Samstag, 19. November 2016

Zitat des Tages: "Besorgten Bürgern" ins Stammbuch!


Gewissen Bürgern ins Stammbuch!

Man war nicht restlos einverstanden,
Das Ganze war doch gar zu roh:
Die üblen braunen Mörderbanden,
Gestapo, Strang und Zwang und so,

Doch war die Aussicht, zu verdienen,
Dabei so gut, aus diesem Grund
Da blieb es bei den Flüstermienen,
Man hielt zu Lug und Trug den Mund.

Und weiß man viel von den Methoden,
Von Himmlers Menschenmetzelei,
Ein Trost: Den Juden galt's und Roten,
Den andern galt's mehr nebenbei!

So ließ man Hitler weiter wüten,
Marschstiefelwichse als Gehirn,
Und wand den Lorbeer, den verfrühten,
Um seine peinlich enge Stirn.

Und statt den Untergang zu wittern
Von Freiheit, Recht und von Kultur,
War man bereit, mitreinzuschlittern.
Nun schlittert nur, nun zittert nur!

(Ernst Klotz [1894-1970]: "Gewissen Bürgern ins Stammbuch!", in: "Der Simpl", Nr. 1 vom 28.03.1946)

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Der fliegende Holländer



(Zeichnung von Max Radler [1904-1971], ebd.)

Freitag, 18. November 2016

Der brabbelnde Spießer


Er hat es schon wieder getan. Wiederholungstäter wie Roland Faulfuß werden einfach nicht müde, immer und immer wieder ihrer esoterischen Mission zu folgen und das Gehirn der zum Lesen (und Schweigen) Verdammten solange zu ficken, bis nur noch brauner Matsch übrig bleibt.

Aktuell hat sich die dämmernde Funzelbirne auf Weckers Mönch-Blog "Jenseits der Realität" über das Thema "Göttliches Gehirntraining" erbrochen. Der Kollege vom frei-blog hat sich dazu bereits kreativ ausgelassen. Man muss diese salbungsvollen Worte auf sich wirken lassen: Da werden aus gehirnlosen bayerischen Rosenkranz-Omis im Handumdrehen "spirituelle" Leuchttürme, die dem verfaulenden Fuß den Weg in Gottes Reich zeigen. Den Kranken dieser Welt ruft Faulfuß aufmunternd zu: "Folgt mir auf dem Weg der Mantras, Gebete und Meditationen, liebe Schafe, dann werdet auch ihr endlich gesunden!"

Solcher Schmonzes ist aber nicht nur hanebüchen und äußerst witzig, sondern leider auch sehr gefährlich. Es gibt in dieser steinzeitlichen Welt leider Menschen - und das sind gar nicht wenige -, die nur allzu anfällig sind für derlei Hokuspokus. Es reicht daher nicht aus, sich über den offensichtlich Verwirrten lustig zu machen - es gilt vielmehr, die Hirnlosigkeit vehement zu bekämpfen. Lest Euch den wirren Text in Gänze durch (sofern das ohne blutige Schädelverletzungen möglich ist) und macht Euch klar, dass dieser debilen Gülle eine erhebliche Anzahl von "mündigen" Menschen auf den Leim geht, auch wenn man das partout nicht glauben mag.

Faulfuß schreibt allen Ernstes:

In einer ihrer jüngsten Studien stellten Newberg und Waldman nämlich fest, "dass das rituelle Rosenkranzbeten sowohl Spannung wie auch Stress und Angst abbaut." Also nehme ich manchmal sogar das "Ave Maria" in mein Ritual auf. Wenn während einer meiner Übungen ein junger Mensch am Fenster lauschen würde, dächte er vielleicht verächtlich: "Was ist das für ein brabbelnder Spießer?"

Ich bin nun weder ein junger Mensch, noch lausche ich an den Fenstern der Wohnungen verwirrter Esos - wenn ich aber dennoch solche Handlungen mitbekäme, spräche ich unverzüglich meine Empfehlung einer Einweisung ins Irrenhaus aus. Wahrscheinlicher ist indes, dass ich selbst längst den Verstand verloren habe und lediglich meinen Zellennachbarn belausche, den ich selbstverständlich - im günstigsten Falle - für einen brabbelnden Spießer halte.


(Der brabbelnde Spießer während eines "Rituals")

Donnerstag, 17. November 2016

Zitat des Tages: Trübsinn


Weltunglück geistert durch den Nachmittag.
Baracken fliehn durch Gärtchen braun und wüst.
Lichtschnuppen gaukeln um verbrannten Mist,
Zwei Schläfer schwanken heimwärts, grau und vag.

Auf der verdorrten Wiese läuft ein Kind
Und spielt mit seinen Augen schwarz und glatt.
Das Gold tropft von den Büschen trüb und matt.
Ein alter Mann dreht traurig sich im Wind.

Am Abend wieder über meinem Haupt
Saturn lenkt stumm ein elendes Geschick.
Ein Baum, ein Hund tritt hinter sich zurück
Und schwarz schwankt Gottes Himmel und entlaubt.

Ein Fischlein gleitet schnell hinab den Bach;
Und leise rührt des toten Freundes Hand
Und glättet liebend Stirne und Gewand.
Ein Licht ruft Schatten in den Zimmern wach.

