Mittwoch, 22. April 2015

Song des Tages: The Night of the Living Dead, oder: Deutschland.




(The Vision Bleak: "The Night of the Living Dead", aus dem Album "The Deathship Has a New Captain. 9 Songs of Death, Doom and Horror", 2003)

It was a chilly eve as fog rose from the tombs
and owls were howling, proclaiming our doom.
Look and behold! Shadows walking,
The dead are calling ...

This is the night of the living dead,
A nightmare -
The devil's called his creatures,
all are out to get your head!
This is the night of the living dead -
Oh Baby, this is the night of the undead ...

They creep and crawl down from the hills,
with penetrating stench, the air is slowly filled.
Look and behold! Shadows walking,
The dead are calling ...

This is the night of the living dead,
A nightmare -
The devil's called his creatures,
all are out to get your head!
This is the night of the living dead -
Oh Baby, this is the night of the undead ...



Anmerkung: An diesen Song musste ich unwillkürlich denken, als ich kürzlich nach längerer Abstinenz mal wieder in die "City" musste und mit den konsumwütigen Zombiehorden, die dort in Massen wie gedanken- und bewusstlos durch die schrille Einkaufshölle der glitzernden Fassaden stapften, konfrontiert wurde. Die üblichen und deutlich sichtbar zunehmenden kapitalistischen "Kollateralschäden" - wie beispielsweise Obdachlose, Bettler, herumirrende, offensichtlich narkotisierte Gestalten oder Alte, die in Mülleimern nach Pfandflaschen oder sonstigen "Wertgegenständen" suchen - gehörten wie selbstverständlich dazu, und kaum jemand nahm irgendeine erkennbare Notiz davon.

"Welch ein furchtbarer Horror", dachte ich noch, als ich mich endlich wieder auf der Rückfahrt ins ländliche, abgelegene Idyll - froh, der Zombiehölle einmal mehr entkommen zu sein - befand. Dort angekommen, musste ich mich aus Gründen, die ich hier nicht erläutern will, tatsächlich des Sonntags in die örtliche Kirche begeben. Dort erlebte ich das Folgende:

In gebührlichem Abstand zum Eingang der Kirche saß ein offensichtlich völlig verarmter, "südländisch" aussehender Mensch in zerrissener Kleidung, der eine Dose in den Händen hielt und ansonsten nichts tat - er sprach nicht, er gestikulierte nicht, er war völlig regungslos und blickte die vorbeilaufenden KirchgängerInnen lediglich an. Das war alles. Ich war gespannt, was sich nun ereignen würde und stellte mich etwas abseits unter einen Baum, rauchte eine Zigarette und beobachtete.

Ich fürchte, dass jeder schon ahnt, wie die Geschichte weiterging: Niemand beachtete den Mann - die an ihm vorbeigehenden "Gläubigen" unterließen es konsequent, ihn auch nur eines einzigen direkten Blickes zu würdigen, und es dauerte keine zehn Minuten (eher waren es fünf), bis der hochverehrte Herr Pfarrer persönlich erschien und den Mann leise, aber bestimmt des Platzes verwies.

Als ich meine Zigarette aufgeraucht hatte und das "Gotteshaus" äußerst widerwillig ebenfalls betrat, sprach mich im Foyer direkt eine ältere Dame in empörtem Tonfall an (Originalzitat): "Diese Penner werden aber auch immer dreister! Ist das eigentlich erlaubt?" - Ich hätte gerne geantwortet: "Zombie, geh' doch endlich Gehirne fressen - vielleicht wirkt's ja!", aber leider hat's nur zu einem gezischten "Ich finde es extrem beschämend, wie Sie sich hier verhalten" gereicht. Die Empörung der nach Luft schnappenden Dame wuchs dennoch und sie würdigte nunmehr mich keines Blickes mehr. Auch die Umstehenden sahen mich entgeistert an - mein relativ geruhsames Leben in der scheinbaren Dorfidylle ist nun wohl vorbei.

Das Thema der Predigt des "Gottesdienstes", dem ich sodann unter üblen Brechreizattacken folgen musste, lautete zu allem Überfluss: "Unsere christliche Solidarität mit Flüchtlingen", und die versammelte Gemeinde warf zwischen den frommen Liedern und Gebeten fleißig Spenden in den "Klingelbeutel".

Allerspätestens seit diesem surrealen Erlebnis weiß ich: Der obige Song sollte (wohl nicht nur) in dieser Kirche zur ständigen Beschallung eingesetzt werden. Zombieland ist überall in Deutschland - gewiss nicht nur in den Großstädten.


Dienstag, 21. April 2015

Zitat des Tages: Die Fahrt nach der Irrenanstalt


I
Auf lauten Linien fallen fette Bahnen
Vorbei an Häusern, die wie Särge sind.
An Ecken kauern Karren mit Bananen.
Nur wenig Mist erfreut ein hartes Kind.

Die Menschenbiester gleiten ganz verloren
Im Bild der Straße, elend grau und grell.
Arbeiter fließen von verkommnen Toren.
Ein müder Mensch geht still in ein Rondell.

