Freitag, 13. Dezember 2013

Nein, wie überraschend: Armut wächst in Deutschland


Mehr Armut trotz mehr Beschäftigung / Trotz steigender Beschäftigtenzahlen hat sich die Zahl der von Armut bedrohten Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren erhöht. Das geht aus dem Datenreport 2013 hervor (...).

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Anmerkung: Die Zahlen dieses "Datenreports", die die Tagespropagandashow hier wie immer unreflektiert und vollkommen unkritisch wiedergibt, darf man getrost anzweifeln. Bereits die willkürlich gezogene Grenze, ab wann ein Mensch in Deutschland als arm gilt, ist eine Farce: Laut Tagespropagandashow gilt in dieser Statistik derjenige als arm oder "armutsgefährdet", der "weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung" hat. Dabei ist es offenbar unerheblich, wo in Deutschland und in welchem sozialen Beziehungsgeflecht jemand lebt. Es gibt nicht wenige Menschen in diesem korrupten Land, die mit weitaus weniger Geld monatlich auskommen müssen - beispielsweise alle jene alleinstehenden Hartz-Terror-Opfer, deren Miete unter 606 Euro monatlich liegt. Zum Existieren bleibt diesen Menschen nach Abzug der Miete und unabhängig vom Wohnort überall nur ein lächerlicher Betrag von 374 Euro.

Davon abgesehen ist es schon bezeichnend, dass die Verantwortlichen es trotz aller Versuche erneut nicht hinbekommen haben, die rapide zunehmende und sich verfestigende Armut in Deutschland in ihren geschönten und zurechtgebogenen "Zahlen" (die sich ohnehin auf 2011 beziehen und die fortlaufenden Fehlentwicklungen der letzten beiden Jahre gar nicht berücksichtigen) zu verstecken. Und selbstverständlich wird auch hier keine Beleuchtung der Ursachen vorgenommen - auch wenn es nur marginaler geistiger Leistungen bedarf, um hier einen kausalen Zusammenhang mit stagnierenden und sinkenden Löhnen, einer perversen, krakenartigen Ausweitung des "Niedriglohnsektors", dem zunehmendem Abbau von regulär entlohnten und gesicherten Arbeitsplätzen, dem Hartz-Terror und all den anderen bewusst und gewollt vorgenommenen sozialstaatlichen Zerstörungen der letzten Jahre herzustellen.

Gründe für die explodierende Armut interessieren die Tagespropagandashow aber gar nicht - man berichtet einfach darüber wie über die Lottozahlen oder ein Erdbeben auf der Insel Tuka-Tuka. Es ist eben so - gleichsam gottgegeben. Man fragt "Gott" in diesen Kreisen natürlich nicht nach den Gründen und kritisiert ihn erst recht nicht. Dasselbe gilt für das infantile Märchen vom "Beschäftigungszuwachs" - inzwischen weiß jeder, dass es hier vornehmlich um das wuchernde Krebsgeschwür des Niedrigstlohnes geht. Wenn es funktionstüchtige, zum Widerspruch bereite und fähige Gehirne in der Redaktion gäbe, müsste der Text eigentlich lauten: "Wegen der steigenden Beschäftigtenzahlen gerade im prekären Billigstlohnsektor hat sich die Zahl der von Armut bedrohten Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren erhöht."

Einem weiteren ihrer wesentlichen Ziele ist die neoliberale Bande laut jenem "Datenreport" ebenfalls ein ganzes Stück näher gekommen: "Die mittlere Lebenserwartung von Männern der niedrigen Einkommensgruppe liegt fast elf Jahre unter der von Männern der hohen Einkommensgruppe. Bei Frauen beträgt die Differenz rund acht Jahre." Da können die versammelten Schlips-Borg ordentlich stolz auf sich sein: Der Profit, den das möglichst früh versterbende Gesindel generiert, landet schließlich ohne große Umwege in den prall gefüllten Geldspeichern der "Elite". Kleinvieh macht auch Mist, nicht wahr?

Wollen wir wetten, dass das Merkelmonster und der Gauckler in den berüchtigten Weihnachts- bzw. Neujahrsansprachen in zwei, drei Wochen wieder salbungsvoll verkünden bzw. in die Kameras lügen werden, dass es "Deutschland gut geht"? Wieso fühlt sich die Mehrheit der BürgerInnen eigentlich nicht endlich bis auf die Knochen verarscht und schießt dieses willfährige Ausführungsgesindel der schmierigen "Elite" samt ihren widerwärtigen Auftraggebern zum Mond? --- Ich weiß, ich weiß: Ich kenne die Antwort.

Ich wünsche allen einen besinnlichen, friedlichen Advent.

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Die neue Notverordnung


"Der Reichs-Hund soll nicht verhungern, wir haben ihm noch mal ein Stück vom Schwanz abgeschnitten und füttern ihn damit!"

(Zeichnung von Olaf Gulbransson [1873-1958], in "Simplicissimus", Heft 12 vom 22.06.1931)

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Song des Tages: Dance Me To The End Of Love




(Leonard Cohen: "Dance Me To The End Of Love", aus dem Album "Various Positions", 1984)

Dance me to your beauty with a burning violin
Dance me through the panic till I'm gathered safely in
Lift me like an olive branch and be my homeward dove
Dance me to the end of love

Oh, let me see your beauty when the witnesses are gone
Let me feel you moving like they do in Babylon
Show me slowly what I only know the limits of
Dance me to the end of love

Dance me to the wedding now, dance me on and on
Dance me very tenderly and dance me very long
We're both of us beneath our love, we're both of us above
Dance me to the end of love

Dance me to the children who are asking to be born
Dance me through the curtains that our kisses have outworn
Raise a tent of shelter now, though every thread is torn
Dance me to the end of love

Dance me to your beauty with a burning violin
Dance me through the panic till I'm gathered safely in
Touch me with your naked hand or touch me with your glove
Dance me to the end of love.

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Anmerkung: Leonard Cohen sagte in einem Interview über diesen Song: "(...) that came from just hearing or reading or knowing that in the death camps, beside the crematoria, in certain of the death camps, a string quartet was pressed into performance while this horror was going on, those were the people whose fate was this horror also. And they would be playing classical music while their fellow prisoners were being killed and burnt. So, that music, 'Dance me to your beauty with a burning violin', meaning the beauty there of being the consummation of life, the end of this existence and of the passionate element in that consummation."

Mehr muss ich zu diesem Lied nicht schreiben - vielleicht mit Ausnahme des schnöden Hinweises, dass es sich bei dem verlinkten Video nicht um die Originalversion aus dem Jahr 1984 handelt, sondern um eine wesentlich intensivere Neuaufnahme, die Leonard Cohen vor noch nicht allzu langer Zeit eingespielt haben dürfte.