(Georg Trakl [1887-1914]: "Trübsinn", in: "Gedichte", Kurt Wolff 1913)





Anmerkung: Lutz Görner zitiert in seinem verlinkten Beitrag auch aus dem Tagebuch Trakls: "Ich sehne den Tag herbei, an dem die Seele in diesem armseligen, von Schwermut verpesteten Körper nicht mehr wird wohnen wollen - und können; an dem diese Spottgestalt aus Kot und Fäulnis verlassen wird, die ein nur allzu getreues Spiegelbild eines gottlosen, verfluchten Jahrhunderts ist. Es ist ein namenloses Unglück, wenn einem die Welt entzwei bricht." - Dazu ist nichts weiter zu sagen.

Mittwoch, 16. November 2016

Song des Tages: Megalomania




There's a little bit of Adolf in everyone
And the hand that holds the whip sometimes has all the fun
There's a hidden desire that wants to rock the earth
And beat up old Idi Amin - for what it's worth!

Singing: Ooh Megalomania ...

Take a little ego, take a lot of money
Add some psychosis to the land of milk and honey
Get it on the radio, the TV and the paper
Stir up the nation - then you can rape her!

Ooh Megalomania ...

Call in the army, buy a politician
Promise anything to improve your own position
Print yourself some money, buy the world on a short-term loan
Invade Tasmania, then you call it home!

Ooh Megalomania ...

Legalize murder, imprison the students
A public execution or two
Put up the taxes on necessity
Be strong in everything you do
Let your supporters live in luxury
But shoot them in the back when they get too smart
Keep one step ahead of yourself:
Beware of that poison dart!

And the businessman sits dreaming in his office
Of making his next big deal!
The one that will bring down the president
Everybody will click their heels!
The people on the streets will turn to him
Because he has the answers!
One night in the White House he'll confess to his wife:
"You know I'm just a necromancer ..."

Ooh Megalomania ...



(Skyhooks: "Megalomania", aus dem Album "Guilty Until Proven Insane", 1978)

Anmerkung: Es ist schon ernüchternd, dass ich heutzutage auf eine australische Band der 70er Jahre zurückgreifen muss, um den Irrsinn unserer Zeit zu illustrieren. Ich kenne jedenfalls keinen Song, der den aktuellen kapitalistischen Gehirnmatsch noch besser karikiert.

Aus musikalischer Sicht ist hier besonders der witzige Wechsel vom gefälligen, satirisch überzeichneten Pop-Song zum "anarchistischen Chaos" bemerkenswert, sobald vom "businessman" die Rede ist. Das Cover der LP mit dem bezeichnenden Titel muss ich nicht weiter kommentieren.

Dienstag, 15. November 2016

Nein, sie brauchen keinen Führer


Rassismus und Menschenfeindlichkeit sind wieder heimisch in Europa - natürlich gerade auch in Deutschland. Man hat sich längst daran gewöhnt. Es treibt fast niemandem mehr die Fassungslosigkeit ins Gesicht, wenn immer wieder Flüchtlingsunterkünfte brennen und Menschen von braunen Banden angegriffen oder direkt staatlich drangsaliert und terrorisiert werden. Bei n-tv las ich kürzlich:

Straftaten mehr als verdoppelt / Gewalt gegen Ausländer nimmt stark zu / Städte wie Bautzen, Heidenau oder Freital sind aufgrund rechtsextremer Gewalt in die Schlagzeilen geraten - doch sie sind keine Einzelfälle mehr. Politisch motivierte Straftaten nehmen weiter zu. In Ostdeutschland ist der Anstieg besonders deutlich.

Selbstverständlich ist dieser Rassismus nicht über Nacht vom Himmel gefallen. Er war nie verschwunden, weder im Westen, noch im Osten. Dass er sich heute wieder so vehement bemerkbar macht, hat gewiss viele Gründe, von denen die "Wiedervereinigung" nur einer ist. Es lässt sich mannigfaltig belegen, dass die Ausrichtung der europäischen und deutschen Politik seit 1990 rasant nach rechts außen gerückt ist bzw. wurde. Die menschenfeindlichen Ausfälle aus politischen und begleitenden medialen Kreisen seit dieser Zeit reißen nicht ab, sondern nehmen ganz im Gegenteil weiter an Fahrt auf. Ist es da tatsächlich verwunderlich, dass diese böse Saat teilweise auf fruchtbaren Boden fällt?

Die offiziellen, politischen Gründe für die Abwertung, Ausgrenzung und Ablehnung hilfsbedürftiger Menschen sind oftmals rein ökonomischer Natur. So war am selben Tag ebenfalls bei n-tv exemplarisch zu lesen:

Unterbringung und Betreuung / So viel kostet Deutschland ein Flüchtling / Knapp 900.000 Flüchtlinge sind im Jahr 2015 nach Deutschland gekommen - überwiegend aus Syrien. In diesem Jahr werden weniger als 300.000 Menschen erwartet, die hierzulande Schutz suchen. Besonders die Städte ächzen unter den damit verbundenen Kosten.

Natürlich wird auch in diesem Text nicht erwähnt, dass es hier wie immer um eine Schimäre geht, die sich aus Verteilungskämpfen zwischen Bund, Ländern und Kommunen ergibt. Auch der groteske Superreichtum einiger weniger Widerlinge, die sich in ihren überquellenden und stetig expandierenden Geldspeichern verschanzen, wird nicht erwähnt. Und dass allein Deutschland im kommenden Jahr beispielsweise für die militärische "Verteidigung" [sic!] satte 37 Milliarden (plus 1,7 Milliarden) Euro auszugeben gedenkt - also mehr als dreimal soviel wie die geschätzten Kosten für Flüchtlinge -, interessiert in diesem Zusammenhang weder die Politik, noch die Journaille oder die "besorgten Bürger". Die perversen Besitzer der Rüstungskonzerne freut's gewiss.

