Freitag, 18. Oktober 2013

Song des Tages: Und wir tanzten




(ASP: "Und wir tanzten", aus dem Album "Hast du mich vermisst? (Der schwarze Schmetterling I)", 2000)

Und wir tanzten im Schnee vergangenes Jahr.
Der Mond funkelte sanft in deinem Haar.
Und es tut auch kaum mehr weh,
wenn ich alles vor mir seh,
als ob's letzte Nacht gewesen, sternenklar.

Deine Haut und Stolz bleibt mir schon lang nicht mehr.
Ich gäbe alles für ein Zaubermittel her.
Eins, das dich mich lieben macht
Länger als nur eine Nacht,
Doch meine Arme und die Nächte bleiben leer.

Nur dieses eine Mal noch schenk mir Kraft für einen neuen Tag.
Ich stehe nackt und hilflos vor dem Morgen, nie war ich so stark.
Nur einen Tag noch Kraft und ich reiß alle Mauern um mich ein:
Nur wer sich öffnet für den Schmerz lässt auch die Liebe mit hinein.

Und wir tanzten im Schnee vergangenes Jahr.
Der Mond funkelte sanft in deinem Haar.
Und es tut auch kaum mehr weh,
Wenn ich alles vor mir seh,
Als ob's gestern war und nicht vergangenes Jahr.

Will ich es greifen, ist es schon nicht mehr da.
Niemand war mir jemals ferner und so nah.
Nicht mal Stille sagt, wie tief -
Wie ein ungeschickter Brief -
Was zerbrach, als ich in deine Augen sah.

Auch dieser Brief bleibt ungeschickt von mir.
Das schönste Lied schrieb ich nicht auf Papier.
Ich schrieb es in dein Gesicht,
mit den Fingern - siehst du nicht,
was mein Mund dir hinterließ?
Schau auf deine Haut und lies,
Such, wo meine Zunge war,
Such mein Lied in deinem Haar!
Willst du mein Gefühl verstehen,
Musst du dich in dir ansehen -
Schließ die Augen und du siehst: Ich bin in dir.

Ich breite meine Arme aus, empfange dich, komm an mein Herz,
Ich heile dich, lass einfach los und gib mir deinen ganzen Schmerz.
Renn einfach weg, lauf vor mir fort, lebe dein Leben ohne mich -
Wo immer du auch hingehst, wartet meine Liebe schon auf dich.

Und wir tanzten im Schnee vergangenes Jahr.
Der Mond funkelte sanft in deinem Haar.
Und es tut auch kaum mehr weh,
Wenn ich alles vor mir seh,
Als ob's gestern war und nicht vergangenes Jahr.

Und wir tanzten im Schnee vergangenes Jahr.
Der Mond schien so sanft in deinem Haar.
Wenn du mich nicht siehst, bin ich
Einfach nicht mehr wesentlich -
Löse mich auf wie Schnee vom vergangenen Jahr.


Anmerkung: Ein bisschen persönliche, weitgehend unpolitische Nostalgie darf doch auch mal sein, oder? Man kann diesen Song natürlich auch als Abschiedslied des Demokraten verstehen, der im stillen Kämmerlein die ungeschickten Briefe an die sich auflösende Demokratie resümiert, bevor er sich selbst entleibt - aber ich lasse die verrottete Kirche im Dorf und richte meinen heutigen Gruß an eine ganz bestimmte Person dort draußen, die mein Leben wie keine andere beeinflusst hat.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Das Satiremagazin "WDR" berichtet: Der "beinahe anspruchslose" Kardinal


Der Sprecher von Joachim Meisner hat den Kölner Kardinal als "beinahe anspruchslos" bezeichnet. Der 79-Jährige lebe mietfrei in einer fast 250 Quadratmeter großen Wohnung. Er müsse allerdings den Mietwert in Höhe von 1.213 Euro versteuern, teilte sein Sprecher Christoph Heckeley am Mittwoch (16.10.2013) mit. / Meisner verdient im Monat gut 11.500 Euro. Das sei vergleichbar mit einem Oberbürgermeister einer 500.000-Einwohner-Stadt in NRW. Zwei Ordensschwestern führen ihm den Haushalt. Meisner fährt einen 7er BMW. Er lebe aber, so Heckeley, auf "einer Linie mit dem Papst".

(Quelle)

Anmerkung: Wenn selbst der stockkonservative, stramm auf kapitalistischer Propaganda-Linie befindliche WDR angesichts einer solchen hanebüchenen "Presse"-Meldung der katholischen Milliardär-Sekte den Sarkasmus kaum mehr verbergen kann, wird die Groteske erst richtig sichtbar: Selbstverständlich führen sämtliche Kirchenfürsten dieses widerlichen Vereins ein abgehobenes Luxusleben fern jeder Lebensrealität der großen Mehrheit der Menschen - der Limburger Hampelmann stellt da keine Ausnahme dar. Es ist erbärmlich, jetzt mitansehen zu müssen, wie dieser - durchaus verachtenswerte - Mensch allein als habgierige Sau durchs Dorf getrieben wird und dabei von "christlichen Genossen" auch noch dazu missbraucht wird, das jeweilige eigene Luxusleben zu relativieren oder es gar in ein angebliches Leben in "Armut", "Demut" oder ähnlich grotesker Absurditäten zu pervertieren. Lächerlicher geht es kaum.

Der Herr Gärtner hat in seiner Titanic-Online-Kolumne dazu alles Notwendige geschrieben - lest Euch das bitte durch. Seinem Resümee kann ich mich nur vorbehaltlos anschließen:

"Was aber die katholische Kirche mit ihrem Geld macht, ist solange unerheblich, wie keiner die Anschlussfrage stellt, wo sie das ganze Geld eigentlich her hat; als wäre Geld ab einer gewissen Menge nicht naturnotwendig zusammengeraubt. Wer da mit Moral kommt, hat das nicht begriffen, und wer da in der Zeitung mit Moral kommt, will auch nicht, dass es begriffen wird."