Ein Leichenwagen kriecht, voran zwei Rappen,
Weich wie ein Wurm und schwach die Straße hin.
Und über allem hängt ein alter Lappen –
Der Himmel ... heidenhaft und ohne Sinn.

II
Ein kleines Mädchen hockt mit einem kleinen Bruder
Bei einer umgestürzten Wassertonne.
In Fetzen, fressend liegt ein Menschenluder
Wie ein Zigarrenstummel auf der gelben Sonne.

Zwei dünne Ziegen stehn in weiten grünen Räumen
An Pflöcken, deren Strick sich manchmal straffte.
Unsichtbar hinter ungeheuren Bäumen
Unglaublich friedlich naht das große Grauenhafte.

(Alfred Lichtenstein [1889-1914], in: "Dichtungen". Arche 1989. Erstdruck Teil I in: "Die Aktion", Nr. 7, 1912; Teil II in: Ebd., Nr. 32, 1912.)


Montag, 20. April 2015

Stasi 2.0: Der nächste Versuch


Nachdem ich vor einigen Tagen über die lapidare Nachricht gestolpert bin, dass die korrupte Bande - nun in trauter christ- und sozialdemokratischer Eintracht - den nächsten Versuch zu Einführung der grundgesetzwidrigen Totalüberwachung aller BürgerInnen dieses Landes auf den Weg gebracht hat, hatte ich eigentlich vor, etwas mehr dazu zu schreiben. Neben einem für öffentlich-rechtliche Verhältnisse vergleichsweise kritischen Text von Jörg Schieb beim WDR ist mir nun aber der Kollege flatter vom Feynsinn-Blog zuvorgekommen. Dessen Ausführungen zum Thema ist in der Tat kaum etwas hinzuzufügen - da gilt eine strikte und nachdrückliche Leseempfehlung.

Diese Bande schert sich nicht einmal ansatzweise um das Grundgesetz und erst recht nicht um höchstrichterliche Urteile dazu - allmählich schwindet meine (letzte verbliebene) Hoffnung, dass das Bundesverfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof diesem stetig wiederholten Ansturm der feuchten Totalüberwachungsfantasien der "Elite"-Marionetten dauerhaft wirklich standhalten können - bzw. wollen bzw. "dürfen".

Besonders hervorzuheben ist im aktuellen Fall - neben der wie immer standhaft verfassungsfeindlichen Konsequenz der Union in dieser Frage - selbstredend die Verräterpartei der asozialen Antidemokraten (SPD). Schieb schreibt dazu:

Obwohl [der Minister für staatliche Gewalt und Allmacht] Heiko Maas [SPD] die VDS noch vor einigen Wochen vehement abgelehnt hatte, ist er jetzt vorne mit dabei und setzt sich für eine VDS 2.0 ein. / (...) Wer sich intensiver mit der Thematik beschäftigt und sich nicht zum Unterstützer eines Überwachungsstaates machen möchte, muss deshalb früher oder später zu dem Schluss kommen: Der Schaden ist weitaus schlimmer als der Nutzen. Vor allem, weil es kaum [gar keine, Anm.d.Kap.] Belege dafür gibt, dass mit der Vorratsdatenspeicherung deutlich mehr Straftaten aufgedeckt werden können. Verhindert schon gar nicht. Denn dann müssten wir angesichts der von der NSA angehäuften Daten uns ja über eine nahezu 100-prozentige Aufklärungsrate freuen dürfen.

Inzwischen reichen für die "GenossInnen" bereits "einige Wochen" aus, um von der einst propagierten Meinung zum genauen Gegenteil zu konvertieren - das grenzt schon fast an die bizarren Merkel'schen Verhältnisse. Inzwischen müsste aber sowieso jedem klar sein, dass diese Gestalten allesamt austauschbar sind: Wenn Maas, Gabriel, Merkel, "die Misere" und all die anderen aktuellen Sockenpuppen den schmierigen Job auf dem Weg in die Diktatur nicht mehr machen, werden es eben irgendwelche neuen Klone aus den schier endlosen Reihen der korrumpierten, eigennutzfixierten Schlips-Borg tun, die heute schon wild mit den Hufen im braunen Schlamm scharren und ihre Schäfchen ebenfalls ins Trockene bringen wollen - je mehr, desto besser.

Lest den flatter. Er hat - leider, leider, leider! - recht.

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Aktuelles: Die Verfassung auf dem Seziertisch



(Lithografie von Honoré Daumier [1808-1879], in: "Le Charivari", 1869)

Samstag, 18. April 2015

Realitätsflucht (19): Risen




Mein heutiger Fluchtexkurs in die Virtualität führt in die Welt des deutschen Entwicklerstudios Piranha Bytes und deren Spiel "Risen" aus dem Jahr 2009. Dieser Nachfolger der wohlbekannten Gothic-Reihe war für mich persönlich das - nach "Fable" - zweite Rollenspiel dieser Art, das ich überhaupt gespielt habe. Und, um das Fazit vorwegzunehmen, es bleibt für mich eines der besten Spiele, die auf diesem Gebiet bisher entwickelt worden sind.

