Montag, 31. Oktober 2016

SPD/CSU: Menschenfreunde in Aktion


Die asoziale "Sozialministerin" Andrea Nahles (SPD) ist aktuell darum bemüht, sich in populistischem, wirkungslosem Aktionismus gegen die auch von ihrer Partei herbeigesehnte und in langer Lobby-Arbeit minutiös herbeigeführte Altersarmut zu ergehen. Die olle Schrapnelle geht dabei nach dem gewohnten, kapitalistischen Muster der korrupten Bande vor: Zuerst fluten sie bewusst die Sandburg, um im nächsten Schritt lauthals deren folglich unvermeidbare Zerstörung zu bejammern und im gleichen Atemzug die Zerstörung voller Zynismus zu zementieren und auszubauen. Im Fall der Armutsrente, die unterhalb des Sozialhilfeniveaus liegt und Millionen von Menschen in diesem Land zunehmend betrifft, klingt das dann beispielsweise so:

Die Bundesregierung hat laut einem Zeitungsbericht die Bürger vor unzureichender eigener Altersvorsorge gewarnt. Das Versorgungsniveau der künftigen Rentner werde "ohne zusätzliche Altersvorsorge in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen", zitiert die Süddeutsche Zeitung aus dem ihr vorliegenden Alterssicherungsbericht 2016. Ein erhebliches Risiko bestehe vor allem für Geringverdiener. "Wird in diesem Einkommensbereich nicht zusätzlich für das Alter vorgesorgt, steigt das Risiko der Bedürftigkeit im Alter stark an", heißt es in der Regierungsanalyse.

Diese hochwissenschaftliche Analyse ist selbstverständlich ein massiver Anreiz für die Betroffenen, ab sofort mindestens 1.000 Euro monatlich auf die Seite zu legen, damit die bittere, drohende Altersarmut doch noch abgewendet werden kann. Ich mache das auch so, seit ich diesen äußerst wichtigen Hinweis unserer lieben Bundesregierung gelesen habe. Wo landete ich im Rentenalter bloß, wenn diese hellsichtigen Menschenfreunde mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätten! Danke!

Nun wäre die korrupte Bande aber nicht konsequent, wenn sie ausschließlich die Alten und jene, die es bald sein werden, bis aufs Hemd ausplündert - zur Füllung der Geldspeicher der "Elite" müssen schließlich alle beitragen, und ganz besonders eben jene, die ohnehin nichts oder nur sehr wenig haben. Das werden sich auch Andrea Nahles und ihre widerlichen KumpanInnen aus dem Ministerium zur Förderung des Faschismus' gedacht haben, als sie vor einigen Wochen einige Ausländer-Babys brieten und verspeisten und sodann beschlossen haben:

Die Bundesregierung will Ausländer aus anderen Staaten der Europäischen Union (EU) für fünf Jahre von Hartz-IV-Leistungen und Sozialhilfe ausschließen, wenn sie in Deutschland noch nie gearbeitet haben. Einen entsprechenden Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) brachte das Kabinett nach Angaben von Teilnehmern auf den Weg. (...) / In dem Gesetzentwurf heißt es, arbeitslose EU-Ausländer könnten aber für die Dauer von einem Monat einmalige Überbrückungsleistungen etwa für Essen und Unterkunft erhalten. Zudem könnten sie für die Rückreisekosten in ihr Heimatland ein Darlehen bekommen.

Hier sprühen die Menschenfreundlichkeit und der europäische Solidaritätsgedanke förmlich aus jeder Silbe. Eine solche Regelung, die nicht nur dem Grundgesetz, sondern auch jedem ernstzunehmenden europäischen "Unionsrecht" widerspricht, kann in guter, alter Schröder-Tradition selbstverständlich nur aus einem SPD-Ministerium kommen - und erntet, ebenfalls wie immer, besonders lauten Applaus von ganz rechts außen: "Bundessozialministerin Andrea Nahles bekommt für ihre Pläne zur Begrenzung von Sozialleistungen für EU-Ausländer Lob von der CSU."

Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang wieder einmal der hirnzersetzende Begriff "EU-Ausländer", der ähnlich sinnvoll ist wie "Bundesrepublik-Ausländer", wenn es um Menschen aus Bayern geht, die beispielsweise in Niedersachsen durch Krankheit, Alter oder Arbeitslosigkeit hilfebedürftig werden. Sollen die doch erstmal fünf Jahre [sic!] unter der Brücke oder illegal im Wald oder auf der Müllkippe hausen, bevor sie auch in den "Genuss" des überwachenden staatlichen Hartz-Terror-Almosens kommen - oder aber in ihre christlich-soziale Alpenenklave zurückkehren!

Ja, die Willkommenskultur ist in diesem furchtbaren Land des Vorzeige-Kapitalismus mindestens ebenso legendär wie die Menschenfreundlichkeit und die Solidarität. Mir quillt die kalte Kotze durch die längst säuregeschädigte Speiseröhre nach oben, wenn ich mir ausmale, in welchen schwelenden, erbärmlichen Ruinen meine Kinder in wenigen Jahren vegetieren müssen, wenn diese zerstörerische Brut nicht endlich, endlich aufgehalten wird.

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Das Frieren



(Kreidelithografie von Walter Gramatté [1897-1929] aus dem Jahr 1917, unbekannter Verbleib)

Samstag, 29. Oktober 2016

Buchempfehlung: Kryptozoikum


Die literarische Reise, die ich heute wärmstens empfehlen möchte, ist eine wahrhaft psychedelische: Der Roman "Kryptozoikum" des britischen Autors Brian W. Aldiss verlangt dem in bewusstseinserweiternder Hinsicht unbedarften Leser eine Menge ab, da er nicht nur ein höchst fantastisches Thema behandelt, sondern dieses auch sprachlich entsprechend schillernd illustriert. Das Buch gilt heute als "Meilenstein" der Science-Fiction-Literatur, ist aber gleichwohl für heutige, oft eher schlichte Lesebedürfnisse ein eher sperriges Werk, mit dem "Space Opera"-Fans vermutlich nichts anfangen können. Ich zitiere aus dem Klappentext der deutschen Erstausgabe:

Ed Bush ist ein Künstler, und er malt in seinen visionären Bildern die unberührten Landschaften längst vergangener Epochen. Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts stempelt ihn als Geisteskranken ab. Doch er hat die Wahrheit gesehen - dass die Zeit in Wirklichkeit rückwärts fließt, so dass die Vergangenheit zur Zukunft wird, die Zukunft zur Vergangenheit. Und dass das ferne Ziel der Menschheit an ihrem Anfang liegt: dem Anbeginn des Kryptozoikums.

Diese für einen deutschen Billig-Verlag wie "Bastei Lübbe" schon damals typische Zusammenfassung im reißerisch-oberflächlichen Stil charakterisiert dieses literarische Juwel nur äußerst unzureichend. Dem Roman liegt die auch heute noch als eine von mehreren kosmologischen Thesen zur Entstehung und Entwicklung des Universums formulierte Annahme zugrunde, nach der das Universum nach einer langen Zeit der Expansion sich irgendwann wieder zusammenzuziehen beginnt, um schließlich im "umgekehrten Urknall" zu enden (und danach eventuell wieder neu zu beginnen), die "geschlossenes Universum" genannt wird (im Gegensatz zum "offenen Universum", das sich bis zum letztendlichen Erlöschen aller Sterne bis in alle Ewigkeit weiter ausdehnt). Aldiss überträgt diese These auf die kosmologische Komponente der (Raum-)Zeit und schafft so ein bizarres, überaus lesenswertes erzählerisches Szenario, das den Blick auf so manches Detail unserer heutigen, nicht minder bizarren Realität schärft.

