kafka die letzten Haare raufen müsste.

Es ist traurig, das erneut feststellen zu müssen – denn es sollte sich gerade in halbwegs intellektuellen Kreisen nun doch schon lange herumgesprochen haben: Die SPD ist ebensowenig wie die Grünen eine “linke” Partei. Beide Gruppierungen verfolgen allerspätestens seit 1998 kapitalistisch-imperialistische, menschenfeindliche und asoziale Ziele und stellen keine Alternative zum schwarzbraunen Rechtsblock der Union und FDP mehr dar. Wie lange und wie intensiv müssen diese Figuren das denn noch unter Beweis stellen, bis es auch der letzte Hinterwäldler im Elfenbeinturm begriffen hat?

Die Linkspartei, die ja leider auf dem besten Weg ist, diesen perversen Weg in den Kapitalismus ebenfalls zu gehen, unterschriebe ihre eigene Nichtigkeitserklärung, wenn sie mit diesen furchtbaren Lila-Grünen, die sich in nichts Relevantem von den Schwarz-Gelben unterscheiden, tatsächlich gemeinsame Sache machte.

Die Welt braucht dringend wirkliche politische Alternativen, die radikal links von diesem globalen neoliberalen Einheitsbrei zu stehen haben – die SPD oder die Grünen sind davon genauso weit entfernt wie die braun verkrusteten Strukturen der Union oder die herangezüchteten Aktenkoffer- und Schlips-Clowns der FDP.

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Das Fähnlein der Aufrechten


"Wir haben unter der Devise schwarz-weiß-rot die Aufwertung versprochen. Niemand kann uns zumuten, unter der Devise schwarz-rot-gold unser Versprechen zu halten!"

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 14 vom 06.07.1925)

Freitag, 15. November 2013

Auf sie mit Gebrüll: Wer arm ist, ist ein Terrorist!


Die Bundesagentur für Arbeit (BA) plant eine Internet-Überwachung von ALG-II-Beziehern, um mögliche Nebeneinkünfte aufzuspüren. (...) / Umgesetzt werden soll die Internet-Fahndung demnach vom Bundeszentralamt für Steuern, das bereits für die Finanzämter nach Steuersündern sucht.

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Anmerkung: Auch wenn dieser erneute Vorstoß der neoliberalen Bande vermutlich noch keine Chance auf Verwirklichung besitzt, weil er allzu offensichtlich verfassungswidrig ist, wird hier doch wieder einmal die bekannte "Salami-Taktik" dieser Menschenfeinde ersichtlich: Sie fordern etwas völlig Überzogenes, gar Realitätsfernes, um danach mit einer etwas "abgemilderten" Version ihr Ziel, das von vorn herein eben jene "abgemilderte" Version war, doch zu erreichen. Es gab schon unzählige Beispiele für diese hinterhältige Vorgehensweise und es wird sicherlich auch immer wieder neue geben, denn sie war bisher oft erfolgreich - und die Opposition fällt immer wieder darauf herein.

Der Beitrag der Tagespropagandashow bietet ohnehin kaum Informationen zum eigentlichen Thema - beispielsweise die Frage, wie eine Schnüffelbehörde Ebay-Verkäufe der BürgerInnen überwachen will, wird nicht einmal gestellt und demnach auch nicht beantwortet. Soll Ebay verpflichtet werden, die Namen und Anschriften von VerkäuferInnen an die Behörde herauszugeben, oder will man das möglicherweise mittels Schadsoftware, die allen Hartz-Terror-Opfern auf die Rechner - und wenn ja, auf welche? - gespielt werden soll, erledigen? Das ganze ist dermaßen unausgegoren und lächerlich, dass es klar auf der Hand liegt: Hier wurde wieder einmal eine der beliebten neoliberalen Nebelkerzen gezündet, die von weiteren geplanten Schweinereien ablenken soll, die auf Zwangsverarmte in diesem verkommenen Staat zukommen.

