Es hat tatsächlich satte 70 Jahre gedauert. Erst vor einigen Tagen - im Jahr 2015 - hat in Deutschland das erste und bislang natürlich einzige "Zentrum für verfolgte Künste" auch offiziell eröffnet, das - im Rahmen des Kunstmuseums Solingen - einige der noch erhaltenen Werke der von den Nazis verfolgten und verbotenen Künstlern zeigt. Das Museum sammelt zwar schon länger Gemälde, Grafiken, Zeichnungen, Plastiken und auch Literatur aus dieser bösen Zeit, hat aber erst jüngst das öffentlich geförderte und damit endlich auch staatlich anerkannte "Zentrum" gründen können.
Wie immer in Deutschland geschieht das aber halb- oder eher sechzehntelherzig und kommt zudem um viele, viele Jahrzehnte zu spät. Wer kennt heute die Künstler und Literaten (nicht zu vergessen: die Musiker und Komponisten) noch, die damals geächtet, verboten, verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden? Die Nazis und die schweigende "freiheitlich-demokratische" Nachwelt haben hier ganze Arbeit geleistet - daran kann auch kein provinzielles Museum im Jahr 2015 trotz allen Engagements etwas ändern. Nach 70 Jahren bleibt Vergessenes zwangsläufig vergessen.
Es ist symptomatisch für diese zerfallende Zeit des einmal mehr zur Katastrophe drängenden Kapitalismus, dass solche Projekte heute in einem Rahmen "gefördert" werden, der möglichst wenig Aufsehen erregt und höchstens in interessierten Fachkreisen sowie lokal zur Kenntnis genommen wird. Wäre es den politisch Verantwortlichen tatsächlich ernst, fände dieses Projekt - in weitaus größerem Umfang - in Hamburg, Köln oder Berlin statt und würde nicht bloß durch einen Portokassenbetrag "einmalig" finanziell unterstützt. So aber verkommt das eigentlich so wichtige und längst überfällige "Zentrum für verfolgte Künste" einmal mehr zu einem bloßen politischen Feigenblatt, mit dem sich die Verantwortlichen hübsch schmücken können, ohne tatsächlich etwas Sinnvolles getan zu haben.
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Sieg der Gerechtigkeit (Untergang des Unsterns Hitler)
(Gemälde von Oscar Zügel [1892-1968] aus den Jahren 1933-36, Öl auf Leinwand, Oscar Zügel Archiv, Balingen)
Es ist ein alter Hut, dass die technische Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten mit Siebenmeilenstiefeln vorangeschritten ist und diese Geschwindigkeit auch weiterhin beibehält. Dadurch wurden den Menschen manche begrüßenswerte, sehr viele lächerliche und nicht wenige äußerst gefährliche Neuerungen beschert, die klar belegen, dass es alles andere als wünschenswert ist, dieser Entwicklung tatenlos zuzusehen und sie einfach geschehen zu lassen.
Bei n-tv habe ich letzte Woche einen kleinen Bericht gefunden, der mich einmal mehr an die gruselige Orwell-Welt von "1984" erinnert hat. Dort war zu lesen:
Kamera kann um die Ecke schauen / (...) In Kombination mit einem Laserstrahl ist es einer neuen Kamera möglich, die Bewegung verborgener Objekte darzustellen - eine Weltneuheit.
Konkret geht es darum, dass diese Kamera - auch wenn die Entwicklung noch nicht ausgereift ist - nicht nur Bewegungen aufzeichnen kann, die außerhalb des eigentlichen Sichtfeldes stattfinden, sondern tatsächlich auch nutzbare Bilder davon liefern soll, die Aufschluss darüber geben, wer oder was sich in welcher Weise dort bewegt. Das ist in der Tat ein Meilenstein für den sich manifestierenden Totalüberwachungsstaat, der sich gewaschen hat. Die Entwickler äußern sich dazu natürlich extrem beschönigend (was mich an Einsteins Brief an Präsident Roosevelt erinnert, in dem er diesem zur Entwicklung der Atombombe geraten hat):
Das System könnte beispielsweise bei der Überwachung, bei Rettungsmissionen oder zur Vermeidung von Unfällen eingesetzt werden.