Dazu ein kleiner Auszug aus dem Prolog des Buches:

Sie lagen in sinnlosen Haufen herum, und doch wie nach einem unbekannten, schrecklichen Plan, der auf die ungeheuren Kräfte schließen ließ, die sie dorthin geschleudert hatten. Diese Gebilde schienen zwischen organischer und unorganischer Materie die Mitte zu halten. Sie wucherten an den Rändern der Zeit und verkörperten all jene seltsamen Formen, welche die Erde erstmals tragen sollte; hier träumte die Erde einen Albtraum von der Brut, die sich einstmals über sie verbreiten würde. / Es waren kopromorphe Bildungen, sie erinnerten an Elefanten, Robben, Diplodoken, seltsame Squamaten und Sauropoden, Holzläuse, Flusspferde ... an lebendige und tote. Es tauchte auch manches auf, was von fernher an die menschliche Physis anklang: Torsi, Schenkel, geschwungene Lenden, Rücken, Brüste, Andeutungen von Händen und Fingern, massige Schultern, phallische Formen, alles unterscheidbar und doch vermischt mit den seltsamen Anatomien dieser geisterhaften Wehen der Natur, und alles seelenlos, erinnerungslos aus jenem grauen Ton geknetet, ohne einen Gedanken an Vergänglichkeit. / Sie erstreckten sich, soweit das Auge reichte, aufeinandergetürmt, als wollten sie das ganze Kryptozoikum füllen ... oder als seien sie die unheimlichen Vorschattungen von etwas, das da kommen wird - und gleichzeitig die Nachbilder von etwas sehr lange Vergangenem.

Wer sich auf diesen sagenhaften Roman, der inzwischen in mannigfaltigen Ausgaben und Verlagen erschienen ist, einlässt, braucht starke Nerven, ein sprühend fantasiefähiges Gehirn und ausreichend Ruhe, um das Gelesene zu reflektieren. Ich kann diese trotzdem gar nicht schwierige Reise, die zudem ein äußerst überraschendes Ende bereithält, nur dringend empfehlen.



(Brian Wilson Aldiss [*1925]: "Kryptozoikum", 1967; dt. Bastei Lübbe 1976)

Freitag, 28. Oktober 2016

Musik des Tages: Prism Rhapsody




(Keiko Abe [*1937]: "Prism Rhapsody" für Marimbafon und Orchester; Marimbafon: Martin Grubinger; Frankfurt Radio Symphony Orchestra, Leitung: Vasily Petrenko, 2016)

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Westliche Werte: Folter und Abschreckung


Es gibt wieder einmal ein wundervolles Beispiel für die "freiheitlich-demokratischen Werte des Westens", diesmal aus dem fernen Australien: Die dort herrschende kapitalistische Bande der Menschenfeinde, die sich in nichts von den korrupten Widerlingen in Europa oder Nordamerika unterscheidet, hat es sogar bis in den aktuellen Bericht von Amnesty International gebracht, in dem die Organisation befindet:

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der australischen Regierung die Folter von Flüchtlingen und Asylsuchenden vor. Im Flüchtlingslager im pazifischen Inselstaat Nauru, das Australien betreibt, seien Menschenrechtsverletzungen, Missbrauch und Selbstverletzungen an der Tagesordnung, heißt es in einem Untersuchungsbericht von Amnesty International. Der menschenunwürdige Umgang mit den rund 400 auf Nauru eingesperrten Menschen erfülle auch nach internationalem Recht den Tatbestand der Folter.

Wie auch in Deutschland, Ungarn, Italien, Frankreich etc. pp. hat man auch in Australien natürlich einen triftigen Grund, Flüchtlingen nicht etwa umfassend zu helfen, sondern ihnen unentwegt in die Fresse zu treten:

Die Internierten litten unter physischer Gewalt und sexuellen Übergriffen. Häufig verletzten sie sich aus Verzweiflung selbst, berichtet Amnesty. Viele Gefangene seien erst auf Nauru psychisch erkrankt. Zudem sei die medizinische Versorgung unzureichend, und Kinder würden nicht ausreichend vor Missbrauch geschützt. (...) / Neistat wirft der australischen Regierung vor, sie betreibe auf Nauru ein "Freiluftgefängnis", mit dem Ziel, so viel Leid anzurichten, dass es die Menschen abschrecke, Schutz in Australien zu suchen. / Australiens Regierung will mit dem Lager außerhalb des eigenen Territoriums die Zuwanderung von Migranten kontrollieren und Flüchtlinge von gefährlichen Überseefahrten abhalten.

Damit befindet sich Australien auf demselben argumentativen Gülle-Niveau wie verbrecherische Gestalten wie Viktor Orbán, Horst Seehofer oder Thomas de Maizière, um nur eine kleine Auswahl der scheinheiligen westlichen Werte-Prediger zu benennen. An Widerwärtigkeit ist das kaum mehr zu überbieten - das schaffen allenfalls noch offen bekennende Faschisten, die sich nicht mehr auf die Schimäre eines nicht vorhandenen Wertesystems, sondern nur noch auf erklärte Menschenfeindlichkeit und puren Egoismus berufen. Es dauert gewiss nicht mehr lange, bis auch die letzten Reste der vergammelten Fassaden der "freiheitlichen Demokratien" im kapitalistischen Sumpf der Hab- und Machtgier untergegangen sind.

Dieser Planet und insbesondere seine selbsternannte "Krone der Schöpfung" haben den Dunstkreis der frühesten Steinzeit offenkundig nie verlassen und dümpeln weiterhin auf demselben faschistoiden Level herum, der schon in der Tierwelt seit jeher vorherrscht: Der Stärkste frisst zuerst, bis er satt ist - erst danach dürfen, wenn noch etwas übrig ist, auch Niederrangige ihren Hunger stillen. Allerdings hat der kapitalistische Mensch dieses überaus perverse Naturprinzip noch stark verfeinert, denn bei den Menschen fressen die Stärksten nicht mehr nur, bis sie satt sind, sondern schaffen den Rest der Beute habgierig in den heimischen Geldspeicher, bis der aus allen Nähten platzt - und der Rest der Sippe muss sich um die Krumen und sehnigen Brocken bekriegen, die eventuell übrig bleiben. Insofern ist die heutige Welt sogar hinter die frühe Steinzeit zurückgefallen.

Aber solange die korrupte Bande und die Propagandamedien das Märchen von den "westlichen, demokratischen Werten" erzählen, dürfen in Flüchtlingslagern weltweit Menschen wie Vieh behandelt und gerne auch gefoltert werden - schließlich dient das ja dem höheren Zweck der Abschreckung.

Falls es irgendwo in der näheren Umgebung unseres Sonnensystems andere intelligente Lebensformen gibt, haben die den Planeten Erde längst zu einer strikten Quarantänezone erklärt und werden Himmel und Hölle in Bewegung setzen, damit diese prä-steinzeitliche Menschheit ihren verkommenen Planeten bitte niemals verlässt. Und ich würde diese Bestrebungen nach Kräften unterstützen.

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"Ich war zufrieden - und ich bin gern SS-Mann gewesen!"



("Die SS: Totenkopf", Dokumentation von Stefan Brauburger & Friederike Dreykluft, 2002)

Dienstag, 25. Oktober 2016

Der esoterische Dildo: Konstantin Wecker und Erich Mühsam


Die Preisverleihungsmafia in Kapitalistan ist höchst aktiv: Ob nun ein Kriegs-, Morddrohnen- und Folterpräsident wie Obama den Friedensnobelspreis verliehen bekommt oder ein Klampfen- und Sprachlegastheniker wie Bob Dylan, der nie eine einzige Zeile Literatur zu Papier gebracht hat, sich in der verwesenden Sonne des Literaturnobelpreises sonnen darf: Für eine schamlos zu unterbietende Untergrenze ist sich dieses System nie zu schade.

