Donnerstag, 22. November 2012

Zitat des Tages: Mein Michel, was willst du noch mehr?


Du hast Bataillone, Schwadronen,
Batterien, Maschinengewehr,
du hast auch die größten Kanonen.
Mein Michel, was willst du noch mehr?

Du hast zwei Dutzend Monarchen,
Lakaien und Pfaffen ein Heer,
da kannst du beseeligt schnarchen.
Mein Michel, was willst du noch mehr?

Du hast ungezählte Paragraphen,
deine Gefängnisse werden nicht leer,
da kannst du in Schutzhaft drin schlafen.
Mein Michel, was willst du noch mehr?

Du zahlst die beträchtlichsten Steuern,
deine Junker, die plagen sich sehr,
um dir das Brot zu verteuern.
Mein Michel, was willst du noch mehr?

Du hast Kohlrüben und Eicheln,
und frägst du nach and'rem Begehr,
so darfst du den Bauche dir streicheln.
Mein Michel, was willst du noch mehr?

Du darfst exerzieren, marschieren,
am Kasernenhof, kreuz und quer,
und dann für den Kaiser krepieren.
Mein Michel, was willst du noch mehr?

(Ein weit verbreitetes Lied eines anonymen Verfassers, ca. 1918)


Griechische Faschisten gemeinsam mit Polizisten im "Bürgerkrieg" gegen Migranten


Menschenrechtsgruppen kritisieren rassistische Polizeigewalt. Die EU schweigt und wird so zum Komplizen landesweiter Razzien gegen vermeintliche Ausländer

(...) Die deutsch-französischen Initiativen befördern einen wachsenden Rassismus, der in regelrechte Pogrome kanalisiert wird. Ein Abgeordneter der "Goldenen Morgendämmerung" [faschistische Partei in Griechenland, Anm.d.Kap.] erklärte in einer Reportage des britischen Senders BBC, die Partei befände sich in einer "neuen Form von Bürgerkrieg" gegen Migranten. Videos zeigen, wie Migranten von Faschisten ebenso wie von der Polizei schikaniert, verprügelt und verletzt werden. (...)

Die Bürgerrechtsorganisation [amnesty international] kritisiert die Unwilligkeit der Polizei, rassistische Attacken zu verfolgen. Stattdessen werden die Opfer eingeschüchtert und Anzeigen verschleppt. (...) Amnesty nimmt auch Bezug auf folterähnliche Misshandlungen von linken Demonstranten auf Polizeistationen: Polizisten hätten sie geschlagen, nackt gefilmt und ihre Haut verbrannt. Sie durften nicht mit Anwälten sprechen. Ärztliche Untersuchungen dokumentieren Schläge, Blutergüsse und Knochenbrüche.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Ich habe mich schon öfter darüber ausgelassen, dass die zwangsläufige Erstarkung des Faschismus bei sozialer Verelendung der Bevölkerung soziologisch bestens und ausführlich dokumentiert und erforscht ist. Was nun in Griechenland geschieht, war nicht nur absehbar, sondern aus empirisch-soziologischer Sicht nahezu unvermeidlich - und trotzdem hat die habgierige Bande - allen voran Merkel und ihre Vasallen - die Menschen in Griechenland bewusst und sehenden Auges ins Verderben "geführt" und damit nicht nur der totalen Verarmung der Menschen, sondern auch dem Faschismus den Boden bereitet.

Die Systemmedien schweigen beharrlich dazu und echauffieren sich lieber mit gespieltem Entsetzen darüber, dass einzelne Menschen in Griechenland und anderen ausgeplünderten Staaten Merkel auf Demo-Plakaten in SS-Uniform oder mit Hakenkreuz abbilden. Diese Verlogenheit ist unerträglich. Merkel ist mitverantwortlich für den braunen Terror.

Es scheint auch so zu sein, dass die Polizei nicht nur in Deutschland zu einem nicht unerheblichen Teil aus widerlichen Rassisten besteht, die offenbar ihren Spaß daran haben, Menschen zu verfolgen, zu schikanieren und zu verletzen. Was unterscheidet das Europa des Jahres 2012 doch gleich vom Europa der Weimarer Zeit? Damals war die Barbarei auf dem rapiden Vormarsch - heute erleben wir dasselbe erneut.

