(Styx: "Return to Paradise", Live-Album und -Video, 1997)
Anmerkung: Diese amerikanische Band hat in Deutschland und anderen europäischen Staaten trotz einiger "Hits" wie beispielsweise "Boat on the River" oder dem unsäglichen "Mr. Roboto" - einem albernen Disco-Song zum damaligen Zeitgeist, der letztlich zur Auflösung der Band im Jahr 1984 beigetragen hat - nie einen sonderlich bemerkenswerten Bekanntheitsstatus erreicht. In den USA hingegen füllte sie in den 70ern und frühen 80ern regelmäßig die größten Stadien und Arenen - und das trotz ihrer vergleichsweise anspruchsvollen, teils gar progressiven Rockmusik, was für die USA äußerst bemerkenswert ist, da auch die Texte der Band teils ausgeprägt sozial- und religionskritisch und fast schon anarchistisch waren. Mit dem Album "Kilroy Was Here" - einem dystopischen Konzeptalbum aus dem Jahr 1983 über einen faschistischen Staat US-amerikanischer Prägung, in dem "Sex, drugs and rock'n'roll" strikt verboten sind und Verstöße entsprechend hart von der "Robot-Polizei" des faschistischen Herrschers "Dr. Rightous" geahndet werden, endete die erste Ära von Styx, bis sie im Jahr 1996 mit einer Re-Union-Tour, aus der auch das hier verlinkte Konzert stammt, wieder neu aufgerollt wurde.
So if you think your life is complete confusion
Because your neighbours got it made
Just remember that it's a grand illusion
'Cause deep inside we're all the same.
America spells competition
Join us in our blind ambition
Get yourself a brand new motor car!
Someday soon we'll stop to ponder
What on Earth's this spell we're under
We made the grade and still we wonder:
Who the hell we are.
(aus: "The Grand Illusion", 1977)
Leider war der Ausnahme-Schlagzeuger John Panozzo zu dieser Zeit bereits todkrank (er verstarb noch im selben Jahr, noch während der laufenden Tour). Der Rest der Truppe findet sich hier aber - wenn auch sichtlich gealtert und gesetzt - in rockiger Frische wieder zusammen und bietet ein grandioses Feuerwerk aus zwölf Jahren Rockmusikgeschichte, das mich persönlich an so manche mehr oder weniger wilden Episoden oder Dramen aus meiner eigenen Historie erinnert. Details dazu erspare ich mir lieber.
Man könnte es satirisch abhandeln: Die Vollidioten des Blogs "Propagandaschau" haben eine nicht repräsentative Umfrage gestartet, um den "Aufklärer" [sic!] und die "Maulhure" [sic!] des Jahres zu "wählen". Das bietet für sich genommen schon genug Treibstoff, um müde lächelnd abzuwinken und die Irren ihren albernen Propagandakleinkram machen zu lassen .... wenn, ja wenn da nicht die allzu böse Vorlage wäre.
Die Nazi-Bande hat seinerzeit mit exakt denselben Zirkus-Methoden einen gewissen, größtenteils sehr dummen Teil der Bevölkerung manipuliert (der Begriff "Lügenpresse" stammt nicht versehentlich aus dieser finsteren Zeit) - und sie hat dieses makabre Spiel, wenn auch mit der Unterstützung interessierter Kreise, zunächst gewonnen. Wir alle wissen, welches unsägliche Unheil daraus erwachsen ist.
Heute erleben wir denselben Zirkus erneut: Die Spinner des "Propagandaschau"-Blogs nehmen die zunehmenden und nicht mehr zu verleugnenden Auswüchse der kapitalistisch finanzierten Presse zum Anlass, ihrerseits laut trötend ins Propagandahorn zu blasen, um jede ernsthafte Kritik gleich im Keim zu ersticken. So entsteht ein verseuchtes Klima, in dem windige Figuren wie Ken Jebsen in einem Atemzug als "Aufklärer" genannt werden mit nationalkonservativen Hirnverweigerern wie Udo Ulfkotte oder strammen Rechtsradikalen wie Jürgen Elsässer. Den wirklichen Aufklärern, die es in dieser Liste vereinzelt auch gibt, muss diese Gemengelage unsäglich peinlich sein - und alle Alarmglocken zum schrillen Klingen bringen.
