Eigentlich hatte ich beschlossen, zu den Anschlägen in Paris keinen Blogbeitrag zu verfassen - insbesondere nicht innerhalb eines so kurzen Zeitraumes nach den Morden. Der Verlauf des Sonntags hat meine Meinung allerdings insofern verändert, dass ich zumindest eine kleine Anmerkung dazu loswerden möchte.
Es geht mir extrem auf die Nerven, dass heuer einmal mehr ein solches, von Politik und Medien inszeniertes und nebenbei schamlos instrumentaliertes Bohei um diese Anschläge veranstaltet wird. Am Sonntag war beispielsweise bei n-tv im Politik-Bereich nicht ein einziger Artikel abrufbar, der sich nicht mit diesem Thema beschäftigte. Als unfreiwilliger Zeuge der TV-Berichterstattung musste ich ebenfalls feststellen, dass hier - gemessen an der Art und dem Umfang der "Sondersendungen" - offenbar eine globale Invasion von bösartigen Außerirdischen stattgefunden hat, welche die Ausrottung der Menschheit zum Ziel hat.
Angesichts des katastrophalen Zustands dieser Welt, den man mit gutem Recht tatsächlich als bösartig klassifizieren kann, ist diese Form der medialen und politischen Aufmerksamkeit für ein Einzelereignis nur noch lächerlich und absurd zu nennen. Auf diesem verkommenen Planeten gab und gibt es ständig vergleichbare Untaten, die zumeist völlig Unbeteiligte betreffen - es liegt auf der Hand, dass hier mit mindestens zweierlei Maß gemessen wird. Einige pseudokritische KommentatorInnen auf anderen Webseiten haben die Behauptung aufgestellt, das läge vermutlich an der "räumlichen Nähe" zu Frankreich. Diese Kritik geht am Kern aber völlig vorbei, denn es ist nicht die "räumliche", sondern eine ganz andere "Nähe", die hier die tragende Rolle spielt: Das Tamtam wäre nicht weniger absurd ausgefallen, wenn es nicht Paris, sondern beispielsweise Chicago, Vancouver oder Sydney getroffen hätte - während vergleichbar viele Morde in der Ukraine, im Nahen Osten oder in Afrika hierzulande allenfalls in der Rubrik "Sonstiges" auf Seite 36 - wenn überhaupt - den Weg in die Medien finden.
Hier geht es klar erkennbar um den bösen Krieg des kapitalistischen Westens bzw. seiner "Elite" gegen den Rest der Welt - und wenn dieser Krieg wieder einmal auch irgendwo an der transatlantisch verbündeten "Heimatfront" seine selbstverständlich widerliche, blutige Fratze zeigt, schreit die Propaganda wild auf und die politischen Protagonisten bzw. Sockenpuppen ergehen sich gleich reihenweise in lächerlichsten Beileids- und Solidaritätsbekundungen sowie grotesken Instrumentalisierungen, die perfider gar nicht sein könnten.
Inzwischen kotzt mich das nur noch an - man verzeihe mir diese Wortwahl. Jedes einzelne der beispielsweise in Afrika inzwischen längst in die Millionen gehenden Hungeropfer des kapitalistischen Terrors oder der vielen tausend Drohnenopfer der hinterhältigen Mordangriffe der us-amerikanischen Terror-Miliz war nicht weniger wertvoll als die jetzt in Paris getöteten Menschen. Diese schamlose, interessengesteuerte Bigotterie quer durch die "westliche Welt" macht mich nachhaltig krank.
Ich bin ausdrücklich nicht nur World Trade Center, Charlie Hebdo oder Paris - denn ich bin Mensch, und damit u.v.a. auch Mittelmeer, Aleppo, Somalia und Kunduz.
Days of joyous pain are passing
Alone I drowned in my existence
She's trying to understand ... our life
She looks deep inside ... where lost souls hide
It was never as dark
And I can see further ... when I close my eyes
Far beyond the oceans of time
And I'm dying in shame
That hollow love I'll give for you
I'll stay with you for a while ... then I'll go on my way
You'll reach under my skin and hide from your fears
Alone in the dark awaiting the sunrise to end our journey
And many moons of sorrow are passing
Fixation upon this everlasting nation
Towards this dark side of living
Days of joy ended
This time I'm searching for my Life
These days will come ... to remember
Upon the forever land
Days of joy
Days of joyous pain are passing
Far beyond my eternal sleep
Anmerkung: So klingt Doom Metal aus Jordanien. Es ist ein wohl untrügliches Zeichen unserer untergehenden Zeit, dass diese Form von Musik inzwischen auch Länder erreicht hat, in denen Bands wie diese nach wie vor mit teils massiven staatlichen und religiös motivierten Repressalien konfrontiert sind. Letzteres ist ja beispielsweise auch in manchen Regionen der USA, in denen der religiöse Fanatismus inquisitorische Züge angenommen hat, durchaus üblich. Falls es in einigen Dekaden noch Historiker gibt, die sich Gedanken um die Vergangenheit machen können, wird unsere heutige Zeit sicherlich einen Namen wie beispielsweise "Exitium capitalisticum" oder "Exitium religiosum" erhalten.
Derweil lausche ich lieber noch weiter solch kalten Klängen aus den brennenden Wüsten Arabiens. Als ich Jordanien vor vielen Jahren besucht habe, hat mich vieles beeindruckt - ganz besonders aber die historische, aus dem nackten Fels gehauene Stadt Petra, die nur über eine extrem schmale, 70 Meter tiefe Felsschlucht zugänglich ist. Ich werde es nie vergessen, wie ich, aus der brüllend heißen Wüste kommend, auf einem Esel reitend diese lange, dunkle, erstaunlich kühle und an manchen Stellen kaum meterbreite Schlucht durchquerte und sich mir dann dieses Bild bot:
Kürzlich war bei n-tv wieder einmal ein Paradebeispiel für den vollkommenen Irrsinn des kapitalistischen Systems zu lesen. Unter dem vernebelnden Titel "Kupfer-Krise trifft die Armen" wird dort eine wahre Orwell'sche Neusprechorgie abgehalten, in der Begriffe wie "Kapitalismus", "Ausbeutung" oder "Irrsinn" gar nicht erst vorkommen. Wichtige Informationen findet man in diesem Text nur, wenn man zwischen den Zeilen liest und sich zusätzlich anderweitig informiert.