Es ist bereits jetzt so, dass das bürokratische Hartz-Monster der "Jobcenter" den vielzitierten "Steuerzahler" weitaus mehr Geld kostet, als diese Bürokratie bei den Ärmsten der Armen "einsparen" kann - simple Logik oder gar die neoliberale Monstranz der "Effizienz" haben hier schon lange keine Bedeutung mehr (und ich behaupte, dass dies von Anfang an nie anders war). Dieser widerlichen Bande geht es nicht bloß um die totale Verarmung, Kontrolle und Ausgrenzung der Millionen von Kranken, Behinderten und Arbeitslosen - es geht längst und klar erkennbar um pure Schikane, Drangsalierung und die nachhaltige Dressur dieser Menschen, damit sie diese perverse staatliche Willkür - und zukünftig noch viel Schlimmeres - klaglos und ohne zu revoltieren ertragen mögen. - Wer hier Parallelen zu den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckt, sollte sehr intensiv darüber nachdenken.

Ich hoffe inständig, dass dieser perfide Plan nicht schon wieder aufgeht - auch wenn bereits alles wieder in genau dieselbe finstere Richtung deutet.

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Lebenszweck


"Mensch Aujust, bloß nich' schlapp machen! - Det Vaterland braucht dich noch for de Arbeetslosen-Statistik!"

(Zeichnung von Marcel Frischmann [1900-1952], in "Simplicissimus", Heft 45 vom 08.02.1932)

Donnerstag, 14. November 2013

Über Hoeneß, Beckenbauer, den kleinen Charlie und andere Elitäre


Heute Morgen in unserem Tageblatt: Beckenbauer, der ungekrönte Kaiser von Deutschland, hat die Steuerhinterziehungen von Uli Hoeneß, seinem Kicker-Kumpanen von einst, mit dem folgenden gnadenvollen Statement bedacht: "Ich denke, wir sollten niemanden verurteilen, der mal einen Fehler gemacht hat. Selbst die katholische Kirche gewährt eine zweite Chance."

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Anmerkung: Hoeneß ist mitnichten ein "Superreicher" - auch wenn er Multimillionär ist. Gemessen an den ergaunerten Besitztümern der wirklichen Geld-"Elite" steht der Mann (innerhalb der perversen Hierarchie des Kapitalismus) vielleicht auf dem Rang eines Pförtners - was im Übrigen auch erklärt, wieso er tatsächlich in den Fokus der Strafverfolgung geraten ist. Einem Superreichen würde das in diesem System niemals passieren, sofern er nicht gerade vor laufenden Fernsehkameras Kinder schlachtet und isst.

Eine tatsächliche Strafe hat dieser Mensch aber dennoch nicht zu erwarten - es ist doch offensichtlich, dass er für seine wiederholten Verbrechen allenfalls einige Euros, die ihm in keiner Weise weh tun, bezahlen wird - und damit wird dieser "Fall" zu den Akten gelegt werden.

Dass zeitgleich ganze Horden von willfährigen StaatsdienerInnen in den "Jobcentern" damit beschäftigt sind, den Ärmsten im Land unentwegt nachzuspionieren, um auch die letzten 50 Euro, die irgendein Kind einer "Bedarfsgemeinschaft" von der Oma zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, als "Einkommen" zu registrieren und die lächerlichen Hartz-Almosen entsprechend zu kürzen, passt doch gut ins asoziale Bild dieses Landes.

Den Beckenbauer, der ja auf demselben niedrigen Stand innerhalb der kapitalistischen Hierarchie steht und daher selber damit rechnen muss, irgendwann einmal ein Portokassenopfer zahlen zu müssen, muss man aber verstehen, wenn er dem Kollegen nun zur Seite springt. Armut kommt in solchen Gehirnen nicht vor - da gibt es nur Besitzstandswahrung und Vermehrung des eigenen Vermögens auf Teufel komm raus. Wenn solche Leute an Armut überhaupt denken würden, müssten sie unverzüglich einen Großteil ihres ergaunerten und nicht benötigten Vermögens herausgeben - und das möchten sie nicht. Der Kapitalismus macht aus solchen Menschen unweigerlich Faschisten, die lieber ganze Speicher voller Getreide horten, auch wenn sie den Inhalt niemals selbst konsumieren können, während vor den Toren der großen Speicher Menschenmassen verhungern.