Zur Geschichte gibt es nicht viel zu sagen: In altbewährter Gothic-Tradition findet sich der Spieler am Beginn als natürlich "namenloser Held" als Schiffbrüchiger am Strand einer ebenso namenlosen Insel wieder, von wo er sich sodann aufmacht, eben diese zu erkunden und sie nebenher vor dem Untergang zu bewahren. Der Rahmen dieser Geschichte ist sehr krude und lautet verkürzt so: Die Götter, die seit Urzeiten herrschten und die Titanen im Zaum hielten, haben die Welt verlassen, weshalb nun der Untergang der Welt durch jene, nun entfesselten Titanen droht. Es versteht sich von selbst, dass es auch in dieser Geschichte einen größenwahnsinnigen Vollidioten (nämlich den Inquisitor Mendoza) gibt, der meint, die bösen Mächte beherrschen und für seine eigenen Zwecke nutzen zu können - ganz so, wie es ähnliche Gesellen in unserer realen Welt auch heute immer noch tun.

Bis dieser lächerliche CDU-Trottel im Vorbeigehen besiegt werden kann, vergehen viele Stunden voller Spielspaß, die es in sich haben: Der namenlose Held hat unzählige Quests zu erledigen, die ihn sowohl bezüglich des Kampfes, als auch in Sachen sozialer Kompetenz stetig voranbringen. Der Spieler hat die Wahl, ob er aus seinem Helden einen kraftstrotzenden Kämpfer, einen mächtigen Magier, einen weisen Alchemisten, einen fiesen Dieb oder einen fabulösen Schmied machen möchte - oder ob er eine wilde Mixtur all dieser Fähigkeiten bevorzugt.

Zu Beginn muss man sich bereits entscheiden, ob man lieber den Weg des Magiers oder den des Kämpfers bevorzugt - das Spiel nimmt einem unwilligen Spieler die Entscheidung allerdings ab, indem es den namenlosen Helden, wenn der Spieler nicht aufpasst, ziemlich schnell als Zwangsrekrut in die Magierfestung katapultiert. Wer das nicht möchte, sollte dem Rat des ersten Banditen, dem man im Spiel begegnet, schnell Folge leisten.

Wie in solchen Spielen gewohnt, gibt es für jede erledigte Aufgabe Erfahrungspunkte, die regelmäßig zu Level-Aufstiegen führen. Über die damit verbundenen Lernpunkte kann der Spieler frei verfügen und bei verschiedenen Lehrern im Spiel ganz unterschiedliche Fertigkeiten erlernen. Besonders hervorheben möchte ich hier die Waffenart der Armbrust, die in anderen Spielen dieser Art eher selten vorkommt. Bogenschießen in "Skyrim" macht schon Spaß - aber gegen die Armbrust in "Risen" kann das nicht anstinken.

Das Spiel ist anfangs sehr leicht, wird zunehmend aber immer schwieriger. Die aus "Gothic III" (das ich persönlich erst später gespielt habe) bekannte Taktik, aus einer größeren Gruppe mittels Fernkampfwaffe einzelne Gegner herauszulocken, um sie dann leicht nacheinander zu erledigen, funktioniert hier leider nur sehr selten. Dafür kann man in Gefahrensituationen fast immer die Beine in die Hand nehmen und vor den Feinden fliehen - oder sie zu Verbündeten führen, die sie dann bekämpfen.

Ein totaler Stilbruch ist allerdings der Endkampf mit dem Feuertitan, den man angesichts der zuvor im Spiel verbrachten vielen Stunden einfach nicht ernstnehmen kann. Hier haben die Entwickler offensichtlich Konzessionen mit billigen Konsolenspielen gemacht - anders ist das alberne Herumgehopse, das man hier absolvieren soll, nicht erklärbar. Es ist schade, dass hier kurz vorm Orgasmus ein so lächerlicher coitus interruptus eingebaut wurde.

Die Grafik des Spiels ist zeitgemäß, die deutsche Sprachausgabe ist professionell, die Musik ist minimalistisch, aber passend. Ich habe nach "Risen" kein Rollenspiel mehr gespielt, das mir mehr Spaß gemacht und das mich mehr in seinen Bann gezogen hat. Auch der Vorgänger "Gothic III" und der Nachfolger "Risen II" (über die ich beide sicher noch schreiben werde) können daran nichts ändern. Wer das Spiel noch nicht ausprobiert hat, sollte das dringlichst tun.


Freitag, 17. April 2015

Song des Tages: Cold Cell




(Coil: "Cold Cell", aus dem Album "The Ape of Naples", 2005)

O Lord, save my sinful soul
From local punishment
From the far-away zone

From being frisked
From the tall fence
From the severe prosecutor
From the Devil or from the devil owner
From small rations
From dirty water
From steel handcuffs
From hidden obligations

A cold cell
And short haircuts
Save us from the death penalty
Amen
Amen
Amen



Anmerkung: Der Text dieses Songs ist laut CD-Booklet die ins Englische übertragene Version eines "russischen Häftlingsgebets" aus der dunklen Zeit Stalins und der Gulags. Das Album wurde kurz nach dem tragischen Tod des Sängers John Balance [1962-2004] veröffentlicht und gehört nach meinem Empfinden zu den besten Arbeiten dieser großartigen Ausnahmeband.

