Samstag, 9. Januar 2016

Lesetipp: Auflösung. Ein Nekrolog auf den Humanismus


Zum Wochenende möchte ich einen dringenden Lesetipp loswerden, der dabei hilft, so manche dunkle Gedankenwolke zu erhellen und die aktuellen Katastrophen und Untergangsszenarien im sich auflösenden Europa ein wenig besser zu verstehen. Dieser Text von Rainer Trampert sei jedem ans Herz gelegt, der sich verzweifelt fragt, warum diese Welt heuer einmal mehr - wie stets begleitet von populistischen, allzu schrillen, grotesk-stumpfsinnigen Erklärungsversuchen, die allesamt nichts mit der Realität zu tun haben - am Abgrund hängt.

Das ist keine leichte und erst recht keine erfreuliche Lektüre - aber sie hilft ungemein beim Verständnis. Ich könnte gleich abschnittsweise aus diesem Text zitieren, und auch wenn in wenigen Detailfragen durchaus die eine oder andere Kritik angebracht ist, beschränke ich mich hier auf das Fazit des Verfassers und hoffe, dass auch der sehr lesens- und bedenkenswerte, äußerst informative Rest von möglichsten vielen Menschen gelesen wird. Trampert resümiert:

Durch die historischen Niederlagen und Deformationen der kommunistischen, anarchistischen, sozialistischen und emanzipatorischen Visionen und Kämpfe fehlt heute das Korrektiv, das die religiös-fanatischen, nationalen, marktkonformen, ethnischen, tribalen, männerkultigen, rassistischen und faschistischen Wucherungen bremsen könnte.

Linke haben mitgeholfen, sich zu demontieren. Postmodern Gewordene ersetzten die Kritik an der Klassengesellschaft durch den Konsum und den positiven Geist, Linkskeynesianer erzählten, ein böser Neoliberalismus sei über die Menschheit gekommen. Demnach müsste es vorher einen guten Kapitalismus gegeben haben, zum Beispiel den in den "sozial-staatlichen keynesianisch geprägten sozialdemokratischen Jahrzehnten nach 1945" (Altvater), zu dem auch Helmut Kohl mit seiner geistig-moralischen Wende zurück wollte. In der Krise flüchteten Linke sich in die Kritik der Finanzen, adelten so die Ausbeutung und Entfremdung der Menschen im Mehrwertbetrieb und schoben alle Schuld auf New York, Finanzen, Banken, Spekulanten und benutzten auch all die anderen antisemitisch konnotierten Begriffe.

Hier ist prägnant zusammengefasst, was all die kurzsichtigen, durch ihren jeweiligen (durchaus unterschiedlichen) Tellerrand eingesperrten Pseudokritiker des kapitalistischen Wahnsinns - von "Pegida" über "Propagandaschau", "Ken Jebsen" und "Nachdenkseiten" bis hin zu den aktuellen politischen Karikaturen von den Grünen, der SPD und der Linkspartei - eint. Selbst den esoterischen Realitätsverweigerern bzw. Sektierern ist ein kleiner Nebensatz gewidmet.

Ich habe zwar wenig Hoffnung, dass dieser gute Text, der auch in der Jungle World erschienen ist, die richtigen bzw. eigentlich erforderlichen LeserInnen finden wird, möchte aber trotzdem meinen bescheidenen Beitrag zur Verbreitung leisten. Wenn auch nur ein Depp der "Pegida"-, "Jebsen"- oder "Propagandaschau"-Fraktion oder ein Fanboy/-girl der "Nachdenkseiten", des "Spiegelfechters" oder der Linkspartei zum eigenständigen Denken und Verstehen auch jenseits des individuellen Horizontes angeregt wird, wäre schon etwas - wenn auch nicht viel - gewonnen.

Das rassistische Hohlkopfvirus erlebt momentan quer durch alle genannten Fraktionen eine widerwärtige Renaissance, die ich selbst in meinen schlimmsten Albträumen nicht für möglich gehalten habe.

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Der letzte Demokrat


"Der liebste Platz, den ich auf Erden hab', das ist die Rasenbank am Elterngrab."

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 27 vom 05.10.1931)

Musik des Tages: Sinfonie Nr. 4 in e-moll




  1. Allegro non troppo
  2. Andante moderato
  3. Allegro giocoso – Poco meno presto – Tempo I
  4. Allegro energico e passionato – Più Allegro

(Johannes Brahms [1833-1897]: "Sinfonie Nr. 4 in e-moll", Op. 98; Chamber Orchestra of Europe, Leitung: Bernard Haitink, 2011)


Mittwoch, 6. Januar 2016

Brüllwitz des Tages: Wie pseudolinke Esoteriker aktive Spaltung betreiben


Der folgende Beitrag ist eine Satire, die nur von satirefähigen Menschen verstanden werden kann.

Wer in dieser finsteren Zeit wieder einmal herzlich lachen möchte, sei auf diesen erfrischenden Beitrag unserer esoterischen Freunde vom Blog "Jenseits der Realität" verwiesen. Dort wird, wie überwiegend gewohnt, nicht auf eigene Ergüsse, sondern auf andere Kotztüteninhalte Bezug genommen, um diese fleißig zu bewerben. Im aktuellen Fall handelt es sich um einen zum Himmel schreienden Beitrag aus dem grenzdebilen katholischen Umfeld der hirnbefreiten Webseite publik-forum.de.