Wer sich über die Limburger Speckmade erregt, muss sich zwangsläufig auch über all die anderen Speckmaden dieser kriminellen Vereinigung erregen - selbstredend auch über den Papst, der so gern von "Demut", "Bescheidenheit" und "Armut" schwadroniert, während er selbst in unbeschreiblichem Luxus in den vatikanischen Palästen residiert. Diese ganze kirchliche Mischpoke gehört längst auf den Abfallhaufen der Geschichte, direkt neben die menschenfeindliche, absurde Ideologie des Kapitalismus'. Dass die Menschheit von dieser dualen Entsorgung allerdings weiter entfernt ist als die Milchstraße von anderen Galaxien, ist ein weiteres Indiz für das alsbald bevorstehende unausweichliche, vollkommen natürliche Ende. Bis es soweit ist, schieben wir eben weiterhin degenerierten Frauenkleiderträgern einen 7er-BMW, eine 250-Quadratmeter-Wohnung, zwei Ordensschwestern und 11.500 Euro monatlich in den Anus - finanziert übrigens von allen BürgerInnen dieses Staates, egal ob Katholiken oder nicht - und lassen sie weiterhin in die Welt posaunen, dass sie ein "beinahe anspruchsloses" Leben führten. Orwell glüht sternenhell in seiner Grabstätte.

Die "Elite" verarscht uns so dermaßen offensichtlich und ungeniert, dass die orgiastischen Lachanfälle der Bande aus den elitären Hinterzimmern bis hinein in die letzte Armutsunterkunft unter der ranzigsten Autobahnbrücke dröhnen. Und dennoch versteht es auch dort kaum jemand, sondern hält es wahlweise für eine Unterstützungsbekundung der "Mächtigen" oder für einen Kampfgesang einer anderen ausgepressten, ausgebeuteten Minderheit, die den armen Schweinen auch noch die letzten Habseligkeiten nehmen wollen. Mir fällt dazu nichts mehr ein - außer: Wenn die Dummheit einen neuen Namen bräuchte, sollte sie sich "Menschheit" nennen.

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Dressur



(Zeichnung von Gustave Henri Jossot [1866-1951], in "L'Assiette au Beurre", 1902)

Dienstag, 15. Oktober 2013

Song des Tages: Don't Turn Too Stone




(Amon Düül II: "Don't Turn Too Stone", aus dem Album "Only Human", 1978)

Anmerkung: Allen Unkenrufen zum Trotz: Das doppelte "o" ist kein Tippfehler, und es fehlt auch kein "d" am Ende des Titels. ;-) Der Youtube-Uploader dieses Songs hat das Wortspiel offenbar nicht verstanden oder es übersehen. - Zu diesem Song könnte ich eine lange, sehr persönliche Geschichte erzählen; ich will mich aber auf das Wesentliche beschränken und schweige daher - lauschet den Klängen und Worten und sinnt der Frage nach, weshalb diese Welt trotz der ganzen aufklärerischen, humanistischen, sozialen Bewegungen der vergangenen Jahrhunderte zu diesem versteinerten Ort der Eiseskälte, der andauernden ewigen Kriege und der barbarischen Unmenschlichkeit verkommen ist, den wir heute vorfinden.

Die Antwort ist für BenutzerInnen des Gehirns denkbar einfach - für den normalen, bewusstlos über diesen Planeten schlurfenden Zombie aber außerhalb jeder Erfahrungs- und Erkenntniswelt. Das war 1978 schon so, und heute ist das eisenhart zementiert und betoniert, und niemand in dieser Zombiewelt - abgesehen von einer handvoll irrer Psychopathen wie beispielsweise mir - stellt den Kapitalismus mehr in Frage. Die widerliche elitäre Bande hat einmal mehr ganze Arbeit geleistet. Menschlich ist daran indes nichts mehr.


Montag, 14. Oktober 2013

Zitat des Tages: Der Steuermann


"Bin ich nicht Steuermann?" rief ich. "Du?" fragte ein dunkler hoch gewachsener Mann und strich sich mit der Hand über die Augen, als verscheuche er einen Traum. Ich war am Steuer gestanden in der dunklen Nacht, die schwachbrennende Laterne über meinem Kopf, und nun war dieser Mann gekommen und wollte mich beiseite schieben. Und da ich nicht wich, setzte er mir den Fuß auf die Brust und trat mich langsam nieder, während ich noch immer an den Stäben des Steuerrades hing und beim Niederfallen es ganz herumriss. Da aber fasste es der Mann, brachte es in Ordnung, mich aber stieß er weg. Doch ich besann mich bald, lief zu der Luke, die in den Mannschaftsraum führte und rief: "Mannschaft! Kameraden! Kommt schnell! Ein Fremder hat mich vom Steuer vertrieben!" Langsam kamen sie, stiegen auf aus der Schiffstreppe, schwankende müde mächtige Gestalten. "Bin ich der Steuermann?" fragte ich. Sie nickten, aber Blicke hatten sie nur für den Fremden, im Halbkreis standen sie um ihn herum, und als er befehlend sagte: "Stört mich nicht", sammelten sie sich, nickten mir zu und zogen wieder die Schiffstreppe hinab. Was ist das für Volk! Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?

(Franz Kafka [1883-1924]: "Nachgelassene Erzählungen"; geschrieben ca. 1920, publiziert erstmals posthum 1946)

Anmerkung: Es ist schon extrem frustrierend feststellen zu müssen, dass sich am Zustand des "sinnlos über die Erde schlurfenden Volkes" in den vergangenen 100 Jahren offenbar nahezu nichts verändert hat. Dieser Text könnte auch heute als brandaktueller Kommentar zu unserer Zeit in irgendwelchen Tagebüchern stehen - und auch heute würde er nicht das Geringste am diagnostizierten Stumpfsinn der Mehrheit verändern.

Ein deutlicher Unterschied zwischen damals und heute besteht wohl in der schnöden Tatsache, dass die Indoktrination der Menschen durch die veröffentlichten Medien vor ca. 100 Jahren noch lange nicht die Intensität und den Umfang erreicht hatte, wie das heute der Fall ist. Trotzdem feierte der Stumpfsinn damals einen Triumph nach dem anderen, bis hin zum vollkommenen Irrsinn, hinein in den totalen Weltkrieg und finstersten Faschismus - und wir dürfen gespannt sein, wie eine noch viel umfassendere, gesteuerte, geplante und nahezu allumfassende Indoktrination heute wohl auf die Menschen einwirken mag. Die Prognosen müssen zwangsläufig finster ausfallen - und die Ereignisse der letzten Monate und Jahre belegen das auch eindrucksvoll.