Vergewaltigungen sind in dieser gruseligen Szene an der Tagesordnung. Eine solche fand am 14. Oktober auch in Lübeck statt, als der Erich-Mühsam-Preis ausgerechnet an den esoterischen Schmalzbarden Konstantin Wecker verliehen wurde (einen dauerhaft gültigen Link gibt's dazu auf der Seite der Erich-Mühsam-Gesellschaft leider nicht). Man muss sich das, wie im kapitalistischen Preisverleihungswahn üblich, auf der schmelzenden Hirnrinde zergehen lassen: Ausgerechnet Wecker, der mit seinem sektiererischen Eso-Kampfblog "Jenseits der Realität" aktiv linke Spaltung betreibt und den von Erich Mühsam angestrebten anarchistischen Zielen in jeglicher Hinsicht einen esoterischen Dildo nach dem anderen in den blutigen After treibt, erhält den Erich-Mühsam-Preis.

Bob Dylans dummes Gebrabbel und Obamas Kriegsgeilheit werden hier mühelos durch Weckers schlichte Musik und Texte, die sich allzu gerne in spinnerten Eso-Sphären verlieren, ergänzt. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Laudatio von Christian Schwandt, die - natürlich - einzig in Weckers Eso-Blog dokumentiert wurde. Wer sollte einen solchen Bockmist denn auch sonst veröffentlichen? Es ist nun ein Wesensmerkmal einer Laudatio, dass sie keine Kritik enthält, sondern den Preisträger in allen - gerne auch absurden - Farben zu loben hat. Aber wer sich das durchliest und Mühsams Werk kennt, bekommt dennoch zuerst Pickel, dann üblen Hautausschlag, Kopfschmerzen, Durchfall, Brechreiz und muss sich zuletzt in die nächste Notaufnahme eines möglichst noch nicht privatisierten Krankenhauses begeben, um schlimmere Folgeschäden zu vermeiden.

Erich Mühsam rotiert derweil wie ein Zombie im Grabe und wünscht sich, diese verkommene, esoterisch verbrämte Welt niemals betreten zu haben.

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Lumpenlied

Kein Schlips am Hals, kein Geld im Sack.
Wir sind ein schäbiges Lumpenpack,
auf das der Bürger speit.
Der Bürger blank von Stiebellack,
mit Ordenszacken auf dem Frack,
der Bürger mit dem Chapeau claque,
fromm und voll Redlichkeit.

Der Bürger speit und hat auch recht.
Er hat Geschmeide, gold und echt. –
Wir haben Schnaps im Bauch.
Wer Schnaps im Bauch hat, ist bezecht,
und wer bezecht ist, der erfrecht
zu Dingen sich, die jener schlecht
und niedrig findet auch.

Der Bürger kann gesittet sein,
er lernte Bibel und Latein. –
Wir lernen nur den Neid.
Wer Porter trinkt und Schampus-Wein,
lustwandelt fein im Sonnenschein,
der bürstet sich, wenn unserein
ihn anrührt mit dem Kleid.

Wo hat der Bürger alles her:
den Geldsack und das Schießgewehr?
Er stiehlt es grad wie wir.
Bloß macht man uns das Stehlen schwer.
Doch er kriegt mehr als sein Begehr.
Er schröpft dazu die Taschen leer
von allem Arbeitstier.

Oh, wär ich doch ein reicher Mann,
der ohne Mühe stehlen kann,
gepriesen und geehrt.
Träf ich euch auf der Straße dann,
ihr Strohkumpane, Fritz, Johann,
ihr Lumpenvolk, ich spie euch an. –
Das seid ihr Hunde wert!

(Erich Mühsam [1878-1934], in: "Wüste - Krater - Wolken", 1914)


Montag, 24. Oktober 2016

Linke Verfassungspatrioten: Sein und Schein des bundesdeutschen Grundgesetzes


Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Was für den Esoteriker die Psychokratie und für Christen die Bibel ist, ist für Linksliberale die Verfassung, auch Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland genannt. Linke fallen ins Leere, wenn ihnen der Glaube an die unverbrüchliche Gültigkeit der Verfassungsnormen genommen wird. Sie ignorieren dabei gerne, dass Begriffe wie Freiheit und Gleicheit im Kapitalismus von vorn herein - also systemisch bedingt - bloß eine Farce sind.

Eine moderne, demokratische Verfassung bietet schließlich einen Halt, auf den sich alle beziehen können. Mit dem Stolz eines Musterschülers feiern viele Deutsche das Regelwerk als das "beste der Welt". Wer daran rührt, setzt sich dem Verdacht aus, den demokratischen Grundkonsens infrage zu stellen. Die Notstandsgesetzgebung oder die Änderung des Grundrechts auf Asyl sorgten auch deshalb noch für Proteste.

Blick zurück ins Jahr 2003

Damals war das Grundgesetz dran. "Wir haben hier einen großen Reformbedarf", sagte Bundespräsident Johannes Rau (SPD). Der ehemalige Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, forderte einen "Verfassungskonvent" zum "political re-engeneering", denn: "Wir blockieren uns dauernd." Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Franz ("Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen") Müntefering war der Meinung, das Grundgesetz habe "Verklemmungen und Verkrustungen", die von einer Kommission, die er schnell einsetzen wollte, aufgebrochen werden sollten. Die Verfassung war und ist im geistigen Horizont dieser Leute also nur noch dazu da, um geändert zu werden: die Verfassung als Dispositionsmasse für ihre gewählten Gegner.

Eine (nicht vollständige) Übersicht über die Verfassungsänderungen von 1949 bis 2006 lässt sich hier nachlesen. Ich liste im Folgenden einige Beispiele für den Widerspruch zwischen der Verfassungsnorm von 1949 und der Verfassungswirklichkeit von 2016 auf (die Aufzählung ließe sich erheblich erweitern):

  • Die garantierte Würde des Menschen - die bei den Tafeln, den unwürdigen Lagern für Flüchtlinge (z.B. "Lageso", Berlin) und den Rentnern, die sich durch Minijobs, Flaschenpfand oder schlichtes Betteln ein Überleben sichern müssen, ihr Ende findet.
  • Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich. Gilt das auch für Uli Hoeneß, Murat Kurnaz, Carsten Maschmeyer und Gustl Mollath?
  • Die Unverletzlichkeit der Wohnung und das Recht auf freie Wahl des Arbeitsplatzes - die allerdings für Hartz-Terror-Opfer nicht mehr gelten.
  • Das Recht auf freie Meinungsäußerung - hauptsächlich für Medienmogule.
  • Das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das durch Sanktionen der Hartz-Terror-Behörden für Millionen Betroffene unverzüglich endet, indem sie bis weit unter das willkürlich festgelegte Existenzminimum gedrückt oder sogar komplett von jedweder materiellen Hilfe abgeschnitten werden.
  • Die Wehrdienstpflicht - abgeschafft zugunsten einer schlagkräftigen Söldner-Armee.
  • Die Bundeswehr, die eine reine Verteidigungarmee auf eigenem Territorium sein sollte - inzwischen sind Auslandseinsätze die Regel.
  • Das Recht auf Freizügigkeit, das aufgrund der "Residenzpflicht" nicht für Flüchtlinge und Asylsuchende gilt.
  • Das Asylrecht - faktisch abgeschafft und laufend weiter verschärft.
  • Das Streikrecht - durch das "Tarifeinheitsgesetz" massiv eingeschränkt.
  • Das Demonstrationsrecht - findet nur noch statt im Rahmen der repressiven Toleranz eines autoritären Staates.
  • Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung als Resultat der allgemeinen Freiheitsrechte - durch Vorratsdatenspeicherung, polizeiliche und geheimdienstliche Totalüberwachung und andere Regelwerke (Volkszählung, Microzensus) komplett abgeschafft.