Schlimmer als dieser Text und diese Auflistung sind nur noch die Kommentare zu diesem Posting. Ich weiß nicht, ob in jenem Blog zensiert wird und es deshalb keinerlei ernsthaften Widersprüche zu dem Sermon gibt, oder ob dort nur Vollidioten kommentieren, die ihr Hirn allenfalls für das komplikationsfreie Öffnen der Hose beim Toilettengang benutzen - in jedem Fall ist diese schauderhafte Kopie aus der Weimarer Endzeit ein deutliches Alarmsignal für jeden, der sich ein halbwegs waches Resthirn bewahrt hat.
Merken diese Leute, die dort lesen und kommentieren, denn wirklich nicht, dass sie zwar nicht mehr vom Transatlantiker Claas Clever Claus Kleber, dafür aber von anderen, möglicherweise noch übleren Propagandisten am Nasenring durch die Manege geführt und schallend ausgelacht werden?
Die Endzeit war seit 1945 nie näher ... und die "Propagandaschau" ist ein dicker, brauner, übelriechender Wegweiser auf diesem Untergangspfad.
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Aus der guten alten Zeit
(Paul Konewka [1841-1871], Scherenschnitt, in: "Das schwarze Bilderbuch", hg. v. Rolf von Hoerschelmann, 1911; Textzusätze natürlich von Charlie)
Musik wurde und wird stets auch als begleitendes Propagandainstrument der herrschenden Kreise eingesetzt - diese Erkenntnis ist ein alter Hut. Gerade am Beispiel Nazideutschlands lässt sich das wunderbar belegen - man denke nur an die pompösen Massenveranstaltungen, für die beispielsweise Bruckners sinfonisches Werk gerne missbraucht wurde. Dort hörte damals allerdings die perfide Pervertierung der Musik keinesfalls auf: Selbst in den höllischen Konzentrationslagern wurde Musik gezielt zur Demütigung und Verächtlichmachung der Inhaftierten benutzt. Einzig für solche Zwecke gebildete "Häftlings-Orchester" mussten beispielsweise anlässlich der öffentlichen Folterung oder Exekution von Häftlingen aufspielen; ebenso war es üblich, dass fröhliche Musik zum morgendlichen Auszug der ZwangsarbeiterInnen erklingen musste.
Ein recht umfangreicher, informativer Bericht zu diesem Thema findet sich beispielsweise hier, wo man auch diese Passage lesen kann:
Im tristen Lageralltag wurde [Musik] zunächst von der SS-Führung zwangsweise verordnet und damit "automatisch als Repressions-, Folter- und Propagandainstrument" missbraucht. Alle Häftlinge mussten mehrmals am Tag bei den Appellen, beim Marschieren zum Arbeitskommando oder auf dem Rückweg ins Lager lauthals deutsche Lieder, wie etwa "Schwarz-braun ist die Haselnuss" oder "In dem Schatten grüner Bäume lasst uns sing'n und fröhlich sein" anstimmen. Angesichts des Todes, des Hungers und der Erschöpfung bedeutete solcher Gesang für die Häftlinge blanken Hohn und Zynismus, durch den sie tagtäglich gedemütigt wurden. Besonders für ausländische Häftlinge wurde der verordnete Gesang zu einer schrecklichen Schikane, da die meisten weder die Lieder kannten noch der deutschen Sprache mächtig waren, so dass sie in der Menge leicht auffielen und somit Opfer weiterer Misshandlungen wurden. In ihrer Freizeit konnten sich daher viele von ihnen nicht ausruhen, sondern mussten oft unter dem Kommando eines sadistischen SS-Mannes oder Funktionshäftlings die verhassten Lieder einüben. Der kollektive Gesang wurde auf diese Weise "zu einem Mittel regelmäßiger psychischer und physischer Gewaltanwendung umfunktioniert."
