Samstag, 5. Dezember 2015

Reklame des Tages: Good Morning America




(Charlie: "Good Morning America", aus dem gleichnamigen Album, 1981)

Good morning America, we're here to start your day
So eat your raising bran, let's get this show under way
Good morning America, we've got our men on the spot
We've got the weather report, where it's cold, where it's hot

If we may we'd like to say the only way to start your day is here
Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!

Good morning America, one more commercial break
We'll tell you what you need to keep your body in shape
Good morning America, we hope you're feeling well
We hope you watch all day, we've got a lot to sell

If we may we'd like to say the only way to start your day is here
Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!

Your TV screen will sell you dreams
and show you life ain't all it seems
Your car's too old, your house too cold,
your furniture should all be sold
But we can show you what you need,
oh we can help you to succeed
In our world everybody smiles,
the PERFECT LIFE in PERFECT STYLE!

Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!

You look around at what you've got,
it never seems to be a lot
It's not the same things that you see
each time you switch on your TV
It's all blue skies and golden hair,
pure white teeth flash everywhere
The perfect housewife waits at home
among the lovely things you own

Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!

Have a nice day!


Freitag, 4. Dezember 2015

"Mit den Opfern": Reklame


Mich haben Schnupfen, Husten, Fieber und "Magen-Darm" momentan fest im Griff, weshalb ich an dieser Stelle einfach auf den aktuellen Gärtner hinweisen möchte, der anhand der nach den Anschlägen in Paris erschienenen Ausgabe des Boulevard-Magazines "Stern" sehr anschaulich illustriert, wie Mitgefühl bzw. Empathie im Kapitalismus funktionieren:

Die Trauer, die Bestürzung, die Fassungslosigkeit waren groß beim Stern nach den Anschlägen von Paris, diesem laut Stern-Titel "Angriff auf Europa".

Weiterlesen


Wir leben wahrlich in der besten aller möglichen Reklamewelten. Und jetzt muss ich krankheitsbedingt schnell ins Bad zum Kotzen.

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Der man nicht entgehen kann

Ich wollte von gar nichts wissen.
Da habe ich eine Reklame erblickt,
Die hat mich in die Augen gezwickt
Und ins Gedächtnis gebissen.

Sie predigte mir von früh bis spät
Laut öffentlich wie im Stillen
Von der vorzüglichen Qualität
Gewisser Bettnässer-Pillen.

Ich sagte: "Mag sein! Doch für mich nicht! Nein, nein!
Mein Bett und mein Gewissen sind rein!"

Doch sie lief weiter hinter mir her.
Sie folgte mir bis an die Brille.
Sie kam mir aus jedem Journal in die Quer
Und säuselte: "Bettnässer-Pille."

Sie war bald rosa, bald lieblich grün.
Sie sprach in Reimen von Dichtern.
Sie fuhr in der Trambahn und kletterte kühn
Nachts auf die Dächer, mit Lichtern.

Und weil sie so zähe und künstlerisch
Blieb, war ich ihr endlich zu Willen.
Es liegen auf meinem Frühstückstisch
Nun täglich zwei Bettnässer-Pillen.

Die isst meine Frau als "Entfettungsbonbon".
Ich habe die Frau belogen.
Ein holder Frieden ist in den Salon
Meiner Seele eingezogen.

(Joachim Ringelnatz [1883-1934], in: "Simplicissimus", Sondernummer "Reklame", Heft 51 vom 21.03.1927)

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Zitat des Tages: Regierungserklärung


Die Regierung der USA bedauert,
dass sie den Kampf gegen die Armut
hat einstellen müssen,
um den Krieg
gegen die Armen
fortführen zu können.

Besorgt suchen die Augen
der Bauern, die den Boden
für den Reis bereiten,
den Himmel ab.

(Volker von Törne [1934-1980], in: Born / Delius / von Törne: "Rezepte für Friedenszeiten. Gedichte", Aufbau 1973; geschrieben 1967)


Montag, 30. November 2015

Realitätsflucht (26): Risen 3: Titan Lords




Heute führt mich meine Realitätsflucht einmal mehr zurück in die Welt der Südsee. Es geht um das aktuell jüngste Spiel des kleinen Ruhrgebietsstudios Piranha Bytes, nämlich "Risen 3: Titan Lords" aus dem Jahr 2014. Ich habe mich anlässlich meiner Beschreibung des zweiten Teils schon zu einer kurzen Bewertung hinreißen lassen, muss diese nach dem zweiten Spielen aber zumindest teilweise etwas relativieren.

Dieser Text enthält Spoiler ohne Ende, weshalb Menschen, die das Spiel noch nicht kennen und es irgendwann selber spielen möchten, nicht weiterlesen sollten.

Nach dem Debakel von "Risen 2" startet dieses Spiel, das immerhin optional ohne DRM bzw. Steam-Zwang daherkommt (kleine Studios sind offenbar noch empfänglich für Kundenkritik), genauso bescheuert wie der Vorgänger: In einer knallbunten, alles andere als "offenen Welt" (was sich auch im weiteren Verlauf nicht ändert) bricht der "namenlose Held" in sein Abenteuer auf und darf sich durch Legionen von Gegnern schnetzeln. Dieser Beginn ist genauso langweilig, wie er sich hier liest: Man könnte stattdessen auch irgendein popeliges Konsolenspiel von der Stange spielen und hätte dasselbe Ergebnis.