Eine Gruppe von Menschen fällt bei dieser Katastrophe wieder einmal völlig aus dem Wahrnehmungsbereich und wird komplett allein gelassen - sowohl von der EU-Bürokratie, als auch von sämtlichen nationalen Regierungen: Die Opfer der Pogrome. So wie sich in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts niemand für das Schicksal der Juden, Kommunisten und anderer Verfolgter in Deutschland interessiert hat, so interessiert sich heute niemand für die Verfolgten in Griechenland (und Ungarn und weiteren Staaten). Statt dessen arbeitet die neoliberale Bande überall eifrig daran, die Überwachung, Verfolgung und Kriminalisierung ihrer eigenen Bevölkerungen weiter massiv auszubauen. Auch das kennen wir alles schon aus der Weimarer Zeit, wo der Faschismus im Fahrwasser der damaligen Wirtschaftskrise und der auch damals schon hanebüchenen Kürzungspolitik nicht nur in Deutschland blühte, sondern beispielsweise auch in Italien oder Spanien.

Und der passende ("wirtschaftlich notwendige") Krieg wird auch gerade vorbereitet - da weiß man doch, was man am Kapitalismus hat. Herzlich willkommen in der nunmehr wieder ungeschminkten Barbarei - es hat sich wieder einmal auszivilisiert.

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Faschisten


"Blast kräftig nur hinein - 'nein - 'nein, Italia muss größer sein!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 34 vom 22.11.1922)

Dienstag, 20. November 2012

Song des Tages: End of the World




(Blackfield: "End of the World", aus dem Album "Blackfield II", 2007)

Don't you forget what I've told you
So many years:
We are hopeless and slaves to our fears,
We're an accident called human beings.
Don't be angry for loving the baby
Or say it's unreal.
So many lies turn to songs,
Like roses who hide in their thorns.

It's the end of the world,
The end of the world.
It's a prison for dreams and for hopes,
Yet still we believe there is God.
It's the end of the world,
The end of the world.
We're dead though pretend we're alive.
Full of ignorance, fools in disguise.

In your room doing nothing but staring
At flickering screens,
Streets are empty but still you can hear
Joy of children turning to tears.
Disease hides around every corner,
Quietly still.
Wait for the moment to heal,
Wait for God, want his touch, want to feel.

It's the end of the world,
The end of the world.
It's a prison for dreams and for hopes,
Yet still we believe there is God.
It's the end of the world,
The end of the world.
We're dead though pretend we're alive.
Full of ignorance, fools in disguise.

Take this pill it will make you feel dizzy,
And then give you wings.
Soon boy you're falling to sleep
Without nightmares, without any fears.
If you wake up in hell or in heaven
Tell the angels we're here,
Waiting below for a dream,
Here in the garden of sin.

It's the end of the world,
The end of the world.
It's a prison for dreams and for hopes,
Yet still we believe there is God.
It's the end of the world,
The end of the world.
We're dead though pretend we're alive.
Full of ignorance, fools in disguise.

Anmerkung: Es ist schon bezeichnend, dass auch in diesem Song - etwas sarkastisch - nur zwei mögliche Auswege aus der Misere der Welt genannt werden: Drogen und die Hoffnung auf irgendeinen ominösen Gott. Mit einer Besinnung der Menschheit oder gar einer sinnvollen Revolution oder einem anderen Aufbruch in den Humanismus scheint offenbar niemand mehr zu rechnen.

Nur am Rande sei erwähnt, dass wir hier der Kooperation eines britischen mit einem israelischen Musiker lauschen - beides Nationen, die mit ultra-üblen Regierungen gesegnet sind, die alles mögliche, gewiss aber nicht die Interessen und das Wohl der Menschen verfolgen. - Allein das Cover dieser Scheibe darf man getrost als eine perfekte Visualisierung des Zustandes der Welt bezeichnen.