Gewiss, Rettungsmissionen ... - man darf sich auch heute wieder gerne dreimal überlegen, für welche Alternative sich die kapitalistische Terrorbande in ihrem grenzenlosen, menschenfeindlichen Überwachungswahn entscheiden wird, wenn dieses System einsatzbereit ist.
Nun lässt sich die technische Entwicklung freilich nicht aufhalten. Umso dringlicher wird es, die Bürger- und Menschenrechte sowie die Privatsphäre vor derlei Orwell'schen Übergriffen umfassend zu schützen und den unbedingten Datenschutz zu festigen. Ich habe allerdings keine Ahnung, wie das funktionieren soll - mit dem derzeitigen politischen Personal der neoliberalen Einheitspartei ist da selbstverständlich nichts zu machen, da es gegenteilige Ziele verfolgt.
Ich mag mir nicht ausmalen, was die widerliche Nazibande vor 80 Jahren noch alles angestellt hätte, wenn sie über die heutigen technischen Möglichkeiten verfügt hätte. Ebenso will ich mir nicht vorstellen, was aus der heutigen lächerlichen Demokratiesimulation in einigen Jahrzehnten geworden sein mag, wenn die Überwachungstechnik zur Perfektion gelangt ist. Die Rettungsmission "Menschheit und Planet Erde" besitzt keine Auftraggeber, keine Koordination, keine Mehrheit und erst recht keinerlei Aussicht auf Erfolg.
Anja Reschke, Journalistin und Moderatorin vom NDR, hat auf Twitter ein freundliches Schreiben veröffentlicht, das sie am vergangenen Montag per Post erhalten hat. Ob die Redaktion der Titanic, ein verwirrter Pegida-Kasper oder doch bloß die CSU dahintersteckt, ist leider nicht bekannt.
Ich finde, dass diesem ehrenwerten "Vereinspäsidenten" und "ersten Generalsekretär" eine seriöse Möglichkeit geboten werden sollte, seine fundierten Argumente im Rahmen der Meinungsfreiheit zu verbreiten. Daher dokumentiere ich den Schriftsatz hier ebenfalls.
Anlässlich des am Sonntag von den Propagandamedien gefeierten "Klimaabkommens", das aufgrund seiner Absurdität hier nicht weiter kommentiert werden soll (der Kollege flatter hat ein paar passende Worte dazu gefunden), widme ich mich auf meiner heutigen Realitätsflucht dem kleinen Spiel "Homesick" aus dem Hause der US-amerikanischen Independent-Entwickler Lucky Pause aus dem Jahr 2015.
Es handelt sich um ein kleines Endzeit-Adventure, das im wesentlichen von einem einzigen Entwickler - einem Herrn namens Marrett Meeker - in jahrelanger Arbeit allein geschaffen wurde. Zur Geschichte will ich gar nicht so viel schreiben (der unten verlinkte Trailer spoilert schon genug) - daher nur so viel: Die Spielfigur erwacht in einer halb zerfallenen Wohnung, die sich in einer offensichtlich riesigen Hochhausruine befindet - von Anfang an ist es offensichtlich, dass offenbar irgendeine Katastrophe stattgefunden hat. Im Spiel geht es nun darum, dieser Katastrophe auf die Spur zu kommen, was sich allerdings nicht ganz so einfach gestaltet, wie es sich hier liest. Man wird mit allerlei kleinen und größeren Rätseln konfrontiert, die es zu lösen gilt. Dabei wird man vom Spiel völlig allein gelassen, denn es gibt weder eine Karte, noch ein Inventar und erst recht keine Hinweise oder Quests.
Der allergrößte Pluspunkt dieses Werkes ist aus meiner Sicht ganz eindeutig die äußerst stimmige, stets beklemmende (aber niemals wirklich bedrohliche) Atmosphäre. Das fängt bei der fantastischen Grafik (die im Video nicht wirklich wiedergegeben wird) an und hört bei der großartigen Musik, die lediglich aus melancholischen Klavierklängen, gelegentlich verstärkt durch ein Cello, besteht, noch lange nicht auf. Selbst die Texte, die man im Spiel zuhauf findet, muss man sich hart "erarbeiten", denn anfangs versteht man sie gar nicht, sondern muss die fremde, kryptische Sprache erst ziemlich mühsam entschlüsseln, um nachvollziehen zu können, was geschehen ist.