Begleitet wurden derartige Verunstaltungen der Verfassung ironischerweise mit der ständigen Beschwörung des Grundgesetzes als "Grundlage der deutschen Leitkultur".

Zum Schluss noch eine Bemerkung zum Rechtsstaat: Gesetze sind beliebig änderbar. Was geltendes Recht ist, bestimmt die jeweils für vier Jahre gewählte Bundestagsmehrheit. Was heute noch als normativ-verbindlich gilt, kann in der nächsten Legislaturperiode schon anders sein (vgl. "Die Rente ist sicher!"). Auskunft geben die Wahlprogramme der Parteien.

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Anmerkung von Charlie: Aus gegebenem Anlass möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese - auch aus meiner Sicht sehr berechtigte - Kritik nichts mit dem realitätsfernen Gefasel irgendwelcher "Reichsbürger" zu tun hat, die dieses unschöne Thema gerne ausführlich instrumentalisieren, um der braunen Gülle im allzu kleinen eigenen Schädel einen dünnen Legitimationsanstrich zu verpassen. Wer eine Suchmaschine zum Thema befragt, wird sehr schnell bemerken, weshalb diese Klarstellung hier dringend vonnöten ist.

Das ändert aber nichts an der nicht zu bezweifelnden Tatsache, dass der neoliberalen Bande das Grundgesetz ein dicker Dorn im Auge bzw. ein fetter Balken in der ansonsten gut geölten Maschinerie der Profitmaximierung für die "Elite" ist und sie seit Jahrzehnten eifrig damit beschäftigt ist, es nach und nach auszuhöhlen und ad absurdum zu führen.

Selbstverständlich ist auch dies in der langen Katastrophengeschichte des Kapitalismus wahrlich nichts Neues.

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Aktuelles: Die Verfassung auf dem Seziertisch



(Lithografie von Honoré Daumier [1808-1879], in: "Le Charivari", 1869)

Samstag, 22. Oktober 2016

In Memoriam Aleah Stanbridge


Die wundervolle Sängerin Aleah Stanbridge ist am 18. April 2016 im Alter von 39 Jahren an Krebs verstorben. Der nachfolgende Song stammt vom noch nicht erschienenen Album ihrer Band "Trees of Eternity", das Mitte November veröffentlicht werden soll. Es ist anzunehmen, dass die Musik und insbesondere die Texte dieses Albums, die allesamt von Aleah stammen, unter dem Eindruck ihrer Erkrankung entstanden sind. - Der Gitarrist der Band, Juha Raivio, bemerkte zu diesem Album auf der Webseite der Band vor einigen Wochen:

This is a celebration of the music, lyrics and life of Aleah, who so tragically and suddenly crossed the bridge of stars and left this world so young and so early. There really are no words to describe the ultimate weight of the darkness, or the rays of the brightest of light that this album holds within its songs and lyrics. In so many ways this album turned out to be the most important album I've done in my life, and we both loved it from the first note to the last as we wrote it.

Es ist entwaffnend, welche Kraft - bei aller Traurigkeit - aus den bröckelnden Versen dieses Songs bricht, und zwar völlig ohne jedweden religiotisch-esoterischen Mumpitz.

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Broken Mirror



A piece of me in your eyes
Reminds me of what's forgotten
I need to get closer to the fire
And feel my own reflection

A piece of me needs to die

A seed of the fatal kind
No roots to grow and thrive
Some things weren't meant to stay alive
Aborted while still in mind

You gave me a sword to pierce a lie
Serrated edge for the demon inside
A moment I'm torn between two tides
But all I need I bear inside

Fear is a self-destructing fire
That burns what's dead and dry
Tears clean the wound that's left behind
When a shadow is forced into light

You gave me a sword to pierce a lie
Serrated edge for the demon inside
A moment I'm torn between two tides
But all I need I bear inside

Broken Mirror
Beauty divides
Though it's an illusion
It can cut like a knife

Don't try to give me what I think I deserve
It's mine to find

You gave me a sword to pierce a lie
Serrated edge for the demon inside
A moment I'm torn between two tides
But all I need I bear inside

(Trees of Eternity: "Broken Mirror", aus dem Album "Hour of the Nightingale", 2016)


Freitag, 21. Oktober 2016

Pre-Crime: Herzlich willkommen in der kapitalistischen Dystopie!


Unsere schöne neue Welt wird tagtäglich immer noch schöner: Wer kennt den Begriff "Pre-Crime", der insbesondere durch Philip K. Dicks Kurzgeschichte "Minority Report" (1956) und die gleichnamige, allerdings wie gewohnt extrem flache Spielberg-Verfilmung mit dem üblen Scientologen Tom Cruise in der Hauptrolle (2002) bekannt geworden ist? Gemeint ist mit diesem Begriff die strafrechtliche Sanktionierung von Verbrechen, die noch gar nicht stattgefunden haben, die "aller Wahrscheinlichkeit nach" aber ausgeführt würden, wenn man die potenziellen Täter nicht daran hindere.

1956 war das selbstverständlich noch Science Fiction, 2002 schon nicht mehr - und heute ist dieses lupenrein faschistoide Modell auch in Dunkeldeutschland endlich angekommen. Anlässlich der Farce um den "Verdächtigen" Dschaber al-Bakr, der sich kürzlich unter mysteriösen Umständen in der Pre-Crime-Haft das Leben nahm, war in der Propagandapresse zu lesen:

Der Verdächtige war im Februar 2015 nach Sachsen gekommen und wurde im Juli dieses Jahres als Flüchtling anerkannt. Der Hinweis auf einen möglichen islamistischen Anschlag kam von einem befreundeten ausländischen Nachrichtendienst, wie Stephan Mayer, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, im ZDF sagte. Die Gefährlichkeit Al-Bakrs war also offenbar bekannt. / Aber wie umgehen mit Gefährdern? Unionspolitiker fordern die rechtliche Möglichkeit, Gefährder präventiv und frühzeitig in Haft nehmen zu können. Innenminister Thomas de Maizière hatte bereits im August erklärt, die "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" durch als gefährlich eingeschätzte Ausländer als Haftgrund einführen zu wollen. "Wir brauchen Schnellverfahren für straffällige Ausreisepflichtige und ausländische Gefährder", sagte de Maizière damals.

Das muss man sich, wie so oft, auf der Zunge zergehen lassen, auch wenn der Geschmack Brechreiz verursacht: die menschenfeindliche Bande will es gesetzlich verankern, dass Menschen, die von irgendwelchen ominösen Geheimdiensten oder anderen zwielichtigen Beschuldigern als "Gefährder" ausgemacht wurden, strafrechtlich belangt und in den Knast gesperrt werden. Dabei wird gerne übersehen, dass die Bande das ja bereits heute so handhabt - und zwar einzig auf der Grundlage der äußerst schwammigen, der Willkür Tür und Tor öffnenden Regelung bezüglich der "Untersuchungshaft". Wenn die widerliche Bande nun aber einen großen Schritt weiter in die Unrechtsstaatlichkeit ankündigt, geschieht das sicher nicht ohne Grund - auch wenn der, wie gewohnt, in der entsprechenden Meldung gar nicht genannt wird.