Der große Reibach: Über das absurde System des Finanzkapitalismus




Anmerkung: Diese Dokumentation ist sehr sehenswert - auch wenn vieles Relevante nicht erwähnt oder nur am Rande angerissen wird. Im Sumpf der ansonsten üblichen kapitalistischen Dauerpropaganda - auch und gerade in den öffentlich-rechtlichen Medien - ist der Film ein wohltuender Lichtblick. Inhaltlich gesehen ist er freilich das genaue Gegenteil.

Lachnummer des Tages: Rechtsprofessor fordert Verjährungsfrist für Plagiate in Doktorarbeiten


[Der] Bonner Rechtsprofessor Wolfgang Löwer (...) fordert eine Verjährungsfrist für Plagiate in Doktorarbeiten. (...) / Jurist Löwer weist darauf hin, dass die Titelaberkennung nach aller Lebenserfahrung auch heute den "sozialen Geltungsanspruch" des Betroffenen gefährden kann und seine außerwissenschaftlichen Leistungen zu überspielen droht.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Dieser äußerst amüsante Text offenbart die komplette Niedertracht der wissenschaftlichen "Elite", die sich in ihrem Geschacher um Titel, Posten und "sozialen Geltungsanspruch" [sic!] nicht zu blöde ist zu versuchen, Plagiate (also Betrug) wortreich quasi als "Bagatellen" zu verharmlosen. Es ist nur noch lächerlich, wie im Text herumlaviert wird, wenn es um den "historischen Kontext" und die "Zitiergewohnheiten" verschiedener Zeiten und Fachbereiche geht.

Das neoliberale Kampfblatt hat noch etwas mehr zu dem Thema.

Vielleicht sollte man auch die Dissertationen dieses Herrn Löwer und anderer Wortmelder, die sich in dieser Angelegenheit weit aus dem Fenster lehnen, mal etwas genauer in Augenschein nehmen? ;-) Vielleicht kann man deren "sozialen Geltungsanspruch" so wieder auf ein gesundes, angemessenes Maß zurückführen ...?

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Der Herrschaftskutscher


"Das hätt' ich mir auch nicht gedacht, dass ich einmal Mist fahren müsste."

(Zeichnung von Eduard Thöny [1866-1950], in "Simplicissimus", Heft 8 vom 19.05.1920)

Freitag, 16. November 2012

Jean Ziegler: "Für die Völker des Südens hat der dritte Weltkrieg längst begonnen"


Der deutsche Faschismus brauchte sechs Jahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen. Der Neoliberalismus schafft das locker in gut einem Jahr. Ein Gespräch mit Jean Ziegler

(...) Der "World Food Report" der UN sagt: Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren, 57.000 Menschen jeden Tag. Von den sieben Milliarden Menschen, die es heute auf der Welt gibt, ist ein Siebtel permanent schwerstens unterernährt. Zugleich stellt der Report aber fest, dass die Weltlandwirtschaft nach dem heutigen Stand der Produktivkräfte problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren kann. Anders als noch vor wenigen Jahrzehnten gibt es heute keinen objektiven Mangel mehr – das Problem ist nicht die Produktion, sondern der Zugang zur Nahrung. Und der hängt von der Kaufkraft ab – jedes Kind wird ermordet, das während unseres Gesprächs verhungert. (...)

Die US-Firma Cargill Incorporated hat vergangenes Jahr 31,8 Prozent des weltweit gehandelten Getreides kontrolliert, die Dreyfus Brothers 31,2 Prozent des Reises. (...)

Laut Weltbank müssen 1,2 Milliarden Menschen von weniger als einem Dollar pro Tag leben – sie hausen in den Slums der Welt: in Manila, Karatschi, Mexiko-Stadt, Sao Paulo usw. Von dieser winzigen Summe müssen Mütter ihre Kinder ernähren – wenn die Lebensmittelpreise explodieren, verhungern sie. (...)

Aber Hunderte von Millionen Tonnen Nahrungsmittel auf einem Planeten [als "Agrar-Treibstoffe"] zu verbrennen, wo alle fünf Sekunden ein Kind verhungert, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. (...)