Es ist ein äußerst ruhiges, gemächliches Spiel, in dem es keine Kämpfe, keine Action, keine großen dramaturgischen Bögen gibt - dafür aber ein solches Übermaß an dichter Atmosphäre, dass es mich viele Stunden länger beschäftigt hat, als zur Lösung eigentlich erforderlich gewesen wären. Und natürlich ist es auch ein bedrückendes Spiel, denn die Geschichte, die sich allmählich entblättert, ist alles andere als hoffnungsfroh. Das Merkel-Monster und die übrigen korrupten Pfeifen der politischen "Elite" haben es jedenfalls ganz gewiss nicht gespielt.
Das größte Manko dieses Spieles bleibt die Kürze: Nach wenigen Stunden ist der Ausflug in die Endzeit leider schon vorbei - und bietet dabei ein dermaßen seltsames, frei interpretierbares Ende, das Puristen hassen und Expressionisten lieben werden.
Auf meinem Win7/64-System gab's keinerlei Probleme. Leider ist das Spiel angesichts seines geringen Umfangs recht teuer - momentan ist es für 15 Euro bei Steam zu haben. Für die jahrelange, wenn auch durch "Crowdsourcing" finanzierte Arbeit des Entwicklers ist das allerdings alles andere als zuviel. Solche Kleinode, die es im Genre der Computerspiele so überaus selten gibt und die man getrost als eine neue Kunstform betrachten kann, sollten nach Kräften unterstützt werden.
Fazit: "Homesick" ist ein großartiges Werk, das von vorne bis hinten absolut stimmig ist und zur Pflichtaufgabe für alle SchülerInnen an den Lerninstitutionen des "freien Westens" werden sollte.
(Jean Sibelius [1865-1957]: "Sinfonie Nr. 1 in e-moll", Op. 39 aus dem Jahr 1898; Orchestre de Paris, Leitung: Paavo Järvi; 2013)
Anmerkung: Diese äußerst aufwühlende Musik aus dem hohen Norden dieses von kapitalistischen "Eliten" permanent duchgefickten Planeten bedarf hier keiner verbalen Ausführungen, da sie für sich selbst spricht. Man lösche das Licht, drehe den Lautstärkeregler gen Maximum und öffne seinen Geist den anstürmenden Gedanken und Emotionen.
Als ich diese Sinfonie zum ersten Mal in einem Konzert hörte, habe ich in der Nacht danach kein Auge zugetan, sondern war abwechselnd mit Suizidgedanken und revolutionären Planungen beschäftigt. Aus beidem ist nichts geworden, wie das heutige Posting belegt. Das hat jedoch weniger mit der fantastischen Musik, sondern eher mit meiner eigenen Unzulänglichkeit zu tun. Diese irrsinnige Musik entzieht sich, wenn man nicht sorgfältig aufpasst, jeder geistigen Analyse und schießt wie eine Droge direkt in den Blutkreislauf, um am Schluss in einem wahrhaften Orgasmus zu enden, der aber im Nachhall durch das abschließende Pizzicato fast schon lächelnd ad absurdum geführt wird.
Sibelius hat nach 1926, nachdem er sein letztes Werk veröffentlicht hatte, zwar nicht damit aufgehört, Musik zu komponieren, er hat aber jede einzelne Komposition aus dieser Zeit eigenhändig wieder vernichtet und dafür gesorgt, dass auch im Nachlass nichts mehr davon zu finden ist. Auch in dieser Hinsicht ist er ein glühendes Vorbild für die in unserer Zeit nicht enden wollenden Wiederholungen selbst in den bescheuertsten Bereichen der belanglosesten Popmusik.
Der Kapitalismus tötet jede Kunst, wenn der Künstler nicht gegensteuert.
(Jean Sibelius; Portrait von Eero Järnefelt [1863-1937])
(Caminos: "Der Revoluzzer", aus dem Album "Uns geht die Sonne nicht unter!", 2011. Das komplette Album kann auf der verlinkten Webseite der Band kostenlos heruntergeladen werden.)