Heute würde ein feingeistiger Mensch wie Kafka den Schluss seines Textes wohl nicht mehr als Frage formulieren, sondern ihn mit dicken Ausrufezeichen versehen: "Sie denken - ganz gewiss - nicht, sondern schlurfen nur sinnlos über die Erde!!"

Aber auch diese Eskalation des dokumentierten Stumpfsinns hätte keine Wirkung.

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Parlamentarismus


"Die Stimme seines Herrn."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 37 vom 13.12.1922)

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Ach, wie überraschend: Finanzkrise betrifft Milliardäre nicht


Aldi-Familie bleibt die reichste / Millionen mit günstigen Lebensmitteln: Auch 2013 gehören die Gründer der Discounter-Riesen Aldi und Lidl zu den wohlhabendsten Deutschen. Die wirtschaftlichen Krisen können dem Vermögen der Superreichen scheinbar [sic!] nichts anhaben – ganz im Gegenteil.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Außerdem berichtet die Propagandapresse demnächst überrascht, dass Wasser "scheinbar" nass und Feuer "scheinbar" heiß ist. Das wird diese Gesellen aber nicht daran hindern, auch weiterhin wie gewohnt das Loblied des Wassers und Feuers resp. des Kapitalismus' zu singen. Wenn sich kleine oder kleinste Lichtblitze aus der Sphäre der Realität versehentlich in die kapitalistische Glitzerwelt der potemkinschen Dörfer verirren, sind sie zu ignorieren oder zu pervertieren, damit das heilige Glanzbild des stetig wachsenden, überquellenden Reichtums nicht versehentlich beschädigt wird.

Dieses widerwärtige superreiche Gesindel (nicht nur in Deutschland) besitzt inzwischen mehr als genug ergaunertes, erpresstes und gestohlenes Vermögen, um sämtliches materielle Elend auf diesem Globus von heute auf morgen komplett und dauerhaft zu beseitigen - niemand müsste mehr hungern, ohne Obdach leben oder auf medizinische Hilfe verzichten. Doch nicht einmal im fiesesten oder auch glückseligsten Traum denkt diese auch in globalem Maßstab extrem kleine Minderheit von wenigen tausend Personen daran, derlei Gedanken auch nur zuzulassen - die maßlose Habgier, der unbedingte Machterhalt und die möglichst ewige Zementierung ihrer perversen Privilegien lassen kein Umdenken, keine Einsicht zu. Diese im verlinkten Propagandatext teilweise sogar namentlich genannten Personen sind um ein Vielfaches schlimmer, niederträchtiger und degenerierter als alle dumpfen, faschistischen HetzerInnen und Arschlöcher aus der Springer-Welt - denn sie haben alle Möglichkeiten, die Macht und die Ressourcen, um diesen Planeten in einen für alle Menschen angenehmeren Ort zu verwandeln. Auf eine kleine Ebene heruntergebrochen ist diese "Elite" nur noch mit einer psychopathischen, völlig gestörten Person vergleichbar, die beispielsweise einem hilflosen Unfallopfer noch genüsslich Messer oder noch schlimmeres in den Körper sticht und ihm eiskalt und aus reiner Habgier mit der Kneifzange einen Finger nach dem anderen abtrennt, anstatt ihm zu helfen.

Das ist Kapitalismus. Und in dessen zyklisch wiederkehrender Endphase müssen nun einmal mehr alle Menschen furchtbar leiden - die einen freilich noch viel mehr als die anderen, denn die willkürliche Hierarchie und damit verbundene Teilung ("Divide et impera") ist bekannter Maßen systemimmanent und sehr gewollt. Lediglich ein einziges, verschwindend kleines Grüppchen muss niemals leiden - ganz egal, welche grausamen Katastrophen das jeweilige kapitalistische Ende auch hervorbringen mag. Und das sind - oh, welch eine Überraschung - die eiskalten, faschistischen Kneifzangenbesitzer, die in Deutschland beispielsweise Albrecht, Schwarz, Reimann, Klatten, Quandt, Piech, Springer oder Mohn heißen. Potzblitz - das erstaunt uns alle nun maßlos.

Ich warte sehnsüchtig - und wahrscheinlich vergeblich - auf den Tag, an dem dieses verbiesterte, verdummte, narkotisierte und völlig verblendete Volk endlich bemerkt, dass nicht Flüchtlinge, Kranke, Behinderte, Arbeitslose, Alte oder Ausländer an ihrem Status und Wohlstand sägen, während die gekauften Vasallen der Superreichen für jeden sichtbar mit der dicken Säge in der Hand die Schlipse flattern lassen und dennoch lautstark ausgerechnet die Schwachen und Ärmsten für das verantwortlich machen, was der Kapitalismus und seine ultrakleine Clique der Superreichen immer wieder bewusst und gewollt anrichten.

Es ist alles beim Alten.

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Preis Nebensache


"Kaufen wir! Mein Mann hat Daimler-Aktien - der wird das Kind schon schaukeln."

(Zeichnung von Otto Friedrich Carl Lendecke [1886-1918], in "Simplicissimus", Heft 01 vom 02.04.1918)

Montag, 7. Oktober 2013

Song des Tages: Blood From The Air



(Coil: "Blood From The Air", aus dem Album "Horse Rotorvator", 1986)

A sleeping explorer, his wandering mind, crossed over the border
A mind like a cemetery where the corpses are turning
Where the bodies twist deep in the frozen grip of a dreamless sleep
Then the lowest comes up like a wreck from the depths
He hears night calling, he has dreams of waking
here in this brightness that burns like slow lightning
He sees words burnt in ice and reads
that the world is a wound in the Body of Christ
Effects of the animal - animal sound effects
He says: "Death, he is my friend - he's promised me a quick end.
The world is in pain, it should be put down, and God is a sadist" -
and that he knows it.

The depth of the night skies reflects in his eye
He says: "Everything changes and no-one survives and everyone dies"
And the night slits her veins and the darkness drains
and the void rumbles in like an underground train ...
Forever comes closer, the world is in pain
We all must be shown
We must realize that everyone changes and everything dies.