Eine ähnliche Rolle spielte Musik, die im Lager im Vorfeld einer Hinrichtung oder als Geräuschkulisse bei Folterungen und Erschießungen gespielt wurde. Zu diesen Zwecken wurden in vielen Konzentrationslagern eigene Orchester gegründet, die solche grausamen Vorstellungen musikalisch untermalen sollten. Zum Beispiel musste nach einem gescheiterten Fluchtversuch der betreffende Häftling beim abendlichen Zählappell in Begleitung der Lagerkapelle mit einer Tafel marschieren auf der stand: "Ich bin schon wieder da!". Der Zug brachte ihn "dann direkt ins Bad zur ,Auszahlung’. Vor dem Bad warteten wir, bis man ihn wieder halbtot und blutüberströmt herausführte. Von dort musste er wieder in Begleitung der Musik um alle Häftlinge herumgehen - in den Bunker." Diese Inszenierung war eine grausame Demonstration der Macht der SS und bedeutete für die Häftlinge eine ungeheuere Demütigung.
(Von einer KZ-Kapelle begleitet, wird ein entflohener Häftling im KZ Mauthausen zur Exekution geführt.)
Darüber hinaus gab es jedoch auch die "andere" Musik - nämlich die Widerstandslieder, die von Häftlingen geschrieben und verbreitet wurden. Bekannt geworden sind davon insbesondere "Das Lied vom Heiligen Caracho" aus dem KZ Buchenwald, das "Bunalied" aus dem KZ Auschwitz oder das "Dachaulied". In der Öffentlichkeit weniger bekannt ist allerdings, dass ein heute als "Folksong" wahrgenommenes Lied ebenfalls aus diesem grausamen Umfeld - nämlich dem KZ Börgermoor im Emsland - stammt. Einer der Verfasser dieses "Börgermoorliedes", Wolfgang Langhoff, berichtete später:
Im Konzentrationslager Börgermoor bei Papenburg werden 1933 in einer Nacht die Gefangenen von den SS-Wachen unmenschlich verprügelt. Nach dieser "Nacht der langen Latten" entsteht bei den Insassen der Plan, etwas für die eigene Ehre zu tun. Man will an einem Sonntag eine Theatervorstellung aufführen, den "Zirkus Konzentrazani", um den Peinigern zu zeigen, dass die Gefangenen nicht den Lebensmut verloren haben. Heimlich entsteht für diese Veranstaltung das Lied "Die Moorsoldaten". Am Schluss der Vorstellung erklingt es zum ersten Mal. Einer der Autoren, Wolfgang Langhoff, erinnert sich: Und dann hörten die Lagerinsassen zum ersten Mal das "Börgermoorlied", das inzwischen schon eine volksliedhafte Popularität erreicht hat. Einer sagte: "Kameraden, wir singen euch jetzt das Lied vom Börgermoor, unser Lagerlied. Hört gut zu und singt dann den Refrain mit." Schwer und dunkel im Marschrhythmus begann der Chor: Wohin auch das Auge blicket ... Tiefe Stille! Wie erstarrt saß alles da, unfähig mitzusingen, und hörte noch einmal den Refrain: Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor ... Leise und schwermütig begannen einige Kameraden mitzusummen. Sie blickten nicht nach rechts und nicht nach links. Ihre Augen sahen über den Stacheldraht weg, dorthin, wo der Himmel auf die endlose Heide stieß. Ich sah den Kommandanten. Er saß da, den Kopf nach unten und scharrte mit dem Fuß im Sand. Die SS still und unbeweglich. Ich sah die Kameraden. Viele weinten.
Zwei Tage nach dieser Aufführung verbot die SS das Lied. - Heute gibt es hunderte von äußerst unterschiedlichen Einspielungen dieses Liedes - von Ernst Busch über Pete Seeger und Hannes Wader bis zu den Toten Hosen und viele, viele weitere.
Die Moorsoldaten
Wohin auch das Auge blicket,
Moor und Heide nur ringsum.
Vogelsang uns nie erquicket,
Eichen stehen kahl und krumm.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.
Hier in dieser öden Heide
ist das Lager aufgebaut,
wo wir fern von jeder Freude
hinter Stacheldraht verstaut.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.
Morgens ziehen die Kolonnen
in das Moor zur Arbeit hin,
graben bei dem Brand der Sonnen,
doch zur Heimat steht ihr Sinn.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.