Über die Lichterkette zur Volksgemeinschaft: Zum 4. Advent wird noch rechtzeitig das "große Sozialpaket" aufgemacht.
Ein Gastkommentar des Altautonomen
"Meine Kerze leuchtet für Frieden und Liebe", "Wir sind Deutschland!", "Wir sind alle Menschen!", "Gegen Hass und Gewalt!" - Der Aufruf gipfelt in einer erschreckend beliebig interpretierbaren Allgemeinheit von Begriffen und Inhalten, so dass sich viele damit identifizieren können, auch "besorgte Bürger". Selten habe ich einen Aufruf gegen Fremdenfeindlichkeit und für das "gute Exportweltmeister-Deutschland" gelesen, der so starke spontane Abwehrreflexe bei mir hervorgerufen hat.
Mit diesen Aussagen wird zum Jahresabschluss das gute Gewissen vor dem Weihnachtsfest noch mal etwas aufpoliert, damit anschließend sorgenfrei konsumiert und gefeiert werden kann. Horst Fallenbeck (43), gelernter Regierungsassistent, hat die Idee der "Lichterkette von München bis Berlin" (650 km) ins Leben gerufen. Benötigt werden mindestens 600.000 Menschen, 200.000 haben sich bereits gemeldet. Termin: 19.12.2015.
Wieder einmal geht es genau wie bei den Mahnwichteln, Querfröntlern und verkappten Antisemiten um die öffentliche Inszenierung der Auflösung von links und rechts. Denn da stehen sie dann alle im Dunkel des vorweihnachtlichen Abends: Der Chef und seine Angestellten, der Arbeitgeber und seine Gewerkschaft, die SPD und ihre Grünen, die Polizisten und ihre Demonstranten, Obdachlose neben Hausbesitzern - alle schön in Reih' und Glied, um das gute, anständige Deutschland zu verkörpern. Im Grunde tun dasselbe auch die BVB-Fans in der Nordkurve des Stadions. Wer es da noch wagt, das Trennende anzusprechen und konkret zu werden, wird ausgegrenzt. Alles, was sich sowohl unter Täter als auch unter Opfer subsumieren lässt, bildet hier eine völkische Allianz.
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Uniformverbot
Was nützt das Uniformverbot, wenn die Köpfe weiter in Uniform bleiben?
Seit gestern wird wieder zurückgeschossen. "Wir" befinden uns wieder einmal im Krieg - obwohl niemand so genau weiß, wen oder was die Tornados der "Bundeswehr", die eigentlich umbenannt werden müsste in "Bundesangriffsarmee", in Mali und Syrien eigentlich genau bekriegen und was damit erreicht werden soll. Wichtig allein ist die Tatsache, dass unsere durchtriebene schwarz-rot-grüne neoliberale Einheitspartei brav genickt hat und die dämlichen Truppen enthusiastisch in den Krieg, also wieder einmal zum Morden und Sterben schickt.
Ich frage mich zunehmend, wer dieses "Wir" eigentlich ist, das in politischen Reden und vor allem der Propagandapresse in diesem Zusammenhang stets beschworen wird - denn ich gehöre gewiss nicht dazu, da ich keinen Krieg in Afrika oder im Nahen Osten führe, sondern diese abscheuliche Widerwärtigkeit mit jeder Faser meines Körpers zutiefst ablehne. Es kotzt mich geradezu an, dass diese korrupte Bande die Anschläge von Paris nun erneut instrumentalisiert, um ihren perversen Kriegsgelüsten endlich wieder freien Lauf zu lassen - und kaum jemanden interessiert das ernstlich. Sicher, Wagenknecht hat im Bundestag die erwartbare Rede dagegen gehalten, und auch in gewissen Blogs ist durchaus Kritisches zu lesen - aber im Grunde schert sich die große Mehrheit in diesem verkommenen Land nicht weiter darum, sondern folgt einfach dem gewohnten Alltag, der gerade vor Weihnachten - dem (Vorsicht: Brüllwitz!) "Fest der Liebe" - ja recht angespannt und ausgefüllt ist.
