Nun ist es amtlich: Unsere Kriegs-Uschi darf ihren Doktortitel behalten. Sie hat zwar exakt dasselbe getan wie beispielsweise der Herr Guttenberg, aber die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat nach "eingehender Prüfung" festgestellt:
"Es geht um Fehler, nicht um Fehlverhalten", begründete MHH-Präsident Christopher Baum die Entscheidung. Die Internet-Plattform "Vroniplag Wiki" hatte 47 Textstellen gefunden, die aus fremder wissenschaftlicher Feder stammen sollen. Die Hochschule bestätigte die Recherchen größtenteils: An 32 Stellen soll tatsächlich nicht korrekt zitiert worden sein.
So schnell geht das im Lande Kapitalistan: Was gestern (bei Guttenberg und vielen anderen) selbstverständlich noch ein bewusstes "Fehlverhalten" war und zur Aberkennung des Titels geführt hat, ist nun zu schlichten "Fehlern" geworden, denen man natürlich keine Absicht unterstellen mag. Dass aus wissenschaftlicher Sicht beides gleich inakzeptabel ist, wird dabei geflissentlich unterschlagen: Ob Schludrigkeit, Inkompetenz oder bewusste Täuschungsabsicht - nichts davon darf in einem solch erheblichen Umfang in einer ernstzunehmenden Doktorarbeit vorkommen. Es wirft ein bedenkliches Licht auf das Wissenschaftsverständnis der zuständigen Damen und Herren an der MHH, eine dermaßen lächerliche Begründung für ihre nicht nachvollziehbare Entscheidung zu bemühen. Auch die Frage, wieso von den gefundenen 47 Plagiatsstellen (auf insgesamt 43,5 % aller Seiten!) nun "nur" noch 32 übriggeblieben seien, wird nicht weiter erläutert - auf der Webseite von vroniplag sind die dokumentierten Funde ja allesamt veröffentlicht und für jedermann nachlesbar. Dort hat sich die Anzahl allerdings nicht auf wundersame Weise verringert.
Dass es sich bei von der Leyens Werk aber sowieso um eine - im Fachbereich Medizin übliche - Schmalspur-Arbeit auf dem untersten wissenschaftlichen Niveau handelt, die in keiner Weise - weder inhaltlich, noch umfänglich - mit einer Dissertation beispielsweise in einem geisteswissenschaftlichen Fach vergleichbar ist, vergrößert die Groteske nur. Selbstverständlich kommt aber noch ein weiterer Aspekt hinzu, auf den Fefe in seinem Blog hingewiesen hat ("Einsendung eines Lesers"):
Die Familie von der Leyen ist eng mit der Führungsriege der MHH verwoben. / Ich hatte bei ihrem Mann während meiner Promotion einige Seminare. Heiko von der Leyen verfügt über eine illustre Karriere in der medizinischen Forschung und hat sicherlich eine Menge "Pull" im Präsidium der MHH. Meiner bescheidenen Meinung nach (und zum Glück geht es ja bei dir um Verschwörungen) ist das die "Beweisführung", die dazu geführt hat, dass unserer geschätzten Kriegsministerin der Titel nicht aberkannt wurde. Die MHH hätte auf diese Weise doppelten Schaden erlitten: einerseits durch den Imageverlust auf Grund des Skandals um die Aberkennung der Doktorwürde und andererseits durch den (empfundenen) Gesichtsverlust auch ihres Mannes, der in führender Position in der MHH und der MHH nahestehenden Firmen tätig ist.
Selbstverständlich behandle auch ich diese groben Unterstellungen als böse Verschwörungstheorie - eine ehrenhafte Familie wie die geschätzten und elitebewussten von der Leyens hat kriminelle Praktiken dieser schäbigen Art schließlich gewiss nicht nötig! Frau Dr. plag. von der Leyen wird's nicht weiter kümmern - der Rubel rollt, die Stahlhelmfrisur sitzt, der Kanzlerintraum bleibt erhalten und das kapitalistische, bis ins Mark korrupte und verfaulte System ist weiterhin nicht gefährdet. Hier gibt es nichts zu sehen, gehen Sie einfach weiter.
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Definition
"Siehst du, eine gute Familie ist eine Familie, in der noch nicht vorgekommen ist, was in den besten Familien vorkommt."
(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 17 vom 22.07.1919)
Ich muss die LeserInnen erst einmal enttäuschen: Es geht hier nicht um den seit dem 3. März 2016 in deutschen Kinos angelaufenen Film "Das Tagebuch der Anne Frank", sondern um die beiden Protagonisten der ARD-Reihe "Paar-Duell", und zwar mit der von sich selbst geblendeten Ex-ARD-Moderatorin ("Morgenmagazin") Anne Gesthuysen und dem meistens die Hände brav wie ein Konfirmand vor dem Geschlechtsteil gefalteten, humorbefreiten Journalisten und "Inlandskorrespondenten" Frank Plasberg.
Aufgezeichnet wurden für eine erste Staffel dieser Show bereits 25 Folgen. Die Zuschauerquote liegt bei 2,2 Millionen.
Zweite Überraschung: Es muss nicht unbedingt erst der Gullydeckel zum Reich der privaten Arsch- und Tittensender geöffnet werden, um ein Unterhaltungsniveau zu erreichen, für das man andernorts die Pflegestufe 3 bekäme. - Charlie hat sich hier ja schon öfter über den WDR, die ARD bzw. die Öffentlich-Rechtlichen als Institutionen ausgelassen, die sich die Desinformation und Verblödung der Zuschauer auch noch von eben diesen bezahlen lassen.