Montag, 9. Dezember 2013

Zitat des Tages: Die absurde Quatschveranstaltung


Der Kapitalismus mit seinem Drang nach und seinem Zwang zu mehr und mehr und immer mehr ist eine absurde Quatschveranstaltung, die die Majorität seiner Insassen in Stupidität und Armut schickt. Woher ich das habe? Aus dem berüchtigten Linksblatt Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Im Kapitalismus ist nicht immer Weihnachten, und schon gar nicht für alle, aber Weihnachten ist immer ganz besonders viel Kapitalismus. Zu keinem Anlass wird mehr sinnloses Zeug angeboten und gekauft, und das will etwas heißen, schöpft doch die Wachstumswirtschaft ihr Wachstum ohnehin vor allem daraus, dass sie in Menschen Wünsche nach Dingen weckt, von denen die zuvor noch gar nicht wussten, dass sie sie jemals hegen würden", benennt Harald Welzer den Dreh- und Angelpunkt der "spätkapitalistischen Absurditätskultur" (...).

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Anmerkung: Dieser Text ist ein wundervoller "Gärtner der Woche" zur rechten Zeit. Der völlig bescheuerte Weihnachtswahn hat seinen diesjährigen Zenit noch lange nicht erreicht, nervt mich aber bereits jetzt so dermaßen, dass ich es schlichtweg nicht mehr ertrage, diese grenzdebilen "Kauf mich!"-Befehle überall um mich herum, denen ich kaum mehr entgehen kann, auch nur zu sehen, ohne brutale und sehr unschöne Gewaltfantasien zu bekommen. Das ist zwar das ganze Jahr über nicht anders, nimmt jetzt aber doch noch extremere Formen an, die auch für halbwegs werberesistente Menschen mit rudimentär funktionstüchtigen Gehirnen eine üble Schmerzgrenze überschreiten.

Welche Auswirkungen mag dieser finstere Reklameterror wohl auf die bereits Verarmten in diesem Land haben, die - ganz egal ob sie den dahinter stehenden kapitalistischen Schwachsinn erkennen oder nicht - gar nicht mehr in der Lage sind, auch nur kleinste Teile dieses beworbenen Tands zu kaufen, selbst wenn sie es wollten? Diese Frage wird noch drängender, wenn man die Strategie dahinter erkennt, die da lautet: "Du kannst Deine Wertschätzung gegenüber Deinen Liebsten nur dadurch zeigen, indem Du ihnen an Weihnachten möglichst teure Geschenke machst!" Ebenso ist die Umkehrung gültig: "Wenn Du Deinen Liebsten keine oder nur billige (beispielsweise selbstgemachte) Geschenke machst, drückst Du damit Deine äußerste Geringschätzung aus."

Dieses kapitalistische Absurdistan ist unsere tagtägliche Realität, und sie wird gerade an Weihnachten so überdeutlich und ins Schrille überspitzt, dass es schon eines bösen Willens oder der totalen Verblödung bedarf, um es nicht erkennen zu wollen oder zu können. Trotzdem wirkt der eingeimpfte, perverse Mechanismus - auch bei mir - immer noch. Ich ertappe mich schon jetzt dabei, wie ich mir - trotz besseren Wissens - einige "Ausreden" zurechtlege, mit denen ich am 24.12. möglichst plausibel erklären kann, wieso ich so unverschämt bin und es wagen kann, bei der Familie ohne materielle Geschenkkörbe aufzukreuzen.

Was hat dieses furchtbare kapitalistische System bloß aus den Menschen gemacht? - Und ein Ende des Wahnsinns ist nicht einmal ansatzweise irgendwo absehbar, ganz im Gegenteil.

Der Text des Herrn Gärtner geht freilich noch viel tiefer und weiter und beschränkt sich nicht bloß auf das groteske, pseudo-weihnachtliche Jahresfest des Konsumismus - ich lege ihn Euch allen auch diesmal sehr nah ans Herz. Auch dieses Jahr müssen Millionen von Menschen mitten in Deutschland auch im Dezember mit weniger als 400 Euro auskommen und davon alles bezahlen - inklusive der "Festtage der Liebe". Die rauschenden Feste, überbordenden Schlemmermahle und wilden Geschenkorgien in den Armenwohnungen unserer Städte und Dörfer können wir uns alle hoffentlich halbwegs bunt ausmalen.

Mir geht angesichts dieses Werbeterrors und offensichtlich bei so vielen unsrer stumpfen ZeitgenossInnen noch immer wirkenden Kaufwahns nicht einmal mehr ein sarkastisches "Fröhliche Weihnachten!" von der Hand. 374 Euro abzüglich Strom, abzüglich Telefon/Internet, abzüglich Lebensmittel und was man eben so braucht im Monat zu einem "menschenwürdigen Leben" = Weihnachten 2013 für Millionen in Deutschland. Für "Fröhlichkeit" - in welcher Form auch immer - ist da kein Platz in einer kapitalistischen Gesellschaft.

Die "Krone der Schöpfung" ist wohl eher ein fieses, starkstromführendes Stachelhalsband ihrer selbst.


Freitag, 6. Dezember 2013

Mut zur Lüge: Wenn das rechte Gesindel tagt


Auf einer "Souveränitätskonferenz" mimen Rechtspopulisten eine Debatte über Familienpolitik. Tatsächlich übertreffen sich die Referenten aber nur gegenseitig mit kruden Thesen. Thilo Sarrazins Auftritt wirkt da fast schon harmlos.

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Anmerkung: Thilo Sarrazin mit steil emporgerecktem Zeigefinger vor einem schwarz-weiß-roten Hintergrund - das einführende Foto zu diesem n-tv-Artikel könnte plakativer kaum sein. Wenn man den Text allerdings komplett liest, wirkt der oben zitierte Teaser schon extrem unpassend, fast schon irreführend - denn was dort über Sarrazins Rede auf dieser ominösen Tagung berichtet wird, ist alles andere als "fast harmlos". Nur ein Beispiel von mehreren: Der SPD-Genosse mit tiefbraunem Anstrich versteigt sich beim Thema Migration und deutscher Sozialstaat laut n-tv zu der Aussage: "Kein Einwanderer soll in den ersten zehn Jahren seines Aufenthalts in Deutschland staatliche Hilfen bekommen - auch keine Sozialhilfe. Nichts."

Eine wahrlich "harmlose" Forderung, lieber n-tv-Autor Ehrich. Der Kleine mit dem Triefauge will sicher nur spielen und meint das alles gar nicht so ernst, oder wie sollen wir das sonst verstehen? Allein dieser eine Satz Sarrazins ist bereits ein eindeutig rassistischer, menschenfeindlicher, geradezu faschistoider Angriff auf das Grundgesetz, wie er selbst von derzeitigen NPD-Funktionären kaum öffentlich in die lädierte Welt gebrüllt wird. Es ist geradezu eine Wohltat, dass dieser Rassismus im Artikel im Anschluss zumindest inhaltlich bloßgestellt wird - allerdings ohne ihn tatsächlich beim Namen zu nennen.