Wer führt dort also "im Namen Deutschlands" Krieg - und weshalb? Die Antworten auf diese Fragen kann sich eigentlich jeder halbwegs denkfähige Mensch selbst geben, weshalb ich mich darüber ausschweige. Nur zwei kleine Anmerkungen seien erlaubt: "Die Deutschen" sind es nicht; und der "IS" bzw. die Menschenrechte oder gar irgendwelche verquasten "westlichen Werte" haben damit nicht das geringste zu tun. Dafür hört man in den Konzernzentralen die edlen Champagnerkorken knallen.
Selbstverständlich ist das erst der Auftakt - denn "big money" lässt sich erst dann "verdienen", wenn der Flächenbrand richtig durchstartet. Die Brandbeschleuniger sind großflächig ausgelegt und die Bomber zur Zündung sind bereits in der Luft - das "Fest der Liebe" kann beginnen und seinen hellen, warmen Glanz entfalten. Sieg H..., äh, Hosianna in der Höhe!
(Kleiner Lesetipp dazu (die schleimige Einleitung Bergers sollte man dabei allerdings überspringen): "Ein Brief aus Frankreich")
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Das alte Spiel
Der Boden muss immer mal wieder gedüngt werden, damit der Weizen der internationalen Rüstungsindustrie blüht!
Der gute Völkerbund streicht seine Segel,
Verwirrung herrscht im hohen Genfer Haus.
Auf jeden Fall gilt nun als neue Regel:
wer dennoch Kriege führt, tritt vorher aus!
Man dachte anfangs von dem Institute,
es hätte endgültig den Krieg besiegt -
Und alle wären unter einem Hute,
auch der, wo nicht, hätt’ eins darauf gekriegt -
Doch wo ein Krieg ist, gibt’s auch Lieferungen
von Munition und Werken der Chemie!
Zu lieblich tönt das Liedchen: "Seid umschlungen,
Millionen!" jeder Rüstungsindustrie.
Ein Krieg ist nicht moralisch. Doch im tiefern
Sinn wirkt er wirtschaftlich sehr produktiv -
Wir würden gerne auch nach Japan liefern,
trotz Friedenssehnsucht -: Ja, die Welt ist tief ...
Lässt auch der liebe Gott die Erde beben,
weil ihm dies ew'ge Morden nicht mehr passt -:
die Liebe kann den Markt nicht neu beleben,
Geschäft ist nur, wo sich die Menschheit hasst ...
(Charlie: "Good Morning America", aus dem gleichnamigen Album, 1981)
Good morning America, we're here to start your day
So eat your raising bran, let's get this show under way
Good morning America, we've got our men on the spot
We've got the weather report, where it's cold, where it's hot
If we may we'd like to say the only way to start your day is here
Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!
Good morning America, one more commercial break
We'll tell you what you need to keep your body in shape
Good morning America, we hope you're feeling well
We hope you watch all day, we've got a lot to sell
If we may we'd like to say the only way to start your day is here
Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!
Your TV screen will sell you dreams
and show you life ain't all it seems
Your car's too old, your house too cold,
your furniture should all be sold
But we can show you what you need,
oh we can help you to succeed
In our world everybody smiles,
the PERFECT LIFE in PERFECT STYLE!
Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!
You look around at what you've got,
it never seems to be a lot
It's not the same things that you see
each time you switch on your TV
It's all blue skies and golden hair,
pure white teeth flash everywhere
The perfect housewife waits at home
among the lovely things you own
Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!
Mich haben Schnupfen, Husten, Fieber und "Magen-Darm" momentan fest im Griff, weshalb ich an dieser Stelle einfach auf den aktuellen Gärtner hinweisen möchte, der anhand der nach den Anschlägen in Paris erschienenen Ausgabe des Boulevard-Magazines "Stern" sehr anschaulich illustriert, wie Mitgefühl bzw. Empathie im Kapitalismus funktionieren:
Die Trauer, die Bestürzung, die Fassungslosigkeit waren groß beim Stern nach den Anschlägen von Paris, diesem laut Stern-Titel "Angriff auf Europa".
Wir leben wahrlich in der besten aller möglichen Reklamewelten. Und jetzt muss ich krankheitsbedingt schnell ins Bad zum Kotzen.
