Samstag, 11. Februar 2012

Song des Tages: In der Lobby ist noch Licht




(Heinz Rudolf Kunze: "In der Lobby ist noch Licht", aus dem Album "Wunderkinder", 1986)

Versteht sich, Herr Direktor,
umgehend und diskret,
in einer Woche ha'm wir die soweit.
Das Parlament pariert,
der Ausschuss funktioniert,
bloß die Experten kosten eine Kleinigkeit ...

Die Akten sind bei X,
und X wird nächste Woche
von allen seinen Ämtern suspendiert.
Danach gibt die Fraktion
den Terroristen einen Tipp -
wenn die das regeln, läuft das wie ... geschmiert ...

Mitten in der Nacht,
in der Lobby ist noch Licht:
die Dunkelmänner machen Politik!
Realos tragen Rolex,
Realos schlafen nicht,
die Lobby ist der Führerbunker im Kontenkrieg.

Versteht sich, Herr Direktor,
wo kämen wir da hin,
wir sichern schließlich auch die Arbeitsplätze.
Die Marktwirtschaft ist frei!
Der Wettbewerb ist hart!
Was brauchen wir da härtere Gesetze?

Unsre Kinder werden uns noch dankbar sein.
Wir taten mit Bedauern, was wir mussten.
Sie hocken vor dem Bildschirm, Taschenrechner in der Hand
und kichern vor Vergnügen bei Verlusten.

Mitten in der Nacht,
in der Lobby ist noch Licht:
die Dunkelmänner machen Politik!
Realos tragen Rolex,
Realos schlafen nicht,
die Landschaftspfleger waschen Kohle vor jedem Sieg.

Mitten in der Nacht,
in der Lobby ist noch Licht:
die Dunkelmänner machen Politik!
Realos tragen Rolex,
Realos schlafen nicht,
die Lobby ist der Führerbunker im Kontenkrieg.

Die Kommerzialisierung der Demokratie

Seit der rot-grünen Bundesregierung hat sich nicht nur die politische Ausrichtung der Parteien in Richtung Wirtschaft verlagert - auch die Parteien selber werden heutzutage wie Dienstleistungsunternehmen betrieben. Dies wird nicht nur durch die "Nebentätigkeiten" der Politiker und ihre hurtige Übernahme in die Wirtschaft betrieben, sondern auch über ein verdecktes Spendensystem, das "Sponsoring" gewährleistet. Der investigative Journalist Mathew D. Rose hat dies in seinem Buch "Korrupt? Wie unsere Politiker und Parteien sich bereichern - und uns verkaufen" erstmals aufgezeigt.

(...) Die Führungsmitglieder der Parteien verhalten sich ihren Parteien gegenüber nicht mehr loyal - geschweige denn dem Volk gegenüber. Sie sehen sich als Manager und sind fixiert auf ihre Karriere und Selbstbereicherung. Wer es zum Bundeskanzler, Ministerpräsidenten, Minister, Staatssekretär oder einflussreichen Parlamentarier gebracht hat, weiß diese Macht bis in die Millionenhöhe zu verwerten - während und nach der politisch aktiven Zeit. Der politischen Klasse ist das Gemeinwohl und die Partei relativ egal. Sie verhalten sich wie die Banker: maximale persönliche kurzfristige Bereicherung und nach mir die Sintflut.

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(Bild: Josef Sauer, 1956)


Anmerkung: Rose fasst in diesem Interview zu seinem Buch die wesentlichen Fakten zur politischen Korruption in Deutschland zusammen. Es ist ziemlich ernüchternd, dies so komprimiert zu lesen - auch wenn vielen Menschen das meiste bereits bekannt sein dürfte. Das Ende der Weimarer Republik scheint immer deutlicher durch das groteske Zerrbild, das in Berlin als "Demokratie" täglich aufgeführt wird.

An diesem korrupten Filz wird sich nichts zum Besseren ändern, solange nicht endlich klare Antikorruptionsgesetze für Mandatsträger und Parteien erlassen werden, die eine solche widerwärtige Praxis, wie Rose sie beschreibt, unmöglich machen. Solche Gesetze sind natürlich nirgends in Sicht - die Bande will sich ja nicht selbst den Goldesel schlachten.