Heimwärts, heimwärts! Jeder sehnet
sich nach Eltern, Weib und Kind.
Manche Brust ein Seufzer dehnet,
weil wir hier gefangen sind.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.
Auf und nieder gehn die Posten,
keiner, keiner kann hindurch.
Flucht wird nur das Leben kosten.
Vierfach ist umzäunt die Burg.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten ins Moor.
Doch für uns gibt es kein Klagen.
Ewig kann's nicht Winter sein.
Einmal werden froh wir sagen:
Heimat, du bist wieder mein!
Dann ziehn die Moorsoldaten
nicht mehr mit dem Spaten ins Moor.
Es hat tatsächlich satte 70 Jahre gedauert. Erst vor einigen Tagen - im Jahr 2015 - hat in Deutschland das erste und bislang natürlich einzige "Zentrum für verfolgte Künste" auch offiziell eröffnet, das - im Rahmen des Kunstmuseums Solingen - einige der noch erhaltenen Werke der von den Nazis verfolgten und verbotenen Künstlern zeigt. Das Museum sammelt zwar schon länger Gemälde, Grafiken, Zeichnungen, Plastiken und auch Literatur aus dieser bösen Zeit, hat aber erst jüngst das öffentlich geförderte und damit endlich auch staatlich anerkannte "Zentrum" gründen können.
Wie immer in Deutschland geschieht das aber halb- oder eher sechzehntelherzig und kommt zudem um viele, viele Jahrzehnte zu spät. Wer kennt heute die Künstler und Literaten (nicht zu vergessen: die Musiker und Komponisten) noch, die damals geächtet, verboten, verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden? Die Nazis und die schweigende "freiheitlich-demokratische" Nachwelt haben hier ganze Arbeit geleistet - daran kann auch kein provinzielles Museum im Jahr 2015 trotz allen Engagements etwas ändern. Nach 70 Jahren bleibt Vergessenes zwangsläufig vergessen.
Es ist symptomatisch für diese zerfallende Zeit des einmal mehr zur Katastrophe drängenden Kapitalismus, dass solche Projekte heute in einem Rahmen "gefördert" werden, der möglichst wenig Aufsehen erregt und höchstens in interessierten Fachkreisen sowie lokal zur Kenntnis genommen wird. Wäre es den politisch Verantwortlichen tatsächlich ernst, fände dieses Projekt - in weitaus größerem Umfang - in Hamburg, Köln oder Berlin statt und würde nicht bloß durch einen Portokassenbetrag "einmalig" finanziell unterstützt. So aber verkommt das eigentlich so wichtige und längst überfällige "Zentrum für verfolgte Künste" einmal mehr zu einem bloßen politischen Feigenblatt, mit dem sich die Verantwortlichen hübsch schmücken können, ohne tatsächlich etwas Sinnvolles getan zu haben.
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Sieg der Gerechtigkeit (Untergang des Unsterns Hitler)
(Gemälde von Oscar Zügel [1892-1968] aus den Jahren 1933-36, Öl auf Leinwand, Oscar Zügel Archiv, Balingen)
Es ist ein alter Hut, dass die technische Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten mit Siebenmeilenstiefeln vorangeschritten ist und diese Geschwindigkeit auch weiterhin beibehält. Dadurch wurden den Menschen manche begrüßenswerte, sehr viele lächerliche und nicht wenige äußerst gefährliche Neuerungen beschert, die klar belegen, dass es alles andere als wünschenswert ist, dieser Entwicklung tatenlos zuzusehen und sie einfach geschehen zu lassen.
Bei n-tv habe ich letzte Woche einen kleinen Bericht gefunden, der mich einmal mehr an die gruselige Orwell-Welt von "1984" erinnert hat. Dort war zu lesen:
Kamera kann um die Ecke schauen / (...) In Kombination mit einem Laserstrahl ist es einer neuen Kamera möglich, die Bewegung verborgener Objekte darzustellen - eine Weltneuheit.