Das, was die Kommissare in Brüssel anrichten, ist abgrundtief verlogen: Durch ihre Dumpingpolitik fabrizieren sie den Hunger in Afrika – und wenn die Hungerflüchtlinge sich nach Europa retten wollen, werden sie mit militärischen Mitteln brutal ins Meer zurückgeworfen, wo jedes Jahr Tausende ertrinken. (...)

Laut ECOSOC-Statistik sind vergangenes Jahr 52 Millionen Menschen Epidemien, verseuchtem Wasser, Hunger und Mangelkrankheiten zum Opfer gefallen. Der deutsche Faschismus brauchte sechs Kriegsjahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen – die neoliberale Wirtschaftsordnung schafft das locker in wenig mehr als einem Jahr.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Jean Ziegler wird trotz seines hohen Alters (er ist inzwischen 78 Jahre alt) nicht müde, immer weiter für den Humanismus zu streiten - ich verehre diesen Mann sehr! Seine immer wieder vorgetragenen, allzu erschreckenden Fakten zur furchtbaren Lage der Menschen in Afrika, Asien und anderswo sowie die offensichtlichen, kapitalistischen Ursachen und die Nennung der Verursacher machen mich üblicherweise sprachlos vor lauter Entsetzen.

Jedes Mal wieder frage ich mich angesichts dieser Fakten: Wie kann es nur sein, dass ein so offensichtlich menschenfeindliches, untaugliches, geradezu perverses System wie der Kapitalismus dennoch über so viele Jahrhunderte und auch jetzt zunehmend solche Triumphe feiert? Wieso halten die Mächtigen dieses Planeten so stur und unbeirrbar an diesem System fest, während für jeden doch klar erkennbar ist, dass es nur für eine verschwindend kleine Minderheit von individuellem Vorteil ist? Und jedes Mal komme ich wieder zu demselben Schluss: Sie tun es, weil sie diese Einteilung der Menschheit in eine große ausbeutbare und "minderwertige" Masse auf der einen und eine "Elite", zu der sie sich selber zählen, auf der anderen Seite toll finden. Mit anderen Worten: Diese Mächtigen sind nichts anderes als schnöde, dumpfe Faschisten. Jeder Mensch, der das System, das Ziegler in diesem Interview wieder einmal grob umreißt, stützt oder "als das geringste Übel" ansieht, muss sich diese Etikettierung gefallen lassen.

Ich halte Zieglers Formulierung - "Für die Völker des Südens hat der dritte Weltkrieg längst begonnen" - keineswegs für eine Übertreibung: die Zahlen und Fakten, die er nennt, sprechen eine sehr deutliche Sprache. Es ist auch kein Zufall, dass auch im Westen allmählich dieselben Zustände Einzug halten - auch die Hungernden, Obdachlosen, des ehemaligen Mini-Wohlstands Beraubten in Griechenland, Spanien oder Portugal von heute kennen wir aus der Geschichte des Kapitalismus nur allzu gut. Der "dritte Weltkrieg" hat in der Tat längst begonnen, aber er ist noch lange nicht überall dort angekommen, wo er auch wüten wird. Und wieder einmal ist es die "Elite", die diesen Krieg gegen alle anderen führt - wie immer aus reinen, widerlichen Profitinteressen.

Nur in einem Punkt muss ich Ziegler energisch widersprechen, nämlich wenn er behauptet, Deutschland sei "die wohl lebendigste Demokratie Europas". Da kann ich als Deutscher nur in grölendes Gelächter ausbrechen - selbst die konservative Schweiz, aus der Ziegler stammt, hat eine lebendigere Demokratie als das tote Deutschland. Hierzulande beschränkt sich die Demokratie auf hochalberne politische Wort- bzw. Werbehülsen, beständige und zunehmend erfolgreiche staatliche Angriffe, eine diktatorisch geschlossene kapitalistische Propagandapresse und einen bleiernen Winterschlaf der ausgebeuteten, dumpfen Bevölkerung, der einen Humanisten in die pure Verzweiflung treiben muss.

Woher bloß nimmt Herr Ziegler die Kraft, trotzdem weiter am Ball zu bleiben und nicht irgendwann einfach abzuwinken und den Perversen der Eigennutzmaximierung (= Kapitalisten) das Feld zu überlassen, das sie sowieso schon längst besetzt haben? Mir fehlt diese Energiequelle immer öfter.