Anmerkung: Auch nach über 25 Jahren hat diese genial-experimentelle Version der "apokalyptischen Reiter" mit dem halb-vielsagend-halb-scherzhaften Titel "Horse Rotorvator" nichts von ihrer Eindringlichkeit und Tiefe verloren, wie ich finde - auch wenn das heute noch viel weniger als damals dem "Zeitgeist" bzw. dem vielen Menschen ins Hirn geimpften "Massengeschmack" entspricht. Damals füllten Coil immerhin - trotz oder wegen - der sperrigen Musik mittelgroße Konzerthallen, in denen das versammelte Publikum alles andere als in kollektive Suizidstimmung geriet, sondern ganz im Gegenteil sich voller Inbrunst an der eher an einen psychedelischen Rausch erinnernden Darbietung ergötzte.

Samstag, 5. Oktober 2013

In der braunen Kloake des "Bild"-Sumpfes


Die "Bild am Sonntag" berichtete gestern über einen Jugendlichen, der über 1000 Tage in der Schule gefehlt hat und dessen Mutter deshalb zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde (...). / Hier eine Auswahl der Kommentare, die von Bild.de-Lesern geschrieben und von anderen Bild.de-Lesern mit "Gefällt mir" markiert wurden (...).

(Weiterlesen)

Anmerkung: Der Text sowie der zugrunde liegende BLÖD-Beitrag sind zwar schon einige Wochen alt, haben seitdem aber gewiss nichts an Aktualität eingebüßt. Wer auf "Weiterlesen" klickt und sich tatsächlich einige oder gar alle der zitierten "Kommentare" von bild.de-Spinnern durchliest, wird etwas besser verstehen, warum dieses furchtbare Land vor zwei Wochen so furchtbar gewählt hat. Wenn auch nur die Hälfte dieser "Kommentare" tatsächliche "Meinungsäußerungen" von deutschen BürgerInnen und keine gezielten, von interessierter, elitärer Seite bewusst platzierten Propagandaauswüchse sind, dann wird umso deutlicher, wieso es eine so zwingend notwendige, überlebenswichtige Idee ist, in Deutschland erneut auf gepackten Koffern zu sitzen und diverse Fluchtalternativen parat zu haben.

Faschismus und Rassismus tropfen bzw. sprudeln - wie es nicht anders zu erwarten war - dort aus allen Poren und Ritzen. Und die Springer-"Presse" (die dabei allerdings keineswegs allein ist) befeuert diesen üblen, braunen Sumpf nach Kräften immer weiter - auch wenn hier, wie das BILDblog berichtet, einige der übelsten "Kommentare" letztlich gelöscht wurden. Das ist nach meinem Empfinden aber nichts anderes als eine versuchte Verschleierung der eigentlich von Springer, Dieckmann & Co. ersehnten Wirkung - denn wenn ein Medium wie die BLÖD-"Zeitung" Ressentiments, Rassismus und Faschismus fortdauernd, nachhaltig und bewusst schürt, ist es nur folgerichtig, dass derlei Schmutz auch entsprechend dumm, faschistisch und rassistisch "kommentiert" und lautstark weiterverbreitet wird.

Auch wenn es extrem schwer fällt, diesen Stumpfsinn zu lesen, sollten das doch möglichst viele Menschen tun - allein schon aus dem schnöden, aber wichtigen Beweggrund heraus, dass wir klar realisieren müssen, in welch einem grauenhaften, stumpfsinnigen, faschistischen, an grenzdebiler Dämlichkeit und dumpfestem Rassismus kaum zu überbietenden Umfeld wir heute einmal mehr in diesem verkommenen Staat leben. - Meine Koffer sind gepackt.

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Innere Politik


"Solang die Juden am Rhein stehn, sag' ich, gibt's keine Ruhe im Land!" - "Geh, hör' auf, das sind doch die Franzosen." - "Sooo - da geh aber mal in eine Hitler-Versammlung, der sagt dir's nachher schon, wer die sind!"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 40 vom 03.01.1923)

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Zitat des "Tages der deutschen Einheit": Die Fahrt nach der Irrenanstalt


Auf lauten Linien fallen fette Bahnen
Vorbei an Häusern, die wie Särge sind.
An Ecken kauern Karren mit Bananen.
Nur wenig Mist erfreut ein hartes Kind.

Die Menschenbiester gleiten ganz verloren
Im Bild der Straße, elend grau und grell.
Arbeiter fließen von verkommnen Toren.
Ein müder Mensch geht still in ein Rondell.

Ein Leichenwagen kriecht, voran zwei Rappen,
Weich wie ein Wurm und schwach die Straße hin.
Und über allem hängt ein alter Lappen –
Der Himmel ... heidenhaft und ohne Sinn.

(Alfred Lichtenstein [1889-1914], in "Die Aktion", Heft 7, 2. Jahrgang, 1912; auch in: "Die Dämmerung. Gedichte", 1913)


(Bild: "Alfred Lichtenstein" von S. Tebbutt)

Dienstag, 1. Oktober 2013

Irrsinn im Kuh-Journalismus: "Rätselhafte Schwächen im Konsum"


Einzelhandel enttäuscht Experten / Die neuesten Daten zur Geschäftslage im Einzelhandel zeichnen ein beunruhigendes Bild: Die Deutschen zeigen sich offenbar weniger konsumfroh als erwartet. Gespart wird in Deutschland derzeit vor allem an Büchern, Schmuck, Möbeln und Geräten für den Haushalt.

(Weiterlesen - empfohlen aber nur für Hardcore-Satiriker)

Anmerkung: Manchmal glaubt man es nicht, was man im Qualitätsjournalismus so alles zum geistigen Fraß vorgeworfen bekommt: Die Subüberschrift steht da wirklich und ist gewiss nicht satirisch gemeint: "Rätselhafte Schwächen im Konsum". Im Text wird der geneigt-verwirrte Leser dann auch gleich zu Beginn aufgeklärt: "Die gute Konsumlaune der Deutschen kommt bei den Einzelhändlern nur mit deutlichen Abstrichen an", bekommen wir dort zu lesen und wissen: Aha - die von den Spezialexperten der kapitalistischen "Märkte" herausposaunte "gute Konsumlaune" war also gar kein Fake, sondern kommt bloß - und das auch noch rätselhafter Weise - nicht bei den Einzelhändlern an. - Beim Barte des Propheten - wie kann das denn bloß sein???