Der Grund für jene "Krise" ist diesmal ein gesunkener Preis. Was für jeden, der den Rohstoff Kupfer benötigt, erst einmal eine gute Nachricht ist, bedeutet für den "Produzenten" - in diesem Fall den Konzern Glencore mit Sitz in der Schweiz - ein böses Höllenfanal, denn dadurch sinken die erwarteten Profite des habgierigen Gesindels. Im n-tv-Text wird dagegen dreist behauptet, dass die "Schulden" dadurch stiegen, was schlicht nicht stimmt, wie man unschwer auf den Geschäftsseiten des Konzerns nachlesen kann. Im kapitalistischen Neusprech sind nicht eingefahrene, zuvor aber "erwartete" Profite automatisch "Schulden" - und die Presse plärrt diesen infantilen Unsinn wie immer hemmungslos nach, als richte sie sich an Zombies.
Diese "Kupfer-Krise" hat nun also zur Folge, dass Glencore und weitere Konzerne, welche die Kupferförderung in Sambia betreiben, ihre Minen "temporär" für 18 Monate schließen, um so zu einer "Verknappung" des Rohstoffes und damit zu einem erneuten Anstieg des Preises beizutragen. Dass dieser Vorgang, der aus kapitalistischer Sicht durchaus "logisch", im Übrigen aber nichts als grotesker Irrsinn ist, nicht nur für die bettelarme Bevölkerung des afrikanischen Landes verheerende Folgen hat, ist n-tv immerhin einige Absätze wert - in denen vom Irrsinn aber selbstredend nur lakonisch berichtet wird, anstatt ihn zu hinterfragen.
Eigentlich selbstverständliche Fragen - wie zum Beispiel, wieso im elendsgebeutelten Land Sambia irgendwelche Konzerne, die dort nichts zu suchen haben, die ohnehin armen Menschen ausbeuten und über die dort vorkommenden Rohstoffe nach Belieben verfügen können; oder weshalb es unwidersprochen das offensichtlich höchste und heiligste Ziel allen wirtschaftlichen Handelns in diesem System sein muss, stets die größtmöglichen Profite für die kleine, superreiche Minderheit der Eigner bzw. Aktionäre einzufahren - stellt hierzulande kein einziges Massenmedium mehr.
n-tv wäre aber nicht konsequent systemhörig, wenn der Autor nicht trotzdem eine "Erklärung" für das Leid der Menschen in Afrika parat hätte. Und so schreibt er munter: "Die Folgen des Preisverfalls des Rohstoffs sind ein Paradebeispiel für die Globalisierung." - Dem kann ich nur augenverdrehend entgegnen: Nein, Herr Gänger, die "Globalisierung" ist ebenso uralt wie der Kapitalismus selbst - daran ändert auch die mantraartige Wiederholung des Gegenteils nichts. Korrekt müsste der Satz lauten: "Die Folgen des Preisverfalls des Rohstoffs sind ein Paradebeispiel für die verheerende Wirkung des Kapitalismus, der unverzüglich abgeschafft gehört." - Es gibt keine "Kupfer-Krise", sondern allenfalls eine "Profit-Krise" - und die hängt einzig und allein mit diesem abgrundtief perversen System zusammen, besitzt jedoch keinerlei logischen Bezug zum jeweiligen (willkürlich austauschbaren) Rohstoff oder Produkt.
Selbstverständlich haben die aktenkoffertragenden Superspezialexperten des Konzerns längst einen tollen Plan ausgearbeitet, der den Profit schnell wieder sprudeln lassen soll: "In den kommenden Monaten will Glencore knapp eine Milliarde Dollar in die Mopani-Minen investieren, um die Förderung zu modernisieren und damit die Kosten zu senken." - Soviel also zum Thema "Schulden" und zur üblichen Lösungsstrategie des heiligen Mantras der "Kostensenkung". Wie abgefahren und offensichtlich schwachsinnig muss ein System eigentlich sein, bis auch der letzte Hinterwäldler endlich erkennt, dass der Kaiser gar keine Kleider trägt?
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"Ihr braucht keine Eier mehr zu legen, man kauft sie jetzt billiger."
"Das Spiel ist aus!" riefen in der Schlussszene die endlich siegreichen Gegenspieler den entlarvten bösen Machthabern zu, verstellten ihnen den Weg zur Flucht oder zu den Waffen, nahmen sie fest und führten sie, ohne sie noch eines Blickes zu würdigen, in die Kulisse ab, während der Vorhang fiel.
Als er aber dann zum Applaus wieder hochging, kamen die besiegten Machthaber schon Hand in Hand mit den neuen Siegern zurück, und alle verneigten sich artig vor dem Publikum, das ihnen zurief und wie von allen guten Geistern verlassen Beifall klatschte.
(Erich Fried [1921-1988], in: "Fast alles Mögliche. Wahre Geschichten und gültige Lügen", Wagenbach 1975)
Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen. (Helmut Schmidt, Ex-Bundeskanzler und kapitalistisches Arschloch)
Wer keine Visionen hat, soll in die Schweiz reisen und dort um Sterbehilfe ersuchen (sofern solvent, ansonsten ist auch der Suizid angemessen). (Charlie, nur Arschloch)
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Kritik der Kritik
"Jetzt jäten Sie schon die vielen Jahre das Unkraut heraus. Wenden Sie sich doch endlich einmal einer positiven Arbeit zu."
Anmerkung: Ich habe dieses fulminante Werk erst anlässlich eines viele Jahre zurückliegenden Aufenthaltes in Schottland richtig schätzen gelernt. Wer die Highlands im Norden Schottlands schon einmal besucht hat, kann vielleicht besser nachvollziehen, weshalb Mendelssohn diese Sinfonie die "Schottische" genannt hat. Sie ist das vielleicht "reifste" Werk des so jung verstorbenen Komponisten.
Einige Impressionen aus dieser atemberaubenden Region sind beispielsweise hier zu finden.
