Das Meer hat seine Gestade verändert,
Übel riecht sein Mund,
Wild bellt es durch die Regenwindnacht.
Die Sterne hausen in undurchsichtigen Wolken,
Im Auto sinnt ein Bankier:
"Was bezahlt der Mond für sein Licht?
Was hat die Sonne davon?"
Ich aber möchte in allen Welten groß inserieren:
Komet gesucht,
der die Erde zertrümmert.
(Albert Ehrenstein [1886-1950], in "Werke, Band 4: Gedichte", Klaus Boer 2003; zuerst in "Simplicissimus", Heft 8 vom 21.05.1928)
Statt einer Anmerkung ein Auszug aus dem Vorwort des Herausgebers Hanni Mittelmann zu dem Ehrenstein-Band "»Kein Schrei weckt dies konservativ blökende Schlafvolk«. Aphorismen aus den Tagebüchern":
"Zwischen allen erreichbaren Stühlen sitzen, das tat Albert Ehrenstein sein ganzes Leben lang. Darin bestand seine Stärke als unbestechlicher Kritiker, der kein Blatt vor den Mund nahm, wo immer er Prätentionen, Unwahrheit und Unrecht witterte, in Politik, Staat und Gesellschaft, in Literatur, Kunst und Religion. Darin bestand aber auch das Verhängnis seines Lebens, das ihm das Schicksal des Außenseiters und den Tod im Exil beschied. Er stand immer über allen Parteien und kannte keine Loyalitäten. Er nahm nur Partei für die Schwachen, Ausgebeuteten, Unterdrückten und ungerecht Behandelten und kannte nur eine Loyalität, die zur Wahrheit und Menschlichkeit.
Die vorliegende Auswahl von schlagkräftigen, oft aphoristisch zugespitzten Gedanken, Werturteilen und Lebenserkenntnissen aus Ehrensteins Notizbüchern lässt ein lebensgeschichtliches Bild des streitbaren Dichters entstehen: als Schüler und Student, der das geistabtötende Erziehungs- und Bildungssystem der Schule und Universität kritisierte; als junger Dichter, der respektlose Opposition bezog gegen die herrschenden Literaturgötter und Literaturmoden seiner Zeit und den sie begleitenden Literaturbetrieb; als liberaler Denker, der klischeehaftes Denken und verfestigte Vorstellungsweisen aufs Korn nahm.
Schließlich entsteht hier auch das Bild des im ersten Weltkrieg politisch herangereiften Dichters, der sich allen Ideologien verweigerte und den 'Missbrauch der Macht', in wessen Namen er auch betrieben wurde, schonungslos beim Namen nannte, und der selbst in den Weltreligionen nichts als eine Machtfrage sah und damit ein Hindernis für die Liebe des Menschen zum Menschen.
Am Ende steht der einsame Emigrant vor einer Welt, die von der unbelehrbaren Dummheit der Menschen und ihrem unstillbaren Machtdurst in Scherben gelegt wurde. Wenn diese Welt Ehrenstein am Ende besiegt zu haben scheint, so bleibt letztlich doch das Bild eines engagierten Dichters bestehen, dessen illusionszertrümmernden Worten immer die Utopie eines menschenwürdigen Lebens und einer menschenfreundlichen Welt entsteigt."
Im Wust der ständigen Berichte über die "Flüchtlingskrise", die tagesaktuellen Katastrophenmeldungen aus aller Welt und sonstigen mehr oder minder relevanten Nachrichten ist ein kleines Detail fast untergegangen, das als fast schon "klassisches" Beispiel für politische Korruption gelten darf. Es geht um die Rolle des Radikal-Kapitalisten Friedrich Merz (CDU) im Zusammenhang mit dem Bankenskandal um die WestLB. Beim WDR findet sich ein kleiner Artikel dazu, in dem es unter anderem heißt:
Merz war persönlich als Bevollmächtigter für den Verkauf der WestLB eingesetzt worden. Im Juni 2010, kurz nach der Landtagswahl und dem Regierungswechsel in NRW, sei sein Vertrag unterschrieben worden. Damals noch vom scheidenden CDU-Finanzminister Helmut Linssen. (...) Bekannt ist, dass Merz ein Honorar von rund 5.000 Euro pro Acht-Stunden-Tag ausgehandelt hat. Nach WDR-Informationen kommen zu diesem Tagessatz noch die Mehrwertsteuer und eine Überstundenvergütung hinzu. (...) Insgesamt sind nach WDR-Informationen in der rund einjährigen Tätigkeit gut 1,1 Millionen Euro an Merz und seine Kanzlei geflossen. (...) Dass er letztlich keinen Erfolg beim Verkauf der Landesbank hatte, sei nicht seine Schuld, beteuert er.
Trotz dieser Fakten entblödet sich der Autor nicht, Merz völlig ironiefrei mit Attributen wie "aufgeräumt", "voller Elan" und sogar "eloquent" zu bedenken beschleimen. Mehr Speichelleckerei ist angesichts der ungeheuerlichen Vorgänge kaum möglich. Dem CDU-Mann Merz, der noch niemals zuvor eine "Bank verkauft" hat, wurde also von seinen Parteifreunden kurz vor Übergabe der Amtsgeschäfte ein solcher absurder "Auftrag" zugeschustert - zu Konditionen, die mit dem Adjektiv "irrsinnig" nur unzureichend beschrieben sind: 1,1 Millionen Euro für ein Jahr "Arbeit" - wohlgemerkt unabhängig vom Erfolg. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass der Herr Rechtsanwalt Merz in diesem einen Jahr tatsächlich nichts anderes getan hat und jeden verdammten Werktag für mindestens acht Stunden eifrig darum bemüht war, einen Käufer für eine vor der Pleite stehende Bank mit Milliardenschulden zu finden. Und gleichzeitig ist er sicher der wahre Kaiser von China.