Auch vermisse ich in diesem Text - wie immer in den Mainstreammedien - den Hinweis darauf, dass rechtspopulistisches, rassistisches Undenken längst Einzug gehalten hat in die Politik der neoliberalen Bande. Wie dieser Staat - egal ob unter Rot-Grün, Schwarz-Rot oder Schwarz-Gelb - beispielsweise mit Asylsuchenden umgeht, müsste jedem Bürger dieses Landes auf der Stelle die blanke Schamesröte ins Gesicht treiben oder ihn gleich vor Entsetzen erblassen lassen. Derlei Beispiele gibt es viele - im Blog "Hinter den Schlagzeilen" hat der Autor Holdger Platta dazu gerade wieder einen zweiteiligen, aufklärerischen Text veröffentlicht (hier und hier).

Solche Zusammenhänge verschweigt n-tv den Menschen in schöner Eintracht mit sämtlichen anderen Mainstreammedien konsequent - und führt statt dessen die offizielle Propaganda vom "freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat" fort, indem ein bizarres "Asyl-Paradies Deutschland" gezeichnet wird: "Wie ernst die Lage [für Schwule in Russland] ist, zeigt, dass die Bundesrepublik in diesem Jahr erstmals einem schwulen Russen Asyl in Deutschland gewährt hat." - Aha - na, dann ist ja alles in Ordnung in Deutschland und wir müssen bloß die wenigen verwirrten Rechtsextremen im Auge behalten, die zu solchen Tagungen anreisen, um die ebenso verwirrten, letztlich aber "harmlosen" Hetztiraden von Leuten wie Sarrazin und anderen zu hören - so lautet das offizielle Fazit der staatlich gestützten Propaganda. Der extreme, weiter fortschreitende und von interessierter Seite sehr gewollte Rechtsdrall des kompletten politischen Systems und gesellschaftlichen Bewusstseins in diesem Land wird medial weder thematisiert, noch überhaupt rudimentär wahrgenommen. Statt dessen wird sogar immer wieder von einer "Sozialdemokratisierung" gerade der Union schwadroniert - vermutlich solange, bis auch der letzte noch Selberdenkende das Schwarze für ein blendendes Weiß hält.

Was ist nun bizarrer: Eine krude Tagung mit 600 Besuchern in der Provinz, auf der widerwärtige, alte braune Reden geschwungen werden - oder ein kompletter, riesiger Medienapparat mit Millionen von Leser- und ZuschauerInnen, der zwar über jene 600-Besucher-Veranstaltung mehr oder weniger kritisch berichtet, nicht aber über ganz ähnliche Tendenzen und Entwicklungen im politischen und gesellschaftlichen Mainstream?

Für mich ist die Antwort eindeutig - und einmal mehr äußerst erschreckend. Der "Mut zur Lüge" ist nicht bloß in der Provinz weit verbreitet in diesem bis auf die Knochen verkommenen Staat.


(Zumindest an den Farben erkennen wir einmal mehr die Gesinnung.)

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Musik des Tages: Zero Zero




(Mike Batt: "Zero Zero", 1982)

Anmerkung: Dieses weitgehend unbekannte Rock-Pop-Musical von Mike Batt aus dem Jahr 1982 möchte ich wirklich jedem nahelegen. Es ist in mehrfacher Hinsicht völlig einzigartig: Mike Batt ist hier die - auch wenn es sich völlig unglaubwürdig anhört - musikalische Fusion von simpler Synthie-Pop-Musik der 80er Jahre mit der Rockmusik dieser Zeit und der avantgardistischen sinfonischen Musik der Postmoderne gelungen. Wahrscheinlich ist genau das auch der Grund für den kommerziellen Misserfolg dieses grandiosen Werkes. Ich werde jedenfalls seit so vielen Jahren nicht müde, es immer wieder anzuhören und gerade die krassen musikalischen Gegensätze, die hier brutal und ungefiltert aufeinander treffen, zu genießen. Es ist immer wieder ein Genuss, die einfachen Themen und Melodien der wenigen Pop-Songs in den oft langen Zwischensequenzen vom Orchester in wahnwitzigen, oft überraschenden Variationen wiederholt und interpretiert zu bekommen.

Dabei gibt es musikalisch immer wieder Neues zu entdecken, auch wenn die erzählte dystopische Geschichte vom grauenhaften, totalitären Überwachungsstaat, in dem alle menschlichen Emotionen als "psychische Krankheit" gelten, strikt verboten sind und bei Entdeckung operativ "behandelt" werden, auch schon 1982 so neu nicht war. Das Stück hat dennoch das Potenzial zum Jahrhundertwerk - und muss als gewichtiger Meilenstein der Musik betrachtet werden.

Dasselbe gilt für die grandiose filmische Umsetzung, die - wer weiß, wie lange noch - auf youtube frei verfügbar ist. Der Komponist war auch hier maßgeblich als Darsteller, Autor und Regisseur beteiligt. Schaut und hört euch das bitte an - es ist ganz, ganz große Kunst, die - wie das bedrückende, äußerst aktuelle Thema schon vermuten lässt - selbstredend kein Happy End hat.


Dienstag, 3. Dezember 2013

Kapitalismus und Kirche: Der Pope und seine "Kritik am Wirtschaftssystem"


Dieses Wirtschaftssystem tötet, sagte Papst Franziskus. Und das ist besonders für jene "christlichen" Parteien peinlich, die eben dieses Wirtschaftssystem beständig fördern und ausbauen. Aber was kann man tun, um das mörderische System durch ein besseres zu ersetzen?

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Anmerkung: Das Problem des "Schuldgeldes" ist ein zwar wichtiges, aber dennoch nur sekundäres Problem in der ganzen stinkenden Suhle des Kapitalismus. Selbst wenn man heute auf einen Schlag dieses Geldsystem samt dem Zins und Zinseszins abschaffte, bliebe die pervertierte Ungleichverteilung eben nicht nur von Finanzvermögen, sondern auch von Land-, Immobilien- und Produktionsstättenbesitz, von "Edelmetallen", teurer Kunst, Schmuck und vielem anderem Tand sowie natürlich auch die gegebenen Macht- und damit auch Korruptionsstrukturen unverändert erhalten.

Eine solche strukturelle, systemimmanente Dissonanz, wie sie der Kapitalismus logischer Weise in immer kleiner, dafür aber immer reicher werdenden Kreisen unausweichlich produziert, muss auch strukturell gelöst - also "harmonisiert" - werden. Und das geht nicht ohne eine strikte Enteignung der Superreichen und eine Rückführung ihres geraubten Reichtums (selbstredend inklusive aller Ländereien, Immobilien etc.) in den Besitz aller Menschen und eine ersatzlose Streichung sämtlicher Privilegien dieser ruchlosen Bande.