Derweil richtet die neoliberale Bande auch Europa wieder einmal zugrunde - mithilfe derselben Rezepte wie schon unzählige Male zuvor:

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Notverordnung


"Der arme kleine Michel kann nicht an die Suppe heran - wir müssen die Tischbeine um 10% kürzen - aber natürlich auch die Stuhlbeine." - "Der Effekt ist zwar nicht sogleich ersichtlich, aber immerhin recht befriedigend. Schlimmsten Falles muss man die Operation wiederholen."

(Zeichnung von Wilhelm Schulz [1865–1952], in "Simplicissimus", Heft 40 vom 04.01.1932)

Donnerstag, 15. November 2012

Zitat des Tages: Eine humanere Ordnung


Wir haben nicht die Pflicht, eine unmenschliche soziale Ordnung zu konservieren, sondern wir müssen im Gegenteil alle darauf hinarbeiten, dass eine humanere Ordnung an ihre Stelle tritt, die die wahre Hierarchie der Werte aufbaut, das Geld in den Dienst der Produktion stellt, die Produktion in den Dienst des Menschen und den Menschen selbst in den Dienst eines Ideals, das dem Leben einen Sinn gibt.

(Jean Le Cour-Grandmaison [1883-1974], zitiert nach Das Blättchen, Nr. 1 vom 10. Januar 2011)

Song des Tages: Melancholy of Sunset




(G.E.N.E.: "Melancholy of Sunset", aus dem Album "Life is a Melody", 1989)

Anmerkung: Und der November wurde Musik.

Werden Alte schon heute ins Ausland abgeschoben?


Die [BLÖD-"Zeitung"] ist bekannt dafür, dass Wahrheiten so lange verbogen werden, bis daraus reißerische Schlagzeilen werden. Mit der heutigen [BLÖD]-Titel-Schlagzeile "Weil Pflege in Deutschland zu teuer ist: So werden Alte ins Ausland abgeschoben" hat die [BLÖD-"Zeitung"] sich wieder selbst übertroffen. Der Titel suggeriert, dass aufgrund der hohen Kosten der Pflege in Deutschland, immer mehr Senioren ins Ausland abgeschoben werden. Belegt wird diese Behauptung mit der Statistik der Deutschen Rentenversicherung, dass 10.000 Rentner in osteuropäischen Staaten leben.

(Weiterlesen - der Text ist merkwürdigerweise sogar bei den Nachdenkseiten und im Bildblog verlinkt)

Anmerkung: (Den folgenden Kommentar habe ich auch in jenem Blog hinterlassen - ich bin gespannt, ob er dort auch wirklich erscheint.)

Mit Verlaub - es versteht sich von selbst, dass der "Artikel" der BLÖD-"Zeitung" frei von jeder seriösen Information ist; das macht schließlich den Kern dieses Propagandablattes aus. Die hier verlinkte Erwiderung steht diesem unterirdischen Niveau aber leider in nichts nach - denn dass im zusammenbrechenden Kaptitalismus stets alle Wege ausgeschöpft werden, um die Profite der "Elite" so lange wie möglich zu erhalten, sollte aus der Weltgeschichte hinreichend bekannt sein. Die drohende Abschiebung Pflegebedürftiger ist in der Tat eine erhebliche Gefahr für viele Menschen - nicht nur in Deutschland. Es geht also nicht um die heutigen Zahlen, sondern um die perfiden Pläne und Überlegungen, die in dieser Hinsicht von der neoliberalen Bande geschmiedet werden.