Eigentlich sind damit bereits alle Kriterien für eine bitterböse Satire erfüllt - allerdings meinen die Esos das, wie immer in solchen Fällen, leider ernst. Der Blogger Volker vom frei-blog musste das nun am eigenen Leib erfahren, denn auf seine Kritik, die er dort als einer der ganz wenigen noch anbringen darf (Ketzer wie ich und viele, viele andere sind dort längst gesperrt und dürfen sich nicht mehr äußern), antwortete Holdger Platta, der Stiefelknecht des Chef-Voodoo-Agitators Faulfuß, gar höchstpersönlich. Es ist äußerst witzig zu lesen, wie der verwirrte, alte Mann dort den aktuellen Papst zu einem "antikapitalistischen Revoluzzer" verklärt ("Er hat 'Kapitalismus tötet' gesagt - er ist einer von den Guten!!!"), aber noch viel witziger sind seine Versuche, den vom "rechten Weg" abgekommenen, bedauernswerten Volker - zunächst in der standesgemäßen dritten Person, denn mit Fußvolk gibt man sich im Regelfall nicht ab - wieder heim ins Reich führen zu wollen:

Schade, daß Volker derart unkritisch unguten Vorbildern folgt! Dieses Bedauern ist ernst gemeint, nicht vorgetäuscht.

Der arme Volker wusste freilich nicht, worauf sich der platt plärrende Platta da bezog, so dass dieser gleich noch einmal nachlegen musste:

Ich hatte es freilich anders gemeint: daß Du Dich objektiv in eine ungute Tradition zu anderen Kommentatoren begibst, wenn Du einfach mal so auf einen Autor mit seinem Artikel draufhaust, ohne wirkliches Argument und ohne wirklichen Beleg, in die zeitlich-qualitative Nachfolge also derartiger Kommentarschreiber, die permanent nur negativ bewerten, bewerten, bewerten ‚können‘, ohne je Argumentation und Belege vortragen zu können (manche von ihnen – das meint ganz ausdrücklich Dich oder Deinen Kommentar nicht! – bis in die persönliche, durch nichts gerechtfertige oder zu rechtfertigende, Diffamierung hinein).

Da war die ungesagte Katze aus dem Sack und jeder - mit Ausnahme der unbeteiligten LeserInnen, also der überwältigenden Mehrheit der dumm glotzenden Mitlesenden - wusste, welchen schmählich bösen Kritiker des heiligen Weges der einzig wahrhaft Erleuchteten Herr Plattfuß da meinte. Ich musste breit grinsen an dieser Stelle (ganz ohne Drogeneinfluss, ich schwöre). Und weil Platta ja Transparenz und Offenheit über alles liebt, fügte er gar zum Schluss hinzu:

Und Du weißt ja selber sehr genau, wen ich da meine, und daß ich mich nie gescheut habe, diese Leutchen wieder und wieder beim Namen zu nennen!

Da war bei mir der päpstliche Ofen endgültig aus und der Lachpegel am teuflischen Maximum. Das muss man erst einmal schaffen: keine Namen zu nennen und sich hernach wild damit zu brüsten, doch stets Namen genannt zu haben. :-)

Als Fazit dieses herzerfrischenden Blogpostings samt Kommentaren können wir also festhalten:

  1. Der Papst ist ein Guter! Er hat zwar nicht das Geringste dafür getan, das kapitalistisch verursachte Elend dieser Welt auch nur leicht anzukratzen, aber er hat gesagt, dass es übel sei!
  2. Volker ist dumm und merkt nicht, welchen bösen Schurken er auf den Leim geht, wenn er anderswo als bei "Jenseits der Realität" kommentiert und liest.
  3. Charlie ist die pure Essenz Luzifers, der niemals Argumente benutzt, sondern stets nur böswillig die reinen, hellen Heiligen beschmutzt. Man nimmt seinen finsteren Namen niemals öffentlich in den Mund (so viel Schmutz erträgt kein hochsensibler Eso), behauptet aber stets, das dennoch getan zu haben.

Genau so, liebe Pegida- und Propagandaschaugesellen, geht erfolgreiche Spaltung! Von den zwielichtigen Brüdern Platta und Faulfuß könnt ihr noch eine Menge lernen!

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Der Angeklagte hat das Wort!



(Lithografie von Honoré Daumier [1808-1879], in: "La Caricature", 1835)

Zitat des Tages: Konjunktur


So gut ging es uns noch nie. Unaufhörlich
werden die Mieten gesenkt. Ohne Unterlass
fallen die Preise. Die Schrippen
werden immer größer.

In Säcken schleppen wir am Zahltag
unseren Lohn nach Hause. Zum Frühstück
trinken wir Sekt. Wir fahren Rolls Royce und essen
den Kaviar pfundweise.

In unseren Super-Jets fliegen wir nach Feierabend
für ein paar Stunden zu den Bahamas. Die ewigen Diamanten
hängen unseren Frauen schon
zum Halse heraus.

Bald wissen wir nicht mehr, wohin
mit unserem Geld. Demnächst werden wir
einen Fonds gründen müssen zur Unterstützung
notleidender Millionäre.

