Donnerstag, 31. Oktober 2013

Song des Tages: American Babylon




(Saviour Machine: "American Babylon", aus dem Album "Saviour Machine II", 1994)

A thousand bloody hand-prints stain the walls of liberty.
A stranger hides in dreams denied, awaiting his release.
I've seen this picture before.
I never thought that we would end up here,
When fascism comes as an angel of light
Its license parading as tyranny drives forth its son.

The son of mourning dominating fears, afflicting fallen men.
His body highly organized is coming into prominence
To bear its ominous warnings.
It's in your blood to comprehend its origin,
For those who refuse to remember the past
Are condemned to repeat it,
The first and the last, dust to dust ...

History is his story
And life is laughing at its peril.
Building towers that come fourth in men.
Shifting powers consuming us within.
They will puzzle the apostles till the end.

Enter into the silence, into the dying life of America,
The brave, the slave, the grave.

The shattered pigs dying as primitive savages,
Eating their flesh, they'll lie rotting in dirt,
While a stranger among you has challenged the course
Of the human existence and alien forces.
The birth of the black prince is setting the stage
In its thriving dissension, exalting his rank,
And the innocent man will fall victim to hands
In the trial of truth and its twisted reversal.
The union of factions bleeds shock to the system,
For civilization has ended today.
The transitional nature of acts and society climbs in its place
While its face re-creates ...

... Until your god is dead.
Enlighten me with your pale statues, face of inhibition,
Until your reign has ended,
Frighten me with your stale - taste - tongue of inquisition.

In your eyes I will come forth in men,
With no justice, no order to defend -
And the stone will be cast again ...

Enter into the fire, into the bloody gates of America,
The great, the fate, the late.


Anmerkung: Einer Band aus Kalifornien kann man schwerlich Antiamerikanismus vorwerfen. Und auch wenn Saviour Machine immer wieder das Mäntelchen des Christentums umgehängt wird, sprechen das Werk und auch dieser spezielle Song eine ganz eigene Sprache, die weder den bösen alten Männern in Rom, noch den christlichen Fundamentalisten in den USA gefällt. Ich liebe Saviour Machine für ihre außergewöhnliche Musik und für Textzeilen wie die hier wiedergegebenen. Es gibt offensichtlich auch in den USA Menschen, die klar bemerken, dass hier etwas (wieder einmal: "For those who refuse to remember the past are condemned to repeat it") völlig aus dem Ruder läuft.

"When fascism comes as an angel of light" - dann ist der "Point of No Return" nur noch einen Katzensprung entfernt. - Das war 1994. Vor fast 20 Jahren. "Civilization has ended today."

Mittwoch, 30. Oktober 2013

"American Exceptionalism": Das faschistoide Selbstbild der USA


Die Ideologie des Tötens und Belauschens / Obama ist nicht anders als Bush

Unter Barack Obama bespitzeln die USA ihre angeblichen Freunde und töten ihre mutmaßlichen Feinde ohne Anklage und Urteil. Von "Change" und "Hope" ist nichts geblieben, jedenfalls nicht in der amerikanischen Außenpolitik. Es gibt eine direkte Linie von George W. Bush zu Obama. Sie reicht allerdings weiter zurück.

(Weiterlesen)

Anmerkung: "That's what makes us exceptional" - diese Worte Obamas muss man sich wahrlich auf der Zunge zergehen lassen und darf sie selbstredend mit den hoffentlich leidlich bekannten Propagandaphrasen der Nazis aus den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts vergleichen. Wie im n-tv-Text schon erwähnt wird, ist Obama zwar der erste US-Präsident, der diese infantile Phrase der totalen Verblödung tatsächlich öffentlich benutzt - genau da enden aber bereits die Unterschiede zu den letzten Amtsvorgängern. Bush beispielsweise musste sie gar nicht benutzen - schließlich nennt man die Grundlagen der eigenen kranken Gedankenwelt nicht immer direkt beim Namen, wenn man ein halbwegs gut instruierter Propagandist ist. Das wusste sogar schon ein Monstrum wie Hitler: Den geplanten Massenmord an Juden und anderen Menschen hat er im Vorfeld vergleichsweise selten öffentlich herausposaunt - und nach dem Start der Mordmaschinerie der Vernichtungslager gar nicht mehr.

Wie kann und soll man die rhetorischen Ausfälle Obamas zum "American Exceptionalism" heute also bewerten und einordnen? Glaubt der Mann (und mit ihm viele andere Menschen in diesem verkommenen Land der Migranten) tatsächlich, dass die USA "außergewöhnlich" - und damit "besser", "höherrangig" oder gar "wertvoller" - seien als (alle) anderen Länder? Auch wenn diese Annahme die schlimmste aller möglichen Antworten ist, befürchte ich doch, dass sie stimmt. Es wäre zwar nicht schön, aber immerhin doch halbwegs beruhigend, wenn man wüsste, dass Figuren wie Obama und andere US-Amerikaner selbstverständlich verinnerlicht haben, dass sie genau dieselben armen kleinen Würstchen sind wie alle anderen Menschen auch und dass gerade ihr eigenes Land mindestens ebenso weit vom "Paradies" entfernt ist wie Somalia, Deutschland oder Indien - und dass sie einzig aus propagandistischen Gründen das Gegenteil behaupten. Wir müssen aber davon ausgehen, dass Letzteres nicht der Fall ist - und dass die Repräsentanten und wohl auch gewisse Teile der Bevölkerung der USA ihr korruptes, radikalkapitalistisches Land tatsächlich als "Garten Eden" der Demokratie und Freiheit empfinden - so absurd das den Außenstehenden auch anmuten mag.

Wie geht man also mit solchen Leuten um, die sich selbst für "außergewöhnlich" und "besser" halten als andere, obwohl schon ein kleiner Blick in das betreffende Land ausreicht um zu erkennen, dass es dort selbstverständlich nur einer sehr kleinen Minderheit sehr, sehr gut geht, während die große Masse in zunehmendem Maße verarmt und trotzdem bis auf die Knochen ausgepresst wird? Über die Phrasen "Freiheit" und "Demokratie" möchte ich im Zusammenhang mit den USA gar nicht erst reden - das wäre so, als versuchte ich etwas über die "klare und reinigende Luft auf dem Mond" zu schwadronieren. - Ich habe jedenfalls keine erschöpfende Antwort auf diese Frage - Spott und Häme allein können es ja nicht sein.