Ganz am Rande: Wer auf dem Cover lediglich einen "brüllenden Affen mit zum Gebet erhobenen Händen" erkennt, sollte sich das Bild einmal auf dem Kopf stehend ansehen und dabei an das böse Szenario einer Kastration denken.

Donnerstag, 16. April 2015

Triumph der Bigotterie (2): "Nationale Betroffenheit"


Die widerliche, menschenfeindliche Bande zieht ihren verabscheuungswürdigen Heuchelkurs unbeirrt durch (hier geht's zum ersten Teil). Was interessieren Merkel, Gabriel & Co. tote "Neger", wenn es stattdessen auch medienwirksam Deutsche zu "betrauern" gibt?

Ein Gastbeitrag von Altautonomer.

Wenn die politische Elite der "Weltmeister der Herzen" eines perfekt beherrscht, dann ist es die öffentliche Trauer-"Arbeit", das Zelebrieren von angeblicher Betroffenheit. Für die "größte Trauerfeier Deutschlands" (Vorsicht: Link geht zur BLÖD-"Zeitung") im Kölner Dom werden neben Ana Pastor Julián (Spaniens Verkehrsministerin) und Laurent Fabius (Frankreichs Außenminister) die üblichen Repräsentanten des geheuchelten Mitleids aus Deutschland dabei sein: Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Kanzlerin Angela Merkel, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sowie Hessens Ministerpräsident Volker Buffier.

Niemand denkt daran, diese Trauerzeremonie abzusagen, sie zu verschieben oder eine weitere für die neuen Opfer zu planen. Denn am vergangenen Wochenende sind vor der Küste Libyens 400 Flüchtlinge ertrunken, weil ihr überladenes Boot kenterte. Darunter auch eine schwangere Frau, während eine weitere Frau noch auf dem Rettungsschiff der italienischen Kriegsmarine ein Baby zur Welt brachte. Für diese Toten aus armen Ländern bricht kein Politiker seine Urlaubsreise ab, es fliegen auch weder Merkel noch Steinmeier nach Lampedusa, um mit einem italienischem Hubschrauber über die Stelle im Mittelmeer zu fliegen, an der das Boot gekentert ist. Es macht sich auch keine Armee von Journalisten auf nach Libyen, um dort in penetranter Art und Weise die Hinterbliebenen der Opfer, so sie dort anzutreffen wären, zu filmen oder zu interviewen.

Pech eben, dass unter den Opfern keine Deutschen waren.

Obwohl in diesem Jahr bereits rund 900 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer, dem größten Friedhof Europas, ertrunken sind (2014 waren es über 3.000), beschränkt sich die Reaktion der Bundesrepublik auf das Statement von Regierungssprecher Steffen Seibert, der nicht müde wird, im Auftrag seiner Chefin bei Unterschlagung der Verantwortung von "Frontex" zu wiederholen, dass die Länder, aus denen die Flüchtlinge aufbrechen, "die Schlepperaktivitäten besser bekämpfen" müssten. Der Kanzlerin, dem Außenminister, dem Bundesgauckler und dem sozialdemokratischen Erzengel Gabriel ("Dick und Doof in einer Person") sind diese Toten nicht einmal eine Pressekonferenz oder irgendeine sonstige Bemerkung wert.

Das Sterben vor den Stränden der südeuropäischen Urlaubsparadiese geht unterdessen weiter. Diejenigen, die die rettenden Küsten Europas lebend erreichen, werden dagegen von den Medien zur "Asylantenschwemme" und Bedrohung für die Einwanderungsländer gebrandmarkt. Nicht wenige davon werden in Deutschland direkt in Abschiebehaft genommen und dürfen sich dort gleich wie zu Hause fühlen.

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Anmerkung des Kapitäns: Wenn ich so viel kotzen könnte wie ich müsste, wäre der Kölner Dom schon vor der Ankunft der widerwärtigen Heuchlerbande bis zum Rand gefüllt und damit nicht begehbar.

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Magenbeschwerden



(Lithografie von George Grosz [1893-1959] aus dem Jahr 1921, in: "Ecce Homo", Malik 1923)

Mittwoch, 15. April 2015

Zitat des Tages: Schlussstück


Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
Wagt er zu weinen
Mitten in uns.

(Rainer Maria Rilke [1875-1926], in: "Das Buch der Bilder", 1902)

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Bildnis eines toten jungen Wissenschaftlers



(Gemälde von Jiří Georg Dokoupil [*1954] aus dem Jahr 1982, Dispersion auf Nessel, Privatbesitz [sic!], Köln)

Dienstag, 14. April 2015

Musik des Tages: Klavierkonzert Nr. 1 in e-moll




  1. Allegro maestoso
  2. Romanze – Larghetto
  3. Rondo – Vivace

(Frédéric Chopin [1810-1849]: Klavierkonzert Nr. 1 in e-moll, Op. 11; Israel Philharmonic Orchestra, Klavier: Evgeny Kissin, Leitung: Zubin Mehta, 2011)

Nachrichten aus Kapitalistan: "Weil überall Geld fehlt"?


