Ein kleiner, ausnahmsweise sehr persönlicher Exkurs
Ich stecke tief im grausamen Sumpf der kapitalistischen, von Rot-Grün durchgesetzten und Schwarz-Gelb frenetisch gefeierten und in der Folge betonierten Zwangsverarmung. Gestern habe ich ein freundliches Schreiben von der Stadtverwaltung erhalten, die vom "Beitragsservice" der öffentlich-rechtlichen Propaganda- und Volksbespaßungsanstalten damit beauftragt wurde, per Zwangsvollstreckung knapp 700 Euro bei mir einzutreiben. In dem netten Schreiben wird mir unter anderem die "Pfändung des Kontos" sowie "Erzwingungshaft" angedroht, falls ich nicht unverzüglich zahlen sollte - was ich natürlich nicht kann. Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs sind momentan also eher eine nachgeordnete Sorge für mich.
Schon seit vielen Monaten verzichte ich auf eigentlich notwendige Medikamente, da ich mir die Rezeptgebühren (fünf Euro pro Rezept) nicht leisten kann, und vor einigen Tagen habe ich auch noch eine Mieterhöhung von meinem Vermieter erhalten, so dass in Zukunft noch einmal monatlich 30 Euro in der Haushaltskasse fehlen. In Kürze gehen bei mir also die Lichter aus - und das nicht nur im wörtlichen Sinn, denn ich bin nicht gewillt, eine derartig entwürdigende Verarmung bis hin zur Stromsperre, Zwangsvollstreckung und drohenden Obdachlosigkeit zu ertragen. Irgendwann ist Schluss.
Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass ich trotz meiner bösen Krankheit in Teilzeit arbeiten gehe (obwohl ich das "offiziell" gar nicht dürfte) und ein sogenannter "Aufstocker" bin - wobei die Behörde es durch diverse Tricks, Sanktionen und bösartige Findigkeiten (beispielsweise die Kürzung der Mietzahlungen, die angeblich nicht "angemessen" seien uvm.) geschafft hat, dass von meinem Verdienst so gut wie nichts mehr übrig bleibt und ich mich trotz des Jobs nahezu auf demselben finanziellen Niveau befinde wie jemand ohne Einkommen. Letztlich ist der Job also ein Minusgeschäft für mich, da ich natürlich auch jobbedingte Ausgaben habe. Außerdem ist eine "Befreiung" von den Zwangsgebühren des öffentlichen Verdummungsrundfunkes nicht mehr möglich, wenn das Einkommen auch nur einen Euro über dem gesetzlich bestimmten "Existenzminimum" liegt.
Sämtliche beteiligte Stellen - "Beitragsservice", Stadtverwaltung, "Jobcenter" und Vermieter - wissen, dass ich leider erkrankt und daher tageweise immer wieder außer Gefecht gesetzt bin, allerdings interessiert das exakt niemanden und die kapitalistische Doktrin wird konsequent und ohne jeden Anflug von Empathie gnadenlos durchgesetzt. Als Höhepunkt kann ich eine Anekdote erzählen, die schon einige Zeit zurückliegt: Ich befand mich damals auf der Intensivstation eines Krankenhauses und wusste nicht, ob ich dieses Haus noch einmal lebend verlassen würde. Während ich so dalag und meinen existenziellen Gedanken nachging, stürmte eine Dame herein, die sich als Mitarbeiterin der Verwaltung zu erkennen gab - und sie teilte mir mit, während ich dort lag, dass meine Krankenkasse die Übernahme der Kosten verweigere, da mich das örtliche "Jobcenter" abgemeldet habe. Das war für meine Genesung natürlich sehr hilfreich. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ein Schnüffler der Behörde mich, während ich im Krankenhaus war, zuhause nicht angetroffen und daraus den Schluss gezogen hatte, dass ich nicht mehr dort wohne. - Dies sind alltägliche Geschichten, von denen ich hunderte erzählen könnte, mit denen Zwangsverarmte in diesem Land täglich zu tun haben.
Nun wartet also die Zwangsvollstreckung auf mich. Eigentlich müsste ich kommende Woche zwar wieder diverse Arzt- und Krankenhaustermine wahrnehmen, aber darauf verzichte ich wohl lieber, damit die üblen Gesellen mir nicht die Tür aufbrechen und in meiner kleinen Wohnung nach Goldschätzen und Diamanten suchen. Und das alles nur, weil die korrupte Politbande eine auch rückwirkend zu zahlende Zwangsgebühr eingeführt hat, die auch Menschen betrifft, die seit vielen (!) Jahren vom "öffentlich-rechtlichen" Verdummungsfunk abgemeldet waren.
Vor zehn Jahren lebte ich noch im schicken Einfamilienhaus, fuhr einen albernen BMW und erzielte durch völlig lächerliche Tätigkeiten im Borgwürfel ein an heutigen Maßstäben gemessen fürstliches Einkommen. Geblieben ist mir davon seit meiner Erkrankung nichts - die staatliche Zwangsverarmung hat auf ganzer Linie zugeschlagen und mich ohne Umschweife zunächst alles "Überflüssige" verkaufen lassen und mir sodann auf direktem Weg die Daumenschrauben des Hartz-Terrors angelegt. Wer krank wird in diesem grauenhaften System, muss sich wahrlich sehr warm anziehen.
Ich behalte es mir vor, die Untergrenze meiner persönlichen Würde selbst zu bestimmen - und sofern die Krankheit den Job nicht erledigt, werde ich selbstbestimmt den Abgang wählen, bevor ich obdachlos werde oder mich wegen lächerlicher 700 Euro für einen geldstrotzenden Verein im Knast wiederfinde, der sich Millionengehälter für debile Figuren wie Gottschalk oder Jauch - oder noch weitaus horrendere Summen für die Übertragungsrechte für noch dämlichere Fußballspiele - leistet und mit dem ich nichts zu tun habe.