Diese ökonomisch-verzerrte Sichtweise hat gute Tradition in Deutschland, wie das unten zu sehende Plakat anschaulich illustriert. Auch damals war das bereits eine lächerliche, rassistische Milchmädchenrechnung, die fernab jeder Realität semi-religiös vor sich hin waberte - heute gilt das angesichts der abstrusen, elitären Privatvermögen in Fantastillionenhöhe gleich in potenzierter Form.



(Plakat einer faschistischen Ausstellung des Reichnährstandes über "Rassenhygiene" mit der Aufschrift: "Hier trägst Du mit. Ein Erbkranker kostet bis zur Erreichung des 60. Lebensjahres im Durchschnitt 50.000 [Reichsmark]." In: "Volk und Rasse", Illustrierte Monatszeitschrift für deutsches Volkstum [sic!], hg. v. Heinrich Himmler und Richard Walther Darré, Nr. 10, 1936)

Auf diesem verkommenen Planeten wäre längst - und das gilt wahrlich nicht erst seit Neuestem - ein von materiellen Sorgen freies Leben für alle Menschen möglich. Selbst in der kapitalistisch verseuchten Welt von heute wäre das machbar, ohne dass die selbsternannte "Elite" auf ihren dekadenten, lächerlichen, vollkommen absurden Luxus verzichten müsste: Sie könnten doch ihre Villen, ihre Automobile, ihre Jachten, ihre Flugzeuge oder Helikopter behalten - dafür benötigt man keine Milliarden. Trotzdem sind wir heute genauso weit von diesem Ziel entfernt wie vor 100 Jahren - und Politik, Medien und viele BürgerInnen gehen wieder einmal statt dem elitären Pack viel lieber den Schwächeren und Schwächsten, die sich kaum wehren können, an die Gurgel.

Ich ziehe mir die Bettdecke über den Kopf, bevor ich angesichts dieser grotesken Farce noch selber zum Menschenfeind werde.

Montag, 14. November 2016

Die Gestapo: Menschenverachtung, bürokratisch organisiert


Eine Dokumentation von Holger Hillesheim und Wolfgang Schoen aus dem Jahr 2004. Etwaige Ähnlichkeiten mit aktuellen Begebenheiten sind sicher rein zufällig und keineswegs beabsichtigt.

1. Hitlers schärfste Waffe


2. Terror ohne Grenzen


3. Henker an der Heimatfront

Schöne neue Welt, Kapitel 37: Manipulierte Audio-Dateien


Das "digitale Zeitalter" ist nicht nur eine Ära des "zukünftigen Vergessens", sondern zunehmend auch ein sumpfiger Tummelplatz der nicht mehr erkennbaren Manipulation. Ein kleiner Rückblick dazu:

Schriftliche Aufzeichnungen waren lange Zeit kaum oder nur unter großem Aufwand manipulierbar - das galt für Handgeschriebenes, aber auch für Gedrucktes gleichermaßen, sofern es nicht die ganze Auflage eines Buches oder einer Zeitung betraf. Das hat sich schon seit langem geändert - ein digital gespeicherter Text lässt sich problemlos von fast jedem innerhalb kürzester Zeit verändern, komplett umgestalten oder löschen. Dasselbe gilt seit ebenfalls geraumer Zeit für digital gespeicherte Bilder, die inzwischen auch von Laien ohne großen Aufwand fast beliebig verändert werden können. Auch Videos gehören inzwischen zu diesem Spektrum - beispielhaft dürfte wohl jedem noch der Scoop der Böhmermann-Redaktion bezüglich des angeblichen Varoufakis-Stinkefingers in Erinnerung sein.

Zukünftig wird das auch Audio-Dateien betreffen, also gesprochene, digital gespeicherte Texte. Der WDR-Blogger Jörg Schieb schrieb dazu vor zehn Tagen:

VoCo heißt das Projekt [von Adobe]. Die Idee dahinter ist so einfach wie erschreckend: Wenn alles perfekt funktioniert, soll es möglich sein, den gesprochenen Text jedes Menschen mit der Software umarbeiten zu können. Man kann den Menschen dann praktisch alles sagen lassen. Anfangs wird man das noch ein bisschen hören können, irgendwann soll es aber (nahezu) unmöglich sein zu erkennen, dass am gesprochenen Satz etwas geändert wurde. Wenn ich sage "Ich arbeite gerne beim WDR und mein Blog Digitalistan ist ein Quell steter Freude", könnte VoCo daraus mühelos machen: "Mein WDR-Blog Digitalistan ist viel Arbeit". Und das wäre noch ein harmloses Beispiel. / Die Software braucht dazu rund 20 Minuten gesprochenes Material einer Person.

Es dürfte also nicht mehr allzu lange dauern, bis man nicht nur Texten, Fotos und Videos mit einer gesunden Skepsis begegnen muss, sondern auch der aufgezeichneten, individuellen und oft unverkennbaren Stimme eines bestimmten Menschen. Da eröffnen sich nicht nur diversen Spinnern, den Widerlingen der Reklame-Pest sowie der Filmindustrie ganz neue Betätigungsfelder, sondern selbstverständlich auch den Propagandamedien, der korrupten politischen Bande und natürlich den organisierten Lobbyisten des Kapitals.