Produziert wird das alles von der Firma "Ansager und Schnipselmann", die Plasberg zusammen mit einem Kompagnon gegründet hat und die auch die Sendungen "Hart aber fair", "Plasberg persönlich", "Frag doch mal die Maus" und "Hirschhausens Quiz des Menschen" produziert. Die Idee zur Sendung "Paar-Duell" hatte angeblich ein Mitarbeiter dieser Produktionsfirma.
Das Prinzip ähnelt grob der Sendung "Schlag den Raab" - mit dem kleinen Unterschied, dass hier das Paar Anne und Frank als Valiumersatz (aber Valium 20 forte, weil der Tranquilizer Pilawa das alles moderiert) eine Beleidigung der Raabsendung wäre. Quizfragen sind nebensächlich. Dabei drängt sich der Verdacht auf, dass Anne Gesthuysen und Frank Plasberg ihre Teilnahme an dem Quiz davon abhängig gemacht haben, dass die Fragen eine bestimmte Schwierigkeitsstufe auf Grundschulniveau nicht überschreiten. Die richtigen Antworten werden in Einspielern, Bildern und musikalischen Einlagen - je nach Art der Frage - mit volkshochschulpädagogischem Belehrungsduktus in ermüdender Länge ausgewalzt.
Das "Paar-Duell" ist eine am Reissbrett neunmalschlau ausgetüftelte, konstruierte, total künstliche und hölzerne Veranstaltung ohne Spannung, Spontaneität, Anspruch und Witz. Im Grunde ist es eine als Quizsendung getarnte Selbstdarstellungsorgie der beiden Hauptdarsteller auf Kosten der Gebührenzahler.
Die nach jeder Sendung erspielten Gewinne werden drehbuchgemäß immer gespendet. Mit einer Spende in Höhe von 53.900 Euro unterstützen z.B. die Gäste Axel Milberg (Schauspieler) und seine Frau Judith (Künstlerin und Moderatorin) die weltweite Kampagne Because I am a Girl der Kinderhilfsorganisation Plan International. Den Betrag erspielte das Ehepaar am letzten Samstagabend in der ARD-Show "Paar-Duell XXL". - Aber nein!!! Nix haben die beiden gespendet. Das erspielte Geld kommt schließlich vom Sender - und wer finanziert den? - Ich nehme dann schon mal den Dank der ARD für meine Spende an.
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Anmerkung von Charlie: Angesichts solcher Berichte feiere ich es immer wieder aufs Neue, dass ich das Fernsehen aus meinem Leben schon seit Jahren verbannt habe.
Lento e largo. Tranquillissimo – cantabillissimo – dolcissimo – legatissimo
Lento. Cantabile semplice
(Henryk Mikołaj Górecki [1933-2010]: "Sinfonie Nr. 3 (Symphony of Sorrowful Songs)" für Sopran und großes Orchester, Op. 36 aus dem Jahr 1976; Sopran: Zofia Kilanowicz, Polish National Radio Symphony Orchestra, Leitung: Antoni Wit, 1994)
Anmerkung: Der Text des zweiten Satzes besteht laut Werkangabe aus den aufgefundenen Wandinschriften einer 18jährigen Insassin des Gestapo-Gefängnisses im polnischen Zakopane ("a young prisoner's inscription on the wall of her cell in Zakopane's Gestapo prison"). Ich kenne kaum ein musikalisches Werk, das dem Gefühl der Trauer noch nachdrücklicher Ausdruck verleihen könnte.
Als ich das großartige Stück vor fast 30 Jahren - eher zufällig und unvorbereitet - durch einen Konzertbesuch kennenlernte, hat es mich tagelang beschäftigt und in tiefe emotionale Abgründe gestürzt. Wer es sich anhört, sollte sich in einem abgedunkelten Raum befinden und die Klänge möglichst laut genießen - außerdem sind eine gefestigte Psyche sowie die Absenz jedweder suizidaler Gedanken von großem Vorteil.
Am 4. November 2014 war beim Spiegelfechter ein Gastbeitrag mit dem Titel "Meine Vorstellung über das politische Hamburg" von Inge Hannemann zu lesen, der unter anderem diese Aussage enthielt:
Ein-Euro-Jobs und die kommenden Null-Euro-Jobs gehören genauso abgeschafft wie die derzeitige Sanktionspraxis, welche nachweislich bis hin zum Verlust von Wohnung und Krankenversicherung führt.
Die Nachdenkseiten, der Spiegelfechter und dessen Redakteure Berger und Wolf sowie Lutz Hausstein und Klaus Baum überboten sich in dieser Zeit mit positiven Jubeltexten über Frau Hannemann. Sie wurde so zu einer "rebellischen Stilikone" von Kleinbloggersdorf.
Frau Hannemann war mir aber nicht nur aufgrund der Kritik an ihrer Person auf Indymedia von Anfang an suspekt, denn ich fragte mich, wozu dieser Hype um eine Person, die auf dem linken Nonkonformisten-Ticket noch schnell auf den Zug ins System aufspringen will, dienen möge, wobei es hauptsächlich - wie wir heute wissen - um ihre Medienpräsenz und Selbstvermarktung ging. Die Dame ist seit März 2015 arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion "Die Linke" in der Hamburgischen Bürgerschaft mit einem steuerpflichtigen Salär von 2.700 Euro monatlich.