Wer kennt ihn nicht, diesen dusseligen Spruch, der sich unter Anderem in absurden Feststellungen niederschlägt wie XY "muss den Gürtel enger schnallen" oder XY "hat über seine Verhältnisse gelebt"? Die angebliche Geldknappheit - ein systemisches Wesensmerkmal des eigentlich laut offizieller Propaganda ja "Wohlstand bringenden" Kapitalismus - wird immerzu als alternativloses Totschlagargument angeführt, wenn wieder einmal in großem Stil gekürzt, also verarmt (sprich: von unten nach oben umverteilt) werden soll.

Ein unscheinbarer Text bei n-tv klärt den so gebeutelten Verarmten oder von Armut Bedrohten nun lapidar auf:

42 Milliarden Euro für Aktionäre / Deutsche AGs zahlen Rekord-Dividenden / Nicht nur im Dax regnet es derzeit Geld für Anleger - in Summe zahlen alle börsennotierten deutschen Unternehmen laut einer Studie so viel Dividende wie noch nie zuvor.

Das widerliche Gesindel der Superreichen, das im Kapitalismus in diesem Zusammenhang gern euphemistisch als "Anleger" oder gar "Investoren" bezeichnet wird, füllt sich unverdrossen, kontinuierlich und nach wie vor völlig hemmungslos die schon lange aus allen Nähten platzenden, überquellenden Taschen, während zeitgleich das offizielle Gejammere über die angebliche Geldknappheit munter weiter aufrechterhalten wird.

So geht Orwell im 21. Jahrhundert. Und wie wir tagtäglich beobachten können, funktioniert der irrsinnige Schwindel auch heute noch immer - oder, korrekter gesagt, besser als jemals zuvor: Fast die gesamte Bevölkerung trabt grunzend wie eine Horde hirntoter Zombies im Propagandastrom mit, schuftet brav für den steten Vermögenszuwachs der feudalen Herrschaften und bemerkt nicht einmal, welche Sklavendienste sie überhaupt leistet. Es gibt massenhaft ZeitgenossInnen, die perfekt konditioniert sind und das infantile Märchen von der "Eigenverantwortung" schon so weit verinnerlicht haben, dass sie nicht einmal im Traum auf die Idee kämen, es angesichts der herrschenden Verhältnisse auch nur kurz in Frage zu stellen - während zeitgleich das "elitäre" Pack leistungs- und verantwortungslos die Milliarden auf Kosten aller anderer Menschen unaufhaltsam an sich rafft.

Dieser perversen Welt fehlt kein Geld, und zwar nirgends - dieser Welt fehlt lediglich eine ausgewachsene Revolution. - Darauf können wir im obrigkeitshörigen Dumm-Deutschland indes warten, bis der Bart gleich dreimal um den Erdball reicht und die Sonne verdunkelt.

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Gottvertrauen


"Halb sechs - sie muss kommen, die Weltrevolution!"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 15 vom 08.07.1919)

Donnerstag, 9. April 2015

Abmeldung - und Song des Tages: War




(Sleeping Pulse: "War", aus dem Album "Under The Same Sky", 2014)

Could I be wrong or did I just watch
You cut your own throat to maintain a sense of control?
Within, where logic sleeps with the pigs
I'm half in your world, so you drag me down with your ship

Lead us into war - leave the real world behind
Give in to scorn - burn, run and hide

Waging our war has given me something pure to believe in
From my moral high ground I'm up here looking down
At the parasites snapping at the air
And I guess I'm still somewhat confused
You put a grenade in your mouth and pulled the pin out
In the hope that I'd get hurt by the blast

I offered to drop, even begged you to stop
For your own worthless sake and I meant what I said
But you had to defile and then hid like a child
Let the grown-ups clean over the mess that you'd made ...

(Do you feel shame?)

Lead us into war - leave the real world behind
Give in to scorn - burn, run and hide

I can see the waves rushing from your shores
I can hear the praise running from your door
You sacrificed your name and all that you've worked for
Just to feed your scorn



Anmerkung: Ich weiß, momentan ist nicht viel los auf dem Narrenschiff. Das hat persönliche Gründe, die mich nachhaltig davon abhalten, allzu viel Zeit mit dem Lesen und Schreiben von tagesaktuellen Texten zu verbringen. Bis das wieder anders wird, kann vielleicht das eine oder andere Zitat oder Musikstück die sprachliche Leere ein wenig überbrücken, hoffe ich.

Dieser Song jedenfalls beschreibt meinen aktuellen Lebens- und daraus resultierenden Gemütszustand ziemlich gut. Der Krieg ist in vollem Gange - und das betrifft momentan nicht "nur" den äußeren Krieg der "Elite" gegen Humanismus, Demokratie und sämtliche Errungenschaften der einstmals "gebändigten" kapitalistischen Wohlstandsinsel in Westeuropa nach 1945, sondern leider auch den schlichten Angriff von Krankheit und Tod auf mir nahestehende Menschen. Meine Energie und volle Aufmerksamkeit wird jetzt anderswo benötigt. Mitten auf dem Schlachtfeld des Lebens.

[NSA-Service: "Der Teilnehmer hat sich vorübergehend ausgeloggt."]