Ebenfalls gehört nicht viel Fantasie dazu sich auszumalen, wohin diese Entwicklung über kurz oder lang unweigerlich führen wird: In einer komplett digitalisierten Informationswelt wird es ein Leichtes sein, jedwede Information jederzeit zu generieren, zu unterdrücken oder beliebig zu manipulieren - völlig unabhängig vom Wahrheitsgehalt.

Im kapitalistischen Katastrophensystem kann das nicht gut ausgehen. Und das ist beileibe keine Schwarzmalerei.

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Screenshot: Original und Fälschung nach drei Minuten "Arbeit"


Samstag, 12. November 2016

Soziopathische Partei Deutschlands


Ach ja, die SPD. Eigentlich mag ich gar nicht mehr über diese widerliche Partei schreiben, die nachhaltig im Enddarm des Kapitals verschwunden ist und nur noch durch gelegentliche feuchte Fürze auf sich aufmerksam macht, mittels derer ihre Ergüsse in die Welt entlassen werden. Das Nahles-Monstrum macht den Kranken, Behinderten, Armutsrentnern und Erwerbslosen Feuer unterm Hintern, der Seidenklops-Gorilla Gabriel pimpt die "Industrie" mit satten "Rabatten" beim Klimaschutz, und vor einigen Tagen wurde auf tagesschau.de das neuste AfD-Konzept zum Thema Einwanderung vorgestellt, das selbstverständlich ebenfalls von der SPD stammt:

Fachkräftemangel durch demographischen Wandel: Diesem Problem will die SPD durch ein neues Einwanderungsgesetz begegnen, das qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland einen leichteren und schnelleren Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt verschaffen soll. / Das Konzept, das die Partei in Berlin vorstellte, orientiert sich an dem kanadischen Zuwanderungsmodell. Es schlägt vor, dass Fachkräfte, die ein Jobangebot aus Deutschland haben, sich bei einem noch zu errichtenden Internetportal registrieren lassen. Dort werden unterschiedliche Kriterien abgefragt und mit Punkten bewertet: berufliche Qualifikation, Sprachkenntnisse, Jobangebot und ähnliches.

Wie gewohnt wird hier das lächerliche Märchen vom "Fachkräftemangel" aufgrund des "demographischen Wandels" bemüht, um einen widerwärtigen, rassistischen Plan in die Tat umzusetzen, in dem Menschen nach ihrer industriellen "Verwertbarkeit" in verschiedene "Klassen" eingeteilt werden. Mit anderen Worten: Wer sich willig für einen Appel und ein Ei ausbeuten lassen möchte, ist laut diesem geplanten Gesetz vielleicht willkommen in Deutschland, alle anderen können der SPD mal gepflegt den Buckel herunterrutschen und sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst. Das ist ehrliche, gelebte Sozialdemokratie in Deutschland 2016.

Selbstverständlich ist der rechtsradikalen CSU dieses Konzept nicht menschenfeindlich genug: "Denn der Koalitionspartner CSU hat soeben ein Grundsatzprogramm verabschiedet, das deutlich schärfere Kriterien bei der Zuwanderung vorsieht. / So will die CSU auch 'die Nähe zum Kulturkreis' berücksichtigen." - Ich bin aber sicher, dass die Partner in der Großen Kotzkoalition zu einer Einigung kommen werden - irgendwie werden sie es auch weiterhin schaffen, das stetig wachsende Heer der "Freigesetzten" mit weiterer Konkurrenz zu versorgen. Dass es auch in dieser Geschichte nicht einmal im Ansatz um das Wohlergehen der Menschen - mit und ohne deutschen Pass - geht, hat inzwischen wohl jeder halbwegs Intelligente bemerkt - vielleicht mit Ausnahme der Kuhjournalisten von tagesschau & Co.

Sie wollen Menschen mittels eines "Punktesystems" bewerten! Klassifizieren! Für die Industrie! Und so etwas verkaufen diese Widerlinge allen Ernstes als "neues Einwanderungsgesetz"?!? - Vielleicht ist das auch eine gute, neue SPD-Strategie für den behördlichen Hartz-Terror im Inland: Wer zukünftig devot und fleißig Ärsche in den Amtsstuben leckt, erhält Punkte und ein wenig mehr Geld - wer sich aber komplett weigert, wird flugs in die "Freiheit" der Obdachlosigkeit und des Verhungerns entlassen.

Dieser endlose Albtraum ist nicht mehr auszuhalten.

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Update 12.11.16: Nach einem Hinweis des Altautonomen ist zu ergänzen: Am vergangenen Mittwoch, als Medien und Öffentlichkeit wie irre Lemminge in Richtung Washington starrten, hat die korrupte Bande in Berlin Nägel mit Köpfen gemacht. In der Süddeutschen war zu lesen:

Die Abgeordneten des Bundestages haben sich am Mittwoch nach intensiver Debatte dafür ausgesprochen, dass Demenzkranke und andere, die nicht mehr einwilligungsfähig sind, in Zukunft auch dann an Arzneimitteltests teilnehmen können, wenn die Studienteilnahme ihnen selbst keinen Nutzen in Aussicht stellt. Dabei sollen zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen muss die betroffene Person ihren Willen einer Studienteilnahme noch in geistig gesundem Zustand abgegeben haben und zudem von einem Arzt zwingend über die möglichen Risiken aufgeklärt worden sein. Die Reform geht auf die Initiative von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zurück.