Im Auftrag des WDR hat das "Meinungsforschungsinstitut" EMNID eine repräsentative Umfrage zum Thema "Zusammenhalt und 'Wir-Gefühl'" durchgeführt. Eine - selbstredend weitgehend informations- und hintergrundfreie - Berichterstattung dazu gibt es hier. Das wenig überraschende Ergebnis lautet denn auch, dass Egoismus und Egozentrik fürstliche Triumphe feiern, während sozialer Rückhalt und Solidarität allenfalls noch im familiären und freundschaftlichen Umfeld wahrgenommen wird - allerdings auch dort mit deutlich abnehmenden Tendenzen. So weit, so erwartbar.
Natürlich werden auch in diesem Bericht die notwendigen - und offensichtlichen - Fragen gar nicht erst gestellt. Wie sollte ein "gesellschaftliches Zusammenleben" verschiedenster Menschen in einem radikalen, inhumanen Konkurrenzsystem sich denn auch anders entwickeln? Der Kapitalismus produziert zwingend und äußerst logisch eine derartige Pervertierung. Es hätte gar keiner solchen Umfrage bedurft, denn die fatalen Auswirkungen des lächerlichen Wettbewerbsprinzips sind ja zunehmend tagtäglich zu erleben - sowohl im persönlichen Umfeld, als auch regional und auf größerer und globaler Ebene. In diesem System schreit alles und jede/r zuerst laut "Ich!", ganz egal ob es sich nun um einzelne Individuen, lokale oder regionale "Vertretungen" aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft oder um die "große Bühne" der Politik und Konzerne handelt. Das ist ein Wesensmerkmal des Kapitalismus.
Solche oder auch nur annähernd ähnliche Gedanken sucht man beim WDR vergebens - dort wird stattdessen scheinheilig und unbeirrbar gehirnzersetzend geschlussfolgert:
Was macht der WDR mit den Ergebnissen? "Wir wollen das gesellschaftliche Wir in den jeweiligen Regionen in unserem Programm abbilden. Das ist eine Kernaufgabe der Lokalzeiten", sagt Ulrike Wischer, Leiterin der Programmgruppe Regionales. In den elf Lokalzeit-Sendungen in NRW geht es deshalb im November in sechs Beiträgen um Flüchtlinge und Probleme der Integration und um Geschichten von sozialem Engagement in allen Bereich[en] des gesellschaftlichen Lebens. Erzählt wie immer: "Nah dran an den Menschen aus der Region".
Ja, auf diese Weise wird sich das fatale Problem sicher schnell lösen lassen. Ich bin mir inzwischen nicht mehr ganz so sicher, ob in den hochbezahlten Redaktionsstuben des "öffentlich-rechtlichen Rundfunks" nicht doch in erster Linie SatirikerInnen ein gutes Auskommen finden. Auf eine solche Merkel-Sonneborn'sche Wortwahl muss man auch erstmal - wahrscheinlich nach dem Konsum wildester Drogen - kommen: "Wir wollen das gesellschaftliche Wir ..." Als nächstes veröffentlichen diese Irren bestimmt eine Abhandlung mit dem Titel: "Über die zunehmende Solidarität und selbstlose Hilfsbereitschaft der LeistungssportlerInnen im blutigen Wettkampf um die Medaillenplätze und Siegerprämien".
Was eine derartige, ständig betriebene Realitätsverzerrung letztlich mit dem menschlichen Gehirn anstellt, hat kürzlich ein Kommentator bei unseren lieben Eso-Freunden wieder einmal öffentlich zur Schau gestellt, indem er zu einem mehr als albernen "Revolutionsaufruf" des Eso-Papstes Wecker ohne jeden erkennbaren Anflug von Ironie schrieb:
Denn erst, wenn niemand mehr "wir" sagt, wenn er nur "ich" meint; erst wenn keiner mehr sagt: "Wir brauchen eine Revolution", sondern alle sagen: "Ich mache eine Revolution", frei geboren, wie sie sind, nicht mehr dressiert von einer Erziehung zur Herrschaft, nicht mehr von Ideologien, Systemen, Gesetzen, Normen, Verhaltensregeln fremdbestimmt, sondern selbstbestimmt nur von ihrer Freiheit, – erst dann sind die Menschen wirklich bereit dazu, etwas zu ändern an ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit. / Und bis dahin ist wohl immer noch ein weiter Weg ...
Es ist zwar nicht weiter verwunderlich, dass solche lächerlichen Biene-Maja-Gedanken (die dennoch nicht nur einen leichten braunen Anstrich haben) im Eso-Umfeld zu finden sind - letzlich fasst "günni" hier das Geblubber von Wecker, Faulfuß & Co. nur verkürzt zusammen -, Angst macht es mir aber trotzdem. Diese typisch kapitalistische Zwangsfokussierung auf das Individuum bei gleichzeitiger Ignoranz der historischen, gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhänge sowie die geradezu Gauck'sche Überbetonung des "Freiheits"-Begriffes, der absurder gar nicht sein könnte im kapitalistischen System der totalen menschlichen Unfreiheit, illustrieren deutlich, wie dringend notwendig eine strikte Abgrenzung von solchen zwielichtigen Gruppierungen ist.
Man sollte Wecker seine salbungsvollen Worte aus jenem oben verlinkten "Aufruf" konsequent und zornig um die Ohren hauen - er selbst trägt schließlich seit Jahrzehnten nach Kräften dazu bei, inhaltlich zunächst völlig überflüssige und Spaltungstendenzen massiv fördernde religiös-esoterische Pseudogedanken in den linken Diskurs zu streuen, die für eine "Revolution von links" nicht nur unerheblich, sondern geradezu äußerst hinderlich sind.
Die Linke löst sich offensichtlich auf: Die einen sind längst angekommen im Kapitalismus und ebenso korrupt geworden wie das System; andere rennen rechten Rattenfängern und ihren "besorgten Bürgern" nach und merken nicht, dass sie so lediglich dem braunen Patriotismus und dem Völkischen huldigen; wieder andere schwören auf Voodoo-Zauber und religiöse "Führer" und suchen auf diesem Wege nach "Erlösung". Schnittmengen gibt es allenthalben, und stets steht das jeweilige "Ich im Mittelpunkt".