So ähnlich müssen sich BürgerInnen anderer Länder damals gefühlt haben, wenn sie in den Zeitungen von den "großdeutschen", "arischen" Plänen der Nazis aus Deutschland gelesen haben. Die haben sich damals sicherlich auch fassungslos an den Kopf gegriffen, lauthals darüber gelacht oder es einfach als verblödete Spinnerei irgendwelcher politischer Intriganten abgetan. Allein das ist schon Grund genug, die perverse amerikanische "Herrenmenschen"-Fantasie diesmal etwas ernster zu nehmen - zumal die ersten Lager ja längst wieder errichtet sind und die Menschen darin bis heute gefoltert und ihrer Freiheit beraubt werden.

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Amerika und Russland


"Die Einfuhr russischer Sträflingsarbeit verletzt die amerikanische humanity. Mr. Stalin soll für seine politischen Verbrecher lieber ein paar Schiffsladungen elektrischer Stühle bei uns bestellen."

(Zeichnung von Wilhelm Schulz [1865–1952], in "Simplicissimus", Heft 43 vom 19.01.1931)

Samstag, 26. Oktober 2013

Song des Tages: Old Mister Time




(10cc: "Old Mister Time", aus dem Album "Bloody Tourists", 1978)

He looked funny
The children called him "The scarecrow"
An old raincoat
And baggy trousers and sneakers
he found at the dump
Oh, but if you bothered to look
There was something behind the rags
Oh, there was a look in his eyes
It was something you'd never forget

He lived badly
A broken shack on the railway
An old moggy
The only one who replied
When he talked to the walls
Oh, we didn't understand
We were fooled by the dirt on his face
Oh, we were human then
We were searching behind his disgrace

"Why don't you leave me alone
Why don't you go to your homes
Why don't you keep to yourselves
I'm telling you
Why don't you leave me alone?

You're never gonna realize
When all you do is criticize
You're never gonna make it work
You never seem to get enough
You crumble when it's getting rough
You're never gonna make it work
I'm telling you there'll come a day
You're gonna blow yourselves away
It's wrong that I should interfere
I just get in the way

Why don't you leave me alone
Why don't you go to your homes
Why don't you keep to yourselves
I'm telling you
Why don't you leave me alone?"


Deep into the night
He was working by the light
Of the candle by his bed
On the theory in his head
He was building from the junk
That he rescued from the dump
And when he turned the power "ON":
There was a sound - and he was gone.

Oh, in the gray of the dawn
We discovered the thing he was working on
Oh, we didn't understand
The future was old ...

Mister Time.



Anmerkung: Wer der englischen Sprache halbwegs mächtig ist, sollte sich diese wundervolle Geschichte unbedingt einverleiben - und damit auch wissen, woran ich gerade in den Tiefen meines Kellers so emsig arbeite. Wenn der Tag gekommen ist, an dem meine Maschine fertig ist, wird ganz gewiss nicht die gruselige Zukunft unserer heutigen Alptraumwelt mein Ziel sein, denn in die will man ja nicht einmal seine ärgsten Feinde schicken - ich werde mein Glück statt dessen in der längst vergangenen Zeit suchen, in der die Menschheit einst in die Zivilisation aufgebrochen ist - und ich werde versuchen, sie diesmal davor zu bewahren, erneut den Weg dahin so allumfassend zu verlassen.

Wünscht mir Glück ...

Freitag, 25. Oktober 2013

Die nächste Runde des Hartz-Terrors gegen die Bevölkerung: Sie machen einfach weiter


Die Junge Welt von morgen berichtet, dass die Bund-Länder-Arbeitsgruppe härtere Gesetze für H4-Empfänger erarbeitet.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Als ich über das Ein-Euro-Blog auf diesen Text aus der Jungen Welt gestoßen bin, stockte mir erst einmal der Atem. Es ist den versammelten Elitehuren von Lila-Rot über Grün bis hin zu Schwarz-Gelb längst nicht genug, die Verlierer des kapitalistischen Wahnsinns mit den bisherigen menschenverachtenden Daumenschrauben des Zwangsverarmungs- und Schikaneinstrumentes "Hartz IV" zu überziehen - sie machen immer weiter und hören nicht auf, auch noch die letzten Cents aus den klammen Kassen dieser Menschen zu klauben, bis nichts mehr übrig ist und tatsächlich nur noch die Autobahnbrücke und der Hungertod bleibt. Wie pervers muss man sein, um so etwas in - vermutlich durch entsprechendes Catering erlesen verköstigten - "Runden" zu "erarbeiten"? Die Habgier und der Neid müssen derartige Gehirne längst in verwesende Schwämme verwandelt haben, die einzig von den blinkenden Dollar- oder Eurozeichen noch zusammengehalten werden.

Auffällig ist dabei, dass wieder einmal Nordrhein-Westfalen eine treibende Kraft hinter diesem abartigen Szenario ist - die Rot-Grünen mit der Merkel-Plagiatin Hannelore Kraft an der Spitze können brutalen Faschismus eben am allerbesten. Es ist, wie wir wissen, ja "sozialdemokratische" Pflicht, den Ärmsten das letzte Hemd zu klauen und sie dafür auch noch hämisch selbst verantwortlich zu machen - die Kür ist es aber, diesen Menschen dann noch fortdauernd ins Gesicht zu spucken, auf sie zu urinieren und ihnen ganz offen mitzuteilen, dass sie keine Lebensberechtigung im "sozialdemokratischen" Staat mehr besitzen. Das beherrscht diese Bande in Perfektion, und sie hört damit nicht auf - auch dann nicht, wenn die Betroffenen längst geschlagen am Boden liegen und sich nicht einmal mehr rudimentär wehren können. Denn dann heißt es für die neoliberale Bande von Rot über Grün bis (natürlich) zu den Schwarzen und Gelben erst recht: Auf sie mit Gebrüll!

Hannelore Kraft wäre ein separates Posting wert - diese Intrigantin und Lügnerin ist im Wahlkrampf ja durch ihre stets wiederholten Pamphlete aufgefallen, dass eine "große Koalition" auf Bundesebene so gut wie undenkbar sei - und heute ist sie selbstredend die schärfste und lauteste Befürworterin dieser Konstellation. Da passt es nur allzu gut ins Bild, dass sie sich nicht nur herzlich gerne an der Jagd auf das faule, elende Pack der Armen, Kranken, Behinderten, Alten und sonstwie Profithemmenden beteiligt, sondern natürlich eine Vorreiterrolle einnimmt.