Die Bande hätte sich keinen günstigeren Zeitpunkt aussuchen können: Die Kakophonie der Trump-Hysterie hat erfolgreich gewirkt und fast niemand hat diesen eklatanten Dammbruch zur Kenntnis genommen. Geplant war das indes schon länger - allerdings ist auch dies im allgemeinen präfaschistischen Rauschen unserer zerbröckelnden Zeit weitgehend untergegangen.

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Der Mensch ist gut



(Aquarell von George Grosz [1893-1959] aus dem Jahr 1919, in: "Ecce Homo", Malik 1923; Verbleib des Originals unbekannt)

Donnerstag, 10. November 2016

Triumph des Todes


Gestern ist ein Sack Reis auf der anderen Seite der Welt umgefallen. Die Reis-Presse hierzulande berichtet seit Wochen und Monaten über das wundersame, vorhersehbare Ereignis und überschlägt sich nun in propagandistischen, epischen Romanen, wieso dieser Sackfall trotz aller gegenteiliger Propaganda stattfinden konnte und welche unfassbaren Auswirkungen das nun auf die Welt die herrschende "Elite" hierzulande haben könnte. Mir fault beim Lesen dieser schwachsinnigen Texte, die sich quer durch alle "Qualitätsmedien" ziehen, das Hirn weg, bis es mir endlich, endlich aus den Ohren tropft.

Der umgefallene Sack Reis beschäftigt aber selbstverständlich nicht nur die Propagandapresse - auch in Kleinbloggersdorf herrscht helle Aufregung. Selbst Alpha-Tiere wie flatter und der Kiezneurotiker haben - neben den üblichen Verdächtigen aus der "Spiegelfechter"- und "Nachdenkseiten"-Fraktion, Jens Berger und dessen Stiefelknecht Wellbrock - in die Vollen gehauen und dieses überaus bedeutungslose Ereignis wort-, aber wenig sinnreich kommentiert, während ich mir genüsslich flüchtend Gustav Mahlers dritte Sinfonie zu Gemüte führte.

Nach dem Folter-, Mord- und Kriegspräsidenten Obama wird nun also der Milliardär Trump die nächste Führermarionette des "freiesten Landes der Welt", und nicht der Horror-Clown Hillary Clinton. Das ist eine Nachricht, die in Sachen Relevanz irgendwo zwischen "Neue Kehrmaschinen für die Münchner Innenstadt angeschafft" und "Taubenzuchtverein Gelsenkirchen meldet Rekordnachwuchs" angesiedelt ist. Was treibt Menschen, die nicht zum Propagandapersonal der kapitalistischen Mafia gehören, dazu, sich zu solch einem Kasperletheater zu äußern? Ich habe es ja gewagt und mir beim "Spiegelfechter" (sowohl zu Bergers, als auch zu Wellbrocks Text) die Kommentare durchgelesen - und es ist ein Wunder, dass mein Schädel noch nicht explodiert ist und seinen Inhalt über weite Teile meines Umfeldes verteilt hat. Es ist eine eiserne Regel: Immer dann, wenn ich zu der fatalistischen Meinung gelange, dass Menschen nicht mehr dümmer werden können, muss ich bloß die Kommentare beim "Spiegelfechter" lesen, um mich selbst ad absurdum zu führen. In diesem Falle betrifft das fast ausnahmslos alle - mit besonderer Berücksichtigung der Sanders-Fans, denn dieser "linke" Messias hätte selbstredend den dystopischen Katastrophenkurs des Kapitalismus geändert. Sicher. Ganz sicher. So sicher wie Schröder, Hollande oder Tsipras.

Ich frage mich zunehmend, ob es in dieser Welt überhaupt noch Reste von menschlicher Intelligenz gibt, die das völlig absurde Wahltheater der Pseudodemokratie, das in den USA längst zur nicht mehr zu übertreffenden Meisterklasse perfektioniert wurde, auch als solches erkennt und bewertet. Ich muss wohl nun auch einmal populistisch werden und frank und frei behaupten: Es ist völlig unerheblich, welche Horrorgestalt da nun ins "Weiße Haus" einzieht, denn das Ergebnis wird stets dasselbe sein. Ob Grusel-Clown-Clinton oder Zombie-Donald - diese Frage ist so wichtig wie das neuste Kostüm von Lady Gaga. - Da schreit die Mainstream-Presse, da schreien die "linken" Parteisoldaten, da schreien sogar manche linke Blogger ... denn nicht jeder umfallende Sack Reis ist gleich: manche sind wesentlich gleicher, gelle.

It's capitalism, stupid!

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Triumph des Todes



(Gemälde von Felix Nussbaum [1904-1944] aus den Jahren 1941-44, Öl auf Leinwand, Felix-Nussbaum-Haus, Osnabrück. - Dieses Gemälde, das in seiner Darstellung an einen mittelalterlichen Totentanz erinnert, ist das letzte bekannte Werk des Malers. Ein abgerissenes Kalenderblatt am rechten Bildrand gewährt Aufschluss über den Zeitpunkt der Fertigstellung: der 18. April 1944. Nur wenige Wochen später, am 20. Juni 1944, wurden Nussbaum und seine Ehefrau, die Malerin Felka Platek, nach einer gezielten Denunziation von der Wehrmacht verhaftet und kurze Zeit später in Auschwitz ermordet.)