Als ich noch bei Klaus Baum kommentierte, habe ich dazu geschrieben, dass es schon lange, bevor Frau Hannemann das Licht der medialen Öffentlichkeit suchte, viele bescheidene und im Stillen agierende Whistleblower, Nonkonformisten, innerlich Gekündigte und Saboteure im öffentlichen Dienst gab, die keine Erwähnung fanden. Denn aus Angst vor dem Verlust ihrer materiellen Existenz durch (Verdachts-)Kündigung suchten sie nicht das Licht der Öffentlichkeit.
Im übrigen äußerte sich Frau Hannemann nie gegen "Hartz IV" generell, sondern nur gegen die damit verbundenen Sanktionen. Interessant ist in diesem Zusammenhang dieser Bericht, der zeigt, wo der Einsatz der "Jeanne d'Arc für Langzeitarbeitslose" endet und die schnöde Korruption beginnt:
Der Landesverband Hamburg und die Bezirksvertretung der Partei "Die Linke" stimmte zusammen mit den anderen Systemparteien für die Fortsetzung von "Ein-Euro-Jobs". Fadenscheinige Begründung: "Förderung sozialer Kontakte", faktisch jedoch Förderung des Projektträgers. Hauptbefürworterin war Inge Hannemann. Es ist dabei nur eine Randnotiz, dass es bisher keinem "Ein-Euro-Jobber" gelang, in ein normales Arbeitsverhältnis "überzugleiten".
Dies kann hier nachgelesen und nachgehört werden. Das Video mit der Rede von Frau Hannemann ist sehr aufschlussreich und erhellend (sie eröffnet mit "Sehr geehrte Bezirksamtsleiterin!" - gemeint ist Frau Dr. Liane Melzer - unglaublich!).
Eine Kommentatorin bemerkte dazu [das Zitat wurde zur besseren Lesbarkeit von mannigfaltigen Schreibfehlern befreit, Anm.v.Charlie]:
Dass Frau Hannemann die Seiten gewechselt hat, war doch früher oder später zu erwarten. Hier geht es nicht um Integration in den 1. Arbeitsmarkt, sondern um Arbeitsplatzerhalt für die Beschäftigten von "Koala". Der Zweig der billigen Arbeitssklaven soll erhalten bleiben durch Ausübung von Zwang von team.arbeit.hamburg, um Erwerbslosen die Existenz zu nehmen, wenn nicht gespurt wird wie team.arbeit.hamburg möchte. Erwerbslose (SGB-2-Bezieher) ebenso wie Praktikanten sind vom geplanten Mindestlohn ausgeschlossen. Das ganze dient weiterhin dazu, die prekäre Beschäftigung aufrecht zu erhalten, weil über Jahre sich wirtschaftlich ein neuer Arbeitsmarkt entwickelt hat.
Dazu schweigt das zuvor jubelnde Kleinbloggersdorf bisher. Dessen "Elite" befindet sich vermutlich gerade auf der Beerdigung des Antikapitalismus.
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Weitere Quellen:
1. Der Antrag.
2. Auf der Seite Abgeordnetenwatch gib es auf entsprechende Fragen eine Antwort von Hannemann, die aber schwammig ist.
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Statt einer Anmerkung von Charlie nur ein Zitat:
Die korrupten Politiker
Die korrupten Politiker saßen alle - - in den Clubsesseln herum
und rauchten dicke Importe zum Gläschen französischen Sekt:
hie und da rülpste einer diskret oder schneuzte sich mit Gebrumm,
aber alle hatten die Zeitungen leise gähnend beiseite gelegt.
Da erhob der korrupte Politiker Lehmann seine Stimme und sprach:
"Meine verehrten Herren korrupten Kollegen von jeder Partei -
allmählich, dess' können Sie versichert sein, lässt es schon nach
mit dem aufgeregten Artikelschreiben und dem Entrüstungsgeschrei.
Denn meine Herren" - er hustete kch kch, und der Diener klopfte ihn schon -
"wir mussten in unserm lieben Vaterland als Pioniere voran;
wir sind eine junge Nation und uns mangelt die Tradition der Korruption -
aber nur Mut, es geht rasch, und bald sieht man uns anders an!
Wenn sich die Einrichtung erst einmal gründlich durchgesetzt hat,
werden wir alle bald öffentlich geachtete Männer beziehungsweise Greise sein ...
blickt nach Amerika! Wo findet da noch über solches Erregung statt?
Sondern im Gegenteil - korrupt muss ein geachteter Politiker sein!
Darum erheben wir uns und stimmen vereint das Bundeslied an:
Immer an der Wand lang und vor der Zeit nicht schlapp gemacht!
Wenn es mal erst vor aller Augen und mit Tradition geschehen kann,
dann haben wir alle Mächte des Staates auf unsere Seite gebracht."
Ach, wie überraschend: Die Armut nimmt in Deutschland, dem es laut Merkel und ähnlichen Stiefelleckern der "Elite" ja "gut" gehe, kontinuierlich zu. Potzblitz, wie kann das inmitten des "besten aller möglichen Systeme" denn bloß sein, fragt sich da der verzweifelte Michel und bekommt die Antwort ohne Umwege von ganz rechts (AfD, NPD, CDU etc.), jüngst noch verstärkt durch das braune Megaphon der SPD: Der böse Flüchtling ist es, der "uns" alles wegnimmt. Im Kindergarten kann es wahrlich nicht infantiler zugehen.