In diesen Kontext muss man kleine Multimillionäre wie Hoeneß oder Beckenbauer einordnen - dann versteht man sowohl das widerliche System, als auch diese widerwärtigen Kleingeister, die zufällig und leistungslos in den Rang der Pförtner der Superreichen aufgestiegen sind und Millionen angehäuft haben.

Mir wurde jüngst vorgeworfen, eine "elitäre Sicht" auf die Welt zu haben. Wenn das bedeutet, vom Kapitalismus korrumpierte und verdorbene Menschen wie die hier benannten als Arschlöcher zu titulieren, ihr Handeln als verwerflich und dumm zu brandmarken und - beispielsweise - all die Menschen, die mitten im kapitalistischen Sumpf stecken und um ihr nacktes Überleben kämpfen müssen und dennoch wie von Sinnen weiterhin diesem System und den dieses System dumpf verteidigenden Parteien ihre Stimme geben, "Zombies" zu nennen --- ja, dann habe ich wohl eine "elitäre Weltsicht". Ich selbst hätte das gar nicht bemerkt - für mich ist das schlicht die Konsequenz aus einem halbwegs logischen Denken - zu dem die in Rede stehenden Menschen nahezu allesamt selbst auch fähig wären, wenn sie es denn überhaupt versuchten.

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Die "große Mode"

Allgemach wird das zum Speien,
hört man überall die Leute,
nischt wie Jammern, nischt wie Schreien,
dass die Zeiten trostlos seien:

Pleite - Pleite - Pleite - Pleite ---!
Seht euch um: wer sind die Knaben,
die so hilfeheischend flennen?
Sind's, die nischt zu fressen haben,

hungernd durch die Straßen traben
und die nachts auf Bänken pennen?
Oder sind's die meist recht feisten
sogenannten obren Klassen

die am lautesten und meisten
ihren aufdringlichen, dreisten
SOS-Ruf hören lassen?
Millionen hungern, frieren,

haben kaum das trockne Brot -:
und zehntausend kokettieren,
um davon zu profitieren,
mit der "allgemeinen Not" ---

(Karl Kinndt alias Reinhard Koester [1885-1956], in "Simplicissimus", Heft 50 vom 09.03.1931)

Mittwoch, 13. November 2013

In menschenfeindlicher Eintracht: Union und SPD wollen Vorratsdatenspeicherung


Union und Sozialdemokraten wollen im Fall einer großen Koalition die Mindestspeicherfristen für Verbindungsdaten wieder einführen. Es geht nur noch um Details.

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Anmerkung: Mir fällt zu dieser Dreistigkeit und unverblümten, offen zur Schau gestellten Menschenfeindlichkeit dieser infamen Bande eigentlich nichts mehr ein. Ich bin weder überrascht, noch erstaunt über diese Meldung, die ja vorherseh- und erwartbar war - und weiterhin ist es mir ein vollkommenes Rätsel, wieso irgendein Mensch in diesem Staat noch immer daran glaubt, dass Union oder SPD irgendetwas für alle Menschen Sinnvolles oder gar "Gutes" tun könnten.

Dass die CDU (allen voran wieder einmal "Schweinelocke" Friedrichhohlbirne) die Vorratsdatenspeicherung herbeisehnt wie ein Sadist sein williges Opfer, ist ja nun seit Langem bekannt - und auch die SPD ist schon zu schwarz-gelben Zeiten mit offener Hose ins Rampenlicht getreten, indem sie "der Union angeboten [hatte], sich jenseits der schwarz-gelben Koalition mit den Sozialdemokraten [sic!] auf eine Lösung zu verständigen". Auch hier muss jedem Menschen klar gewesen sein, wohin die schmutzige Reise geht, wenn diese verkommenen Gesellen zur Mördermutti ins verkeimte Bett steigen.