Die Irritationen reißen aber nicht ab - denn schnell stellt der entsetzte Spieler fest, dass Piranha Bytes sich aus unbekannten Gründen dazu entschlossen hat, die Geschichte des "namenlosen Helden" zu verändern: Plötzlich spielt man also - das durchgefickte US-Seriengedöns stand hier wohl Pate - nicht mehr den "Namenlosen", sondern - und das muss man sich erst einmal ausdenken - den Bruder der Stahlbart-Tochter Patty, die beide aus den vorangegangenen Teilen gut bekannt sind. Damit sind nicht nur die Logik, sondern auch die wunderbaren, teilweise anzüglichen Dialoge zwischen dem Helden und Patty Geschichte. Es ist nur eine Randnotiz, dass die gute Piraten-Patty hier visuell zu einem ekelhaften, dickbrüstigen Monstrum mutiert ist.

Im letzten Drittel des Spieles trifft man - sofern man denn einen bestimmten, keineswegs zwingend notwendigen Weg in einer der dann zugänglichen Regionen entlang läuft - auf den tatsächlichen "Namenlosen", mit dem ein kurzes, wenig informatives Gespräch stattfindet. Das ganze wirkt jedoch dermaßen aufgesetzt - nicht zuletzt durch die Tatsache, dass sich beide zum Verwechseln ähnlich sehen und der aktuelle "namenlose Held" (also der Bruder Pattys) dieselbe Stimme besitzt wie einst der andere "namenlose Held" aus den Vorgängerteilen, während der hier getroffene "echte Namenlose" mit der im Spiel wiederholt auftauchenden Stimme irgendeines dummen Lakaien spricht -, dass ich das nur als albernen Klamauk klassifizieren kann. Was die Entwickler da geritten hat, weiß ich nicht - es war aber ganz gewiss nichts Schönes.

Zum Spiel an sich gibt es nicht viel zu sagen. Die offene Welt vergangenener Gothic-Zeiten bleibt Geschichte: Wir haben es hier wiederum mit ein paar Südseeinseln zu tun, zu denen man reisen kann und die jeweils fest definierte, also deutlich eingegrenzte Wege und Areale besitzen, innerhalb derer man sich bewegen kann. Es gibt reichlich Quests zu erledigen, von denen nicht wenige allerdings so bescheuert sind, dass man tatsächlich keine Lust verspürt, sie auch zu verfolgen - teilweise artet es schon in lästige Pflichtarbeit aus, das Questbuch allmählich zu leeren. Ich kenne kein anderes Spiel dieses Genres (abgesehen von "Risen 2"), das es mir so schwer gemacht hat, nach einiger Zeit einen zweiten Durchlauf zu starten: Ich habe diesen Neustart monatelang vor mir hergeschoben und ihn letztlich nur deshalb begonnen, weil ich noch etwas dazu schreiben wollte. Dazu gehören selbstverständlich auch die allzu lächerlichen "Bosskämpfe", die es in diesem Spiel gehäuft gibt und die allesamt mit dem Wort "Konsolenkacke" hinreichend beschrieben sind.

Ja, das Spiel ist furchtbar schlecht und erinnert an jeder Ecke an eben jene Konsolenkacke, für die es offensichtlich auch konzipiert wurde. Es hat nichts mehr zu tun mit den großartigen Gothic-Werken der Vergangenheit. Und trotzdem tauchen dort - im Gegensatz zum Vorgänger - gelegentlich Momente auf, die sehnsüchtige Erinnerungen wach werden lassen. Es wird erahnbar, dass die Entwickler ihr Talent nicht etwa verloren, sondern schlicht an den schnöden "Markt" verscherbelt haben und sich inzwischen - wahrscheinlich gezwungenermaßen - leidlich prostituieren, um genug Geld zu verdienen. Auf mich wirkt das Spiel wie ein verzweifelter Versuch, den "alten Anspruch" irgendwie in den kapitalistischen Kommerz zu überführen - so dass das unvermeidliche Scheitern vorprogrammiert ist.

Auf meinem Win7/64-System gab's bis auf ein paar wenige Abstürze keine Probleme. Die Grafik ist mittelprächtig, die Musik ist wenig einprägsam und die Dialoge sind - gemessen an den Gothic-Vorgängern - flach und nichtssagend, immerhin aber größtenteils professionell gesprochen. Ich halte es für ausgeschlossen, dass ich irgendwann in ferner Zukunft dieses Spiel ein drittes Mal starten werde - da spiele ich lieber zum zehnten Male "Venetica", "Black Mesa" oder einen der alten "Gothic"-Teile.

Ich fürchte, von Piranha Bytes dürfen wir nichts mehr erwarten. "Risen 3" war jedenfalls das letzte Spiel, das ich denen für eine horrende Summe abgekauft habe. Der oben verlinkte Trailer hat - wie so oft - mit dem Spiel so gut wie nichts zu tun.