Wie es scheint, haben wir den von Merkel ersehnten Zustand der "marktkonformen Demokratie" längst erreicht: Der Höchstbietende - und nicht etwa das Gemeinwohl - bestimmt die Politik. So verstehen wir auch endlich, wieso beispielsweise Herr Rösler immer noch so fröhlich grinst, wenn er in eine Kamera quasselt. Die netten Summen und Pöstchen sind ihm - neben seiner Pension - bereits sicher.

Donnerstag, 9. Februar 2012

Zitat des Tages: Kohle

An jedem Stückchen Kohle, das dich wärmt -
klebt Menschenschweiß, klebt Menschennot und Blut;
und klebt die Träne einer, die sich härmt
um einen, der im Schacht verschüttet ruht.

An jeder Kohle, die dein Ofen frisst,
klebt Geld ..., mit dem ein reicher, dicker Mann,
der niemals in den Schacht gestiegen ist,
sich Wollust, Macht und Ehre kaufen kann.

An jeder Kohle klebt ein Stück
vom Schicksal derer, die sie holen ...,
von armer Menschen Not - und reicher Glück,
je, selbst von deinem eignen Kampf um eine Handvoll Kohlen.

(Arnold Weiß-Rüthel [1900-1949], in "Simplicissimus", Heft 43 v. 19.01.1931)


(Bild: Josef Sauer, ebd.)

Wagenknecht: "Regiert vom organisierten Geld" (Roosevelt)

Occupy: Offene Flanke nach rechts?

Nachdem "Occupy Germany" Hans-Olaf Henkel im Internet kritiklos als Vorbild würdigte, ist eine Debatte entbrannt. Der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) befindet sich politisch rechts von der FDP, der er wegen deren angeblicher "Abkehr vom Prinzip des Liberalismus" keine Zukunft bescheinigte, ist Gastautor der ultrarechten Gazette Junge Freiheit, tritt "gegen Gleichmacherei" und für "mehr Wettbewerb" auf. Ist Occupy für Rattenfängerei von Rechtspopulisten empfänglich?

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Anmerkung: Dieses Phänomen betrifft nicht nur Occupy Deutschland, wie man beispielsweise in diesem Text aus Österreich nachlesen kann: "WU-Professor Franz Hörmann äußert sich uneindeutig zum Holocaust und heißt auch Nazis in seiner Partei willkommen - Bei Occupy Austria, bei deren Veranstaltung er auftrat, hat er einen Richtungsstreit ausgelöst". - Zwei weitere empfehlenswerte Texte zum Thema finden sich hier und hier.

Generell möchte ich zu Occupy (es gibt inzwischen auch einen Film, der die "Bewegung" in mehreren Städten Deutschlands vorstellt) an dieser Stelle nicht mehr viel sagen - das habe ich an anderer Stelle bereits getan. Nur soviel:

Die unsägliche Verquickung mit irgendwelchen esoterischen Inhalten und die betonte Ablehnung alles "Politischen" – die ja vollkommen sinnfrei ist, da es um zutiefst politische Dinge geht – werden wohl dafür sorgen, dass diese eigentlich sehr berechtigten Proteste über kurz oder lang mangels Bürgerbeteiligung im Sande verlaufen werden. Leider.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass die im oben verlinkten Film gezeigten Haltungen tatsächlich repräsentativ für die "Bewegung" sind. Allein deshalb ist die Außenwirkung dieses Filmes schon fatal, weil er vermutlich eine Menge Menschen davon abhalten wird, sich an den Protesten zu beteiligen.

Es drängt sich fast der Verdacht auf, dass von interessierter Seite hier ganz gezielt daran gearbeitet wird, eine dringend notwendige Politisierung dieser "Bewegung" aus eben diesen Gründen zu verhindern – ein zahnloser Tiger ist keine Gefahr für die herrschenden "Eliten". Genauso ist der Versuch zu verstehen, sich rechtspopulistischen Kreisen zu öffnen. Eine rechtsgerichtete "Bewegung" stellt keine Gefahr für das elitäre Gesindel dar. Das Potential für einen wirklichen Protest hingegen, der soziale, politische und gesellschaftliche Folgen hätte, ist jedoch erkennbar vorhanden und reicht auch in bürgerlich-angepasste Kreise hinein. In der bisherigen Form aber kann daraus nichts Gutes werden.