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Das letzte Bad
(Lithografie von Honoré Daumier [1808-1879], aus der Serie "Sentiments et passions", in: "Le Charivari", 1840)
Die Systempresse wird nicht müde, ihrem Auftrag nachzukommen. Während aktuell aus allen Rohren wieder einmal die sensationell gesunkenen Arbeitslosenzahlen gepriesen werden (ich verlinke den Schmonzes nicht, der lächerliche Tenor ist sowieso allenthalben derselbe und wiederholt sich in regelmäßigen Abständen immer wieder), kann man immer mal wieder auch alarmistische Berichte über die bedrohlich zunehmende Armut im Lande lesen, wie das jüngst mal wieder bei Zeit Online der Fall war:
Aus Mietern werden arme Rentner / Während die Vermögen der Reichen wachsen, können viele Deutsche kaum genug Geld fürs Alter zurücklegen. Diese Grafiken zeigen, warum.
Der Titel könnte indes irreführender kaum sein, denn selbstverständlich ergehen sich derlei Berichte regelmäßig in aufgehübschter Symptombeschreibung, blenden aber die offensichtlichen, nämlich systemischen Ursachen konsequent aus. Die Frage nach dem "Warum" wird hier gerade nicht geklärt, ganz im Gegenteil - es wird nach Kräften verschleiert und von den eigentlichen Ursachen abgelenkt. Zudem arbeitet auch dieser Text samt seinen "erklärenden" Grafiken mit massiv geschönten Zahlen, die keine Auskunft über die tatsächliche Armut im Lande geben. Wenn dort beispielsweise von einem "mittleren Einkommen" von 3.000 Euro (brutto) ausgegangen wird, das "Mieter" betreffe, geht das nicht nur knapp an der Realität vorbei, sondern hat mit dieser schlichtweg nichts zu tun. Die Millionen der vom staatlichen Terror bis aufs letzte Hemd Verarmten in diesem verkommenen Land schleckten sich alle zehn Finger nach einem so fürstlichen Einkommen und dächten dabei noch nicht einmal sekundenweise an eine groteske "private Altersvorsorge", die ohnehin vornehmlich den längst aus allen Nähten platzenden Konzernen Profite einbringt.
Mieter ist nicht gleich Mieter, und Eigentümer sind keineswegs allesamt furchtbar reich. Solch schlichte Erkenntnisse finden indes nicht statt in den Redaktionen des Irrsinns.
In diesen kapitalistischen Medien werden wir niemals lesen, dass die Verarmung immer größerer Teile der Bevölkerung einerseits systemimmanent und andererseits von den korrupten politischen Parteien gewollt ist - die "Agenda 2010" war ja kein Versehen, sondern ist bis heute das erklärte und von eben jenen Medien wohlwollend begleitete Erfolgsmodell dieser schmierigen Bande. Natürlich werden Superreiche in diesem System immer reicher - das ist das Konzept des Kapitalismus. Und selbstverständlich werden dadurch alle anderen Menschen - nämlich die überwältigende Mehrheit - immer ärmer, und die Ärmsten und Schwächsten trifft es stets zuerst. Wie sollte ein derartig perverses Konzept denn auch anders funktionieren?
Das Wort "funktionieren" ist in diesem Zusammenhang allerdings ebenfalls irreführend, denn dieses System funktioniert ja gerade nicht - jedenfalls nicht auf Dauer. Die Geschichte der Menschheit legt ein beredtes Beispiel dafür ab. Es wird mir ewig ein Rätsel bleiben, wieso es heute immer noch - und nicht wenige - Menschen gibt, die tatsächlich der Meinung sind, man müsse lediglich hier und da an gewissen Stellschrauben drehen und das System "regulieren", dann wäre alles im Lot. Exakt in dieses absurde Horn trötet auch die Autorin des verlinkten Zeit-Artikels. Das mutet an wie ein albtraumhaftes Szenario, in dem die Menschheit in einer finsteren Welt voller Vampire gefangen ist, und die "bürgerliche" Presse empfiehlt zur Gegenwehr, den "fehlgeleiteten" Blutsaugern einfach zu verbieten, zuviel Blut zu trinken. Sie dürfen freilich weitermachen - aber eben nicht mehr ganz so exzessiv. Dass nebenher die Politik sowieso das Gegenteil umsetzt und sich selber im völligen Blutrausch befindet, versteht sich in dieser kafkaesken Welt fast schon von selbst.
Die zunehmende Armut im Land und global ist systemgemacht, gewollt und geplant. Der Tag, an dem diese schlichte Erkenntnis endlich flächendeckend begriffen wird, wird der Tag sein, ab dem sich endlich etwas zum Positiven verändern könnte. Leider ist er heute ferner als je zuvor und die dumpfe Masse stochert lieber wieder im braunen, stinkenden Sumpf.
Die Press(e)wurst der kapitalistischen Propaganda ist hieran einmal mehr gewiss nicht unschuldig.
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Gewöhnliches an Sonntagen um zwei Uhr
(Farbradierung von Robert Dighton [1752-1814] aus dem Jahr 1787, Verbleib unbekannt)
Hello darkness, my old friend
I've come to talk with you again
Because a vision softly creeping
Left its seeds while I was sleeping
And the vision that was planted in my brain
Still remains
Within the sound of silence
In restless dreams I walked alone
Narrow streets of cobblestone
'Neath the halo of a streetlamp
I turned my collar to the cold and damp
When my eyes were stabbed by the flash of a neon light
That split the night
And touched the sound of silence
And in the naked light I saw
Ten thousand people, maybe more
People talking without speaking
People hearing without listening
People writing songs that voices never share
No-one dare
Disturb the sound of silence
“Fools” said I, “You do not know
Silence like a cancer growth
Hear my words that I might teach you
Take my arms that I might reach you”
But my words like silent raindrops fell
And echoed in
The wells of silence
And the people bowed and prayed
To the neon god they made
And the sign flashed out its warning
In the words that it was forming
And the sign said “The words of the prophets
Are written on the subway walls
And tenement halls
And whispered in the sounds of silence”
Anmerkung: Man kann zu diesem alten Song stehen wie man will - mir jedenfalls gefällt diese Version der amerikanischen Metal-Band Disturbed ausgesprochen gut. Ich hätte viel lieber das intensivere offizielle Video anstelle des TV-Auftritts bei diesem lächerlichen Schlips-Kasper hier eingebettet, was aber aus den bekannten Copyright-Bullshit-Gründen nicht geht. - Es versteht sich von selbst, dass ein Klassiker wie dieser in den letzten 50 Jahren von unzähligen MusikerInnen auf verschiedenste Weisen gecovert wurde. Es lohnt sich, im Netz danach zu suchen und die unterschiedlichen Ansätze miteinander zu vergleichen - auch wenn die Auswahl dort leider recht begrenzt ist und es auch viele belanglose Plagiate ohne eigene Interpretationsansätze gibt.