Im Übrigen tragen Sätze wie der folgende nicht zum guten Verständnis des Textes bei: "Vorurteile mit den Pflege in Deutschland oft zu kämpfen und welche die Pflege nicht verdient hat." Wenn ich den Autor richtig verstanden habe, ist er der Auffassung, die Pflegesituation in Deutschland sei im Großen und Ganzen in Ordnung, allerdings herrsche ein "Fachkräftemangel". Beides ist leider falsch - eine einigermaßen zufriedenstellende Pflege erhalten hierzulande nur gut betuchte Menschen, die sich entsprechende "Dienstleistungen" dauerhaft leisten können: alle anderen (also die große Mehrheit) sind einem grauenhaften, menschenfeindlichen System ausgesetzt, das in den Niedrigstlohnsektor gezwungen wurde und sowohl für die dort Beschäftigten, als auch für die Pflegepersonen vollkommen unzumutbar und unerträglich geworden ist. Dieser Prozess ist nach wie vor in vollem Gange, und die zunehmende Gefahr der drohenden Abschiebung von Pflegefällen ist sehr real.

Es gibt auch keinen herbeifantasierten "Fachkräftemangel" in der Pflege (oder anderswo) - sondern lediglich zu wenige Menschen, die sich für einen völlig lächerlichen Lohn einer solchen psychisch und physisch auslaugenden Schwerstarbeit aussetzen (also sich gnadenlos ausbeuten) lassen möchten. Das gilt inzwischen nicht mehr allein für die Pflege, sondern auch für alle anderen Bereiche - beispielsweise für Krankenhausärzte.

Jens Berger schreibt dazu: "Grund für die Ärzteknappheit ist nicht der Fachkräftemangel, sondern die mangelnde Bereitschaft des Gesundheitssystems, seine Mitarbeiter ordentlich zu bezahlen und für angemessene Arbeitsbedingungen zu sorgen." - Prägnanter kann man das kaum formulieren - auch wenn es nicht "das System" ist, das sich weigert, den Menschen gute und auskömmliche Arbeitsbedingungen und Entlohnungen zu bieten, sondern die wenigen Profiteure des kapitalistischen Systems, die lieber allen Profit für sich selbst behalten wollen, obwohl sie längst mehr besitzen als sie jemals ausgeben können. Diese "Elite" handelt wie ein dem puren Egoismus frönendes Kleinkind, das auch noch nicht begriffen hat, dass es allein nicht überleben kann, wenn es nur den eigenen Bedürfnissen folgt.

Es ist mir ein Rätsel, wieso ein Blog, das sich dem "Wohnen im Alter" verschrieben hat, auf diesen neoliberalen Propagandazug blind aufspringt, anstatt tatsächlich die berechtigten Interessen alter Menschen zu vertreten. Ebenso unerklärlich ist die (kritik- und kommentarlose) Verlinkung des Beitrags in anderen kritischen Blogs. Die BLÖD-"Zeitung" sollte - nicht nur bei diesem Thema - einfach außen vor bleiben - man bezieht sich ja auch nicht auf die Einfärbung eines benutzten Toilettenpapiers, wenn man übers Kochen schreibt.

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Wirtschaftsprogramm


"Der Zweck dieser genial erdachten Maschinerie ist der, niedrigere Löhne und noch niedrigere Preise zu erzielen." - "Die Lohnsenkung hat glänzend funktioniert, aber bei der Preissenkung scheint ein kleiner Konstruktionsfehler unterlaufen zu sein."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 8 vom 25.05.1931)

Donnerstag, 8. November 2012

Zitat des Tages: Rauchen und Politik


Rauchen will gelernt sein schlecht und recht
wie die Ausübung von Politik -:
Doch das Rauchen kriegst du niemals dick
und es wird dir nur zu Anfang schlecht,

während du in Politik versackt
sein musst und schon völlig eingeweiht,
bis dich dann - zumal in unsrer Zeit -
endlich doch das kalte Kotzen packt ---

(Karl Kinndt alias Reinhard Koester [1885-1956], in "Simplicissimus", Heft 21 vom 23.08.1926)

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"Papa hat sich von uns das Rauchen angewöhnt."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 43 vom 24.01.1923)

Schwarze Magie im braunen Hemd - Okkultismus und die Nazis






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Im Irrenhaus


"Ihr Gatte hat eine schwere Psychose. Er leidet an der Wahnidee, dass es kein Vorherwissen der Zukunft und keinen Verkehr mit den Geistern Verstorbener gibt."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 6 vom 10.05.1926)