Anlässlich der dann fälligen Neu- bzw. Umverteilung des Reichtums an alle Menschen muss natürlich auch das Geld- und Bankensystem - ebenso wie das gesamte auf der Generierung von absurdem Profit basierende Wirtschaftssystem - in eine neue, der Menschheit und der Natur dienende, Form umgebaut werden.

Irgendeinen Gott braucht es dazu indes nicht - den barbarischen und rein menschlichen Teufel des Kapitalismus können und müssen wir Menschen ganz allein dahin jagen, wohin er bereits seit so vielen Jahrhunderten gehört: Hinab in die (heute noch immer überwältigend große) Abteilung der Menschheits-Bibliothek mit dem wunderbaren Namen "Grotesken, Verirrungen und furchtbare Verbrechen der menschlichen Geschichte". Dort finden dann hoffentlich sowohl der Kapitalismus, als auch die Religionen samt ihren Kirchen endlich ihre gemeinsame, ewige Ruhestätte. Requiescant in pace.

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Gut erzogen


Baronin: "Ihr Pfarrer, Frau Gräfin, hat aber eine gute Art, dem Volke das christliche Dulden zu predigen." — Gräfin: "Nur die Folge einer guten Erziehung, meine Liebe. Ich habe ihn, als er noch Hauslehrer bei uns war, immer bei den Bedienten schlafen lassen."

(Zeichnung von Hans Gabriel Jentzsch [1862-1930], in "Der Wahre Jacob", Nr. 365 vom 17.07.1900)

Samstag, 30. November 2013

Zitat des Tages: Verrat an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit


CDU/CSU-SPD, koalitionswillig und Helfershelfer der NSA. – Der Abhörskandal erregt die Gemüter, und in den Talkshows gehört es bereits zum guten Ton, sich über die US-amerikanische Interpretation von "Partners in Leadership" mit Deutschland zu empören sowie das Ende der deutsch-amerikanischen "Freundschaft" herbeizuschwadronieren. Doch Sie, die Hofschranzen der Unionsdynastie, lässt das kalt. Sie sind sich bereits über die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung einig; es gehe, so verlautet aus Ihren Verhandlungskreisen, nur noch um Details. Ihr schon einmal, nämlich von der vorigen schwarz-roten Koalition, beschlossenes Gesetz über verdachtsunabhängige, generelle Datenspeicherung war zwar vom Bundesverfassungsgericht am 2. März 2010 für nichtig erklärt worden. Sie haben daraus aber nichts gelernt. Sie konzipieren lediglich neue juristische Tricks, um das Vorhaben "gerichtsfest" zu machen und es doch noch durchzuziehen, allen ethischen, rechtlichen und politischen Bedenken zum Trotz. Amis und Briten freuen sich schon darauf, dass ihre Geheimdienste künftig unsere privaten Daten nicht nur individuell, sondern auch in vorsortierter und gebündelter Form werden abgreifen können. Das ist Ihnen freilich ebenso klar wie gleichgültig. Dummheit als mildernder Umstand entfällt, man muss von Niedertracht ausgehen. Die Perfidie, die Sie mit Ihrer Absprache demonstrieren, kennzeichnet Sie als Überzeugungstäter, die den Überwachungsstaat wollen und dafür Verrat an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit begehen.

(Anonymer Autor, in "Ossietzky", 23/2013)

Anmerkung: Eigentlich habe ich diesen prägnanten, wunderbaren Worten gar nichts hinzuzufügen - trotzdem möchte ich aber wenigstens der Vollständigkeit halber - freilich polemisch - darauf hinweisen, dass das Vorhandensein von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zwingend notwendig ist, um einen Verrat daran begehen zu können. Bei Lichte betrachtet tun SPD und Union auch mit diesem forcierten, irrsinnigen Versuch der Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung aber nichts anderes als das, was diese Parteien bereits seit vielen, vielen Jahren tun: Sie beseitigen kontinuierlich nach und nach sämtliche Reste der noch vorhandenen Ruinen der Demokratiesimulation. Der "Verrat an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit" ist das Programm - oder neudeutsch die "Agenda" - dieser Bande.

Und selbstverständlich sind diese Figuren Überzeugungstäter - auch wenn man das schöne Wort "Überzeugung" in diesem Falle etwas anders definieren muss, als es "normale" Menschen tun. "Überzeugung" bedeutet in diesem Zusammenhang schlicht: Machterhalt der eigenen Partei und fetter Profit auf dem eigenen Bankkonto. Wer von der Geld-"Elite" gekauft ist, ist selbstverständlich äußerst "überzeugt" davon, dass das, was er oder sie in deren Namen tut, das "Richtige" sei.

In diesen Kontext muss man auch das "Lernen" einordnen, das im obigen Text zur Sprache kommt: Selbstverständlich hat die neoliberale Bande aus der (aus ihrer verqueren Sicht) "Niederlage" vor dem Bundesverfassungsgericht "gelernt" - deshalb versucht sie es jetzt ja erneut. Es geht diesen korrupten Menschenfeinden nun klar ersichtlich nicht darum, verfassungskonform und damit für das Wohl aller BürgerInnen zu agieren, sondern es geht einzig darum, die von ihren AuftraggeberInnen vorgegebenen Ziele zu erreichen - welche Verrenkungen, Tricks, Lügen, Betrügereien oder Ausflüchte auch immer dazu nötig sein mögen.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie diese Bande es noch deutlicher machen könnte, dass sie natürlich den totalen Überwachungsstaat anstrebt. Was denn bitte sonst??? Der halbe Weg ist längst bewältigt - da wird sie doch nicht vorzeitig das Handtuch werfen, nur weil irgendein albernes Gericht kleine juristische Hürden (und keineswegs ein generelles Verbot) auf dem Restweg abgeladen hat. - Das "Panopticon" erwartet uns.


(Panopticon-Skizze "Fabrik oder Gefängnis" [sic!] von Jeremy Bentham, 1791)

Donnerstag, 28. November 2013

Song des Tages: The Day Before The War




(Asia: "The Day Before The War", aus dem Album "Arena", 1996)

Standing on the border, waiting on the line
Silence is a stranger in these troubled times
I recall a better place where I controlled my mind
We had no fears at all - the day before the war.

Our hands across the water, sun is in the east
Who will feed the famine after lions' feast?
In the name of Jesus, in the name of God?
You took it all in vain - the day before the war.

Standing on the border, waiting on the line
Feet in bloody water, deafened by the crime
I recall the beauty, young will never see
We had no fears at all - the day before the war.