Als besonderer Service für den Kiezneurotiker sei noch explizit darauf hingewiesen, dass es selbstverständlich auch eine weichgespülte Prenzlauer-Berg-Version dieses Liedes von "Gregorian" gibt. ;-) - Die machen vor nichts halt.
1. Wer ein Mobiltelefon besitzt, werfe es weg. Es hat ein Leben vor diesem Gerät gegeben, und die Spezies wird auch weiter existieren, wenn es wieder verschwunden ist. Der abergläubischen Verehrung, die ihm zuteil wird, sollte man nichts abgewinnen. Smart sind nicht diese Geräte oder die sie benutzen, sondern die sie uns anpreisen, um unermessliche Reichtümer anzuhäufen und gewöhnliche Menschen zu kontrollieren.
2. Wer immer einem ein kostenloses Angebot macht, ist verdächtig. Man sollte unbedingt alles ausschlagen, was sich als Schnäppchen, Prämie oder Gratisgeschenk ausgibt. Das ist immer gelogen. Der Betrogene zahlt mit seinem Privatleben, mit seinen Daten und oft genug mit seinem Geld.
3. Online-Banking ist ein Segen, aber nur für Geheimdienste und für Kriminelle.
4. Regierungen und Industrien möchten das Bargeld abschaffen. Ein gesetzliches Zahlungsmittel, das jeder einlösen kann, soll es nicht mehr geben. Münzen und Scheine sind Banken, Händlern, Sicherheitsbehörden und Finanzämtern lästig. Plastikkarten sind nicht nur billiger herzustellen. Sie sind auch unseren Aufpassern lieber, denn sie erlauben es, jede beliebige Transaktion zurückzuverfolgen. Deshalb tut jeder gut daran, Kredit-, Debit- und Kundenkarten zu meiden. Diese ständigen Begleiter sind lästig und gefährlich.
5. Dem Aberwitz, alle denkbaren Gebrauchsgegenstände, von der Zahnbürste bis zum Fernseher, vom Auto bis zum Kühlschrank über das Internet zu vernetzen, ist nur mit einem totalen Boykott zu begegnen. An den Datenschutz den mindesten Gedanken zu wenden fällt ihren Herstellern nicht im Traum ein. Der einzige Körperteil, an dem sie verwundbar sind, ist ihr Konto. Sie sind nur durch die Pleite zu belehren.
6. Ähnliches gilt für die Politiker. Alles, was man gegen ihr Tun und Lassen einwendet, ignorieren sie. Den Finanzmärkten begegnen sie unterwürfig, und gegen das Treiben der Geheimdienste vorzugehen, wagen sie nicht. Interessiert sind sie jedoch daran, wiedergewählt zu werden. Solange das Wahlrecht noch existiert, sollte man ihnen die Stimme verweigern, wenn sie die digitale Enteignung dulden, statt gegen sie vorzugehen.
7. E-Mail, zu deutsch Strompost, ist schön, schnell und kostenlos. Also Vorsicht! Wer eine vertrauliche Botschaft hat oder nicht überwacht werden möchte, nehme eine Postkarte und einen Bleistift zur Hand. Handschrift ist von Automaten schwer zu lesen. Niemand vermutet auf einer Ansichtskarte, die 45 Cent kostet, wichtige Nachrichten. Man braucht also nicht zu einem toten Briefkasten zu greifen, wie er in altmodischen Spionageromanen vorkommt.
8. Waren oder Dienstleistungen via Internet sollte man meiden. Anbieter wie Amazon, Ebay und so weiter speichern alle Daten und belästigen ihre Kunden mit Reklamemüll. Anonymer Einkauf ist besser. Einzelne Adressen, die man gut kennt, können als Ausnahmen durchgehen.
9. Die großen Internetkonzerne finanzieren sich, ebenso wie das sogenannte Privatfernsehen, hauptsächlich durch Reklame. Damit stehlen sie ihren Kunden Zeit und Aufmerksamkeit. Wer einen, in welcher Form auch immer, andauernd anbrüllt oder belästigt, den sollte man abstrafen. Auf alle Angebote, die auf diese Weise vermarktet werden, zu verzichten ist empfehlenswert, ebenso wie Sender, die einen durch Werbung terrorisieren, ein für alle Mal abzuschalten. Das ist nicht nur aus hygienischen Gründen ratsam. Bekanntlich arbeiten besonders amerikanische Großkonzerne eng mit den Geheimdiensten zusammen, um möglichst jede menschliche Regung auszuspähen und zu kontrollieren.
10. Netzwerke wie Facebook nennen sich "sozial", obwohl sie ihren Ehrgeiz daransetzen, ihre Kundschaft so asozial wie möglich zu behandeln. Wer solche Freunde haben will, dem ist nicht zu helfen. Wer bereits das Unglück hat, einem solchen Unternehmen anzugehören, der ergreife so schnell wie möglich die Flucht. Das ist gar nicht so einfach. Was ein Krake einmal erbeutet hat, gibt er nie wieder freiwillig her.
(...)
Der Schlaf der Vernunft wird bis zu dem Tag anhalten, an dem eine Mehrheit der Einwohner unseres Landes am eigenen Leib erfährt, was ihnen widerfahren ist. Vielleicht werden sie sich dann die Augen reiben und fragen, warum sie die Zeit, zu der Gegenwehr noch möglich gewesen wäre, verschlafen haben.