(Volker von Törne [1934-1980], in: Born / Delius / von Törne: "Rezepte für Friedenszeiten. Gedichte", Aufbau 1973; geschrieben 1969)



Anmerkung: Das ständige, wohl tatsächlich bis in alle Ewigkeit stetig wiederholte kapitalistische Märchen vom "So gut ging es uns noch nie"-Mythos macht sich auch in dieser fast 50 Jahre alten, satirischen Gedichtform sehr gut. - "Wenn da nur nicht diese fiesen Flüchtlinge, Arbeitslosen, Kranken, Alten und sonstigen Sozialschmarotzer wären, die uns unsere Millionen klauen wollen, könnten wir glatt zufrieden sein", sagt sich da der dumpfdeutsche Lohnsklave und unterschreitet damit mühelos die intellektuelle Leistung einer Kaulquappe.

Es ist wahrlich ein Wunder, dass diese degenerierte Spezies überhaupt so lange überlebt hat.

Montag, 4. Januar 2016

Verfassungspatriot oder Verfassungsfeind: Zur jüngeren Geschichte Deutschlands


Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Linke verweisen - angesichts des hierzulande deutlich in Richtung eines totalitären Überwachungs- und Repressionsstaates driftenden Trends - in einigen Medien- und Blog-Kommentarspalten immer wieder gern auf die verfassungsrechtlich verbrieften Rechte wie z.B. die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit, das Recht auf Widerstand und die unantastbare Würde des Menschen (letztere ist auch eine gern genutzte Vokabel der "politischen Elite", wenn es darum geht, Bundeswehr- bzw. Kriegseinsätze zu rechtfertigen).

Das Grundgesetz der BRD zeigt sich - einschließlich der daraus resultierenden Gesetze, Verordnungen und Satzungen - aber immer mehr als genau das Instrument, mit dem sich das kapitalistische Herrschaftssystem seine Privilegien mehr und mehr zu Lasten der Mehrheit sichert. Wer mit den Augen der 80er Jahre einen analytischen Blick auf die heutigen Zustände des "wiedervereinigten" Deutschlands wirft, wird mit Entsetzen festellen, dass die Verfassung im Kern nicht mehr das Papier wert ist, auf dem sie einst geschrieben wurde.

Zum Thema "Geschichte und Zukunft der antideutschen Linken" gab es im Jahr 2010 eine im Rahmen einer Veranstaltungsreihe geführte Podiumsdiskussion des Bündnisses "...ums Ganze", aus der ich das Statement von Thomas Ebermann hier einmal mit eigenen Worten wiedergeben und zur Diskussion stellen möchte (das komplette Gespräch ist 2 1/2 Stunden lang):

In den 80er Jahren war es nur schwer denkbar, dass Deutschland einst aus rein nationalem Interesse wieder Kriege führen wird. Wer so etwas prognostizierte, wäre als Spinner belächelt und nicht nur von Linken nicht ernst genommen worden. Das nach 1945 postulierte "Nie wieder Krieg!" wurde aber inzwischen der Lächerlichkeit preisgegeben. Einsatzbefehle erteilt das Parlament heute innerhalb weniger Tage.

Es gab so etwas wie einen "linksliberalen deutschen Stolz", als Lehre aus den Erfahrungen des Nationalsozialismus - und teilweise auch unter dem Druck der Alliierten - ein vergleichsweise humanes Asylrecht in die Verfassung aufgenommen zu haben. (In einem Gastbeitrag bei Klaus Baum habe ich versucht zu begründen, warum auch sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge historisch betrachtet als politisch Verfolgte gelten.) Dieses Recht wurde nach 1989 total geschliffen. Niemand unter den Linken hätte in den 80er Jahren auch nur im Geringsten vermutet, dass eine humane und humanistische Katastrophe im Umgang mit Flüchtlingen, wie sie heute beispielsweise mit dem Begriff "Lampedusa" öffentlich verknüpft ist, einmal Realität werden könnte. Heute haben wir ein Asylrecht, das auf dem Grund des Mittelmeeres die Leichen der Geflohenen stapelt. Hätte ein Linker vor der "Wiedervereinigung" so etwas an die schwarze Wand der Zukunft gemalt, wäre er einfach nur ausgelacht worden. Kassandra wäre dagegen eine Heilsversprecherin gewesen.

Bis Ende der 80er Jahre gab es in Deutschland faktisch keine Zwangsarbeit (Reichsarbeitsdienst), wie man sie aus der Zeit des Nationalsozialismus kannte. Niemand, der Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe bekam, wurde zur Arbeit gezwungen. Auch dies war nach 1945 die verfassungsrechtliche Umsetzung einer wichtigen Lehre aus dem Faschismus: Niemand, der staatlich alimentiert wurde, war zu einer "Gegenleistung" verpflichtet. Selbst bis in die CDU hinein war die feste Überzeugung gewachsen, dass es so etwas wie Zwangsarbeit nie wieder geben dürfe. Und nach der Jahrtausendwende waren es ausgerechnet die SPD und die Grünen, die mit der "Agenda 2010" - in trauter Kontinuität zum "alternativlosen" Thatcherismus und sogenannten "Lambsdorff-Papier" - den Arbeitszwang, selbst bei drohendem oder bereits vollzogenem Entzug des lächerlich geringen Existenzminimums (staatlich verordneter Hungertod?), wieder einführten.

Auch anhand weiterer Beispiele aus dem Grundgesetz (allgemeiner Gleichheitsgrundsatz, Rechtsstaatlichkeit, Einsatz der Bundeswehr ausschließlich zu Verteidigungszwecken im Angriffsfall etc.) lassen sich die vorgenannten, seinerzeit als alarmistisch und übertrieben angesehenen Prognosen anhand der heutigen Realität schlüssig belegen.