Ich kann angesichts solcher vollkommen hirnverbrannter Meldungen gar nicht mehr damit aufhören, den Kopf unaufhörlich auf die Tischplatte zu schlagen, bis er blutig ist. Wie kann ein auch nur mit schimpansenähnlicher Intelligenz ausgestatteter Mensch so etwas schreiben und auch noch auf einer angeblich seriösen Nachrichtenseite veröffentlichen, ohne sich freiwillig die Eselsmütze auf den aufgeweichten Kopf zu setzen und mindestens zehn Jahre lang in die "Ich-schäme-mich"-Ecke zu stellen? Wenn vermehrt Luxusyachten, elitäre Automobile, Prunkvillen und vergoldetes Klopapier verkauft werden, während die normale Bevölkerung systematisch und staatlich organisiert zwangsverarmt wird, die Löhne der verbliebenen Arbeitssklaven stagnieren oder sinken und Lebensmittel, Energie und viele andere Güter des täglichen Bedarfs immer teurer werden, erschließt sich der Irrsinn auf fast wundersame Weise unverzüglich. Nach kapitalistischer "Logik" wäre es nun an der Zeit, mit dem albernen und unprofitablen Produzieren von Lebensmitteln, Haushaltsutensilien, Kleidung, Energie etc. aufzuhören und stattdessen nicht nur goldenes Klopapier herzustellen, sondern verstärkt in die Produktion von weiteren abstrusen Luxusgütern und anderem superteuren Tand einzusteigen - denn nur dort wird schließlich noch genügend Profit erzielt. Dann sähe auch die Einzelhandelsbilanz wieder sehr vorzeigbar aus: Das Geschäft würde brummen wie nie, während die Massen auf den Straßen verhungern - da wären gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Ich warte noch auch eine solche Empfehlung bei n-tv, im Spiegel oder in der Welt. Lange kann es nicht mehr dauern.

Mindestens genauso abstoßend und sinnentleert empfinde ich an solchen Texten und Botschaften aber die Selbstverständlichkeit, mit der der Konsum als das einzige und wichtigste Ziel allen Wirtschaftens hündisch angebetet wird - Konsum ist alles, Konsum ist Gott, Konsum ist der Sinn des Lebens. Dass es dabei einzig um die (weitere, zusätzliche!) Bereicherung einer superkleinen, schon jetzt unermesslich reichen Minderheit geht, verstehen wahrscheinlich sogar die Kuh-Journalisten, die einen solchen Stumpfsinn schreiben (müssen), nicht mehr - die breite Bevölkerung ist von dieser billigen Erkenntnis allerdings noch viel weiter entfernt. Die trägt auch weiterhin ihren kleinen Überschuss, sofern nach Abzug von Lebensmitteln, Miete und anderen unverzichtbaren Dingen noch etwas übrig bleibt, zu den göttlichen Konzernen und kauft überteuerten, größtenteils sinnfreien Tand, der stets von anderen Lohnsklaven, die meist noch schlimmer ausgebeutet werden und vom Profit der selbsternannten "Elitemenschen" nichts abbekommen, hergestellt wurde bzw. dazu - direkt oder indirekt - gezwungen wurden.

Die "spätrömische Dekadenz" der Superreichen markiert nicht zum ersten Male das Ende der kapitalistischen Phase - aber diesmal sind noch viel weniger Hinweise oder Anzeichen erkennbar als zuvor, dass nach dem unausweichlichen Crash dieses absurden Systems nicht erneut einfach wieder von vorn begonnen und das ganze irrsinnige Spiel einmal mehr wiederholt wird. Die elitäre Bande hat in ihrem asozialen Bestreben, den faschistischen Wahnsinn zum endlosen Kreislauf zu machen, um ihre Privilegien und Exklusivstellung zu zementieren, große Fortschritte gemacht und aus der Vergangenheit offenbar gelernt. Die dusselige, narkotisierte und dummgehaltene Bevölkerung bemerkt nichts davon und folgt brav der Propaganda - sogar in solche wahnwitzigen Gefilde wie die "rätselhaften Schwächen im Konsum".

Der Vollendung der kapitalistischen Dystopie steht wahrlich nicht mehr viel im Wege.

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"Ihr braucht keine Eier mehr zu legen, man kauft sie jetzt billiger."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 22 vom 25.08.1924)

Montag, 30. September 2013

Zitat des Tages: Der Überschuss


In München - das muss man wissen -
da fehlt's im Kinderspital
an Milch und Verbandstoff und Kissen ...
aber die Stadt hat 15 Millionen überschüssiges Kapital.

Die Kinder - das muss man wissen -
die sind die Zukunft des Staats,
lasst Rührungstränen fließen ...
aber für so ein Kinderspital fehlen die Mittel des hohen Rats.

Der Rat - das muss man wissen -
der ist teils rot und so
und sozialistisch beflissen
und sozialistisch beflissen vom Kopf bis tief in den Popo ...

Doch leider - das muss man wissen -
der Zinsfuß trat heran
und lockte die Sozialisten ...
da legten sie die Millionen nutzbringender als in armen Kindern an.

(Emanuel alias Peter Scher [1880-1953], in "Simplicisimus", Heft 26 vom 22.09.1924)

Anmerkung: Und da behaupte nochmal jemand, Geschichte wiederhole sich nicht ... - auch wenn die heutigen Lila-"Roten" oder gar "Grünen" längst nicht mehr an dem infantilen Märchen festhalten, sie seien "Sozialisten" oder "Linke". Ansonsten scheinen sich die Zustände von 1924 nicht wesentlich von den heutigen zu unterscheiden - und das natürlich nicht bloß in München. Wenn ich mir anschaue, wie SPD und Grüne sich heute schon fast darum streiten, wer nun als devoter Abnicksklave zum Merkelmonster ins schwarzbraune Haifischbecken der Koalition darf, wird mir einmal mehr speiübel.

Donnerstag, 26. September 2013

Song des Tages: Wann kommt der Wind




(Element of Crime: "Wann kommt der Wind", aus dem Album "Romantik", 2001)

Wann kommt der Wind, der uns weitertreibt?
Irgendwohin, wo keine Erinnerung bleibt
an jene Zeit, die uns glücklich sah ...
Nüchtern und klar, zu jedem Opfer bereit.

Meine Seele ist irgendwie hängen geblieben,
mein Körper ist alt und verwohnt.
Die Sterne wärmen den Himmel nicht mehr
und eiskalt ist der Mond.