Der Irrsinn des Kapitalismus, Beispiel Siemens


Jobabbau soll Rendite steigern / Siemens will sich gesundsparen

Siemens-Chef Peter Löscher setzt den Rotstift an: Der Manager will die Kosten deutlich senken und den Ingenieurskonzern auf mehr Rendite trimmen. Denn die Konjunkturflaute erfasst Siemens immer mehr, die Konkurrenz arbeitet deutlich profitabler. Zu spüren bekommen dürften das vor allem die Beschäftigten.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Diese unscheinbare Meldung offenbart einen Großteil des kapitalistischen Irrsinns, der im Begriff ist, die Welt einmal mehr in die Katastrophe zu stürzen. Leute wie Löscher stellen sich schon lange keine Fragen mehr nach dem Sinn oder Unsinn der Produkte, die sie entwickeln und herstellen lassen, und das Wohl der Angestellten kommt in ihrem Denken sowieso nicht vor - diese sind schlicht ein "Kostenfaktor", der den Profit beeinträchtigt.

Wohlgemerkt: Der Siemens-Konzern schreibt keine roten Zahlen - es geht wieder einmal einzig und allein um eine weitere Steigerung des schon jetzt reichlich vorhandenen Profits, also um schnöde, kapitalistische Habgier. Löscher sagt dazu laut dem Bericht: "Wir wollen als Spitzenunternehmen besser sein als die Wettbewerber. In der breiten Masse irgendwo im Mittelfeld zu dümpeln - das wollen wir nicht". Da möchte man laut aufschreien und diesem Menschenfeind entgegenschleudern: Und wieso um alles in der Welt wollen Sie das nicht? Was ist aus kapitalistischer Sicht so schlimm daran, wenn die Aktionäre des Konzerns "nur" einige Milliarden Euro leistungsloses Einkommen jährlich in den Anus gestopft bekommen? Ist das nicht schon pervers genug?

Die Frage, ob die Wirtschaft für die Menschen da sei oder umgekehrt, haben solche Menschen sich vermutlich nie gestellt, denn das Ziel, der Sinn und Zweck ihres ganzen Seins sind offensichtlich Habgier und Profit. Solche Leute haben das Sagen in der Welt. Wi-der-lich.

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Wunschtraum [der Schlips-Borg]


"Der einzige Diktator, der uns wirklich helfen könnte."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 20 vom 11.08.1930)

Donnerstag, 1. November 2012

Hongkong: Ein Leben in Käfigen und Särgen


Hongkong ist eine der reichsten Städte der Welt. Mehr als sieben Millionen Menschen leben in der Metropole. Sie zählt zu den am dichtesten besiedelten Gebieten auf der Erde. (...) Jeder Zentimeter [Wohnraum] ist kostbar - und Vermieter wissen daraus Kapital zu schlagen. Erbarmungslos. Teure Hochhaus-Etagen, deren Mieten für die meisten unerschwinglich wären, teilen sie in winzige, meist fensterlose Parzellen. So werden bis zu hundert Menschen auf einer Etage zusammengepfercht. (...)

Mehr als eine Million Menschen in Hongkong muss mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze auskommen. Tausende von ihnen können sich nicht einmal einen Holzverschlag leisten, sie wohnen in einem Käfig. Auf einer Pritsche hinter Gittern schlafen sie, umgeben von ein paar Habseligkeiten und zahlreichen Mitbewohnern.

(Fotos ansehen und Text weiterlesen)

Anmerkung: Es ist bezeichnend, dass im Begleittext zu diesen einmal mehr erschütternden Fotos zwar erwähnt wird, dass die (wenigen noch vorhandenen) Obdachlosenheime in Hongkong hoffnungslos überfüllt sind und es keinen sozialen Wohnungsbau mehr gibt - als Ursache für diese menschenunwürdigen, geradezu grausamen Zustände inmitten einer der reichsten glitzernden Mega-Metropolen der Welt voller Glas- und Stahlpaläste der Konzerne fällt dem Autor aber wieder nur das übliche dämliche Mantra ein: "Schuld ist die Wirtschaftskrise, die viele Menschen um ihre Arbeit brachte."