Wenn eine ekelhafte Hassfresse wie de Maizière den Mund öffnet, quillt natürlich braune, stinkende Gülle heraus, das kennen wir schon zur Genüge - allerdings darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass derlei Entwicklungen ursächlich nichts mit den Schlips-Borg-Marionetten in der Regierungssimulation zu tun haben. Die Ursachen sind vielmehr im Systemischen zu suchen: Es geht hier, wie immer im Zusammenhang mit dem albernen "Terror"-Gespenst, nicht um den Schutz von Menschen, sondern um die staatliche Macht, missliebige Personen jederzeit "gesetzeskonform" verfolgen und aus dem Verkehr ziehen zu können. Das barbarische, völlig groteske Szenario des "Pre-Crime" drängt sich hier förmlich auf, da es staatlichen Schergen einen fröhlichen Freibrief zur willkürlichen Inhaftierung von Menschen ausstellt. Irgendein unkontrollierter, gerne auch "befreundeter ausländischer" Geheimdienst wird sich jederzeit finden lassen, der einem Missliebigen den Status eines "Gefährders" zuweist, so dass er - völlig rechtskonform - auf unbestimmte Zeit und ohne Gerichtsverhandlung ins Lager deportiert werden kann.

Um wieviel schöner soll unsere verkommene, zerfallende Welt eigentlich noch werden, bis in diesem furchtbaren Land endlich jemand "Stop!" schreit, ohne den nationalistischen Braundeppen erneut auf den schmierigen Leim zu gehen?

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Der Gefangene



(Gemälde von Nikolai Alexandrowitsch Jaroschenko [1846-1898] aus dem Jahr 1878, Öl auf Leinwand, Tretjakow-Galerie, Moskau, Russland)

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Buchempfehlung: Der illustrierte Mann


Meine heutige Buchempfehlung betrifft ein literarisches Werk, das es wahrlich in sich hat. Der Autor, Ray Bradbury, hat es schon vor dreißig Jahren mühelos geschafft, in die Lehrpläne des bundesdeutschen Bildungssystems - zumindest im Fach "Englisch" - vorzustoßen: Sein dystopischer, genresprengender Roman "Fahrenheit 451" passte nur allzu gut in die elendige, deutsche Geschichte. Ich bin mir fast sicher, dass das grandiose Werk heute längst wieder aus den hiesigen Curriculae verschwunden ist: Man darf junge Menschen nicht zu sehr mit dem kritischen, eigenen Denken vertraut machen - der Kapitalismus weiß schließlich, wo er Mauern zu ziehen hat.

Wer den Roman nicht selbst lesen möchte, kann sich immerhin die kongeniale Verfilmung von François Truffaut aus dem Jahr 1966 ansehen oder sich das Hörbuch in deutscher oder englischer Sprache zu Gemüte führen.

Bradbury war ein genialer Erzähler, der mühelos alle Genregrenzen sprengte. Sein Erzählband "Der illustrierte Mann", den ich heute vorstellen möchte, ist ein beredtes Beispiel dafür. Ich zitiere aus dem Klappentext der deutschen Erstausgabe:

Der Erzähler begegnet auf einer Wanderung einem Mann, dessen Körper mit Tätowierungen von oben bis unten bedeckt ist. (...) Die Illustrationen beginnen sich - während die beiden auf einer einsamen Straße sitzen und der bizarre Mann eingeschlafen ist - zu bewegen. Daraus entstehen die Geschichten des Buches, die von anderen Welten erzählen: von Liebe und Einbildungskraft auf dem Mars, vom Wahnsinn im ewigen Regen der Venus, vom einsamen Tod im unendlichen Raum zwischen den Sternen und von den Städten und Dörfern in unserer eigenen Welt, in der seltsame Dinge geschehen, die wir nie bemerken, und in der seltsame Wesen leben, denen wir nie begegnen.

Jede einzelne dieser Erzählungen dieses Bandes ist ein literarisches Kleinod für sich, aber erst in ihrer Gesamtheit - die Texte sind durch eine knapp skizzierte Rahmenhandlung miteinander verwoben - entfalten sie ihre wahre Größe. Helmut Winter befand in der FAZ:

Bradbury hat die Science Fiction intellektualisiert, die technische Utopie romantisiert und der Horrorgeschichte eine sozialkritische Beimischung gegeben.

Ich möchte das ergänzen: Bradburys Erzählband gehört zum Besten, was die amerikanische Literatur der Nachkriegszeit bislang hervorgebracht hat. Herausgreifen möchte ich hier die Erzählung "Die Verbannten" ("The Exiles"), deren Zusammenfassung sich bei Wikipedia wie folgt liest:

Ein Raumschiff reist von der Erde zum Mars, als etliche Mitglieder der Besatzung über schreckliche Träume klagen und manche sogar ohne ersichtlichen Grund sterben. Der Mars ist seit dem 21. Jahrhundert zur Zuflucht der Dichter des Grauens und Entsetzens und [der] Anhänger des Übernatürlichen bzw. ihrer Bücher, die auf der wissenschaftshörigen Erde verboten wurden, und der darin vorkommenden Charaktere geworden. So leben hier u.a. Poe, Bierce und Carroll, die (...) durch Zauber die Raumfahrer töten [und] die Landung der Erdbewohner verhindern wollen. Einzig und alleine der verbannte Charles Dickens fühlt sich zu unrecht in die Gruppe der Anhänger des Übernatürlichen gesteckt und kooperiert nicht, um die Landung zu verhindern. Schlussendlich erreichen die Raumfahrer ihr Ziel und verbrennen die Bücher – und somit im übertragenen Sinne auch die Autoren und ihre Charaktere (...).

Wer das Buch noch nicht kennt, sollte es dringend lesen - es erschließen sich hier nicht zuletzt viele Aspekte, die zum Verständnis unserer heutigen untergehenden Zeit erheblich beitragen.



(Ray Douglas Bradbury [1920-2012]: "Der illustrierte Mann", Erzählungen, 1951; dt. Diogenes 1962)

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Plattes von Platta (2): Gefälschte Kommentare und andere dusselige Manipulationsversuche


Der hochgeschätzte Plattfußindianer Holdger P., seines Zeichens "Mitredakteur" des esoterischen Kampfblogs "Jenseits der Realität", hat wieder zugeschlagen: Mangels eigener "redaktioneller" Beiträge hat er sich nun aufs Kommentieren verlegt und vor einigen Tagen ein beredtes Beispiel für die manipulative, intellektuell zum "Himmel" schreiende Art und Weise des "Denkens" im Hause der Esos abgeliefert.

Zu einem - wie gewohnt - äußerst dummen Benjamin-Blümchen-Text von einer gewissen Daniela Böhm zum Thema "Veganismus" schrieb der Meister einen begleitenden Kommentar, der den ohnehin flachen Beitrag endgültig in die Zweidimensionalität überführte. Selbstverständlich gibt es bei den religiotischen Brüdern und Schwestern längst keine ernsthafte Kritik mehr an solchen schwurbeligen Pamphleten aus der Grundschule des Denkens, denn dort wird fleißig zensiert - also bastelt man sie sich selber und beginnt den ersten Kommentar gleich mit der lapidaren Feststellung: "Ehe das hier gleich wieder losgeht".