Wann kommt der Wind, der uns weitertreibt?
Irgendwohin, wo keine Erinnerung bleibt.

Mein Sohn ist zu alt, um dein Vater zu sein,
deine Mutter zu schön für mein Haus.
Im Garten der Liebe hab' ich Träume vergraben -
die holt da keiner mehr raus!

Wann kommt der Wind, der uns weitertreibt?
Irgendwohin, wo keine Erinnerung bleibt.

Wenn du nicht so jung wärst wie ich es nie war,
dann wärst du nur halb so betrübt.
Verloren sind die, die im Dunkeln was seh'n -
du bist bloß verliebt.

Wann kommt der Wind, der uns weitertreibt?
Irgendwohin, wo keine Erinnerung bleibt.

Dein Bild dringt bis an meine Netzhaut vor,
ich wünschte, ich könnt' es nicht seh'n.
Dein Lachen kitzelt mein Innenohr
und ich würde so gern mit dir geh'n ...

Wann kommt der Wind, der uns weitertreibt?
Irgendwohin, wo keine Erinnerung bleibt.

Versuch' doch noch einmal mich anzusehen,
gib' mir noch einmal dein Wort ...
Versuch' doch noch einmal mich umzudreh'n
und dann geh' schnell von hier fort.

Wann kommt der Wind, der uns weitertreibt?
Irgendwohin, wo keine Erinnerung bleibt
an jene Zeit, die uns glücklich sah ...
Nüchtern und klar, zu jedem Opfer bereit.



Anmerkung: Ich kommentiere das nicht - der Abschied, auch wenn er im Mäntelchen der zwischenmenschlichen Beziehungen daherkommt, spricht für sich. So auch dieses eindringliche, fürchterlich kitschige und dennoch so grausam wahre Liedchen, das mir den Weg weist.

Mittwoch, 25. September 2013

Die kapitalistische Verdummungsorgie nimmt ihren propagandistischen Lauf: "Die Welt wird immer reicher"


Die Börse als Quelle des Wohlstands / (...) Wohl dem, der Aktien hat: Kursgewinne an den Märkten machen die Menschen weltweit trotz Krisen und Wachstumsschwächen so reich wie nie zuvor. Das Geldvermögen klettert einer Allianz-Studie zufolge auf kaum fassbare 111,2 Billionen Euro.

(Weiterlesen)

Anmerkung: In schöner Regelmäßigkeit publiziert die Propagandapresse diese absurden Jubelmeldungen alle paar Wochen - und das schon seit so vielen, vielen Jahren. Ist es nicht toll, wie paradiesisch dieses kapitalistische System funktioniert, wenn der überquellende Reichtum "der Menschen weltweit" unaufhaltsam anschwillt und trotz Krisen, Kriege und anderer Lappalien keine Grenze zu kennen scheint? Wir sind unverkennbar im Paradies, allen Menschen fliegen unaufhaltsam immer mehr gebratene Tauben in den Mund, während sie sich jeden luxuriösen Wunsch unverzüglich erfüllen können, ohne auch nur einen Finger krumm zu machen.

Das gilt selbstredend nur für die ultrakleine, pervertierte Minderheit, die sich selbst "Elite" schimpft und den Rest der Menschheit und die gesamte Natur ausbeutet und aussaugt bis aufs Knochenmark. Derartige Texte und Inhalte, die von n-tv über Tagesschau bis zur Süddeutschen immer wieder verbreitet werden, bewegen sich auf dem Niveau von Klopapier, Uhl-Reden oder Filteranlagen in Klärwerken. Mit gleichem Anspruch könnte ich auch behaupten, dass eine Gruppe von beispielsweise 100 Menschen, von denen 99 nichts zu essen haben und einer 100 gebratene Hähnchen gehortet hat, alle mit einem Braten gut versorgt sind und demnach alles in bester Ordnung ist. Ein solcher Stumpfsinn wird uns - hier examplarisch von n-tv - als "journalistische Nachricht" verkauft - gerne noch mit dem Präfix "Qualitäts-" versehen.

Dass inzwischen nicht mehr nur in Afrika, Südamerika oder Asien Menschen hungern (dort ist der geneigte Dummpfosten der westlichen Sklavenwelt das ja gewohnt, das ist für ihn "normal", diese faulen Leute sind schließlich selber schuld an ihrem Elend), sondern auch mitten in Europa, in den USA und auch in Deutschland, das passt so gar nicht in das schöne, abstruse Glitzerbild der immer reicher werdenden Menschheit. Auch diese Verarmten müssen folglich selbst schuld an ihrem Hunger und ihrer Armut sein - die völlig perverse Gier einiger weniger Wahnsinniger, die Billionen auf ihren Konten anhäufen, mit denen sie gar nichts mehr anfangen können, kann damit gewiss nichts zu tun haben.

Allein dieser kleine und längst nicht ausreichende Denkanstoß geht aber weit über das hinaus, was die kapitalistische Propaganda herunterbetet - Armut kommt dort schlicht und einfach gar nicht vor, es gibt sie folglich gar nicht. Die Nachricht ist allein dies: "Die Welt" (= die "Elite") wird "immer reicher" - Arme zählen da gar nicht, kommen nicht vor, können bzw. müssen vergessen oder gar ausgemerzt werden. Die Botschaft ist klar, und unterschwellig dürfte sie nicht wenige der Menschen in ihrer stetigen Wiederholung mit giftigem Gedankengut infizieren, die noch nicht zu den Verarmten gehören, aber ebenso davon bedroht sind. So sorgen die Apologeten des menschenfeindlichen kapitalistischen Systems seit Jahrhunderten dafür, dass stets nach unten getreten wird und die Schwächeren, schon Abgehängten, Notleidenden für das verantwortlich gemacht werden, wofür in Wahrheit doch einzig die kleine habgierige Clique der Superreichen verantwortlich ist, die in ihrem perversen Luxus ertrinkt.

Eine noch perversere Welt hätte die Menschheit aus diesem Planeten kaum machen können.

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Die Enthaltsamen


"Wieviel Kartoffeln die Leute brauchen! Wir essen zu Mittag nicht mehr als zwei, drei Kartoffeln ---"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 29 vom 13.10.1924)

Montag, 23. September 2013

Merkel: Was sie sagt und was sie meint


"Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen Wählerinnen und Wählern, die diesen grandiosen Sieg möglich gemacht haben", plapperte eine für ihre Verhältnisse geradezu überbordend enthusiastische, triumphierende Angela Merkel am Abend des 22.09.2013 in diverse Propagandamikrofone.