Das ist so lächerlich, dass man es kaum mehr kommentieren muss. Wer arbeitslos ist in Hongkong, kann sich gewiss auch keines dieser gezeigten Mini-Elendsquartiere leisten, denn auch diese kosten perverserweise viel Geld. Die Ursachen für diese Zustände sind der Kapitalismus, die Hungerlöhne und die fehlende soziale Absicherung der Menschen dort - diese sind uns nur einen kleinen Schritt voraus auf dem neoliberalen Katastrophenweg der totalen Ökonomisierung des Daseins.

Weltweit können wir beobachten, wie der Kapitalismus den Reichtum aufsaugt wie ein gigantischer Staubsauger und so viele Millionen von Menschen in bitterste Verarmung, Elend, Obdachlosigkeit, Hunger und schließlich den Tod treibt, während eine kleine Clique von Geisteskranken wie Dagobert Duck wie von Sinnen im überquellenden Luxus und zunehmenden Wohlstand badet.

Ich finde keine Worte dafür, wie sehr mich das anwidert und wie unfassbar ich es finde, dass dieses "Konzept" der totalen Ausbeutung wieder einmal globale Triumphe feiert.

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Immer mal wieder!


"Die Miete steigt um zehn Prozent und die Sterblichkeit um zwanzig."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 1 vom 04.04.1927)

Die Märchen der Gossenpresse und die "Qualitätsmedien"


Lange lebt der mehrfache Box-Weltmeister Graciano Rocchigian in Saus und Braus. Doch von den Millionen-Preisgeldern ist nichts geblieben. Einem Medienbericht zufolge wohnt "Rocky" inzwischen in Großziethen - und lebt von 374 Euro im Monat und der Großzügigkeit seiner Freunde.

(Weiterlesen - falls sich das jemand antun möchte)

Anmerkung: Dieser n-tv-"Bericht", der sich wiederum auf einen "Medienbericht" bezieht (im weiteren Verlauf wird die BLÖD-"Zeitung" als Quelle genannt), ist ein klassisches Beispiel für Propaganda, Märchen und überflüssigen Medienmüll. Abgesehen vom allzu dürftigen Inhalt ist dieser auch noch offensichtlich falsch, denn wenn jener Mensch, wie im Text behauptet wird, tatsächlich in einer Pension für 50 Euro "Miete" pro Tag [sic!] lebte, würde ihm die Arbeitslosenverfolgungsbehörde den Stinkefinger zeigen und ihm keinen Cent ausbezahlen - bei einem Einkommen von 30 mal 50 Euro, also 1.500 Euro im Monat, wäre das sogar nachvollziehbar. Die ganze Geschichte kann in dieser Form vorne und hinten nicht stimmen.

Ich frage mich schon seit Jahren, wieso viele angeblich seriöse Medien sich immer wieder auf hochalberne Geschichten aus dem Springer-Verwesungshaus BLÖD-"Zeitung" beziehen und diese weiter verbreiten. Man findet derlei Geschreibsel ja nicht nur bei n-tv, sondern in schöner Regelmäßigkeit auch in Blättern wie dem Spiegel, der Süddeutschen oder der FAZ sowie in öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen.

Diese gleichgeschaltete Propaganda-Presse der neoliberalen Sturmtruppen ist von den Propaganda-Organen in Diktaturen kaum mehr zu unterscheiden.

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Der neueste Lustmord


"Ein Bild aus dem Familienleben"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 6 vom 11.05.1931)

Samstag, 27. Oktober 2012

Song des Tages: Pitch-Black Universe




(Before The Dawn: "Pitch-Black Universe", aus dem Album "Rise of the Phoenix", 2012)

I have dreamt of a universe
A pitch-black dimension
Oblivion through the absence of light

In my deepest slumber
Reveries profound
Darkness eternal around

Sun was torn asunder
Light has been undone
In starless sky with no moon to rise the tide

I have seen a parallel
A void-like dimension
Nothingness beyond compare

In that dead cold
Orbit of a black hole
I am the spark
A birth of star
I am the fire

In my deepest slumber
Reveries profound
Darkness eternal around

Sun was torn asunder
Light has been undone
In starless sky with no moon to rise the tide