Vor einigen Tagen bin ich auf meiner Flucht vor dem wild um sich greifenden Fußball-Stumpfsinn bei n-tv auf ein hübsches Kleinod gestoßen, das ich zuerst für einen brachialen Aprilscherz und sodann für einen Bericht aus irgendeiner Hochburg der IS- oder US-Terror-Miliz gehalten habe. Dort ist nämlich zu lesen:
"Im Interesse gesunder Entwicklung" / Kinder klagen gegen "Safer Sex"-Kampagne
Es ist gewiss nichts Neues, dass sich die muffige Prüderie auch im "freiheitlichen Westen" seit geraumer Zeit ihren Weg zurück in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts bombt; aber dass inzwischen schon "Vier- bis Siebzehnjährige" bzw. deren Eltern mitten in Europa gegen vermeintliche "staatliche Sexvideos" klagen, die lediglich vor Geschlechtskrankheiten warnen, schraubt die Eskalation der Absurditäten auf eine neue Stufe. Lest euch den kurzen Text ruhig in Gänze durch und zählt dabei mit, wie oft ihr euch an die Stirn fasst oder selbige an die Wand knallt. Da ist allen Ernstes von "promiskuitive[m] Verhalten, welches eine der Hauptursachen für kaputte Familienbeziehungen und sexuell übertragbare Krankheiten" sei, die Rede. Laut der die KlägerInnen unterstützenden christlichen [sic!] Stiftung Zukunft Schweiz gibt es ergo nur ein probates Mittel gegen Geschlechtskrankheiten und "Promiskuität" - nämlich die völlige Enthaltsamkeit.
Demnächst können wir sicherlich die ersten Reklameanzeigen lesen, die das moderne Pendant zum mittelalterlichen Keuschheitsgürtel anpreisen: Ein "Wearable" beispielsweise, das besorgte Eltern ohne Zeitverzögerung darüber informiert, ob der pubertierende Nachwuchs gerade masturbiert oder - der Teufel muss schuld sein an diesem Höllenpfuhl - gar sexuelle Erfahrungen mit einem anderen Menschen macht.
Selbstverständlich ist auch diese absurde Entwicklung, wie alles in Kapitalistan, höchst bigott. Parallel zur zunehmenden vordergründigen Prüderie findet seit langem und für alle sichtbar eine völlige Enthemmung und Sexualisierung des gesamten Lebens statt - nicht nur in der Reklamepest oder der "Schattenwelt" der Pornografie. Dabei ist es völlig egal, ob es sich beispielsweise um hochchristliche SoldatInnen aus den prüden USA handelt, die in geheimen Folterlagern sexualisierte, sadistische Praktiken an illegal Inhaftierten durchführen und diese Untaten auch noch fotografieren, oder um islamistische "Kämpfer", die "feindliche" Frauen und Männer vergewaltigen und sogar in Zwangsbordelle für die "Kameraden" verfrachten. Die hochchristlichen Sekten, deren Mitglieder ihren Kindern regelmäßig mit Ruten und Stöcken den nackten Arsch und damit auch die Seele malträtieren, gehören ebenso dazu wie die nicht-christlichen Gurus, die ihre Schäfchen in schöner Regelmäßigkeit aufs Übelste sexuell ausbeuten.
Die vorgeblich wachsende Prüderie im Spätkapitalismus ist - wie in diesem untergehenden System üblich - nichts anderes als ein aufgebauschtes Feigenblatt für die Medienöffentlichkeit, das von interessierten, oft religiotischen Kreisen genutzt wird, um die tatsächlich fortschreitende Pervertierung alles Sexuellen zu vertuschen. Es ist kein Zufall, dass gerade aus den Reihen derjenigen, die am lautesten nach sexueller Enthaltsamkeit brüllen, immer wieder die schlimmsten Sexualstraftaten bekannt werden - und damit meine ich gewiss nicht bloß katholische Priester und Nonnen oder islamistische Fanatiker.
Die abgrundtiefe Verlogenheit in Bezug auf Sexualität, Prüderie und Freizügigkeit ist Legion auf diesem Planeten.
Mein guter Freund und intellektueller Minderleister Roland Faulfuß hat schon wieder zugeschlagen und im Wecker-Blog "Jenseits der Realität" einen Text über die anstehende Revolution das "Vater unser" veröffentlicht. Ja, der Mann schreibt allen Ernstes über dieses christliche, stumpfsinnige Gebet aus einer archaischen Zeit, in der die Erde noch eine flache Scheibe und überhaupt der Mittelpunkt des Universums war.
Das ist schon lustig genug - Faulfuß betätigt sich hier aber gleich als - freilich gänzlich inkompetenter - Literaturwissenschaftler und versucht mit der Hilfe eines halbseidenen Eso-Spinners namens Neil Douglas-Klotz, den ohnehin bescheuerten Text dieses Gebetes in den "Urtext" zurückzuführen. Jener Bekloppte - Douglas-Klotz - hat Bücher wie "Das Vaterunser: Meditationen und Körperübungen zum kosmischen Jesusgebet" oder "Segen aus dem Kosmos. Die schönsten Worte Jesu" herausgehauen, die jeden halbwegs vernunftbegabten Menschen schon durch ihre Titel in schreiende Agonie stürzen.
Das reicht dem Religioten Faulfuß aber noch nicht - er wiederholt allen Ernstes die völlig sinnfreie Argumentation dieses offensichtlich Irren, indem er behauptet, es gebe ein in aramäischer Sprache verfasstes "Original" dieses Gebetes, das aufgrund diverser Übersetzungen heute gänzlich verfälscht sei. Einerseits ist das eine wissenschaftlich nicht haltbare Behauptung - schon ein schnöder Blick zu Wikipedia hilft da weiter (einen Besuch in einer entsprechend gut sortierten Bibliothek ersetzt das freilich nicht):
Manchmal wird diskutiert, ob Teile des Neuen Testaments ursprünglich in Aramäisch verfasst seien, der Sprache Jesu und der ersten Christen. Es gibt für solche Annahmen jedoch keine antiken Textzeugnisse; alle neutestamentlichen Handschriften, auch die ältesten, sind in griechischer Sprache verfasst.
Andererseits bleibt diese Argumentation aber sowieso redundant, da es sich hier - selbst wenn es diese ominösen Textdokumente in aramäischer Sprache gäbe - lediglich um nacherzählte Floskeln handelte, die viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte nach dem angeblichen Leben Jesu niedergeschrieben wurden. Auch diese "Textquelle" - die es, wie gesagt, gar nicht gibt - wäre demnach nichts weiter als bloßes Hörensagen.