Der geneigte Leser fragt sich sogleich, was zur Zombiehölle denn da bloß "losgehen" soll - und trifft sodann auf einen nur wenige Tage zuvor veröffentlichten, noch dümmeren Beitrag zum selben Thema, zu dem - ebenfalls mangels Kritik - der Oberguru Faulfuß höchstselbst in die Rolle einer ominösen "Anita Wurst" schlüpfte und dümmlichste, pseudokritische Kommentare absonderte. Nachzulesen ist das hier. Schon dort glänzte Platta mit übler Propaganda und entblödete sich auch nicht, seinen persönlichen Hassgefühlen gegenüber Andersdenkenden freien Lauf zu lassen. Die Inquisition ist nur einen Steinwurf entfernt, und das Jubelperser-Kommentariat der Esos, das inzwischen vornehmlich aus einer fleischfressenden Eule, einer bettdrögen Bettina und einem offensichtlich Geisteskranken besteht, sprang wie gehofft darauf an.

Im aktuellen Beispiel tut der Mann nun weiterhin so, als sei "Anita Wurst" [*lol*] eine tatsächliche, ernsthafte Kritikerin des "Veganismus" und nicht ein offensichtlicher Fake - obwohl die "Dame" dort gar nicht erneut aufgeschlagen ist (vielleicht war es inzwischen sogar dem Faulfuß zu peinlich, sich weiterhin so zum Affen zu machen?). Dabei zeigt er die typische Verwirrtheit des alternden Propagandisten - beispielsweise nennt er die Autorin des jüngsten veganen Kuhaugen-Ergusses "Daniela Dahn" statt "Daniela Böhm" (Frau Dahn dürfte sich herzlichst bedanken!). Sodann echauffiert sich Platta in aller Ausführlichkeit über irgendwelche aus der Luft gegriffenen Unterstellungen, die realitätsferner kaum sein könnten, und relativiert parallel dazu seine eigene Kritik an manchen Eso-Spinnereien der Vergangenheit bis hin zur Unkenntlichkeit, so dass nichts davon mehr übrig bleibt.

Wenn jemand - aus welchen Gründen auch immer - jemals vorhaben sollte, sich selbst minutiös zu demontieren und der Lächerlichkeit preiszugeben, möge er sich ein Beispiel am Plattfußindianer nehmen: Der beherrscht diese bedauernswerte Praxis inzwischen ebenso perfekt wie seine Gebetsschwester Faulfuß.

Kleinbloggersdorf ist ja ohne Frage ein zuweilen kreischendes Irrenhaus - die esoterisch-sektiererische Sektion "Jenseits der Realität" aber setzt dem ganzen wie gewohnt die Krone auf.


(Anita Wurst mit Kondom alias Roland Faulfuß mit Krone)

Montag, 17. Oktober 2016

Song des Tages: C'est la Vie




(Greg Lake: "C'est la Vie", aus dem Album von Emerson, Lake & Palmer: "Works, Vol. 1", 1977)

C'est la vie
Have your leaves all turned to brown
Will you scatter them around you
C'est la vie

Do you love
And then how am I to know
If you don't let your love show for me
C'est la vie

Oh c'est la vie
Oh c'est la vie
Who knows, who cares for me
C'est la vie

In the night
Do you light a lover's fire
Do the ashes of desire for you remain

Like the sea
There's a love too deep to show
Took a storm before my love flowed for you
C'est la vie

Oh, c'est la vie
Oh, c'est la vie
Who knows, who cares for me
C'est la vie

Like a song
Out of tune and out of time
All I needed was a rhyme for you
C'est la vie

Do you give
Do you live from day to day
Is there no song I can play for you
C'est la vie

Oh, c'est la vie
Oh, c'est la vie
Who knows, who cares for me
C'est la vie


Der Triumph des Großen Bruders


Die Big-Brother-Fans unserer fürsorglich-liebenden Bundesregierung korrupten Bande gehen ihren einmal eingeschlagenen Weg der Totalüberwachung aller BürgerInnen unbeirrt weiter: Nach dem "Bundes-Trojaner" für PCs und Laptops, der in den vergangenen Monaten ohne großes mediales oder öffentliches Interesse auf den üblen Weg gebracht wurde, müssen demnächst auch die NutzerInnen von mobilen Geräten wie Dumpf- bzw. Babyphones und Tablets mit dem stetig überwachenden Staatsauge rechnen. Die Tagespropaganda berichtete vor vierzehn Tagen:

Das Bundeskriminalamt will in Zukunft den Einsatz des sogenannten Staatstrojaners auf mobile Geräte ausweiten. Das geht aus vertraulichen Haushaltsunterlagen für 2017 hervor, die NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" einsehen konnten. Demnach plant das BKA, eine "behördeneigene Software" zu entwickeln, mit der "Quellen-TKÜ-Maßnahmen auf mobilen, internetbasierten Endgeräten" durchgeführt werden können. Konkret bedeutet das, dass das BKA unerkannt auf Smartphones und Tablets von Zielpersonen eine eigene Überwachungssoftware installieren möchte.

Da freuen wir uns doch alle einen Glasdeckel in den Schädel, da unserer "Führung" die Sicherheit aller Menschen so unglaublich wichtig ist, dass sie liebend gerne eine nicht näher bezeichnete Summe von Steuergeldern (im Propagandabericht werden "50 Millionen" sowie ein "bislang" unbekanntes [sic!] "Budget" für diese Maßnahme in den Raum geworfen) in die Hand nimmt, um endlich in Erfahrung zu bringen, worüber sich Lieschen Müller, Kurt Schmidt und all die fiesen Terroristen, die "unsere Freiheit" ständig bedrohen, unterhalten.

In diesem Zusammenhang erklärt sich auch, weshalb dieselbe korrupte Bande sich - zumindest halbherzig - gelegentlich für eine Verschlüsselung der digitalen Kommunikation ausspricht: Wenn die Geräte selbst mittels solcher Schadsoftware überwacht werden, kann die Kommunikation noch so sehr verschlüsselt werden - das BKA (und vermutlich weitere staatliche Stellen) können trotzdem ungestört mitlesen. Platt und altertümlich-analog gesagt: Wenn ein Telefonat über eine "sichere" (verschlüsselte) Leitung geführt wird, während im Telefonhörer der einen oder anderen Seite eine schnöde Wanze steckt, ist die Verschlüsselung der Verbindung nichts weiter als eine alberne Beruhigungspille für die Telefonierenden, um sich fälschlicherweise in Sicherheit zu wähnen.

Unterstützt wird dieses über die Orwell'sche Dystopie weit hinausgehende Szenario der Totalüberwachung selbstverständlich von (sehr gerne rechtswidrig handelnden) Geheimdiensten im Verbund mit willfährigen Konzernen. So wurde jüngst, selbstverständlich ohne irgendwelche Konsequenzen, bekannt:

Yahoo ist ein Internetkonzern, der mühelos alle Vorurteile, Ängste und Sorgen bedient, die Internetbenutzer so haben können. Dem Unternehmen sind nicht nur mal eben 500 Millionen Kundendaten gestohlen worden; es durchforstet auch noch artig hunderte Millionen E-Mail-Briefkästen, wenn das FBI oder die NSA es so wollen.

Sie wollen nur unser Bestes - schließlich sterben in Deutschland täglich tausende von Menschen an den Folgen des antidemokratischen, antifreiheitlichen Terrors. Erst gestern sprengte sich wieder ein vom Verfassungsschutz gesponserter, rechtsradikaler CSU-Politiker auf unserem multikulturellen Dorfplatz in die Luft, während er hysterisch schäumend schrie: "Juda, Neger und Moslem - verrecke!" - Da ist es doch nur recht und billig, flächendeckende, staatliche Babyphones zu installieren, damit der Schlips-Borg-Kubus endlich weiß, wo er assimilierend eingreifen muss, um das Kapital und die Macht der "Elite" zu schützen: Er hätte die pazifistische, linksversiffte, leider sehr kleine Gegendemo, die danach spontan für die Opfer stattfand, schließlich erfolgreich verhindern können.