Da soll noch jemand behaupten, durch die Bankenkrise sei "Geld vernichtet" worden - auch der WDR-Autor spricht in diesem Zusammenhang, wie in den Massenmedien üblich, irreführend von einem "Milliardengrab". Die Kohle hat, wie immer in solchen Fällen, lediglich die Besitzer gewechselt - und ein kleiner Teil dieser Milliarden ist im Säckel des Friedrich Merz gelandet. Korruption gehört in Deutschland längst zum Alltagsgeschäft - und zwar nicht nur in der Politik, auch wenn sie dort bisweilen noch semi-öffentlich stattfindet bzw. etwas schneller auffliegen kann. Ernsthafte Konsequenzen hat das in den allermeisten Fällen jedoch nicht.
Auch beim WDR wird übrigens die Frage gar nicht gestellt, wer auf die absurde Idee gekommen ist, eine hoch verschuldete staatliche Bank verkaufen - also "privatisieren" - zu wollen. Dass dies schon bei "gesunden" Betrieben stets nur zum massiven Nachteil aller mit Ausnahme der "Investoren" ausgeht, ist inzwischen doch eine Binsenweisheit - auch wenn diese bei den Handlangern des Kapitals in der Politik selbstredend nie ankommt.
Die Verkommenheit dieses Landes, dieses Systems, seiner Medien und selbsternannten "Eliten" nimmt immer groteskere Formen an.
"Wie fleißig du warst, mein guter Junge! Kaum zwei Monate Abgeordneter und schon ein Automobil!"
Zurzeit rollt eine Welle durch Kleinbloggersdorf, die einem absurden Tsunami nicht unähnlich ist. Ausgangspunkt war der Abschied des langjährigen Mitherausgebers Wolfgang Lieb von den Nachdenkseiten. Seitdem haben sich einige mehr oder minder bedeutende Bewohner des Dorfes zu Wort gemeldet und ihren Sermon dazu abgegeben - der auf wunderlicher Weise aber schnell zu einer Lobeshymne für den polarisierenden Agitator Ken Jebsen wurde. Ein paar Beispiel dazu:
Jens Berger, "Nachfolger" von Wolfgang Lieb bei den Nachdenkseiten und Betreiber des Blogs Spiegelfechter, hat dazu einen Text mit dem vielsagenden Titel "Von Querfronten, Trollen, Schmuddelkindern und dem Versuch, linke Stimmen mundtot zu machen" verfasst. Darin geht er vehement gegen die linke Kritikerin Jutta Ditfurth vor, die den Vorgang auf ihrer Facebook-Seite kommentiert hatte und die er nicht einmal beim Namen nennt, geschweige denn verlinkt. Berger kommt dort nach unsäglichen gedanklichen Verirrungen zu dem Schluss:
Meine persönliche Antwort auf die "Schmuddelkinder-Strategie" und die größtenteils lächerlichen Unterstellungen aus den sozialen Netzwerken ist ein schönes englisches Sprichwort, das sich leider nicht sinnvoll ins Deutsche übertragen lässt: "Don't wrestle with pigs, you both get dirty, but the pig likes it."
Die Kommentare zu diesem Text bewegen sich größtenteils auf demselben unerträglichen Niveau und bestehen zu einem nicht unerheblichen Teil aus schlichter Reklame für Ken Jebsen und die Nachdenkseiten. Es versteht sich von selbst, dass hier die Reaktion Bergers - nämlich seine konsequente Weigerung, sich inhaltlich mit der Kritik Ditfurths zu beschäftigen - in eine Weigerung Ditfurths, mit Berger zu sprechen, umfabuliert wird - und das, obwohl die Dame, deren Ansichten auch ich gewiss nicht immer teile, auf ihrer Facebook-Seite zu den Berger'schen Angriffen Stellung genommen hat.
Auch flatter vom feynsinn-Blog hat etwas dazu geschrieben und sich unter anderem einen Kommentar von einer "Heldentasse" eingefangen, die im Jahre 2015 allen Ernstes schreibt:
Auch das[s] die NDS in einem positiven Sinne "sozialdemokratisch" sind[,] empfinde ich als gut. Denn eins ist klar, wenn es überhaupt eine kleine Chance auf politische Besserung geben sollte, woran man allerdings berechtigt zweifeln kann, muss man m.E. auch die sozialdemokratische Basis ansprechen und mit einbeziehen.
Wie irrsinnig ein solcher Gedanke ist, muss ich hoffentlich nicht weiter erklären, tue es aber trotzdem: Der "positive Sinn" der Sozialdemokratie war es - historisch belegt - schon immer, den menschenfressenden Kapitalismus zu legitimieren und die Besitzverhältnisse, um die es letzten Endes immer geht, zu betonieren.
Ein weiterer Blogger, den ich eigentlich als hochintelligenten Menschen wahrgenommen habe und der immer wieder gute Texte in Kleinbloggersdorf heraushaut, hat sich hier gleich an zwei Orten weit aus dem Fenster gelehnt. Der geschätzte Epikurschrieb beim Spiegelfechter:
Volle Zustimmung! / Für das ganze Spaltungstheater braucht man nicht mal "Dienst-Mitarbeiter" einzusetzen. Das erledigen in Deutschland die "wahren Linken" mit der "reinen Lehre" gerne gratis.