Die Propaganda wird entsprechend nicht müde, immer neue Grotesken aus dem Hut zu zaubern. So behauptete der WDR unter Bezugnahme auf den jüngsten Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vor einigen Tagen ganz dreist: "Demnach ging bundesweit die Armutsquote im Jahr 2014 um 0,1 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent zurück." - Wer sich den Bericht etwas genauer ansieht, erkennt sofort den Bullshit-Faktor dieser Behauptung, die nur durch statistische Tricksereien ("Wir nehmen als Bezugspunkt 2013 und blenden den Rest einfach mal aus!") zustande kommen kann. Das wissen freilich auch die gut bezahlten Autoren des WDR und ergänzen hilflos:
Seit 2006 nimmt die Armut [in NRW] stetig zu - von 13,9 Prozent auf jetzt 17,5 Prozent. Ein Anstieg von 26 Prozent, den es so in keinem anderen Bundesland gegeben hat. Zum Vergleich: Bundesweit stieg die Quote um zehn Prozent.
Selbstverständlich ist auch das statistischer Schwachsinn, der aber immerhin der Realität etwas näher kommt. Nicht einmal die im Beitrag präsentierte Grafik, die ebenso zum Bullshit-Bingo gehört, belegt die anfängliche Behauptung eines bundesweiten angeblichen Rückgangs der Armut, die zynischerweise auch noch unter dem Titel "Zahl der Woche" veröffentlicht wurde:
Etwas ehrlicher - wenn auch immer noch weit von der Realität entfernt und ebenso zynisch - präsentiert sich zu diesem Thema n-tv, wo kürzlich zu lesen war:
Arm trotz guter Wirtschaftslage / Das Ruhrgebiet ist der neue Osten [sic!] / (...) Forscher und Sozialverbände stellen fest: Der Osten ist nicht mehr das Armenhaus Deutschlands und die Freude auf ein sorgloses Leben im Alter ist ein Trugbild.
Wer hier aber nach Informationen sucht, weshalb die bittere Armut zukünftig immer mehr Rentner betrifft oder welche Rolle das perverse Hartz-Zwangsverarmungssystem in diesem bösen Spiel innehat, wird selbstverständlich enttäuscht. Den deutlichen Knick nach 2005 (Einführung des Hartz-Terrors) in der obigen Grafik muss der geneigte Leser selbst interpretieren. Es gibt auch hier keine Informationen, geschweige denn Hintergrundberichte - gehen Sie bitte weiter und akzeptieren Sie das Fiasko als gottgegeben und nicht etwa von asozialen Elementen aus der Politik verursacht: "Schuld sind die Flüchtlinge, die faulen Arbeitslosen, die Kranken und die Rentner." Das wird zwar in keinem der beiden Texte so gesagt, schwingt aufgrund der fehlenden Information über die wirklichen Hintergründe aber stets mit. Wer das für einen Zufall oder ein Versehen hält, darf in Kürze gemeinsam mit meinen Kindern den Osterhasen jagen.
Wenn ein Journalist oder Politiker auch nur eine einzige Stunde seiner belanglosen Lebenszeit damit verbrächte, in einer Bibliothek einschlägige Texte zum Thema zu lesen, wüsste er oder sie sofort, wieso es in der Endphase des Kapitalismus selbstverständlich zu vermehrter, tendenziell stark zunehmender Verarmung der Massen kommen muss. Den größtenteils akademisch gebildeten Herr- und Frauschaften aus diesen illustren Kreisen darf also guten Gewissens unterstellt werden, hier ganz bewusst - und natürlich aus purem Eigeninteresse - zu verschleiern und zu lügen.
Es ist schlicht hirnzersetzend, dass es der elitären Bande im 21. Jahrhundert immer noch gelingt, irgendwelche arme Schlucker, denen es noch drei- oder gar zehnmal mieser geht als den verarmten "Volksgenossen", für den Niedergang der hiesigen "Mittelschicht" verantwortlich zu machen. Die superreichen Arschlöcher, die tatsächlich verantwortlich sind, lachen sich derweil einen Ast und freuen sich vermutlich diebisch auf den kommenden Faschismus, der ihnen erneut riesige Profite verspricht. Das "Perpetuum Mobile" der absurden Perfidie soll sich schließlich weiter drehen - auch nach dem kommenden Zusammenbruch.
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Das neue Proletariat
"Ein armer geistiger Arbeiter bittet um einen warmen Löffel."
(CygnosiC: "As We Approach The End", aus dem Album "Fallen", 2012)
Told me lies
Compromise
Scattered sties
We knew that price
As we approach the end
Spinning my head
Stealing my breath
You claim what is mine
An unequal fight
All I have is my pride
Anmerkung: Diese griechische Band hat die Antwort auf den menschenfeindlichen Katastrophenkurs von Merkel, Schäuble & Co. hier vorweggenommen. Der Untergangshymne ist nichts weiter hinzuzufügen.