Musik des Tages: Sinfonie Nr. 3




  1. Kräftig. Entschieden
  2. Tempo di Menuetto. Sehr mäßig
  3. Comodo. Scherzando
  4. Sehr langsam. Misterioso
  5. Lustig im Tempo und keck im Ausdruck
  6. Adagio

(Gustav Mahler [1860-1911]: "Sinfonie Nr. 3" in d-moll aus den Jahren 1892-96; Lucerne Festival Orchestra; Women of the Arnold Schönberg Choir; Vienna Tölz Boys Choir; Altsolo: Anna Larsson; Leitung: Claudio Abbado, 2007)

Mittwoch, 9. November 2016

Zitat des Tages: Der Mahner


Wo bleibt ihr nur, Genossen meiner Zeit?
Ich schau zurück und kann euch kaum noch sehn.
Ein wirres Stimmentosen hör ich weit,
weit hinter mir und kann es nicht verstehn.

Ich ruf euch zu, doch euerm Echo fehlt
der Laut, der rein aus meiner Stimme klingt.
Ich wink euch her. Doch ihr, wie unbeseelt,
horcht tauben Ohrs, ob euch ein Stummer singt.

Vergebne Zeichen! Aus den Zähnen pfeift
misstönig euer ärgerlicher Spott.
Kommt nie die Zeit, da ihr die Zeit begreift?
Tritt nie aus finstern Kirchen euer Gott?

(Erich Mühsam [1878-1934], in: "Wüste - Krater - Wolken", Paul Cassirer 1914)




Dienstag, 8. November 2016

Antikommunistische Propaganda in einer kommunismusfreien Zeit


Ich bin im Laufe meines Lebens sehr gerne und sehr viel verreist. Es hat mich schon immer in die "weite Welt" gezogen, und ich durfte schon in jungen Jahren weite Teile von Europa kennen lernen. Später folgten der nahe Osten, Teile von Afrika und Südamerika, und in ganz besonderer Erinnerung wird mir stets die lange Reise mit der transsibirischen Eisenbahn bleiben, die mich von Moskau bis in die weit entlegenen Gebiete des nordöstlichen Russlands geführt hat. Darüber ließe sich ein ganzes Buch schreiben.

Entsprechend gerne lese ich hin und wieder Reiseberichte oder Reiseempfehlungen, die ich im Internet finde. So stieß ich kürzlich auf einen n-tv-Artikel, in dem eine Dame ihre Erlebnisse in Moskau beschrieb - und musste gleich mehrmals schlucken, als ich den folgenden Absatz las:

Wer auch einmal abseits der touristischen Orte links und rechts schaut, der erkennt in Moskau aber nicht nur Prunk und Luxus. Auch Armut ist an vielen Ecken sichtbar - hochschwangere Frauen betteln am Wegesrand, alte Mütterchen verkaufen Pilze und Gemüse, um ein paar Rubel einzunehmen. Sie sitzen direkt auf der Straße neben den Metrostationen. Nur wenige Kilometer vom Prachtzentrum scheint die Zeit im Kommunismus stehen geblieben zu sein, zumindest im manchen Teilen der Region Moskau. Verarmte Gegenden, Betonklötze, die man nur als ziemlich hässlich beschreiben kann. Sie stehen im krassen Gegensatz zur Schönheit, die Moskau an vielen Stellen bietet.

"Beim Barte des Propheten!", dachte ich mir - und fragte mich, ob die Dame entsprechende Passagen wohl auch über New York, Seattle, Paris, Madrid oder Essen geschrieben hätte? Denn dort gibt es selbstverständlich auch Armuts- oder gar Obdachlosenviertel, in denen Menschen tagtäglich ums pure Überleben kämpfen müssen, während ein paar Straßenzüge nebenan der architektonische Prunk vergangener Jahrhunderte zu bestaunen ist und gut situierte BürgerInnen im perversen Konsumrausch zombiegleich durch die kapitalistischen Glitzerfassaden schwanken. Wie kommt die Dame darauf, in Moskau sei der seit vielen Jahren abgeschaffte "Kommunismus" (den es ohnehin nie wirklich gab) daran schuld, während in New York - streng nach der neoliberalen Glaubenslehre - die betroffenen Menschen selbst schuld an ihrem Los und am Zerfall ihrer Stadtviertel seien?

Man kann in diesem propagandistisch verseuchten Land nicht einmal mehr einen albernen Reisebericht lesen, ohne immer und immer wieder auf dieselben antikommunistischen Dogmen zu treffen. Es wird nicht einmal mehr hinterfragt, ob das "alte Mütterchen" oder die "hochschwangere Frau" (*oh, diese Schmerzen!*), die da in emotionaler, eindimensionaler Hollywood-Manier bemüht werden, im Kommunismus vielleicht doch etwas besser gestellt gewesen wären - und ob nicht viel eher der menschenfressende Kapitalismus als Ursache für deren heutiges Elend zu benennen sei.

Solche Fragen stellt man im Propagandistan der kapitalistischen Heilslehre nicht.


(Obdachloser in einer New Yorker "Metro-Station")

Montag, 7. November 2016

Der Stahlpenis: Die CSU und die "Härte"


Von rechtsradikalen Gruppierungen ist man rhetorisches Geblubber vom "Durchgreifen" und von der "Härte" ja gewohnt, das gehört zum schlechten Ton in dieser muffigen, unschönen Gesellschaft. Keiner aber beherrscht dieses Szenario so perfekt wie die widerlichen Gestalten von der CSU, die stets den ganz großen Knüppel zu schwingen versuchen und sich für Ursachenforschung oder gar -bekämpfung nicht die Bohne interessieren.