Konkret geht es darum, dass diese Kamera - auch wenn die Entwicklung noch nicht ausgereift ist - nicht nur Bewegungen aufzeichnen kann, die außerhalb des eigentlichen Sichtfeldes stattfinden, sondern tatsächlich auch nutzbare Bilder davon liefern soll, die Aufschluss darüber geben, wer oder was sich in welcher Weise dort bewegt. Das ist in der Tat ein Meilenstein für den sich manifestierenden Totalüberwachungsstaat, der sich gewaschen hat. Die Entwickler äußern sich dazu natürlich extrem beschönigend (was mich an Einsteins Brief an Präsident Roosevelt erinnert, in dem er diesem zur Entwicklung der Atombombe geraten hat):
Das System könnte beispielsweise bei der Überwachung, bei Rettungsmissionen oder zur Vermeidung von Unfällen eingesetzt werden.
Gewiss, Rettungsmissionen ... - man darf sich auch heute wieder gerne dreimal überlegen, für welche Alternative sich die kapitalistische Terrorbande in ihrem grenzenlosen, menschenfeindlichen Überwachungswahn entscheiden wird, wenn dieses System einsatzbereit ist.
Nun lässt sich die technische Entwicklung freilich nicht aufhalten. Umso dringlicher wird es, die Bürger- und Menschenrechte sowie die Privatsphäre vor derlei Orwell'schen Übergriffen umfassend zu schützen und den unbedingten Datenschutz zu festigen. Ich habe allerdings keine Ahnung, wie das funktionieren soll - mit dem derzeitigen politischen Personal der neoliberalen Einheitspartei ist da selbstverständlich nichts zu machen, da es gegenteilige Ziele verfolgt.
Ich mag mir nicht ausmalen, was die widerliche Nazibande vor 80 Jahren noch alles angestellt hätte, wenn sie über die heutigen technischen Möglichkeiten verfügt hätte. Ebenso will ich mir nicht vorstellen, was aus der heutigen lächerlichen Demokratiesimulation in einigen Jahrzehnten geworden sein mag, wenn die Überwachungstechnik zur Perfektion gelangt ist. Die Rettungsmission "Menschheit und Planet Erde" besitzt keine Auftraggeber, keine Koordination, keine Mehrheit und erst recht keinerlei Aussicht auf Erfolg.
Anja Reschke, Journalistin und Moderatorin vom NDR, hat auf Twitter ein freundliches Schreiben veröffentlicht, das sie am vergangenen Montag per Post erhalten hat. Ob die Redaktion der Titanic, ein verwirrter Pegida-Kasper oder doch bloß die CSU dahintersteckt, ist leider nicht bekannt.
Ich finde, dass diesem ehrenwerten "Vereinspäsidenten" und "ersten Generalsekretär" eine seriöse Möglichkeit geboten werden sollte, seine fundierten Argumente im Rahmen der Meinungsfreiheit zu verbreiten. Daher dokumentiere ich den Schriftsatz hier ebenfalls.
Anlässlich des am Sonntag von den Propagandamedien gefeierten "Klimaabkommens", das aufgrund seiner Absurdität hier nicht weiter kommentiert werden soll (der Kollege flatter hat ein paar passende Worte dazu gefunden), widme ich mich auf meiner heutigen Realitätsflucht dem kleinen Spiel "Homesick" aus dem Hause der US-amerikanischen Independent-Entwickler Lucky Pause aus dem Jahr 2015.
Es handelt sich um ein kleines Endzeit-Adventure, das im wesentlichen von einem einzigen Entwickler - einem Herrn namens Marrett Meeker - in jahrelanger Arbeit allein geschaffen wurde. Zur Geschichte will ich gar nicht so viel schreiben (der unten verlinkte Trailer spoilert schon genug) - daher nur so viel: Die Spielfigur erwacht in einer halb zerfallenen Wohnung, die sich in einer offensichtlich riesigen Hochhausruine befindet - von Anfang an ist es offensichtlich, dass offenbar irgendeine Katastrophe stattgefunden hat. Im Spiel geht es nun darum, dieser Katastrophe auf die Spur zu kommen, was sich allerdings nicht ganz so einfach gestaltet, wie es sich hier liest. Man wird mit allerlei kleinen und größeren Rätseln konfrontiert, die es zu lösen gilt. Dabei wird man vom Spiel völlig allein gelassen, denn es gibt weder eine Karte, noch ein Inventar und erst recht keine Hinweise oder Quests.
