Freitag, 8. August 2014

Song des Tages: I Don't Care




(Apocalyptica feat. Adam Gontier: "I Don't Care", aus dem Album "Worlds Collide", 2007)

I try to make it through my life,
In my way, there's you ...
I try to make it through these lies
And that's all I do.

Just don't deny it,
Don't try to find this and deal with it,
That's just part of it.

If you were dead or still alive,
I don't care, I don't care.
Just go and leave this all behind,
'Cause I swear (I swear!): I don't care.

I try to make you see my side,
Always trying to stay in line,
But your eyes see right through (that's all they do).
I'm getting buried in this place,
I've got no room, you're in my face,
Don't say anything - just go away!

If you were dead or still alive,
I don't care, I don't care.
Just go and leave this all behind,
'Cause I swear (I swear!): I don't care.

Love's changing everything,
You won't be there for me.


If you were dead or still alive,
I don't care, I don't care.
Just go and leave this all behind,
'Cause I swear (I swear!): I don't care ... at all.


"Glück ist mehr als Glückssache": Der wachsende christlich-fundamentalistische Wahnsinn


Ursprünglich hatte ich vor, das weiter unten verlinkte Video eines evangelikalen "Gottesdienstes" an den Anfang zu stellen und erst danach meinen Kommentar dazu zu schreiben - nachdem ich es aber nach mehrmaligen sehr ernsthaften Versuchen nicht geschafft habe, das Video länger als (im besten Fall) 13 Minuten anzusehen und danach jeweils völlig entnervt, fassungslos und erbost abbrechen musste, habe ich mich umentschieden. Ich weiß also nicht, was da nach der 13. Minute (das Video ist 54 Minuten lang) noch alles kommt. Jeder Mensch, der das anklickt, sollte sich dessen bewusst sein.

Es ist ja keine Neuigkeit, dass in unserer "modernen" (ich verkneife mir den hysterischen Lachanfall angesichts dieser grotesken Bezeichnung für unsere Zeit an dieser Stelle) Gesellschaft seit mehreren hundert Jahren die religiöse Radikalisierung stets dann zugenommen hat, wenn die politische und gesellschaftliche Situation wieder einmal auf einen bösen Zenit zugesteuert ist und die herrschenden "Eliten" dies stets mit Kriegsdrohungen, Kriegsvorbereitungen und einer Menge dann auch wirklich stattgefundener Kriege beantwortet haben, die große Teile des zuvor Bestehenden nachhaltig zerstört und so eine Neuauflage desselben Systems ermöglicht haben. Belege aus dem Internet füge ich hier bewusst nicht ein - wer sich darüber umfassend informieren will, muss viel lesen und viel Zeit in altertümlichen Bibliotheken verbringen.

Den religiösen Wahn aber, auf den es mir hier ankommt, den können wir auch online verfolgen - und das nicht nur in anderen Ländern und anderen Religionen, sondern auch direkt hier bei uns vor der Haustür. Das verlinkte Video ist ein beredtes Beispiel dafür. Nehmen wir nur einmal das "Motto" dieses "Gottesdienstes", das da großspurig lautet: "Glück ist mehr als Glückssache". Ich habe die "Predigt" des evangelikalen Pastors dort wie gesagt nicht gehört, aber allein diese Überschrift lässt meine Fußnägel sich schon in massiven Wellen aufrollen: Ich stelle mir vor, dieser "gottesdurchflutete" Mensch stünde in irgendeinem Elendsviertel einer afrikanischen Stadt und erzählte den dort akut verhungernden und verdurstenden Menschen dasselbe - und auf der Stelle kann ich nur noch Verachtung und Ekel für einen solchen Satz empfinden.

Die überwältigende Mehrheit aller Menschen auf diesem Planeten vegetiert und stirbt in bitterster, für uns Noch-Privilegierte nicht wirklich vorstellbarer und menschengemachter, letzlich also gewollter, Armut vor sich hin - und da stellen sich halbwegs gut situierte, oft sehr privilegierte Leute wie von Sinnen und von unheiligen Dämonen berührt hin und schwafeln von der "Liebe", der "Größe" oder der "Güte" Gottes? Wir krank, indoktriniert und völlig abgehoben von den Problemen dieser Welt muss man sein, um so etwas - noch dazu mit solchen ekstatischen Gesichtsausdrücken und einem steten Grinsen im Gesicht - tun zu können?

Man beobachte gerade die MusikerInnen (und die Reaktionen darauf in der wie auf harten Drogen wirkenden "Gemeinde"), wie sie ihre abstruse Botschaft verkünden: Mich als Musiker gruselt, graust und widert es nur noch an, wenn ich das sehe. Diese "Chorleiterin" am Anfang schießt den Vogel schon ab - da habe ich beim ersten Versuch, mir das anzusehen, abgebrochen und eine uralte Motörhead-Platte aus dem Keller geholt und komplett in ohrenbetäubender Lautstärke abgespielt (kein Witz). Anders war das nicht erträglich.

Ich ärgere mich jetzt doch sehr, dass ich es nicht fertiggebracht habe, das Video bis zum Ende anzuschauen - ich bin mir sicher, dass da noch vieles mehr zu sehen und zu hören ist, das mit dem Aufrollen meiner Fußnägel längst nicht angemessen abgegolten wäre. Aber auch ich bin eben nur ein Mensch, und wenn jemand stärkere Nerven hat als ich und dazu etwas schreiben will, wäre ich dankbar. Und: Dies ist nur eine Veranstaltung von tausenden oder zehntausenden in diesem Land, die wöchentlich (!!) stattfinden.