Das BILDblog hat sich mal die Mühe gemacht, einige der diesbezüglichen Forderungen aus der bayerischen Enklave der christlich-sozialen Nächstenliebe nur der vergangenen Wochen [sic!] zu dokumentieren. Ich zitiere hier nur die Überschriften - die Screenshots und entsprechenden Links findet man drüben:

  • Innenminister Herrmann: Hart gegen Grusel-Clowns vorgehen
  • Bayerischer Innenminister Herrmann: Stärker gegen Reichsbürger vorgehen
  • Bayern will härter gegen Sexualstraftäter vorgehen
  • Bayern will härter gegen Internetkriminalität vorgehen
  • Herrmann plant härteres Vorgehen gegen Grenzkriminalität
  • Innenminister Herrmann fordert mehr Härte gegen "Wirtschaftsflüchtlinge"
  • Bayerns Innenminister Herrmann fordert ein härteres Vorgehen gegen islamistische Gefährder

So unsäglich hart ist die CSU - und leider muss man auch nicht "Herr Mann" heißen, um einen solchen grotesken Bullshit in steter Impertinenz abzusondern; bei der CSU dürfte dies sogar eine "Frau Dame" tun, ohne sonderlich aufzufallen. Bei einem "Herrn Dame" oder einer "Frau Mann" sähe das freilich wieder ganz anders aus, denn mit solchem Teufelszeug will man in christlich-sozialen Kreisen nichts zu tun haben. Da reckt man den erigierten, deutschen Penis lieber in Richtung bekannter und wie gewohnt falscher Feindbilder - die faschistoiden Ausfälle der CSU gegen angebliche "Sozialschmarotzer" sind hoffentlich noch allen in schauriger Erinnerung.

Leider ist die CSU auf ihrem Härte-Contest keineswegs alleine unterwegs - die üblichen Verdächtigen von CDU, SPD, FDP, AfD, den Grünen und der Linkspartei mischen fleißig mit und bekräftigen einmal mehr die alte Regel: Je härter der imaginierte Penis, desto weicher die Hirnmasse. Inzwischen dürfte dieses bedauernswerte, völlig überschätzte Kopforgan in weiten Parteikreisen längst dünnflüssig sein und sich damit nachhaltig verflüchtigt haben. Man kann die Welt ohne Beteiligung des Gehirnes schließlich noch viel besser in den Abgrund stürzen und dabei noch Spaß haben.

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Auf der Suche nach dem Symbol des 20. Jahrhunderts



(Gemälde von Jiří Georg Dokoupil [*1954] aus dem Jahr 1983, Dispersion auf Nessel, Privatbesitz [sic!], Köln. - Wir sehen hier unter anderem: Einen geflügelten, allzu krummen Penis sowie eine Knochenhand, die weit entfernt aus einer Vagina in die düstere Szene ragt - aber das nur am Rande. Ich möchte lieber gar nicht wissen, in welcher privaten Sammlung irgendeines obszönen, perversen Superreichen dieses Bild gelandet ist.)

Freitag, 4. November 2016

Die "Lilis": Linksliberale und Kapitalismus - eine glühende Liebesgeschichte


"Liberal heißt im liberalen Sinne nicht nur liberal!" (Loriot)

Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Nicht alles an der Agenda 2010 war schlecht. Aber es gibt zentrale Elemente, die den sozialen Zusammenhalt in Deutschland zerstört oder gefährdet haben, und da muss man ran. Die ganze prekäre Beschäftigung, das demütigende Hartz-System zum Beispiel. Hier sind Veränderungen dringend nötig.

(Dietmar Bartsch im Interview mit rp-online vom 28.10.2016)

Es ist nicht irgendein Hinterbänkler oder namenloses MdB aus der Provinz, der so etwas sagt, sondern der von der Basis auf den Schild gehobene Fraktionsvorsitzende der Partei DIE LINKE im Bundestag, der den Startschuss gibt für den Run auf die Futtertröge unter Aufgabe von bisher als "unverhandelbar" deklarierten Programmeckpfeilern. "Hartz IV" abzuschaffen, ist schließlich nicht mehr en vouge, wenn man sich inszestuös mit dessen Eltern ins Bett zu legen gedenkt. Mit "Veränderungen" könnte Bartsch höchstens den Verzicht auf Sanktionen meinen. Von der SPD und den Grünen ist allerdings nicht zu erwarten, dass sie es sich mit den Gönnern, Protegees und Lobbyisten, die sie bisher üppigst bedient haben, plötzlich wieder verscherzen.

Eitelkeit korrumpiert und führt nicht selten auch zum Positionswechsel

Was sich bei Bartsch verbal zugespitzt herauskristallisiert, ist die Einlösung der Tickets vieler Reform- und anderer Halblinker, auf diesen langsam anrollenden Zug "heim ins System" aufspringen zu dürfen. Wer sich als Publizist, Taschenträger, Schulterklopfer, Plakatekleber, Flugblattverteiler und fleißiger Blogger geschmeidig bei den Parteihäuptlingen anbiederte, sich entsprechend hartnäckig als pseudo-konstruktiver Kritiker des Systems oder als „schwerdenkender Parteisympathisant“ und Klugscheißer profilierte, hofft nun offenbar, dass mit dem sich intensivierenden, verlockenden Duft künftiger Diäten in einer rot-rot-grünen Koalition das Ende der eigenen Bedeutungslosigkeit und materiellen Zwangsbescheidenheit naht.