Our hearts across the water, sun is in the east
Ships arrived this morning from the burning sea
Take away the glory, take away the pain
You were a friend of mine - the day before the war.


Die zunehmende Kriegslüsternheit der neoliberalen Bande


Seit Jahren schon gilt das Grundgesetz nichts mehr, wenn die deutsche Militärdoktrin amtlich definiert wird; der Begriff "Verteidigung" ist verwandelt in den einer "Sicherheitspolitik" out of area, die "nationale Interessen" kriegerisch durchsetzen soll. Die "Verteidigungspolitischen Richtlinien" von 2011 haben dies ungeniert beschrieben. Diese Bereitschaft zum "Waffengang" braucht ideologische Begleitung, Volksaufklärung auch durch Einsatz von Wissenschaftlern und Publizisten. Beispielhaft dafür sind Veröffentlichungen wie die des Zeit-Redakteurs Bernd Ulrich, der dem Publikum erklärte, "wofür Deutschland Krieg führen darf und muss"; oder neuerdings das historische "Grundlagenwerk" von Ian Morris: "Krieg – Wozu er gut ist", ein Renner aus dem Campus Verlag.

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Anmerkung: Wer gedacht hat, die bisherigen Kriegsbeteiligungen Deutschlands in fernen Ländern seien bereits der Zenit des Wahnsinns, wird dank dieses sehr lesenswerten Artikels von Arno Klönne eines Schlechteren belehrt: Wir stehen offensichtlich erst am Beginn eines langen, bösen Weges der militärischen Gewalt. Die neoliberale Bande arbeitet emsig und mit erheblichen Kapazitäten daran, einen möglichst permanenten Kriegszustand herbeizuführen, um dem Kapital "wirtschaftliche Zugangs-, Nutzungs- und Ausbeutungsrechte" weltweit zu gewährleisten und natürlich um der heimischen Kriegsindustrie das unvermeidliche, möglichst üppige Wachstum dauerhaft garantieren zu können. Was die USA schon seit so vielen Jahrzehnten vormachen, will die deutsche "Elite" nun auch endlich tun - selbstverständlich auch in Sachen Krieg.

Ehemalige Prinzipien wie "Nie wieder Krieg" oder, spezieller, "Nie wieder darf von deutschem Boden Krieg ausgehen" gelten nun offenbar endgültig offiziell als abgeschafft - die Generation der Menschen, die den Horror und Terror des Zweiten Weltkrieges noch am eigenen Leib erdulden musste, stirbt allmählich aus. Das Grundgesetz, das eine solche schreckliche Entwicklung gerade verhindern sollte und militärische Handlungen Deutschlands ausdrücklich einzig zum Zwecke der Selbstverteidigung im Angriffsfalle erlaubt, ist heute bedeutungslos - und das gilt bekanntlich nicht bloß für die widerlichen Militärfantasien der Bande. Seit der vorausschauenden Abschaffung der Wehrpflicht müssen die BefürworterInnen der Kriege auch nicht mehr damit rechnen, im Fall der Fälle selbst zum Morden und Sterben rekrutiert zu werden oder ihren Nachwuchs dieser Mordmaschinerie zu überlassen - so lässt es sich trefflich und völlig gefahrlos nach deutschen Kriegen in fernen Ländern rufen.

Ich finde keine angemessenen Worte dafür, um meinem Ekel und meiner Verachtung für diese widerliche Kriegslüsternheit und ihre UrheberInnen Ausdruck verleihen zu können. Der Gipfel des geschmacklosen, widerlichen Irrsinns ist aber noch die Begründung, die diese Bande für ihre steinzeitlichen Kriegsfantasien ganz unverblümt auf den Tisch legt: Kapitalinteressen sind der Grund - Kapitalinteressen! Sie versuchen nicht einmal mehr, irgendwelche anderen ("humanistischen", "demokratischen") Gründe vorzuschieben, so absurd sie auch sein mögen - nein, sie sagen klar und deutlich, dass es ihnen einzig um Geld geht. In den letzten Jahrhunderten war das freilich nie anders - aber dermaßen unverhohlen hat das meines Wissens bisher noch niemand in die Welt posaunt.

Wird es nun einen Aufschrei des Entsetzens und massiven Widerstand gegen diese widerwärtigen Pläne geben - zuerst in der Presse und danach in der Bevölkerung? Der Ossietzky-Autor meint dazu: "Eine breite Bereitwilligkeit, den Vorschlägen zur 'Neuvermessung der deutschen Weltpolitik' mediale Sympathie zuzuwenden, dürfte damit gesichert sein". Ich formuliere es etwas drastischer und prognostiziere: Die Kriegshetze in den Mainstreammedien wird weiter massiv zunehmen, mahnende Feigenblatt-Appelle werden die Ausnahme bleiben - und in nicht allzu ferner Zukunft wird auch die Mehrheit der Bevölkerung es ganz normal, alternativlos und womöglich gar richtig finden, dass die "Bundeswehr" im Verbund mit anderen "westlichen" Armeen mordend durch die (vorzugsweise bettelarme) Welt zieht.

Eine dann eigentlich notwendige Umbenennung der "Bundeswehr" - beispielsweise in "Bundesangriffstruppen" oder "Kriegsheer für deutsche Kapitalinteressen" - wird aber selbstverständlich ausbleiben. Man hat schließlich gelernt aus der Vergangenheit - wenn auch, wie immer, das völlig Falsche.

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Mors triumphator
[nach lat. "Mors Imperator" = "Tod, der Herrscher"]


Der größte Kriegsgewinnler bleibt steuerfrei.

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 7 vom 14.05.1918)

Mittwoch, 27. November 2013

Was die Überwachungsfetischisten der neoliberalen Bande mit uns vorhaben


Verschiedene Medien haben in der vergangenen Woche über ein Forderungspapier des Bundesinnenministeriums für die gerade laufenden Koalitionsverhandlungen berichtet. Darin findet sich eine Wunschliste für mehr Überwachung, angefangen bei den Mautdaten bis hin zur flächendeckenden Überwachung unserer gesamten Internetkommunikation. Da ist wohl unser Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich neidisch auf das, was die NSA und der GCHQ können und will auch unsere Leben mehr überwachen können.

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Anmerkung: netzpolitik.org hat die erwähnte "Wunschliste" des Ministeriums der Friedrich-Hohlbirne dankenswerter Weise ins Netz gestellt - das sollte sich wirklich jeder durchlesen, der in den vergangenen Wochen auch nur sekundenweise in Erwägung gezogen hat, dass diese widerliche Bande tatsächlich "überrascht" oder gar "empört" gewesen sei wegen der nun nicht mehr zu leugnenden Überwachungsorgien der gesamten Bevölkerung durch die so genannten "Five Eyes". Inzwischen ist es ja offensichtlich, dass diese Gestalten das nicht nur gewusst, sondern auch tatkräftig gefördert haben. Was ist das bloß für ein Volk, das solche Enthüllungen nicht zur Kenntnis nimmt und die Urheber dieser klaren Grundgesetzverletzungen nicht lautstark dahin befördert, wo der Pfeffer wächst?

Ich möchte Leute wie Merkel, Friedrich, gar den Spinner Uhl oder andere Ekelvisagen aus diesem faschistoiden Dunstkreis nun wirklich, wirklich nicht nackt sehen müssen - angesichts ihrer Taten müsste man aber genau das von ihnen fordern. Über die SPD, die sich mit dieser "Wunschliste" im Rahmen der noch laufenden "Koalitionsverhandlungen" mit den Schwesterparteien CDU und CSU auch noch "auseinandersetzen" muss, will ich in diesem Zusammenhang besser gar nicht erst nachdenken (Stichworte: "Gabriel", "Nahles" etc.). Ich weiß gar nicht, was ich schlimmer fände und was mehr prall gefüllte Kotztüten verursachen würde: Eine nackte neoliberale Bande - oder ein noch datengeilerer Staat als heute, der uns alle bis auf die Knochen durchleuchtet und alles fein säuberlich speichert. Beides wäre extrem ungesund und führte zu schlimmen Folgeerkrankungen.

Ich weiß, ich weiß - es ist billig und letztlich nicht weniger dämlich, auf die Äußerlichkeiten der genannten Marionetten so ausführlich einzugehen. Aber was bleibt denn sonst noch übrig? Die üblen, widerwärtigen Fakten liegen - frei für jedermann zugänglich - auf dem Tisch. Dennoch rührt sich nichts im Land. Offensichtlich können diese korrupten, menschenfeindlichen Figuren tun, was sie wollen - irgendeine Konsequenz hat das nicht. Welche Schlüsse soll man daraus also ziehen?

Ich weiß nicht mehr weiter - ich verstehe die Menschen in diesem Land nicht, und ich verstehe die kriminelle Bande in der Politik nicht - ich bin doch wahrlich nicht der einzige Mensch auf dieser Welt, der so etwas wie ein (soziales) Gewissen hat. Die Anlässe häufen sich, zu denen ich mich fast zwanghaft an den Film "Brazil" von Terry Gilliam erinnert fühle. Damals, 1985, war das eine satirische Dystopie, über die wir herzlich gelacht haben. Heute beschreibt dieser Film unsere anstehende, teilweise längst erreichte und von den pervertierten "Eliten" sehnlichst erwünschte Zukunft so treffend, dass mir die nach alter Kotze schmeckende Spucke am Gaumen gefriert.

Es ist nicht zehn vor zwölf, nicht fünf vor zwölf, auch nicht zwei vor zwölf. Den donnernden Schlag der vollen Stunde haben wir taumelnd zwölfmal vernommen - jetzt wäre die Zeit zu handeln.

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Und Charlie klappte das Märchenbuch zu und schloss mit den Worten: "Und wenn sie nicht gestorben sind, werden sie den Terror eben erneut durchleben müssen und erst dann sterben - und mit demselben perversen Spiel einmal mehr von vorn beginnen."

Dienstag, 26. November 2013

Der Polizeistaat in Aktion: Schöne neue Welt im "Land of the Free"


Bei einem Verkehrsstopp in New Mexico ist ein Mann an einem Stop-Schild nicht vollständig zum Stehen gekommen mit seinem Auto. Die Polizei hat ihn daraufhin angehalten und ihm gesagt, er soll[e] aus dem Auto aussteigen. Dabei glaubte der Polizist beobachten zu können, dass der Mann [...] die Arschbacken zusammenkniff, und folgerte messerscharf, dass der da Drogen versteckt haben [müsse]. Daraufhin haben sie ihn verhaftet und von einem Richter einen Durchsuchungsbefehl erwirkt.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Bitte die ganze Geschichte lesen - möglichst auch den ursprünglichen Bericht von rt dazu. Es wird sicherlich nicht mehr allzulange dauern, bis die polizeiliche Willkür und die Allmachtsfantasien dieser mit gewissen "obrigkeitlichen Befugnissen" ausgestatteten Behörden auch in Deutschland wieder in einer solchen schauerlichen "Hochphase" aufblühen - auf dem allerschlechtesten Wege dahin befindet sich auch dieses Land ja längst.

Derweil wird das Propaganda-Fernsehen nicht müde, der staunenden (oder besser: stumpf vor sich hin dämmernden) Bevölkerung unablässig und zunehmend in tausenden von Krimi-Serien und Spielfilmen immer und immer wieder das infantile Märchen von den "menschelnden Polizisten" zu erzählen, die letztlich (auch wenn sie in diesen filmischen Fiktionen permanent und ohne jemals dafür belangt zu werden Gesetze und sogar Grundrechte brechen) doch nur "das Gute wollen" - während man ansonsten keinem "normalen" Menschen glauben oder gar vertrauen darf, denn verdächtig sind wir in den Augen dieser Staats- bzw. Systemschergen allesamt.

Dazu fällt mir eigentlich nur noch ein Zitat aus einem uralten Polizei-Song von der Törner Stier Crew ein, in dem zunächst ein beschwingter Ausflug der reggaesüchtigen Protagonisten nach Amsterdam beschrieben wird und der sodann wie folgt endet:

"Wir fahr'n nach Hause auf Autobahn,
kommen an deutsche Grenze ran:
'Ach, fahr'n Sie doch mal eben hier rechts ran, bitte!'
sagt der grüne Pötermann.

Nimmt mich mit in Kabine rein,
zieht mich Hose aus - altes Schwein!
Pötermann
will nur von hinten ran."

(Törner Stier Crew: "Pötermann", aus dem Album "Ausbruch", 1980)

Damals war das - Trommelwirbel - real erlebte, frisch herausposaunte und gesellschaftlich zumindest geduldete Satire. Heute sind solche Spottlieder schlichtweg undenkbar. Der zunehmende Rückschritt ist unübersehbar.

Samstag, 23. November 2013

Die Verbrechen der Deutschen Bank und ihrer BesitzerInnen


Am 16. November 2013 verlieh die Ethecon-Stiftung in Berlin zwei Preise: Den "Blue Planet Award" zur Ehrung herausragenden Einsatzes für den Erhalt und die Rettung der Erde erhielt die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano. Der Negativpreis "Black Planet Award" für Verantwortliche der Zerstörung der Erde wurde an die Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie weitere Manager und Großaktionäre der Deutschen Bank verliehen. Jutta Ditfurth hielt die "Schmährede", die die junge Welt an dieser Stelle dokumentiert.

(Weiterlesen - und das ist ein Lesebefehl)

Anmerkung: Ich habe selten einen besseren Text zu diesem Thema gelesen und danke Jutta Ditfurth und der jungen Welt von Herzen dafür. Beeindrucken wird das die beiden Herren von der Deutschen Bank und natürlich die Eigentümer derselben - also die "Großaktionäre" dieses furchtbaren Krebsgeschwürs bzw. die wenigen Superreichen - in keiner Weise.

Ein Lob ist das aber leider dennoch nicht - ich bin sowieso der Meinung, dass es vollkommen falsch ist, den an die Öffentlichkeitsfront gestellten Marionetten, wie es diese beiden "Chefs" der Deutschen Bank stellvertretend für die Deutsche Bank ja sind, die Schuld in die Schuhe zu schieben. Zweifelsfrei sind sie schuldig - aber sie tun das Widerliche ja auf Geheiß, und wenn sie es nicht täten, wären sie schneller ausgetauscht als sie zucken könnten, und irgendwelche andere Marionetten täten an ihrer Stelle das Widerliche. Das spricht sie keineswegs frei, macht aber doch deutlich, dass die wirklichen "Preisträger" - also die Urheber dieses humanistischen Wahnsinns - woanders zu suchen sind. Ditfurth weist darauf in ihrer Rede ja sogar ausdrücklich hin.

Jain und Fitschen sind so etwas wie die ausführenden Organe der widerlichen Bande - Verbrecher allemal, aber nicht die Urheber des Verbrechens. Auf die Negativ-Preisverleihung der Widerlichkeit, der Menschenverachtung und der Ekelhaftigkeit an jene Verursacher - also an die handvoll Superreichen, die den Hals trotz der absurden und stetig zunehmenden Anhäufung von Macht, Besitz und Kapital niemals voll bekommen - werde ich wohl vergeblich warten müssen.

Es ist dasselbe Trauerspiel wie in der Poltik, wo auch stets nur - wenn auch nur in ausgewählten kritischen Kreisen - die politischen Marionetten der neoliberalen Blockparteien wie beispielsweise Merkel, Gabriel, Özdemir oder Rösler das Fett abbekommen, das sie zwar zweifellos verdient, aber dennoch nicht allein ausgebrütet haben.

Es gilt, die Urheber dieses kapitalistischen Irrsinns endlich anzugreifen, ihre Identitäten offenzulegen und ihr schreckliches, abgrundtief menschenfeindliches Tun beim Namen zu nennen - und nicht nur ihre bezahlten, eingekauften und willfährigen Vollstrecker, die für fürstliche Gehälter ihren Kopf in die alberne Medienwelt halten - und dennoch nie wirklich gefährdet sind, weil sie jederzeit abtauchen und durch neue bezahlte Visagen ersetzt werden können.

Nun mag man angesichts dieses Beispieles fragen: "Und wem gehört die Deutsche Bank nun eigentlich?" - Die Gesetze dieses widerlichen Staates haben darauf eine recht informative, wenn auch ernüchternde Antwort: Das lässt sich nicht feststellen. Es gibt kein Gesetz und keine Pflicht für Konzerne in diesem Land, diese Angaben öffentlich zu machen, wenn sie auch nur rudimentär geschönt sind. Wenn also Unternehmen X zwei Prozent, Unternehmen Y drei Prozent und Willy Schmidt vier Prozent der Aktien besitzen, gelten diese drei als "unterschiedliche Aktionäre", auch wenn alle beide Unternehmen Willy Schmidt gehören. So ist das in der Bananenrepublik Deutschland, gestützt von CDU, SPD, FDP und den Grünen. Es verwundert nicht, dass im aktuellen "Aktionärsbericht" der Deutschen Bank fast kein Großaktionär auftaucht.

Die Herrschaften möchten eben gerne im Verborgenen bleiben - und dieser widerliche, korrupte Staat und seine gekauften Blockparteien tun alles, um ihnen das auch weiterhin zu ermöglichen. Hier befindet sich der Angriffspunkt - und nicht bei den eingekauften DarstellerInnen im Rampenlicht, die nach ihrem zeitlich befristeten Auftritt auf der schauerlichen Bühne des Kapitalismus in ihr albernes kleines Luxusleben abtauchen können.

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Die neuen Reichen


"Naa, Frau Meier, ich find's net so schlimm, dass alles teurer wird. So bleiben die noblen Leut' immer mehr unter sich."

(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 10 vom 04.06.1918)

Freitag, 22. November 2013

Song des Tages: Rebel Waltz




(The Clash: "Rebel Waltz", aus dem Album "Sandinista!", 1980)

I slept as I dreamed of a time long ago,
I saw an army of rebels, dancing on air.
I dreamed as I slept I could see the campfires,
a tune of the battle that was born in the flames
and the rebels were waltzing on air.

I danced with a girl to the tune of a waltz
that was written to be danced on the battlefield.
I danced to the song of a voice of a girl,
a voice that called: "Stand till we fall!
We stand till all the boys fall!"

As we danced came the news that the war was not won,
five armies were coming with carriage and gun.
Through the heart of the camp swept the news from the front!
A cloud crossed the moon, a child cried for food -
we knew the war could not be won.

So we danced with a rifle to the rhythm of the gun!
In a glade through the trees I saw 'my only one' ...
Then the earth seemed to rise hell hot as the sun -
the soldiers were dying, there was a tune to the sighing.
The song was an old rebel one.

As the smoke of our hopes rose high from the field,
my eyes played tricks through the moon and the trees.
I slept as I dreamed I saw the army rise.
A voice began to call: "Stand till you fall!" -
The tune was an old rebel one.



Anmerkung: Ich persönlich kenne keinen anderen Song, der den eigentlich allzu berechtigten gewalttätigen Widerstand gegen die bestehenden Strukturen noch offensichtlicher ad absurdum führt als dieses alte, resignative Liedchen von The Clash. Ein Blick in die Geschichte reicht da aus: Wann jemals ist ein mit Waffengewalt geführter Widerstand gegen offensichtliches Unrecht von einem wie auch immer gearteten Erfolg, der diesen Namen auch verdient, gekrönt worden? Mir fällt kein einziges Beispiel größeren Maßstabs ein, dafür aber massenhaft solche, die ein weiteres, leicht modifiziertes und zuweilen gar noch viel schlimmeres Unrecht zur Folge hatten.

Wie auch immer die Antwort auf den kapitalistischen, brutalen Terror unserer Zeit auch ausfallen mag - wir dürfen niemals wieder auf das steinzeitliche Einzeller-Niveau der Kapitalisten absinken und ihrem brachialen Beispiel folgen - Gewalt und Krieg können niemals eine Lösung sein, und wenn diese Bande uns noch zehnmal öfter eine Kriegserklärung zukommen lässt. Am Ende eines Krieges wird - neben dem unsäglichen Leid, dem massenhaften Tod und der umfassenden Zerstörung - immer nur das warten, was die Texter dieses Songs, Joe Strummer und Paul Simonon, so wunderbar lakonisch benannt haben: "The smoke of our hopes".

Und die Warnung vor dem immer gleichen Fehler folgt sofort im Anschluss - hier ist die scheinbar ewige böse Zeitschleife der Menschheit (Unrecht - Widerstand - Krieg - Unrecht) in Töne und Worte gefasst. Mich bringt dieser Song immer wieder zum bitteren Heulen.

Dienstag, 19. November 2013

Zitat des Tages: Die Käuferin


Ich bin eine alte Frau.
Als Deutschland erwacht war,
Wurden die Unterstützungen gekürzt. Meine Kinder
Gaben mir ab und zu einen Groschen. Ich konnte aber
Fast nichts mehr kaufen. Die erste Zeit
Ging ich also seltener in die Läden,
Wo ich früher täglich gekauft hatte.
Aber eines Tages dachte ich nach, und dann
Ging ich doch wieder täglich zum Bäcker, zur Grünkramhändlerin
Als alte Käuferin.
Sorgfältig wählte ich unter den Esswaren,
Griff nicht mehr heraus als früher, doch auch nicht weniger,
Legte die Brötchen zum Brot und den Lauch zum Kohl, und erst
Wenn zusammengerechnet wurde, seufzte ich,
Wühlte mit meinen steifen Fingern in meinem Lederbeutelchen
Und gestand kopfschüttelnd, dass mein Geld nicht ausreiche,
Das Wenige zu bezahlen, und ich verließ
Kopfschüttelnd den Laden, von allen Kunden gesehen.
Ich sagte mir:
Wenn wir alle, die nichts haben,
Nicht mehr erscheinen, wo das Essen ausliegt,
Könnte man meinen, wir brauchten nichts.
Aber wenn wir kommen und nichts kaufen können,
Weiß man Bescheid.

(Bertolt Brecht [1898-1956], zuerst erschienen in der deutschen Exilzeitschrift "Die Sammlung", hg. von Klaus Mann, Heft 12, 1934)


Anmerkung: Der gute Brecht hat die Fähigkeit der Mehrheit der Bevölkerung dieses Landes zur Empathie und Solidarität zu seiner Zeit schon grotesk überschätzt, wie dieses kleine, einfühlsame Gedicht aufzeigt. Heute käme er wohl gar nicht mehr auf den Gedanken, einen solchen Text zu schreiben - der gemeine Deutsche unserer Zeit ist in der Regel vollkommen resistent gegen jede Art von Mitleid, Empathie oder Solidarität und sieht in sichtbarer Armut bestenfalls eine Belästigung und schlimmstenfalls (aber nicht selten) gar eine Bedrohung seines eigenen kleinen Mini-Wohlstands. Die permanente Indoktrination der neoliberalen Bande trägt Früchte: Nicht der absurde, überquellende Superreichtum einiger Weniger wird von der großen Mehrheit der Menschen in diesem Land als Ursache der beginnenden bzw. stetig weiter fortschreitenden Verarmung ausgemacht, sondern ausgerechnet diejenigen, die noch viel weniger haben.

Wenn man, wie wir heute, in einer vom Irrsinn beherrschten Zeit lebt, muss man letzten Endes selber irrsinnig werden, um überleben zu können. Die einzige mir ersichtliche Alternative besteht in einer Flucht - in ferne Länder, in den Wahnsinn, in die Realitätsverleugnung, in digitale oder Traumwelten. Ich persönlich habe mich noch nicht ganz entschieden, ob ich den Irrsinn oder die Flucht bevorzuge - meine zunehmenden Aufenthalte in digitalen Welten wie "Skyrim" und anderen Oasen der Realitätsferne lassen aber darauf schließen, dass mir irgendetwas in mir diese Entscheidung abzunehmen gedenkt.

Damit könnte ich sehr übel aufs Maul fallen, denn es ist ja absehbar, dass die neoliberalen Zerstörungen auch diesmal nicht plötzlich aufhören werden - auch dann nicht, wenn die radikale Zwangsverarmung der Menschen hierzulande längst keinen Besitz und Betrieb von Computern und entsprechenden Spielen mehr erlaubt. Für Menschen, die nicht auf Lohnzahlungen, irgendwelche Rücklagen aus "besseren Zeiten" oder die Hilfe von anderen Menschen zurückgreifen können, ist das heute ja bereits Realität: Kein Hartz-Terror-Opfer kann sich einen halbwegs angemessenen Computer oder gar irgendwelche Spiele leisten. Wenn Lebensmittel und Strom für einen Monat bezahlt sind, befindet sich das prekäre Konto bereits im Minus-Bereich.

Da kann eine alte Frau - wie in Brechts Gedicht - gleich dreimal kopfschüttelnd den Laden ohne Nahrungsmittel verlassen, weil sie zu arm ist, um sie zu bezahlen: Sie wird heute fast nur höhnische, spöttische oder richtig bösartige Kommentare dazu hören. Die Leute wissen Bescheid - interessieren sich aber nicht für die Armut der Anderen. Soll die Alte doch selber sehen, wo sie bleibt und wie sie zurecht kommt - das ist die Essenz des heutigen kapitalistischen Lebensgefühls. In eine solche Horrorwelt möchte man seinen schlimmsten Feind nicht schicken - aber wir leben selber darin.

O Grauen - du hast einen Namen.

Montag, 18. November 2013

Song des Tages: A Different Kind Of Hell




(Madder Mortem: "A Different Kind Of Hell", aus dem Album "Eight Ways", 2009)

There are many names for the place I'm in
It's a different kind of hell
There is room enough but too many stairs
No-one asks and no-one tells
It's a different kind of hell

With each door you pass
another set of traps revealed
Pin-on smirks that smell like fear
It's a different kind of hell

See behind the pretty faces
There's just no substance underneath
It's all a game, and how I hate it
when all their fancy words turn out to mean the same

Let it seep - let it slide
Let it fill you up
You'll feel the little cracks appear
The venom dancing in your blood
You're coming just in time to see me tear
It's a different kind of hell

See behind the pretty faces
There's just no substance underneath
It's all a game, and how I hate it
when all their fancy words turn out to mean the same

Just a little hope stretched far too long
It's a different kind of hell
Just a different kind of hell



Anmerkung: Das denke ich mir jeden Tag aufs Neue, wenn ich mir das üble Spiel der neoliberalen Bande und ihrer Vasallen in diesem Land und in der Welt anschauen muss ... "and how I hate it"! Ich wünschte nur, ich könnte diesen Frust und Zorn auch so irrsinnig aus mir herausschreien wie es Agnete M. Kirkevaag von Madder Mortem in diesem herrlich sperrigen Song tut: Norwegian Wood Metal meets Anton Webern.