Im Übrigen sollte man nicht vergessen, dass der Nazi-Terror der Vergangenheit auch als so genannte "Bewegung" begonnen hat - man kann das beispielhaft auch in dem sehr empfehlenswerten Film "Die Welle" verfolgen. Auf diesen Begriff reagiere ich allergisch - ganz besonders dann, wenn wieder ultrarechte Positionen und Gestalten damit assoziiert werden.

Wenn Occupy etwas zum Besseren in dieser Welt der Finanzdiktatur verändern möchte, muss eine Politisierung stattfinden - und zwar eine menschenfreundliche und soziale, also eine linke Politisierung.

Montag, 6. Februar 2012

"Verfassungsschutz": Das Amt muss weg

  1. NSU, Linke und was dann? Schon wieder steht der Inlandsgeheimdienst in der Kritik. Eine souveräne Demokratie darf sich diesen behördlichen Dauerskandal nicht länger leisten

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  2. Die Chronique scandaleuse des Verfassungsschutzes seit 1950 zeigt vor allem eins: Er ist überflüssig und gehört schleunigst abgeschafft.

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Anmerkung: Der wichtigste Grund für die Abschaffung des "Verfassungsschutzes" wird in diesen Beiträgen leider nicht erwähnt, dabei liegt er klar und für jeden sichtbar offen auf dem Tisch: Diese geheimdienstliche Behörde schützt nicht die Verfassung, sondern den Kapitalismus - und von dem ist im Grundgesetz nirgends die Rede.

Dennoch ist es erfreulich, dass eine solche Forderung nun sogar in einer "gutbürgerlichen" Zeitung wie der Zeit erhoben wird - allerdings wird das selbstredend keine Konsequenzen haben. Solange der Kapitalismus das Sagen in diesem Land hat, solange wird es auch den "Verfassungsschutz" oder eine vergleichbare Behörde geben - das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Falls der korrupte, braune Sumpf allzu offensichtlich werden sollte, wird der "Verfassungsschutz" eben einfach umbenannt - beispielsweise in "Agentur für die freiheitliche Demokratie" oder einen ähnlich irrsinnigen Unfug. Abschaffen wird die neoliberale Bande diesen semikriminellen Verein aber gewiss nicht.

In beiden verlinkten Artikeln wird ja wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass Deutschland eine "souveräne Demokratie" sei. Welch ein absurder Blödsinn das ist, zeigt gerade die Affäre um den "Verfassungsschutz" überdeutlich - allerdings ohne dass jene Zeitungen dies bemerken oder bemerken wollen (oder dürfen). Statt dessen wird das Stück "souveräne Demokratie" und die Zugabe "funktionierende Presse" gegeben - und dennoch bleibt alles beim Alten und die Dinge gehen wie gewohnt ihren undemokratischen, unrechtsstaatlichen, verfassungswidrigen Lauf. Und das Publikum, das sich "freiheitlich-demokratisch" wähnt, applaudiert brav nach Drehbuch.

Man muss dem elitären Gesindel schon zugestehen, dass es aus den Diktaturen der Vergangenheit - unter tatkräftiger Anleitung aus den USA - tatsächlich gelernt hat und es diesmal recht gut versteht, den alleinigen Machtanspruch des Kapitals zu verschleiern und hinter scheindemokratischen Strukturen zu verstecken. Einer intensiveren Betrachtung hält das Kartengebäude natürlich nicht stand - aber leider wagen das viel zu wenige Menschen. Während die einen noch an das alberne Märchen glauben, sie könnten im Kapitalismus ihren "bescheidenen Wohlstand" und ihr Glück finden und nicht hinterfragen, wieso der Wohlstand nur bescheiden sein soll, wenn zeitgleich eine kleine Gruppe im Superreichtum schwimmt, wird den anderen die Schuld für ihre Armut selber zugeschoben - und dieser Blödsinn wird tatsächlich geglaubt.

Über alledem schwebt der "Verfassungsschutz" und schützt fleißig den Superreichtum. Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass "Verfassungsschützer" finanziell recht gut gestellt und auf Lebenszeit beamtenrechtlich abgesichert sind - andernfalls müssten wir sie für ausgesprochen dumm halten. Mit Superreichen haben sie dennoch nichts gemein - sie stellen (zusammen mit vielen anderen) einmal mehr nur die nützlichen Idioten dar, die das elitäre Gesindel eben braucht, um seine Milliarden zu sichern.