Der allergrößte Pluspunkt dieses Werkes ist aus meiner Sicht ganz eindeutig die äußerst stimmige, stets beklemmende (aber niemals wirklich bedrohliche) Atmosphäre. Das fängt bei der fantastischen Grafik (die im Video nicht wirklich wiedergegeben wird) an und hört bei der großartigen Musik, die lediglich aus melancholischen Klavierklängen, gelegentlich verstärkt durch ein Cello, besteht, noch lange nicht auf. Selbst die Texte, die man im Spiel zuhauf findet, muss man sich hart "erarbeiten", denn anfangs versteht man sie gar nicht, sondern muss die fremde, kryptische Sprache erst ziemlich mühsam entschlüsseln, um nachvollziehen zu können, was geschehen ist.
Es ist ein äußerst ruhiges, gemächliches Spiel, in dem es keine Kämpfe, keine Action, keine großen dramaturgischen Bögen gibt - dafür aber ein solches Übermaß an dichter Atmosphäre, dass es mich viele Stunden länger beschäftigt hat, als zur Lösung eigentlich erforderlich gewesen wären. Und natürlich ist es auch ein bedrückendes Spiel, denn die Geschichte, die sich allmählich entblättert, ist alles andere als hoffnungsfroh. Das Merkel-Monster und die übrigen korrupten Pfeifen der politischen "Elite" haben es jedenfalls ganz gewiss nicht gespielt.
Das größte Manko dieses Spieles bleibt die Kürze: Nach wenigen Stunden ist der Ausflug in die Endzeit leider schon vorbei - und bietet dabei ein dermaßen seltsames, frei interpretierbares Ende, das Puristen hassen und Expressionisten lieben werden.
Auf meinem Win7/64-System gab's keinerlei Probleme. Leider ist das Spiel angesichts seines geringen Umfangs recht teuer - momentan ist es für 15 Euro bei Steam zu haben. Für die jahrelange, wenn auch durch "Crowdsourcing" finanzierte Arbeit des Entwicklers ist das allerdings alles andere als zuviel. Solche Kleinode, die es im Genre der Computerspiele so überaus selten gibt und die man getrost als eine neue Kunstform betrachten kann, sollten nach Kräften unterstützt werden.
Fazit: "Homesick" ist ein großartiges Werk, das von vorne bis hinten absolut stimmig ist und zur Pflichtaufgabe für alle SchülerInnen an den Lerninstitutionen des "freien Westens" werden sollte.
(Jean Sibelius [1865-1957]: "Sinfonie Nr. 1 in e-moll", Op. 39 aus dem Jahr 1898; Orchestre de Paris, Leitung: Paavo Järvi; 2013)
Anmerkung: Diese äußerst aufwühlende Musik aus dem hohen Norden dieses von kapitalistischen "Eliten" permanent duchgefickten Planeten bedarf hier keiner verbalen Ausführungen, da sie für sich selbst spricht. Man lösche das Licht, drehe den Lautstärkeregler gen Maximum und öffne seinen Geist den anstürmenden Gedanken und Emotionen.
Als ich diese Sinfonie zum ersten Mal in einem Konzert hörte, habe ich in der Nacht danach kein Auge zugetan, sondern war abwechselnd mit Suizidgedanken und revolutionären Planungen beschäftigt. Aus beidem ist nichts geworden, wie das heutige Posting belegt. Das hat jedoch weniger mit der fantastischen Musik, sondern eher mit meiner eigenen Unzulänglichkeit zu tun. Diese irrsinnige Musik entzieht sich, wenn man nicht sorgfältig aufpasst, jeder geistigen Analyse und schießt wie eine Droge direkt in den Blutkreislauf, um am Schluss in einem wahrhaften Orgasmus zu enden, der aber im Nachhall durch das abschließende Pizzicato fast schon lächelnd ad absurdum geführt wird.