Bei feynsinnklang das so: "Und das ewige Gebashe gegen Jebsen, Ganser und co innerhalb der Linken nervt tierisch ab." - Eine Begründung für diese Haltung findet man dort allerdings nicht - er verweist lediglich auf die angeblich "gute Qualität" einiger Interviews, die Ken Jebsen geführt habe. Dazu muss ich feststellen: Es ist überaus bestürzend und erschreckend, solche Wertungen lesen zu müssen. Für mich sind sie kaum nachvollziehbar, weil diese Interviews ja so tendenziös sind, dass Jebsen mit solchen Darbietungen aus jeder Journalistenschule hochkantig herausfliegen würde, da sie eben keinem einzigen journalistischen Grundsatz entsprechen. Ich kann mir das nur noch so erklären, dass die Kunst des journalistisch korrekten Interviews schon lange verlorengegangen ist und auch in den Propagandamedien seit Jahrzehnten nichts dergleichen mehr präsentiert wird. In einem propagandistisch verseuchten Umfeld wird Gegenpropaganda offensichtlich allzu gerne als "Journalismus" wahrgenommen bzw. missverstanden.
Zu guter Letzt hat natürlich unser esoterischer Freund Holdger Platta, der sich selbst witzigerweise als "Marxist" bezeichnet und dennoch nicht müde wird, den Eso-Quatsch der Weckers und Faulfüße zu unterstützen und zu verbreiten, einen Kommentar zu diesem Thema verfasst. Mit dem bedeutungsschwangeren Nachsatz "To whom it may concern" versehen, schreibt er - in dem erbaulichen Wissen, dass kritische Kommentare dort sowieso nicht freigeschaltet werden:
Solidarität, die nur dem klon-identischen Meinungsträger gilt und keinerlei Abweichung zulä[ss]t, Solidarität, die Verschiedenheiten nicht auch als Reichtum und Chance begreift, ist keine echte, nämlich freiheitsgewährende, Solidarität, sondern nichts anderes als der Wunsch nach der Uniformierung aller. Und landete einmal in der Realität dort, wo Marxismus nie mehr wieder landen darf: im Archipel Gulag. / Von dieser Sorte eines sogenannten Marxismus' haben aber fast alle die Nase voll: nicht zuletzt jene, die wirklich bemüht sind, Marxisten zu sein.
Eigentlich bedarf es keines Kommentars, dass dieser verwirrte Mann angesichts der offensichtlich drohenden faschistischen Gefahr in Deutschland und Europa ausgerechnet vor einem "Archipel Gulag" warnt - noch weiter entfernt von der Realität könnte man sich heutzutage gedanklich gar nicht aufhalten. Insofern bleibt er dem Motto des Eso-Blogs "Jenseits der Realität", für das er sich einsetzt, unbeirrt treu. Auch das sektiererische Ausgrenzungsverhalten, das für Esoteriker symptomatisch ist, beherrscht er perfekt, indem er einfach mal die "sogenannten Marxisten" gegen jene, "die wirklich bemüht sind, Marxisten zu sein", ausspielt und die Gruppen auch gleich fest über alle Köpfe hinweg definiert. Wie eigentlich könnte eine bewusst vollzogene, gewollte Spaltung noch deutlicher vonstatten gehen als hier?
Nicht nur Marx rotierte im Grabe, wenn er die gegenwärtigen "Diskussionen" um den "richtigen linken Weg", die ja gar keine sind, mitbekäme. Ich rotiere schon außerhalb des Grabes.
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Zwischen den Blöcken
(Gemälde von Heinz Trökes [1913-1997] aus dem Jahr 1947, Öl auf Leinwand, Lehmbruck-Museum Duisburg)
Ich schlage die Zeitung auf:
dort droht der Atomtod.
Ich höre die Nachrichten:
Hier redet man von der Neutronenbombe.
In der Illustrierten,
die ich am Bahnhof kaufe,
wird der begrenzte
Atomkrieg erörtert.
Beim Fernsehen erfahre ich
Neueres über Nervengase.
Vor dem Einschlafen
lese ich noch einen Science Fiction-Roman.
(Helga Braun, in: Wolfgang Fienhold / Harald Braem (Hg.): "Die letzten 48 Stunden. Science Fiction-Erzählungen vom Weltuntergang", Heyne 1983)
Die wichtigsten "Manhattan-Projekte" der Zukunft werden umfangreiche, von der Regierung geförderte Untersuchungen darüber sein, was die Politiker und die daran teilnehmenden Wissenschaftler "das Problem des Glücklichseins" nennen werden, mit anderen Worten, wie man die Menschen dahin bringt, ihr Sklaventum zu lieben.
(Aldous Huxley: "Brave New World")
Die "schöne neue Welt", vor der schon Huxley in seinem 1932 erschienenen Roman gewarnt hat, rückt in immer greifbarere Nähe. Ich versuche an dieser Stelle gar nicht erst, eine Auflistung all der Zumutungen, Perversionen und Zerstörungen, welche die herrschende "Elite" durch ihre Politclowns bereits auf den Weg gebracht hat, zu notieren - dazu wäre schon ein komplettes Buch nötig. Stattdessen greife ich zwei Beispiele heraus, die gerade aktuell sind und wieder einmal trefflich illustrieren, auf welch einem furchtbaren Weg wir uns befinden.
Im Bundesinnenministerium wird deshalb in diesen Tagen daran gearbeitet, wie die Organisation der Flüchtlinge effektiver bewältigt werden kann. Eine der Varianten, die dabei zur Diskussion steht, ist die digitale Flüchtlingskarte, die der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt vorgeschlagen hat. / Der sächsische Politiker will alle Stammdaten und Informationen über einen Asylbewerber künftig auf einer Chipkarte speichern. Jedem Flüchtling soll bei der Einreise eine solche Karte ausgehändigt werden, auf der außer einem Bild auch Name und Registrierungsnummer aufgedruckt sind. Auf dem Chip gespeichert sind zudem Fingerabdrücke, Hinweise zur Herkunft, Familienstand, Ausbildung sowie Daten der zuständigen Erstaufnahmeeinrichtung und Ergebnisse der Gesundheitsuntersuchung. Zugriff auf die Karte sollen alle zuständigen Behörden haben: das Bundesamt für Migration, Bundespolizei, Ausländerbehörden in Ländern und Kommunen und die Aufnahmeeinrichtungen.