In Deutschland hat der Kapitalismus ganze Arbeit geleistet und jede linke Alternative für Jahrzehnte erfolgreich unterbunden. In elitären Kreisen knallen unablässig die Champagnerkorken, während das Geld in Fantastillionenhöhe wie von selbst unablässig in die privaten Speicher sprudelt und die große Mehrheit derweil zwangsläufig der Verelendung und zunehmenden Vereinsamung entgegen strebt. Es ist einfach nicht zu fassen.
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[Ohne Titel]
(Gemälde von George Grosz [1893-1959] aus dem Jahr 1920, Öl auf Leinwand, Kunstsammlung NRW, Düsseldorf)
Das Spiel, um das es heute geht, war vor über drei Jahren schon einmal Thema hier im Blog und für mich persönlich der Anlass, mich überhaupt zum ersten Mal mit einem Computerspiel näher zu beschäftigen. Seitdem bin ich "infiziert" und habe eine ganze Reihe weiterer Spiele ausprobiert, von denen ich hier in sporadischen Abständen berichtet habe. Es geht um das "Horror-Adventure" Amnesia - The Dark Descent vom schwedischen Entwickler Frictional Games aus dem Jahr 2010.
Nach diesen drei Jahren habe ich das Spiel kürzlich ein zweites Mal gestartet und muss meine Wertung von damals (in den Kommentaren unter dem oben verlinkten Gastbeitrag) teilweise revidieren und vor allem erweitern. Ich hole dazu etwas aus und warne alle, die das Spiel noch nicht kennen, ausdrücklich vor Spoilern.
Die Handlung spielt im frühen 19. Jahrhundert. Der Protagonist, in dessen Rolle der Spieler in der Ego-Perspektive schlüpft, erwacht in einem verlassenen Trakt einer halb zerfallenen, mittelalterlichen Burg und kann sich lediglich an seinen Namen erinnern: Daniel heißt er. Sodann macht er sich verwirrt auf, einen Weg aus dieser Burg zu finden und entdeckt dabei immer wieder Hinweise, die das Rätsel seiner Anwesenheit sowie die zurückliegenden Ereignisse, die zu diesem merkwürdigen Zustand geführt haben, nach und nach erhellen. Von Anfang an ist die Atmosphäre bedrohlich und Daniel wird schnell klar, dass er sehr auf der Hut sein muss; mit jedem Schritt, den er weiter in das Innere der stetig finsterer werdenden Burg setzt, nimmt diese Bedrohung zu.
Nebenbei gibt es immer wieder kleinere und größere Rätsel zu lösen, um in den jeweils nächsten Bereich zu gelangen - es versteht sich von selbst, dass Daniel dabei immer wieder Leib und Leben riskieren muss, um in den Besitz der erforderlichen Informationen oder Gegenstände zu gelangen. Viele dieser Bedrohungen sind offenbar zufallsgeneriert bzw. können bei dem einen Spieler an jener Stelle, bei einem anderen anderswo auftreten, so dass auch beim zweiten Spielen kaum vorhersagbar ist, wann der Horror nun zuschlägt.
In diesem Spiel gibt es keine Kämpfe - Daniel besitzt nicht einmal eine Waffe. Seine einzigen Möglichkeiten, dem drohenden "Schatten", der ihm auf seinem Weg in die Finsternis der Burg und damit in seine eigene Vergangenheit folgt, zu entgehen, besteht darin, sich möglichst klug zu verhalten, sich im richtigen Moment am passenden Ort zu verstecken, gelegentlich Ablenkungsmanöver zu inszenieren oder - wenn sonst gar nichts mehr hilft - Türen zuzuschlagen und in wilder Panik davonzulaufen. Das gelingt nicht immer - und ich vermute, dass einige Stellen im Spiel bewusst so konzipiert sind, dass man sie beim ersten Versuch gar nicht bewältigen kann. Ich jedenfalls habe es auch beim zweiten Durchspielen nicht geschafft, jede Bedrohungssituation ohne vorzeitiges Ableben meines bedauernswerten Antihelden zu überstehen.
Der Titel "Abstieg in die Finsternis" ist hier durchaus wörtlich zu nehmen - nichts in diesem Spiel ist so präsent wie die zunehmende Dunkelheit, und zwar sowohl in der dargestellten physischen Umgebung und der Atmosphäre, als auch in der Geschichte, die vom reinen Grusel des Anfangs im weiteren Verlauf zu einer wahrhaft entsetzlichen faschistischen Folter- und Mordschlächterei wird.
Diese Finsternis wirkt in vielerlei Hinsicht fatal auf Daniel, denn sie führt nach einer gewissen Zeit zum Beispiel unweigerlich zu einem Nervenzusammenbruch, der ihn zeitweilig bewegungsunfähig macht - was tunlichst dann nicht vorkommen sollte, wenn gerade "etwas" in der Nähe ist. Deswegen gilt es, immer wieder eine der spärlich verteilten Lichtquellen aufzusuchen bzw. mithilfe der ebenso spärlich im Spiel auffindbaren "Zunderbüchsen" eine erloschene Kerze oder Fackel, von denen es Legionen gibt, zu entzünden und sich so "mental" zu regenerieren. Dabei sollte man aber mit Bedacht vorgehen, denn im späteren Verlauf der Geschichte gelangt man in derartig finstere Bereiche, die ohne eine entsprechende Anzahl von "Zunderbüchsen" kaum zu überstehen sind. Dasselbe gilt für die tragbare Laterne, für die man nur sehr selten einige Tropfen Öl findet und daher sehr genau abwägen sollte, wann man sie anzündet - zumal Daniel vom verfolgenden "Schatten" bei leuchtender Laterne auch sofort entdeckt und natürlich ins Jenseits befördert wird, sofern dieser gerade in der Nähe ist. Auch die Heiltränke, die hier "Laudanum" heißen, sind äußerst rar gesät - haben aber ohnehin nur eine nebensächliche Bedeutung bezüglich der "kleineren" Gefahren, die in der Burg lauern, denn wenn der "Schatten" erfolgreich zuschlägt, ist Daniels Leben unverzüglich nach dem ersten Hieb ausgehaucht.
Selbstverständlich gibt es in Amnesia keine Karte, anhand derer man sich orientieren könnte - in den zuweilen labyrinthartigen oder selten auch riesigen, dunklen Arealen bleibt dem Spieler nichts weiter übrig, als suchend und möglichst schleichend herumzuirren oder - falls denn jemand so spielen sollte - sich selbst eine Kartenskizze auf einem Stück Papier anzufertigen. Letzteres wird aber sehr schnell unterbunden, wenn man wieder einmal gezwungen ist, die Beine in die Hand zu nehmen, um wild zu flüchten - denn dann weiß man sehr schnell nicht mehr, wo man sich gerade befindet.