Montag, 6. April 2015

Zitat des Tages: Du hast einen Feind


Was du verdienst, ist ihm egal -
solang er noch an dir genug verdient.
Was du ausgibst, ist ihm egal -
solang du nur einkaufst bei ihm.
Was du einkaufst, ist ihm egal -
solang er entscheidet, ob du anständig aussiehst.
Wie du aussiehst, ist ihm egal -
solang deine Haare nicht zu lang sind.
Wie lang deine Haare sind, ist ihm egal -
solang du die Schnauze hältst.
Deine Meinung ist ihm egal -
solang du schuftest für ihn.
Was du gegen ihn sagst, ist ihm egal,
solang du nichts tust gegen ihn.

Wo du arbeiten musst, ist ihm egal -
solang du nicht siehst, wo er faulenzt.
Wo du wohnst, ist ihm egal -
solang du pünktlich die Miete zahlst an ihn.
Welchen Hit du hörst, ist ihm egal -
solang du nach seiner Pfeife tanzt.
Welchen Krimi du siehst, ist ihm egal -
solang du nicht ihn überführst.

Versuch mit ihm zu reden -
er kann nur toben oder tätscheln.
Versuch mit ihm zu verhandeln -
er lacht und haut dich in die Pfanne.
Eh er seinen Besitz abtritt,
eh er verduftet -
schlägt er lieber die Welt kaputt
und dich mit.

Du hast einen Feind:
Schon wieder holt er aus
und drischt auf dich ein -
solang du ihn dreschen lässt.

(Friedrich Christian Delius [*1943], in: Born / Delius / von Törne: "Rezepte für Friedenszeiten. Gedichte", Aufbau 1973)


Todesstrafe: Die staatlichen Mörderbanden und die "offiziellen Zahlen"


Wie jedes Jahr hat Amnesty International auch jüngst wieder einen Report über die weltweit verhängten und vollstreckten Todesurteile veröffentlicht. Die Zahlen geben einmal mehr wenig Anlass zur Hoffnung:



Unsere Propagandamedien haben die entsprechende Agenturmeldung, ebenfalls wie jedes Jahr, dankbar aufgegriffen und sie kritiklos und weitgehend unverändert weiterverbreitet (siehe beispielsweise hier oder hier). Der Aussagewert dieses Reports, der fast ausnahmslos einzig auf "offiziellen" Zahlen der jeweiligen Staaten beruht, wird hingegen einmal mehr nicht in Frage gestellt. Einzig für China wurde die Zahl - auf welcher Datenbasis auch immer - einfach mal geschätzt und dennoch mit den übrigen "offiziellen" Verlautbarungen in eine vergleichende Reihe gestellt.

Wie hanebüchen eine solche Vorgehensweise ist, wird schon an einem einzigen Beispiel deutlich: In den USA gibt es bekanntermaßen nicht nur die "offizielle", von Gerichten verhängte Todesstrafe, sondern parallel auch die sogenannte Todesliste, anhand derer weltweit Menschen von Geheimdiensten und vom Militär ohne eine vorherige Anhörung oder gar ein Gerichtsverfahren ermordet werden - Amnesty berichtet an anderer Stelle darüber. Genaue Zahlen gibt es dazu natürlich nicht - unwidersprochen blieben bislang allerdings verschiedene Berichte über mehrere tausend allein von amerikanischen Drohnen ermordete Menschen (Beispiel Pakistan); und Drohnen stellen nur eine von vielen denkbaren Arten des staatlichen Mordes dar, der unterdessen munter immer weitergeht.

Der komplette AI-Report ist damit hinfällig und besitzt keinerlei informative Aussagekraft. Es ist davon auszugehen, dass die Regime der USA und Chinas gewiss nicht die einzigen mordenden Regierungsbanden auf diesem verkommenen Planeten sind, die selbst auf einen Rest einer rechtsstaatlichen Fassade - so bröckelig und verfallen sie auch sein mag - verzichten. Für einen betroffenen Menschen ist es vollkommen gleichgültig, ob ihm das Recht auf Leben von einem Gericht, von PolitikerInnen oder von irgendwelchen dubiosen Hinterzimmergestalten aus geheimdienstlichen, militärischen, religiösen oder sonstwie "elitären" Kreisen abgesprochen wird - verwerflich, widerwärtig, geradezu niederträchtig und scharf zu verurteilen ist das alles gleichermaßen.

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Schöpfungsgeschichte


"Als Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, bekamen Adam und Eva den Friedenspreis."