Sonntag, 5. Februar 2012

Song des Tages: Sei wachsam!




Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen,
Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen,
Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen,
Die dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen.
Und ich denk mir, jeder Schritt zu dem verheiß'nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück.
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen,
Sie nennen es "das Volk", aber sie meinen Untertanen.
All das Leimen, das Schleimen ist nicht länger zu ertragen,
Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen:
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm – ich halt sie arm!

Sei wachsam,
Präg dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein! Pass auf, dass du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Du machst das Fernsehen an, sie jammern nach guten, alten Werten.
Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten.
Und die, die da so vorlaut in der Talk-Runde strampeln,
Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln:
Der Medienmogul und der Zeitungszar,
Die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar!
Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und guten Sitten,
Doch ihre Botschaft ist nichts als Arsch und Titten.
Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote,
Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote.
Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht:
So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!

Sei wachsam ...

Es ist 'ne Riesenkonjunktur für Rattenfänger,
Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger,
'ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher,
Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher.
Und die sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt,
Und nach den schlimmsten werden Straßen und Flugplätze benannt.
Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber lässt man laufen,
Kein Pfeifchen Gras, aber 'ne ganze Giftgasfabrik kannst du kaufen.
Verseuch die Luft, verstrahl das Land, mach ungestraft den größten Schaden,
Nur lass dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau'n,
Und die Polizei muss immer auf die Falschen drauf hau'n.

Sei wachsam ...

Wir haben ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat garantieren.
Was hilft's, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren,
Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln
Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?
Der alte Glanz in ihren Augen beim großen Zapfenstreich,
Abteilung kehrt, im Gleichschritt Marsch, ein Lied und heim ins Reich!
„Nie wieder soll von diesem Land Gewalt ausgehen!“
„Wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehen!“
„Rein humanitär natürlich und ganz ohne Blutvergießen!“
„Kampfeinsätze sind jetzt nicht mehr so ganz auszuschließen.“
Sie zieh'n uns immer tiefer rein, Stück für Stück,
Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder "zurück"!

Sei wachsam ...

Ich hab Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen,
Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen,
Und verschon mich mit den falschen Ehrlichen,
Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!
Ich hab Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit,
Nach 'nem bisschen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit.
Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu lachen,
Sie werden dich ruinier'n, exekutier'n und mundtot machen,
Erpressen, bestechen, versuchen, dich zu kaufen.
Wenn du die Wahrheit sagst, lass draußen den Motor laufen,
Dann sag sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.

Sei wachsam,
Präg dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein! Pass auf, dass du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Anmerkung: Dieser Song stammt ursprünglich von Reinhard Mey und lässt an Deutlichkeit keine Wünsche offen - fast jede Textzeile brüllt mir förmlich aus der Seele. Die hier verlinkte Version ist bei youtube nicht weiter kenntlich gemacht - es drängt sich aber der Verdacht auf, dass sie von der Kleingeldprinzessin stammt. Hier liegt einer der seltenen Fälle vor, in denen ich die Coverversion dem Original vorziehe - ich denke, eindringlicher könnte man dieses Lied nicht interpretieren.

Urteilt selbst - aber schreibt Euch den Text hinter die Ohren. Das gilt insbesondere für die Kommentatoren und Mitleser aus dem rechten Spektrum, die den im Song benannten Rattenfängern schon wieder auf den Leim gegangen sind. Habt ihr denn immer noch nicht verstanden, dass diese Leute Euch nur benutzen? - Manchmal ist es wirklich zum Verzweifeln ...

Donnerstag, 2. Februar 2012

Traum einer werdenden Mutter



"Ich weiß noch nicht, ob ich kommen soll, Mama - im Himmel waren so viele, viele graue Soldaten, - die haben mir alle dringend abgeraten ..."

(Zeichnung von Friedrich Heubner aus der satirischen Zeitschrift Simplicissimus, Heft 44 vom 29.01.1933)

Anmerkung: Nur einen Tag später, am 30.01.1933, wurde Hitler von Hindenburg als Reichskanzler vereidigt und der bittere Weg in die Finsternis begann.

