Freitag, 24. Januar 2014

"Vorbild" USA: Das Parlament der Reichen


In Deutschland ist die "Millionärswahl" eine TV-Show, in den USA Realität. Zum ersten Mal sind mehr als die Hälfte aller US-Abgeordneten Millionäre. Amerikas Volksvertreter sind schon lange viel reicher als ihre Wähler: Ihnen gehört ein Milliardenvermögen.

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Anmerkung: Wieso der n-tv-Autor die amerikanischen "Abgeordneten" dennoch weiter beharrlich als "Volksvertreter" bezeichnet, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Es liegt ja auf der Hand, dass diese Gesellen nicht "das Volk" bzw. dessen Interessen, sondern ihre eigenen und insbesondere die der Reichen und Superreichen vertreten. In Deutschland sind wir von solchen Zuständen allerdings auch nicht mehr so weit entfernt - beispielsweise der Adel, also die schmierigen, unansehnlichen Hinterlassenschaften des Feudalismus vergangener Zeiten, ist völlig überrepräsentiert im Bundestag, und von den korrupten Gesellen, die gerade aufgrund ihrer "politischen Arbeit" erst zu Millionären werden - wie beispielsweise Steinbrück - will ich hier besser gar nicht reden.

Hinweisen muss ich in diesem Zusammenhang aber auf ein bezeichnendes Propagandastück westlicher Mainstreammedien: Irgendjemand (ich habe die ursprüngliche Quelle bislang noch nicht gefunden) hat vor einiger Zeit mal behauptet, dass im "Volkskongress" in China größtenteils Superreiche säßen. Belastbare Quellen für diese Behauptung gibt es nicht - und trotzdem taucht sie in schöner Regelmäßigkeit in den westlichen Medien immer wieder auf: Auch n-tv wiederholt sie in diesem Text einmal mehr und verlinkt sogar auf den entsprechenden Artikel des eigenen Hauses, der sich auf einen ominösen Bericht eines Shanghaier "Hurun"-Magazins beruft - dort allerdings ohne Verlinkung. Was diese Behauptung bezwecken soll, bleibt schleierhaft - selbst wenn das Szenario der Wahrheit entspräche: Schließlich ist der chinesische "Volkskongress" ein nicht einmal mit scheindemokratischer Farbe angepinselter Verein, der noch dazu keinerlei Machtbefugnisse - erst recht keine "demokratischen" - besitzt; er ist also eine reine Show-Veranstaltung. Das ist zwar in den USA auch nicht anders, dort allerdings tut man noch immer so als handele es sich um eine Demokratie - so etwas behauptet in China wohl niemand.

Ich kann mir das eigentlich nur so erklären, dass von interessierter Seite auch weiterhin alles in Bausch und Bogen verdammt wird oder werden muss, was sich auch nur entfernt "kommunistisch" nennt - auch dann, wenn es sich, wie beispielsweise China, nun um alles andere als ein kommunistisches Land handelt. Offiziell wird es so noch immer bezeichnet, also muss es von westlichen Medien offensichtlich bekämpft werden. Man kann das benennen, wie man möchte - Schaumschlägerei beispielsweise oder auch die Hochkultur der potemkinschen Dörfer - irgendeine gehaltvolle Sinnhaftigkeit darf man darin jedoch nicht suchen.

Es verbleibt also die Erkenntnis, dass es zunehmend die Reichen sind, die die Geschicke der Welt leiten. Das freilich war im Kapitalismus schon immer so und ist auch heute nicht anders, "nomen est omen" sozusagen. Geändert hat sich nur der Habitus: Heute schickt die "Elite" immer öfter keine gekauften Marionetten mehr, sondern Leute aus den eigenen (untersten) Reihen. Man kann über die Gründe nur spekulieren: Vielleicht werden sie allmählich immer schamloser und merken, dass sie sich nicht mehr so arg zu verstecken brauchen; vielleicht wollen sie auch verhindern, dass weitere habgierige "Aufsteiger" aus dem "Plebs" an ihrem Luxus rudimentär teilhaben, die sie wie Schröder und so viele, viele andere korrupte Pfeifen letztlich mit etwas Gold eindecken müssen, um ihr schändliches Tun im Nachhinein zu bezahlen; und vielleicht sind es auch ganz andere Gründe.

Die kleine Clique der Superreichen bestimmt, was geschieht - und das, was geschieht, hat als einziges Ziel, deren Superreichtum auf unser aller Kosten stetig zu vermehren und zu sichern. Insofern sind die USA das wahrlich perfekteste Vorbild für den Weg in die perverse, absurde und permanente Theateraufführung der "freiheitlichen Demokratie", das man sich ausdenken kann. Deutschland ist bislang nur ein Plagiat - allerdings eines, das man schon fast nicht mehr vom Vorbild unterscheiden kann: Der Weg zum System der kapitalistischen Einheitspartei nebst angeschlossenen Propagandamedien und riesiger Lobby bzw. Korruptionsmaschinerie ist fast vollendet, und wirklich alles, das in diesem pervertierten Politiksystem noch Bedeutung beigemessen wird, hat mit schnödem Geld zu tun - anderes kommt schlicht nicht mehr vor.

Die Zeche zahlen - wie sollte es auch anders sein - wir alle, egal ob Angestellte(r), Arbeitslose(r), Asylsuchende(r), Führungskraft, Beamte(r) oder Selbstständige(r) ... und zwar stets an jene Clique der Superreichen, die in diesem wahnsinnigen System des schrill kreischenden Irrsinns immer profitiert und nie bezahlt.

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Der Herr der Welt


"Der rüstet nicht ab!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 26 vom 22.09.1924)

Mittwoch, 22. Januar 2014

Song des Tages: Shingle Song




(Peter Hammill: "Shingle Song", aus dem Album "Nadir's Big Chance", 1975)

You can see in the last light that's graced as dawn
that there's nothing in my heart but pain.
As I stand, facing sea, knowing that you're gone
all the elements rage to explain,
that I should really be on my way;
but there is something which ensures I must stay.

Against the roar of the seething surf,
against the caterwaul of scattered call wind
thoughts and gestures unspoken, unheard -
and now the dance of rapture begins.
As the waves rush along across the beach:
Like you, like your love forever out of reach.

Look at the sky, but it's empty now;
look at the sea, it holds nothing but despair.
I raise my eyes but my head stays bower ...
I look to my side, but you're not there.
And I can't get you out of my mind,
no, no, no, no, I just can't get you from my mind.


Anmerkung: Zu diesem beeindruckenden Song des Masterminds der britischen Progressiv-Legende Van der Graaf Generator und gleichzeitigem Wegbereiter des Punk-Rocks, Peter Hammill, muss ich nicht viele Worte verlieren, denn das Lied spricht selbst in dieser lausigen youtube-Tonqualität für sich selbst. Ich erinnere mich aber noch gut an meine erste Begegnung mit Van der Graaf, die ausgerechnet an der Uni im Rahmen eines Seminars zum Thema "Progressives in der populären Musik" stattgefunden hat. Danach habe ich auf jeder Plattenbörse (gibt's so etwas eigentlich noch?) jeden Vinylschatz von dieser Band wie von Sinnen an mich gerissen, den ich nur finden konnte.

Nichts ersetzt aber den tatsächlichen Musikgenuss dieses Werkes, wenn die Schallplatte auf einer angemessenen Anlage in adäquater Lautstärke abgespielt wird: Die raue Stimme Hammills, später noch fett unterstrichen vom fast triefend-klagenden Saxophon, gräbt sich dabei wie eine Rasierklinge unter die Haut und wühlt sich ihren Weg in das Zentrum des eigenen Körpers. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, fühlt sich das genauso an, wie Hammill es hier beschreibt.

Montag, 20. Januar 2014

"Memory of the Camps": Die Filmaufnahmen aus den KZs nach ihrer Befreiung



Es gibt mehrere Versionen dieses Filmes im Netz; ich habe diese aufgrund der vergleichsweise guten Bild- und Tonqualität ausgesucht. Die spanischen (oder portugiesischen?) Untertitel stören nicht, wie ich finde.

Anmerkung: Wer meint, schon alles zu diesem furchtbaren Thema gesehen zu haben, sollte sich diese Rohfassung einer nicht fertiggestellten Dokumentation aus dem Jahr 1945 erst recht ansehen, die nun endlich - wenn auch immer noch gekürzt - öffentlich zugänglich ist. Es handelt sich um vielfach ungeschnittene Filmaufnahmen von russischen und amerikanischen Kameraleuten, die das dokumentieren, was die Alliierten damals in den befreiten Lagern im ganzen Kriegsgebiet vorgefunden haben und was kurz nach den Befreiungen dort geschah. Es ist dabei völlig nebensächlich, dass der Regisseur Alfred Hitchcock an der Bearbeitung der Dokumentation beteiligt war - auch wenn genau dies der alleinige Grund gewesen ist, weshalb wenige Medien wie das neoliberale Kampfblatt Der Spiegel oder der britische, ebenfalls kapitalistisch abhängige "Independent" überhaupt über diese Restauration eines Filmdokuments berichtet haben.

Wichtig allein sind die Aufnahmen - und auch der weitgehend erhalten gebliebene englische Kommentar dazu ist zeithistorisch durchaus sehr informativ. Ich habe schon viele, mehr oder weniger gut ausgearbeitete Dokumentationen über die befreiten Konzentrationslager nach dem Krieg gesehen, aber nirgends habe ich die Situation so ungeschminkt, so deutlich und in ihrem wahnsinnigen Extrem so entwaffnend ehrlich in ihrer puren Grausamkeit und Menschenverachtung gesehen, wie das hier der Fall ist. Gerade die Tatsache, dass der Film nicht fertiggestellt worden ist, sondern nur in dieser auf youtube leider immer noch geschnittenen Rohfassung vorliegt, macht ihn zu einem noch viel eindrücklicheren, noch unmanipulierteren Dokument dieses bislang finstersten Kapitels der deutschen Geschichte.

Was Spiegel & Co. bei der ohnehin hanebüchenen, extrem dürftigen und oberflächlichen Berichterstattung über dieses Dokument - wie immer im Zusammenhang mit dem Holocaust - völlig unter den Tisch fallen lassen, sind die kapitalistischen Ursachen, die damals in letzter Konsequenz und in logischer Genauigkeit Schritt für Schritt zu diesem irrsinnigen Horror geführt haben, der für Millionen von Menschen die reale Hölle auf der Erde bedeutet hat. Selbstverständlich ziehen diese Propagandamedien auch keine weitergehenden Schlüsse daraus, die etwas mit den heutigen, in eine ganz ähnliche Richtung driftenden Entwicklungen - oder eher: Wiederholungen - des kapitalistischen Systems zu tun haben. Die Drangsalierung und Schikanierung von Menschen, die Einteilung in "wertvolle", "nutzbare" und "unnütze" Menschen ist längst wieder im vollen Gange - und sogar der offen herausposaunte Rassismus beispielsweise gegen Muslime oder "Zigeuner" gehört zu unserem gesellschaftlichen und vor allem politisch-medialen Alltag.

Während sich die "Elite" einmal mehr die teigigen Hände reibt und vor lauter aus allen Ritzen quellendem Superreichtum gar nicht mehr weiß, wie und weshalb sie denselbigen überhaupt noch vermehren soll, zerfleischen sich die restlichen 99 Prozent der stetig verarmten und ausgebeuteten Menschen wieder gegenseitig, suchen wie von Sinnen untereinander die "Schuldigen" für die Verarmung und gehen einmal mehr den verschiedensten Formen des Faschismus' auf den grenzdebilen Leim. Und die Herrschaft grinst wohlgefällig dazu, bleibt wie immer im Hintergrund und wird nicht angeklagt. Eigentlich fehlt da nur noch, dass sie wieder groteske Perücken und Kostüme statt Anzügen und Schlipsen zu tragen beginnt - der Rest unterscheidet sich vom Feudalismus der gruseligen Vergangenheit nicht mehr.

Der Film verdient einen neuen, einen treffenderen Titel. Ich nenne ihn deshalb: "Dahin führt uns der Kapitalismus - zwingend, logisch und letztlich unausweichlich". - Wer das gerne möchte, mache einfach weiter wie bisher.

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"Hier trägst Du mit"



(Plakat einer faschistischen Ausstellung des Reichnährstandes über "Rassenhygiene" mit der Aufschrift: "Hier trägst Du mit. Ein Erbkranker kostet bis zur Erreichung des 60. Lebensjahres im Durchschnitt 50.000 [Reichsmark]." In: Volk und Rasse, Illustrierte Monatszeitschrift für deutsches Volkstum [sic!], hg. v. Heinrich Himmler und Richard Walther Darré, Nr. 10, 1936)

Freitag, 17. Januar 2014

Zitat des Tages: Hobbyraum


Meine Söhne, sagt Herr Fahrenkamp, sind wortkarg genug. Ich frage sie dieses und jenes, ich bin kein Unmensch, es interessiert mich, was die Jugend denkt, schließlich war man selbst einmal jung. Wie soll nach Eurer Ansicht die Zukunft aussehen, frage ich und bekomme keine Antwort, entweder meine Söhne wissen es selber nicht oder sie wollen sich nicht festlegen, es soll alles im Fluss bleiben, ein Fluss ohne Ufer sozusagen, mir geht das auf die Nerven, offen gesagt. Darüber, was es nicht mehr geben soll, äußern sich meine Söhne freimütiger, auch darüber, wen es nicht mehr geben soll, den Lehrer, den Richter, den Unternehmer, alles Leute, die unseren Staat aufgebaut haben, in größtenteils demokratischer Gesinnung, aus dem Nichts, wie man wohl behaupten kann, und das ist jetzt der Dank. Schön und gut, sagen meine Söhne, aber Ihr habt etwas versäumt, und ich frage, was wir versäumt haben, die Arbeiter sind zufrieden, alle Leute hier sind satt und zufrieden und was gehen uns die Einwohner von Bolivien an. Ihr habt etwas versäumt, sagen meine Söhne und gehen hinunter in den Hobbyraum, den ich ihnen vor kurzem habe einrichten lassen. Was sie dort treiben, weiß ich nicht. Meine Frau meint, dass sie mit Bastelarbeiten für Weihnachten beschäftigt sind.

(Marie Luise Kaschnitz [1901-1974]: "Steht noch dahin. Neue Prosa", 1970)

Anmerkung: Dieser beeindruckende, lakonische und trotzdem hochexplosive Text der hochverehrten Marie Luise Kaschnitz aus einer vergangenen Zeit, in der es noch eine Jugend gab, auf die man Hoffnungen setzen konnte, sei heute vor allem all jenen blinden Apologeten ans Herz gelegt, die auch heute wieder dumpfe Besitzstandswahrung betreiben und das kapitalistisch verursachte massenhafte Leid in weiter entfernten Regionen der Welt einmal mehr auszublenden versuchen, indem sie es entweder ignorieren oder einfach als "deren Problem" bezeichnen, mit dem "wir" nichts zu tun hätten. Lest dieses Buch und macht Euch den Irrsinn, den Ihr propagiert, bewusst.

Marie Kaschnitz, die zwei Weltkriege, eine Monarchie, eine faschistische Horror-Diktatur und zwei Demokratieversuche hautnah miterlebt hat, deutet den neu aufgesetzten Kapitalismus nach dem zweiten Weltkrieg kurz vor ihrem Lebensende im Jahr 1970 als eine geradezu zwingende Ursache für gewalttätigen Terrorismus, der in der Mitte der "bürgerlichen" Gesellschaft - und gerade nicht an ihren "Rändern" - entsteht. Heute sind wir in diesem bösen Spiel längst einen Akt weiter: der Terrorismus in der westlichen Welt wird nun größtenteils nur noch erfunden und herbeifabuliert bzw. staalich selbst herbeigeführt, um die Menschen stetig weiter ihrer zuvor blutig erkämpften Rechte und Freiheiten zu berauben, während der Großteil der einstmals kritischen Jugend heute längst wie der Rest der Bevölkerung in den klebrigen Netzen des kapitalistischen Konsumwahns gefangen und ruhiggestellt ist.

Ich persönlich sehne mich brennend nach einer Jugend, die sich wieder im Hobbyraum mit "Bastelarbeiten für Weihnachten" á la Kaschnitz beschäftigt, anstatt irgendwelchen hirnrissigen kapitalistischen "Trends" nachzujagen, die sie letztlich zu folgsamen Vasallen und Sklaven dieses perversen Systems machen. Die "Weiße Rose" sollte doch der Maßstab sein und nicht der kapitalistische Dreck. Der Kiezneurotiker schrieb vor einigen Wochen zu diesem Thema (den Link habe ich leider nicht parat, sorry), dass er die nächste Generation da in der Pflicht sieht und sich sinngemäß darauf verlässt, diese würde den kapitalistischen Schlips-Borg das angemessene und längst überfällige Kontra schon entgegenschleudern. Diesen recht positiven Zukunftsglauben teile ich leider nicht - ich fürchte statt dessen, dass der kapitalistische Alptraum nunmehr seiner Vollendung entgegen strebt und dass diesmal tatsächlich das dauerhafte Orwell-System installiert wird.

Ich hoffe selbst inständig, dass ich mich irre.

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Nur Optimismus bringt Rettung!


"Ewig bleibt es ja nicht Winter; sobald das Eis schmilzt, kann ich wieder schwimmen."

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 42 vom 15.01.1933)

Donnerstag, 16. Januar 2014

Coverversion des Tages: Moonlight Shadow




(Deathlike Silence: "Moonlight Shadow", aus dem Album "Saturday Night Evil", 2009)

The last that ever she saw him
Carried away by a moonlight shadow
He passed on worried and warning
Carried away by a moonlight shadow

Lost in a riddle that saturday night
Far away on the other side
He was caught in the middle of a desperate fight
And she couldn't find how to push through

The trees that whisper in the evening
Carried away by a moonlight shadow
Sing a song of sorrow and grieving
Carried away by a moonlight shadow

All she saw was a silhouette of a gun
Far away on the other side
He was shot six times by a man on the run
And she couldn't find how to push through

I stay, I pray, see you in heaven far away
I stay, I pray, see you in heaven one day

4 a.m. in the morning
Carried away by a moonlight shadow
I watched your vision forming
Carried away by a moonlight shadow

Stars move slowly in a silvery light
Far away on the other side
Will you come to talk to me this night
But she couldn't find how to push through

I stay, I pray, see you in heaven far away
I stay, I pray, see you in heaven one day

Caught in the middle of a hundred and five
The night was heavy but the air was alive
She couldn't find how to push through

I stay, I pray, see you in heaven far away
I stay, I pray, see you in heaven one day



Anmerkung: Diese wunderbar frische finnische Version des alten Mike-Oldfield-Klassikers gehört für mich zu den wenigen Ausnahmen der Coverversionen, die das Original noch übertreffen. Die Stimme dieser Sängerin und deren tonaler Bereich sind umwerfend und beeindruckend - und die metallische Instrumentierung, die eigentlich zu diesem "zarten" Song so gar nicht passen sollte, wirkt hier so stimmig, als sei das Stück nie anders konzipiert gewesen.

Über den im Grunde recht dämlichen Text kann man da schon hinwegsehen, finde ich. ;-) Das Video könnt ihr ebenfalls ignorieren - das ist offenbar rein privat und hat mit dem Song nichts zu tun.

Europas "Flüchtlingspolitik": Der Gipfel des Zynismus


Europas Bürokraten haben vergessen, dass auch von hier einmal Millionen Menschen vor Krieg und Verfolgung flüchteten. Jeder Migrant, der sterben muss, ist eine weitere Anklage gegen die aktuelle europäische Zuwanderungspolitik.

(...) Doch die drakonischen Maßnahmen, die Anfang Dezember in Kraft getreten sind, würde ich als den Gipfel des europäischen Zynismus beschreiben. Eurosur genannt, wird das neue europäische Grenzüberwachungssystem mit Drohnen und biometrischen Programmen gegen die illegalen Reisenden im Mittelmeerraum vorgehen. (...)

Es ist an der Zeit, dass die Europäer sich in die historische Situation zurückversetzen, in der sie selbst vor 100 oder mehr Jahren waren. Ich gehe davon aus, dass die Europäer die Migrationsgeschichte ihres Kontinentes nicht vergessen haben. Eine Geschichte, die unabänderlich mit Umsiedlungen und Vertreibungen an anderen Orten dieser Welt verknüpft ist. Die Geschichte von Millionen Europäern, die die Ozeane überquerten auf der Flucht vor Armut und Hungertod, mörderischen Kriegen, religiöser Verfolgung oder der sozialen Ungerechtigkeit. In Irland, Frankreich, Finnland, Norwegen, Italien oder England. / Dass ich die Menschen daran erinnern muss, macht mich traurig. Und ich bin entsetzt darüber, dass man die Versprechungen, die nach den 350 Toten von Lampedusa gemacht wurden, bereits verraten hat.

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Anmerkung: Dieser Artikel des somalischen Schriftstellers Nuruddin Farah aus der Frankfurter Rundschau trifft den Nagel auf den Kopf und darf getrost als schallende Ohrfeige beispielsweise für die Schmierfinken und Gossentrompeter aus der CDU/CSU gewertet werden, die sich auch weiterhin nicht entblöden, fortdauernd gegen Flüchtlinge zu hetzen. Es ist bezeichnend und extrem beschämend, dass ein solcher notwendiger Aufruf ausgerechnet aus Afrika erfolgen muss, weil sich hier offenbar kein ähnlich prominenter Autor dafür gefunden hat.

Tatsächlich hat sich die europäische "Flüchtlingspolitik", die eher eine Bezeichnung wie "asoziale Politik zur Bekämpfung von Flüchtlingen" verdient, weiter massiv verschärft. Der Autor erwähnt dieses furchtbare Grenzüberwachungssystem namens "Eurosur" selbst, ohne es näher zu beschreiben. Wer diesen Begriff im Netz sucht, wird schnell fündig - nahezu alle Mainstreammedien haben im Dezember darüber - mehr oder meist weniger kritisch - berichtet. Dabei reicht es eigentlich schon aus, kurz das eigene Hirn anzuwerfen, um zu dem logischen Schluss zu gelangen, dass eine solche totalitaristisch anmutende Verschärfung der Grenzkontrollen, die erklärter Maßen der "Abwehr von illegalen Flüchtlingen" [sic!] dienen soll, nicht gleichzeitig auch ein Instrument zur "Rettung von Flüchtlingen" sein kann.

Das Geschwätz der Bürokraten zu diesem Thema ist schon unerträglich genug - noch schlimmer aber wird es, wie immer, wenn jemand von der extremen Rechten dazu etwas in die Welt plärrt, wie es beispielsweise der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber hier getan hat: "Das europäische Modell kann ja nicht heißen: Wer es schafft, möglichst in die Nähe europäischer Küsten zu kommen, der hat ein Aufenthaltsrecht in der EU, dem wird geholfen." Welch ein widerliches Menschenbild muss jemand in der begrenzten Enge seines muffigen Schädels ausgebrütet haben, um angesichts des Leids und Elends so vieler hilfesuchender Menschen einen dermaßen zynischen Satz herauszuhauen! Ich frage mich bei solchen Leuten stets, wie dieser Kerl wohl seinerzeit einem aus einem KZ geflohenen Juden begegnet wäre, wenn er ihm über den Weg gelaufen wäre; oder wie er auf die vielen, vielen Schiffsladungen voller meist völlig verarmter Menschen aus Europa reagiert hätte, die seinerzeit in Nordamerika, Australien oder Neuseeland auf der Suche nach einer besseren Zukunft angekommen sind.

Ein "modernes Überwachungssystem" wie "Eurosur" ist natürlich nicht kostenlos zu haben - Wikipedia berichtet dazu: "Mit Stand von Oktober 2013 werden 244 Millionen Euro aus dem Haushalt der Europäischen Union für Installation und Betrieb des Systems bis 2020 bereitgestellt. Kritiker befürchten hingegen, dass das Projekt eher eine Milliarde kosten wird." Da werden ohne großes politisches Schwadronieren hunderte bis eintausend Millionen aus dem Ärmel gezaubert, um möglichst viele Menschen möglichst effektiv daran zu hindern, vor Armut, Hunger, Krieg oder Verfolgung nach Europa zu flüchten - wo sie, wenn sie es dennoch schaffen, mit noch geringeren Hilfen als dem menschenunwürdigen Hartz-Terror-Satz abgespeist und noch dazu in Ghettos, Lagern oder heruntergekommen "Heimen" kaserniert werden, wenn sie nicht sofort im "Abschiebe"-Knast landen. Einen solchen Zynismus muss man in der Tat erst einmal erfinden - dazu gehört schon so viel Niedertracht und Menschenverachtung, dass ich gar nicht ermessen kann, wieviel davon die tatsächliche Umsetzung dieser perversen Strategie wohl erfordern mag.

Nebenbei sollten wir auch bedenken: Ein solches zentralisiertes Super-Überwachungssystem wie "Eurosur" wird mittelfristig selbstverständlich nicht auf die Außengrenzen Europas beschränkt bleiben - ich habe die Jubelhymnen der Überwachungsfetischisten schon im Ohr, wie wunderbar eine solche flächendeckende, zentral erfasste und gespeicherte Überwachung aller BürgerInnen Europas doch wäre, um die Millionen von Terroristen, Pädophilen oder wahlweise "Internet-Kriminellen" endlich dingfest machen zu können. Der Schritt von einem wahnwitzigen, geradezu absurden Konstrukt wie den "illegalen Flüchtlingen" zu so etwas wie "illegalen BürgerInnen" ist nur ein sehr, sehr kleiner.

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Problem "Europa" endlich gelöst!

Nachdem die von allen Nationen beschickte Konferenz
siebenundzwanzig volle Wochen in Permanenz
getagt hatte, ohne eine Lösung der Krise zu finden,
kamen die Herren Delegierten zuletzt überein
und ließen solches durch alle Rundfunksender verkünden -:

Es würde unter den gegebenen Verhältnissen das Beste sein,
Europas Völker zögen mit Kind und Kegel von hinnen
und ließen den alten Kontinent einfach im Stich,
um irgendwo in der Welt, jeder streng für sich,
ein vollkommen neues und besseres Leben zu beginnen.

Der alte Erdteil sei eben ein so hoffnungsloses Terrain,
gedüngt mit Blut, Tränen, Hass und Geschrei,
die Luft verpestet mit kriegerischen Gesängen,
dass nach der einstimmigen Meinung aller Experten
leider nicht die geringste Aussicht vorhanden sei,
es könne hier jemals wieder besser werden.

Über die technische Durchführung des gigantischen Umzugs
habe man sich bereits bis ins kleinste verständigt
und denke sich die Sache etwa so:
Schon übermorgen werden durch Cooks Reisebüro
allen Völkern Pässe und Fahrscheine ausgehändigt.

Bei Inanspruchnahme der gesamten Weltschifffahrts-Tonnage
ist es dann ein leichtes, binnen vier Wochen
Europa völlig zu evakuieren
und die Völker nach ihren neuen Wohnsitzen zu transportieren,
deren Zuteilung wie folgt geschieht:

Die Franzosen wohnen im nördlichen Polargebiet,
die Deutschen, endlich genügend von jenen getrennt,
im großen antarktischen Kontinent,
die Italiener in der arabischen Wüste,
die Jugoslawen an der brasilianischen Küste,
die Österreicher im Feuerland,
die Tschechen am nördlichen Eismeerstrand ...

Auf diese Weise, hofft man, wird es gelingen,
die Völker endlich zur Räson zu bringen;
denn wenn sich keine Reibungsflächen mehr ergeben,
müssen sie doch schließlich in Frieden leben.

(Hans Seiffert [1898-1964], in "Simplicissimus", Heft 19 vom 10.08.1931)

Montag, 13. Januar 2014

Outlast: Wenn der Kapitalismus Profit wittert ... pflastern Leichen seinen Weg


Stell Dir vor, Du bist Journalist - und erfährst von der Existenz einer skurrilen "Nervenheilanstalt", die es in den USA kurz nach dem zweiten Weltkrieg unter maßgeblicher Beteiligung eines deutschen Nazi-"Wissenschaftlers" gegeben und die danach aus mysteriösen, weitgehend unbekannten Gründen als "Privatklinik" eines amerikanischen Konzerns in Zusammenarbeit mit der CIA fortgeführt worden ist, bis es zu einer unerklärlichen Schließung kam, die niemals aufgeklärt worden ist. Damit befindest Du Dich in der Ausgangslage des Computerspiels "Outlast" und machst Dich allein mit einer Videokamera bewaffnet auf den Weg, das alte Gebäude zu besuchen und das Geheimnis seiner Schließung zu ergründen.

(Es folgen jede Menge Spoiler - wer das Spiel selber noch genießen möchte, sollte hier ausdrücklich nicht weiterlesen.)

So beginnt das ultimative Horrorspiel "Outlast", dem ich als bekennender Verehrer (mein Dank gilt meinem Freund Darkmoon) des Spieles "Amnesia - The Dark Descent" hiermit den neuen Status des Maßstäbe setzenden Eckpfeilers dieses Genres verleihen muss. Wer Horrorfilme kennt, wird sich in die Hose machen. Wer Horrorspiele kennt, wird viele Windeln brauchen. Dieses Spiel hat mich an den Rand dessen gebracht, was ich ertragen kann - und verlässt dabei dennoch nie den Realitätsbezug zu unserer gruseligen, kapitalistischen Wirklichkeit, was den Horror erst wirklich glaubhaft macht.

Aber der Reihe nach: Das Spiel fängt, wie so oft, relativ harmlos an: Das Szenario ist gruselig, die Ereignisse sind es noch nicht immer. Das aber steigert sich - und zwar in einem Tempo, das ich so in Computerspielen noch nicht kannte. Die Story entwickelt sich anfangs recht schnell - man stößt immer wieder auf Fundstücke, Dokumente, Akten und Ähnliches und erfährt so nach und nach, was in diesem finsteren Gebäude sowohl kurz nach dem Krieg, als auch später geschehen ist - und es überrascht wohl niemanden, dass keines dieser Ereignisse etwas ist, was man tatsächlich miterleben möchte. Selbstverständlich wird man das meiste aber miterleben, wenn man weiterspielt - wenn auch etwas später und ohne jede Rücksicht.

Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Natürlich spielt der Faschismus hier eine tragende, omnipräsente Rolle - ebenso wie der Kapitalismus, der wie gewohnt auf der Suche nach endlosem Profit ist, woher auch immer er stammen mag und dabei wie gewohnt auch Wege beschreitet, die geradezu und für jeden auch problemlos sofort erkennbar pervers sind. An einer Stelle erfährt man das auch ganz ungeschminkt, wenn man ein Akte findet, in der sinngemäß dokumentiert wird, dass der Konzern die lächerlichen Investitionen für ein paar Ärzte und ein Irrenhaus angesichts der erwarteten Profite höchst gerne getätigt hat. Selbstverständlich werden hier systematisch Menschen gequält, verstümmelt und ermordet, und natürlich geschieht das auch hier aufgrund von dümmlichen Kapitalinteressen - andere nachvollziehbare Gründe gibt es dafür schließlich nicht. Den wirklichen Horror generiert das Spiel aber - abgesehen von den jeweiligen Szenarien, die teilweise extrem gut gelungen sind - aus der zunächst undurchsichtigen Verquickung der Geschehnisse mit einer angeblich "übernatürlichen" Macht aus einem diffusen "christlichen Jenseits". Das klingt im Rahmen dieses verrückten Szenarios erst einmal nicht sonderlich furchteinflößend und erst recht nicht neu - aber am Ende stellt sich das wiederum anders dar, denn da erfährt der Spieler die tatsächlichen Hintergründe: Der gesamte übernatürlich-religiöse Klamauk wurde - wie in unserer realen Welt - einzig für die dummen Opfer der perversen medizinischen Manipulationen erfunden, um ihnen die wahrlich fatalen Auswirkungen des profitorientierten Tuns der "Ärzte" irgendwie glaubhaft zu machen.

Im gesamten Spiel - wie das in "Amnesia" schon vorgemacht wurde - gibt es keine Chance, die gruseligen Monster, die nichts anderes sind als vom kapitalistischen Wahn entstellte Menschen und die dem Spieler an jeder dritten Ecke nach dem Leben trachten, zu bekämpfen. Die einzige Möglichkeit, den Schlächtern zu entgehen, besteht darin, sich zu verstecken oder zu flüchten - und oftmals ist da auch eine durchdachte Strategie notwendig, die vorheriges, manchmal eingehendes Beobachten erfordert. Gelingt die Flucht nicht rechtzeitig, stirbt man - so unbarmherzig wie die perverse Ideologie der Kapitalisten ist auch die Regel dieses Spiels.

Am Schluss bleibt man zunächst ratlos zurück - der Journalist hat seine Aufgabe nicht erfüllt, der Konzern wird nicht zur Rechenschaft gezogen, das System ändert sich nicht - sondern es kommt alles noch viel, viel schlimmer: Der Protagonist wird "assimiliert" und ist fortan ein Teil des perversen Systems. Die Entwickler hätten sich einen noch weniger dem klassischen "Happy End" anmutenden Schluss für ihre finstere, aber so realistische Story kaum ausdenken können.

Wer 20 Dollar übrig hat, sollte sie den UrheberInnen dieser bösen Realitätsdarstellung zukommen lassen, das Spiel selber ausprobieren und die eigenen Windeln mit unerfreulich Riechendem füllen. Angesichts des Themas wäre an dieser Stelle gewiss auch ein Hinweis auf eine kostenlose Version legitim ... nicht aber in diesem verkommenen Staat / System. Hier wird sogar die Kritik am Kapitalismus profitorientiert verwertet und notfalls gerichtlich und staatlich legitimiert durchgesetzt. Wir befinden uns eben längst auf der allerletzten Seite nach dem Nachwort und merken es bloß noch nicht. Wie der nette Journalist zu Beginn in diesem Spiel.


Samstag, 11. Januar 2014

Rassismus, Beispiel Schweiz: Die geschürte Angst vor den "Armutsmigranten aus Deutschland"


Schweizer fürchten deutsche Schmarotzer / Mit Vorurteilen gegen Deutsche befeuert die Schweizerische Volkspartei (SVP) eine Kampagne gegen "Masseneinwanderung". Mit Erfolg: Anfang Februar stimmen die Eidgenossen in einem Volksentscheid über Zuwanderungskontingente ab.

(...) Die Stimmung in der Schweiz ist aufgeheizt. Wie in der Bundesrepublik tobt auch bei den Eidgenossen dieser Tage eine Debatte über Zuwanderung. Dort geht es allerdings nicht um angebliche "Sozialbetrüger" aus Bulgarien und Rumänien. (...) / Die Kampagne richtet sich nicht exklusiv gegen Deutsche, sie taugen in der Schweiz allerdings bestens als abschreckendes Beispiel. Schon wer durch Zürich spaziert, stößt auf Dinge, die das deutsche Welt- und Selbstbild erschüttern. In der größten Stadt der Schweiz gibt es Ramschläden, die mit dem Slogan "Preise wie in Deutschland" werben. Und es gibt Unternehmer, die "billige" medizinische Behandlungen in der Bundesrepublik anbieten. (...)

Wie Populisten in Deutschland schürt die SVP in der Schweiz die Angst vorm sozialen Abstieg durch "maßlose" Zuwanderung. Und "maßlos" wandern in den Augen vieler Schweizer vor allem Menschen zu, die aus der Bundesrepublik stammen.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Ganz abgesehen davon, dass dieses Beispiel aus der Schweiz ganz genauso hanebüchen und verkommen ist wie die populistischen Hetztiraden der CSU und anderer brauner Horden in Deutschland, lässt sich hier doch eine immer wiederkehrende, kranke Tendenz im zugrunde gehenden Spätkapitalismus feststellen: Überall lassen sich furchtbare Stimmen finden, die andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Hautfarbe, ihres Vermögens oder aus anderen grotesken Gründen als die "Schuldigen" für den befürchteten sozialen Abstieg der regionalen Bevölkerung brandmarken. Dass dieser soziale Abstieg (und auch die Migrationsbewegungen von Menschen) völlig andere Ursachen haben, die selbstredend in der kapitalistischen Umverteilung von immer mehr Vermögen und damit Macht von unten nach ganz oben zu suchen sind, kommt in diesen instrumentalisierten Gedankenwelten natürlich nicht vor. Es war schon immer eine beliebte Kampagne der "Elite", solche Ablenkungsmanöver zu starten - ob sie sich nun gegen Juden, gegen Muslime, gegen Rumänen und Bulgaren oder diesmal auch gegen Deutsche richtet.

Ein solcher geschürter Rassismus dient stets der Ablenkung und soll den "Volkszorn" auf andere, zumeist wesentlich schwächere Ziele umleiten, um die kapitalistische "Elite", die das eigentliche Ziel des Zorns sein müsste, zu schützen. Die Vergangenheit zeigt, dass diese perverse, eigentlich völlig infantile und vor Dummheit geradezu strotzende Strategie fast immer aufgeht - es finden sich immer wieder genug Hohlbirnen, die auf den rassistischen Zug aufspringen und in die vors Maul gehaltene schrille Hasstrompete blasen.

Vor 30 Jahren habe ich einen erneuten Rassismus "im großen Stil" in Deutschland und im gesamten Kerneuropa noch ausgeschlossen. Vor etwa 20 Jahren kamen mir angesichts der grauenhaften Pogrome in Rostock-Lichtenhagen und ähnlicher Ereignisse auch in anderen Regionen Deutschlands und europäischen Ländern starke Zweifel. Vor 10 Jahren war ich mir sicher, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis die kapitalistischen Verwerfungen erneut einen grassierenden, europaweiten Rassismus als Ablenkungsstrategie hervorbringen werden, die auch diesmal wieder hervorragend "funktionieren" wird. Leider habe ich mich diesmal nicht getäuscht: In den vom Kapitalismus am schlimmsten zerstörten Ländern wie etwa Griechenland, Rumänien, Ungarn oder teilweise auch Italien feiern rechtsextreme Parteien grandiose Erfolge oder stellen bereits die Regierung. Auch in Frankreich, Österreich oder den Niederlanden sind faschistoide Gruppierungen heute wieder ernsthafte Gefahren - und in Deutschland übernimmt diese Rolle gar ein böser Wolf im christlich-demokratischen Schafspelz (oder eher: Mummenschanz), was wohl allein der furchtbaren Historie dieses Landes zu verdanken ist. Überall ist ein gesamter Schwenk des ohnehin verkommenen, korrumpierten politischen Spektrums nach rechts außen zu erkennen - es ist ja kein Zufall, dass es fast überall die ehemalige "Sozialdemokratie" war, welche die Zerstörungen der Sozialsysteme, die Senkungen der Steuern für Superreiche, die Entfesselung der "Kapitalmärkte" und die imperialistischen Kriege unserer bösen Zeit voran getrieben hat und bis heute an diesem Irrsinn festhält.

Dieser Rechtsdrall ist nicht "zufällig" entstanden und auch kein Spiegel der europäischen Gesellschaften. Wie schon in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bildet sich hier lediglich die "Agenda" der kapitalistischen "Elite" ab, die anlässlich des anstehenden, vorhersehbaren und aus logischer Sicht unvermeidlichen Zusammenbruchs des kapitalistischen (Finanz-)Systems einmal mehr ihre Pfründe, ihre Macht und ihre privilegierte Stellung sicherstellen will. Der schnöde Feudalismus ist höchst lebendig in unserem "freiheitlich-demokratischen" Land.

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Werbeanzeige: "Die Juden in der Karikatur"


"(...) Alles, wozu Hass, Verachtung, Überhebung gegenüber den Juden jemals die Satire inspiriert hat, ist hier zu einem Kulturgemälde vereinigt, das sensationell und fesselnd ist, von welcher Seite man auch herantritt. Denn niemals haben sich gegenüber einer anderen Volksschicht solche turbulente Orgien von Spott ausgetobt, wie gegenüber den Juden. - Kein Thema kann zeitgemäßer sein als dieses (...)."

(Antisemitische Werbeanzeige des Verlages Albert Langen, München, zu dem Buch "Die Juden in der Karikatur" von Eduard Fuchs [1870-1940], aus der Zeitschrift "Simplicissimus", Heft 32 vom 02.11.1921)

Anmerkung: Interessant ist dabei vor allem die Tatsache, dass der Kulturwissenschaftler Eduard Fuchs Marxist war, vor den Nazis ins Exil fliehen musste und das besagte Buch in einer Reihe von ähnlichen Werken desselben Autors zu satirischen Darstellungen ("Die Frau in der Karikatur", "Der Weltkrieg in der Karikatur") erschienen ist. Ob es tatsächlich antisemitische Tendenzen enthält oder ob diese damals vom Verlag nur zu Werbezwecken [sic!] erfunden wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Donnerstag, 9. Januar 2014

Zitat des Tages: Geschäft ist nur, wo sich die Menschheit hasst


Nie wieder Krieg ---

Der gute Völkerbund streicht seine Segel,
Verwirrung herrscht im hohen Genfer Haus.
Auf jeden Fall gilt nun als neue Regel:
wer dennoch Kriege führt, tritt vorher aus!

Man dachte anfangs von dem Institute,
es hätte endgültig den Krieg besiegt -
Und alle wären unter einem Hute,
auch der, wo nicht, hätt' eins darauf gekriegt -

Doch wo ein Krieg ist, gibt's auch Lieferungen
von Munition und Werken der Chemie!
Zu lieblich tönt das Liedchen: "Seid umschlungen,
Millionen!" jeder Rüstungsindustrie.

Ein Krieg ist nicht moralisch. Doch im tiefern
Sinn wirkt er wirtschaftlich sehr produktiv -
Wir würden gerne auch nach Japan liefern,
trotz Friedenssehnsucht -: Ja, die Welt ist tief ---

Lässt auch der liebe Gott die Erde beben,
weil ihm dies ew'ge Morden nicht mehr passt -:
die Liebe kann den Markt nicht neu beleben,
Geschäft ist nur, wo sich die Menschheit hasst ---

(Karl Kinndt alias Reinhard Koester [1885-1956], in "Simplicissimus", Heft 51 vom 19.03.1933)

Anmerkung: Diese Ausgabe des Simplicissimus war die erste, die nach der Machtübertragung an die braunen Terrorhorden im März 1933 erschienen ist - das furchtbare Titelbild dieser Ausgabe der Zeitschrift, das zuvor stets satirisch-kritische Bilder zeigte, illustriert das nachdrücklich. Dieses Gedicht von Reinhard Koester ist dennoch an den zu dieser Zeit wohl noch ungeübten braunen Zensoren vorbeigerutscht und setzt den Fokus auf die damals wie heute allzu offensichtliche Pervertierung des kapitalistischen Profitstrebens, das selbstredend auch Kriege als nützliches Instrument zur Anhäufung von Geld nutzt.

Ich habe den Irrsinn des Kapitalismus selten besser zusammengefasst gefunden als in den Worten der letzten Zeile dieses Gedichtes.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Song des Tages: Persephone (The Gathering of Flowers)




(Dead Can Dance: "Persephone (The Gathering of Flowers)", aus dem Album "Within the Realm of a Dying Sun", 1987)

Anmerkung: Der Text dieses beeindruckenden Songs besteht aus einer Fantasiesprache, die sich auf die mythologische Figur der griechischen Toten-, Unterwelts- und Fruchtbarkeitsgöttin Persephone bezieht. Das Lied stammt aus einer Zeit, als die Band Dead Can Dance noch relativ unbekannt war und die Sängerin Lisa Gerrard noch nicht die finanziellen Vorzüge des kapitalistischen Musikbetriebs kannte, denen sie heute längst verfallen ist, indem sie ihre Stimme der Geldmaschine "Hollywood" verkauft.

Dieser künstlerische Abstieg in die Gosse ist somit ein prädestiniertes Beispiel dafür, was der Fluch des Kapitalismus aus artistischen Offenbarungen macht - die Kunst wird erstickt und gnadenlos ausgemerzt, um kommerzielle Interessen zu bedienen. Ich bin selbst Musiker und kann Lisa Gerrard gewiss keinen Vorwurf machen - wir sind alle käuflich im Rahmen dieses perversen kapitalistischen Systems.

Umso mehr gilt es die "Frühwerke" zu bewahren, als die Musik noch im Zentrum stand - und nicht das schnöde Geld.


Dienstag, 7. Januar 2014

Aus gegebenem Anlass - Download des Tages: Das Kapital


"Wer hat noch die Zeit, 2.200 Seiten aller drei Bände des 'Kapitals' zu lesen? Eine aufmerksame Lektüre braucht dafür rund 160 Stunden oder einen vollen Arbeitsmonat. Um in kürzerer Zeit mehr Interessierte mit der Marxschen Kritik des Kapitalismus vertraut zu machen, wurde diese Kurzfassung aller drei Kapitalbände erstellt, die auf die Vertiefung von Einzelfragen verzichtet, aber auf weniger als 500 Seiten den vollständigen Gedankengang von Marx' Hauptwerk im Zusammenhang und in seinen eigenen Worten bietet" heißt es im Klappentext der Kurzfassung des Kapitals von Wal Buchenberg.

(Download des kostenlosen Hörbuches von Karl Marx: "Das Kapital". Kurzfassung aller drei Bände. Kommentiert und zusammengefasst von Wal Buchenberg. VWF-Verlag Berlin, 2006)

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Anmerkung: Wer lieber (unkommentiert und ungekürzt) selber lesen möchte, kann das beispielsweise hier tun. Die Informationen sind frei verfügbar, die Quellen sind nicht verschleiert und momentan noch nicht einmal illegal - und dennoch ist unsere heutige Zeit diejenige, die im historischen Vergleich am allerwenigsten von den zur Verfügung stehenden Informationen Gebrauch macht und statt dessen mit Pauken und Trompeten erneut im dumpfen Stumpfsinn der "kapitalistischen Alternativlosigkeit" versinkt.

Wenn das mal nicht die Königsklasse des Irrsinns ist, weiß ich wirklich keine bessere Definition.

Montag, 6. Januar 2014

Die desolate Linke - ein bitteres Fazit


Ich gebe ja zu, dass ich schon seit längerer Zeit die Hoffnung aufgegeben habe, dass es in der "westlichen Welt" - insbesondere, aber nicht nur, in Deutschland - in absehbarer Zeit eine wirklich handlungsfähige und mehr oder weniger "gemeinsam" agierende linke politisch-gesellschaftliche Alternative zum herrschenden Wahnsinn des Kapitalismus geben könne. Diese traurige These habe ich nun in einem kleinen, nicht repräsentativen Rahmen erneut verfolgen müssen, nämlich in den Kommentaren zu diesem Posting des von mir eigentlich sehr geschätzten "Gutmenschen" Duderich.

Was sich dort an Abgründen zwischen einigen (wenigen) kleingeistigen Irren, ungesundem und noch dazu bekräftigtem Halb- und Unwissen, vielfacher Egozentrik und der völligen Verkennung des dramatischen Zustands der Linken und des daraus resultierenden noch viel dramatischeren Zustands unserer Welt offenbart hat, raubt mir geradezu den Atem. Ich kann und will auf einzelne Beiträge dort gewiss nicht eingehen - aber es ergeben sich folgenschwere Konsequenzen daraus, die - wenn sie denn repräsentativ wären, was sie hoffentlich nicht sind - die unangefochtene Herrschaft der finanziellen "Elite" in der "westlichen Welt" zementierten.

Ich war schon entsetzt, als ich den zunächst noch kommentarlosen Blogbeitrag gelesen hatte und war eigentlich davon überzeugt, dass darauf niemand ernsthaft antworten würde - aber weit gefehlt: Als ich ein zweites Mal dort vorbeischaute, fand ich etwa zur Hälfte einen Kindergarten aus sich gegenseitig persönlich (!!) bekämpfenden KommentatorInnen und zur anderen Hälfte eine naive, rosafarbene Bubbel-Blase aus halbgaren und letzten Endes sinnfreien Bemerkungen vor, wie ich sie mir schlimmer nicht hätte ausmalen können. Auf die wenig vorhandene tatsächlich konstruktive Kritik reagierte der Verfasser des Beitrages dann sogar noch "angepisst": "Und wenn Utopien bereits niedergeschrieben wurden, dann ist es nicht zielführend, auf diese Tatsache hinzuweisen - vielmehr sollte man diese benennen und vielleicht auch mal kurz vorstellen. / Hier kommt es mir partiell so vor, dass man der Meinung ist: 'Hättest Du auch schon so viele Bücher gelesen wie ich, dann wüsstest Du dass es sinnlos ist, in diesem Rahmen über Utopien zu diskutieren.' Für mich elitärer Bullshit, der Menschen davon abhält sich alternative Gedanken zu machen - und diese mit anderen zu diskutieren und konstruktiv zu hinterfragen."

An dieser Stelle hat es mir dann endgültig die Sprache verschlagen - wenn jemand, der sich offenbar nicht dazu herablassen möchte, sich mit dem Kapitalismus und seinen Widerstreitern tatsächlich zu befassen (also das eine oder andere Buch zu lesen und sich abseits von plakativen Internettexten etwas fundierter zu informieren), sondern statt dessen eine quasi "mundgerechte" Aufarbeitung ganzer Bibliothekswände aus mehreren Jahrhunderten in drei oder vier Absätzen oder auch Seiten von den Kritikern seines naiven, leider infantilen Ansatzes einfordert - dann kann ich nur noch beredt schweigen. Eine solche "Linke" ruft in kapitalistischen Kreisen wahrlich nicht einmal mehr ein seichtes Grinsen hervor - sie wird dort einfach mangels Relevanz nicht mehr wahrgenommen.

Das war indes nicht immer so - und in der Vergangeheit hatte das gewiss auch etwas mit der Bereitschaft der Linken zu tun, sich mit den angedachten Visionen und Alternativen inhaltlich mehr oder weniger intensiv zu befassen und sich nicht bloß auf ein oberflächliches Ungerechtigkeitsgefühl zu berufen. Die kapitalistischen Gauner und Schwerstkriminellen geben sich heute ja nicht einmal mehr Mühe, ihr perverses Tun irgendwie ideologisch sinnvoll zu untermauern - und es ist äußerst fatal, wenn Linke dazu übergehen, diese Verhaltensweise zu kopieren und nur noch "Bäh, das ist aber unmoralisch und ungerecht!" zu rufen.

Der zweite große Fehler dieser heutigen Linken ist meines Erachtens die unsägliche Suche nach dem angeblich "kleinsten gemeinsamen Nenner", die immer wieder postuliert wird, um eben solche absurde Grabenkämpfe zu vermeiden. Die elenden Kapitalisten machen uns dabei seit Jahrhunderten das genaue Gegenteil vor, das offensichtlich auch hervorragend funktioniert: Nicht der "kleinste", sondern der größte gemeinsame Nenner sollte doch das Ziel sein. Aus linker Sicht ist das die ausnahmslose Enteignung der selbsternannten "Elite" und die Rückführung ihres gestohlenen Superreichtums inklusive aller Ländereien, Immobilien, Kunstschätze etc. an alle Menschen zu gleichen Teilen - was gleichzeitig auch den Verlust der Macht dieser pervertierten Mini-Minderheit bedeutete. Alle weiteren Details, über die man durchaus heiß und innig streiten und diskutieren kann (gemeint sind schließlich Superreiche und nicht die sogenannte Mittelschicht oder das Häuschen der Oma), sind nachgelagert. So funktioniert im umgekehrten (pervertierten) Sinn der Kapitalismus seit so vielen Jahrhunderten, ohne dass so viele Linke das gelernt haben oder auch nur lernen wollen.

Was ich persönlich im besagten Posting vom Duderich auch schmerzlich gelernt habe: Offenbar verstehen viele Menschen meine Worte nicht. Es gab eigentlich nur eine Antwort auf meinen dortigen Kommentar, die erkennen ließ, dass der Urheber tatsächlich verstanden hatte, was ich sagen wollte - und das war ausgerechnet einer, der sich selbst zu den Perversen des Kaptalismus zählt. Daraus kann ich nur ein Fazit ziehen: Ich äußere mich in anderen Blogs zu solchen Themen nicht mehr. Wenn meine Worte - aus welchen Gründen auch immer - nicht so verstanden werden, wie sie gemeint sind, ist das Kommentieren völlig sinnlos.

Einen Versuch war es wert.

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Die neue sozialistische Partei


"Bebels Stimme aus dem Jenseits: 'Ich kenne keine Sozialisten mehr, ich kenne nur noch Spalt-Parteien!'"

(Zeichnung von Olaf Gulbransson [1873-1958], in "Simplicissimus", Heft 30 vom 26.10.1931)

Freitag, 3. Januar 2014

Herzlich willkommen im Mittelalter: Die Reliquienverehrung der Katholen im Jahre des Herrn 2014


Reliquie von Papst Johannes Paul II im Kölner Dom / Im Kölner Dom wird ab Montagabend eine Reliquie von Papst Johannes Paul II. gezeigt: Ein Stoffläppchen mit einem Blutstropfen des 2005 gestorbenen Papstes. Sie soll an den Besuch des Papstes im Kölner Dom vor 33 Jahren erinnern.

(Weiterlesen, wer den Irrsinn nicht glauben mag und Satire wittert)

Anmerkung: Unter gewissen Umständen - beispielsweise bei Bezahlung eines kleinen sechsstelligen Portokassenbetrages - wäre auch ich dazu bereit, der katholischen Kirche schon zu meinen Lebzeiten einige Reliquien meiner Unheiligkeit zu überlassen, die im Kölner Dom oder anderen katholischen Kultstätten von mittelalterlichen Menschen und anderen Zombies durchaus verehrt werden dürfen. Über die Höhe des Betrages muss selbstverständlich reliquienbezogen verhandelt werden - ein gefülltes Kondom wird sicherlich etwas mehr Entgegenkommen der Kirchenkasse erfordern als ein Blatt benutztes Toilettenpapier oder ein beschnäuztes Taschentuch.

Ein Schnäppchen habe ich allerdings auch anzubieten: Es würde die katholische Kirche gar nichts kosten, im Kölner Dom in der 17. Bankreihe von hinten links etwas intensiver nachzuforschen - ich erinnere mich dunkel, dass ich dort vor etwa 20 Jahren einen Popel unter die Vorderbank geklebt habe. Ich gehe davon aus, dass sich das Objekt der Begierde noch immer dort befindet.

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Der Neandertaler auf der GeSoLei


"Siehste, Lydia, so hammer angefangen. Da war der Mensch noch keen Ebenbild Gottes."

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 14 vom 05.07.1926)

Mittwoch, 1. Januar 2014

Zitat zum neuen Jahr: Der Aufbruch


Ich befahl, mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeute. Er wusste nichts und hatte nichts gehört. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: "Wohin reitest du, Herr?" - "Ich weiß es nicht", sagte ich, "nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel erreichen." - "Du kennst also dein Ziel?", fragte er. "Ja", antwortete ich, "ich sagte es doch: 'Weg-von-hier' – das ist mein Ziel." - "Du hast keinen Essvorrat mit", sagte er. "Ich brauche keinen", sagte ich, "die Reise ist so lang, dass ich verhungern muss, wenn ich auf dem Weg nichts bekomme. Kein Essvorrat kann mich retten. Es ist ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise."

(Franz Kafka [1883-1924]; geschrieben 1922, erstmals veröffentlicht in: "Erzählungen aus dem Nachlass", 1936)

Dienstag, 31. Dezember 2013

Song des Jahres: Another Brick In The Wall / Goodbye, Cruel World




(Korn: "Another Brick In The Wall (parts 1-3) / Goodbye Cruel World", Live-Cover, New York 2010)

(1)
Daddy's flown across the ocean,
Leaving just a memory.
A snapshot in the family album -
Daddy, what else did you leave for me?
Daddy, what d'ya leave behind for me?
All in all it was just a brick in the wall.
All in all it was all just bricks in the wall.

(2)
We don't need no education,
We don't need no thought control.
No dark sarcasm in the classroom -
Teacher - leave them kids alone!
Hey, teachers - leave them kids alone!
All in all it's just another brick in the wall.
All in all you're just another brick in the wall.

(3)
I don't need no arms around me,
And I dont need no drugs to calm me.
I have seen the writing on the wall,
Don't think I need anything at all!
No! Don't think I'll need anything at all!
All in all it was all just bricks in the wall.
All in all you were all just bricks in the wall.

---

Goodbye, cruel world,
I'm leaving you today.
Goodbye, Goodbye, Goodbye.

Goodbye, all you people,
There's nothing you can say
To make me change my mind.
Goodbye.



Anmerkung: Diese vielleicht ehrlichste und eindrücklichste Hommage an das grandiose Werk "The Wall" von Roger Waters ist ein gelungener Ausklang für dieses verkommene Jahr 2013, dem ein noch verkommeneres Jahr folgen wird - dessen dürfen wir gewiss sein. Und auch 2014 werden wir hautnah erleben dürfen, wie weitere Steine für die Mauern zwischen Menschen gesucht, gefunden und zementiert werden - und alles, wie immer, im Namen der Geld-"Elite", die uns alle ausplündert, ohne dass es die Mehrheit bemerkt.

Eine Umarmung für alle MitleserInnen dieses Blogs - und ein riesengroßes Danke.