Samstag, 28. November 2015

Spaß mit Wellbrock: Dummheit ist nicht therapierbar


Wenn es nicht so überaus peinlich wäre, könnte man sich glatt einen "Wolf" lachen: Jörg Wellbrock springt in ergebener Demut dem geschassten "Medienopfer" Naidoo bei und macht sich einmal mehr lächerlich. Ich habe zu diesem hirnzersetzenden Thema schon fast alles gesagt, was es aus meiner Sicht zu sagen gibt, daher beschränke ich mich hier auf die bislang beim "Spiegelfechter" geposteten Kommentare, die den Zersetzungsprozess des Wolf'schen Hirnes noch einmal so deutlich herausstreichen, dass mir nichts anderes übrig bleibt als vor der Kommentierung eine Literflasche Korn vom Aldi in einem Zug auszusaufen. Anders sind derlei Geisteszustände nicht rational erklär- und ertragbar.

Es fängt an mit der bereits bekannten "Heldentasse", die in gewohnt selbstgefälliger Form aus dem reinen Instrumentalmusiker Mike Oldfield mal eben einen "Sänger" macht, den er noch dazu in eine Reihe mit dem Schmalzbarden stellt. Hauptsache, es "passt" halt irgendwie zum Thema: Wenn das Maul aufgerissen wird, kommt es nicht darauf an, ob das Geplärre irgendeine realitätsbezogene Relevanz besitzt - man schwadroniert halt einfach los, wie das Dickicht bzw. die Wüste des Hirnes es gerade erlaubt.

Sodann meldet sich der Autor zu Wort und nennt Naidoos Gejammere "anspruchsvoll" - was insbesondere viel über sein eigenes künstlerisches Unverständnis, nichts aber über des Schlagersängers Qualitäten aussagt. Den Bock schießt er aber erst dann ab, wenn er "zum Vergleich" die uralte Pop-Band "Toto", die mit alledem freilich gar nichts zu tun hat, bemüht und ihr - selbstverständlich, wie Verschwörungsdeppen das stets tun, mit Bezug auf "einen guten Freund" - gar "überragende Fähigkeiten" unterstellt. Spätestens an dieser Stelle habe ich eine Flasche Bier geöffnet und mich auf weiteres Popcorn gefreut, das selbstverständlich nicht auf sich warten ließ.

Schon kurze Zeit später geht es weiter und der Bogen vom Schmierlappen Naidoo über die "überragenden" Popper von Toto landet schließlich bei den Helden der alten Männer wie Pink Floyd und Frank Zappa ("Die sind unerreicht." Der Wolf). Was diese langhaarigen, abgrundtief unchristlichen, linken Greise bzw. Leichen nun genau mit dem christlichen, deutschtümelnden Schlager-Schleimer aus Mannheim zu tun haben sollen, bleibt weiterhin ein großes Geheimnis, das beim "Spiegelfechter" selbstredend nicht gelüftet wird.

Mir fällt es zunehmend immer schwerer, Wellbrock und Berger ernst zu nehmen - das Kommentariat des "Spiegelfechters" hat sich aber ohnehin in weiten Teilen längst selbst disqualifiziert und ins Abseits befördert und zementiert dies in schöner Regelmäßigkeit anlässlich fast jeden neuen Beitrags. Seltene Ausnahmen wie "GrooveX" bestätigen die Regel.

Anhand dieses Beispieles kann man sehr schön sehen, wie Dummheit, Unwissen und Propaganda Hand in Hand dafür sorgen, weshalb es im Rahmen dieses Systemes niemals, nie, never eine ernsthafte linke Alternative geben kann. Dummheit ist nach wie vor nicht therapierbar. Der Stumpfsinn triumphiert ungebremst.


(Frank Zappa, ein "guter Freund" von mir.)

Musik des Tages: Konzert für Violine und Orchester in D-Dur




  1. Allegro ma non troppo
  2. Larghetto – attacca
  3. Rondo (Allegro)

(Ludwig van Beethoven [1770-1827]: "Konzert für Violine und Orchester in D-Dur", Op. 61 aus dem Jahr 1806; Violine: Patricia Kopatchinskaja, Frankfurt Radio Symphony Orchestra, Leitung: Philippe Herreweghe, 2014)

Anmerkung: Ich bin kein ausgemachter Freund der Musik Beethovens, die mir persönlich oftmals schlicht zu langweilig und vorhersehbar ist. Trotzdem gehört dieses Violinkonzert zu meinen Favoriten dieser Gattung, denn hier hat der Komponist genau diese Fehler größtenteils vermieden und überrascht das Publikum auch nach dem hundertsten Anhören immer noch mit außergewöhnlichen Einfällen und einer ganz und gar ironischen, fast schon sprunghaften Dur-Moll-Abwechslung, die in ähnlichen Werken seiner Epoche so nicht zu finden sind. Gleichzeitig handelt es sich um ein für die Solovioline äußerst schwieriges Werk, was unschwer daran zu erkennen ist, dass selbst eine Meisterin ihres Instrumentes wie Kopatchinskaja hier klar hörbar an ihre Grenzen stößt (eine vollkommen fehlerfreie Aufführung habe ich bislang noch von niemandem gehört). - Beethoven war seiner Zeit mit diesem Stück weit voraus und hat auch danach leider nur selten zurück in diese Gefilde gefunden.

Ich empfehle, wie immer, Dunkelheit und eine brüllende Lautstärke für den Genuss dieser großartigen, teilweise geradezu irrsinnigen Musik.

Donnerstag, 26. November 2015

Du bist glücklich! Basta.