Den Entwicklern ist mit diesem Spiel ein wahres Juwel gelungen, das seinesgleichen in diesem Genre vergeblich sucht. Auch beim zweiten Durchspielen ist die Atmosphäre umwerfend bedrückend, führen die Schockeffekte zu Herzstillständen und wirkt die sich entblätternde Geschichte dermaßen widerwärtig, dass es nicht selten vorkam, dass ich das Spiel vor dem Betreten eines neuen Bereiches für mindestens 24 Stunden unterbrechen musste, weil mein Nervenkostüm zuvor zu arg gelitten hatte. Dabei handelt es sich hier keineswegs um ein "Action"-Spiel - die Zeit spielt nur an drei Stellen eine gewisse Rolle. Die gefühlte Hälfte der Spielzeit habe ich ohnehin bibbernd in irgendwelchen dunklen Schränken, Hinterzimmern oder finsteren Ecken gehockt, um mich vor dem drohenden Unheil zu verstecken.
Graphisch ist diese Geschichte trotz des kleinen Entwicklerstudios fantastisch umgesetzt, wobei seit dem Jahr 2010 auf diesem Gebiet natürlich viel passiert ist. Die Musik ist perfekt und könnte nicht besser zu diesem Spiel passen. Die gesprochenen Texte (Englisch mit optional angezeigter deutscher Übersetzung) sind grandios und professionell vertont. Auf meinem Win7/64-System gab es keinerlei Probleme oder Abstürze. Es gibt ein - meines Wissens kostenloses - Add-on namens "Justine" zu diesem Spiel, das ich aber weniger gelungen finde und deshalb hier ausklammere. Mein einziger Kritikpunkt: Mir ist das Spiel zu kurz! Wäre es nach mir gegangen, hätte die Geschichte samt Szenario zehnmal epischer ausfallen dürfen.
Fazit: Wer Amnesia nicht spielt, verpasst ein großartiges Highlight aus dem Genre des "Survival-Horrors" und gleichzeitig ein eindrucksvolles Beispiel für das überbordende künstlerische Potenzial, das jenseits der kapitalistischen Verwertungsunlogik in diesem Bereich schlummert.
All these broken pieces left unglued
Should never find their way
Into the hands of someone like you
I'm in the dark
I'm alone around you
I've never been here before
Nobody here to get me through
I'm in the dark
Every minute shared is never mine
Frozen in this fog and hiding
Every second in time
I'm in the dark
I'm alone around you
I've never been here before
Nobody here to get me through
I'm losing my faith in every way
It points to you
I'm in the dark
I'm alone around you
I'm in the dark
The more bleak the day
The less I behave as if
Everything black can wash away
Why can't I just trade a dream for a way
To peel back the shade behind the gray
I'm in the dark
I'm alone around you
I've never been here before
Nobody here to get me through
Das Meer hat seine Gestade verändert,
Übel riecht sein Mund,
Wild bellt es durch die Regenwindnacht.
Die Sterne hausen in undurchsichtigen Wolken,
Im Auto sinnt ein Bankier:
"Was bezahlt der Mond für sein Licht?
Was hat die Sonne davon?"
Ich aber möchte in allen Welten groß inserieren:
Komet gesucht,
der die Erde zertrümmert.
(Albert Ehrenstein [1886-1950], in "Werke, Band 4: Gedichte", Klaus Boer 2003; zuerst in "Simplicissimus", Heft 8 vom 21.05.1928)
Statt einer Anmerkung ein Auszug aus dem Vorwort des Herausgebers Hanni Mittelmann zu dem Ehrenstein-Band "»Kein Schrei weckt dies konservativ blökende Schlafvolk«. Aphorismen aus den Tagebüchern":
"Zwischen allen erreichbaren Stühlen sitzen, das tat Albert Ehrenstein sein ganzes Leben lang. Darin bestand seine Stärke als unbestechlicher Kritiker, der kein Blatt vor den Mund nahm, wo immer er Prätentionen, Unwahrheit und Unrecht witterte, in Politik, Staat und Gesellschaft, in Literatur, Kunst und Religion. Darin bestand aber auch das Verhängnis seines Lebens, das ihm das Schicksal des Außenseiters und den Tod im Exil beschied. Er stand immer über allen Parteien und kannte keine Loyalitäten. Er nahm nur Partei für die Schwachen, Ausgebeuteten, Unterdrückten und ungerecht Behandelten und kannte nur eine Loyalität, die zur Wahrheit und Menschlichkeit.
Die vorliegende Auswahl von schlagkräftigen, oft aphoristisch zugespitzten Gedanken, Werturteilen und Lebenserkenntnissen aus Ehrensteins Notizbüchern lässt ein lebensgeschichtliches Bild des streitbaren Dichters entstehen: als Schüler und Student, der das geistabtötende Erziehungs- und Bildungssystem der Schule und Universität kritisierte; als junger Dichter, der respektlose Opposition bezog gegen die herrschenden Literaturgötter und Literaturmoden seiner Zeit und den sie begleitenden Literaturbetrieb; als liberaler Denker, der klischeehaftes Denken und verfestigte Vorstellungsweisen aufs Korn nahm.
Schließlich entsteht hier auch das Bild des im ersten Weltkrieg politisch herangereiften Dichters, der sich allen Ideologien verweigerte und den 'Missbrauch der Macht', in wessen Namen er auch betrieben wurde, schonungslos beim Namen nannte, und der selbst in den Weltreligionen nichts als eine Machtfrage sah und damit ein Hindernis für die Liebe des Menschen zum Menschen.
Am Ende steht der einsame Emigrant vor einer Welt, die von der unbelehrbaren Dummheit der Menschen und ihrem unstillbaren Machtdurst in Scherben gelegt wurde. Wenn diese Welt Ehrenstein am Ende besiegt zu haben scheint, so bleibt letztlich doch das Bild eines engagierten Dichters bestehen, dessen illusionszertrümmernden Worten immer die Utopie eines menschenwürdigen Lebens und einer menschenfreundlichen Welt entsteigt."