Gestern hat der Gärtner in seiner "Sonntagsfrühstücks"-Kolumne mal wieder ordentlich vom Leder gezogen: Thema waren diesmal die jüngsten, nur noch als völkisch zu betrachtenden Äußerungen von Fleischtopfschöpfer Sigmar Gabriel und die nicht minder widerwärtige Kommentierung der jüngsten, wie immer grotesken Ergüsse des Freiheitsapostels Gauck durch die ebenso fürstlich entlohnte Kuhjournalistin Constanze v. Bullion in der Süddeutschen. Der scharfzüngige Text ist, wie fast immer, äußerst empfehlenswert und erhellend.
Gärtner resümiert - und dieses Zitat muss einfach sein, weil es wie kaum ein anderes ein grelles, aufklärendes Licht auf die schauderhafte Gedanken- bzw. Propagandawelt der Neoliberallalas aus der Politik und der Journaille wirft:
Dass die Volksgenossen in dieser wunderbar nationalen Stimmung ("Asylpaket II") dann ganz konkret zur Supergefährlichkeit neigen, schiebt unsere linksliberale, dem Standort Deutschland ebenso treu ergebene Qualitätspresse dann vorsorglich auf einen Sozialismus, der, statt wie üblich die Menschen brutal dem gleichmacherischen Kollektiv zu unterwerfen, neuerdings den Glauben ans Teilen verhöhnt (!), und wieder stimmt das Wort des völkischen Antibolschewisten Goebbels: dass nämlich die unverschämtesten Flunkereien am ehesten geglaubt werden. / Und eben die sind die supergefährlichsten. Wer nicht gerade Sigmar Gabriel, Constanze v. Bullion oder sonst eine korrupte Figur ist, weiß das.
Mir fällt zu diesen völlig durchgeknallten Paralleluniversumsbewohnern nichts mehr ein - außer der Feststellung, dass sie keineswegs allesamt so unsäglich dumm sein können, dass sie gar nicht bemerken, wie weit sie sich inzwischen von jeder auch nur mühsam zu konstruierenden Realität entfernt haben. Mit anderen Worten: Die tun das mit voller Absicht und wider besseres Wissen.
Gärtner hat vergessen zu erwähnen, dass die übrige rechte Bande von CDU/CSU die völkisch-nationalen Pseudoforderungen Gabriels, die dieser als Vorsitzender der maßgeblichen Hartz-Terror-Partei selbstverständlich nicht ernst meint (es ist schließlich Wahlkrampf), strikt zurückgewiesen hat - für das asoziale Pack Merkel, Seehofer, "die Misere", Schäuble & Co. kommt eine pervertierte Menschenfreundlichkeit nicht einmal dann in Betracht, wenn sie nur Arier "deutsche Volksgenossen" betreffen soll.
Was ist das bloß für eine widerliche Bagage, quer durch die komplette kapitalistische Einheitspartei samt der begleitenden Propagandapresse!
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Dichter und Denker
"Wenn sich ein Minister bloß satt isst, ist er ein Sparer. Und wenn ich nicht verhungere, bin ich ein Verschwender."
Ich war mir eigentlich sicher, dass angesichts des asozialen, an Perfidie kaum zu überbietenden Agenda-Schröders und der nachfolgenden Karikaturen wie Fleischklops Gabriel im feinen Seidenmantel oder Kinderschreck Nahles jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch in dieser bis ins Knochenmark korrumpierten Partei namens ASPD allerhöchstens noch ein Vehikel für müde Satire sehen könne. Dasselbe gilt freilich - vielleicht in noch stärkerem Maße - für die Grünen und deren aktuelle VertreterInnen wie diese Frau Goebbels-Eichmann (oder wie die doch gleich heißt) sowie die "realpolitische" Fraktion der sogenannten "Linkspartei".
Ich irre mich oft. Gerade musste ich mich im Blog von Klaus Baum von einem Kommentator belehren lassen, der mir ins Stammbuch schrieb: "Es gibt überhaupt keine humane Alternative zu einem linken Reformismus."
Ob der Mann strammer Parteisoldat ist oder tatsächlich nur seine ureigenste Meinung - woher auch immer sie stammen mag - kund tut, weiß ich freilich nicht - aber der "linke Reformismus" bereitet mir nicht nur Bauchschmerzen, sondern regelrechte Gehirnkrämpfe. Was, bitte, gibt es denn am Kapitalismus zu "reformieren", nachdem in gemeinschaftlicher Arbeit von CDU, SPD, FDP und Grünen dieses schauderhafte System wieder in den Zustand versetzt worden ist, der eigentlich "normal" ist? Die Nachkriegsphase war ja klar erkennbar eine Zäsur, die stets nach einem Neustart des zusammengebrochenen Systems erforderlich ist. Heute sind wir wieder in dem Stadium angekommen, das seinerzeit zu zwei Weltkriegen, Faschismus und umfassender Zerstörung, Elend und massenhaftem Tod geführt hat - und was soll da jetzt bitte "reformiert" werden? Die Bibliotheken quellen über vor lauter guter, allmählich in der Vergessenheit versinkender Literatur zu diesem Thema - und dennoch stellen sich heute wieder einige Kasper hin und fordern erneut eine "Bändigung" des "Raubtierkapitalismus".
Der unsägliche, stets wild schwadronierende Lapuente tut das ebenfalls immer wieder, auch die Nachdenkseiten gehören zu diesem illustren Kreis, ebenso wie die angeblich alternative "linke" Presse (Freitag, taz etc.), die sich ebenfalls konsequent im kapitalistischen Systemrahmen bewegt, ohne diesen - und sei es auch nur experimentell-gedanklich - je zu verlassen.