Die Propaganda versorgt uns, niemals versiegend, stets mit neuem Stoff. Diesmal verbreiten die Massenmedien unisono das sagenhafte Heldenepos von der "zunehmenden Glücklichkeit der Deutschen". Beispielhaft zitiere ich dazu aus einem Text des WDR, der aber nahezu gleichlautend in fast allen anderen Massenmedien aufgetaucht ist:

Glücksatlas der Deutschen Post: Deutsche sind heute wieder glücklicher / Die Deutschen sind einer Studie zufolge glücklicher geworden. Das geht aus dem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Glücksatlas 2015 hervor. Nordseeluft macht besonders zufrieden, fassen die Autoren des Glücksatlas ihre Ergebnisse zusammen.

Angesichts solcher "Meldungen" frage ich mich stets, welche mir unbekannten Drogen man konsumieren muss, um so etwas nicht nur zu schreiben, sondern auch massenhaft in die Welt zu posaunen, ohne vor Lachen oder Scham ein dickes Seil an den Dachbalken zu knüpfen und beherzt in die Schlinge zu springen. Zusammengefasst haben wir es hier mit einer "Studie" zu tun, die von einem global agierenden, privaten Konzern (Deutsche Post AG) bei einem Vertreter der privaten Versicherungskonzerne (Raffelhüschen), der sich - aus welchen irrsinnigen Gründen auch immer - "Professor" nennen darf, in Auftrag gegeben wurde und die das "Glücksgefühl" der Bevölkerungen (nicht nur in Deutschland) ermitteln soll. Diese Ausgangslage ist bereits so kafkaesk, dass man über diesen ausgemachten Schwachsinn eigentlich kein weiteres Wort verlieren müsste - wenn es nicht die erbärmliche Journallie gäbe, die den Mist munter und kritiklos - und natürlich jenseits der Realität - verbreitet.

Ich kann es intellektuell nicht verantworten, auf die einzelnen im Text vorgetragenen Ergebnisse der "Forscher" einzugehen - lest das einfach selbst und achtet darauf, dass dabei ein Kissen vor euch liegt, um eine allzu blutige Stirn zu vermeiden.

Inmitten einer Zeit, der es an Endzeitvisionen gewiss nicht mangelt und die sich durch zunehmende gewollte Verarmung der Massen, irrwitzige Kriege, grassierenden Rassismus, staatliche Totalüberwachung, eine mutwillig aufgelöste soziale Sicherung und viele weitere "zivilisatorische Errungenschaften" des Kapitalismus auszeichnet, erzählt uns der korrupte Versicherungsvertreter mit Konzernauftrag, wie glücklich wir doch seien. Wer bislang noch nicht glauben wollte, dass Orwells Dystopie unsere heutige Realität ist, hat hier schwarz auf weiß ein weiteres Indiz.

Den Orwell-Vogel hat die Redaktion des WDR allerdings durch die Auswahl ihrer grotesken Textillustration abgeschossen. Ich darf das schauderhafte Bild hier leider nicht einstellen - aber wer Orwells Roman kennt, weiß ohnehin, worum es sich handelt.

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Abend. Melancholie I



(Holzschnitt von Edvard Munch [1863-1944] aus den Jahren 1896/97, handkoloriert, Privatbesitz [sic!])

Mittwoch, 25. November 2015

Zitat des Tages: Fantasie von übermorgen


Und als der nächste Krieg begann,
da sagten die Frauen: Nein!
Und schlossen Bruder, Sohn und Mann
fest in der Wohnung ein.

Dann zogen sie in jedem Land
wohl vor des Hauptmanns Haus
und hielten Stöcke in der Hand
und holten die Kerls heraus.

Sie legten jeden übers Knie,
der diesen Krieg befahl:
die Herren der Bank und Industrie,
den Minister und General.

Da brach so mancher Stock entzwei
und manches Großmaul schwieg.
In allen Ländern gab's Geschrei,
doch nirgends gab es Krieg.

Die Frauen gingen dann wieder nach Haus
zu Bruder und Sohn und Mann
und sagten ihnen, der Krieg sei aus.
Die Männer starrten zum Fenster hinaus
und sahen die Frauen nicht an ...

(Erich Kästner [1899-1974], in: "Lärm im Spiegel. Gedichte", mit Illustrationen von Rudolf Großmann, C. Weller 1929)





Anmerkung: Kästners Hoffnung auf das Korrektiv der weiblichen Anteile der Bevölkerung hat sich heute längst ins Reich der Märchen verflüchtigt - gruselige Albtraumgestalten wie Rauten-Angela Merkel, Stahlhelm-Uschi von der Leyen, Hartz-Katrin Göring-Eckardt oder Fleischtopf-Andrea Nahles legen beredte Zeugnisse davon ab. Die Damen sind nicht weniger kriegsgeil, habgierig, korrupt und bis ins Knochenmark asozial als ihre männlichen Kollegen.

Es hilft alles nichts - "wir" müssen wohl selber aktiv werden und den neuen KriegstreiberInnen zeigen, wohin sie sich ihre Gewehre, Raketen, Bomben, Panzer und Drohnen schieben können, bis sie endlich, endlich blau anlaufen. Ein besonders widerliches Beispiel für diese Arschlöcher beiderlei Geschlechts ist aktuell François Hollande, dem ich liebend gerne eine Keule in die Hand drückte, um ihn danach nach Mali oder Syrien zu schicken, wo er seine Vorstellungen am eigenen Leib ausprobieren könnte. Vor allem solchen willfährigen Widerlingen ist es zu verdanken, dass heute einmal mehr der Krieg vor unser aller Haustüre steht.