Am Testballon der Flüchtlinge wird also wieder einmal ein staatliches Totalüberwachungssystem "diskutiert", das den "gläsernen Bürger" ermöglichen soll. Es versteht sich von selbst, dass ein solches System, das sich, sollte es umgesetzt werden, sicherlich "bewähren" wird, danach auch für andere Bevölkerungsgruppen wie etwa BezieherInnen von Sozialleistungen und letztlich auch für den Rest der Bevölkerung eingeführt würde. Der Schritt zum implantierten RFID-Chip für alle Menschen ist dann nur noch ein recht kleiner.
Selbstverständlich beginnt der Artikel gleich mit einem regelrechten Brüller: "Sie gilt bisweilen als übertrieben gründlich und schwerfällig, doch im Vergleich zu Spanien oder Italien genießt die Bürokratie in Deutschland einen guten Ruf" schreibt der Autor Christian Rothenberg zu Beginn, so dass sich der geneigte Leser von Anfang an stirnklatschend fragen darf, in welchem vergammelten Paralleluniversum der Mann wohl lebt. Liest hier jemand mit, der auch nur jemanden kennt, dessen Schwippschwager entfernt davon gehört hat, dass die Bürokratie in Deutschland einen guten Ruf genieße?
Es ist eine extrem schaurige Vorstellung, dass beispielsweise die Polizei auf die Gesundheitsdaten, das Ausländeramt auf die Fingerabdrücke oder jeder popelige Hanswurst in irgendeiner deutschen Behörde auf sämtliche persönliche Daten eines Menschen Zugriff hat - dem Weg in den Totalitarismus wäre damit nicht nur das Tor einladend weit geöffnet, sondern sogar eine regelrechte Prunkallee gebaut, an deren Ende logischerweise das Panopticon wartet.
Das zweite Beispiel kommt etwas subtiler daher, hat es aber ebenfalls in sich. Es geht um das geplante "Basiskonto für Jedermann", das gestern im Bundestag durchgewunken wurde. Das vordergründige Ziel dieses Planes ist es, allen Menschen die Führung eines Girokontos zu ermöglichen - also beispielsweise auch Verschuldeten, Obdachlosen oder Flüchtlingen. Wer hier allerdings eine "menschenfreundliche" Handlung der neoliberalen Bande vermutet, befindet sich einmal mehr auf dem Holzweg. Es ist deutlich ersichtlich, dass dies ein weiterer Schritt auf dem perfiden Weg zur geplanten Abschaffung des Bargeldes ist. In Irland ist man schon einen Schritt weiter - dort werden heuer zunächst die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft.
Was die komplette Abschaffung des Bargeldes bedeutet, wird schnell klar, wenn man sich das aberwitzige, totalitäre Potenzial dieses Vorganges ausmalt, wie es in unzähligen Science-Fiction-Geschichten schon vorerzählt wurde. Da reicht beispielsweise ein Knopfdruck in irgendeiner Behörde, um einen Menschen komplett von jeglichen Zahlungsmöglichkeiten auszuschließen und ihn so fast sämtlicher Handlungsspielräume zu berauben; da wird jeder auch noch so geringe Geldeingang stets staatlich registriert - irgendwelche Spenden oder Geschenke, die heute beispielsweise dem einen oder anderen Hartz-Terror-Opfer gelegentlich eine temporäre Entspannung der unerträglichen Zwangsverarmung bescheren, wird es dann nicht mehr geben.
Ich kann schon heute Menschen nicht verstehen, die ihre Einkäufe via Kredit- oder EC-Karte, via Überweisung - oder schlimmer noch: mit dem Handy - bezahlen. Ist es denen wirklich völlig egal, dass die Banken und Telekommunikationskonzerne damit exakt wissen (und diese Daten gewiss auch säuberlich speichern), was sie wann und wo gekauft bzw. getan haben?
Die kurze Geschichte der "menschlichen Zivilisation" kann man vielleicht so zusammenfassen (aus dem Evangelium des Charlie, 1,1): "Und als die privilegierte Schafherde endlich bemerkte, dass das gepriesene Paradies, in das man sie mit glitzernden Lichtern, markigen Versprechungen und warmen Beschwichtigungen geführt hatte, doch bloß der auch für alle anderen Schafe übliche Schlachthof war, blökte sie missmutig, bevor sie sich gegenseitig zerfleischte und den Schlächtern auch diese schauerliche Arbeit abnahm."
On the highway, thirty people lost their lives
On the highway, thirty people lost their lives
Well, I had some words to holler, and my Rosie took a ride
In the moonlight, see the greyhound rollin' on
In the moonlight, see the greyhound rollin' on
Flyin' through the crossroads, Rosie ran into the hound
For the graveyard, thirty boxes made of bone
For the graveyard, thirty boxes made of bone
Mister undertaker, take this coffin from my home
In the midnight, hear me cryin' out her name
In the midnight, hear me cryin' out her name
I'm standin' on the railroad, waitin' for the graveyard train
On the highway, thirty people turned to stone
On the highway, thirty people turned to stone
Oh, take me to the station, 'cause I'm number thirty-one
Die Entscheidung Wolfgang Liebs, die Nachdenkseiten zu verlassen, scheint ja hohe Wellen zu schlagen - was ich nicht nachvollziehen kann. Ich habe meine Gedanken dazu bereits beim Kollegen von den Fliegenden Bretternhinterlassen und möchte dazu, um Wiederholungen zu vermeiden, nur ergänzen:
Es ist bestürzend, wenn in "linken Kreisen" nun schon der eine Kapitalist gegen den anderen ausgespielt wird, um den Kampf gegen den Kapitalismus "voranzubringen". Der Irrsinn schreit hier gellend und unüberhörbar in wahnwitzigen Tönen! Müller und Lieb sind beide alte "Sozialdemokraten", die den "goldenen" Zeiten eines Willy Brandt nachhängen, am kapitalistischen System an sich aber keine grundsätzliche Kritik üben. Wie tief muss eine tatsächliche Opposition denn noch sinken, bis sie sich selbst offenkundig überflüssig macht?