Auf derselben Seite der Heftausgabe befindet sich bezeichnender Weise noch dieses Spottgedicht über Hitler:



Es ist ein beredtes Zeugnis für die Unterschätzung einer katastrophalen, lebensbedrohlichen Gefahr. Derlei Zeichnungen und Texte konnten danach in Deutschland natürlich nicht mehr publiziert werden.

Sämtliche Ausgaben des Simplicissimus kann man im Übrigen hier ansehen. Die Lektüre dieser Zeitschrift, insbesondere der Ausgaben aus den 30er Jahren, ist sehr spannend und erhellend - die erschreckenden Parallelen zur heutigen Zeit sind an vielen Stellen unverkennbar. Beispielhaft sei nur auf diese Karikatur vom 15.09.1930 verwiesen, die den folgenden Begleittext trägt: "Jewiß, sparen ist heutzutage 'ne vitale Notwendigkeit für alle. Aber ob unsereiner 'n Auto mehr oder weniger anschafft, spielt doch gar keine Rolle im Vergleich zu den Riesensummen, die sich durch Lohnkürzungen einsparen lassen!"

Es ist alles beim Alten.

Unser täglich Brot - eine Müllgeschichte

Die Hälfte der produzierten Lebensmittel wird weggeworfen. Wie immer ist Geldgier eine Ursache des Skandals. Aber auch mangelnde Achtung vor Nahrung und eine zu geschmäcklerische Einstellung der Verbraucher.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Dazu passt vorzüglich der Film “Unser täglich Brot”:





Diese Dokumentation kommt gänzlich ohne Kommentar aus und zeigt lediglich die industrialisierte Massenproduktion von Nahrungsmitteln. Exakt dies essen wir jeden Tag. Und exakt dies landet massenhaft im Müll. Man muss kein Apokalyptiker sein, um hier das Endstadium eines Degenerationsprozesses zu erkennen, wie er widerwärtiger kaum sein könnte.

Dennoch werden die Menschen in diesem System dazu genötigt, diesen Dreck zu konsumieren – zum Einen, weil es kaum (und erst recht keine flächendeckenden) Alternativen dazu gibt, und zum Anderen, weil die systemische Zwangsverarmung der Bevölkerung bereits so weit fortgeschritten ist, dass ein Großteil der Menschen sich gar nichts anderes mehr leisten kann. In anderen Regionen der Welt ist dies noch weitaus dramatischer als hierzulande – da ist es schon lange keine Frage mehr, welche Nahrungsmittel man auswählt, sondern ob man überhaupt irgendwelche zur Verfügung hat.

Wenn man sich diesen Film ansieht, das Gesehene in Bezug setzt zur festgestellten ständigen Vernichtung von Nahrungsmitteln in der westlichen Welt und die Millionen hungernden und an Hunger sterbenden Menschen weltweit bedenkt, muss man irre werden. Noch deutlicher kann es nicht werden, dass dieses System, dem wir ausgesetzt sind, so ziemlich das Katastrophalste ist, was diesem Planeten überhaupt widerfahren kann. Die Menschheit bzw. deren selbsternannte "Elite" braucht keine Kometeneinschläge oder andere Naturkatastrophen – sie produziert die größtmögliche Katastrophe ganz allein in Eigenregie. Und das absolut konsequent – ohne ein Innehalten, ohne Zögern, ohne nennenswerten Widerstand.

"Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt. Unaufhörlich." (George Orwell: “1984″)



Nachtrag 24.02.12: Recht informativ in diesem Zusammenhang ist auch dieser Bericht des WDR: "Antibiotika im Gemüse".

Kluft bei Einkommen wächst rasant

Die Kluft zwischen Geringverdienern und Besserverdienenden hat sich in den Industrieländern rasant vergrößert. Die Einkommens-Unterschiede sind inzwischen so gewaltig, dass selbst die konservative Industrieländer-Organisation OECD beunruhigt ist. (...)

In Deutschland seien die unteren Einkommen besonders stark gesunken (...). Der Lohn eines Geringverdieners ist demnach heute nur noch halb so hoch wie der Lohn eines Beschäftigten mit mittlerem Einkommen. Eine größere Lohnkluft haben die Forscher nur noch in Südkorea und den USA entdeckt.

(Weiterlesen)

Anmerkung: In diesem für die Mainstreampresse typischen Propagandabericht wird wieder einmal versucht, die OECD allzu positiv erscheinen zu lassen. Dazu werden einige (tatsächlich besorgniserregende) Zahlen genannt und gleichzeitig wird einmal mehr das Mantra des ewigen Wachstums als heilsbringender Ausweg aus allen Krisen beschworen. Auch Frauen und Migranten sollten nach Meinung der Autorin gefälligst mehr arbeiten "dürfen".

Unter dem FR-Text hat ein Kommentator das bereits trefflich formuliert: "Die Vorschläge, deren politische Umsetzung die wachsende Kluft zwischen arm und reich in den letzten 2 Jahrzehnten erst ermöglicht hat, stammen nämlich auch von der OECD, weniger eine konservative Organisation als eine, die sich dem marktliberalen Umbau der westlichen Demokratien verschrieben hat." Der ganze Kommentar von "hofrat" ist lesenswerter als der eigentliche Artikel.

Wie die neoliberale Bande gedenkt, die Kluft zwischen den Einkommen wieder etwas zu verkleinern, führt sie ja gerade u.a. in Italien vor: Niedrige Einkommen sollen nicht etwa wieder erhöht, sondern mittlere Einkommen sollen auch gesenkt werden. Es ist einmal mehr ein sowohl journalistisches, als auch politisches Trauerspiel.

Dienstag, 31. Januar 2012

2012 - ein Jahresvorblick

Januar

Ende Januar wird die Berliner S-Bahn dann doch noch von einem plötzlichen, nicht vorhersehbaren Winter überrascht. Jede Menge Wetter lässt den Betrieb wieder völlig zusammenbrechen. (...) / Von überall her reisen Wartetouristen nach Berlin, um sich mit den Berlinerinnen und Berlinern unvergessliche Warteerlebnisse zu bescheren. Längst überlegen auch andere Städte ihre S-Bahnen kaputt zu machen, und fordern hierfür Berliner Know-how an.

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Anmerkung: Da ich nun bereits mehrfach angemahnt worden bin, dem Humor einen etwas breiteren Raum im Blog einzuräumen, verlinke ich heute auf diesen äußerst vergnüglichen Beitrag von Horst Evers, der uns ein zunächst etwas schwieriges, im weiteren Verlauf aber sehr hoffnungsfroh stimmendes Jahr 2012 vorhersagt. Viel Spaß beim Vorblicken! :-)

Die einzige Frage, die für mich offen bleibt, ist diese: Wie um alles in der Welt bekommen wir es hin, das besagte Raumschiff Ende 2014 an der Landung auf der Erde zu hindern und uns diese Brut nicht erneut aufzuhalsen? Irgendwie liegt da doch ein Elite-Trojaner nahe, der den Navigationscomputer des Raumschiffs in der Weise manipuliert, dass das edle Schiff mit seiner noch edleren Fracht 2014 in eine Umlaufbahn um Alpha Centauri einschwenkt, anstatt das elitäre Gesindel wieder auf der nur allmählich genesenden Erde abzuladen.

Oder?

Lafontaine: "Banken führen Krieg gegen die Völker Europas"


Montag, 30. Januar 2012

Song des Tages: Kein Geld, kein Money





(Zoff: "Kein Geld, kein Money", aus dem Album "Zoff", 1980)

Ärger mit der Knete, ich hab' nie genug,
Alle wollen Geld von mir, das ist kein feiner Zug.
Ich hab' malocht wie'n Ochse - bringt nix ein, ist alles Wichse.
Jetzt mach' ich nix und komm' nicht mehr auf die Beine.
Der Fall liegt klar: Ich bin total pleite.

Kein Geld, kein Money - ich bin abgebrannt!
Nix auf der Tasche - nix auf der Hand!
Kein Geld, kein Money - keiner leiht mir was!
Take it easy, man, kann nicht bezahlen - auf Wiederseh'n.

Zahle pünktlich Alimente und ich träum' von der Rente,
Hab' kein Auto, noch nicht mal 'n Mofa, hab' 'ne Bude ohne Sofa.
Finanziell bin ich am Ende, warte auf die positive Wende.
Ich hab' 'ne Woche gespart auf Kartoffelsalat
Und gestern ging der Gasmann mit der letzten Mark ...

Kein Geld, kein Money - ich bin abgebrannt!
Nix auf der Tasche - nix auf der Hand!
Kein Geld, kein Money - keiner leiht mir was!
Take it easy, man, kann nicht bezahlen - auf Wiederseh'n.

Seit gestern weiß ich nicht mehr, wer ich bin, mein Pass ist abgelaufen, alle Räder stehen still.
Bin meinen Job schon lange los - alle fragen mich, Mensch, wie machst du das bloß?
Ganz ohne Kohle, und nix zu knabbern! Macht euch keine Sorgen, lass sie weiter labern.
Einer gibt mir 5 Mark, um mich am Kacken zu halten - ich werd' mir davon 'n netten Abend gestalten ...

Kein Geld, kein Money - ich bin abgebrannt!
Nix auf der Tasche - nix auf der Hand!
Kein Geld, kein Money - keiner leiht mir was!
Take it easy, man, kann nicht bezahlen - auf Wiederseh'n.



Anmerkung: Was hier in der Rückschau ins Jahr 1980 so humorvoll erscheint, ist heute für eine stetig wachsende Zahl von Menschen auch in unserer "Wohlstandsgesellschaft" alltägliche, bittere Realität. Damals war es kaum vorstellbar, dass existenzbedrohende Armut in Deutschland jemals wieder ein breites Thema sein könnte - heute wissen wir es dank SPD, Grünen, Union und FDP besser. Es gibt wieder millionenfache Armut in Deutschland - und sie breitet sich jeden Tag weiter aus.

Italien: Und jetzt soll die Mittelschicht bluten

"Deregulierung" lautet der neue Slogan der Regierung Monti, Taxifahrer, Ärzte und Rechtsanwälte protestieren

(Weiterlesen)

Anmerkung: Lest Euch den verlinkten Artikel genau durch und achtet darauf, wie gezielt dort die "Interessen der Konsumenten" gegen die "Interessen der Mittelschicht" ausgespielt werden. Beispielhaft sind im Text die Taxiunternehmer (nicht die Taxifahrer, wie der Subtitel suggeriert), Ärzte, Notare und Rechtsanwälte genannt bzw. gemeint.

Es ist nur noch perfide, wie hier einzelne Bevölkerungs- und Berufsgruppen - offensichtlich ganz gezielt - gegeneinander aufgehetzt werden. Natürlich haben "Konsumenten" im Kapitalismus - insbesondere dann, wenn sie zunehmend verarmt werden - ein Interesse an niedrigen Preisen. Was bleibt ihnen auch anderes übrig, wenn sie nicht am Wohlstandswachstum beteiligt werden? Ebenso haben Selbstständige und Kleinunternehmen ein Interesse daran, dass die bisherigen Preise zumindest halbwegs stabil bleiben, denn auch sie müssen irgendwie überleben. Die Zeiten, in denen eine Arztpraxis, eine Rechtsanwaltskanzlei oder ein kleines Taxiunternehmen per definitionem schon für einen gewissen Wohlstand standen, sind nicht nur in Italien längst vorbei. Von den Angestellten dieser Kleinstunternehmen will ich in diesem Zusammenhang gar nicht reden - es versteht sich von selbst, dass diese natürlich zu den Niedriglöhnern zählen, die noch dazu kaum arbeitsrechtlich geschützt sind.

Wir sehen hier ein mustergültiges Beispiel für eine beginnende Deflation, die geradezu bewusst vom neuen, demokratisch nicht legitimierten Regime in Italien in Gang zu setzen versucht wird. Und der Standard begleitet das mit einem solchen unkritischen, geradezu verschleiernden Text, der die "Deregulierung" ins Zentrum stellt.

Es ist gut, dass es diesbezüglich zunehmenden Protest in Italien gibt - allerdings sollte der sich eher gegen das gesamte - durch das undemokratische Regime noch verstärkte - kapitalistische System und die neoliberale Strategie richten, da er ansonsten wirkungslos verpuffen wird. Ich kann nur hoffen, dass sich endlich einmal flächendeckend herumspricht, dass es keinen "Kampf" zwischen Unter- und Mittelschicht oder zwischen "Konsumenten" und "Selbstständigen" gibt, denn die sitzen alle im selben Boot. Die Trennlinie verläuft klar erkennbar zwischen der Bevölkerung auf der einen und den schamlosen Superreichen auf der anderen Seite - das ist die "Front", an der es zu kämpfen gilt.

Es ist extrem fatal, dass weite Teile der Mittelschicht das nach wie vor nicht erkennen (möchten) und von den Medien darauf auch nicht aufmerksam gemacht werden. Ich finde es einfach nur bizarr, wenn noch Wohlhabende ihre Pfründe schwinden sehen und auf nicht Wohlhabende und Arme blind eindreschen, während einige Superreiche vollkommen unbehelligt in ihren aus allen Nähten platzenden und täglich weiter wachsenden Geldspeichern lächelnd in einem Geldmeer baden, das völlkommen aus dem Ruder läuft.


(Bild: Wikipedia - Vermögensverteilung in Deutschland 2007 - in Italien sieht's nicht wesentlich anders aus. Wo müsste man das fehlende Geld wohl abschöpfen? Ist das wirklich so schwierig zu erkennen?)

Samstag, 28. Januar 2012

In eigener Sache: Eine Mail und die Antwort

Am 26.01.12 erreichte mich die folgende E-Mail:

-------- Original-Nachricht --------
> Datum: Thu, 26 Jan 2012 12:10:35 +0000
> Von: Melanie XXX

> An: editor@gmx.li
> Betreff: zusammenarbeit zur webverbesserung

> Hallo,
>
> Ich werde diese Gelegenheit nutzen, um mich vorzustellen.
> Mein Name ist Melanie XXX ich arbeite als SEO Manager
> für SEO's Internet
>
> Ich mache eine Recherche für einen meiner Partner und dabei bin
> ich auf narrenschiffsbruecke.blogspot.com gestoßen.
> Ich habe einige interessante Vorschläge für Sieund ich
> möchte Ihnen
> weitere Informationen darüber geben.
>
> Als SEO-Experte betreue ich viele Qualität Websites, die zu Ihrer
> Seite passen
> könnten und Ihrer Webseite zu höheren Rankings und
> Besucherzahlen zu verhelfen.
>
> Wenn Sie daran interessiert sind, würde ich mich freuen, Ihnen
> zusätzliche Informationen und alle erforderlichen Details zuzusenden.
>
> Mit freundlichen Grüßen,
>
> Melanie XXX
> melanie.XXX@seosinternet.com
> SEOsinternet.com

___

Meine Antwort lautete wie folgt:

Liebe Melanie,

Ihre Mail haben Sie sicherlich nur versehentlich geschrieben oder von einem Roboter generieren lassen - anders ist der Inhalt ja kaum erklärbar. Wenn Sie meinen Blog wirklich gelesen und verstanden hätten, würden Sie sich eine solche Mail nicht einmal im schlimmsten Alptraum zu schreiben trauen.

Menschen wie Sie, die dem kapitalistischen Wahnsinn weiterhin frönen und sogar die Kritik daran dazu benutzen, um dümmlich Geld verdienen zu wollen, können nur merkbefreite Vollidioten sein, die noch immer nicht begriffen haben, dass sie durch ihr Tun dem Rest der Menschheit den Todesstoß versetzen.

Eine noch albernere Mail als Ihre habe ich sogar von den Viagra-Spammern bislang nicht erhalten. Und das heißt etwas.

Ich werde Ihre Zuschrift mal ins Blog stellen und abwarten, was die LeserInnen dazu meinen. Sie können dort ja nachlesen, wie Ihr Vorschlag aufgenommen wurde.

Meine Antwort ist jedenfalls ein klares und überdeutliches NEIN. Und Sie sollten sich dringend einen neuen Job suchen, denn der, in dem Sie derzeit tätig sind, ist verwerflich und befindet sich am unteren asozialen Rand der Gesellschaft.

Liebe Grüße
Charlie

___

Anmerkung: Durch das "XXX" habe ich den übermittelten Namen und die Mailadresse der Dame unkenntlich gemacht - auch wenn der sicherlich dem Fakesektor zuzuordnen ist. Es soll hier nur offenbart werden, welche Stilblüten der Kapitalismus treibt, wenn er einmal mehr dem Untergang in die Augen blickt.

Es ist, als hätte Angela Merkel mir gerade ins Ohr geflüstert, dass sie mich liebt - einen stärkeren Fluchtinstinkt hätte ich nie entwickeln können.