Festzuhalten ist aber: Diese Zunahme des radikal-religiösen Wahns gerade in scheinzivilisierten Gegenden, in denen es materiell vielen oder zumindest einigen Menschen noch immer verhältnismäßig gut geht, ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Zeit, die wir kennen oder zu kennen meinen (wie auch immer einjede/r sie beurteilen mag) zuende geht. Die kapitalistische "Elite" fordert einmal mehr einen Neustart des totalen Irrsinns - und der wird wohl, wie immer, nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Da können wir wohl nur noch beten ... auch wenn das - natürlich und wie immer - nichts bewirkt.

--- Update 09.08.14: (Im Kommentarbereich geht's weiter - ich habe mir den Stuss letztlich doch bis zum Ende angesehen.)



---

Der Krieg, wie ich ihn sah



(Zeichnung von Fritz Arnold [1883-1921], in "Simplicissimus", Heft 52 vom 25.03.1919)

Mittwoch, 6. August 2014

Zitat des Tages: Das Mahl


Die Speisen wurden endlich aufgetragen.
Ich konnts bezahlen, hatte mir die Bissen
nicht leicht verdient. Und meine Zähne rissen
das Fleisch. So füllte ich den Magen.

Doch eine Hand im Spiegel gegenüber
griff die Serviette, tupfte sich, gemessen,
den Mund, der, noch gefüllt, das Essen
verhalten gähnend lobte. Matt herüber

sahn Augen, die verdauten. Ich erkannte
mich kaum und äußerst ungern, sah die Wangen
bald schon wie eines Hamsters Backen hangen,

wars satt, dass ich so satt war, rannte
hinaus, erbrach mich, kam herein, man deckte
aufs neue ein, ich aß, unsatt, es schmeckte.

(Thomas Rosenlöcher [* 1947]; in: "Ich lag im Garten bei Kleinzschachwitz. Gedichte und zwei Notate", 1982)

Anmerkung: Ich habe selten eine so konzentrierte, feinfühlige und treffsichere Kritik des Kapitalismus bzw. der Ohnmacht angesichts seiner furchtbaren Auswirkungen gelesen wie in diesem Sonett - das freilich aus einer Zeit stammt, in der der Autor ein (gut situierter) Bürger der DDR gewesen ist. Es entzieht sich bislang meiner Kenntnis, was aus diesem literarisch so hoffnungsvollen und gesellschaftspolitisch so bitterbösen und realistischen Menschen nach 1990 geworden ist. Äußerst lesenswert ist sein erster Gedichtband heute aber allemal - und das noch viel, viel dringlicher als vor 30 Jahren.


Dienstag, 5. August 2014

Die Kapitaliban und der Kita-Wahn


Selbstverständlich ist es - ungeachtet des Inhalts - wichtig und richtig, stets scharfe Kritik an jedweder Maßnahme zu formulieren, die aus der CSU in die Welt blubbert. Im Falle des "Betreuungsgeldes", das momentan als aktuelle neoliberale Sau durchs verkommene Dorf getrieben wird, muss man aber wieder einmal differenzieren und genau hinschauen, um eine sinnvolle Beurteilung abgeben zu können.

Was wird uns also von den üblichen Verdächtigen der Mainstream-Journaille an Fakten genannt, die für eine Betreuung von Kleinkindern in staatlichen oder staatlich finanzierten Einrichtungen spricht? Exemplarisch zitiere ich dazu aus einem typischen Pamphlet aus der FAZ:

Das Betreuungsgeld hält benachteiligte Kinder von Bildungsangeboten fern und verringert ihre Chancen auf sozialen Aufstieg.

Aha, so ist das also: Kitas (und übrigens auch einzelne "Tagesmütter" bzw. "-väter") sollen gleichbedeutend mit "Bildungsangeboten" sein, die es zudem daheim in vergleichbarer Form nicht gebe - und das ganz besonders dort, wo der Kapitalismus bereits zugeschlagen und eine Schneise der Verarmung unter den Menschen hinterlassen hat. Das ist eine verwegene Behauptung, die zwar sicherlich durch entsprechende Auftragsstudien pseudowissenschaftlich belegt werden kann, die der einfachen Logik aber dennoch keine zwei Minuten standhält - und das gleich auf mehreren Ebenen.

Zum Einen ist es kein Geheimnis, dass gerade ausgebildete ErzieherInnen nicht gerade zu den bestbezahlten Menschen in diesem System gehören - sie befinden sich vielmehr selbst in einer meist prekären Lage und gehören zu den so genannten Niedriglöhnern, die den so gern propagierten "sozialen Aufstieg" (wohin auch immer) allein durch ihren Beruf nahezu niemals bewerkstelligen können. Zum Anderen sind in Kitas oftmals auch nicht pädagogisch ausgebildete Menschen prekär beschäftigt, so dass Kinder, die solche Einrichtungen besuchen müssen, keinerlei Vorteile in Sachen Bildung zu erwarten haben. Genauso sieht es bei den Tagesmüttern oder -vätern aus: Vom Jugendamt wird für eine solche Tätigkeit jeder erwachsene Mensch akzeptiert und auch bezahlt, völlig unabhängig davon, welche Befähigungen oder Ausbildungen er mitbringt - gerade das habe ich höchstpersönlich erlebt.

Sicherlich gibt es immer wieder auch in Kitas und bei "Tageseltern" gebildetete Menschen, die tatsächlich einen positiven Einfluss auf Kinder haben können - dasselbe gilt aber freilich verstärkt für die leiblichen Eltern, denn diese haben in der Regel ein weitaus größeres Interesse daran, dass ihre Kinder auf einen guten Weg gebracht werden, als die mit Hungerlöhnen abgespeisten Angestellten irgendwelcher Kitas oder - noch schlimmer - "freiberuflich" tätige "Tageseltern".

Es geht in diesem Falle - wie immer in diesem niederträchtigen System - nicht um das Wohl oder die Perspektiven der Kinder, sondern natürlich um Geld und Ausbeutung: Der neoliberale Ruf nach Kitaplätzen für Kleinkinder ist klar erkennbar darauf zurückzuführen, dass beide Elternteile sich nicht etwa mit der Kindererziehung befassen (und damit womöglich mündige, kritische Menschen aufziehen) sollen, sondern schnellstmöglich wieder der Ausbeutungsmaschinerie des "Arbeitsmarktes" zur Verfügung zu stehen haben. Dass Kleinkinder dabei nicht nur dem familären Umfeld entwöhnt, sondern auch systemkonform indoktriniert und konditioniert werden können, ist dabei sicher nur ein gern gesehener Nebeneffekt.

Ginge es tatsächlich um die Kinder und deren Wohlergehen und Bildung, wäre der Beruf des Erziehers bzw. der Erzieherin längst ein akademischer, der nach einer universitären Ausbildung auch entsprechend gut bezahlt wird. Das jedoch ist weder von der CSU, noch von irgendeiner anderen Partei jemals gefordert oder gar forciert worden. Dennoch werden die Systemmedien nicht müde, uns immer wieder denselben hanebüchenen Sermon zu präsentieren - hier zur Abwechslung mal ein Beispiel aus dem Tagesspiegel:

Das Betreuungsgeld lasse sich "als besonderer Anreiz für sozial eher benachteiligte Familien identifizieren, kein Angebot an frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung zu nutzen", schreibt die Autorin der Studie (...).

Das ganze steht dort unter der reißerischen Überschrift "Kohle oder Kita?" und suggeriert dem geneigten Leser nicht nur die nicht hinterfragte Behauptung, dass Kitas und "Tageseltern" für Kleinkinder gleichbedeutend mit "Bildung" seien, sondern unterstellt armen und verarmten Familien sogleich auch die in diesem System eher in "höheren" Kreisen verbreitete Habgier - frei nach dem widerwärtigen Motto: "Wenn Millionäre auch nach der 100. Million den Hals noch nicht voll haben und wie von Sinnen weitere Millionen an sich raffen wollen, gilt das für Habenichtse natürlich erst recht."

Die Vorstellung, dass es Menschen geben könne, die nicht unablässig dem Mammon hinterhergieren, kommt in diesem Narrativ gar nicht mehr vor - ebenso wie die schlimme Tatsache, dass dieses furchtbare System längst Bedingungen geschaffen hat, in denen für nicht wenige Menschen 100 Euro mehr oder weniger im Monat tatsächlich eine existenzielle Bedeutung haben.

Ich selbst bin übrigens glücklicher Weise vollkommen kita- und kindergartenfrei aufgewachsen - und habe schon in frühkindlichen Jahren Bekanntschaft mit ernsthafter Musik, Kunst und Kultur gemacht. Und das in einem nicht-akademischen Haushalt, in dem mir sehr nachhaltig kritisches Denken beigebracht wurde.

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Ein Philosoph


"Ja, Frau Meier, die Zeit is' wirklich demokratisch - jeder kriegt sein Packl Sorgen und Opfer!"

(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 41 vom 07.01.1919)

Samstag, 2. August 2014

Musik des Tages: Skyrim




(Jeremy Soule [*1975]: Soundtrack zu dem Spiel "The Elder Scrolls V: Skyrim", 2012)

Anmerkung: Ja, ich befinde mich momentan zum zweiten Male auf meiner Mission durch Himmelsrand - ich konnte nicht widerstehen und habe nach dem Ende von "Kingdoms of Amalur" ein neues Skyrim-Spiel gestartet. ;-) Und ... es macht noch mehr Spaß als beim ersten Mal.

Zum Soundtrack nur soviel: Natürlich ist diese Musik in weiten Teilen nichts weiter als ein schnödes Plagiat - die tatsächlichen Ursprünge liegen zum großen Teil in der Kunst der Komponisten der Romantik und teilweise der Klassik. Trotzdem liebe ich diese Musik abgrundtief, schon allein deshalb, weil sie mir - insbesondere während der ruhigen Passagen - so ein grandioses Gefühl des "Zuhause-Seins" vermittelt. Das lässt sicher Rückschlüsse auf meinen pathologischen Gemütszustand zu, da ich mich in virtuellen Welten offenbar heimischer fühle als in der bösen Realität ... aber das wäre ein anderes Thema und gehört nicht hierher. ;-)

Ich verkrieche mich jetzt ins Bett meines sicheren, kleinen Hauses "Brisenheim" in Weißlauf ... und weiß dennoch, dass ich morgen wieder erfrischt dort aufwachen werde, um erneut und voller Tatendrang in den andauernden Kampf gegen die fiesen Horden zu ziehen, die mein kleines Leben und das aller anderen Einwohner dieses Landes unablässig angreifen und bedrohen. Und das betrifft gewiss nicht nur Himmelsrand. ;-)


Freitag, 1. August 2014

Zitat des Tages: Telefonat


Nein, es ist nichts
Besonderes zu berichten.
Ja, mit den Wölfen heulen.
Wenigstens sind sie nicht menschlich.
Übrigens, hinter den Bergen
Wohnen auch
Keine Leute.

(Eckart Kleßmann [*1933], in: "Botschaften für Viviane. Gedichte", 1980)

Donnerstag, 31. Juli 2014

Arsch auf Eimer: Plagiatsverdächtiger FDP'ler zensiert Vroniplag mit Urheberrecht


(...) Nun hat ein ehemaliger Stipendiat der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, in dessen Dissertation Vroniplag auf über der Hälfte der Seiten "Fremdtextübernahmen" fand, das akademische Hygieneportal dazu gezwungen, die Dokumentation seiner Doktorarbeit aus dem Netz zu nehmen. Grundlage dafür ist keine anwaltliche Abmahnung nach deutschem Recht, sondern eine nach dem US-amerikanischen Digital Millenium Copyright Act, eine so genannte DMCA Notice.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Eigentlich verbietet sich hier jeglicher Kommentar, da in diesem Fall klar ersichtlich zusammenfindet, was sehr intim zusammen gehört: Die Begriffe Betrug, Selbstbereicherung und FDP sind schließlich nicht erst seit der Neuzeit Synonyme. Dennoch ist diese Meldung bemerkenswert, denn wir lernen einmal mehr: Die Umgehung der (keinesfalls perfekten) heimischen Gesetze mittels irgendwelcher korrupter transatlantischer Grotesken funktioniert offenbar schon tadellos. Wenn sich ein des Plagiats Verdächtiger nun schon mit dem offenkundig wahnwitzigen, an debilen Irrsinn grenzenden Deppenargument, die öffentliche Dokumentation des Plagiats "verstoße gegen Urheberrechte", erfolgreich aus der Affäre ziehen kann, ist Orwells Schreckensstaat klar erkennbar längst bittere Realität.

Das wird nicht gut ausgehen - hier kündigt sich der neuerliche Untergang der "Zivilisation", die in Wahrheit natürlich gar keine war, nur allzu nachdrücklich an. Und die degenerierte Menschheit wird trotzdem weiter wie von Sinnen die neoliberale Verbrecherbande wählen - jeder Lerneffekt ist von vorn herein ausgeschlossen. Wer mag da noch an der bereits vollendeten, perfekten Dystopie zweifeln? Wir steuern nicht darauf zu - wir haben sie doch längst.

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Das Reichskarussell


"Es geht vorwärts!"

(Zeichnung von Olaf Gulbransson [1873-1958], in "Simplicissimus", Heft 26 vom 23.09.1919)

Dienstag, 29. Juli 2014

Die schwülen Sommernachtsträume des Herrenmenschen Schlotterdick - und die Freiheit des "Spiegels"


Futter für ein verrohtes Bürgertum: Mit seinem neuen Buch "Die schrecklichen Kinder der Neuzeit" entpuppt sich Peter Sloterdijk endgültig als Reaktionär und Ressentimentlieferant. Die Wähler der AfD dürften ihn dafür feiern.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Ich habe des Schlotterdicks Auswürfe nicht gelesen - mir reichen tatsächlich die kleinen Kotzbröckchen, die sich als Zitate in diesem Text und an anderen Stellen im Netz finden lassen, um zu der lapidaren Feststellung zu gelangen, dass der Kerl sich offenbar weiterhin treu bleibt und den eingeschlagenen Weg in den reaktionären Irrsinn - also mit Volldampf in den Faschismus - nicht wieder verlassen wird. Er "entpuppt" sich nicht, sondern malt Ausrufezeichen hinter seine braunen Absonderungen.

Bemerkenswerter finde ich da schon den Umstand, dass dieser Text ausgerechnet bei Spiegel Online erschienen ist - es mutet mitunter doch sehr surrealistisch an, wenn gerade dort auf eher abgehobene Weise über den "Freiheitsbegriff" pseudophilosophiert wird. Eine kleine Kostprobe aus Diezens Text:

"Wir sind Vertriebene, fast von Anfang an", schreibt Sloterdijk. "Wir alle haben eine Heimat gegen ein Exil getauscht. Sind wir hier, in der Welt, so [deshalb,] weil wir nicht würdig waren, an einem besseren Ort zu bleiben." Die Freiheit also - oder: "Freiheit", wie er es nennt - ist das Problem, sie ist das Exil, in die Freiheit sind wir "Geworfene", wie Sloterdijk mit Heidegger blubbert, schuldig sind "die Modernen", unwürdig und illegitim (...).

Haben das alle auf Anhieb verstanden? Wenn nicht, bitte erneut lesen - und dann fragen wir uns doch einmal, was denn wohl der Herr Diez und die übrigen Triefnasen bei Spiegel Online unter "Freiheit" verstehen. Auf mich wirkt das doppelte Geblubber der Herren Schlotterdick und Diez wie die angestrengte Diskussion zweier von Geburt an Blinder über das Wesen der Farben.

Man könnte weite Passagen dieses Artikels übernehmen und den Namen "Sloterdijk" schlicht durch "Spiegel" ersetzen - und erhielte auf diese Weise eine wunderbar zutreffende Beschreibung der pseudojournalistischen, reaktionären Propaganda, die dieses Blatt samt seiner Online-Ausgabe seit Jahren betreibt. Hier wird das Prinzip der angeblich freien "vierten Gewalt" im Staat ins Absurde aufgebauscht: Ausgerechnet in einem der Blätter, die systemkonformer und damit menschenfeindlicher kaum agieren können, erscheint eine Pseudokritik dieser Sorte, über die der Herrenmensch Schlotterdick selbst natürlich nur schmunzelt, denn er weiß, dass dies letztlich nur Werbung für sein Machwerk ist und dass die Verantwortlichen auch beim Spiegel voll und ganz auf seiner rückwärtsgewandten, elitären Linie sind, wie man Woche für Woche wieder neu dort nachlesen kann. Auch bei den "KernleserInnen" dieses Blattes wird das gewiss auf begierige Ohren stoßen - also bei Teilen der ehemals "gehobenen Mittelschicht", die ihre kleinen Privilegien vollkommen zu Recht gefährdet sehen, dafür aber grotesker Weise und wie immer die vielen armen und bereits verarmten Menschen verantwortlich machen und nicht etwa die kleine Clique der Superreichen, die raffend und habgierig die Fantastillionen hortend und wie von Sinnen an sich reißt.

Wenn der Spiegel sich mit Schlotterdick befasst, ist das nichts anderes als ein Konvent der Brandstifter - und es gehört wirklich nicht viel Fantasie dazu sich auszumalen, was am Ende wohl dabei herauskommen mag:

Der schwarze Tod


"Ich sehe es kommen: ehe ich nicht eingreife, wird die Welt von ihrem Wahnsinn nicht kuriert."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 29 vom 15.10.1918)

Samstag, 26. Juli 2014

Musik des Tages: You And Me And Rainbows




(The Tear Garden: "You And Me And Rainbows", aus dem Album "Tired Eyes Slowly Burning", 1987)

You're number eight. Your name is Jane,
with black hair, braids, and black lines around your eyes.
Shades to hide your habit.
I don't know your age, though you guessed mine.
My sign. Your sign!
The opening line is always just the same.
The same intention, destination.
Just you and me and rainbows.

Loaded guns attract.
We know the rules, we don't react.
We wait in hope, we don't expect.
Just you and me and rainbows.

Down here everything is fine.
We have a straw, we have a line.
We have a bag, a rock, a mountain,
With a string of shepherds driving lions.
Aiming skewers at the sheep; face down, asleep, in onion fields.
The frying fields.
The worms - they peep through holes which once were eyes.
They thrive, they bake although we painted out the sky, the sun.
There's only thunder, and you and me and rainbows.

Let's hide out in the lay-by, let the time fly by.
Tonight's disguise:
A car crash with our wheels like shattered stars - dashboard charred.
Our windscreen like a graveyard for the flies (we're fast!).
The hungry flies are circling,
mourning as the watchers squat with cameras, cakes and flasks.
They're spying, spitting as the blue lights flash,
Axes, axes, axes swing! (We're broken!)
Broken wings, but sure we'll fly and reach our destination.
You and me and rainbows.

And if we turn the lights down low
And watch the sky cry through the window,
Will I watch your fingers grow and stretch like butterflies?
The shadows flexing, licking toes,
And blinding as slowly sun sets on the same old hill.
The same red glow. We're quite alone.
Just you and me and rainbows.

Everything I own is in the corner of your room.
It's covered with a sheet just like it died.
But I will take a broom; I'll sweep it new again, arrange it.
Oh, I'll grow a dozen hands.
No, I never will neglect my world again.
I'm safe beneath my blanket.
Come home. For you, for me - and rainbows.

Loaded guns attract.
We know the rules, we don't react.
We wait in hope, we don't expect.
Just you and me and rainbows ...

... looking down.


Freitag, 25. Juli 2014

Zitat des Tages: Der Wind geht ums Haus


Der Wind, der Wind, der geht ums Haus,
wir löffeln unsre Suppe aus,
dann gehn wir fröhlich schlafen.

Doch plötzlich sind wir wieder wach,
was ist das für ein wehes Ach,
wir können nicht mehr schlafen.

Es ist ein Ach und ist ein Weh
wie damals in Gethsemane,
da konnt auch keiner schlafen.

Das ist kein Wind, das ist kein Sturm,
das ist auch nicht im Holz der Wurm,
das ist ein armes Weinen.

Die Kinder weinen in dem Wind,
die all die Jahr gestorben sind,
die hörn wir draußen weinen.

Sie weinen, die der Hitler schlug
ins weiße, weiße Leichentuch,
die hörn wir schrecklich weinen.

Die Kinder sinds, soviel, soviel,
auf die die Glut vom Himmel fiel,
die jammern in der Stube.

Die andern auch, aus Schnee und Eis,
sind voll des wimmernden Geschreis
in unsrer warmen Stube.

Die ungeheure Kinderwelt
hat tot sich um das Haus gestellt,
wir frieren in der Stube.

Wir frieren und wir schlafen nicht,
wir liegen auf dem Angesicht,
wir schämen uns zu Tode.

Wir decken mit dem Bettzeug zu
das eigne Kind, ach, bleibe Du
bewahrt vor ihrem Tode,

die weiterziehn, von Haus zu Haus.
Wir löschen unsre Lampe aus
und zittern vor dem Tode.

(Wolfgang Weyrauch [1904-1980]: "Der Wind geht ums Haus", in: "Gesang um nicht zu sterben. Neue Gedichte", 1956)

Donnerstag, 24. Juli 2014

Auch am Rande des Abgrunds: Humor muss sein!


Eigentlich wollte ich heute einen bösen Text über die korrupte, bis ins Mark verlogene Kriegstreiberbande einstellen, die sich - fleißig befeuert von der gleichgeschalteten, offenbar ebenso kriegsgeilen Mainstreamjournaille - momentan geradezu in kafkaesken, nur noch durch exzessiven Drogenrausch erklärbaren Bemühungen überbietet, ein neues 1914 herbeizuschrei(b)en, auf dass endlich wieder die Waffen das alleinige Sprachrecht bekommen und die allseits gepriesene westliche, kapitalistisch-freiheitlich-demokratische Diktatur erneut ihren Siegeszug gen Osten antreten kann - allerdings haben das viele andere in der Zwischenzeit bereits getan, so dass ich mich, wenn auch schlechten Gewissens, banaleren Dingen zuwenden kann:

Wer auch am Rande des Abgrunds nicht darauf verzichten will, endlich wieder einmal herzhaft und aus vollem Halse lachen zu können, sollte sich dieses neue Pamphlet vom Eso-Blog "Hinter den Schlagzeilen" (das sich vielleicht doch endlich in "Jenseits des Intellektes" umbenennen sollte) nicht entgehen lassen. Es sind genau diese Juwelen des entwaffnenden esoterischen Schwachsinns, die ich dort zu finden hoffe und die naturgemäß auch immer wieder dort auftauchen - ich lege jedem Menschen, der diesem Link an einem PC folgt, eindringlich nahe, dabei keinen Kaffee oder gar Kakao zu trinken: Die Folgen für den Monitor, die Tastatur und den Rest der auf dem Schreibtisch befindlichen Utensilien sind wahrlich fatal und nur sehr schwer zu beseitigen.

Die "weit greifenden philosphischen Betrachtungen", die im Teaser großspurig angekündigt werden, haben mein Herz in dieser bösen Zeit zärtlich und sanftmütig erwärmt und große Erwartungen geweckt, die nicht enttäuscht wurden: Wenn Schramm oder Pispers nicht mehr weiter wissen, sollte man zukünftig diesem großen Biene-Maja-Künstler und erleuchteten Heilsbringer namens Wolf Schneider das Mikrophon in die Hand drücken. Er wird alles zum Guten richten - jedenfalls solange, bis die anstürmenden kapitalistischen Zombiehorden ihn auf seiner "Lichtung eines mitteleuropäischen Mischwalds", "umgeben von Himbeeren und dem Summen von Insekten", dumpf grunzend und genüsslich zerfleischt haben, damit auch er als tumber Zombie wiederkehren und das Zerstörungswerk weiter vorantreiben kann. Oder ist das am Ende gar nicht nötig, da er das ja jetzt bereits tut? ;-)

Rhetorische Fragen müssen nicht beantwortet werden. Ich entferne jetzt noch die letzten Reste der Kakaopampe (oder ist es doch vielleicht verspritzte, ungenutzte Gehirnmasse?) von meinem Monitor und Schreibtisch und freue mich auf die nächste brüllende Humorattacke dieses lustigen Blogs. Wenn die kapitalistischen Kriegstreiber, deren Handlungen jetzt so viel wichtiger sind, mich und die Satiriker von "Jenseits des Intellektes" bis dahin noch nicht ermordet haben, gibt's vielleicht sogar ein Wiedersehen.

Montag, 21. Juli 2014

Song des Tages: My Mind's Eye




(Sirenia: "My Mind's Eye", aus dem Album "Nine Destinies and a Downfall", 2007)

If you were here
I'd whisper sweet nothings in your ear
And appeal to all your fears.
If you were mine (if you were only mine)
I'd bring you so much further down
And twist your mind until the end of time.

You will never realize
What darkness lies inside
Inside my mind

If you are down
I will come to chain you to the ground
And penetrate your mind.
If you are lost (if only you were lost)
I'll be there to break your trust
And ravage all your lust for life, my love.

You will never realize
What darkness lies inside
Inside my mind.



Anmerkung: Wir lauschen hier textbezogen einem der banalsten, seit Jahrhunderten immer wiederholten Gründe, weshalb die Menschheit unentwegt auf demselben steinzeitlichen Entwicklungsstand verharrt und sich standhaft und äußerst erfolgreich weigert, dem schnöden Rachegedanken zu entfliehen und sich statt dessen Höherem zu widmen. Allein: Auch ich kann mich nicht von derlei Emotionen freisprechen, so dass sich allmählich vielleicht doch die Frage stellen muss, ob die Menschheit hier nicht doch in einer evolutionären Sackgasse gelandet ist.

Rachegelüste und vor allem deren Ausleben bringen niemanden voran - ganz im Gegenteil. Und dennoch scheinen diese niederen Emotionen fast unausweichlich, quasi "schicksalhaft" zu sein. Wie ausgeprägt ist es wohl um die menschliche Intelligenz bestellt, wenn wir allenthalben denjenigen, die uns böse mitgespielt haben, ebenso fiese Dinge und oftmals eben noch viel mehr an den Hals wünschen - ohne dass dadurch irgendetwas vom bereits geschehenen und erlittenen Leid gemildert würde?

Ich hasse meine Rachegelüste, wenn ich sie in mir entdecke. Und wieviel Größe steckt in einem ernst gemeinten Ausspruch, der einem Täter - egal auf welcher Ebene - seine Taten vergibt. Kein "Auge um Auge" mehr, oder, wie es der Songtext nahelegt, gar "zwei Augen für ein Auge" - sondern ein "Hör auf, ein menschenfeindliches Arschloch zu sein und werde einfach glücklich". Ohne "Strafe", ohne Rache, ohne böse Gedanken.

Diese Menschheit (wohlgemerkt: einschließlich mir selber) ist davon offenbar noch weiter entfernt als die Sonne vom Zentrum der Galaxie - oder, um vergleichbare Bilder zu bemühen, als die VertreterInnen unserer korrupten, neoiberalen Einheitspartei vom Humanismus. Es wird wohl so weitergehen, auch bis zur millionsten Wiederholung.

Ich wünsche der Merkel und ihren ErfüllungsgehilfInnen in der ganzen Welt von Herzen die Pest und alle vefügbaren begleitenden Krankheiten an den Hals - und wünschte dennoch, ich könnte ihnen ein schönes, zufriedenes, kleines, erfülltes Leben gönnen, wenn sie endlich mit ihrem korrupten Tun aufhörten. Vielleicht schaffe ich das irgendwann ja noch - dann darf ich aber nicht mehr solche Lieder wie dieses von Sirenia anhören.

Freitag, 18. Juli 2014

Zitat des Tages: Wenn man stirbt


Du wirst bald sterben.
Der Regen fällt schon dichter.
Vogelzüge stürzen
Im Zick-Zack in die Leere.
An den Brücken
Sind die Kontrollen verstärkt.
Ins Trommelfell
Werden Signale eingebaut.
Alle Wohnungen
Sind ohne Türen.
Der Regen fällt schon dichter.

Nur die Nacht lässt noch
Auf sich warten,
Sie sucht nach ihrem
Dunkelsten Gewand. -

Du wirst bald sterben.

(Horst Bienek [1930-1990], in: "Traumbuch eines Gefangenen. Prosa und Gedichte", 1957)

Donnerstag, 17. Juli 2014

Das Ende der Zivilisationssimulation


Civilization was pretty great while it lasted, wasn't it? Too bad it's not going to [last] for much longer. According to a new study sponsored by NASA's Goddard Space Flight Center, we only have a few decades left before everything we know and hold dear collapses. / The report, written by applied mathematician Safa Motesharrei of the National Socio-Environmental Synthesis Center along with a team of natural and social scientists, explains that modern civilization is doomed. And there's not just one particular group to blame, but the entire fundamental structure and nature of our society.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Ich habe die Studie, die diesem Bericht zugrunde liegt, nicht gelesen - allerdings muss man auch kein Soziologe (oder Mathematiker) sein um zu bemerken, dass sich "unsere Gesellschaft" auf einem äußerst unheilvollen Weg befindet, der schnurstracks in die neuerliche Vollendung der puren Barbarei führt. Die wenigen Informationen, die dem Artikel zu entnehmen sind, lassen darauf schließen, dass auch hier wieder einmal die tatsächlichen Ursachen nicht genannt werden - es reicht eben nicht aus, die stetig zunehmende Spaltung der Menschheit in "reiche Eliten" und "arme Massen" zu kritisieren, wenn nicht gleichzeitig auch Ross und Reiter genannt werden, die eben genau dies systemisch verursachen. Man mag den Autoren unterstellen, dass sie mit dieser Formulierung ("the entire fundamental structure and nature of our society") den Kapitalismus meinen - aber wenn sie ihn nicht beim Namen nennen, sondern wild um ihn herum schwurbeln, nähert sich der Erkenntnisgewinn der RezipientInnen der Nulllinie.

Es ist ohnehin fraglich, ob das, was im "Westen" nach 1945 entstanden ist bzw. einmal mehr wieder neu gestartet wurde, überhaupt die Bezeichnung "Zivilisation" verdient. Ich jedenfalls halte es für abgrundtief unzivilisiert, auf Kosten anderer Menschen zu leben und sich selbst einen stetig steigenden Luxus zu gönnen, der auf dem Elend, der Ausbeutung und dem Tod so vieler anderer Menschen beruht. Wie man überhaupt auf den Gedanken kommen kann, dass ein perverses, inhumanes Prinzip der Konkurrenz und des gegeneinander Agierens zum persönlichen Vorteil und zum Nachteil aller anderen so etwas wie "Zivilisation" sein soll, wird mir zeitlebens ein unlösbares Rätsel bleiben. Ein Haifischbecken ist nicht zivilisiert, der Kapitalismus ist es unfraglich auch nicht.

Ein wenig amüsiert hat mich der Vergleich im Artikel, der illustrierend das "Ende der Maya" oder das "Ende des römischen Reiches" bemüht - so weit müssen wir nun wahrlich nicht in die Vergangenheit blicken, um jüngere Beispiel des immer wiederkehrenden kapitalistischen Endes der Zivilisation bzw. deren Simulation zu sehen. Vielleicht bedeutet das Wort "Zivilisation" aber auch in gewissen Kreisen etwas ganz anderes? Ich werde den Eindruck nicht los, dass im irrsinnigen Neusprech unserer untergehenden, verkommenen Zeit damit doch eher zunehmend Einkaufszentren, tolle Autos, "Smartphones", Kühlschränke und andere Konsumartikel gemeint sein sollen. In einem solchen Sinne ist diese kapitalistische, pervertierte Welt natürlich sehr "zivilisiert" - jedenfalls für eine gewisse "Elite". Eine "Zivilisation für manche", sozusagen.

Ich nenne das Barbarei. Und was die Studie da vorhersagt, hat nichts mit Zivilisation oder ihrem Ende zu tun, sondern mit der Rückkehr der bisher einmal mehr in ferne Regionen ausgelagerten Barbarei in den heimischen Garten - bald dürfen auch die Menschenmassen in Europa und in den USA wieder verstärkt vom perversen, verdorbenen Nektar des Kapitalismus kosten und müssen ihre kleinen Privilegien nach und nach wieder abgeben. Der Zyklus geht einmal mehr in die nächste Runde - beispielsweise in Griechenland, Spanien und Portugal ist die böse Saat gesät und gut gedüngt.

Es ist alles beim Alten und geht den gewohnten Gang in den Untergang.

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Der Krieg, wie ich ihn sah



(Zeichnung von Fritz Arnold [1883-1921], in "Simplicissimus", Heft 50 vom 11.03.1919)

Montag, 14. Juli 2014

Musik des Tages: Mars, the Bringer of War




(Gustav Holst [1874-1934]: "Mars, the Bringer of War", aus der Suite für Orchester "The Planets", Op. 32; The Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Charles Mackerras)


Anmerkung: Holst hat diese bis heute wegweisende Musik 1914 veröffentlicht und sie demnach in den Monaten und vielleicht Jahren davor komponiert. Ich kann mir keine treffendere, furchtbarere Hymne auf den physikalischen Beginn des kapitalistischen Zerfalls der gesamten "zivilisierten" Welt und die daraus resultierenden Jahrzehnte zweier Weltkriege, die beide für sich genommen jeder auch nur vorstellbaren Enthumanisierung und Gewaltverstärkung schon gedanklich entgleiten, vorstellen.

Hier hat der Komponist, der damals nicht einmal ansatzweise erahnen konnte, welche barbarischen Horrorszenarien in Kürze folgen würden, genau diesen Horror schon im Vorfeld in laute (Miss-)Töne gegossen - und es ist nur eine folgerichtige und noch perversere Entwicklung unserer heutigen abartigen Zeit, dass ausgerechnet diese Musik heute zu einer maßgeblichen Inspiration für die vielen Musikplagiatoren aus der banalen Filmindustrie geworden ist. Was damals bahnbrechende musikalische Kunst war, ist heute in einer endlosen Wiederholungsschleife zur billigen, effektheischenden Untermalung für die meist unkritische, oft sogar befürwortende filmische Darstellung von Gewalt, Kriegen oder bewusst herbeigeführten Katastrophen mutiert. Noch viel tiefer kann die Kunst - und mit ihr der Humanismus - kaum sinken.

Stellen wir uns für einen kurzen Moment doch einmal den glühenden Kriegstreiber Gauck vor, wie er in einem Konzertsaal diesen Tönen andächtig lauscht (oder lauschen muss) - um danach ans Rednerpult zu treten. Aber ich verlange und erwarte offensichtlich viel zu viel von der heutigen Menschheit, die auch ein Gauck ja nicht maßgeblich formt, sondern eher abbildet. Gauck würde nichts verstehen, allenfalls noch Vergleiche zur Filmmusik von "Star Wars" ziehen, und danach weiter pathetisch zum "gerechten", gar "freiheitlich-demokratischen" Krieg gegen "die Bösen" aufrufen.

Die Degeneration dieser tumben Menschen ist nicht nur im vollen Gange, sondern steht kurz vor einem neuen Meilenstein - allerspätestens dann, wenn die Generation, die den Horror der beiden Weltkriege noch miterlebt hat, endlich komplett auf die Friedhöfe verbracht ist, wird das böse Spektakel wieder von vorn losgehen. Und auch diesmal werden es dieselben "seriösen Herrschaften" sein, die wider besseres Wissen lächelnd die Startpistole heben und beherzt abfeuern - wie immer ohne zu wissen, welche neue, bisher nie dagewesene Greuel sie damit lostreten.

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Der Krieg, wie ich ihn sah



(Zeichnung von Fritz Arnold [1883-1921], in "Simplicissimus", Heft 48 vom 25.02.1919)