Die Nachdenkseiten - ob nun mit oder ohne Lieb - sind und waren kein Teil der antikapitalistischen Bestrebungen - und werden es auch in Zukunft mit Figuren wie Müller, Berger, Jebsen oder Elsässer nicht sein. Es ist Herrn Lieb zwar hoch anzurechnen, dass er sich den offensichtlichen Anbiederungsversuchen Müllers in Richtung diffuser "Friedenswächter", die gerne im nationalistischen, antisemitischen Brei fischen, hiermit widersetzt - zu einem antikapitalistischen "Kämpfer" macht ihn das aber noch lange nicht.
Es ist alles beim Alten im Lande Kapitalistan - kein Mafioso muss fürchten, dass er auch nur um seine ergaunerte Portokasse im Foyer für Dienstboten gebracht wird, solange die Linke sich auf diesen absurden Nebenschauplätzen mit albernen Nebelkerzen bewirft und diese Farce dabei nicht einmal bemerkt. Dazu ein etwas modifizierter Satz aus einem Schulbuch für die vierte Klasse, Stand 1988:
"Merke: Du kannst den Kapitalismus nicht mithilfe von Kapitalisten bekämpfen." - Meine zehnjährige Tochter versteht ihn auf Anhieb - die schwadronierende Linke hat derzeit offensichtlich aber wieder einmal arge Verständnisprobleme.
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"Ich erkläre hiermit meinen Austritt aus der sozialdemokratischen Partei. Wir hatten unseren Weihnachtsbaum tip-top elektrisch eingerichtet. Am heiligen Abend streikten die Arbeiter des Elektrizitätswerkes und brachten uns um unsere Festfreude."
Unsere esoterischen Freunde geben einfach keine Ruhe - kaum glaubt man, dass sie sich mit dem letzten Schlag ins matschige Gehirn endlich eine Pause vom Irrsinn redlich verdient haben und das malträtierte Organ ohnehin irreparabel beschädigt ist, legen sie schon wieder nach. Ich verlinke den Müll, den ich dazu gelesen habe, hier nicht, will aber auf einen Aspekt eingehen, der viele dieser Eso-Spinner - heute wie damals - eint: Nämlich das Streben nach einem "Evolutionssprung" bzw. einem "neuen Menschen".
Exemplarisch zitiere ich dazu die Kommentatorin "Angela Ebert", die diese These bei "Jenseits der Realität" mithilfe ihrer bescheidenen sprachlichen Mittel versucht hat auszuformulieren:
Es ist der emphatische Mensch der die nächste Stufe des Mensch-SEINS erreichen will, der Gierige will das nicht, so scheint es zumindest. Es ist der Mensch ... / Wir müssen alle mitnehmen auf dem Wege die nächste Stufe zu erreichen, das geht nur über die Bewußt-Werdung jedes Einzelnen, vermutlich, oder?
Dieser radebrechende, hilflos anmutende Versuch ist beileibe kein Einzelfall, sondern typisch für sektiererisch beeinflusste Menschen, die dem Eso-Wahn verfallen sind. Dabei bemerken diese bedauernswerten GesellInnen vermutlich nicht einmal, dass sie exakt das anstreben, was die Ideologen des Nationalsozialismus vor 80 Jahren schon einmal zum Ziel erklärt hatten. Der Philosoph Ernst Bloch ordnet in seinem Essay "Zur Originalgeschichte des Dritten Reiches" (1937) diesen für den Nationalsozialismus zentralen Topos ein in die christlich-chiliastische Tradition: "Die Perspektive ist die der Utopie einer neuen Gesellschaft von neuen Menschen."
Wie man angesichts der bitteren Realität, in der genau das Gegenteil zu beobachten ist - nämlich ein stetig anwachsender brauner, hirnloser Mob, der alles mögliche, aber gewiss keinen "neuen Menschen" fordert - eine solche Meinung vertreten kann, bleibt das rosafarbene Geheimnis der religiös Erleuchteten bzw. esoterisch Gefickten.
Auch in der Esoterik bleibt das eigentliche Problem - nämlich der Kapitalismus samt all seinen Auswirkungen - völlig außen vor: Die gegenwärtige Katastrophe wird schlicht heruntergebrochen auf das "Individuelle" und damit allen Menschen als "eigene Schuld" auf die Schultern geladen - so als ob sich irgendwer jemals "frei" und bewusst für ein Leben im ausbeuterischen Sklavendasein für Superreiche "entschieden" habe und es gar keine politischen, gesellschaftlichen und medialen Mächte gäbe, die diesen Prozess aktiv betrieben haben.
"Damit unser Volk nicht in den Entartungserscheinungen der Gegenwart untergeht, müssen wir einen neuen Menschen erziehen", schrieb Hitler damals. Esoteriker unterschreiben diesen Satz heute einmal mehr - im trauten Verbund mit rechtsextremen Arschlöchern von Pegida, AfD, CSU und weiteren völkisch-nationalen Spinnern.