Der vollkommene Irrsinn ist das wesentlichste Merkmal unserer heutigen Zeit im "freiheitlich-demokratischen" Westen - dagegen ist selbst Nordkorea nur ein lächerliches Disney-Plagiat mit fröhlicher Musik. Und kaum einer nimmt's zur Kenntnis bzw. erkennt es überhaupt. Ich hätte einen derartigen Triumph des Stumpfsinns, der Dummheit, der Ignoranz und der willentlich vorangetriebenen Faschistisierung nach 1945 nicht mehr für möglich gehalten. So sehr kann man sich irren:

Der Faschismus grüßt diabolisch aus allen zweifelhaften Morgenröten.

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Rundgang im Gefängnishof



(Gemälde von Vincent van Gogh [1853-1890] aus dem Jahr 1890, Öl auf Leinwand, Puschkin-Museum, Moskau, Russland)

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Das rechte Auge stark entzündet: Des "Spiegelfechters" triefende Nase


Der Spiegelfechter erklärt das Protestpotenzial des rassistischen Konsenses in der Mitte der Gesellschaft

Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Die Ex-Grüne Antje Hermenau geht zum AfD-Stammtisch, AfD-Parteispitzen sind fast wöchentlich auf öffentlich-rechtlichen TV-Kanälen in einer Talkshow mit Gesellschaftsfähigkeitsbonus zu Gast, und als Krönung veröffentlichte die Zeit jüngst ein "Streitgespräch zwischen Sahra Wagenknecht und Frauke Petry".

Nachdem danach auch Lapuente vom Blog "Ad sinistram" als Gastautor beim Spiegelfechter mit überwältigender Zustimmung des Kommentariats sein Plädoyer dafür ablieferte, dass man mit Repräsentanten und Mitgliedern der AfD diskutieren müsse, um sie auf den linken Pfad zu begleiten, legte Jörg Wellbrock vor zwei Tagen nach und erklärte den rassistischen Pöbel in Dresden zu einem Phänomen des "berechtigten", weil sozialen Protestes, da dieser an die "richtigen Adressaten" gerichtet worden sei. Sein Kommentar mündet in dem Resümee:

Aber als Merkel & Co da waren, da traf es mal die Richtigen. Die nämlich, die sich jetzt moralisch aufspielen, aber maßgeblichen Anteil daran haben, dass es in vielen Ecken im Osten so trist ist, wie es ist.

Wellbrock fragt erstens nicht, warum der Protest gerade jetzt in Zeiten des Flüchtlingsthemas akut wird. Er weiß offensichtlich auch nicht, dass es dieselben Erscheinungen und Erklärungen von Hobbysoziologen bereits Anfang der 90er Jahre nach Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen gab. Der Kommentar unterstellt zweitens, dass es dem Pöbel primär um die soziale Ungleichheit in Ostdeutschland ginge, nicht um die Verteidigung bürgerlicher Privilegien und Vorteile gegenüber Einwanderern, und seien jene auch noch so arm und die Privilegien der Rassisten noch so marginal. Rassismus ist demnach ein Naturrecht der Deutschen, das auf die Tagesordnung gehört, wenn es ihnen dreckig geht.

Statt seiner geschichtsrevisionistischen Behauptung, die Ostdeutschen hätten den Fall der Mauer selbst hinbekommen, hätte er auch schreiben können: "Die Ostdeutschen wollen doch nur Bananen, Fitness-Studios und Videokaschemmen." Er geht außerdem weder auf die soziale Struktur, noch auf die Verteilung der Einkommensverhältnisse der Pöbler ein.

Daher noch einmal zu Protokoll: Harmlos mag es klingen, wenn gerufen wird: "Wir sind das Volk!" - Damit ist aber eine unvermeidliche Abgrenzung zum "Nichtvolk" verbunden. Gemeint sind damit unter anderem alle Flüchtlinge mit unterschiedlichstem Aufenthaltsstatus und willkürlicher Herkunft. Daran schließt sich die kollektive Behauptung an, dass die Politik in dieser Frage nebst ihren sozialen Auswirkungen (Wohnungen, Arbeitsplätze, Bildung, deutsche Sprache etc.) versagt habe. Das erinnert fatal an das allzu bekannte "Volk ohne Raum" mit der Pespektive auf den "Untergang des Abendlandes": Freies Fluten durch offene Grenzen. Diese anständigen Deutschen schaffen es gerade noch, der offensichtlichen Versuchung, das Problem gewaltsam "hinwegzufegen", zu widerstehen, weil ihnen von "oben" (noch) niemand die Legitimation dazu erteilt hat. Daher rührt das stillschweigende Verständnis in diesen Kreisen, wenn mal wieder eine Flüchtlingsunterkunft brennt.

Der völkische Konsens besteht jedoch nicht im Kampf um bessere materielle Lebensbedingungen gegen die herrschenden Eliten, sondern in der Akzeptanz veschiedener Umgehensweisen mit verschiedenen Menschengruppen, insbesondere Flüchtlingen. Diese reicht von der nicht ausreichend verschärften Asylpolitik bis hin zum Verständnis für das "kleine Pogrom mit Brandschaden".

Mit der (z.B. von Oskar Lafontaine) etwas differenzierter wieder aufgewärmten Parole "Die nehmen uns die Arbeitsplätze und Wohnungen weg" wird ein vermeintliches Privileg weißer Deutscher verteidigt, das automatisch mit dem Besitz eines deutschen Passes verbunden ist. Das ist aber falsch. Die mit der deutschen Staatsbürgerschaft verbundenen Vorteile eines Lebens in einem der reichsten Länder der Welt sind vielmehr weltmarktpolitisch, das heißt also grundlegend, festgelegt und nicht durch ein bis zwei Millionen Flüchtlinge in Gefahr zu bringen. Die kapitalistische Ausbeutung der Länder, aus denen die Flüchtlinge seit 20 Jahren kommen, ist seit 1945 größer als in der Kolonialzeit. Nichtdeutsche müssen zudem oft überteuerte und schlechtere Wohnungen akzeptieren und bekommen einen Arbeitsplatz erst dann, wenn es dafür keine deutsche Arbeitskraft gibt.

Wellbrock möge einmal darüber nachdenken, ob nicht Krauss-Maffei, Krupp, Siemens, Daimler, BMW, Bayer, RWE, Deutsche Bank, VW, ARD, ZDF und so weiter die richtigen Adressaten wären.

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Säuberung des deutschen Bodens


"Raus mit diesen faulen roten Rüben, die verpesten mir den ganzen Acker!"

(Zeichnung von Olaf Gulbransson [1873-1958], in "Simplicissimus", Heft 2 vom 09.04.1933. - Zu diesem Zeitpunkt hatte die NSDAP die Redaktion des Blattes selbstverständlich bereits übernommen.)

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Anmerkung von Charlie: Es zeugt von einem erheblichen Mangel an Realitätsbewusstsein, wenn Wellbrock allen Ernstes die austauschbaren Politmarionetten als die "richtigen" Ziele im Kampf gegen den kapitalistischen Terror benennt. Vermutlich glaubt er auch - wie eine demenzgeplagte Oma in der entlegensten katholischen Dorfkirche - daran, dass nur die "richtigen" [sic!] Parteien "an die Macht" gewählt werden müssten, um endlich das Paradies auf Erden - oder zumindest in der kleinen Enklave Deutschland, der Rest ist offenbar ja ohnehin egal - zu schaffen. So viel grenzdebile Naivität habe ich bisher nur bei Berger, Lapuente, Sasse, Müller et al. festgestellt.