Im Wust der ständigen Berichte über die "Flüchtlingskrise", die tagesaktuellen Katastrophenmeldungen aus aller Welt und sonstigen mehr oder minder relevanten Nachrichten ist ein kleines Detail fast untergegangen, das als fast schon "klassisches" Beispiel für politische Korruption gelten darf. Es geht um die Rolle des Radikal-Kapitalisten Friedrich Merz (CDU) im Zusammenhang mit dem Bankenskandal um die WestLB. Beim WDR findet sich ein kleiner Artikel dazu, in dem es unter anderem heißt:
Merz war persönlich als Bevollmächtigter für den Verkauf der WestLB eingesetzt worden. Im Juni 2010, kurz nach der Landtagswahl und dem Regierungswechsel in NRW, sei sein Vertrag unterschrieben worden. Damals noch vom scheidenden CDU-Finanzminister Helmut Linssen. (...) Bekannt ist, dass Merz ein Honorar von rund 5.000 Euro pro Acht-Stunden-Tag ausgehandelt hat. Nach WDR-Informationen kommen zu diesem Tagessatz noch die Mehrwertsteuer und eine Überstundenvergütung hinzu. (...) Insgesamt sind nach WDR-Informationen in der rund einjährigen Tätigkeit gut 1,1 Millionen Euro an Merz und seine Kanzlei geflossen. (...) Dass er letztlich keinen Erfolg beim Verkauf der Landesbank hatte, sei nicht seine Schuld, beteuert er.
Trotz dieser Fakten entblödet sich der Autor nicht, Merz völlig ironiefrei mit Attributen wie "aufgeräumt", "voller Elan" und sogar "eloquent" zu bedenken beschleimen. Mehr Speichelleckerei ist angesichts der ungeheuerlichen Vorgänge kaum möglich. Dem CDU-Mann Merz, der noch niemals zuvor eine "Bank verkauft" hat, wurde also von seinen Parteifreunden kurz vor Übergabe der Amtsgeschäfte ein solcher absurder "Auftrag" zugeschustert - zu Konditionen, die mit dem Adjektiv "irrsinnig" nur unzureichend beschrieben sind: 1,1 Millionen Euro für ein Jahr "Arbeit" - wohlgemerkt unabhängig vom Erfolg. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass der Herr Rechtsanwalt Merz in diesem einen Jahr tatsächlich nichts anderes getan hat und jeden verdammten Werktag für mindestens acht Stunden eifrig darum bemüht war, einen Käufer für eine vor der Pleite stehende Bank mit Milliardenschulden zu finden. Und gleichzeitig ist er sicher der wahre Kaiser von China.
Da soll noch jemand behaupten, durch die Bankenkrise sei "Geld vernichtet" worden - auch der WDR-Autor spricht in diesem Zusammenhang, wie in den Massenmedien üblich, irreführend von einem "Milliardengrab". Die Kohle hat, wie immer in solchen Fällen, lediglich die Besitzer gewechselt - und ein kleiner Teil dieser Milliarden ist im Säckel des Friedrich Merz gelandet. Korruption gehört in Deutschland längst zum Alltagsgeschäft - und zwar nicht nur in der Politik, auch wenn sie dort bisweilen noch semi-öffentlich stattfindet bzw. etwas schneller auffliegen kann. Ernsthafte Konsequenzen hat das in den allermeisten Fällen jedoch nicht.
Auch beim WDR wird übrigens die Frage gar nicht gestellt, wer auf die absurde Idee gekommen ist, eine hoch verschuldete staatliche Bank verkaufen - also "privatisieren" - zu wollen. Dass dies schon bei "gesunden" Betrieben stets nur zum massiven Nachteil aller mit Ausnahme der "Investoren" ausgeht, ist inzwischen doch eine Binsenweisheit - auch wenn diese bei den Handlangern des Kapitals in der Politik selbstredend nie ankommt.
Die Verkommenheit dieses Landes, dieses Systems, seiner Medien und selbsternannten "Eliten" nimmt immer groteskere Formen an.
"Wie fleißig du warst, mein guter Junge! Kaum zwei Monate Abgeordneter und schon ein Automobil!"
Zurzeit rollt eine Welle durch Kleinbloggersdorf, die einem absurden Tsunami nicht unähnlich ist. Ausgangspunkt war der Abschied des langjährigen Mitherausgebers Wolfgang Lieb von den Nachdenkseiten. Seitdem haben sich einige mehr oder minder bedeutende Bewohner des Dorfes zu Wort gemeldet und ihren Sermon dazu abgegeben - der auf wunderlicher Weise aber schnell zu einer Lobeshymne für den polarisierenden Agitator Ken Jebsen wurde. Ein paar Beispiel dazu:
Jens Berger, "Nachfolger" von Wolfgang Lieb bei den Nachdenkseiten und Betreiber des Blogs Spiegelfechter, hat dazu einen Text mit dem vielsagenden Titel "Von Querfronten, Trollen, Schmuddelkindern und dem Versuch, linke Stimmen mundtot zu machen" verfasst. Darin geht er vehement gegen die linke Kritikerin Jutta Ditfurth vor, die den Vorgang auf ihrer Facebook-Seite kommentiert hatte und die er nicht einmal beim Namen nennt, geschweige denn verlinkt. Berger kommt dort nach unsäglichen gedanklichen Verirrungen zu dem Schluss:
Meine persönliche Antwort auf die "Schmuddelkinder-Strategie" und die größtenteils lächerlichen Unterstellungen aus den sozialen Netzwerken ist ein schönes englisches Sprichwort, das sich leider nicht sinnvoll ins Deutsche übertragen lässt: "Don't wrestle with pigs, you both get dirty, but the pig likes it."
Die Kommentare zu diesem Text bewegen sich größtenteils auf demselben unerträglichen Niveau und bestehen zu einem nicht unerheblichen Teil aus schlichter Reklame für Ken Jebsen und die Nachdenkseiten. Es versteht sich von selbst, dass hier die Reaktion Bergers - nämlich seine konsequente Weigerung, sich inhaltlich mit der Kritik Ditfurths zu beschäftigen - in eine Weigerung Ditfurths, mit Berger zu sprechen, umfabuliert wird - und das, obwohl die Dame, deren Ansichten auch ich gewiss nicht immer teile, auf ihrer Facebook-Seite zu den Berger'schen Angriffen Stellung genommen hat.