Sibelius hat nach 1926, nachdem er sein letztes Werk veröffentlicht hatte, zwar nicht damit aufgehört, Musik zu komponieren, er hat aber jede einzelne Komposition aus dieser Zeit eigenhändig wieder vernichtet und dafür gesorgt, dass auch im Nachlass nichts mehr davon zu finden ist. Auch in dieser Hinsicht ist er ein glühendes Vorbild für die in unserer Zeit nicht enden wollenden Wiederholungen selbst in den bescheuertsten Bereichen der belanglosesten Popmusik.
Der Kapitalismus tötet jede Kunst, wenn der Künstler nicht gegensteuert.
(Jean Sibelius; Portrait von Eero Järnefelt [1863-1937])
(Caminos: "Der Revoluzzer", aus dem Album "Uns geht die Sonne nicht unter!", 2011. Das komplette Album kann auf der verlinkten Webseite der Band kostenlos heruntergeladen werden.)
Über die Lichterkette zur Volksgemeinschaft: Zum 4. Advent wird noch rechtzeitig das "große Sozialpaket" aufgemacht.
Ein Gastkommentar des Altautonomen
"Meine Kerze leuchtet für Frieden und Liebe", "Wir sind Deutschland!", "Wir sind alle Menschen!", "Gegen Hass und Gewalt!" - Der Aufruf gipfelt in einer erschreckend beliebig interpretierbaren Allgemeinheit von Begriffen und Inhalten, so dass sich viele damit identifizieren können, auch "besorgte Bürger". Selten habe ich einen Aufruf gegen Fremdenfeindlichkeit und für das "gute Exportweltmeister-Deutschland" gelesen, der so starke spontane Abwehrreflexe bei mir hervorgerufen hat.
Mit diesen Aussagen wird zum Jahresabschluss das gute Gewissen vor dem Weihnachtsfest noch mal etwas aufpoliert, damit anschließend sorgenfrei konsumiert und gefeiert werden kann. Horst Fallenbeck (43), gelernter Regierungsassistent, hat die Idee der "Lichterkette von München bis Berlin" (650 km) ins Leben gerufen. Benötigt werden mindestens 600.000 Menschen, 200.000 haben sich bereits gemeldet. Termin: 19.12.2015.
Wieder einmal geht es genau wie bei den Mahnwichteln, Querfröntlern und verkappten Antisemiten um die öffentliche Inszenierung der Auflösung von links und rechts. Denn da stehen sie dann alle im Dunkel des vorweihnachtlichen Abends: Der Chef und seine Angestellten, der Arbeitgeber und seine Gewerkschaft, die SPD und ihre Grünen, die Polizisten und ihre Demonstranten, Obdachlose neben Hausbesitzern - alle schön in Reih' und Glied, um das gute, anständige Deutschland zu verkörpern. Im Grunde tun dasselbe auch die BVB-Fans in der Nordkurve des Stadions. Wer es da noch wagt, das Trennende anzusprechen und konkret zu werden, wird ausgegrenzt. Alles, was sich sowohl unter Täter als auch unter Opfer subsumieren lässt, bildet hier eine völkische Allianz.
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Uniformverbot
Was nützt das Uniformverbot, wenn die Köpfe weiter in Uniform bleiben?
Seit gestern wird wieder zurückgeschossen. "Wir" befinden uns wieder einmal im Krieg - obwohl niemand so genau weiß, wen oder was die Tornados der "Bundeswehr", die eigentlich umbenannt werden müsste in "Bundesangriffsarmee", in Mali und Syrien eigentlich genau bekriegen und was damit erreicht werden soll. Wichtig allein ist die Tatsache, dass unsere durchtriebene schwarz-rot-grüne neoliberale Einheitspartei brav genickt hat und die dämlichen Truppen enthusiastisch in den Krieg, also wieder einmal zum Morden und Sterben schickt.