Es ist auf der Skala der grotesken Farce kaum mehr zu überbieten, dass ausgerechnet diese Bande, die sich in den Medien teils so aufgeregt gibt, weil selbstverständlich auch das Merkel-Handy überwacht wurde, nun wieder einmal die Masken fallen lässt und parallel dazu - fast unbemerkt und heimlich - die Vorratsdatenspeicherung für alle BürgerInnen (natürlich mit Ausnahme der Parteibonzen - woher kennen wir das nur?) auf die Agenda setzen will. Es wird immer offenkundiger, dass die gesamte schwarz-gelb-rot-grüne Bande von den ausufernden Überwachungen der Menschen durch allerlei - auch deutsche - Geheimdienste natürlich gewusst hat und dass sie genau dies gutheißt und weiter verfestigen und ausbauen will. Die für den Medienzirkus geheuchelte "Empörung" dieser Gestalten ist so offensichtlich und wird von Tag zu Tag noch offensichtlicher, dass es mich arg wundert, diese Erkenntnis nicht endlich viel größere Kreise ziehen zu sehen.

Die Zombiehorden (nicht nur) in diesem Land wollen es offenbar nicht anders (bzw. haben die Fähigkeit verloren bzw. abtrainiert bekommen), ihr vermoderndes Gehirn zu etwas anderem als zum Konsum, zum Sex, zur Ablenkung, zum stumpfsinnigen Ja-Sagen (für die Interessen der "Elite") oder zum stumpfsinnigen Hassen (gegen die Interessen der Menschen inkl. ihrer eigenen) zu benutzen. Wäre ich ein Religiöser, wähnte ich mich inmitten des brennenden Herzens der Hölle.


Dienstag, 12. November 2013

Song des Tages: Oseh Shalom




(Attila Rontó & Friends: "Oseh Shalom", aus dem Album "With Love To Israel", 2011 - Text: Traditionelles jüdisches Friedensgebet; Melodie: ebenfalls jüdisch-traditionell)

Oseh shalom bimromau,
Hu ya-aseh shalom aleynu

V’al kol Yisrael
V’imru, imru: Amen

Ya-aseh shalom, ya-aseh shalom aleynu,
V’al kol Yisrael
V’imru: Amen

(He who makes peace in his heavens
May he make peace for us
And for all Israel
And say: Amen.)

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Anmerkung: Der Gitarrist Attila Rontó (geboren 1969 in Miskolc, Ungarn) ist kein Jude, sondern gehört der ungarischen Minderheit der Sinti und Roma an. Er ist bekennender Christ (was ich persönlich durchaus verwerflich finde), hat aber dennoch dieses beeindruckende Album mit seinen Interpretationen jüdischer Musik veröffentlicht, weil er (Originalzitat) "feels deeply attracted to the Jewish people, as Gypsies and Jews share a similar history of suffering".

Hier zeigt einer Flagge, wo die meisten anderen Menschen sich entweder teilnahmslos abwenden oder aber hasserfüllt auflehnen - allein dafür gebührt ihm schon meine Hochachtung. Ich persönlich hätte dieses alte jüdische Lied zwar ein wenig anders interpretiert (und habe das schon öfter getan) - aber das ist in diesem Zusammenhang egal. Dass sich in unserer heutigen, furchtbaren, faschistoiden Zeit der Aus- und Abgrenzung überhaupt jemand dazu veranlasst fühlt, über den eigenen (religiösen, kulturellen und/oder gesellschaftlichen) Tellerrand zu schauen, ist schon bemerkenswert genug - man stelle sich beispielsweise nur einmal einen christlichen Barden vor, der muslimische Musik interpretiert - oder umgekehrt.