Auch flatter vom feynsinn-Blog hat etwas dazu geschrieben und sich unter anderem einen Kommentar von einer "Heldentasse" eingefangen, die im Jahre 2015 allen Ernstes schreibt:
Auch das[s] die NDS in einem positiven Sinne "sozialdemokratisch" sind[,] empfinde ich als gut. Denn eins ist klar, wenn es überhaupt eine kleine Chance auf politische Besserung geben sollte, woran man allerdings berechtigt zweifeln kann, muss man m.E. auch die sozialdemokratische Basis ansprechen und mit einbeziehen.
Wie irrsinnig ein solcher Gedanke ist, muss ich hoffentlich nicht weiter erklären, tue es aber trotzdem: Der "positive Sinn" der Sozialdemokratie war es - historisch belegt - schon immer, den menschenfressenden Kapitalismus zu legitimieren und die Besitzverhältnisse, um die es letzten Endes immer geht, zu betonieren.
Ein weiterer Blogger, den ich eigentlich als hochintelligenten Menschen wahrgenommen habe und der immer wieder gute Texte in Kleinbloggersdorf heraushaut, hat sich hier gleich an zwei Orten weit aus dem Fenster gelehnt. Der geschätzte Epikurschrieb beim Spiegelfechter:
Volle Zustimmung! / Für das ganze Spaltungstheater braucht man nicht mal "Dienst-Mitarbeiter" einzusetzen. Das erledigen in Deutschland die "wahren Linken" mit der "reinen Lehre" gerne gratis.
Bei feynsinnklang das so: "Und das ewige Gebashe gegen Jebsen, Ganser und co innerhalb der Linken nervt tierisch ab." - Eine Begründung für diese Haltung findet man dort allerdings nicht - er verweist lediglich auf die angeblich "gute Qualität" einiger Interviews, die Ken Jebsen geführt habe. Dazu muss ich feststellen: Es ist überaus bestürzend und erschreckend, solche Wertungen lesen zu müssen. Für mich sind sie kaum nachvollziehbar, weil diese Interviews ja so tendenziös sind, dass Jebsen mit solchen Darbietungen aus jeder Journalistenschule hochkantig herausfliegen würde, da sie eben keinem einzigen journalistischen Grundsatz entsprechen. Ich kann mir das nur noch so erklären, dass die Kunst des journalistisch korrekten Interviews schon lange verlorengegangen ist und auch in den Propagandamedien seit Jahrzehnten nichts dergleichen mehr präsentiert wird. In einem propagandistisch verseuchten Umfeld wird Gegenpropaganda offensichtlich allzu gerne als "Journalismus" wahrgenommen bzw. missverstanden.
Zu guter Letzt hat natürlich unser esoterischer Freund Holdger Platta, der sich selbst witzigerweise als "Marxist" bezeichnet und dennoch nicht müde wird, den Eso-Quatsch der Weckers und Faulfüße zu unterstützen und zu verbreiten, einen Kommentar zu diesem Thema verfasst. Mit dem bedeutungsschwangeren Nachsatz "To whom it may concern" versehen, schreibt er - in dem erbaulichen Wissen, dass kritische Kommentare dort sowieso nicht freigeschaltet werden:
Solidarität, die nur dem klon-identischen Meinungsträger gilt und keinerlei Abweichung zulä[ss]t, Solidarität, die Verschiedenheiten nicht auch als Reichtum und Chance begreift, ist keine echte, nämlich freiheitsgewährende, Solidarität, sondern nichts anderes als der Wunsch nach der Uniformierung aller. Und landete einmal in der Realität dort, wo Marxismus nie mehr wieder landen darf: im Archipel Gulag. / Von dieser Sorte eines sogenannten Marxismus' haben aber fast alle die Nase voll: nicht zuletzt jene, die wirklich bemüht sind, Marxisten zu sein.
Eigentlich bedarf es keines Kommentars, dass dieser verwirrte Mann angesichts der offensichtlich drohenden faschistischen Gefahr in Deutschland und Europa ausgerechnet vor einem "Archipel Gulag" warnt - noch weiter entfernt von der Realität könnte man sich heutzutage gedanklich gar nicht aufhalten. Insofern bleibt er dem Motto des Eso-Blogs "Jenseits der Realität", für das er sich einsetzt, unbeirrt treu. Auch das sektiererische Ausgrenzungsverhalten, das für Esoteriker symptomatisch ist, beherrscht er perfekt, indem er einfach mal die "sogenannten Marxisten" gegen jene, "die wirklich bemüht sind, Marxisten zu sein", ausspielt und die Gruppen auch gleich fest über alle Köpfe hinweg definiert. Wie eigentlich könnte eine bewusst vollzogene, gewollte Spaltung noch deutlicher vonstatten gehen als hier?
Nicht nur Marx rotierte im Grabe, wenn er die gegenwärtigen "Diskussionen" um den "richtigen linken Weg", die ja gar keine sind, mitbekäme. Ich rotiere schon außerhalb des Grabes.
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Zwischen den Blöcken
(Gemälde von Heinz Trökes [1913-1997] aus dem Jahr 1947, Öl auf Leinwand, Lehmbruck-Museum Duisburg)
Ich schlage die Zeitung auf:
dort droht der Atomtod.
Ich höre die Nachrichten:
Hier redet man von der Neutronenbombe.
In der Illustrierten,
die ich am Bahnhof kaufe,
wird der begrenzte
Atomkrieg erörtert.
Beim Fernsehen erfahre ich
Neueres über Nervengase.
Vor dem Einschlafen
lese ich noch einen Science Fiction-Roman.
(Helga Braun, in: Wolfgang Fienhold / Harald Braem (Hg.): "Die letzten 48 Stunden. Science Fiction-Erzählungen vom Weltuntergang", Heyne 1983)
Die wichtigsten "Manhattan-Projekte" der Zukunft werden umfangreiche, von der Regierung geförderte Untersuchungen darüber sein, was die Politiker und die daran teilnehmenden Wissenschaftler "das Problem des Glücklichseins" nennen werden, mit anderen Worten, wie man die Menschen dahin bringt, ihr Sklaventum zu lieben.