Der dicke Schleimbolzen aus der Uckermark sagte damit allerdings - wie immer - nicht, was er bzw. sie wirklich meinte. Das hätte sich dann wohl eher ungefähr so angehört: "Insbesondere danke ich der SPD und den Grünen, dass sie mir schon vor der Wahl zu weiteren vier Jahren Regentschaft verholfen haben, und natürlich danke ich den ganzen Vollpfosten und Hirnverbrannten, die CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne, AfD, NPD, Pro-Sowieso oder eine unserer anderen kapitalistischen Splitterparteien gewählt haben, ohne zu bemerken, dass sie damit einzig mich bzw. die momentan von mir vertretenen Interessen der Familien Quandt, Springer, Mohn und Co. bestätigt und damit diametral gegen ihre eigenen Interessen entschieden haben. Angesichts der sensationell geilen Niedrigwahlbeteiligung von nur 73 Prozent gilt mein besonderer Dank selbstverständlich auch allen Nicht- und UngültigwählerInnen, die zu diesem für die Elite - zu der ich mich hoffentlich auch bald zählen darf, wenn ich die Früchte meiner europaweiten Zerstörungen endlich ernten kann und fürstlich von der Herrschaft dafür entlohnt werde - grandiosen Wahlergebnis erheblich beigetragen haben. Gehen Sie auch weiterhin nicht wählen oder malen sie kleine Bildchen oder lustige Texte auf den Wahlzettel, darum möchte ich Sie schon heute von Herzen und im Namen meiner Finanziers bitten. Gleich morgen werden wir, wie von der großen Mehrheit des deutschen Volkes beauftragt, tatkräftig mit dem weiteren Demokratieabbau, der Zerstörung des Sozialstaates, der Verarmung möglichst breiter Bevölkerungsschichten, dem Ausbau der Totalüberwachung und der Mästung der überquellenden Konten der Superreichen fortfahren. Vielen Dank - auch an die wunderbar kooperierende Qualitäts- bzw. Hofpresse, auf die Deutschland genauso stolz sein kann wie auf die Neoliberale Einheitspartei NED!"


(Bild: qpress.de)

Übertroffen wurde die Absurdität des Wahlverhaltens der BürgerInnen in diesem verkommenen Land gestern nur noch durch die schrillen Orwell-Wahlshows in den öffentlich-rechtlichen Qualitätsmedien, von denen ich zwar nur kleine Auszüge im Vorbeigehen aufgeschnappt habe ... aber die reichen mir völlig aus, um mir ein Bild von diesem dadaistischen, grotesken Spektakel zu machen. Wenn Steinbrück beispielsweise von einem beschlipsten Qualitätsjournalisten-Borg allen Ernstes und ohne den Anflug eines Hauches von Ironie gefragt wird, ob der "Kurs der SPD im Wahlkampf möglicherweise zu weit links" gewesen sei und darin eine Ursache für den Misserfolg gesucht werden müsse, dann handelt es sich entweder um eine Direktübertragung aus dem Paralleluniversum "HR-GIGER-X-1", oder die versammelte Journaille samt den ernsthaft auf deren absurden Fragen antwortenden Politikmarionetten waren so dermaßen auf Drogen, dass Christiane F. dagegen eine behütete Klosterschülerin gewesen sein muss. Ich habe kurz danach noch den Anfang eines "Kommentars" des stellvertretenden ZDF-Chefredakteurs Elmar Theveßen gehört, den ich aber nicht zuende anhören konnte, weil mein Gehirn mich nach ca. 30 Sekunden unerbittlich dazu zwang, laut schreiend und die Haare raufend aus dem Haus zu rennen und wie ferngesteuert im Wald mein eigenes Grab auszuheben. Als ich nach Stunden wieder halbwegs bei Sinnen war, hatte ich die Grube zwar fertiggestellt, den - ohnehin sinnfreien - Inhalt der ertragenen Theveßen-Sekunden aber glücklicherweise vollständig aus meinem Gedächtnis getilgt.

Der dicke Schleimbolzen und die hässliche, faschistische Fratze des Kapitalismus bleiben aber - und wir dürfen sicher sein, dass die Zerstörungen, Verwerfungen, Kriege und weitere faschistisch-barbarische Entwicklungen in den kommenden vier Jahren munter weitergehen werden.

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Starkbier


"Ich frage dich, Xaverl, san mir Deutsche das Volk der Dichter und Denker, oder san mir wirklich so saudumm wie mir san?"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 27 vom 02.10.1932)

Freitag, 20. September 2013

Song des Tages: Blue Collar Man




(Styx: "Blue Collar Man", aus dem Album "Pieces of Eight", 1978)

Give me a job, give me security
Give me a chance to survive
I'm just a poor soul in the unemployment line
My God, I'm hardly alive

My mother and father, my wife and my friends
You've seen them laugh in my face
But I've got the power and I've got the will
I'm not a charity case

I'll take those long nights, impossible odds
Keeping my eye on the keyhole
If it takes all that to be just what I am
Well, I'm gonna be a blue collar man

Make me an offer that I can't refuse
Make me respectable man
This is my last time in the unemployment line
So like it or not -

I'll take those long nights, impossible odds
Keeping my back to the wall
If it takes all that to be just who I am
Well, I'm gonna be a blue collar man

Keeping my mind on a better life
Where happiness is only a heartbeat away
Paradise - can it be all I heard it was?
I close my eyes ... and maybe I'm already there ...

I'll take those long nights, impossible odds
Keeping my back to the wall
If it takes all night to be just who I am
Well, I'm gonna be a blue collar man.