Der Sehnsucht nach Frieden in dieser schrecklichen Welt, die das zentrale Thema dieses Liedes ist, kann ich mich ohnehin nur anschließen - auch wenn ich weiß, dass sie angesichts der zunehmenden kapitalistischen Verwerfungen vollkommen utopisch und im Rahmen dieses Systems unerfüllbar und von der "Elite" explizit und nachdrücklich unerwünscht ist.


Sonntag, 10. November 2013

Als die Synagogen brannten


(...) / 75 Jahre, das ist nicht lange her, mein Vater war schon auf der Welt, und während er Bauklötze stapelt, schließen gute Großdeutsche und Angehörige der Partei, die von der übergroßen Mehrheit der Deutschen, wie passiv auch immer, unterstützt wird, ein Kind, das kaum älter ist als sein Enkel heute, in einer Wohnung ein, versiegeln sie und lassen seinen Enkel sterben, verdursten, allein. Ein großdeutscher Wachposten steht davor, wahrscheinlich wird er während der zwei Tage abgelöst, in denen meines Vaters Enkel schreit, also hören zwei, drei oder vier großdeutsche Wachposten, wie sein Enkel, mein Sohn, schreit, immer wieder, erst laut, dann wimmernd, zwei volle Tage lang, und dies durchgehalten zu haben und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte, einer Geschichte, die so lange nicht vergeht, wie das Schönfärben, Abwälzen, Aufrechnen und Exkulpieren nicht aufhört, das Lügen um einer nationalen Sache willen, die so aus Herzensgrund verflucht sei wie die vor 75 Jahren.

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Statt einer Anmerkung:



Es gibt (mindestens) eine wesentlich bessere, faktenreichere, nicht ganz so offensichtlich auf "Dramatik und Emotionen" setzende Dokumentation zu diesem furchtbaren Thema als den oben eingebundenen ZDF-Beitrag "Nacht über Deutschland" von Peter Hartl und Gordian Maugg - nämlich den Film "Als die Synagogen brannten. Die Novemberpogrome 1938" von Michael Kloft. Den kann ich im Netz aber leider nirgends finden.

Freitag, 8. November 2013

Ach, wie überraschend: Snowden ist weiterhin unwillkommen in Deutschland


Liebe Freunde, dass sich der Innenminister und die Kanzlerin so vehement weigern, Snowden Asyl zu gewähren, obwohl über die Hälfte der deutschen Bevölkerung dies gut heißen würden, ist einfach nur beschämend.

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Anmerkung: Ehrlich gesagt: Ich persönlich finde es weder beschämend, noch überraschend, dass die neoliberale Bande - in diesem Falle wieder einmal das Merkelmonster und die Friedrichhohlbirne - einfach kontinuierlich das fortführt, was sie immer tut und bisher auch getan hat. Das kann (sollte/muss) man ekelig, verwerflich, menschenfeindlich und strunzdämlich finden (ich persönlich tue das), aber es ist im Rahmen der von diesen Gesellen vertretenen asozialen Politik quasi alternativlos und daher die folgerichtige und vorhersehbare Konsequenz. Wer um Himmels Willen kann oder will sich das ausmalen: Ausgerechnet die CDU/CSU (oder wahlweise auch die SPD) als "rettender Hort" für einen Menschen wie Snowden??? Welche Drogen nehmen Menschen, die so etwas auch nur kurz andenken und nicht unverzüglich durch ein explodierendes Gehirn bestraft werden?

Tut mir leid, lieber Konstantin, aber hier suggerierst Du durch Deinen Text, dass es im politisch verantwortlichen Milieu im heutigen Deutschland noch so etwas wie einen "Restanstand" gebe oder geben könnte - obwohl diese widerliche Bande seit vielen Jahrzehnten nachhaltig (!) und ohne einen Restzweifel zu hinterlassen bewiesen hat, dass dem gewiss nicht so ist.

Ein "aufrechter Gang" ist für diese grotesken Gestalten der Akt, zunächst den Kopf und sodann den ganzen Körper in den Anus des Kapitals zu zwängen. Ich frage mich zunehmend, wieso diese offensichtliche Binsenweisheit nicht endlich auch überall - und ganz besonders bei kritischen Menschen - ankommt? Es käme doch auch niemand auf den abstrusen Gedanken, irgendeinen Humanismus oder gar eine Hilfe für Verfolgte bei der NPD zu suchen.