Ich frage mich zunehmend, wer dieses "Wir" eigentlich ist, das in politischen Reden und vor allem der Propagandapresse in diesem Zusammenhang stets beschworen wird - denn ich gehöre gewiss nicht dazu, da ich keinen Krieg in Afrika oder im Nahen Osten führe, sondern diese abscheuliche Widerwärtigkeit mit jeder Faser meines Körpers zutiefst ablehne. Es kotzt mich geradezu an, dass diese korrupte Bande die Anschläge von Paris nun erneut instrumentalisiert, um ihren perversen Kriegsgelüsten endlich wieder freien Lauf zu lassen - und kaum jemanden interessiert das ernstlich. Sicher, Wagenknecht hat im Bundestag die erwartbare Rede dagegen gehalten, und auch in gewissen Blogs ist durchaus Kritisches zu lesen - aber im Grunde schert sich die große Mehrheit in diesem verkommenen Land nicht weiter darum, sondern folgt einfach dem gewohnten Alltag, der gerade vor Weihnachten - dem (Vorsicht: Brüllwitz!) "Fest der Liebe" - ja recht angespannt und ausgefüllt ist.
Wer führt dort also "im Namen Deutschlands" Krieg - und weshalb? Die Antworten auf diese Fragen kann sich eigentlich jeder halbwegs denkfähige Mensch selbst geben, weshalb ich mich darüber ausschweige. Nur zwei kleine Anmerkungen seien erlaubt: "Die Deutschen" sind es nicht; und der "IS" bzw. die Menschenrechte oder gar irgendwelche verquasten "westlichen Werte" haben damit nicht das geringste zu tun. Dafür hört man in den Konzernzentralen die edlen Champagnerkorken knallen.
Selbstverständlich ist das erst der Auftakt - denn "big money" lässt sich erst dann "verdienen", wenn der Flächenbrand richtig durchstartet. Die Brandbeschleuniger sind großflächig ausgelegt und die Bomber zur Zündung sind bereits in der Luft - das "Fest der Liebe" kann beginnen und seinen hellen, warmen Glanz entfalten. Sieg H..., äh, Hosianna in der Höhe!
(Kleiner Lesetipp dazu (die schleimige Einleitung Bergers sollte man dabei allerdings überspringen): "Ein Brief aus Frankreich")
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Das alte Spiel
Der Boden muss immer mal wieder gedüngt werden, damit der Weizen der internationalen Rüstungsindustrie blüht!
Der gute Völkerbund streicht seine Segel,
Verwirrung herrscht im hohen Genfer Haus.
Auf jeden Fall gilt nun als neue Regel:
wer dennoch Kriege führt, tritt vorher aus!
Man dachte anfangs von dem Institute,
es hätte endgültig den Krieg besiegt -
Und alle wären unter einem Hute,
auch der, wo nicht, hätt’ eins darauf gekriegt -
Doch wo ein Krieg ist, gibt’s auch Lieferungen
von Munition und Werken der Chemie!
Zu lieblich tönt das Liedchen: "Seid umschlungen,
Millionen!" jeder Rüstungsindustrie.
Ein Krieg ist nicht moralisch. Doch im tiefern
Sinn wirkt er wirtschaftlich sehr produktiv -
Wir würden gerne auch nach Japan liefern,
trotz Friedenssehnsucht -: Ja, die Welt ist tief ...
Lässt auch der liebe Gott die Erde beben,
weil ihm dies ew'ge Morden nicht mehr passt -:
die Liebe kann den Markt nicht neu beleben,
Geschäft ist nur, wo sich die Menschheit hasst ...
(Charlie: "Good Morning America", aus dem gleichnamigen Album, 1981)
Good morning America, we're here to start your day
So eat your raising bran, let's get this show under way
Good morning America, we've got our men on the spot
We've got the weather report, where it's cold, where it's hot
If we may we'd like to say the only way to start your day is here
Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!
Good morning America, one more commercial break
We'll tell you what you need to keep your body in shape
Good morning America, we hope you're feeling well
We hope you watch all day, we've got a lot to sell
If we may we'd like to say the only way to start your day is here
Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!
Your TV screen will sell you dreams
and show you life ain't all it seems
Your car's too old, your house too cold,
your furniture should all be sold
But we can show you what you need,
oh we can help you to succeed
In our world everybody smiles,
the PERFECT LIFE in PERFECT STYLE!
Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!
You look around at what you've got,
it never seems to be a lot
It's not the same things that you see
each time you switch on your TV
It's all blue skies and golden hair,
pure white teeth flash everywhere
The perfect housewife waits at home
among the lovely things you own
Good day America (right here)
Good day America ... have a nice day!
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...