Anmerkung: Auch wenn ich die Musik der amerikanischen Band Styx aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts sehr schätze - es sind eine Menge Juwelen darunter zu finden -, beweist der Songschreiber Tommy Shaw mit diesem Lied jedoch, dass er - zumindest damals - nicht einmal im Ansatz begriffen hatte, wo das Problem liegt. So kommt es also zu dem grotesken Szenario, dass in wundervollstem 70er-Jahre-Hardrock der Protagonist des Songtextes zu einem jammernden Vollidioten mutiert, der verzweifelt nach einer "angemessen vergüteten" Fortsetzung seiner andauernden Versklavung schreit und auch einzig dort das "Paradies" sowie die "Anerkennung" seiner Mitmenschen zu sehen vermag. Dafür ist er selbstverständlich bereit, auch die übelsten Bedingungen ("Long nights, impossible odds") in Kauf zu nehmen. So wird ein vom Verfasser vermutlich kritisch gemeinter Song zu einer sanften Liebeshymne für superreiche Analbereich, ohne dass der Autor das wohl geahnt oder verstanden hat. Verknüpft wird das ganze noch mit dem neoliberalen, asozialen Credo, dass nichts auf der Welt schlimmer und verwerflicher sei, als ein "charity case" - also ein Mensch, der auf Sozialleistungen des Staates angewiesen ist - zu werden.

Da Styx sowohl vorher, als auch später ganz andere Werke veröffentlicht haben, die in eine gänzlich andere politische Richtung tendieren, gehe ich einfach ganz naiv davon aus, dass die damals noch ziemlich jungen Männer gar nicht begriffen haben, was sie da für einen intellektuellen Unsinn, gekleidet in eine tolle, kraftgeladene Musik, abgeliefert haben. Im Konzeptalbum "Kilroy Was Here", das nur 5 Jahre später erschien, entwarf die Band beispielsweise ein alptraumhaftes Szenario eines totalitären, faschistischen Überwachungsstaates, in dem die Rockmusik rigoros verboten ist und gleichzeitig die Rolle der Revolution spielt (unvergessen ist die Aufforderung des Gefängnisroboters an den inhaftierten Rockmusiker Kilroy: "Please conform and confirm!"):



(... und dann beginnt das Konzert.)

Donnerstag, 19. September 2013

Zitat des Tages: Terroristen


Das Land ist voll von ihnen. In den Städten bemerkt man sie auf Schritt und Tritt. Sie stehen ihr Leben lang stets zur selben Zeit auf, waschen sich ein bisschen und hetzen, mit einem Stück Brot oder einer Zigarette im Mund, davon. Nur wenn sie die Stellen wechseln, fahren sie mit anderen Straßenbahnen. Samstags und sonntags trinken sie mehr als sonst, essen auch besser, schlafen öfter und trauen sich, im Bett von Pornofilmen zu träumen. Die Älteren erzählen vom Krieg, kennen Paris genau, Moskau aus der Ferne, Stalingrad vom schlechten Hörensagen. Die wirklichen Terroristen spielen in der Vesperpause Hinrichtung. Opfer finden sich in jeder Zeitung. Zur Kantine hat die Dritte Welt keinen Zutritt. Sie schwitzen und sterben. Frauen und Kinder müssen ihre Sympathisanten sein. Diese Terroristen sind um ein Vielfaches grausamer als die Kapitalisten. Sie heben in WD die ganze Welt aus den Angeln. Sie mähen und stanzen, säbeln nieder, sie eggen und schleifen, ernten Rüben, rollen wie Mastmurmeln durch die Straßen, und ihre Gedanken wohnen in Schaufenstern. An Polizisten können sie lediglich den Tempopeiler nicht leiden. Ihre Söhne schicken sie bereitwillig aus den Mietskasernen in die Bundeswehrkasernen, ihre Töchter am liebsten ebenfalls. In Scharen strömen sie ziellos umher und lechzen nach Mord und Totschlag, nach Vergewaltigungen, Räuberpistolen und blutroten Anschlägen. Der harte Kern ist gut gepolstert; und sie, das Fruchtfleisch, verehren ihn als Ernährer. Sie wollen, dass alle dran glauben müssen.

(Ludwig Fels [* 1946]: "Mein Land." Erzählungen, 1978)

Anmerkung: Ich habe selten eine trefflichere Beschreibung des deutschen Spießbürgers in seiner hässlichsten Form, wie er auch heute wieder in Massen anzutreffen ist, gelesen. Ich möchte die Aufmerksamkeit gerne auf den zentralen Satz lenken: "Diese Terroristen sind um ein Vielfaches grausamer als die Kapitalisten", lesen wir dort - und genau das ist der Punkt, der mich am allermeisten bewegt: Denn obwohl diese Durchschnittsspießer vom Kapitalismus in keiner Weise profitieren, sondern lediglich ein kleines, vergleichsweise lächerliches Almosen (und auch dieses nur mit der ständigen Bedrohung des jederzeit möglichen Widerrufs) erhalten, verteidigen und propagieren sie dieses perverse System bis an die Zähne bewaffnet bis aufs Blut. Wie ist ein solches Paradebeispiel der altbekannten kognitiven Dissonanz überhaupt massenhaft möglich?

Wie krank müssen Menschen sein, die in diesem System nicht nur mitmachen, weil sie eben irgendwie überleben wollen - sondern es auch noch vehement verteidigen und alle Bestrebungen, es zu ändern, schärfstens verurteilen und bekämpfen?

Mir ist schon klar, dass Film, Fernsehen und ein gewisser Bereich der Computerspiele dabei eine erhebliche Rolle spielen, die uns rund um die Uhr mit Kriminalität, Mord, Totschlag, Krieg und Gewalt versorgen und so den Eindruck erwecken, die Welt "sei nun einmal so". Als Erklärung reicht das aber nicht.

Wer oder was hat den Menschen, der ursprünglich ja durchaus ein gewisses Potenzial besaß, in diese abgrundtiefe Degeneration getrieben, die noch weit unterhalb des Mikrobenniveaus liegt?

Die vollkommen irrsinnigen Psychopathen, die Ludwig Fels in seinem Text beschreibt, sind auch heute in überwältigender Anzahl unsere Nachbarn, Kollegen und nächsten Angehörigen. Die Dummheit und die Ahnungslosigkeit feiern einen Triumph nach dem anderen. Eigentlich kann es nicht mehr allzulange dauern, bis die Natur diesem erbärmlichen Schauspiel ein natürliches Ende setzt. Womit dem Wunsch der Verrückten - "dass alle dran glauben müssen" - Genüge getan wäre.

Vielleicht ist das gar nicht der schlechteste Weg.

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Zukunftsbild


"Die letzten Menschen haben einander umgebracht. Jetzt heißt es, wieder von vorn anfangen."

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 23 vom 06.09.1922)