Es ist mir unverständlich, wie irgendein Wähler der SPD oder der Grünen noch nachvollziehen kann, was diese Parteien tun - es sei denn, ich müsste davon ausgehen, dass diese Wähler allesamt widerliche Faschisten sind. Bezüglich der CDU und FDP gehe ich ja längst davon aus.

Wenn diese Parteien weiterhin das Sagen behalten, werden auch diejenigen, die vom Hartz-Terror noch nicht direkt betroffen sind - und das ist mehr als nur eine üble, diffuse Drohung - in Bälde ihr blaues Wunder erleben, das sich wahrlich gewaschen hat. George Orwell (aus seinem Roman "1984") hat das letzte Wort:

"Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt. Unaufhörlich."

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Trost in Tränen


"Zu arbeiten gibt's schon lange nichts mehr - das letzte Hemd haben wir auch schon hergeben müssen - wenn jetzt noch die Preise so weit gesenkt werden, dass man alles umsonst haben kann, dann ist Deutschland das reinste Paradies!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 46 vom 16.02.1932)

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Satire des Tages: Irrende Ritter


Manchmal, wenn man zum Beispiel auf Steinstufen oder an Brunnenrändern sitzt und raucht, trifft einen aus Autofenstern ein verzweifelter Blick: ein parkplatzsuchender Gast, dessen Nerven, im fremden Straßennetz ohnehin strapaziert, zu versagen drohen, wenn es ihm nicht bald gelingt, sich seines Wagens zu entledigen und im Stadtzentrum Fuß zu fassen.

So mögen früher herumirrende Ritter aus ihren Eisenrüstungen auf einen Schäfer geblickt haben, der im Gras liegend Flöte blies, während ein Unstern sie dazu verdammte, ihr Leben mit Staub und Metall zu ruinieren.

Manche Fahrer werden offenbar immer wieder in denselben Kreislauf gezogen, so dass sie mit wachsender Langsamkeit, die den berühmten Zusammenbruch des Verkehrs ankündigt, immer wieder an demselben rauchenden Mann vorbeikommen und an demselben Brunnen, dessen Wasser in den Wind hinausfliegt wie ein unerreichbares Elixier aus Gelächter und Tränen.

(Gerhard Amanshauser [1928-2006]: "Ärgernisse eines Zauberers. Satiren und Marginalien", 1973)


Anmerkung: Wer angesichts dieses herrlichen Textes den Bezug zwischen dem heutigen Kapitalismus und Konsumterror und der Literatur des 19. Jahrhunderts herzustellen vermag, erhält den Narrenschiff-Sonderpreis für außergewöhnliche, obrigkeitlich sehr ungewollte Bildung im 21. Jahrhundert des kapitalistischen Terrors. Alle anderen müssen sich leider in ihre Eisenrüstungen zurückziehen und weiterhin sich selbst, ihre Mitmenschen und den Planeten ruinieren.

(Memo an mich selbst: Es war der Reich-Ranicki, der vor etwa 30 Jahren in einer flammenden Rede die Einführung von Satirezeichen in die deutsche Sprache gefordert hat. In diesem Fall wusste er wohl, was er tat.)

Dienstag, 22. Oktober 2013

Deutschland erwacht in der Hölle: Die neue "Mitte" ist rechts


41,5 Prozent für die CDU, die damit knapp an der absoluten Mehrheit vorbeischrammte - und die gab es zuletzt 1957 unter Adenauer. Offensichtlich existiert in der Bundesrepublik derzeit eine Mehrheit rechts der viel beschworenen "Mitte". Die deutsche Rechte hat bei den Bundestagswahlen einen fulminanten Wahlsieg errungen, der die CDU beinahe mit einer absoluten Mehrheit beglückte. Die Etablierung bayerischer Verhältnisse im Bund, also die Alleinherrschaft einer konservativen [sic!] Partei, scheiterte an nur fünf Parlamentssitzen, die der Union hierzu fehlten.

(...) Die rechtspopulistische AfD und die FDP lagen mit 4,7 und 4,8 Prozent knapp unter dieser Schwelle. Wenn man noch die 1,3 Prozent Wählerstimmen hinzurechnet, die die NPD auf sich vereinigen konnte, haben 52 Prozent aller an dem Urnengang teilnehmenden Wähler für Partieren gestimmt, die der - mehr oder minder extremen - Rechten zuzuordnen sind.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Abgesehen von dem rhetorischen Stumpfsinn, die Union als "konservative" Partei zu bezeichnen und damit die Propagandavorlagen der Elitenhuren und sozialen Zerstörer zu übernehmen, ist diese Bestandsaufnahme von Tomasz Konicz äußerst lesenswert. Angesichts dieser sprachlichen Entgleisung des ansonsten äußerst scharfsinnigen Autors gleich am Beginn seines Textes wird aber auch deutlich, dass die erfolgte Diagnose womöglich ebenfalls auf teils falschen Annahmen - oder einer falschen Bewertung der politischen Parteien - beruht. Das jedenfalls ist meine ganz persönliche Erklärung für dieses hanebüchene Wahlfiasko: Die allermeisten Menschen, die CDU/CSU, SPD, Grüne oder eine der anderen kleinen radikal-kapitalistischen Splitter-Parteien gewählt haben, wissen schlichtweg gar nicht, welche asozialen Ziele diese Vereine tatsächlich verfolgen - ansonsten wäre das Wahlergebnis nur noch durch einen fast flächendeckenden, sehr extrem ausgeprägten Masochismus des Wahlvolkes erklärbar. Das allerdings ist so unwahrscheinlich, das wir es getrost ausschließen können.