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Der man nicht entgehen kann
Ich wollte von gar nichts wissen.
Da habe ich eine Reklame erblickt,
Die hat mich in die Augen gezwickt
Und ins Gedächtnis gebissen.
Sie predigte mir von früh bis spät
Laut öffentlich wie im Stillen
Von der vorzüglichen Qualität
Gewisser Bettnässer-Pillen.
Ich sagte: "Mag sein! Doch für mich nicht! Nein, nein!
Mein Bett und mein Gewissen sind rein!"
Doch sie lief weiter hinter mir her.
Sie folgte mir bis an die Brille.
Sie kam mir aus jedem Journal in die Quer
Und säuselte: "Bettnässer-Pille."
Sie war bald rosa, bald lieblich grün.
Sie sprach in Reimen von Dichtern.
Sie fuhr in der Trambahn und kletterte kühn
Nachts auf die Dächer, mit Lichtern.
Und weil sie so zähe und künstlerisch
Blieb, war ich ihr endlich zu Willen.
Es liegen auf meinem Frühstückstisch
Nun täglich zwei Bettnässer-Pillen.
Die isst meine Frau als "Entfettungsbonbon".
Ich habe die Frau belogen.
Ein holder Frieden ist in den Salon
Meiner Seele eingezogen.
Heute führt mich meine Realitätsflucht einmal mehr zurück in die Welt der Südsee. Es geht um das aktuell jüngste Spiel des kleinen Ruhrgebietsstudios Piranha Bytes, nämlich "Risen 3: Titan Lords" aus dem Jahr 2014. Ich habe mich anlässlich meiner Beschreibung des zweiten Teils schon zu einer kurzen Bewertung hinreißen lassen, muss diese nach dem zweiten Spielen aber zumindest teilweise etwas relativieren.
Dieser Text enthält Spoiler ohne Ende, weshalb Menschen, die das Spiel noch nicht kennen und es irgendwann selber spielen möchten, nicht weiterlesen sollten.
Nach dem Debakel von "Risen 2" startet dieses Spiel, das immerhin optional ohne DRM bzw. Steam-Zwang daherkommt (kleine Studios sind offenbar noch empfänglich für Kundenkritik), genauso bescheuert wie der Vorgänger: In einer knallbunten, alles andere als "offenen Welt" (was sich auch im weiteren Verlauf nicht ändert) bricht der "namenlose Held" in sein Abenteuer auf und darf sich durch Legionen von Gegnern schnetzeln. Dieser Beginn ist genauso langweilig, wie er sich hier liest: Man könnte stattdessen auch irgendein popeliges Konsolenspiel von der Stange spielen und hätte dasselbe Ergebnis.
Die Irritationen reißen aber nicht ab - denn schnell stellt der entsetzte Spieler fest, dass Piranha Bytes sich aus unbekannten Gründen dazu entschlossen hat, die Geschichte des "namenlosen Helden" zu verändern: Plötzlich spielt man also - das durchgefickte US-Seriengedöns stand hier wohl Pate - nicht mehr den "Namenlosen", sondern - und das muss man sich erst einmal ausdenken - den Bruder der Stahlbart-Tochter Patty, die beide aus den vorangegangenen Teilen gut bekannt sind. Damit sind nicht nur die Logik, sondern auch die wunderbaren, teilweise anzüglichen Dialoge zwischen dem Helden und Patty Geschichte. Es ist nur eine Randnotiz, dass die gute Piraten-Patty hier visuell zu einem ekelhaften, dickbrüstigen Monstrum mutiert ist.
Im letzten Drittel des Spieles trifft man - sofern man denn einen bestimmten, keineswegs zwingend notwendigen Weg in einer der dann zugänglichen Regionen entlang läuft - auf den tatsächlichen "Namenlosen", mit dem ein kurzes, wenig informatives Gespräch stattfindet. Das ganze wirkt jedoch dermaßen aufgesetzt - nicht zuletzt durch die Tatsache, dass sich beide zum Verwechseln ähnlich sehen und der aktuelle "namenlose Held" (also der Bruder Pattys) dieselbe Stimme besitzt wie einst der andere "namenlose Held" aus den Vorgängerteilen, während der hier getroffene "echte Namenlose" mit der im Spiel wiederholt auftauchenden Stimme irgendeines dummen Lakaien spricht -, dass ich das nur als albernen Klamauk klassifizieren kann. Was die Entwickler da geritten hat, weiß ich nicht - es war aber ganz gewiss nichts Schönes.