Im Rückblick auf die Neuzeit ist wohl keine andere Zeit derart von Utopien des "Neuen Menschen" geprägt wie das erste Drittel des 20. Jahrhunderts. Die "Urkatastrophe" des Ersten Weltkriegs steigerte die Dringlichkeit grundlegender Erneuerung. In allen drei großen Diktaturen, der sowjetischen, der italo-faschistischen und der nationalsozialistischen, ging es um Projekte, die zwar säkular auftraten und sich religiösen Vorstellungen widersetzten, tatsächlich aber von religiösen Mythen getragen waren; vielleicht steigerte dies das Programm des "Neuen Menschen" als Glücksbringer.
Der Text von Albrecht Betz, aus dem das obige Zitat stammt, sei jedem Interessierten dringlich ans Herz gelegt - auch wenn der gute Mann vor fünf Jahren offensichtlich noch nicht bemerkt hat, dass die schaurige Reise in diesem verkommenen Land einmal mehr schnurstracks zurück in die braune Jauchegrube geht und dass sowohl die herrschende Politik, als auch die Medien einen essenziellen Anteil daran haben.
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Es ist auch gewiss kein Zufall, dass die zunehmende Hollywood-Plage, welche die westliche Welt mit immer neuen, stets lächerlichen "Superhelden" und "Übermenschen" geradezu überschwemmt, gerade jetzt aufkommt ... aber das ist ein anderes Thema.
(Peter Gabriel: "Here Comes The Flood", aus dem Album "Peter Gabriel [I]", 1977)
When the night shows
the signals grow on radios
All the strange things
they come and go, as early warnings
Stranded starfish have no place to hide
still waiting for the swollen Easter tide
There's no point in direction, we cannot
even choose a side.
I took the old track
the hollow shoulder, across the waters
On the tall cliffs
they were getting older, sons and daughters
The jaded underworld was riding high
Waves of steel hurled metal at the sky
and as the nail sunk in the cloud, the rain
was warm and soaked the crowd.
Lord, here comes the flood
We'll say goodbye to flesh and blood
If again the seas are silent
in any still alive
It'll be those who gave their island to survive
Drink up, dreamers, you're running dry.
When the flood calls
You have no home, you have no walls
In the thunder crash
You're a thousand minds, within a flash
Don't be afraid to cry at what you see
The actors gone, there's only you and me
And if we break before the dawn, they'll
use up what we used to be.
Lord, here comes the flood
We'll say goodbye to flesh and blood
If again the seas are silent
in any still alive
It'll be those who gave their island to survive
Drink up, dreamers, you're running dry.
Drink up, dreamers, you're running dry.
Anmerkung: Eine "altersberuhigte" Version dieses Songs aus dem Jahr 2003 - nur mit E-Piano-Begleitung - gibt's hier. Mir persönlich gefällt das "jugendliche" Original aber um Längen besser.
Ich schrieb, als die Nachricht wie eine gesengte Sau um die Welt flog, noch immer dagegen an. Anna, die wilde Deutsche von nebenan, bis vor kurzem malte sie Bilder aus, mit und über ihr Menstruationsblut, jetzt war sie schwanger, überbrachte sie mir.
Rauchschwaden hingen im Zimmer. Die Schreibmaschine glühte. Ich hatte mein bestes gegeben, paarhundert Seiten, wie immer, dicht beschrieben mit meinem einzigen Satz, wie immer: BEI DER GEBURT IST ALLES SCHON ZU SPÄT. Ich zählte gerade zusammen, wie oft ich ihn diesmal geschrieben hatte, als sie plötzlich dastand im Nachthemd und mit einer Gurke im Maul sagte:
"Heh, Tripper, rat mal, was ich eben im Radio gehört habe ...?"
Sie schmatzte und führte meine Hand von der Schreibmaschine an ihren Bauch: "Bewegt sich schon ganz doll, nä?"
"... 486, 13.487, 13. ..."
"Übrigens, weshalb ich komm, der sunile Sack in den Vereinigten Anstalten hat den Knopf gefunden."
"Ach ja? 13.489 - der hat WASSS ...?"
"Ja, und Tommy lässt fragen, ob du nicht, ich meine ..." - Sie schluckte den Rest der Gurke hinunter, leckte sich die Fingerspitzen. Dann, ich starrte sie an wie vom Presslufthammer gefickt, bat sie lächelnd um etwas Zyankali.
"Für alle Fälle", sagte sie, "obwohl - bei dem sunilen Sack weiß man ja nie, vielleicht hat er vergessen wie man drückt ..."
Das Rattern im Hirn ließ irgendwie nach. "Ja", sagte ich, müde plötzlich. "Zyankali ... hier!" Und gab ihr, für alle Fälle, ein Foto der neuen Regierung. "Das ist schmerzloser", sagte ich. "Wenn du genau hinsiehst, trifft dich der Schlag!"
"Vielen Dank auch", sagte sie und: "Übrigens, wenn du rüberkommen willst, ich meine ..." - "Lass nur, schon gut!" - "Ja, dann ... halt die Ohren steif, Tripper!" - Sagte sie und war verschwunden.
Das Radio! Ich stürzte zum Knopf, drückte ...: Trauermusik. Tatsächlich! Mahler. Die Kindertotenlieder. Warten. Rauchen. Bei Mahlers Kindertotenliedern warten und rauchen. So hast du dir die Scheiße immer vorgestellt, Tripper! Mit Hermann Prey in die Versaftung!
"... unterbrechen wir unser Mitternachtsprogramm für eine wichtige Durchsage", drang die Stimme wie von weither in den Schädel: "Wie bereits gemeldet, hat der Präsident der Vereinigten Anstalten gestern abend, kurz vor Mitternacht, den Knopf gefunden. Wie aus diplomatischen Kreisen in Bonn verlautbart wurde, besteht für die Bevölkerung im Augenblick jedoch kein Anlass zur ..."
Ja, und dann war plötzlich der Ton weg. Das Licht aus. Nacht plötzlich, dunkel alles und Schreie überall. Ich zum Fenster, als die Sirenen losbrüllten. Blaulicht zuckte auf, Martinshörner tönten, die Kirchenglocken. Drunten Gewimmel wie in einem Ameisenhaufen.
"Wahnsinn, nä?" brüllte Anna mit einer Essiggurke im Maul. Tommy schrie auch etwas, aber die Lautsprecher übertönten ihn:
"... BEWAHREN SIE RUHE! BITTE ZUCKERN SIE SICH SORGFÄLTIG EIN! DIE VERSAFTUNG HAT SOEBEN BEGONNEN! BITTE BEWAHREN SIE RUHE! BITTE ZUCKERN SIE SICH ..."
So ging das bis halb fünf. Dann dämmerte es. Dann wurde es hell. Der Himmel hing wie eine zwischen Gelb und Rot zerplatzte Ampel über der Stadt. Drunten die Leute schienen zu schreien, Lautsprecher, Sirenen schienen zu brüllen.
Ich hörte es nicht. Ich war taub. Sah den Himmel, so rot, sah die Leute, sah Tommy am Fenster und Anna, ohne Essiggurke, und dachte dann plötzlich:
ES LEBE DER PRÄSIDENT DER VEREINIGTEN ANSTALTEN!
Und wusste plötzlich, Anna und Tommy und all die andern dachten in diesem Moment genau dasselbe wie ich:
ES LEBE DER PRÄSIDENT DER VEREINIGTEN ANSTALTEN!
Jemand lenkte mich zu meinem Schreibtisch. Jemand spannte ein Blatt Papier ein. Und streute Würfelzucker darauf. Dann blitzte es. Und mir wurde auf einmal von innen ganz heiß ---
Der WDR glänzt wieder einmal durch maximale Realitätsferne. Pünktlich zum Beginn des Wintersemesters hat der Sender allen Ernstes eine Fotostrecke veröffentlicht, die insbesondere Studienanfängern eine Hilfestellung bieten soll. Dies allein wäre schon satirepreisverdächtig; allerdings setzt der Sender, wie gewohnt, dem Popanz noch die Plastikkrone auf und stellt das Konstrukt unter das absurde Motto:
Um nicht als Studienanfänger aufzufallen, gilt es einiges zu beachten.
Unabhängig von der absonderlichen Frage, wieso zum Teufel irgendein Studienanfänger sich darum bemühen sollte, nicht als solcher "aufzufallen", wird hier im weiteren Verlauf das gewohnte Klischee-Feuerwerk zum Thema Studium vom Stapel gelassen, das man sich seit Jahrzehnten an den Stammtischen dieses Landes erzählt. Kostproben dazu:
- Freitags sind die Hörsäle nur spärlich besetzt. Wer seine Vorlesungen clever plant, hat mehr feie Zeit und kann schon ab Donnerstag das Wochenende genießen.
- Acht Uhr Vorlesungsbeginn – auch das kann einen schon mal umhauen. Vor allem, wenn man die Nächte in der WG-Küche durchzecht oder sich ins Partyleben stürzt.
- Wer sich in die erste Reihe setzt und seinen Professor ständig mit Fragen bombadiert [sic!], gibt sich ebenfalls als Erstsemester und Streber [sic!] zu erkennen.
Und so geht das munter weiter - die BLÖD-"Zeitung" bekäme das nicht besser hin. Es ist müßig, auf den nicht vorhandenen Informationswert dieser "Fotostrecke" hinzuweisen, angesichts derer ich mich nicht entscheiden kann, ob nun die ausgewählten Symbolfotos oder die darunter platzierten Texte dümmer und inhaltsleerer sind. Dieser Blödsinn war schon vor den Bologna-Deformierungen des Hochschulwesens nichts als dummes Zeug - bezüglich der heutigen, kapitalistisch verseuchten und streng verschulten "Leistungs"-Hochschulen allerdings erreicht die Realitätsferne dieses WDR-Beitrages ein kaum zu übertreffendes Maximum, das nicht einmal mehr als Satire Bestand haben kann.
Ich vermute ja, dass der zuständige Praktikant in der Online-Redaktion des WDR hier aus "Effizienzgründen" einfach mal im Archiv oder im Internet gekramt hat, anstatt selbst etwas zu schreiben - anders kann ich mir dieses hirnfaulige Ergebnis nicht erklären. Ich kann jedem Studienanfänger nur raten: Bekämpft den neoliberalen "Effizienzwahn" nach Kräften, besucht die Seminare und Vorlesungen, die Euch besonders interessieren, setzt Euch dort möglichst in die erste Reihe und stellt um Himmels Willen stets Fragen - das ist nämlich der Sinn und Zweck eines wissenschaftlichen Diskurses, den Ihr schließlich an der Uni erlernen bzw. vertiefen sollt. - So jedenfalls lautete früher einmal der Tenor eines humanistisch orientierten Studiums ... bevor Unternehmensberatungen und deren aktenkoffertragenden Schlips-Borg das Hochschulwesen im kapitalistischen Auftrag mutwillig zerstört haben.
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Modernisiertes Hochschulwesen
Angesichts der Zunahme des Werkstudententums sieht sich die Professorenschaft genötigt, ihre Vorlesungen jeweils an der Arbeitsstelle ihrer Hörer abzuhalten.
Wenn Nanotechnologie und technologische Singularität eine Liaison eingehen und den Übergang von der biologischen zur technologischen Evolution einleiten
Ein Gastbeitrag des Altautonomen
Eine Frage vorab: Warum investieren die Reichen und Superreichen nicht im Interesse ihrer Nachkommen in die Verhinderung des Klimawandels, in die Beseitigung des Verkehrsinfarktes, in die Zuwachsbegrenzung der Weltbevölkerung - insbesondere auf der nördlichen Halbkugel -, in die Erhaltung klimatisch wichtiger Ökosysteme und in die Bekämpfung des Welthungers und den langfristig schonenden Umgang mit Ressourcen?
Eine der möglichen Antworten könnte in ihrer Hoffnung (Stichwort "Allmachtsfantasien") liegen, dass es in Zukunft technische Möglichkeiten geben werde, geistig unsterblich zu werden. Die Theorie, die hinter der Forschung über derartige Aussichten steckt, soll im Übergang von der biologischen zur technischen Evolution den "Zellhaufen Mensch" eines Tages überflüssig werden lassen, so wie es bereits der Gorilla als Vorstufe des Homo sapiens derzeit für die Menschheit als Gattung ist. Der Kapitalismus hat kein materielles Interesse an Eisbär, Panda, Gorilla & Co.
Der Begriff "Nanotechnologie" umfasst die entsprechende Forschung in der Cluster-, Halbleiter- und Oberflächenphysik, der Oberflächen- und anderen Gebieten der Chemie sowie in Teilbereichen auch des Maschinenbaus und der Lebensmitteltechnologie ("Nano-Food"). Unter "technologischer Singularität" werden verschiedene Theorien in der Zukunftsforschung zusammengefasst. Überwiegend wird darunter ein Zeitpunkt verstanden, bei dem sich Maschinen mittels künstlicher Intelligenz (KI) rasant selbst verbessern und damit den technischen Fortschritt derart beschleunigen, dass die Zukunft der Menschheit hinter diesem Ereignis nicht mehr vorhersehbar ist.
Konkret bedeutet dies, dass Computer immer weiter entwickelt werden, bis sie eines Tages selber ethisch unabhängige Entscheidungen treffen, die den Menschen überflüssig machen. Ob hierzu ein Bewusstsein über die eigene Identität erforderlich ist bzw. dann bereits existiert, kann ich als Laie nicht beurteilen. In der Tierwelt beispielsweise wurde lange Zeit ein Bewusstsein des Individuums verneint, bis Experimente mit Primaten diese Annahme widerlegten.
Während dieses Thema noch vor einigen Jahrzehnten in die Kategorie Science Fiction fiel (vgl. z.B. Hollywood-Streifen wie "Terminator" oder "A.I."), terminieren voreilige Wissenschaftler heute den Eintritt dieses Ereignisses auf die Mitte dieses Jahrhunderts. Treibende Kräfte sind z.B. Google, facebook und dahinter agierende mächtige Investoren. Im Weißen Haus in Washington gibt es wöchentlich Termine mit Vertretern aus dem Silicon-Valley.
Dort haben Apple, Intel, Google, AMD, Adobe, Symantec, Yahoo, eBay, Nvidia, Hewlett-Packard, Oracle, Cisco, Facebook, Tesla, Amazon und Dell ihren Sitz. Diese Forscher gehen davon aus, dass die künftigen Megamaschinen es nicht nötig haben werden, den Menschen gegenüber aggressiv zu sein, da sie um das "nahende Ende dieser Spezies" wissen.
Denkschmiede dieses Singularitätsgedankens ist die "Singularity University": "Die Menschheit auf den Wandel vorzubereiten, der immer schneller kommt" - so lautet das Motto dieser erst vor wenigen Monaten gegründeten kalifornischen Privat-Uni, die unter anderem von Google Startkapital kassierte und sich auf dem Gelände der NASA in Mountain View einquartiert hat.
Als Zwischenstufe wird es in der Arbeitswelt den "Cyborg" geben, der jedoch mangels Empathie und "KI" niemals die Funktion eines Pflegers oder Erziehers allein übernehmen, sondern lediglich der menschlichen Arbeitskraft assistieren kann, indem er beispielsweise Pflegebedürftige in den Rollstuhl oder ins Bett hebt bzw. andere "Service"-Arbeiten erledigt.
Den Impuls für diesen Beitrag gab mir ein Artikel aus der Jungen Welt vom 17.10.2015, in dem zu lesen ist:
Nick Bostrom ist Professor für Philosophie an der Oxford University. Er gilt als Experte in Sachen "existentieller Risiken". Was ist damit gemeint? Bostrom definiert existentielle Risiken als solche, bei denen das Überleben der gesamten Menschheit in Frage stünde. Einen Atomkrieg zählt er übrigens nicht dazu. Den könnte ja jemand überleben. Ein "existentielles Risiko" stelle dagegen ein zu Bewusstsein und eigenem Willen gekommener Computer mit intellektuellen Superkräften dar. Wenn dieser sich vornimmt, zum Terminator zu werden, wird es zappenduster.
Für einen tieferen Einstieg in das Thema empfehle ich eines der unter jenem Artikel verlinkten Videos.
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(Eine derartig "menschliche Maschine" wird der Kapitalismus zu verhindern wissen.)
(Gustav Mahler [1860-1911]: "Totenfeier", sinfonische Dichtung aus dem Jahr 1888; Frankfurt Radio Symphony Orchestra, Leitung: Eliahu Inbal, 2014)
Anmerkung: Mahler hat dieses Musikstück später zum ersten Satz seiner zweiten Sinfonie umgeschrieben, dabei aber in der Partitur vermerkt, dass nach dem Erklingen dieses ersten Satzes mindestens fünf Minuten Stille zu halten seien, bevor die später komponierten Folgesätze erklingen dürfen. Das aufwühlende Stück darf daher in dieser Fassung zu Recht als eigenständiges Werk im Schaffen dieses außerordentlichen Komponisten angesehen werden.
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
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