Verfassungspatriotismus ist heute die Identifikation mit dem Nationalstaat in seiner heutigen Verfasstheit [und damit eine typisch kapitalistische Perversion bzw. Degeneration - Anm.v.Charlie].


Freitag, 1. Januar 2016

Nostalgie-Konzert des Jahres: Styx - Return to Paradise




(Styx: "Return to Paradise", Live-Album und -Video, 1997)

Anmerkung: Diese amerikanische Band hat in Deutschland und anderen europäischen Staaten trotz einiger "Hits" wie beispielsweise "Boat on the River" oder dem unsäglichen "Mr. Roboto" - einem albernen Disco-Song zum damaligen Zeitgeist, der letztlich zur Auflösung der Band im Jahr 1984 beigetragen hat - nie einen sonderlich bemerkenswerten Bekanntheitsstatus erreicht. In den USA hingegen füllte sie in den 70ern und frühen 80ern regelmäßig die größten Stadien und Arenen - und das trotz ihrer vergleichsweise anspruchsvollen, teils gar progressiven Rockmusik, was für die USA äußerst bemerkenswert ist, da auch die Texte der Band teils ausgeprägt sozial- und religionskritisch und fast schon anarchistisch waren. Mit dem Album "Kilroy Was Here" - einem dystopischen Konzeptalbum aus dem Jahr 1983 über einen faschistischen Staat US-amerikanischer Prägung, in dem "Sex, drugs and rock'n'roll" strikt verboten sind und Verstöße entsprechend hart von der "Robot-Polizei" des faschistischen Herrschers "Dr. Rightous" geahndet werden, endete die erste Ära von Styx, bis sie im Jahr 1996 mit einer Re-Union-Tour, aus der auch das hier verlinkte Konzert stammt, wieder neu aufgerollt wurde.

So if you think your life is complete confusion
Because your neighbours got it made
Just remember that it's a grand illusion
'Cause deep inside we're all the same.

America spells competition
Join us in our blind ambition
Get yourself a brand new motor car!
Someday soon we'll stop to ponder
What on Earth's this spell we're under
We made the grade and still we wonder:
Who the hell we are.

(aus: "The Grand Illusion", 1977)

Leider war der Ausnahme-Schlagzeuger John Panozzo zu dieser Zeit bereits todkrank (er verstarb noch im selben Jahr, noch während der laufenden Tour). Der Rest der Truppe findet sich hier aber - wenn auch sichtlich gealtert und gesetzt - in rockiger Frische wieder zusammen und bietet ein grandioses Feuerwerk aus zwölf Jahren Rockmusikgeschichte, das mich persönlich an so manche mehr oder weniger wilden Episoden oder Dramen aus meiner eigenen Historie erinnert. Details dazu erspare ich mir lieber.

  1. Rockin' The Paradise (1981)
  2. Blue Collar Man (1978)
  3. Lady (1973)
  4. Too Much Time On My Hands (1981)
  5. Snowblind (1981)
  6. Suite Madame Blue (1975)
  7. Crystal Ball (1976)
  8. The Grand Illusion (1977)
  9. Fooling Yourself (The Angry Young Man) (1977)
  10. Show Me The Way (1990)
  11. Boat On The River (1979)
  12. Lorelei (1975)
  13. Babe (1979)
  14. Miss America (1978)
  15. Come Sail Away (1977)
  16. Renegade (1978)
  17. The Best Of Times (1981)

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Der Stürmer 2015: "Propagandaschau"


Man könnte es satirisch abhandeln: Die Vollidioten des Blogs "Propagandaschau" haben eine nicht repräsentative Umfrage gestartet, um den "Aufklärer" [sic!] und die "Maulhure" [sic!] des Jahres zu "wählen". Das bietet für sich genommen schon genug Treibstoff, um müde lächelnd abzuwinken und die Irren ihren albernen Propagandakleinkram machen zu lassen .... wenn, ja wenn da nicht die allzu böse Vorlage wäre.

Die Nazi-Bande hat seinerzeit mit exakt denselben Zirkus-Methoden einen gewissen, größtenteils sehr dummen Teil der Bevölkerung manipuliert (der Begriff "Lügenpresse" stammt nicht versehentlich aus dieser finsteren Zeit) - und sie hat dieses makabre Spiel, wenn auch mit der Unterstützung interessierter Kreise, zunächst gewonnen. Wir alle wissen, welches unsägliche Unheil daraus erwachsen ist.

Heute erleben wir denselben Zirkus erneut: Die Spinner des "Propagandaschau"-Blogs nehmen die zunehmenden und nicht mehr zu verleugnenden Auswüchse der kapitalistisch finanzierten Presse zum Anlass, ihrerseits laut trötend ins Propagandahorn zu blasen, um jede ernsthafte Kritik gleich im Keim zu ersticken. So entsteht ein verseuchtes Klima, in dem windige Figuren wie Ken Jebsen in einem Atemzug als "Aufklärer" genannt werden mit nationalkonservativen Hirnverweigerern wie Udo Ulfkotte oder strammen Rechtsradikalen wie Jürgen Elsässer. Den wirklichen Aufklärern, die es in dieser Liste vereinzelt auch gibt, muss diese Gemengelage unsäglich peinlich sein - und alle Alarmglocken zum schrillen Klingen bringen.