Zum Spiel an sich gibt es nicht viel zu sagen. Die offene Welt vergangenener Gothic-Zeiten bleibt Geschichte: Wir haben es hier wiederum mit ein paar Südseeinseln zu tun, zu denen man reisen kann und die jeweils fest definierte, also deutlich eingegrenzte Wege und Areale besitzen, innerhalb derer man sich bewegen kann. Es gibt reichlich Quests zu erledigen, von denen nicht wenige allerdings so bescheuert sind, dass man tatsächlich keine Lust verspürt, sie auch zu verfolgen - teilweise artet es schon in lästige Pflichtarbeit aus, das Questbuch allmählich zu leeren. Ich kenne kein anderes Spiel dieses Genres (abgesehen von "Risen 2"), das es mir so schwer gemacht hat, nach einiger Zeit einen zweiten Durchlauf zu starten: Ich habe diesen Neustart monatelang vor mir hergeschoben und ihn letztlich nur deshalb begonnen, weil ich noch etwas dazu schreiben wollte. Dazu gehören selbstverständlich auch die allzu lächerlichen "Bosskämpfe", die es in diesem Spiel gehäuft gibt und die allesamt mit dem Wort "Konsolenkacke" hinreichend beschrieben sind.
Ja, das Spiel ist furchtbar schlecht und erinnert an jeder Ecke an eben jene Konsolenkacke, für die es offensichtlich auch konzipiert wurde. Es hat nichts mehr zu tun mit den großartigen Gothic-Werken der Vergangenheit. Und trotzdem tauchen dort - im Gegensatz zum Vorgänger - gelegentlich Momente auf, die sehnsüchtige Erinnerungen wach werden lassen. Es wird erahnbar, dass die Entwickler ihr Talent nicht etwa verloren, sondern schlicht an den schnöden "Markt" verscherbelt haben und sich inzwischen - wahrscheinlich gezwungenermaßen - leidlich prostituieren, um genug Geld zu verdienen. Auf mich wirkt das Spiel wie ein verzweifelter Versuch, den "alten Anspruch" irgendwie in den kapitalistischen Kommerz zu überführen - so dass das unvermeidliche Scheitern vorprogrammiert ist.
Auf meinem Win7/64-System gab's bis auf ein paar wenige Abstürze keine Probleme. Die Grafik ist mittelprächtig, die Musik ist wenig einprägsam und die Dialoge sind - gemessen an den Gothic-Vorgängern - flach und nichtssagend, immerhin aber größtenteils professionell gesprochen. Ich halte es für ausgeschlossen, dass ich irgendwann in ferner Zukunft dieses Spiel ein drittes Mal starten werde - da spiele ich lieber zum zehnten Male "Venetica", "Black Mesa" oder einen der alten "Gothic"-Teile.
Ich fürchte, von Piranha Bytes dürfen wir nichts mehr erwarten. "Risen 3" war jedenfalls das letzte Spiel, das ich denen für eine horrende Summe abgekauft habe. Der oben verlinkte Trailer hat - wie so oft - mit dem Spiel so gut wie nichts zu tun.
Wenn es nicht so überaus peinlich wäre, könnte man sich glatt einen "Wolf" lachen: Jörg Wellbrock springt in ergebener Demut dem geschassten "Medienopfer" Naidoo bei und macht sich einmal mehr lächerlich. Ich habe zu diesem hirnzersetzenden Thema schon fast alles gesagt, was es aus meiner Sicht zu sagen gibt, daher beschränke ich mich hier auf die bislang beim "Spiegelfechter" geposteten Kommentare, die den Zersetzungsprozess des Wolf'schen Hirnes noch einmal so deutlich herausstreichen, dass mir nichts anderes übrig bleibt als vor der Kommentierung eine Literflasche Korn vom Aldi in einem Zug auszusaufen. Anders sind derlei Geisteszustände nicht rational erklär- und ertragbar.
Es fängt an mit der bereits bekannten "Heldentasse", die in gewohnt selbstgefälliger Form aus dem reinen Instrumentalmusiker Mike Oldfield mal eben einen "Sänger" macht, den er noch dazu in eine Reihe mit dem Schmalzbarden stellt. Hauptsache, es "passt" halt irgendwie zum Thema: Wenn das Maul aufgerissen wird, kommt es nicht darauf an, ob das Geplärre irgendeine realitätsbezogene Relevanz besitzt - man schwadroniert halt einfach los, wie das Dickicht bzw. die Wüste des Hirnes es gerade erlaubt.
Sodann meldet sich der Autor zu Wort und nennt Naidoos Gejammere "anspruchsvoll" - was insbesondere viel über sein eigenes künstlerisches Unverständnis, nichts aber über des Schlagersängers Qualitäten aussagt. Den Bock schießt er aber erst dann ab, wenn er "zum Vergleich" die uralte Pop-Band "Toto", die mit alledem freilich gar nichts zu tun hat, bemüht und ihr - selbstverständlich, wie Verschwörungsdeppen das stets tun, mit Bezug auf "einen guten Freund" - gar "überragende Fähigkeiten" unterstellt. Spätestens an dieser Stelle habe ich eine Flasche Bier geöffnet und mich auf weiteres Popcorn gefreut, das selbstverständlich nicht auf sich warten ließ.
Schon kurze Zeit später geht es weiter und der Bogen vom Schmierlappen Naidoo über die "überragenden" Popper von Toto landet schließlich bei den Helden der alten Männer wie Pink Floyd und Frank Zappa ("Die sind unerreicht." Der Wolf). Was diese langhaarigen, abgrundtief unchristlichen, linken Greise bzw. Leichen nun genau mit dem christlichen, deutschtümelnden Schlager-Schleimer aus Mannheim zu tun haben sollen, bleibt weiterhin ein großes Geheimnis, das beim "Spiegelfechter" selbstredend nicht gelüftet wird.
Mir fällt es zunehmend immer schwerer, Wellbrock und Berger ernst zu nehmen - das Kommentariat des "Spiegelfechters" hat sich aber ohnehin in weiten Teilen längst selbst disqualifiziert und ins Abseits befördert und zementiert dies in schöner Regelmäßigkeit anlässlich fast jeden neuen Beitrags. Seltene Ausnahmen wie "GrooveX" bestätigen die Regel.
Anhand dieses Beispieles kann man sehr schön sehen, wie Dummheit, Unwissen und Propaganda Hand in Hand dafür sorgen, weshalb es im Rahmen dieses Systemes niemals, nie, never eine ernsthafte linke Alternative geben kann. Dummheit ist nach wie vor nicht therapierbar. Der Stumpfsinn triumphiert ungebremst.
Anmerkung: Ich bin kein ausgemachter Freund der Musik Beethovens, die mir persönlich oftmals schlicht zu langweilig und vorhersehbar ist. Trotzdem gehört dieses Violinkonzert zu meinen Favoriten dieser Gattung, denn hier hat der Komponist genau diese Fehler größtenteils vermieden und überrascht das Publikum auch nach dem hundertsten Anhören immer noch mit außergewöhnlichen Einfällen und einer ganz und gar ironischen, fast schon sprunghaften Dur-Moll-Abwechslung, die in ähnlichen Werken seiner Epoche so nicht zu finden sind. Gleichzeitig handelt es sich um ein für die Solovioline äußerst schwieriges Werk, was unschwer daran zu erkennen ist, dass selbst eine Meisterin ihres Instrumentes wie Kopatchinskaja hier klar hörbar an ihre Grenzen stößt (eine vollkommen fehlerfreie Aufführung habe ich bislang noch von niemandem gehört). - Beethoven war seiner Zeit mit diesem Stück weit voraus und hat auch danach leider nur selten zurück in diese Gefilde gefunden.
Ich empfehle, wie immer, Dunkelheit und eine brüllende Lautstärke für den Genuss dieser großartigen, teilweise geradezu irrsinnigen Musik.
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...