Das korrupte, kapitalistische Pack schreckt vor keiner Wiederholung zurück. Wenn nicht eingeschritten wird, gehört auch ein faschistischer Spruch wie "Jedem das Seine" schon bald wieder zu den Alltäglichkeiten unserer "freiheitlich-demokratischen" Welt. Die erbärmliche neoliberale Ideologie der Asozialen, die seinerzeit direkt in den Holocaust führte, ist auch heute das unwidersprochene Konzept alles politischen und wirtschaftlichen Handelns. Die glorreichen, goldenen Zeiten, die heute daraus folgen, mag man sich gar nicht näher ausmalen, wenn man kein Kandidat für den erlösenden Suizid ist.

Kästner titelte 1929 - nur elf Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges - fast schon naiv: "übermorgen". Es dauerte indes nur vier Jahre, bis der Faschismus das Zepter der Zeit erlangt hatte, und weitere fünf Jahre, bis daraus die größte Kriegs-, Folter- und Vernichtungsorgie wurde, welche die Menschheit bis dahin erdulden musste.

Heute geht das alles bekanntermaßen weitaus schneller und effizienter.

Montag, 23. November 2015

Film des Tages: Nackt unter Wölfen




(Spielfilm von Philipp Kadelbach aus dem Jahr 2015)

Anmerkung: Dieser Film, der auf dem in der ehemaligen DDR zur Pflichtlektüre gehörenden, gleichnamigen autobiografischen Roman von Bruno Apitz beruht, beschreibt das zufällige Überleben und massenhafte Sterben im KZ Buchenwald kurz vor dem Ende des faschistischen Terrors 1944/45. Ich empfehle ausdrücklich, jede Lektüre aus der Mainstream-Presse zu dieser Neuverfilmung zu meiden, da diese selbstverständlich vor lauter DDR- und "Kommunismus"-Schelte nur so strotzt, was mit dem Roman, dem Film, dem Thema und letzlich auch der Realität gar nichts zu tun hat.

Hier wird schlicht die Geschichte einiger Menschen erzählt, die Kommunisten waren und von den Nazis in die Hölle der Konzentrationslager deportiert und dort gewissenhaft gefoltert und größtenteils ermordet wurden. Ausschnitthaft kann der Zuschauer hier nachvollziehen, was faschistischer Staatsterror für das einzelne Individuum bedeutet.

Es ist ein Film, der starke Nerven erfordert - auch wenn er, dem Zeitgeist entsprechend, bereits arg weichgespült daherkommt und den tatsächlichen Horror der KZs nicht einmal ansatzweise zeigt. Für dümmliche Pegidioten und ähnliche Gesellen mag er aber ein Anstoß sein, das abgeschaltete Gehirn endlich wieder anzuwerfen - und für alle anderen ist der Film eine sehr wertvolle Erinnerung daran, was geschehen kann, wenn der Kapitalismus an sein logisches, vorhersehbares Ende kommt.


Samstag, 21. November 2015

Die schweigende Mehrheit: "Propagandaschau"


Ich bin durch den Kollegen Stefan von den Fliegenden Brettern dankenswerterweise auf ein Blog aufmerksam geworden, das ich bislang gar nicht kannte - nämlich "Die Propagandaschau". Es ist wahrlich herz- bzw. hirnzerreißend, was ich da lesen durfte.

Der dortige Autor lässt sich im verlinkten Beitrag über - man höre und staune - die kommerzielle Schlagerparade "Grand Prix", die heute neu-deutsch "European Song Contest" heißt, und die inzwischen zum Glück revidierte Nominierung "für Deutschland" des unerträglichen Schmalzbarden Xavier Naidoo durch den maßgeblich beteiligten NDR aus. Dieser Fakt an sich ist für ein "politisches" Blog mit diesem Anspruch schon reine Satire - man kann diesen Text eigentlich nur noch genauso lustig finden wie den "ESC" selbst, der längst von der halbseidenen Lächerlichkeit der vergangenen Jahrzehnte in den heute überall anzutreffenden mafiösen Sumpf des grausigen Kapitalismus abgesunken ist.

Noch tiefer kann diese lächerliche Schlagerveranstaltung gar nicht sinken, möchte man meinen - bis man eben diesen Text gelesen hat, der das Niveau der dargebotenen musikalischen Lächerlichkeiten noch einmal dreist unterbietet. Das wäre noch immer keine Anmerkung wert - wenn es da nicht die bis dato 198 Kommentare gäbe, die ein äußerst erhellendes Licht auf die Figuren werfen, die sich in diesem Umfeld tummeln. Ich habe sie mir allesamt durchgelesen, und ich kann keine bessere Unterhaltung empfehlen: Ich hatte Tränen in den Augen und arge Bauchschmerzen, weil ich immer wieder so prustend lachen musste, dass mir die Luft wegblieb. Das ist lustiger als jede Eso-"Diskussion" und in intellektueller Hinsicht schmerzfreier als jede Schützenfestpeinlichkeit in Hintertupfingen. Selbst ein Herr Söder, der bekanntermaßen nur über einen leeren Schädel mit angeschlossenem, rudimentärem Nervenkostüm verfügt, darf in diesem Umfeld als grelle geistige Leuchte in der tiefsten Dunkelheit gelten.