Die neoliberale Bande in der Politik (und das betrifft keineswegs nur Deutschland) vertritt die Interessen der Superreichen - und abgesehen von ihren eigenen Interessen sonst nichts. Deswegen steht die Welt einmal mehr am Abgrund, deswegen geht es den Superreichen weltweit immer besser, während es immer mehr "normalen Menschen" unaufhaltsam an den Kragen geht - und das nicht nur vor Lampedusa.

Ein Mensch wie Edward Snowden stört diese ansonsten so vergleichsweise ruhig verlaufende Versklavung und Ausbeutung der Menschheit - wie kann man denn auf einen so dermaßen absurden Gedanken kommen, dass ausgerechnet Merkel da aus der elitären Reihe tanzen und etwas tun könnte, das diametral dem widerspricht, wofür sie steht?

Abgesehen davon bleibe ich bei meiner Annahme, dass Snowden genug benutzbare Hirnmasse besitzt, um dieses verkommene Deutschland tunlichst zu meiden - er weiß gewiss, dass er sogar unter der höchst unwahrscheinlichen offiziellen Zusicherung seiner Sicherheit hierzulande alles andere als sicher wäre.

Beschämend ist für dieses Land indes nicht das spezielle Verhalten der politischen Protagonisten im Fall Snowden - sondern die gesamte menschenfeindliche Politik der elitären Überwachungsbande, die den Faschisten weltweit einmal mehr den Weg ebnet. Die Parallelen zu den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts werden immer offensichtlicher und angsteinflößender.

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Von System zu System


"Lange genug haben wir die Weimarer Verfassung bekämpft - nun werden wir uns mal auf sie stützen."

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 27 vom 02.10.1932)

Dienstag, 5. November 2013

Zitat des Tages: Emigranten-Monolog


Ich hatte einst ein schönes Vaterland -
So sang schon der Flüchtling Heine.
Das seine stand am Rheine,
das meine auf märkischem Sand.

Wir alle hatten einst ein (siehe oben!)
Das fraß die Pest, das ist im Sturm zerstoben.
O, Röslein auf der Heide,
Dich brach die Kraftdurchfreude.

Die Nachtigallen wurden stumm,
Sahn sich nach sicherm Wohnsitz um,
Und nur die Geier schreien
Hoch über Gräberreihen.

Das wird nie wieder, wie es war,
Wenn es auch anders wird.
Auch, wenn das liebe Glöcklein tönt,
Auch wenn kein Schwert mehr klirrt.

Mir ist zuweilen so, als ob
Das Herz in mir zerbrach.
Ich habe manchmal Heimweh.
Ich weiß nur nicht, wonach ...

(Mascha Kaléko [1907-1975]: "Verse für Zeitgenossen", 1945)


Anmerkung: Es gibt mir zu denken, dass gerade dieses Gedicht, das etwa 1943 im amerikanischen Exil entstanden ist, mir heute so sehr aus der Seele spricht. Ich wurde im heutigen Deutschland - anders als Mascha Kaléko damals - noch nicht explizit zur Emigration gezwungen, aber ich rechne durchaus damit, diese Farce noch erleben zu müssen. Im Gegensatz zu Kaléko weiß ich aber durchaus, wonach ich mich sehne und worauf sich mein "Heimweh" richtet - auch wenn es (gemessen an den gegebenen Realitäten in diesem verkommenen Land) illusorische Fantastereien sind oder sein mögen.

Eines aber ist mir heute so sonnenklar, wie es deutlicher nicht sein könnte: Die USA sind auf der ohnehin extrem kurzen Liste der eventuellen Ziele eines möglichen Exils auf den allerletzten Platz gerutscht - noch weit hinter Nordkorea, Somalia oder dem ebenfalls im Sozialfaschismus versinkenden England.