Der Begriff "linker Reformismus" im kapitalistischen Zusammenhang ist ungefähr so sinnvoll wie eine "humane Folter" oder eine "sozialverträgliche Zerfleischung". Dieses System kann nicht in einem humanistischen Sinn "reformiert" oder "gebändigt" werden - das widerspricht der inneren Systemlogik, die exakt das Gegenteil erfordert. Es verwundert mich zutiefst, dass diese offensichtliche Logik nicht jedem vernunftbegabten Wesen sofort zugänglich zu sein scheint.
Und ich frage mich, was solche Menschen, die die vergangenen 100 Jahre nicht auf der Venus verbracht haben, wohl mit dem Begriff "humane Alternative" verbinden? Die vielen, vielen Millionen Opfer des kapitalistischen Terrors zwischen 1945 und andauernd bis heute spielen dabei offenbar keine Rolle. Oder soll es am Ende wieder einmal nur den "deutschen Volksgenossen" gut gehen, ganz egal, wie es im Rest der Welt aussieht? Was soll "linker Reformismus" hier sonst bedeuten?
Ich irre mich, wie gesagt, oft. Vielleicht kann mir hier jemand auf die Sprünge helfen? Wie sähe ein "linker Reformismus" in der heutigen untergehenden Zeit aus, der allen Menschen gleichermaßen Wohltaten beschert? Ich bin begierig auf Antworten, auch wenn sie vermutlich - bzw. logischerweise - ausbleiben werden.
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Das Vaterunser
(Zeichnung von George Grosz [1893-1959] aus dem Jahr 1921, in: "Ecce Homo", Malik 1923; Verbleib des Originals unbekannt)
(Song von Anna Marly [Musik] und dem französischen Résistance-Kämpfer Emmanuel d'Astier [Text] aus dem Jahr 1943, interpretiert von Leonard Cohen in einem Konzert in Helsinki [Finnland], 2008; zuerst auf dem Album "Songs from a Room", 1969)
When they poured across the border
I was cautioned to surrender,
this I could not do;
I took my gun and vanished.
I have changed my name so often,
I've lost my wife and children
but I have many friends,
and some of them are with me.
There were three of us this morning
I'm the only one this evening
but I will go on;
the frontiers are my prison.
An old woman gave us shelter,
kept us hidden in the garret,
then the soldiers came;
she died without a whisper.
Les Allemands étaient chez moi (the Germans were at my home)
ils m'ont dit "Résigne-toi" (they said, "Surrender,")
mais je n'ai pas pu (this I could not do)
j'ai repris mon arme (I took my weapon again)
J'ai changé cent fois de nom (I have changed names a hundred times)
j'ai perdu femme et enfants (I have lost wife and children)
mais j'ai tant d'amis (but I have so many friends)
j'ai la France entière (I have all of France)
Un vieil homme dans un grenier (an old man in an attic)
pour la nuit nous a cachés (hid us for the night)
les Allemands l'ont pris (the Germans captured him)
il est mort sans surprise (he died without surprise)
Oh, the wind, the wind is blowing,
through the graves the wind is blowing,
freedom soon will come;
then we'll come from the shadows.
Anmerkung: Dieses alte Lied ist heute so aktuell wie seit seiner Entstehung nicht mehr. Cohen bringt es fertig, die Durchhalte-Textzeile "Freedom soon will come" zu einer Musik zu singen, die vor lauter offensichtlicher Resignation und tiefer Trauer keine derartigen Hoffnungen mehr zulässt. So fühlt jemand, der weiß, dass sein Kampf vergeblich ist, das aus gewissen Gründen aber nicht laut sagen zu dürfen oder zu können meint.
Wenn der Widerstand wie ein Requiem klingt, sind die Gräber längst geschaufelt und der Zug, in den man in Richtung Zukunft einsteigen möchte, befindet sich schon überfüllt im übernächsten rückwärtigen Bahnhof, kurz vorm Krematorium.
Anmerkung: Dieser äußerst sehenswerte und wichtige Film, der weitaus weniger mit Science Fiction zu tun hat als es den Anschein haben mag, sollte auch dem letzten "netzaffinen" Greenhorn zu den Themen Datenschutz und Orwell'scher Dystopie die übel verklebten Augen öffnen. Ein datenschutzbefreites, profitorientiertes Internet der Konzerne, das kein Recht auf Anonymität mehr kennt, ist nichts anderes als die Eingangshalle zur puren Hölle der totalen Überwachung, aus der es kein Entrinnen mehr gibt.
Es ist freilich bigott, dass ausgerechnet Claus Kleber, Markus Lanz und viele andere ominöse Gestalten der öffentlich-rechtlichen Desinformationsmedien hier mitwirken - andererseits gewinnt der Film, vermutlich ohne dass die finanziell fürstlich abgesicherten Mitwirkenden das bemerken, dadurch an Authentizität. Mario Sixtus ist hier ein Geniestreich gelungen, der nicht nur die blökenden Schafe aus der Bevölkerung bloßstellt, sondern auch die freundlich begleitende Rolle der Massenmedien und natürlich der sich im Enddarm das Kapitals suhlenden und ewig windenden, korrupten Politik illustriert.