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 40 vom 03.01.1927)

Freitag, 3. April 2015

Song des Tages: Amnesia




(Dead Can Dance: "Amnesia", aus dem Album "Anastasis", 2012)

Saw the demonstration
On remembrance day
Lest we forget the lesson
Enshrined in funeral clay
History is never written
By those who've lost
The defeated must bear witness to
Our collective memory loss

With every generation comes
Another memory lapse
See the demonstrations of
Failing to learn from our past
We live in the dreamtime
Nothing seems to last
Can you really plan a future
When you no longer have a past

Memories fall from the trees
- Amnesia -
Memories like autumn leaves

If we are subject to
Empirical minds
I wonder what lies beyond
Our memory's confines
If memory is the true
Sum of who we are
May your children know the truth
And shine like the brightest star

Memories, help me see
- Amnesia -
Memories, set me free

All my love and all my kisses
Sweet Mnemosyne
All my love and all my kisses
Sweet Mnemosyne
Sweet Mnemosyne




Anmerkung: Dies ist der vielleicht eindringlichste neuzeitliche Song gegen das Vergessen, der mir bekannt ist. Wenn dieser seit Jahrhunderten andauernde, immer gleiche Ablauf derselben perfiden Mechanismen, die bislang noch ausnahmslos jede Zivilisation oder Hochkultur - oder was heute rückblickend so geschimpft wird - in die Katastrophe und nachhaltige Zerstörung und Auslöschung getrieben haben, nicht endlich gestoppt wird, sieht es auch für unsere zerbröckelnde Insel der "Zivilisation" zappenduster aus.

Anlass zur Hoffnung besteht indes nicht - die Kapelle der korrupten Bande spielt auch heute nur umso schriller, je größer die klaffenden Lecks im Rumpf des sinkenden Dampfers werden. Und so gilt auch weiterhin die allzu leidvolle Erkenntnis, die inzwischen längst zum perversen Motto der menschlichen Spezies geworden ist:

"Those who cannot remember the past are condemned to repeat it."

(George Santayana [1863-1952], in: "The Life of Reason", 1905/06)

Mittwoch, 1. April 2015

Nebenschauplatz Flugzeugabsturz: Triumph der Bigotterie


Ich hatte mir zu diesem Thema eigentlich eine Maulsperre verordnet, um angesichts eines solch sensiblen Sujets nicht ausfällig werden und möglicherweise dem einen oder anderen betroffenen Menschen pietätlos auf die Füße treten zu müssen - angesichts des anhaltenden, um sich greifenden Wahnsinns in Politik, Medien und teilweise sogar kritischen Blogs bleibt mir nun aber keine Wahl mehr und ich muss mich äußern.

Dieses Ereignis ist tatsächlich in allen Facetten ekelerregend: Es ist widerlich, dass viele Menschen gestorben sind; es ist widerlich, dass diese Tatsache innerhalb kürzester Zeit für geheuchelte politische Beileidsbekundungen missbraucht wurde; es ist widerlich, dass Politiker und Medien diesen Unfall zusätzlich unverzüglich für allerlei unterschiedliche Ziele instrumentalisiert haben und dies weiterhin tun; es ist widerlich, dass jenseits der Fakten bezüglich der Ursachen des Unglücks wild spekuliert wird, als seien alle Beteiligten vollkommen irre geworden; es ist widerlich, dass der vermeintliche Täter inzwischen posthum - samt seinem familiären Umfeld - wie eine böse Sau durchs verkommene Dorf getrieben wird.

Mich widert das nur noch an und ich ersehne seit Tagen ein Ende dieser irrwitzigen politisch-medialen Kampagne, welche die Verkommenheit des kaptitalistischen Systems noch übler gar nicht illustrieren könnte. Werfen wir doch einfach mal einen kurzen Blick auf die dünnen Fakten:

  1. Ein Flugzeug ist abgestürzt. - Das tun Flugzeuge, seit es sie gibt, leider immer wieder, und die Gründe dafür sind vielfältig. Ein bewusst herbeigeführter Absturz durch einen Piloten in suizidaler Absicht - der, wie gesagt, aktuell nicht mehr als nur eine vage Mutmaßung ist - stellt bezüglich eines großen Passagierflugzeugs die absolute Ausnahme dar, die meines Wissens bislang noch niemals zuvor dokumentiert worden ist. Weshalb ein solcher eventueller Ausnahmefall, den es nebenbei auch in allen übrigen Bereichen des menschlichen Lebens zu jeder Zeit und an jedem Ort geben kann, medial so aufgebauscht und schrill verzerrt wird, erschließt sich einem nüchternen Betrachter in keiner Weise.

  2. Seit Tagen beherrscht dieses Unglück bzw. beherrschen die wildesten Spekulationen darüber die Medienlandschaft - wodurch die Berichterstattung über andere, möglicherweise weitaus relevantere Themen erfolgreich verhindert wird.

  3. Das Thema "psychische Erkrankungen" rückt einmal mehr ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit. Es ist keine Neuigkeit, dass in diesem korrupten Land seit geraumer Zeit versucht wird, "abweichendem" Verhalten den Stempel der psychischen Krankheit aufzudrücken ("Jobcenter" tun das beispielsweise, wenn irgend möglich, sehr gerne) oder unliebsame Zeitgenossen auf diese Weise aus dem Weg zu räumen. Die aktuelle Propaganda illustriert das sehr anschaulich, wenn beispielsweise beim WDR zu lesen ist: "Co-Pilot galt vor Jahren als selbstmordgefährdet", um danach flugs zu relativieren und den nächsten Absatz dennoch mit der hanebüchenen, in diesem Kontext völlig irrsinnigen Headline zu beginnen: "Weiter Rätselraten um Motiv". Für die Propagandaverbreiter steht eben fest: Der "psychisch Kranke" trägt die Schuld; irgendwelcher Beweise - sowohl bezüglich der "Krankheit", als auch bezüglich der Täterschaft - bedarf es offenbar nicht. Auch die schnöde Tatsache, dass ein tatsächlich kranker Mensch in der Regel auch nicht schuldfähig sein kann, findet keinen Eingang in diese üble Hetze. Außerdem ist es ein ausgemachter Skandal, dass medizinische Details, die in der Öffentlichkeit absolut nichts verloren haben, hier nicht nur wie gewohnt von Springers Hetzblättern ungehemmt ausgebreitet werden, sondern auch von den öffentlich-rechtlichen Kuhmedien und sonstigen Qualitätsposaunen. Entsprechend wird nun bereits in einigen dieser Medien das Prinzip der ärztlichen Schweigepflicht angegriffen.