Auch die generelle Problematik, die bei übersetzten Texten stets auftritt, wird hier nicht erwähnt - ganz zu schweigen von den zeitbezogenen, gesellschaftlichen Besonderheiten der jeweiligen Epoche. Ich will das an einem Beispiel illustrieren: Faulfuß argumentiert hier wie ein geistig Verwirrter im Jahr 4000, der die Texte eines John Lennon aus dem Jahr 1969 bewerten will, die von einem "Jünger" 200 Jahre später nach "mündlicher Überlieferung" in französischer Sprache niedergeschrieben und im Verlaufe der Jahrhunderte erst ins Russische, dann ins Chinesische und schließlich wieder ins Englische übersetzt wurden. Wer meint, er könne angesichts einer solchen Ausgangslage nach 2000 Jahren auch nur rudimentär auf den Ausgangstext schließen, ist komplett irre und muss ein esoterischer Spinner sein.
Das ficht Faulfuß aber alles nicht an - hier sind schließlich keine Fakten gefragt und Wissenschaft ist in diesen Kreisen sowieso Ketzerei. Es geht um Glauben, nicht um Wissen. Und so versteigt sich der "hochsensible" Verrückte zu solchen Formulierungen (ich zitiere wörtlich, also inklusive aller Schreib- und Interpunktionsfehler):
Das aramäische Vaterunser entführt uns in eine erstaunlich frische wirkende, unverstaubte Welt mystischer und undogmatischer Spiritualität. Es führt uns in die Nähe und zielt auf die Vereinigung mit einer liebenden, allgegenwärtigen Gottheit. (...) Ich mache auch darauf aufmerksam, dass das aramäische Vaterunser einen aussergewöhnlich schönen Klang hat. Es anzuhören und nachzusprechen versetzte mich in eine "gehobene" Stimmung, ähnlich eine sanfte Trance. Nicht alle Worte, nicht einmal alle Mantras, hatten auf mich eine solche Wirkung.
Dies sei als Warnung an alle gedacht, die sich mit religiotischem Irrsinn zu befassen gedenken: Man kann sich auch gleich ein dickes Loch in die Schädeldecke bohren und beherzt einen Sahnequirl aufsetzen, der das Gehirn ordentlich vermatscht - die liebende, allgegenwärtige, heute natürlich korrekt gegenderte "Gottheit" wird sich dann gewiss von selbst einstellen.
(Draconian: "Stellar Tombs", aus dem Album "Sovran", 2015)
A place where daylight aches
It's all unreal to you
A sunset calls me here
I swear to love it's true
So alien this vaulted screen
And patterns form into contours
The dark around me as dense as matter
A stellar quake fills the astral space
How dare you not to see?
My tears are gifts to you
A heart you must set free
How dare you not believe?
"Became I freeze in the warmth, in the glow of Helios -
Sweat in the heart of summers drained
And radiant life to falter and beautiful tears to dry:
I’m gracefully bowing ... in horror"
Waterless like the ocean –
Drizzling like the deserts;
Come emerge and wallow!
Pretend like nothing at all
Along the whirlwinds in your head
A place where daylight aches
It’s all unreal to you
A world we must set free
I swear to love it’s true
Petrified spirit, dilated stare
I’m piercing through these icy shackles
Somehow cast around this nebula
Unwilling to enter my birth
"Would you take my hand and follow through the ether?
Would you sweat and dance in winter's bloom?
For radiant life to falter and beautiful tears to dry:
I'm gracefully bowing ... in sorrow"
Waterless like the ocean –
Drizzling like the deserts;
Come emerge and wallow!
Pretend like nothing at all
Along the whirlwinds in your head
Along the whirlwinds in your head
(Frailty and strength marry and dissolve
And the sky fills up with poetry and song ...
Into the soothing black we go.)
Heute möchte ich einmal mehr auf ein Buch aufmerksam machen, das mich seinerzeit sehr beeindruckt hat und dessen bittere Thematik im Jahr 2016 aktueller ist denn je. Ben Bovas Roman "Die Kolonie" aus dem Jahr 1978 beschreibt eine Zeit in der nahen Zukunft, deren Probleme uns heute allzu bekannt vorkommen dürften. Der Einfachheit halber zitiere ich wieder aus dem Klappentext:
"Die Erdölvorkommen des Planeten sind erschöpft. Die Staaten der Erde sind völlig von der Energieversorgung aus dem Orbit abhängig: Eiland Eins, eine künstliche Insel in einem der Librationspunkte des Erde-Mond-Systems, betreibt die Sonnenkraftwerke und schickt Tag und Nacht über Mikrowellensender die unentbehrliche Energie zur Erde.
Doch Eiland Eins ist gleichzeitig eine Kolonie für Zehntausende von Siedlern, die der Hölle der überbevölkerten Erde entronnen sind, auf der sich eine schwache Weltregierung und separatistische Nationalisten erbittert bekriegen.
Und eine Gruppe von multinationalen Konzernen, denen die Weltregierung mit ihren Kontrollen [Neusprech: "Regulierungen"] längst ein Dorn im Auge ist, schürt die Konflikte durch Waffenlieferungen und meteorologische und ökologische Anschläge, durch die ganze Landstriche verwüstet werden.
David Adams, auf Eiland Eins geboren und aufgewachsen, ist als Mensch ein genetisches Experiment und darf die Raumstation nicht verlassen. Dennoch flieht er zur Erde und lernt das dortige harte Leben aus eigener Anschauung kennen. Er begreift, dass Eiland Eins der Schlüssel ist - nicht nur zur Macht, das haben die Multis längst begriffen, sondern auch zum Frieden. - Und er hat einen Plan ..."
Bova, der später - vermutlich aus schnöden Broterwerbsgründen - auch manch redundantes Zeug veröffentlicht hat, ist mit diesem Roman ein kleines Meisterwerk gelungen, das gerade heute wieder massenhaft LeserInnen verdiente.