Da glänzt ein Kommentator nach dem anderen mit offen zur Schau gestellter Hirnfäule, wie sie ausgeprägter nicht sein könnte - und fast alle ziehen sich den Aluhut so fest, so krampfhaft, so brutal auf die malträtierte Kopfhaut, dass kein einziger Gedanke von außen mehr Einlass findet in die leergefaulten Freiräume. Das Ausmaß der Dummheit und Unwissenheit ist hier nicht mehr mit Worten beschreibbar. Ich habe so etwas bislang ja für eine maßlose Übertreibung oder allenfalls ein sonderbares Fratzenbuch-Phänomen gehalten - hier habe ich aber gelernt, dass es diese "Szene" der Vollidioten, hohlbirnigen Spinner und Rechtsextremen tatsächlich gibt und dass sie sich wahrlich - ohne jede Ironie - für die Wortführer der Mehrheit halten. Man fasst das gar nicht.

Es geht hier, wie gesagt, um Schlager - also um industriell erzeugte, wertlose Konservenmusik, die nur den beiden vorrangigen Zwecken - nämlich dem Profit und der schnöden Ablenkung - dient. Gerade vor diesem Hintergrund fand ich diese 20 Minuten, die ich bei der "Propagandaschau" verbracht habe, erhellender und witziger als jede Kabarettveranstaltung.

Ein Highlight zum Schluss darf aber nicht fehlen: Da befindet ein Kommentator namens "nebenstrom", der sich besser "nebenderspur" genannt hätte, dass die Entscheidung des NDR, Naidoo zum "ESC" zu schicken, eine gezielte "Kampagne" gewesen sei - und fügt, direkt im Anschluss, hinzu: "In welche Richtung diese [Kampagne] laufen wird, werden wir noch sehen." - Diese Schmerzen sind unvergleichlich. Da war neben dem Aluhut wohl auch die Glaskugel im Einsatz: Ganz egal, wie die Dinge sich entwickeln - es war in jedem Fall eine "Kampagne". So geht Propaganda. Die BesucherInnen dieser Seite haben das Prinzip offensichtlich verinnerlicht und die leeren Köpfe damit unheilvoll aufgefüllt.

Viel Spaß bei der Lektüre!

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Die schweigende Mehrheit



(Zeichnung von Hans-Georg Rauch [1939-1993], in: "Die schweigende Mehrheit", Rowohlt 1974)

Donnerstag, 19. November 2015

Musik des Tages: Reverberations




(The Enid: "Reverberations", aus dem Album "The Seed And The Sower", 1988)

Anmerkung: Auch diese meisterhafte, meditative Musik von Robert John Godfrey entfaltet erst dann ihre wahre Größe, wenn man sie in brüllender Lautstärke über Kopfhörer bei gleichzeitiger Ausschaltung anderer Sinneswahrnehmungen (also in der Dunkelheit) genießt. In gewissen, stets wiederkehrenden Lebenslagen kann ich mich gar nicht satthören an diesen knapp 20 Minuten des in Musik übersetzten "Nachhalles": So oder so ähnlich könnte in gar nicht allzu ferner Zukunft der musikalische Nachruf auf unsere heutige, sich rapide auflösende Pseudozivilisation klingen.

Man könnte zu diesen Klängen freilich auch einfach exzessiv kiffen und den sich einstellenden Gedanken und Gefühlen freien Lauf lassen ... aber das habe ich jetzt nicht geschrieben.


Mittwoch, 18. November 2015

Jebsen und die "Weltverschwörung"


Ich habe es tatsächlich gewagt, mir den jüngsten Vokalerguss des Ken Jebsen zum Thema der Anschläge in Paris anzuhören - und wie befürchtet, wurden meine schlimmen Erwartungen nicht enttäuscht. Es ist in weiten Teilen unerträglich, diesem Gesabbel lauschen zu müssen - und das gewiss nicht nur wegen des Sprechers rhetorischer Unfähigkeit, die im wesentlichen aus Schnellfaselei besteht und die er immer wieder mit rein emotionalen, stets unbegründeten Appellen verbindet und - durch entsprechende "geschickte" Schnitte - mit anklagendem Blick frontal in die Kamera absondert. Das ist pure Demagogie aus dem Lehrbuch der Propaganda.

Sowohl inhaltlich, als auch sprachlich beginnt Jebsen - für seine Verhältnisse - langsam und "harmlos", steigert sich im Verlauf der 30 Minuten aber in die gewohnte Hast und Hetze. Er verbindet - scheinbar wahllos - tatsächliche, nachvollziehbare Kritik mit an Irrsinn grenzenden "Thesen", für die er nicht einen einzigen Beleg präsentiert, sondern die er lediglich durch stete Wiederholung zu zementieren versucht. Da ist beispielsweise von einer globalen "Agenda" die Rede, die derzeit "abgearbeitet" werde und die es zum Ziel habe, die Weltbevölkerung erheblich zu dezimieren - ein Gedanke, der für sich genommen schon so abstrus ist, dass mir dazu spontan lediglich "Dr." Axel Stoll oder der "KOPP-Verlag" einfällt.