  4. Das perverse kapitalistische System produziert [!] jeden verdammten Tag zehn-, gar hunderttausende von Toten: Zu all den Verhungerten, Verdursteten und an heilbaren Krankheiten Gestorbenen kommen noch all die Ermordeten hinzu, die amerikanischen Drohnen und den imperialistischen Angriffskriegen der NATO laufend zum Opfer fallen. Millionen von Toten im Irak, alle fünf Sekunden ein verhungertes Kind unter zehn Jahren weltweit, eine drastisch erhöhte Suizidrate beispielsweise in Griechenland - die Liste ist schier endlos. Für all diese Menschen gibt es keine politischen Beileidsheucheleien, medialen Sonderberichte oder gar investigativen Untersuchungen - letzteres darf nach herrschaftlicher Weisung ja auch gar nicht sein, da man ansonsten zu dem Schluss kommen müsste, dass das kapitalistische System der Habgier die Ursache der Katastrophen ist. Und das muss um jeden Preis verhindert werden - sagen die "Eliten", und die hörigen Knappen folgen brav und willig.

Die Bigotterie, Heuchelei und Sensationsgier der korrupten Bande feiern in diesem Land ebenso ungeahnte Triumphe wie die schamlos ausgenutze Instrumentalisierung jedweder Ereignisse - je katastrophaler bzw. größer, desto besser - für eigennützige, menschenfeindliche Zwecke. Ich kann mich da tatsächlich nur noch angewidert abwenden, ab sofort erneut mein Maul halten und die Flucht in virtuelle Welten antreten. Täte ich das nicht, brächte ich meine pazifistische Gesinnung in arge Bedrängnis.

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Tender Lie



(Gemälde von Francesco Clemente [*1952] aus dem Jahr 1984, Mischtechnik auf Holz und Aluminium, Privatbesitz, Zürich)

Montag, 30. März 2015

Konzert des Tages: Roger Waters & The Bleeding Hearts Band




(Roger Waters & The Bleeding Hearts Band: "In The Flesh", Konzert in der Rose Garden Arena, Portland, Oregon, USA am 20.07.2000)

Anmerkung: Was Waters mit seinen KollegInnen in diesem 15 Jahre alten zweieinhalbstündigen Konzert abgeliefert hat, beeindruckt mich wirklich sehr. Der Mann hat hier außergewöhnliche Musiker und Sängerinnen engagiert, die allesamt virtuoser und schlicht besser spielen als die gesamte ehemalige Pink-Floyd-Mannschaft einschließlich Waters selbst. Zu Beginn wird ganze anderthalb Stunden lang eine fulminante Auswahl von Stücken aus sämtlichen Floyd-Alben von 1973 bis 1983 dargeboten, die kein Auge trocken und kein Ohr ungerührt lassen kann - einschließlich eines epischen Syd-Barrett-Memorial-Teils, der fast das gesamte Album "Wish You Were Here" umfasst, nebst einem Schmankerl aus dem Jahr 1968, das im Original vom legandären Mitbegründer der Floyds noch mit eingespielt wurde, sowie einem mit 60er-Jahre Glamour-Anzug bekleideten und Barrett-Perücke tragenden Gitarristen. Abgerundet wird das Spektakel von einigen jüngeren Waters-Songs, vor allem aus dem Album "Amused to Death", gefolgt vom unvermeidlichen Finale aus "The Dark Side Of The Moon", dem Wall-Song "Comfortably Numb" und dem eigens für diese Konzertreihe geschriebenen "Each Small Candle".

Ich habe dem Mann, den ich zuvor in den frühen 90ern einige Male live erlebt habe und davon eher mäßig angetan war, einen solchen Auftritt nicht mehr zugetraut und war hellauf begeistert, als ich ein anderes Konzert dieser Tournee kürzlich auf DVD sah. Es wird vermutlich nicht allzu lange bei youtube verfügbar sein - wer es sich dort in einer zumindest halbwegs erträglichen Bild- und Tonqualität anschauen möchte, sollte sich also sputen. Für mich persönlich war beim Ansehen die Erkenntnis ein wenig erschreckend, dass ich tatsächlich sämtliche Textzeilen nach wie vor auswendig kenne - ich habe meine bisherige Lebenszeit offensichtlich in nicht unerheblichem Maße mit Pink Floyd und Roger Waters verbracht ... ;-)