Dem Roman ist ein Zitat des ehemaligen Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Sithu U Thant, aus dem Jahr 1969 vorangestellt:
Ich will die Zustände nicht dramatisieren. Aber nach den Informationen, die mir als Generalsekretär der Vereinten Nationen zugehen, haben nach meiner Einschätzung die Mitglieder dieses Gremiums noch etwa ein Jahrzehnt zur Verfügung, ihre alten Streitigkeiten zu vergessen und eine weltweite Zusammenarbeit zu beginnen, um das Wettrüsten zu stoppen, den menschlichen Lebensraum zu verbessern, die Bevölkerungsexplosion niedrig zu halten und den notwendigen Impuls zur Entwicklung zu geben. Wenn eine solche weltweite Partnerschaft innerhalb der nächsten zehn Jahre nicht zustande kommt, so werden, fürchte ich, die erwähnten Probleme derartige Ausmaße erreicht haben, dass ihre Bewältigung menschliche Fähigkeiten übersteigt.
Wenn der Mann, der bereits 1974 verstarb, miterlebt hätte, was seit den siebziger Jahren auf diesem verkommenen Planeten - massiv verstärkt seit der Jahrtausendwende - geschehen ist, wäre er wohl auf der Stelle irre geworden. Es ist immerhin beachtlich, dass zumindest viele SF-Autoren - wie eben auch Bova - das nahende kapitalistische Fiasko des globalen Elends der großen Mehrheit ausführlich beschrieben und analysiert haben.
Man müsste das - gerade in der heutigen irren Glitzerwelt der kapitalistischen Endzeit - einfach nur lesen.
Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen ergeht, aber mich überkommt beim Lesen so mancher Nachricht aus unserer schauderhaften Horrorwelt nicht mehr nur ein Brechreiz, sondern ein unbändiger Zorn, den ich kaum kontrollieren kann. Vorgestern war das wieder einmal der Fall, als ich bei n-tv die schrille Meldung fand:
Ärzte zeigten der CIA, wie es "richtig" geht / Wie weit kann man gehen? Diese Frage haben Mediziner den Folterknechten des US-Geheimdienstes CIA in einer Richtlinie beantwortet.
Es geht hier um ärztliche Anweisungen, wie eine "freiheitlich-demokratische", "humane" Folterung von Menschen, die aus irgendwelchen Gründen irgendeinem - im Zweifel willkürlichen - Verdacht ausgesetzt sind, im "Land of the Free" abzulaufen hat. Die brutalen Schergen des "engsten Verbündeten Deutschlands" werden hier also von Ärzten [sic!] angeleitet, wie Folterungen durchzuführen seien - und zwar bis in kleinste Details hinein:
Ärzte, die dem sogenannten Office of Medical Staff (OMS) des CIA zugeordnet waren, empfahlen in den Richtlinien unter anderem, Häftlinge auf Hungerstreik rektal statt intravenös zwangszuernähren. Sie legten dar, dass zwar 1500 Kalorien am Tag für einen erwachsenen Mann die empfohlene Menge darstellten, dass aber auch 1000 Kalorien am Tag über Wochen hinaus ausreichen würden.
Wer das komplett nachlesen möchte, kann das hier tun (Vorsicht: Link geht zur Webseite der CIA).
Unseren amerikanischen Freunden ist der Humanismus eben sehr wichtig - jenseits des Atlantiks kümmern sich sogar Ärzte, die allesamt den hippokratischen Eid geschworen haben, um die menschenfreundliche Begleitung von zu folternden Verdächtigen. Möglicherweise hilft diesen Folteropfern die "Behandlung" durch die CIA ja sogar bei der Genesung und der Abkehr von ihrem Irrweg, der sie zu Verdächtigen hat werden lassen? Folter muss in den USA wohl als anerkannte medizinische Therapie gelten, wenn diese Ärzte sich nicht des Meineides schuldig machen möchten; und ein Verdacht ist dort offenbar gleichzusetzen mit einem Urteil: im Zweifel für die Folter.
Wir dürfen nun dreimal raten, wie die schmierige deutsche Politmischpoke der korrupten Einheitspartei auf diese Nachricht reagiert hat. - Richtig: Russland ist schuld, und nun folgt das Wetter und dann der obligatorische Krimi. - Und morgen wird zurückgeschossen.
Manchmal reicht es nicht mehr aus, einfach nur laut zu schreien. Manchmal müsste man sich die Pulsadern aufschneiden, wenn man halbwegs angemessen auf den Irrsinn reagieren möchte.
Der Begriff "Cyber" wird momentan wieder einmal inflationär - und meist von möglichst inkompetenten Personen - benutzt. Beispielsweise arbeitet Stahlhelm-Uschi eifrig am Aufbau einer "Cyberarmee", welche die "digitale Sicherheit Deutschlands" sicherstellen und im Bedarfsfalle auch "digitale Angriffe" ausführen soll. Jedem halbwegs mit der Materie vertrauten Menschen ist ohnehin klar, dass es sich hier um ein Nebelkerzenfeuerwerk handelt, in dem es vornehmlich um Pöstchen, Machtgerangel, Budgets und Theaterdonner für die mediale Aufbereitung handelt. Die glorreiche "Cyberarmee" der Bundeswehr stürzt schon jetzt ganze Bataillone von fiesen Hackerterroristen in pure Angstschweißbäder, in denen sie reihenweise ertrinken.
Kompetenz, Exzellenz und Effizienz sind schließlich einige der wichtigsten ENZ-Schlagworte der habgierigen Bande - und gewiss auch die ersten, an die man im Zusammenhang mit dieser Bagage denkt.
Der tolle Plan von der Leyens hat indes einen direkten Vorläufer: Vor genau fünf Jahren haben die korrupten Flitzpiepen unter Federführung der CSU-Hohlbirne Hans-Peter Friedrich das "Cyber-Abwehrzentrum" gekreißt, das seitdem mit sagenhaften zehn Mitarbeitern das gesamte Land vor terroristischen Angriffen aus dem "Darknet" - oder wahlweise von der dunklen Seite des Mondes - beschützt. Oder stimmt das am Ende gar nicht?