Wellbrocks und Lapuentes schleimig-widerliches "Antanzen" an die rassistischen Dumpf-Pegidioten in Dresden und anderswo kommentiere ich hier lieber nicht, um nicht allzu ausfällig werden zu müssen. Mir fehlt jegliches Verständnis für einen solchen nationalistischen Bockmist, der direkt aus der Weimarer Endzeit zu stammen scheint.

Dienstag, 11. Oktober 2016

Die korrupte Bande


Das korrupte Pack verfolgt den Weg der persönlichen Bereicherung unbeirrt weiter. Vor einigen Tagen geisterten gleich zwei Meldungen durch die Untiefen der Systempresse, die gar nicht besser zueinander passen könnten und dort dennoch in keinen Zusammenhang gesetzt oder gar kritisch kommentiert wurden. Zunächst ist wieder einmal Gerhard Schröder (SPD) zu nennen, dem seine lebenslangen Bezüge als Ex-Abgeordneter, Ex-Ministerpräsident und Ex-Kanzler (unbekannte Höhe) sowie das bisherige Jahresgehalt von Gazprom (250.000 Euro) und seine zahlreichen weiteren "Nebeneinkünfte" (ebenfalls unbekannte Höhe) offensichtlich nicht reichen, um ein geruhsames Leben in Würde zu führen. Bei Zeit Online las ich (im Ressort "Wirtschaft"):

Gerhard Schröder leitet jetzt den Verwaltungsrat des Unternehmens Nord Stream 2 des russischen Energiekonzerns Gazprom. Seinen bisherigen Posten behält er offenbar auch. (...) / Die Höhe der Vergütung für Schröders neuen Posten ist bisher nicht bekannt. Als Aufsichtsratschef des ersten Nord-Stream-Konsortiums erhielt er 250.000 Euro im Jahr.

Der Hauptverantwortliche für den Hartz-Terror, der Millionen von Menschen in die Armut, Ausweglosigkeit und staatliche Drangsalierung geschickt hat und weiterhin permanent schickt, braucht nun also dringend einen "Zweitjob", um sich vielleicht noch eine dritte Villa oder - vielleicht für besondere Anlässe - ein siebtes Automobil leisten zu können. Mir kommt die kalte Kotze hoch, wenn ich mir diese madige Figur im Speck, welche die Zerstörung der Sozialsysteme in Deutschland in ganz neue, desaströse Dimensionen geführt hat, auch nur vorstelle.

Schröders "Genosse" und ehemaliger Exekutionskollege Peer Steinbrück steht dem korrupten Asozialen aber in nichts nach. Ebenfalls bei Zeit Online war am selben Tag (im Ressort "Politik") zu lesen:

Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) geht nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag als Berater zur Direktbank ING-DiBa. "Ich werde ein Angebot der ING-DiBa annehmen, als Berater des Vorstandes", sagte Steinbrück im Gespräch mit der ZEIT. Dies passe auch durchaus zu seiner häufig geäußerten Kritik an der Praxis vieler Banken.

Über die Höhe seiner "Vergütung" schweigen Steinbrück und Zeit Online sich geflissentlich aus - dafür wird in diesem Artikel wie selbstverständlich kommuniziert, dass jene Tätigkeit selbstredend keine "Interessenkollision" darstelle und erst recht nichts - aber auch rein gar nichts! - mit Korruption zu tun habe. Ich mag mir gar nicht ausmalen, inwiefern dieser inkompetente Mensch den - wahrscheinlich gleichsam inkompetenten - Vorstand dieser Bank wohl "beraten" möchte. Wenn man den gesamten Artikel liest, fängt das Gehirn unweigerlich an zu schmerzen, obwohl das anatomisch unmöglich ist: Ausgerechnet Steinbrück, der große neoliberale Deregulierer bzw. Zerstörer, darf sich hier fromm und frei als "Banken-Kritiker" präsentieren, während er "Bankvorstands-Berater" wird. Man kann gar nicht so viel saufen, um sich so etwas auszudenken: da wäre selbst Kafka neidisch.

Selbstverständlich sind diese beiden widerlichen Eigennutzmehrer aus der verwesenden SPD nur zwei Beispiele für die längst gängige, parteiübergreifende Praxis der Politbande, sich die menschenfeindlichen, kapitalfreundlichen Aktivitäten während der Mandatszeit im Nachhinein von den profitierenden "Eliten" bezahlen zu lassen: Sie haben keine Hemmungen mehr und alle Masken fallen gelassen - auch wenn die Systempresse das "nicht sieht". - Rotten to the core.

Vielleicht sollte ich mich auch mal als "Berater des Vorstandes" bewerben, beispielsweise bei der Deutschen Bank: Meine allererste Handlung wäre eine Einladung zu einem Meeting im obersten Stock ihrer perversen Bankkathedrale in Frankfurt, verbunden mit der nachdrücklichen Aufforderung, alle Fenster einzuschlagen und beherzt ins Freie zu springen. Die Welt wäre unverzüglich ein etwas schönerer Ort. - Aber mich wollen die ja leider nicht als "Berater". Schade.

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Pfälzer Auslese
[gilt jedoch bundesweit]


"Einer der Herren Minister ist noch nicht vorbestraft. Ich hoffe, Sie sind trotzdem zuverlässig."

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 35 vom 26.11.1923)

Montag, 10. Oktober 2016

Zitat des Tages: Marschliedchen


Ihr und die Dummheit ziehn in Viererreihen
In die Kasernen der Vergangenheit.
Glaubt nicht, dass wir uns wundern, wenn ihr schreit,
Denn was ihr denkt und tut, das ist zum Schreien.

Ihr kommt daher und lasst die Seele kochen.
Die Seele kocht und die Vernunft erfriert.
Ihr liebt das Leben erst, wenn ihr marschiert,
Weil dann gesungen wird und nicht gesprochen.

Marschiert vor Prinzen, die erschüttert weinen:
Ihr findet doch nur als Parade statt!
Es heißt ja: Was man nicht im Kopfe hat,
Hat man gerechterweise in den Beinen.

Ihr liebt den Hass und wollt die Welt dran messen.
Ihr werft dem Tier im Menschen Futter hin,
Damit es wächst, das Tier tief in euch drin!
Das Tier im Menschen soll den Menschen fressen!

Ihr möchtet auf den Trümmern Rüben bauen
Und Kirchen und Kasernen wie noch nie.
Ihr sehnt euch heim zur alten Dynastie
Und möchtet Fideikommissbrot kauen.

Ihr wollt die Uhrenzeiger rückwärts drehen
Und glaubt, das ändere der Zeiten Lauf:
Dreht an der Uhr! Die Zeit hält niemand auf!
Nur eure Uhr wird nicht mehr richtig gehen.

Wie ihr's euch träumt, wird Deutschland nicht erwachen.
Denn ihr seid dumm und seid nicht auserwählt.
Die Zeit wird kommen, da man sich erzählt:
Mit diesen Leuten war kein Staat zu machen!

(Erich Kästner [1899-1974], in "Die Weltbühne" vom 02.07.1932; wiederveröffentlicht u.a. in "Zeitgenossen, haufenweise", Gedichte von Erich Kästner, hg. v. Harald Hartung und Nicola Brinkmann, Hanser 1998)



Anmerkung: Es dürfen sich hier nicht bloß AfD-, Pegida- und NPD-Schwachmaten sowie sonstige "besorgte Bürger" angesprochen fühlen. Die faschistische Arschlochgrenze verläuft heute längst wieder - wie zu Kästners Zeiten - in brauner, stinkender Tradition durch die "Mitte" der verkommenen, degenerierten und narkotisierten Gesellschaft.