Schließlich haben linksliberale Schleimer ("Lilis") doch schon immer zu beweisen versucht, dass das kapitalistische System nicht abgeschafft werden könne, und sich gleichzeitig stets von all denjenigen dogmatisch distanziert, die bürgerliche Konservative als politisch pseudolinke Schmuddelkinder definierten: Antifa, Autonome, Anarchisten, Veganer, Feministen, Anarchisten und undogmatische radikale Linke. Völlig anders und damit nicht zu vergleichen ist ihr Umgang mit "Querfrontlern" aller Richtungen: Berührungsängste mit prominenten Vertretern diverser rechtsdrehender Grüppchen kennen sie nicht, da es angeblich so viele inhaltliche Übereinstimmungen (nicht aber mit den radikalen Linken) gebe. Beispielsweise halten sich einige Blogger offenkundig für tolerant und liberal, wenn sie auf ihren Plattformen Videos und Texte von Interviews mit Rechtspopulisten oder deren öffentlichen Reden publizieren.

Dieses Liebäugeln mit rechtspopulistischen Strömungen und die penetrante Tendenz, die Unterschiede zwischen Rechts und Links aufzuheben, zielen somit in Richtung "Querfront". Kritiker dieser unheilvollen Allianzen werden als "Spalter" und Zyniker diffamiert.

Reformistische Träume oder doch nur schnödes Eigeninteresse?

Hierarchische Verhältnisse, strukturelle Gewalt, repressive Intoleranz und das Gewaltmonopol des Staates werden von solchen "Lilis" nicht infrage gestellt, sondern als naturgegeben und verfassungskonform angebetet. Sie vergöttern die parlamentarische Demokratie als Ausdruck des Mehrheitswillens der Wählerschaft, sehen in den Gewerkschaften ein reformistisches Potenzial und träumen von der Übernahme des Staates "auf legalem Wege" anstelle sozialer Kämpfe. Die protestantische Arbeitsethik nebst der damit verbundenen Unfreiheit, Abhängigkeit und Ausbeutung ist für "Lilis" so etwas wie ein Naturgesetz. Ihre Vorstellungen vom "ökologischen und sozialen Gleichgewicht" entsprechen daher Ihrer Forderung nach "gerechter Umverteilung" statt rigoroser Enteignung (Abschaffung des privaten Eigentums an Produktionsmitteln) bzw. sozialer Revolution (Generalstreik).

Dem unvermeidlichen Vorwurf des Opportunismus' begegnen solche Leute reflexhaft mit dem Gegenvorwurf eines angeblichen Dogmatismus' der linken Kritiker, indem sie diese überheblich-spöttisch wahlweise als Vertreter der "reinen Lehre" oder als "die wahren Linken" verhöhnen. Ihre systemkonforme Liberalität mit pseudolinkem Feigenblatt bedeutet jedoch nichts anderes als dass sich diese Leute mit den Herrschenden über den Typus und die Anzahl der Opfer Ihrer "Reformen" endlich einigen möchten. Wer den unbändigen Willen der "Lilis" zur Macht bezweifelt, kann sich anhand exemplarischer Statements, Publikationen und nicht zuletzt auch Bloggertexte der letzten Zeit davon überzeugen. Diese Behauptung hier und jetzt zu dokumentieren, möchte ich mir wegen der zu erwartenden Kommentare einiger argumentationsbefreiter und kritikresistenter Leser meiner Texte ersparen.

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Anmerkung von Charlie: Es ist sehr schade, dass der Altautonome hier ganz bewusst auf die Nennung von Namen und illustrierenden Beispielen verzichtet. Mir fallen da auf Anhieb gleich reihenweise Hohlköpfe, Opportunisten, Schulterklopfer, Dampfplauderer, Papageien, esoterische Spinner und selbstverständlich ganze Legionen korrupter PolitikerInnen von der kommunalen bis zur Bundesebene ein, die man hier benennen könnte bzw. müsste - aber selbstverständlich respektiere ich die Entscheidung des Gastautors und halte mich hier entsprechend zurück.

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Lokalpolitiker



(Gemälde von George Caleb Bingham [1811-1879] aus dem Jahr 1849: "Country Politician", Öl auf Leinwand, Fine Arts Museum of San Francisco, USA.)

Mittwoch, 2. November 2016

Song des Tages: Illisit (This is a Criminal Age)




A police state invents you
Give me your name
Your birth reconnects you
To a number and age
To see through the mountain
Master and serv'
A failed-state connects us

This is a criminal age
(Your age!)

The threat aside us
Blow-back reblame
So we are the suspect
Again and again
A terrorist is suspect
A terrorist is blamed
We're the receivers
Living in a game

This is a criminal age
(Your age!)



(Skinny Puppy: "Illisit", aus dem Album "Weapon", 2013)

Anmerkung: Wer nach dem Anschauen dieses Clips sein Dumpf-Phone noch immer nicht unverzüglich zerstört oder in den Tiefen des Atlantiks versenkt, ist selber schuld - auch wenn die nächste Generation der kapitalistischen Überwachungsschergen schon mit gezogenen Waffen an der Pforte wartet.

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"Shall we further go down the SocioPath?"


(Bild: Skinny Puppy)