Der WDR-Blogger Peter Welchering hat zu diesem Thema einen hübschen Beitrag geschrieben, den ich hier eigentlich komplett zitieren müsste - da ich das aber nicht darf, beschränke ich mich auf kurze Auszüge:
Nicht umsonst urteilte der Bundesrechnungshof im Jahre 2014, das Abwehrzentrum würde seine Aufgaben nicht erfüllen. Die Kritik am Abwehrzentrum ist nicht verwunderlich. Es war ja von der Politik eigens so konstruiert worden, dass dieses Zentrum eines garantiert nicht kann: Cyberangriffe abwehren. / (...) Zersplitterte Zuständigkeiten, Eifersüchteleien unter Behördenchefs und Ministerien sowie weitgehend fehlende Sachkenntnis in der IT-Politik haben dazu geführt, dass das Nationale Cyber-Abwehrzentrum in den fünf Jahren seines Bestehens eine Fähigkeit nicht entwickelt hat: Cyberangriffe abzuwehren.
Der gesamte Text ist zur Lektüre empfohlen. - Hier studieren wir wieder einmal ein glänzendes Beispiel dafür, was die neoliberale Einheitspartei unter Kompetenz, Exzellenz und Effizienz versteht: Es ging und geht hier nicht um "Cyber-Abwehr" (allein dieses Wortkonstrukt ist eine plumpe Beleidigung jedes Primatengehirns), sondern um Macht, Geld und medial verbreitetes, lautes Tamtam, um die erwünschte Botschaft ins Land zu plärren: "Seht her - wir tun etwas gegen die bösen Terrorangriffe!"
Es gäbe hundert Möglichkeiten, gegen tatsächliche Bedrohungen effektiv, schnell, preiswert und vor allem möglichst lautlos [sic!] anzugehen - das "Cyber-Abwehrzentrum" gehört aber ebensowenig dazu wie die geplante, noch absurdere "Cyberarmee" der Bundeswehr. - Ich frage mich schon seit Jahrzehnten, ob diese in fast sämtlichen politischen Bereichen immer wiederkehrende Erkenntnis tatsächlich "nur" auf die völlige Inkompetenz der jeweiligen Politmarionetten zurückzuführen ist. Allmählich bildet sich eine ernüchternde Anwort heraus: Nö.
Alter Schlaf, wo hast du deine Söhne?
Junge, starke Söhne sollst du haben,
solche Kerle, die noch mehr vermögen
als bloß kommen und die Lampe löschen.
Einer soll zu meiner Angst sich legen,
einer sich auf meine Sehnsucht knieen,
feste Fäuste müssen beide haben,
dass die Nachbarn keine Schreie hören.
Was willst du in meine Augen streuen?
Sand? - Ich lache! - eine ganze Wüste
kann ich dir für solche Augen schenken,
die damit sich schon zufrieden geben.
Meine, weißt du, sind zwei Feuersäulen,
einmal wird der Himmel davon brennen!
Aber vorher möcht ich endlich schlafen.
Alter, Alter, hast du keine Söhne?
(Christine Lavant [1915-1973], in: "Die Bettlerschale. Gedichte", Otto Müller 1956)
Der hochseriöse, integere Chef des "Verfassungsschutzes", Hans-Georg Maaßen, hat während seiner Vernehmung im NSA-Untersuchungsausschuss sensationelle Erkenntnisse enthüllt, welche die westliche Welt in ihren Grundfesten erschüttern. Zunächst beklagte er bitterlich die "Behinderungen" der Behörde durch den Ausschuss, um sodann - laut Zeit Online - nachzulegen:
Maaßen zweifelte vor dem Ausschuss auch die Rolle von Edward Snowden an, der mit seinen Enthüllungen die NSA-Affäre ans Licht gebracht hatte. Der Ex-NSA-Mitarbeiter könnte nicht der selbstlose Whistleblower sein, der die überwältigende NSA-Spionage öffentlich machte, sagte er. Snowden könnte vielmehr im Dienste russischer Geheimdienste stehen. "Dies wäre eine Spionage-Operation verbunden mit einer Desinformations- und Einflussnahme-Operation", sagt Maaßen. "Ein Keil würde getrieben zwischen die USA und deren engste Verbündete, insbesondere Deutschland."
Snowden ist also laut Maaßen in Wahrheit ein russischer Spion, der selbstverständlich nichts Gutes im Schilde führen kann - ein Spaltpilz der besonders perfiden Art eben, der die "enge Partnerschaft" zwischen Deutschland und den USA bombardiert. Beweise - oder auch nur Indizien - für diese Behauptung besitzt der Herr Maaßen zwar nicht, aber solch schnöde Details benötigt ein solcher offensichtlich korrumpierter Mensch auch gar nicht. In seinem strahlenden Weltbild gilt: USA und "Verfassungsschutz" sind gut, daher müssen der Untersuchungsausschuss (auch wenn dieser selbstverständlich ein völlig harm- und zahnloser Tiger ist) und auch Snowden zwangsläufig böse sein. Das reicht in solchen Kreisen offenbar als Beweis.
Kafkas helle Freude
Es lässt sich zumindest erahnen, in welch einer abstrusen, völlig irrwitzigen Zeit wir leben, wenn eine kriminell agierende deutsche Behörde von einem irren Verschwörungstheoretiker geleitet wird, die im Geheimen mit einem nicht minder irren us-amerikanischen Regime samt ebenfalls kriminell agierenden Geheimbehörden kooperiert. Kafka hätte seine helle Freude - bzw. seinen schlimmsten Albtraum - in unserer Gegenwart. - Ob beim "Verfassungsschutz" inzwischen auch schon Aluhüte getragen und Jebsen-Videos konsumiert bzw. "ausgewertet" werden, ist mir leider nicht bekannt. Möglicherweise werden Schlussfolgerungen dort auch aus geworfenen Tierknochen, dem Kaffeesatz oder schwingenden Pendelbewegungen gezogen.
Auch architektonisch ein deutliches Sinnbild für das "freiheitlich-demokratische" Verständnis dieser Behörde: Das BfV in Köln. Eigentlich fehlen nur noch die Wachttürme.