Schlimmer als dieser Text und diese Auflistung sind nur noch die Kommentare zu diesem Posting. Ich weiß nicht, ob in jenem Blog zensiert wird und es deshalb keinerlei ernsthaften Widersprüche zu dem Sermon gibt, oder ob dort nur Vollidioten kommentieren, die ihr Hirn allenfalls für das komplikationsfreie Öffnen der Hose beim Toilettengang benutzen - in jedem Fall ist diese schauderhafte Kopie aus der Weimarer Endzeit ein deutliches Alarmsignal für jeden, der sich ein halbwegs waches Resthirn bewahrt hat.

Merken diese Leute, die dort lesen und kommentieren, denn wirklich nicht, dass sie zwar nicht mehr vom Transatlantiker Claas Clever Claus Kleber, dafür aber von anderen, möglicherweise noch übleren Propagandisten am Nasenring durch die Manege geführt und schallend ausgelacht werden?

Die Endzeit war seit 1945 nie näher ... und die "Propagandaschau" ist ein dicker, brauner, übelriechender Wegweiser auf diesem Untergangspfad.

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Aus der guten alten Zeit



(Paul Konewka [1841-1871], Scherenschnitt, in: "Das schwarze Bilderbuch", hg. v. Rolf von Hoerschelmann, 1911; Textzusätze natürlich von Charlie)

Dienstag, 29. Dezember 2015

In Memoriam Lemmy Kilmister (1945-2015)




(Motörhead: "Eat the Rich", aus dem Album "Rock 'n' Roll", 1987)



Anmerkung: Louder, Lemmy, louder!!!

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Zitat des Tages: Bürgerliches Weihnachtsidyll


Was bringt der Weihnachtsmann Emilien?
Ein Strauß von Rosmarin und Lilien.
Sie geht so fleißig auf den Strich.
O Tochter Zions, freue dich!

Doch sieh, was wird sie bleich wie Flieder?
Vom Himmel hoch, da kommt sie nieder.
Die Mutter wandelt wie im Traum.
O Tannenbaum! O Tannenbaum!

O Kind, was hast du da gemacht?
Stille Nacht, heilige Nacht.
Leis hat sie ihr ins Ohr gesungen:
Mama, es ist ein Reis entsprungen!

Papa haut ihr die Fresse breit.
O du selige Weihnachtszeit!

(Klabund alias Alfred Hermann Henschke [1890-1928], in: "Die Harfenjule. Neue Zeit-, Streit- und Leidgedichte", Verlag die Schmiede, 1927)



Anmerkung: Erich Mühsam bedachte die Weihnachtszeit in seinem Gedicht "Die Monate" ganz lapidar so:

Dezember
Nun teilt der gute Nikolaus die schönen Weihnachtsgaben aus.
Das arme Kind hat sie gemacht, dem reichen werden sie gebracht.

Montag, 21. Dezember 2015

Musik: Zwischen Propaganda, Zynismus und Widerstand


Musik wurde und wird stets auch als begleitendes Propagandainstrument der herrschenden Kreise eingesetzt - diese Erkenntnis ist ein alter Hut. Gerade am Beispiel Nazideutschlands lässt sich das wunderbar belegen - man denke nur an die pompösen Massenveranstaltungen, für die beispielsweise Bruckners sinfonisches Werk gerne missbraucht wurde. Dort hörte damals allerdings die perfide Pervertierung der Musik keinesfalls auf: Selbst in den höllischen Konzentrationslagern wurde Musik gezielt zur Demütigung und Verächtlichmachung der Inhaftierten benutzt. Einzig für solche Zwecke gebildete "Häftlings-Orchester" mussten beispielsweise anlässlich der öffentlichen Folterung oder Exekution von Häftlingen aufspielen; ebenso war es üblich, dass fröhliche Musik zum morgendlichen Auszug der ZwangsarbeiterInnen erklingen musste.

Ein recht umfangreicher, informativer Bericht zu diesem Thema findet sich beispielsweise hier, wo man auch diese Passage lesen kann:

Im tristen Lageralltag wurde [Musik] zunächst von der SS-Führung zwangsweise verordnet und damit "automatisch als Repressions-, Folter- und Propagandainstrument" missbraucht. Alle Häftlinge mussten mehrmals am Tag bei den Appellen, beim Marschieren zum Arbeitskommando oder auf dem Rückweg ins Lager lauthals deutsche Lieder, wie etwa "Schwarz-braun ist die Haselnuss" oder "In dem Schatten grüner Bäume lasst uns sing'n und fröhlich sein" anstimmen. Angesichts des Todes, des Hungers und der Erschöpfung bedeutete solcher Gesang für die Häftlinge blanken Hohn und Zynismus, durch den sie tagtäglich gedemütigt wurden. Besonders für ausländische Häftlinge wurde der verordnete Gesang zu einer schrecklichen Schikane, da die meisten weder die Lieder kannten noch der deutschen Sprache mächtig waren, so dass sie in der Menge leicht auffielen und somit Opfer weiterer Misshandlungen wurden. In ihrer Freizeit konnten sich daher viele von ihnen nicht ausruhen, sondern mussten oft unter dem Kommando eines sadistischen SS-Mannes oder Funktionshäftlings die verhassten Lieder einüben. Der kollektive Gesang wurde auf diese Weise "zu einem Mittel regelmäßiger psychischer und physischer Gewaltanwendung umfunktioniert."

Eine ähnliche Rolle spielte Musik, die im Lager im Vorfeld einer Hinrichtung oder als Geräuschkulisse bei Folterungen und Erschießungen gespielt wurde. Zu diesen Zwecken wurden in vielen Konzentrationslagern eigene Orchester gegründet, die solche grausamen Vorstellungen musikalisch untermalen sollten. Zum Beispiel musste nach einem gescheiterten Fluchtversuch der betreffende Häftling beim abendlichen Zählappell in Begleitung der Lagerkapelle mit einer Tafel marschieren auf der stand: "Ich bin schon wieder da!". Der Zug brachte ihn "dann direkt ins Bad zur ,Auszahlung’. Vor dem Bad warteten wir, bis man ihn wieder halbtot und blutüberströmt herausführte. Von dort musste er wieder in Begleitung der Musik um alle Häftlinge herumgehen - in den Bunker." Diese Inszenierung war eine grausame Demonstration der Macht der SS und bedeutete für die Häftlinge eine ungeheuere Demütigung.


(Von einer KZ-Kapelle begleitet, wird ein entflohener Häftling im KZ Mauthausen zur Exekution geführt.)

Darüber hinaus gab es jedoch auch die "andere" Musik - nämlich die Widerstandslieder, die von Häftlingen geschrieben und verbreitet wurden. Bekannt geworden sind davon insbesondere "Das Lied vom Heiligen Caracho" aus dem KZ Buchenwald, das "Bunalied" aus dem KZ Auschwitz oder das "Dachaulied". In der Öffentlichkeit weniger bekannt ist allerdings, dass ein heute als "Folksong" wahrgenommenes Lied ebenfalls aus diesem grausamen Umfeld - nämlich dem KZ Börgermoor im Emsland - stammt. Einer der Verfasser dieses "Börgermoorliedes", Wolfgang Langhoff, berichtete später:

Im Konzentrationslager Börgermoor bei Papenburg werden 1933 in einer Nacht die Gefangenen von den SS-Wachen unmenschlich verprügelt. Nach dieser "Nacht der langen Latten" entsteht bei den Insassen der Plan, etwas für die eigene Ehre zu tun. Man will an einem Sonntag eine Theatervorstellung aufführen, den "Zirkus Konzentrazani", um den Peinigern zu zeigen, dass die Gefangenen nicht den Lebensmut verloren haben. Heimlich entsteht für diese Veranstaltung das Lied "Die Moorsoldaten". Am Schluss der Vorstellung erklingt es zum ersten Mal. Einer der Autoren, Wolfgang Langhoff, erinnert sich: Und dann hörten die Lagerinsassen zum ersten Mal das "Börgermoorlied", das inzwischen schon eine volksliedhafte Popularität erreicht hat. Einer sagte: "Kameraden, wir singen euch jetzt das Lied vom Börgermoor, unser Lagerlied. Hört gut zu und singt dann den Refrain mit." Schwer und dunkel im Marschrhythmus begann der Chor: Wohin auch das Auge blicket ... Tiefe Stille! Wie erstarrt saß alles da, unfähig mitzusingen, und hörte noch einmal den Refrain: Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor ... Leise und schwermütig begannen einige Kameraden mitzusummen. Sie blickten nicht nach rechts und nicht nach links. Ihre Augen sahen über den Stacheldraht weg, dorthin, wo der Himmel auf die endlose Heide stieß. Ich sah den Kommandanten. Er saß da, den Kopf nach unten und scharrte mit dem Fuß im Sand. Die SS still und unbeweglich. Ich sah die Kameraden. Viele weinten.

Zwei Tage nach dieser Aufführung verbot die SS das Lied. - Heute gibt es hunderte von äußerst unterschiedlichen Einspielungen dieses Liedes - von Ernst Busch über Pete Seeger und Hannes Wader bis zu den Toten Hosen und viele, viele weitere.



Die Moorsoldaten

Wohin auch das Auge blicket,
Moor und Heide nur ringsum.
Vogelsang uns nie erquicket,
Eichen stehen kahl und krumm.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

Hier in dieser öden Heide
ist das Lager aufgebaut,
wo wir fern von jeder Freude
hinter Stacheldraht verstaut.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

Morgens ziehen die Kolonnen
in das Moor zur Arbeit hin,
graben bei dem Brand der Sonnen,
doch zur Heimat steht ihr Sinn.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

Heimwärts, heimwärts! Jeder sehnet
sich nach Eltern, Weib und Kind.
Manche Brust ein Seufzer dehnet,
weil wir hier gefangen sind.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

Auf und nieder gehn die Posten,
keiner, keiner kann hindurch.
Flucht wird nur das Leben kosten.
Vierfach ist umzäunt die Burg.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

Doch für uns gibt es kein Klagen.
Ewig kann's nicht Winter sein.
Einmal werden froh wir sagen:
Heimat, du bist wieder mein!
Dann ziehn die Moorsoldaten
nicht mehr mit dem Spaten ins Moor.

(Text: Johann Esser [1896-1971] und Wolfgang Langhoff [1901-1966], Melodie und vierstimmiger Satz: Rudi Goguel [1908-1976]; 1933)



(Helium Vola: "Die Moorsoldaten", aus dem Album "Für Euch, die Ihr liebt", 2009)

Samstag, 19. Dezember 2015

Zentrum für verfolgte Künste: Gegen das Vergessen?


Es hat tatsächlich satte 70 Jahre gedauert. Erst vor einigen Tagen - im Jahr 2015 - hat in Deutschland das erste und bislang natürlich einzige "Zentrum für verfolgte Künste" auch offiziell eröffnet, das - im Rahmen des Kunstmuseums Solingen - einige der noch erhaltenen Werke der von den Nazis verfolgten und verbotenen Künstlern zeigt. Das Museum sammelt zwar schon länger Gemälde, Grafiken, Zeichnungen, Plastiken und auch Literatur aus dieser bösen Zeit, hat aber erst jüngst das öffentlich geförderte und damit endlich auch staatlich anerkannte "Zentrum" gründen können.

Wie immer in Deutschland geschieht das aber halb- oder eher sechzehntelherzig und kommt zudem um viele, viele Jahrzehnte zu spät. Wer kennt heute die Künstler und Literaten (nicht zu vergessen: die Musiker und Komponisten) noch, die damals geächtet, verboten, verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden? Die Nazis und die schweigende "freiheitlich-demokratische" Nachwelt haben hier ganze Arbeit geleistet - daran kann auch kein provinzielles Museum im Jahr 2015 trotz allen Engagements etwas ändern. Nach 70 Jahren bleibt Vergessenes zwangsläufig vergessen.

Es ist symptomatisch für diese zerfallende Zeit des einmal mehr zur Katastrophe drängenden Kapitalismus, dass solche Projekte heute in einem Rahmen "gefördert" werden, der möglichst wenig Aufsehen erregt und höchstens in interessierten Fachkreisen sowie lokal zur Kenntnis genommen wird. Wäre es den politisch Verantwortlichen tatsächlich ernst, fände dieses Projekt - in weitaus größerem Umfang - in Hamburg, Köln oder Berlin statt und würde nicht bloß durch einen Portokassenbetrag "einmalig" finanziell unterstützt. So aber verkommt das eigentlich so wichtige und längst überfällige "Zentrum für verfolgte Künste" einmal mehr zu einem bloßen politischen Feigenblatt, mit dem sich die Verantwortlichen hübsch schmücken können, ohne tatsächlich etwas Sinnvolles getan zu haben.

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Sieg der Gerechtigkeit (Untergang des Unsterns Hitler)



(Gemälde von Oscar Zügel [1892-1968] aus den Jahren 1933-36, Öl auf Leinwand, Oscar Zügel Archiv, Balingen)

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Song des Tages: Ice




(Camel: "Ice", aus dem Album "I Can See Your House From Here", 1979)


Mittwoch, 16. Dezember 2015

Rettungsmission: Mehr Überwachung


Es ist ein alter Hut, dass die technische Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten mit Siebenmeilenstiefeln vorangeschritten ist und diese Geschwindigkeit auch weiterhin beibehält. Dadurch wurden den Menschen manche begrüßenswerte, sehr viele lächerliche und nicht wenige äußerst gefährliche Neuerungen beschert, die klar belegen, dass es alles andere als wünschenswert ist, dieser Entwicklung tatenlos zuzusehen und sie einfach geschehen zu lassen.

Bei n-tv habe ich letzte Woche einen kleinen Bericht gefunden, der mich einmal mehr an die gruselige Orwell-Welt von "1984" erinnert hat. Dort war zu lesen:

Kamera kann um die Ecke schauen / (...) In Kombination mit einem Laserstrahl ist es einer neuen Kamera möglich, die Bewegung verborgener Objekte darzustellen - eine Weltneuheit.

Konkret geht es darum, dass diese Kamera - auch wenn die Entwicklung noch nicht ausgereift ist - nicht nur Bewegungen aufzeichnen kann, die außerhalb des eigentlichen Sichtfeldes stattfinden, sondern tatsächlich auch nutzbare Bilder davon liefern soll, die Aufschluss darüber geben, wer oder was sich in welcher Weise dort bewegt. Das ist in der Tat ein Meilenstein für den sich manifestierenden Totalüberwachungsstaat, der sich gewaschen hat. Die Entwickler äußern sich dazu natürlich extrem beschönigend (was mich an Einsteins Brief an Präsident Roosevelt erinnert, in dem er diesem zur Entwicklung der Atombombe geraten hat):

Das System könnte beispielsweise bei der Überwachung, bei Rettungsmissionen oder zur Vermeidung von Unfällen eingesetzt werden.

Gewiss, Rettungsmissionen ... - man darf sich auch heute wieder gerne dreimal überlegen, für welche Alternative sich die kapitalistische Terrorbande in ihrem grenzenlosen, menschenfeindlichen Überwachungswahn entscheiden wird, wenn dieses System einsatzbereit ist.

Nun lässt sich die technische Entwicklung freilich nicht aufhalten. Umso dringlicher wird es, die Bürger- und Menschenrechte sowie die Privatsphäre vor derlei Orwell'schen Übergriffen umfassend zu schützen und den unbedingten Datenschutz zu festigen. Ich habe allerdings keine Ahnung, wie das funktionieren soll - mit dem derzeitigen politischen Personal der neoliberalen Einheitspartei ist da selbstverständlich nichts zu machen, da es gegenteilige Ziele verfolgt.

Ich mag mir nicht ausmalen, was die widerliche Nazibande vor 80 Jahren noch alles angestellt hätte, wenn sie über die heutigen technischen Möglichkeiten verfügt hätte. Ebenso will ich mir nicht vorstellen, was aus der heutigen lächerlichen Demokratiesimulation in einigen Jahrzehnten geworden sein mag, wenn die Überwachungstechnik zur Perfektion gelangt ist. Die Rettungsmission "Menschheit und Planet Erde" besitzt keine Auftraggeber, keine Koordination, keine Mehrheit und erst recht keinerlei Aussicht auf Erfolg.

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Polnische Aufständige im Wald bei Nacht



(Aquarell von Aleksander Orłowski [1777-1832], entstanden zwischen 1811 und 1820, Tretjakow-Galerie, Moskau, Russland)

Dienstag, 15. Dezember 2015

Brüller des Tages: Der Vereinspräsident


Anja Reschke, Journalistin und Moderatorin vom NDR, hat auf Twitter ein freundliches Schreiben veröffentlicht, das sie am vergangenen Montag per Post erhalten hat. Ob die Redaktion der Titanic, ein verwirrter Pegida-Kasper oder doch bloß die CSU dahintersteckt, ist leider nicht bekannt.

Ich finde, dass diesem ehrenwerten "Vereinspäsidenten" und "ersten Generalsekretär" eine seriöse Möglichkeit geboten werden sollte, seine fundierten Argumente im Rahmen der Meinungsfreiheit zu verbreiten. Daher dokumentiere ich den Schriftsatz hier ebenfalls.


Montag, 14. Dezember 2015

Realitätsflucht (27): Homesick


Anlässlich des am Sonntag von den Propagandamedien gefeierten "Klimaabkommens", das aufgrund seiner Absurdität hier nicht weiter kommentiert werden soll (der Kollege flatter hat ein paar passende Worte dazu gefunden), widme ich mich auf meiner heutigen Realitätsflucht dem kleinen Spiel "Homesick" aus dem Hause der US-amerikanischen Independent-Entwickler Lucky Pause aus dem Jahr 2015.



Es handelt sich um ein kleines Endzeit-Adventure, das im wesentlichen von einem einzigen Entwickler - einem Herrn namens Marrett Meeker - in jahrelanger Arbeit allein geschaffen wurde. Zur Geschichte will ich gar nicht so viel schreiben (der unten verlinkte Trailer spoilert schon genug) - daher nur so viel: Die Spielfigur erwacht in einer halb zerfallenen Wohnung, die sich in einer offensichtlich riesigen Hochhausruine befindet - von Anfang an ist es offensichtlich, dass offenbar irgendeine Katastrophe stattgefunden hat. Im Spiel geht es nun darum, dieser Katastrophe auf die Spur zu kommen, was sich allerdings nicht ganz so einfach gestaltet, wie es sich hier liest. Man wird mit allerlei kleinen und größeren Rätseln konfrontiert, die es zu lösen gilt. Dabei wird man vom Spiel völlig allein gelassen, denn es gibt weder eine Karte, noch ein Inventar und erst recht keine Hinweise oder Quests.

Der allergrößte Pluspunkt dieses Werkes ist aus meiner Sicht ganz eindeutig die äußerst stimmige, stets beklemmende (aber niemals wirklich bedrohliche) Atmosphäre. Das fängt bei der fantastischen Grafik (die im Video nicht wirklich wiedergegeben wird) an und hört bei der großartigen Musik, die lediglich aus melancholischen Klavierklängen, gelegentlich verstärkt durch ein Cello, besteht, noch lange nicht auf. Selbst die Texte, die man im Spiel zuhauf findet, muss man sich hart "erarbeiten", denn anfangs versteht man sie gar nicht, sondern muss die fremde, kryptische Sprache erst ziemlich mühsam entschlüsseln, um nachvollziehen zu können, was geschehen ist.

Es ist ein äußerst ruhiges, gemächliches Spiel, in dem es keine Kämpfe, keine Action, keine großen dramaturgischen Bögen gibt - dafür aber ein solches Übermaß an dichter Atmosphäre, dass es mich viele Stunden länger beschäftigt hat, als zur Lösung eigentlich erforderlich gewesen wären. Und natürlich ist es auch ein bedrückendes Spiel, denn die Geschichte, die sich allmählich entblättert, ist alles andere als hoffnungsfroh. Das Merkel-Monster und die übrigen korrupten Pfeifen der politischen "Elite" haben es jedenfalls ganz gewiss nicht gespielt.

Das größte Manko dieses Spieles bleibt die Kürze: Nach wenigen Stunden ist der Ausflug in die Endzeit leider schon vorbei - und bietet dabei ein dermaßen seltsames, frei interpretierbares Ende, das Puristen hassen und Expressionisten lieben werden.

Auf meinem Win7/64-System gab's keinerlei Probleme. Leider ist das Spiel angesichts seines geringen Umfangs recht teuer - momentan ist es für 15 Euro bei Steam zu haben. Für die jahrelange, wenn auch durch "Crowdsourcing" finanzierte Arbeit des Entwicklers ist das allerdings alles andere als zuviel. Solche Kleinode, die es im Genre der Computerspiele so überaus selten gibt und die man getrost als eine neue Kunstform betrachten kann, sollten nach Kräften unterstützt werden.

Fazit: "Homesick" ist ein großartiges Werk, das von vorne bis hinten absolut stimmig ist und zur Pflichtaufgabe für alle SchülerInnen an den Lerninstitutionen des "freien Westens" werden sollte.