Nein - die Menschen wissen schlichtweg nicht, welche Ziele diese elitären, speichelleckenden Gesellen tatsächlich verfolgen, die sie gewählt haben. Wenn sie es wüssten, hätten sie sie nicht gewählt - soviel Egoismus darf auch dem dümmsten Untertanen und Eigennutzmehrer zugebilligt werden, der sich nicht eine Sekunde lang darum schert, wie es anderen, schwächeren Menschen ergeht. Diese Leute glauben allen Ernstes noch immer, dass sie Parteien gewählt haben, die ihre Interessen vertreten und stärken, indem sie Schwächere benachteiligen und zu ihren Gunsten auspressen. Letzteres tun diese Parteien zwar, und das mit Inbrunst und Gewissenhaftigkeit - allerdings profitieren davon natürlich nicht die genannten WählerInnen der so genannten Mittelschicht. Das bemerken diese Irrsinnigen sogar hin und wieder, hören aber trotzdem nicht damit auf, immer wieder dieselben Schlächter zu wählen und weiter wie von allen guten Geistern verlassen darauf zu hoffen, dass von den geraubten Millionen der Ärmsten zu ihren Lebzeiten vielleicht doch noch ein paar Krümel zu ihnen herunterfallen - oder dass zumindest ihr bisheriger Status quo, der einen gewissen kleinen Luxus erlaubt, gesichert bleibt.

So gesehen muss das Fazit zum Thema noch viel deutlicher und gruseliger ausfallen: Die neue "Mitte" in diesem grausigen Land ist nicht bloß rechts, sie ist explizit und ganz bewusst rechtsextrem, rein egoistisch motiviert und auf die Benachteiligung Schwächerer fixiert, ohne jede Empathie, rücksichtslos ohne Grenzen --- und letzten Endes noch dümmer als jedes Rindvieh, das panisch muhend durch die Gasse in den düster rauchenden Schlachthof getrieben wird und dabei blind um sich tritt, während die Schlächter von oben belustigt, gesichert und natürlich unbehelligt zusehen.

Es gibt keine Hölle im "Jenseits" - hier und jetzt aber ist sie durchaus möglich, wenn genügend Menschen an ihrer Schaffung mitarbeiten. Für einen großen Teil der Menschheit ist sie längst finsterste, alltägliche Realität, und auch hierzulande sind wir einmal mehr erneut auf dem allerbesten Weg zu diesem absoluten Tiefstpunkt der Evolution.

Und wir alle stecken mittendrin.

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"Traum des Kleinautobesitzers"

(Zeichnung von Karl Holtz [1899-1978], in "Simplicissimus", Heft 39 vom 28.12.1931)

Freitag, 18. Oktober 2013

Song des Tages: Und wir tanzten




(ASP: "Und wir tanzten", aus dem Album "Hast du mich vermisst? (Der schwarze Schmetterling I)", 2000)

Und wir tanzten im Schnee vergangenes Jahr.
Der Mond funkelte sanft in deinem Haar.
Und es tut auch kaum mehr weh,
wenn ich alles vor mir seh,
als ob's letzte Nacht gewesen, sternenklar.

Deine Haut und Stolz bleibt mir schon lang nicht mehr.
Ich gäbe alles für ein Zaubermittel her.
Eins, das dich mich lieben macht
Länger als nur eine Nacht,
Doch meine Arme und die Nächte bleiben leer.

Nur dieses eine Mal noch schenk mir Kraft für einen neuen Tag.
Ich stehe nackt und hilflos vor dem Morgen, nie war ich so stark.
Nur einen Tag noch Kraft und ich reiß alle Mauern um mich ein:
Nur wer sich öffnet für den Schmerz lässt auch die Liebe mit hinein.

Und wir tanzten im Schnee vergangenes Jahr.
Der Mond funkelte sanft in deinem Haar.
Und es tut auch kaum mehr weh,
Wenn ich alles vor mir seh,
Als ob's gestern war und nicht vergangenes Jahr.

Will ich es greifen, ist es schon nicht mehr da.
Niemand war mir jemals ferner und so nah.
Nicht mal Stille sagt, wie tief -
Wie ein ungeschickter Brief -
Was zerbrach, als ich in deine Augen sah.

Auch dieser Brief bleibt ungeschickt von mir.
Das schönste Lied schrieb ich nicht auf Papier.
Ich schrieb es in dein Gesicht,
mit den Fingern - siehst du nicht,
was mein Mund dir hinterließ?
Schau auf deine Haut und lies,
Such, wo meine Zunge war,
Such mein Lied in deinem Haar!
Willst du mein Gefühl verstehen,
Musst du dich in dir ansehen -
Schließ die Augen und du siehst: Ich bin in dir.

Ich breite meine Arme aus, empfange dich, komm an mein Herz,
Ich heile dich, lass einfach los und gib mir deinen ganzen Schmerz.
Renn einfach weg, lauf vor mir fort, lebe dein Leben ohne mich -
Wo immer du auch hingehst, wartet meine Liebe schon auf dich.

Und wir tanzten im Schnee vergangenes Jahr.
Der Mond funkelte sanft in deinem Haar.
Und es tut auch kaum mehr weh,
Wenn ich alles vor mir seh,
Als ob's gestern war und nicht vergangenes Jahr.

Und wir tanzten im Schnee vergangenes Jahr.
Der Mond schien so sanft in deinem Haar.
Wenn du mich nicht siehst, bin ich
Einfach nicht mehr wesentlich -
Löse mich auf wie Schnee vom vergangenen Jahr.


Anmerkung: Ein bisschen persönliche, weitgehend unpolitische Nostalgie darf doch auch mal sein, oder? Man kann diesen Song natürlich auch als Abschiedslied des Demokraten verstehen, der im stillen Kämmerlein die ungeschickten Briefe an die sich auflösende Demokratie resümiert, bevor er sich selbst entleibt - aber ich lasse die verrottete Kirche im Dorf und richte meinen heutigen Gruß an eine ganz bestimmte Person dort draußen, die mein Leben wie keine andere beeinflusst hat.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Das Satiremagazin "WDR" berichtet: Der "beinahe anspruchslose" Kardinal


Der Sprecher von Joachim Meisner hat den Kölner Kardinal als "beinahe anspruchslos" bezeichnet. Der 79-Jährige lebe mietfrei in einer fast 250 Quadratmeter großen Wohnung. Er müsse allerdings den Mietwert in Höhe von 1.213 Euro versteuern, teilte sein Sprecher Christoph Heckeley am Mittwoch (16.10.2013) mit. / Meisner verdient im Monat gut 11.500 Euro. Das sei vergleichbar mit einem Oberbürgermeister einer 500.000-Einwohner-Stadt in NRW. Zwei Ordensschwestern führen ihm den Haushalt. Meisner fährt einen 7er BMW. Er lebe aber, so Heckeley, auf "einer Linie mit dem Papst".

(Quelle)

Anmerkung: Wenn selbst der stockkonservative, stramm auf kapitalistischer Propaganda-Linie befindliche WDR angesichts einer solchen hanebüchenen "Presse"-Meldung der katholischen Milliardär-Sekte den Sarkasmus kaum mehr verbergen kann, wird die Groteske erst richtig sichtbar: Selbstverständlich führen sämtliche Kirchenfürsten dieses widerlichen Vereins ein abgehobenes Luxusleben fern jeder Lebensrealität der großen Mehrheit der Menschen - der Limburger Hampelmann stellt da keine Ausnahme dar. Es ist erbärmlich, jetzt mitansehen zu müssen, wie dieser - durchaus verachtenswerte - Mensch allein als habgierige Sau durchs Dorf getrieben wird und dabei von "christlichen Genossen" auch noch dazu missbraucht wird, das jeweilige eigene Luxusleben zu relativieren oder es gar in ein angebliches Leben in "Armut", "Demut" oder ähnlich grotesker Absurditäten zu pervertieren. Lächerlicher geht es kaum.

Der Herr Gärtner hat in seiner Titanic-Online-Kolumne dazu alles Notwendige geschrieben - lest Euch das bitte durch. Seinem Resümee kann ich mich nur vorbehaltlos anschließen:

"Was aber die katholische Kirche mit ihrem Geld macht, ist solange unerheblich, wie keiner die Anschlussfrage stellt, wo sie das ganze Geld eigentlich her hat; als wäre Geld ab einer gewissen Menge nicht naturnotwendig zusammengeraubt. Wer da mit Moral kommt, hat das nicht begriffen, und wer da in der Zeitung mit Moral kommt, will auch nicht, dass es begriffen wird."

Wer sich über die Limburger Speckmade erregt, muss sich zwangsläufig auch über all die anderen Speckmaden dieser kriminellen Vereinigung erregen - selbstredend auch über den Papst, der so gern von "Demut", "Bescheidenheit" und "Armut" schwadroniert, während er selbst in unbeschreiblichem Luxus in den vatikanischen Palästen residiert. Diese ganze kirchliche Mischpoke gehört längst auf den Abfallhaufen der Geschichte, direkt neben die menschenfeindliche, absurde Ideologie des Kapitalismus'. Dass die Menschheit von dieser dualen Entsorgung allerdings weiter entfernt ist als die Milchstraße von anderen Galaxien, ist ein weiteres Indiz für das alsbald bevorstehende unausweichliche, vollkommen natürliche Ende. Bis es soweit ist, schieben wir eben weiterhin degenerierten Frauenkleiderträgern einen 7er-BMW, eine 250-Quadratmeter-Wohnung, zwei Ordensschwestern und 11.500 Euro monatlich in den Anus - finanziert übrigens von allen BürgerInnen dieses Staates, egal ob Katholiken oder nicht - und lassen sie weiterhin in die Welt posaunen, dass sie ein "beinahe anspruchsloses" Leben führten. Orwell glüht sternenhell in seiner Grabstätte.

Die "Elite" verarscht uns so dermaßen offensichtlich und ungeniert, dass die orgiastischen Lachanfälle der Bande aus den elitären Hinterzimmern bis hinein in die letzte Armutsunterkunft unter der ranzigsten Autobahnbrücke dröhnen. Und dennoch versteht es auch dort kaum jemand, sondern hält es wahlweise für eine Unterstützungsbekundung der "Mächtigen" oder für einen Kampfgesang einer anderen ausgepressten, ausgebeuteten Minderheit, die den armen Schweinen auch noch die letzten Habseligkeiten nehmen wollen. Mir fällt dazu nichts mehr ein - außer: Wenn die Dummheit einen neuen Namen bräuchte, sollte sie sich "Menschheit" nennen.

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Dressur



(Zeichnung von Gustave Henri Jossot [1866-1951], in "L'Assiette au Beurre", 1902)

Dienstag, 15. Oktober 2013

Song des Tages: Don't Turn Too Stone




(Amon Düül II: "Don't Turn Too Stone", aus dem Album "Only Human", 1978)

Anmerkung: Allen Unkenrufen zum Trotz: Das doppelte "o" ist kein Tippfehler, und es fehlt auch kein "d" am Ende des Titels. ;-) Der Youtube-Uploader dieses Songs hat das Wortspiel offenbar nicht verstanden oder es übersehen. - Zu diesem Song könnte ich eine lange, sehr persönliche Geschichte erzählen; ich will mich aber auf das Wesentliche beschränken und schweige daher - lauschet den Klängen und Worten und sinnt der Frage nach, weshalb diese Welt trotz der ganzen aufklärerischen, humanistischen, sozialen Bewegungen der vergangenen Jahrhunderte zu diesem versteinerten Ort der Eiseskälte, der andauernden ewigen Kriege und der barbarischen Unmenschlichkeit verkommen ist, den wir heute vorfinden.

Die Antwort ist für BenutzerInnen des Gehirns denkbar einfach - für den normalen, bewusstlos über diesen Planeten schlurfenden Zombie aber außerhalb jeder Erfahrungs- und Erkenntniswelt. Das war 1978 schon so, und heute ist das eisenhart zementiert und betoniert, und niemand in dieser Zombiewelt - abgesehen von einer handvoll irrer Psychopathen wie beispielsweise mir - stellt den Kapitalismus mehr in Frage. Die widerliche elitäre Bande hat einmal mehr ganze Arbeit geleistet. Menschlich ist daran indes nichts mehr.


Montag, 14. Oktober 2013

Zitat des Tages: Der Steuermann


"Bin ich nicht Steuermann?" rief ich. "Du?" fragte ein dunkler hoch gewachsener Mann und strich sich mit der Hand über die Augen, als verscheuche er einen Traum. Ich war am Steuer gestanden in der dunklen Nacht, die schwachbrennende Laterne über meinem Kopf, und nun war dieser Mann gekommen und wollte mich beiseite schieben. Und da ich nicht wich, setzte er mir den Fuß auf die Brust und trat mich langsam nieder, während ich noch immer an den Stäben des Steuerrades hing und beim Niederfallen es ganz herumriss. Da aber fasste es der Mann, brachte es in Ordnung, mich aber stieß er weg. Doch ich besann mich bald, lief zu der Luke, die in den Mannschaftsraum führte und rief: "Mannschaft! Kameraden! Kommt schnell! Ein Fremder hat mich vom Steuer vertrieben!" Langsam kamen sie, stiegen auf aus der Schiffstreppe, schwankende müde mächtige Gestalten. "Bin ich der Steuermann?" fragte ich. Sie nickten, aber Blicke hatten sie nur für den Fremden, im Halbkreis standen sie um ihn herum, und als er befehlend sagte: "Stört mich nicht", sammelten sie sich, nickten mir zu und zogen wieder die Schiffstreppe hinab. Was ist das für Volk! Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?

(Franz Kafka [1883-1924]: "Nachgelassene Erzählungen"; geschrieben ca. 1920, publiziert erstmals posthum 1946)

Anmerkung: Es ist schon extrem frustrierend feststellen zu müssen, dass sich am Zustand des "sinnlos über die Erde schlurfenden Volkes" in den vergangenen 100 Jahren offenbar nahezu nichts verändert hat. Dieser Text könnte auch heute als brandaktueller Kommentar zu unserer Zeit in irgendwelchen Tagebüchern stehen - und auch heute würde er nicht das Geringste am diagnostizierten Stumpfsinn der Mehrheit verändern.

Ein deutlicher Unterschied zwischen damals und heute besteht wohl in der schnöden Tatsache, dass die Indoktrination der Menschen durch die veröffentlichten Medien vor ca. 100 Jahren noch lange nicht die Intensität und den Umfang erreicht hatte, wie das heute der Fall ist. Trotzdem feierte der Stumpfsinn damals einen Triumph nach dem anderen, bis hin zum vollkommenen Irrsinn, hinein in den totalen Weltkrieg und finstersten Faschismus - und wir dürfen gespannt sein, wie eine noch viel umfassendere, gesteuerte, geplante und nahezu allumfassende Indoktrination heute wohl auf die Menschen einwirken mag. Die Prognosen müssen zwangsläufig finster ausfallen - und die Ereignisse der letzten Monate und Jahre belegen das auch eindrucksvoll.

Heute würde ein feingeistiger Mensch wie Kafka den Schluss seines Textes wohl nicht mehr als Frage formulieren, sondern ihn mit dicken Ausrufezeichen versehen: "Sie denken - ganz gewiss - nicht, sondern schlurfen nur sinnlos über die Erde!!"

Aber auch diese Eskalation des dokumentierten Stumpfsinns hätte keine Wirkung.

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Parlamentarismus


"Die Stimme seines Herrn."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 37 vom 13.12.1922)

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Ach, wie überraschend: Finanzkrise betrifft Milliardäre nicht


Aldi-Familie bleibt die reichste / Millionen mit günstigen Lebensmitteln: Auch 2013 gehören die Gründer der Discounter-Riesen Aldi und Lidl zu den wohlhabendsten Deutschen. Die wirtschaftlichen Krisen können dem Vermögen der Superreichen scheinbar [sic!] nichts anhaben – ganz im Gegenteil.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Außerdem berichtet die Propagandapresse demnächst überrascht, dass Wasser "scheinbar" nass und Feuer "scheinbar" heiß ist. Das wird diese Gesellen aber nicht daran hindern, auch weiterhin wie gewohnt das Loblied des Wassers und Feuers resp. des Kapitalismus' zu singen. Wenn sich kleine oder kleinste Lichtblitze aus der Sphäre der Realität versehentlich in die kapitalistische Glitzerwelt der potemkinschen Dörfer verirren, sind sie zu ignorieren oder zu pervertieren, damit das heilige Glanzbild des stetig wachsenden, überquellenden Reichtums nicht versehentlich beschädigt wird.

Dieses widerwärtige superreiche Gesindel (nicht nur in Deutschland) besitzt inzwischen mehr als genug ergaunertes, erpresstes und gestohlenes Vermögen, um sämtliches materielle Elend auf diesem Globus von heute auf morgen komplett und dauerhaft zu beseitigen - niemand müsste mehr hungern, ohne Obdach leben oder auf medizinische Hilfe verzichten. Doch nicht einmal im fiesesten oder auch glückseligsten Traum denkt diese auch in globalem Maßstab extrem kleine Minderheit von wenigen tausend Personen daran, derlei Gedanken auch nur zuzulassen - die maßlose Habgier, der unbedingte Machterhalt und die möglichst ewige Zementierung ihrer perversen Privilegien lassen kein Umdenken, keine Einsicht zu. Diese im verlinkten Propagandatext teilweise sogar namentlich genannten Personen sind um ein Vielfaches schlimmer, niederträchtiger und degenerierter als alle dumpfen, faschistischen HetzerInnen und Arschlöcher aus der Springer-Welt - denn sie haben alle Möglichkeiten, die Macht und die Ressourcen, um diesen Planeten in einen für alle Menschen angenehmeren Ort zu verwandeln. Auf eine kleine Ebene heruntergebrochen ist diese "Elite" nur noch mit einer psychopathischen, völlig gestörten Person vergleichbar, die beispielsweise einem hilflosen Unfallopfer noch genüsslich Messer oder noch schlimmeres in den Körper sticht und ihm eiskalt und aus reiner Habgier mit der Kneifzange einen Finger nach dem anderen abtrennt, anstatt ihm zu helfen.

Das ist Kapitalismus. Und in dessen zyklisch wiederkehrender Endphase müssen nun einmal mehr alle Menschen furchtbar leiden - die einen freilich noch viel mehr als die anderen, denn die willkürliche Hierarchie und damit verbundene Teilung ("Divide et impera") ist bekannter Maßen systemimmanent und sehr gewollt. Lediglich ein einziges, verschwindend kleines Grüppchen muss niemals leiden - ganz egal, welche grausamen Katastrophen das jeweilige kapitalistische Ende auch hervorbringen mag. Und das sind - oh, welch eine Überraschung - die eiskalten, faschistischen Kneifzangenbesitzer, die in Deutschland beispielsweise Albrecht, Schwarz, Reimann, Klatten, Quandt, Piech, Springer oder Mohn heißen. Potzblitz - das erstaunt uns alle nun maßlos.

Ich warte sehnsüchtig - und wahrscheinlich vergeblich - auf den Tag, an dem dieses verbiesterte, verdummte, narkotisierte und völlig verblendete Volk endlich bemerkt, dass nicht Flüchtlinge, Kranke, Behinderte, Arbeitslose, Alte oder Ausländer an ihrem Status und Wohlstand sägen, während die gekauften Vasallen der Superreichen für jeden sichtbar mit der dicken Säge in der Hand die Schlipse flattern lassen und dennoch lautstark ausgerechnet die Schwachen und Ärmsten für das verantwortlich machen, was der Kapitalismus und seine ultrakleine Clique der Superreichen immer wieder bewusst und gewollt anrichten.

Es ist alles beim Alten.

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Preis Nebensache


"Kaufen wir! Mein Mann hat Daimler-Aktien - der wird das Kind schon schaukeln."

(Zeichnung von Otto Friedrich Carl Lendecke [1886-1918], in "Simplicissimus", Heft 01 vom 02.04.1918)

Montag, 7. Oktober 2013

Song des Tages: Blood From The Air



(Coil: "Blood From The Air", aus dem Album "Horse Rotorvator", 1986)

A sleeping explorer, his wandering mind, crossed over the border
A mind like a cemetery where the corpses are turning
Where the bodies twist deep in the frozen grip of a dreamless sleep
Then the lowest comes up like a wreck from the depths
He hears night calling, he has dreams of waking
here in this brightness that burns like slow lightning
He sees words burnt in ice and reads
that the world is a wound in the Body of Christ
Effects of the animal - animal sound effects
He says: "Death, he is my friend - he's promised me a quick end.
The world is in pain, it should be put down, and God is a sadist" -
and that he knows it.

The depth of the night skies reflects in his eye
He says: "Everything changes and no-one survives and everyone dies"
And the night slits her veins and the darkness drains
and the void rumbles in like an underground train ...
Forever comes closer, the world is in pain
We all must be shown
We must realize that everyone changes and everything dies.



Anmerkung: Auch nach über 25 Jahren hat diese genial-experimentelle Version der "apokalyptischen Reiter" mit dem halb-vielsagend-halb-scherzhaften Titel "Horse Rotorvator" nichts von ihrer Eindringlichkeit und Tiefe verloren, wie ich finde - auch wenn das heute noch viel weniger als damals dem "Zeitgeist" bzw. dem vielen Menschen ins Hirn geimpften "Massengeschmack" entspricht. Damals füllten Coil immerhin - trotz oder wegen - der sperrigen Musik mittelgroße Konzerthallen, in denen das versammelte Publikum alles andere als in kollektive Suizidstimmung geriet, sondern ganz im Gegenteil sich voller Inbrunst an der eher an einen psychedelischen Rausch erinnernden Darbietung ergötzte.

Samstag, 5. Oktober 2013

In der braunen Kloake des "Bild"-Sumpfes


Die "Bild am Sonntag" berichtete gestern über einen Jugendlichen, der über 1000 Tage in der Schule gefehlt hat und dessen Mutter deshalb zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde (...). / Hier eine Auswahl der Kommentare, die von Bild.de-Lesern geschrieben und von anderen Bild.de-Lesern mit "Gefällt mir" markiert wurden (...).

(Weiterlesen)

Anmerkung: Der Text sowie der zugrunde liegende BLÖD-Beitrag sind zwar schon einige Wochen alt, haben seitdem aber gewiss nichts an Aktualität eingebüßt. Wer auf "Weiterlesen" klickt und sich tatsächlich einige oder gar alle der zitierten "Kommentare" von bild.de-Spinnern durchliest, wird etwas besser verstehen, warum dieses furchtbare Land vor zwei Wochen so furchtbar gewählt hat. Wenn auch nur die Hälfte dieser "Kommentare" tatsächliche "Meinungsäußerungen" von deutschen BürgerInnen und keine gezielten, von interessierter, elitärer Seite bewusst platzierten Propagandaauswüchse sind, dann wird umso deutlicher, wieso es eine so zwingend notwendige, überlebenswichtige Idee ist, in Deutschland erneut auf gepackten Koffern zu sitzen und diverse Fluchtalternativen parat zu haben.

Faschismus und Rassismus tropfen bzw. sprudeln - wie es nicht anders zu erwarten war - dort aus allen Poren und Ritzen. Und die Springer-"Presse" (die dabei allerdings keineswegs allein ist) befeuert diesen üblen, braunen Sumpf nach Kräften immer weiter - auch wenn hier, wie das BILDblog berichtet, einige der übelsten "Kommentare" letztlich gelöscht wurden. Das ist nach meinem Empfinden aber nichts anderes als eine versuchte Verschleierung der eigentlich von Springer, Dieckmann & Co. ersehnten Wirkung - denn wenn ein Medium wie die BLÖD-"Zeitung" Ressentiments, Rassismus und Faschismus fortdauernd, nachhaltig und bewusst schürt, ist es nur folgerichtig, dass derlei Schmutz auch entsprechend dumm, faschistisch und rassistisch "kommentiert" und lautstark weiterverbreitet wird.

Auch wenn es extrem schwer fällt, diesen Stumpfsinn zu lesen, sollten das doch möglichst viele Menschen tun - allein schon aus dem schnöden, aber wichtigen Beweggrund heraus, dass wir klar realisieren müssen, in welch einem grauenhaften, stumpfsinnigen, faschistischen, an grenzdebiler Dämlichkeit und dumpfestem Rassismus kaum zu überbietenden Umfeld wir heute einmal mehr in diesem verkommenen Staat leben. - Meine Koffer sind gepackt.

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Innere Politik


"Solang die Juden am Rhein stehn, sag' ich, gibt's keine Ruhe im Land!" - "Geh, hör' auf, das sind doch die Franzosen." - "Sooo - da geh aber mal in eine Hitler-Versammlung, der sagt dir's nachher schon, wer die sind!"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 40 vom 03.01.1923)

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Zitat des "Tages der deutschen Einheit": Die Fahrt nach der Irrenanstalt


Auf lauten Linien fallen fette Bahnen
Vorbei an Häusern, die wie Särge sind.
An Ecken kauern Karren mit Bananen.
Nur wenig Mist erfreut ein hartes Kind.

Die Menschenbiester gleiten ganz verloren
Im Bild der Straße, elend grau und grell.
Arbeiter fließen von verkommnen Toren.
Ein müder Mensch geht still in ein Rondell.

Ein Leichenwagen kriecht, voran zwei Rappen,
Weich wie ein Wurm und schwach die Straße hin.
Und über allem hängt ein alter Lappen –
Der Himmel ... heidenhaft und ohne Sinn.

(Alfred Lichtenstein [1889-1914], in "Die Aktion", Heft 7, 2. Jahrgang, 1912; auch in: "Die Dämmerung. Gedichte", 1913)


(Bild: "Alfred Lichtenstein" von S. Tebbutt)

Dienstag, 1. Oktober 2013

Irrsinn im Kuh-Journalismus: "Rätselhafte Schwächen im Konsum"


Einzelhandel enttäuscht Experten / Die neuesten Daten zur Geschäftslage im Einzelhandel zeichnen ein beunruhigendes Bild: Die Deutschen zeigen sich offenbar weniger konsumfroh als erwartet. Gespart wird in Deutschland derzeit vor allem an Büchern, Schmuck, Möbeln und Geräten für den Haushalt.

(Weiterlesen - empfohlen aber nur für Hardcore-Satiriker)

Anmerkung: Manchmal glaubt man es nicht, was man im Qualitätsjournalismus so alles zum geistigen Fraß vorgeworfen bekommt: Die Subüberschrift steht da wirklich und ist gewiss nicht satirisch gemeint: "Rätselhafte Schwächen im Konsum". Im Text wird der geneigt-verwirrte Leser dann auch gleich zu Beginn aufgeklärt: "Die gute Konsumlaune der Deutschen kommt bei den Einzelhändlern nur mit deutlichen Abstrichen an", bekommen wir dort zu lesen und wissen: Aha - die von den Spezialexperten der kapitalistischen "Märkte" herausposaunte "gute Konsumlaune" war also gar kein Fake, sondern kommt bloß - und das auch noch rätselhafter Weise - nicht bei den Einzelhändlern an. - Beim Barte des Propheten - wie kann das denn bloß sein???

Ich kann angesichts solcher vollkommen hirnverbrannter Meldungen gar nicht mehr damit aufhören, den Kopf unaufhörlich auf die Tischplatte zu schlagen, bis er blutig ist. Wie kann ein auch nur mit schimpansenähnlicher Intelligenz ausgestatteter Mensch so etwas schreiben und auch noch auf einer angeblich seriösen Nachrichtenseite veröffentlichen, ohne sich freiwillig die Eselsmütze auf den aufgeweichten Kopf zu setzen und mindestens zehn Jahre lang in die "Ich-schäme-mich"-Ecke zu stellen? Wenn vermehrt Luxusyachten, elitäre Automobile, Prunkvillen und vergoldetes Klopapier verkauft werden, während die normale Bevölkerung systematisch und staatlich organisiert zwangsverarmt wird, die Löhne der verbliebenen Arbeitssklaven stagnieren oder sinken und Lebensmittel, Energie und viele andere Güter des täglichen Bedarfs immer teurer werden, erschließt sich der Irrsinn auf fast wundersame Weise unverzüglich. Nach kapitalistischer "Logik" wäre es nun an der Zeit, mit dem albernen und unprofitablen Produzieren von Lebensmitteln, Haushaltsutensilien, Kleidung, Energie etc. aufzuhören und stattdessen nicht nur goldenes Klopapier herzustellen, sondern verstärkt in die Produktion von weiteren abstrusen Luxusgütern und anderem superteuren Tand einzusteigen - denn nur dort wird schließlich noch genügend Profit erzielt. Dann sähe auch die Einzelhandelsbilanz wieder sehr vorzeigbar aus: Das Geschäft würde brummen wie nie, während die Massen auf den Straßen verhungern - da wären gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Ich warte noch auch eine solche Empfehlung bei n-tv, im Spiegel oder in der Welt. Lange kann es nicht mehr dauern.

Mindestens genauso abstoßend und sinnentleert empfinde ich an solchen Texten und Botschaften aber die Selbstverständlichkeit, mit der der Konsum als das einzige und wichtigste Ziel allen Wirtschaftens hündisch angebetet wird - Konsum ist alles, Konsum ist Gott, Konsum ist der Sinn des Lebens. Dass es dabei einzig um die (weitere, zusätzliche!) Bereicherung einer superkleinen, schon jetzt unermesslich reichen Minderheit geht, verstehen wahrscheinlich sogar die Kuh-Journalisten, die einen solchen Stumpfsinn schreiben (müssen), nicht mehr - die breite Bevölkerung ist von dieser billigen Erkenntnis allerdings noch viel weiter entfernt. Die trägt auch weiterhin ihren kleinen Überschuss, sofern nach Abzug von Lebensmitteln, Miete und anderen unverzichtbaren Dingen noch etwas übrig bleibt, zu den göttlichen Konzernen und kauft überteuerten, größtenteils sinnfreien Tand, der stets von anderen Lohnsklaven, die meist noch schlimmer ausgebeutet werden und vom Profit der selbsternannten "Elitemenschen" nichts abbekommen, hergestellt wurde bzw. dazu - direkt oder indirekt - gezwungen wurden.

Die "spätrömische Dekadenz" der Superreichen markiert nicht zum ersten Male das Ende der kapitalistischen Phase - aber diesmal sind noch viel weniger Hinweise oder Anzeichen erkennbar als zuvor, dass nach dem unausweichlichen Crash dieses absurden Systems nicht erneut einfach wieder von vorn begonnen und das ganze irrsinnige Spiel einmal mehr wiederholt wird. Die elitäre Bande hat in ihrem asozialen Bestreben, den faschistischen Wahnsinn zum endlosen Kreislauf zu machen, um ihre Privilegien und Exklusivstellung zu zementieren, große Fortschritte gemacht und aus der Vergangenheit offenbar gelernt. Die dusselige, narkotisierte und dummgehaltene Bevölkerung bemerkt nichts davon und folgt brav der Propaganda - sogar in solche wahnwitzigen Gefilde wie die "rätselhaften Schwächen im Konsum".

Der Vollendung der kapitalistischen Dystopie steht wahrlich nicht mehr viel im Wege.

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"Ihr braucht keine Eier mehr zu legen, man kauft sie jetzt billiger."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 22 vom 25.08.1924)