Glaube, du Schaf
Seiner Treue zum "engsten Verbündeten" jenseits des Atlantiks verlieh der Verschwörungstheoretiker ebenfalls deutlich Ausdruck:
Maaßen sagte dazu, die an die USA weitergegebenen Daten zu deutschen Islamisten "durften und dürfen nicht zu militärischen Zwecken verwendet werden". Zudem reichten Handynummern nicht für die Lokalisierung von Personen aus. / Maaßen versicherte, dass der Verfassungsschutz die Daten von Bürgern keineswegs massiv und anlasslos ausspähe. Auch erklärte er, warum seine Behörde die Software XKeyscore des US-Geheimdienstes NSA zur Analyse von Daten in Deutschland nutzt: Die eigenen Möglichkeiten zur Datenanalyse reichten nicht.
Selbstverständlich präsentierte der Schlipsgewürgte auch hierzu keinerlei Belege - man muss das eben glauben, wie das in einem religiotischen System des kapitalistischen Irrsinns eben so üblich ist. Wenn die amerikanischen Freunde beteuern, dass keinerlei Daten aus Deutschland für widerwärtige, kriminelle, andauernde Drohnenmorde benutzt wurden und werden, ist das Beweis genug - und dasselbe gilt freilich für die Beteuerung Maaßens, dass es keine flächendeckende und anlasslose Ausspähung deutscher BürgerInnen durch den "Verfassungsschutz" gebe.
Schlafen Sie, es gibt hier nichts zu sehen
Es ist interessant zu beobachten, dass die gesamte Berichterstattung der Systempresse inzwischen bemüht ist, den "NSA-Skandal" - sofern er überhaupt noch medial stattfindet - als ein Vorkommnis der Vergangenheit darzustellen, so als sei die Totalüberwachung durch NSA, "Verfassungsschutz" und all die anderen in- und ausländischen Geheimbehörden längst eingestellt worden. Nirgends wird auch nur in einer Randbemerkung explizit erwähnt, dass das Prozedere unvermindert andauert und ungehemmt weiter ausgebaut wird.
Gehen wir doch einfach noch ein paarmal schlafen - dann wachen wir endlich in der schönen neuen Welt auf:
("Brazil", ein äußerst empfehlenswerter Film von Terry Gilliam, 1985. - Der Film wird sicher nicht lange bei youtube verfügbar sein - wer ihn sich anschauen möchte, sollte das schnell tun.)
In Jörg Schiebs WDR-Blog "Digitalistan" war kürzlich zu lesen:
Und plötzlich zeigt der Fernseher Werbung / Die Hersteller von Fernsehgeräten stecken ganz schön in der Klemme: In den letzten Jahren haben die meisten von uns schicke HD-Fernseher gekauft: flache Geräte, die eine Menge können. Mittlerweile ist jedoch eine Marktsättigung eingetreten – und neue Trends wie 3D oder 4K werden vom Kunden nicht angenommen. Der Kauf-Boom ist vorbei. Womit also Geld in die Kassen spülen? Mancher Hersteller kommt da auf abenteuerliche Ideen. Samsung zum Beispiel: Der Koreaner zeigt Werbung in seinen Geräten.
Gut, ich fragte mich beim Lesen verwundert, wer denn wohl mit den "meisten von uns" gemeint sein könnte, denn Erwerbslose, Armutsrentner, Kranke, Aufstocker oder prekär dahin vegetierende junge Menschen - also etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung - müssen selbstredend auf ein TV-Gerät dieser Preisklasse, das selbst im irrwitzigen "Sonderangebot" noch mehr kostet als das vierfache "Existenzminimum", verzichten - aber an diese Unnützen richtet sich der innovative Vorstoß der schlipsgewürgten Habgierigen auch gar nicht, denn wieso sollte man Verarmte auch mit dämlicher, zusätzlicher Reklame zumüllen. Das tut man doch lieber dort, wo zumindest noch ein wenig zu holen ist und sorgt auf diese Weise dafür, dass der unbedarfte, ausgebeutete Noch-Mittelschichtler selbst beim Anschauen einer DVD oder eines bezahlten - also eigentlich werbefreien - Streams in regelmäßigen Abständen mit "Verbraucherinformationen" versorgt wird, damit er nicht vergisst, wo er seine in der Sklavenarbeit sauer erworbenen Penunzen lassen soll.
Das ist ein richtig tolles Konzept: Wer tatsächlich so blöd ist, TV zu glotzen und dafür auch noch ein "smartes" [sic!] TV-Gerät zu benötigen glaubt, hat es nicht anders verdient, von den Arschgeigen der kapitalistischen Abzocker bis zum Zustand der Besinnungslosigkeit für dumm verkauft zu werden.
Die Reklamepest ist schon jetzt - natürlich nicht bloß im TV - längst nicht mehr erträglich; wir dürfen aber sicher sein, dass sie erst am Anfang ihres Siegeszuges steht, solange dieses grauenvolle System den Planeten zerstört. - Vielleicht könnte dem Herrn Schieb beizeiten noch jemand leise mitteilen, dass diese Geschäftsidee im Rahmen des Kapitalismus keineswegs "abenteuerlich", sondern vollkommen logisch und regelkonform ist - auch wenn der gute Mann das gewiss nicht verstehen wird bzw. darf, wenn er seinen fürstlich bezahlten Job als "Internetexperte" beim WDR behalten möchte.
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Fortschritt
"Um die unerhört gestiegenen Unterhaltskosten der Friedhöfe aufzubringen, dürfen von jetzt ab gegen entsprechende Gebühren an den Grabmälern Reklametafeln angebracht werden."
Anmerkung: Der Text dieses Songs ist irrelevant. Man genieße das Werk in brüllender Lautstärke - David Coverdales Stimme und Ritchie Blackmores Gitarrenspiel haben nicht umsonst Musikgeschichte geschrieben. Solche entwaffnend emotionale Musik, die den Blues ins totale Extrem treibt, gibt es in der weichgespülten Glitzerwelt heute nicht mehr. - Dasselbe gilt allerdings für die Frisuren. ;-)
Mir fällt momentan kein anderes Musikstück ein, das den ausgepressten, aussortierten Verlierern des kapitalistischen Systems noch besser aus der Seele spräche.
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...