(Aldous Huxley: "Brave New World")
Die "schöne neue Welt", vor der schon Huxley in seinem 1932 erschienenen Roman gewarnt hat, rückt in immer greifbarere Nähe. Ich versuche an dieser Stelle gar nicht erst, eine Auflistung all der Zumutungen, Perversionen und Zerstörungen, welche die herrschende "Elite" durch ihre Politclowns bereits auf den Weg gebracht hat, zu notieren - dazu wäre schon ein komplettes Buch nötig. Stattdessen greife ich zwei Beispiele heraus, die gerade aktuell sind und wieder einmal trefflich illustrieren, auf welch einem furchtbaren Weg wir uns befinden.
Im Bundesinnenministerium wird deshalb in diesen Tagen daran gearbeitet, wie die Organisation der Flüchtlinge effektiver bewältigt werden kann. Eine der Varianten, die dabei zur Diskussion steht, ist die digitale Flüchtlingskarte, die der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt vorgeschlagen hat. / Der sächsische Politiker will alle Stammdaten und Informationen über einen Asylbewerber künftig auf einer Chipkarte speichern. Jedem Flüchtling soll bei der Einreise eine solche Karte ausgehändigt werden, auf der außer einem Bild auch Name und Registrierungsnummer aufgedruckt sind. Auf dem Chip gespeichert sind zudem Fingerabdrücke, Hinweise zur Herkunft, Familienstand, Ausbildung sowie Daten der zuständigen Erstaufnahmeeinrichtung und Ergebnisse der Gesundheitsuntersuchung. Zugriff auf die Karte sollen alle zuständigen Behörden haben: das Bundesamt für Migration, Bundespolizei, Ausländerbehörden in Ländern und Kommunen und die Aufnahmeeinrichtungen.
Am Testballon der Flüchtlinge wird also wieder einmal ein staatliches Totalüberwachungssystem "diskutiert", das den "gläsernen Bürger" ermöglichen soll. Es versteht sich von selbst, dass ein solches System, das sich, sollte es umgesetzt werden, sicherlich "bewähren" wird, danach auch für andere Bevölkerungsgruppen wie etwa BezieherInnen von Sozialleistungen und letztlich auch für den Rest der Bevölkerung eingeführt würde. Der Schritt zum implantierten RFID-Chip für alle Menschen ist dann nur noch ein recht kleiner.
Selbstverständlich beginnt der Artikel gleich mit einem regelrechten Brüller: "Sie gilt bisweilen als übertrieben gründlich und schwerfällig, doch im Vergleich zu Spanien oder Italien genießt die Bürokratie in Deutschland einen guten Ruf" schreibt der Autor Christian Rothenberg zu Beginn, so dass sich der geneigte Leser von Anfang an stirnklatschend fragen darf, in welchem vergammelten Paralleluniversum der Mann wohl lebt. Liest hier jemand mit, der auch nur jemanden kennt, dessen Schwippschwager entfernt davon gehört hat, dass die Bürokratie in Deutschland einen guten Ruf genieße?
Es ist eine extrem schaurige Vorstellung, dass beispielsweise die Polizei auf die Gesundheitsdaten, das Ausländeramt auf die Fingerabdrücke oder jeder popelige Hanswurst in irgendeiner deutschen Behörde auf sämtliche persönliche Daten eines Menschen Zugriff hat - dem Weg in den Totalitarismus wäre damit nicht nur das Tor einladend weit geöffnet, sondern sogar eine regelrechte Prunkallee gebaut, an deren Ende logischerweise das Panopticon wartet.
Das zweite Beispiel kommt etwas subtiler daher, hat es aber ebenfalls in sich. Es geht um das geplante "Basiskonto für Jedermann", das gestern im Bundestag durchgewunken wurde. Das vordergründige Ziel dieses Planes ist es, allen Menschen die Führung eines Girokontos zu ermöglichen - also beispielsweise auch Verschuldeten, Obdachlosen oder Flüchtlingen. Wer hier allerdings eine "menschenfreundliche" Handlung der neoliberalen Bande vermutet, befindet sich einmal mehr auf dem Holzweg. Es ist deutlich ersichtlich, dass dies ein weiterer Schritt auf dem perfiden Weg zur geplanten Abschaffung des Bargeldes ist. In Irland ist man schon einen Schritt weiter - dort werden heuer zunächst die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft.
Was die komplette Abschaffung des Bargeldes bedeutet, wird schnell klar, wenn man sich das aberwitzige, totalitäre Potenzial dieses Vorganges ausmalt, wie es in unzähligen Science-Fiction-Geschichten schon vorerzählt wurde. Da reicht beispielsweise ein Knopfdruck in irgendeiner Behörde, um einen Menschen komplett von jeglichen Zahlungsmöglichkeiten auszuschließen und ihn so fast sämtlicher Handlungsspielräume zu berauben; da wird jeder auch noch so geringe Geldeingang stets staatlich registriert - irgendwelche Spenden oder Geschenke, die heute beispielsweise dem einen oder anderen Hartz-Terror-Opfer gelegentlich eine temporäre Entspannung der unerträglichen Zwangsverarmung bescheren, wird es dann nicht mehr geben.
Ich kann schon heute Menschen nicht verstehen, die ihre Einkäufe via Kredit- oder EC-Karte, via Überweisung - oder schlimmer noch: mit dem Handy - bezahlen. Ist es denen wirklich völlig egal, dass die Banken und Telekommunikationskonzerne damit exakt wissen (und diese Daten gewiss auch säuberlich speichern), was sie wann und wo gekauft bzw. getan haben?
Die kurze Geschichte der "menschlichen Zivilisation" kann man vielleicht so zusammenfassen (aus dem Evangelium des Charlie, 1,1): "Und als die privilegierte Schafherde endlich bemerkte, dass das gepriesene Paradies, in das man sie mit glitzernden Lichtern, markigen Versprechungen und warmen Beschwichtigungen geführt hatte, doch bloß der auch für alle anderen Schafe übliche Schlachthof war, blökte sie missmutig, bevor sie sich gegenseitig zerfleischte und den Schlächtern auch diese schauerliche Arbeit abnahm."
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...