Diesen Film sollte sich jeder aufmerksam ansehen. Das Szenario ist sehr nahe. Der Schluss des Films hebt überdeutlich hervor, wie wichtig ein freies, unzensiertes, anonymes und nicht kommerziell gesteuertes Internet ist. Die schauderhafte Fahrt in die Hölle ist derweil jedoch in vollem Gange - wie sollte es auch anders sein in diesem kapitalistischen Untergangssystem.
Einige Gesellen unserer lieben "Arschgesichter für Dummbratzen" (AfD) werden nicht müde, immer wieder markige Sprüche in Sachen Dummheit, Rassismus und brutaler Selbstentlarvung herauszuhauen - die Oettinger-Matratze Petry ist da beileibe keine Ausnahme. Doch auch die Straßen- bzw. Gossenfraktion dieser politischen Pissrinne, die "Permanenten Einzeller gegen den Intellekt deutscher Arschlöcher" (Pegida), ist in dieser Hinsicht äußerst aktiv. Gestern las ich beispielsweise einen Kurzbericht über einige hübsche Äußerungen der Pegida-Führerin Tatjana Festerling, die vor lauter Humanismus und tiefer Menschenliebe nur so triefen:
"Wenn sie weiter über die Grenze kommen und man sie nicht einsperren kann, erschießt sie!" / Deutschland sei eine "Freiluft-Psychiatrie mit der Geisteskrankheit 'politische Korrektheit'". "Wir von Pegida sind die einzigen, die sich nicht um politische Korrektheit scheren!" / "Wir haben keine Skrupel und keine Angst. In Zeiten wie diesen: Scheiß auf Anstand!" Der Kampf gegen die Islamisierung sei "die letzte Schlacht", so die zweifache Mutter. / Ihrem klaren Feindbild - und zwar Muslimen und der "herrschenden Elite", die es "mit Mistgabeln" zu vertreiben gelte - setzte Festerling eine offene Sympathie für die Hooligan-Szene entgegen. Diese [habe] die Pegida-Demos von Anfang an vor "brutalen Linken" beschützt. "Ich kann verstehen, warum ein Mann zum Hooligan wird", sagte Festerling. "Das ist eine Rebellion gegen das, was ich 'Nippel-Sozialisation' nenne: unsere verweiblichte Kultur, die Frauen und Muslime fördert und weiße Männer bekriegt."
Zu diesen an Bräsigkeit und dümmlicher Ignoranz kaum zu überbietenden Äußerungen erübrigt sich jeder ernsthafte Kommentar. Wenn jemand freiwillig in eine Grube voller Scheiße springt und beim Untertauchen einige herzhafte Schlücke nimmt, gibt es dazu nichts weiter zu sagen - man kann nur belustigt-geschockt danebenstehen oder sich entsetzt-angeekelt abwenden. - Festerling ließ die Frage offen, wie sie mit ihren glitschigen, kotverschmierten Händen eine Mistgabel halten wolle.
Ich als alter "Gutmensch" hege hingegen keinerlei Gelüste, Widerlinge wie Festerling & Co. erschießen, mit Mistgabeln erstechen oder von Hooligans totprügeln zu lassen - ganz im Gegenteil: Die Dame und ihre furchtbaren GesinnungsgenossInnen sind herzlich eingeladen, jederzeit zu mir zu kommen und kostenlose Nachhilfestunden in den Fächern "Denken für Anfänger" und "Dein Gehirn, der fremde Untermieter" zu nehmen sowie den Selbsthilfekurs "Wie erkenne ich, ob ich in ein erfrischendes Schwimmbecken oder eine stinkende Jauchegrube springe?" zu absolvieren. Weitere Fortbildungsmöglichkeiten sind auf Anfrage verfügbar.
Obwohl die Erfolgsaussichten freilich bescheiden sind, stirbt doch die Hoffnung zuletzt. - Wie damals 1933.
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Ein Zeitkind
"Lasst mich aus mit Idealismus, Ehrlichkeit und so weiter. Die jetzige Zeit verlangt Politiker."
(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 04.03.1919)
(Voltaire: "To the Bottom of the Sea", aus dem gleichnamigen Album, 2008)
Our Chinese cook, he grabbed all he could took,
He said, "no storm is stoppin' me!"
He made fricassee of a sea anemone:
Down at the bottom of the sea.
I turned to my first officer and I said,
"What have you got to say to me?"
Well, he turned and said, "I'm in over my head."
Down at the bottom of the sea.
A she-Kraken, lurkin' under my men,
looked up at their legs hungrily.
She counted eight, so she thought she found a mate:
Down at the bottom of the sea.
They kicked and they fought but it was all for naught
'cause she just wouldn't set 'em free.
She had them taught in a tight sailor's knot:
Down at the bottom of the sea.
Some men call to god when their number's up,
Some cry for their mums -
I just lament all these barrels of wasted rum!
Seaman Shaft, we all knew he was daft.
His story don't end happily.
He drifted by with a fishgig in his eye:
Down at the bottom of the sea.
Down at the bottom was treasure galore,
but guarding it so greedily
was an angry horde of skeletons with swords:
Down at the bottom of the sea.
"For the horde!"
Some men call to god when their number's up,
Some cry for their mums -
I just lament all these barrels of wasted rum!
Down to the bottom of the -
we're at the bottom of the -
stuck at the bottom of the deep, dark,
crazy-assed fish-dwellin',
between the devil and the deep blue sea.