Letztlich entwirft Jebsen hier das Bild einer "elitär gesteuerten Weltverschwörung", die fast niemand - natürlich mit Ausnahme der "Erleuchteten", also ihm selbst und einigen SektengenossInnen - durchschaue. Damit bewegt er sich exakt auf demselben Niveau wie die lächerliche Nazi-Propaganda, die vor 80 Jahren ebenfalls eine - damals noch ausdrücklich "jüdische" - Weltverschwörung ausgemacht und für ihre widerlichen Zwecke missbraucht hat. - Auch Jebsen schafft es in diesem Video problemlos, das Thema "Israel" wie beiläufig einzustreuen - ausgerechnet an der Stelle, an der er sich zornig über die bösen Diktaturen des Nahen Ostens wie beispielsweise Saudi Arabien auslässt: Da fällt das Wort "Israel" fast reflexartig in einem Nebensatz, so als seien die Staaten Saudi Arabien und Israel in irgendeiner sinnvollen Form miteinander vergleichbar und strebten letzlich dieselben Ziele an. Noch absurder geht es kaum.

Jebsen wiederholt immer wieder - und das auch völlig korrekt -, dass die Anschläge von Paris jetzt von der westlichen Politik gnadenlos instrumentalisiert werden, um den ersehnten Überwachungsstaat weiter voranzubringen und den Krieg im Nahen Osten weiter zu forcieren. Damit hat er recht. Allerdings instrumentalisiert er selber diese Erkenntnisse sodann zur Untermauerung seiner völlig grotesken, irrsinnigen Weltverschwörungsfantasie, die - hoffentlich! - kein klar denkender Mensch ernst nehmen kann. Es ist nur eine Randnotiz, dass Jebsen hier - in trauter, böser Tradition - pathetisch die "Wahrheit" beschwört. - Merke, lieber Ken: Der Kapitalismus, den Du in Deinem Pamphlet vorsichtshalber gar nicht erst erwähnst, benötigt überhaupt keine "Agenda" (erst recht keine "elitär gesteuerte"), um gewissenhaft dafür zu sorgen, dass die superreiche Minderheit stetig noch reicher und der Rest der Menschheit immer ärmer wird. Man nennt das üblicherweise Systemimmanenz. Wer hier eine "Verschwörung" vermutet, hat weder die Historie, noch die Wirkmechanismen des Kapitalismus verstanden - oder verfolgt wieder einmal ganz andere Ziele.

Dasselbe gilt freilich für die unstrittigen Bestrebungen der neoliberalen Bande, die Totalüberwachung auszubauen und ihre kriegsgeilen Gelüste auszuleben.

Ich kann es mir nicht erklären, dass zumindest teilweise auch gebildete, intelligente Menschen dieser offensichtlichen, inszenierten Demagogie auf den Leim gehen. Durch Personen wie Jebsen wird Aufklärung zur Vernebelung und Journalismus zur Propaganda, und die so dringend notwendige Kapitalismuskritik findet nicht mehr statt. Wenn dieser hochalberne Klamauk von manchen allen Ernstes als "seriöser Journalismus" angesehen wird, muss der nächste Bundeskanzler wohl Erich von Däniken heißen.

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(Titelseite des Nazi-Hetzblattes "Der Stürmer. Deutsches Wochenblatt zum Kampfe um die Wahrheit", Sondernummer 1, Mai 1934)

Dienstag, 17. November 2015

Zitat des Tages: Meine Zeit


Gesang und Riesenstädte, Traumlawinen,
verblasste Länder, Pole ohne Ruhm,
die sündigen Weiber, Not und Heldentum,
Gespensterbrauen, Sturm auf Eisenschienen.

In Wolkenfetzen trommeln die Propeller.
Völker zerfließen. Bücher werden Hexen.
Die Seele schrumpft zu winzigen Komplexen.
Tot ist die Kunst. Die Stunden kreisen schneller.

O meine Zeit! So namenlos zerrissen,
so ohne Stern, so daseinsarm im Wissen
wie du, will keine, keine mir erscheinen.

Noch hob ihr Haupt so hoch niemals die Sphinx!
Du aber siehst am Wege rechts und links
Furchtlos vor Qual des Wahnsinns Abgrund weinen!

(Wilhelm Klemm [1881-1968], in: "Gesammelte Verse", hg. v. Imma Klemm und Jan Volker Röhnert, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung 2012; erstmals in: Wilhelm Klemm: "Aufforderung. Gesammelte Verse", Verlag Die Aktion 1917)


Montag, 16. November 2015

Je suis l'être humain


Eigentlich hatte ich beschlossen, zu den Anschlägen in Paris keinen Blogbeitrag zu verfassen - insbesondere nicht innerhalb eines so kurzen Zeitraumes nach den Morden. Der Verlauf des Sonntags hat meine Meinung allerdings insofern verändert, dass ich zumindest eine kleine Anmerkung dazu loswerden möchte.

Es geht mir extrem auf die Nerven, dass heuer einmal mehr ein solches, von Politik und Medien inszeniertes und nebenbei schamlos instrumentaliertes Bohei um diese Anschläge veranstaltet wird. Am Sonntag war beispielsweise bei n-tv im Politik-Bereich nicht ein einziger Artikel abrufbar, der sich nicht mit diesem Thema beschäftigte. Als unfreiwilliger Zeuge der TV-Berichterstattung musste ich ebenfalls feststellen, dass hier - gemessen an der Art und dem Umfang der "Sondersendungen" - offenbar eine globale Invasion von bösartigen Außerirdischen stattgefunden hat, welche die Ausrottung der Menschheit zum Ziel hat.