Anmerkung: Dieses kleine Seemannsliedchen ist die direkte Fortsetzung des kapitalistischen Welthits "This Ship's Going Down", den ich vor anderthalb Jahren hier schon einmal verlinkt habe. Es ist klar ersichtlich, dass alles seinen vorhersehbaren Gang geht.
"For the horde!" ist exakt der passende Schlachtruf dieser untergehenden bzw. längst untergegangenen Zeit (vielleicht noch versehen mit dem Zusatz "of the 'Elite'"), die aber leider erneut das pure Barbarentum durchleben muss, bevor sie endlich auf dem Grund des Meeres in ewiger Vergessenheit im gärenden Schlick des vergleichsweise wundervoll duftenden Fischkotes versinken darf. Und dann beginnt das perverse Spiel wieder von vorne, falls noch genügend "Menschenmaterial" existiert und der Planet noch nicht vollständig den Geist aufgegeben hat.
Es ist gut, dass meine Tage in dieser Hölle gezählt sind - und es ist furchtbar und unerträglich, dass meine Kinder sie vermutlich noch in ihrer ganzen abgrundtiefen Hässlichkeit kennenlernen werden.
Jedem, der länger als fünf Minuten über das global herrschende Wirtschaftssystem nachdenkt, dürfte klar sein dass es sich bei dem Begriffspaar "Kapitalismus / Nachhaltigkeit" um ein sogenanntes Oxymoron bzw. Oppositionspaar, mithin also um ein klassisches Paradoxon handelt. Die gängige Erzählung der Politik und der hofierenden Massenmedien klammert diese banale Erkenntnis in aller Regel rigoros aus, so dass es allenfalls gelegentlich zu "bedauerlichen Einzelfällen" wie dem folgenden kommt, den ich kürzlich auf den Seiten des WDRentdeckt habe:
Auf dem Schrottplatz von Dirk G. aus Castrop-Rauxel stehen immer mehr Autos, die jünger sind als zehn Jahre und zum Teil nur 50.000 Kilometer gelaufen sind. "Es tut mir persönlich weh, solche Autos zu verwerten", sagt der 47jährige Kfz-Meister. Aber Auftrag sei eben Auftrag. "Der Kunde will es so", erklärt G. / Der Kunde ist ein Vertrags-Händler eines deutschen Automobil-Herstellers. Der Autokonzern zahlt seinen Kunden aktuell bis zu 3.000 Euro Wechselprämie, wenn sie einen Neu- oder Jahreswagen kaufen und ihren mindestens neun Jahre alten Gebrauchtwagen abgeben. Doch statt die Wagen weiter zu verkaufen, lässt der Händler die alten Fahrzeuge kurzerhand verschrotten.
Auch die korrupte Bande in Berlin ist auf diesem Gebiet selbstverständlich bestens bewandert - wir erinnern uns noch glückselig an die "Abwrackprämie" und freuen uns nach wie vor über die sinnfreien "Feinstaubplaketten", mit deren Hilfe ältere, eigentlich voll funktionstüchtige Automobile vom heimischen "Markt" erfolgreich in die Verschrottung oder - um mehr Kohle zu generieren - in den Export zum Mars nach Afrika gedrängt wurden. Der völlig überraschende "Abgasskandal" hat die "Feinstaubplakette" nachträglich noch in die Königsklasse des Kafkaesken erhoben, wo sie nach wie vor schillernd und für alle sichtbar als korrupter Irrsinn vor sich hin mäandert (und unablässig weiter Kohle anschafft, ohne dass irgendjemand sie ernsthaft in Frage stellt). - Es ist nur eine Randnotiz, dass für teure Oldtimer, die ungleich mehr Sprit verbrauchen und Gifte in die Welt pusten, natürlich Sonderregelungen gelten - man will der selbsternannten "Elite", für die Politik im Kapitalismus einzig gemacht wird, ja schließlich nicht die glitzernden, rauchenden Spielzeuge vergrätzen.
Selbstverständlich betrifft dies nicht bloß die Automobilindustrie, auch wenn die Groteske dort ganz besonders offensichtlich wird. Ein WDR- oder sonstiger Redakteur kommt mangels Kompetenz, fehlender Hirnleistung oder schnöder Vorgabe vielleicht nicht darauf; ein Grundschulkind erkennt dafür aber umso schneller: Ein Wirtschaftssystem wie der Kapitalismus kann unter gar keinen Umständen "langlebige", "nachhaltige" Produkte hervorbringen, ohne sich selbst ad absurdum zu führen. Trotzdem werden stets fleißig Nebelkerzen geworfen, und sogar das "Umweltbundesamt" (hier ist ein "*lol*" der einzig passende Kommentar) wird nicht müde, immer wieder lächerlichste Forderungen in die Welt zu posaunen, die von interessierter Seite weder erwünscht, noch im Rahmen dieses Systems überhaupt umsetzbar sind.
Wer dieses System für "reformierbar" hält, muss entweder geisteskrank oder pervers - oder beides - sein. Die politische und mediale Öffentlichkeit ist offensichtlich beides. Nachhaltig.
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Des Bootes Jammer
(Gemälde von Akseli Gallen-Kallela [1865-1931] aus den Jahren 1906/07, Öl auf Leinwand, KOP Bank von Finnland [sic!], Helsinki, Finnland)
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...