Angesichts des katastrophalen Zustands dieser Welt, den man mit gutem Recht tatsächlich als bösartig klassifizieren kann, ist diese Form der medialen und politischen Aufmerksamkeit für ein Einzelereignis nur noch lächerlich und absurd zu nennen. Auf diesem verkommenen Planeten gab und gibt es ständig vergleichbare Untaten, die zumeist völlig Unbeteiligte betreffen - es liegt auf der Hand, dass hier mit mindestens zweierlei Maß gemessen wird. Einige pseudokritische KommentatorInnen auf anderen Webseiten haben die Behauptung aufgestellt, das läge vermutlich an der "räumlichen Nähe" zu Frankreich. Diese Kritik geht am Kern aber völlig vorbei, denn es ist nicht die "räumliche", sondern eine ganz andere "Nähe", die hier die tragende Rolle spielt: Das Tamtam wäre nicht weniger absurd ausgefallen, wenn es nicht Paris, sondern beispielsweise Chicago, Vancouver oder Sydney getroffen hätte - während vergleichbar viele Morde in der Ukraine, im Nahen Osten oder in Afrika hierzulande allenfalls in der Rubrik "Sonstiges" auf Seite 36 - wenn überhaupt - den Weg in die Medien finden.

Hier geht es klar erkennbar um den bösen Krieg des kapitalistischen Westens bzw. seiner "Elite" gegen den Rest der Welt - und wenn dieser Krieg wieder einmal auch irgendwo an der transatlantisch verbündeten "Heimatfront" seine selbstverständlich widerliche, blutige Fratze zeigt, schreit die Propaganda wild auf und die politischen Protagonisten bzw. Sockenpuppen ergehen sich gleich reihenweise in lächerlichsten Beileids- und Solidaritätsbekundungen sowie grotesken Instrumentalisierungen, die perfider gar nicht sein könnten.

Inzwischen kotzt mich das nur noch an - man verzeihe mir diese Wortwahl. Jedes einzelne der beispielsweise in Afrika inzwischen längst in die Millionen gehenden Hungeropfer des kapitalistischen Terrors oder der vielen tausend Drohnenopfer der hinterhältigen Mordangriffe der us-amerikanischen Terror-Miliz war nicht weniger wertvoll als die jetzt in Paris getöteten Menschen. Diese schamlose, interessengesteuerte Bigotterie quer durch die "westliche Welt" macht mich nachhaltig krank.

Ich bin ausdrücklich nicht nur World Trade Center, Charlie Hebdo oder Paris - denn ich bin Mensch, und damit u.v.a. auch Mittelmeer, Aleppo, Somalia und Kunduz.

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([Leider unvollständiges] Zitat aus: Albert Einstein [1879-1955]: "Für einen militanten Pazifismus", in: "Warum Krieg? Briefwechsel zwischen Albert Einstein und Sigmund Freud", Internationales Institut für geistige Zusammenarbeit, Paris 1932)

Samstag, 14. November 2015

Song des Tages: Hypia




(Bilocate: "Hypia", aus dem Album "Summoning the Bygones", 2012)

Days of joyous pain are passing
Alone I drowned in my existence
She's trying to understand ... our life
She looks deep inside ... where lost souls hide

It was never as dark
And I can see further ... when I close my eyes
Far beyond the oceans of time
And I'm dying in shame

That hollow love I'll give for you
I'll stay with you for a while ... then I'll go on my way
You'll reach under my skin and hide from your fears
Alone in the dark awaiting the sunrise to end our journey

And many moons of sorrow are passing
Fixation upon this everlasting nation
Towards this dark side of living
Days of joy ended

This time I'm searching for my Life
These days will come ... to remember
Upon the forever land
Days of joy

Days of joyous pain are passing
Far beyond my eternal sleep



Anmerkung: So klingt Doom Metal aus Jordanien. Es ist ein wohl untrügliches Zeichen unserer untergehenden Zeit, dass diese Form von Musik inzwischen auch Länder erreicht hat, in denen Bands wie diese nach wie vor mit teils massiven staatlichen und religiös motivierten Repressalien konfrontiert sind. Letzteres ist ja beispielsweise auch in manchen Regionen der USA, in denen der religiöse Fanatismus inquisitorische Züge angenommen hat, durchaus üblich. Falls es in einigen Dekaden noch Historiker gibt, die sich Gedanken um die Vergangenheit machen können, wird unsere heutige Zeit sicherlich einen Namen wie beispielsweise "Exitium capitalisticum" oder "Exitium religiosum" erhalten.

Derweil lausche ich lieber noch weiter solch kalten Klängen aus den brennenden Wüsten Arabiens. Als ich Jordanien vor vielen Jahren besucht habe, hat mich vieles beeindruckt - ganz besonders aber die historische, aus dem nackten Fels gehauene Stadt Petra, die nur über eine extrem schmale, 70 Meter tiefe Felsschlucht zugänglich ist. Ich werde es nie vergessen, wie ich, aus der brüllend heißen Wüste kommend, auf einem Esel reitend diese lange, dunkle, erstaunlich kühle und an manchen Stellen kaum meterbreite Schlucht durchquerte und sich mir dann dieses Bild bot: