Meine Haltung zu den staatlich festgelegten Zwangsgebühren für den öffentlichen Propagandafunk habe ich hier ja gelegentlich schon zum Ausdruck gebracht - und es dürfte gemeinhin bekannt sein, wo der Großteil dieser auch bei den ärmsten BürgerInnen zwangsweise eingezogenen Gelder letzten Endes landet: Die Millionenbeträge für irgendwelche Bespaßungssportveranstaltungen (Fußball, Olympia und andere Apothekenumschauen), die Fantasiegagen für irgendwelche Moderationsdeppen (Gottschalk, Jauch, Kleber & Co.) oder die im Klo heruntergespülten Gelder für dümmliche Shows, Soaps oder andere groteske Desinformations- bzw. Betäubungsformate fallen halt nicht vom kapitalistischen Himmel, sondern müssen - in zunehmendem Maße per Zwangsvollstreckung - bei der eben unter diesem degenerierten Programm leidenden Bevölkerung eingetrieben werden.
Es versteht sich im Kapitalismus von selbst, dass an diesem staatlich garantierten Geldregen jeder Beteiligte um das größte Stück des Kuchens buhlt. So war kürzlich bei n-tv - exemplarisch - zu lesen:
"Tatort"-Ermittler fordern doppelte Gage / Da schlackern einem schon ein bisschen die Ohren, war doch die alte Gage bereits recht flott bemessen - die neue soll dann bitte doppelt so hoch sein. Und eine kleine, aber feine Nebenrolle wird mit nur einem Sechzigstel (!) entlohnt. Das ist doch fast ein Mord-Motiv. (...) / Demzufolge sollen Prahl und Liefers mehr als das Doppelte ihrer bisherigen Gage gefordert haben. Das entspricht 250.000 statt der bisherigen 120.000 Euro pro Folge. Schauspielerin Christine Urspruch, die im Münsteraner "Tatort" ebenfalls mitspielt, erhält laut des Berichts nur [sic!] 4.000 Euro für jede Folge. Bisher gelten Till Schweiger und Maria Furtwängler als die Spitzenverdiener unter den "Tatort"-Kommissaren. (...) Zusammengerechnet könnten demnach 1,25 Millionen Euro auf dem Jahresgehaltsscheck der beiden Schauspieler - allein für ihr Engagement im "Tatort" - stehen.
Auch das "ewige Krimi-Gedöns" kostet eben viel Geld. Talentlose Mimen wie Liefers oder Schweiger, die in einem tatsächlich künstlerischen (also völlig utopischen) TV-Umfeld allenfalls infantile Rollen wie "Chewbacca" oder "Darth Vader" spielen dürften, freuen sich für ihr Engagement über ein fürstliches, kontinuierliches Entgelt - finanziert aus zwangseingetriebenen Gebühren, die eigentlich der Objektivität und Ausgewogenheit journalistischer Beiträge vorbehalten sein sollten, die es allerdings so gut wie gar nicht mehr gibt. Dieses Szenario ist nur noch das platte, verblasste Abziehbild einer Orwell'schen Farce.
Es ist müßig zu fragen, was die beiden Hanseln aus diesem Beispiel, Prahl und Liefers, wohl dazu treibt, ihre abstrusen Forderungen zu formulieren: Ob sie tatsächlich mit 512.500 Euro im Jahr - allein für den "Tatort"-Mist, neben dem sie ja noch in vielen weiteren Filmen mitwirken - nicht auskommen, ist ein im Kapitalismus grundfalscher Denkansatz. Hier in der Hölle geht es für jeden Einzelnen nur darum, den bestmöglichen Profit für sich selbst zu generieren - völlig unabhängig davon, ob der gerechtfertigt, sinnvoll oder gar nötig ist - und erst recht ohne Berücksichtigung der Frage, wer den Mist am Ende tatsächlich bezahlen muss. Irgendeine bekloppte Reklame hat das in der jüngeren Vergangenheit mal auf den widerwärtigen, faschistoiden Punkt gebracht: "Unterm Strich zähl' ich!", hieß es da. Das ist die kürzeste, prägnanteste und abstoßendste Definition des Kapitalismus, die ich kenne.
Wenn der zackige Vollstreckungsbeamte das nächste Mal bei mir klingelt und meine "Schulden" eintreiben will, werde ich ihn mal fragen, ob ich stattdessen nicht einfach eine gebrauchte, aber frisch gewaschene Unterhose für Herrn Schweiger oder Herrn Kleber spenden kann - und bin mir schon jetzt sicher, dass der Mann nicht im Ansatz verstehen wird, was ich ihm damit mitteilen will.
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Der Bankier und seine Frau
(Gemälde von Quentin Massys [1466-1530] aus dem Jahr 1514, Öl auf Holz, Louvre, Paris)
"Die USA sind eine freiheitlich-demokratische, tolerante und weltoffene Nation, die soziale Gerechtigkeit und den Frieden liebt." Für manche der dort lebenden Menschen mag dieses utopische Ideal tatsächlich gelten - die herrschenden Kapitaleliten und ihre politischen Marionetten im "Land of the Free" aber beweisen seit jeher das Gegenteil. Für diese Bagage gilt eher die Feststellung: "Die USA sind eine kapitalistisch-diktatorische, intolerante und faschistoide Demokratiesimulation, die den Reichtum einer kleinen Minderheit fördert und den Krieg zur Profitoptimierung und zum Machterhalt konsequent instrumentalisiert." - Es ist in diesem Zusammenhang nur eine Randnotiz, dass dasselbe für nahezu sämtliche kapitalistische Staaten weltweit - natürlich gerade auch für Deutschland - gilt.
Die Vereinigten Staaten werden ihr Atomwaffenarsenal künftig massiv aufrüsten. Das kündigte US-Verteidigungsminister Ashton Carter bei einem Besuch auf dem Luftwaffenstützpunkt Minot im Bundesstaat North Dakota an. In Minot haben die USA Teile ihrer Atomstreitkräfte stationiert. Demnach wollen die USA in den kommenden fünf Jahren 108 Milliarden Dollar in den Ausbau ihres Nuklearwaffenarsenals investieren.
108 Milliarden Dollar (nur zur Erinnerung: das sind 108.000 Millionen) für Atomwaffen - zur "Abschreckung"? Erinnern wir uns: Da gab es doch mal so etwas wie ein Abrüstungsabkommen mit Russland, das erst 2009 wieder bestätigt wurde, wie damals u.a. im Handelsblattberichtet wurde:
Die USA und Russland wollen den weltweiten atomaren Abrüstungsprozess wieder in Gang bringen. Ziel sei die deutliche „Reduzierung und Begrenzung von strategischen Offensivwaffen“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von US-Präsident Barack Obama und seinem Amtskollegen Dmitrij Medwedjew.
Nur einige Jahre später - 2014 - geisterte plötzlich eine ganz andere Meldung durch die Gazetten: Da wurde Russland plötzlich eine "einseitige Verletzung" dieses Abkommens vorgeworfen:
Die US-Regierung wirft Russland die Verletzung eines bedeutenden Abrüstungsvertrages vor. Das Weiße Haus bestätigte am Dienstag Medienberichte, wonach Moskau eine landgestützte Mittelstreckenrakete getestet habe. Regierungssprecher Josh Earnest sprach von einer "sehr ernsthaften Angelegenheit". Moskau habe den INF-Vertrag von 1987 zwischen beiden Ländern über die Vernichtung aller nuklearen Raketen mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern gebrochen. Russische Militärexperten wiesen den Vorwurf zurück und sprachen von einem "Propagandakrieg".
Belastbare Belege für diesen Vorfall, der auch 2014 schon "Jahre zurückgelegen" haben soll, gibt es meines Wissens bis heute nicht. So ist es nun nur folgerichtig, dass die friedensliebenden USA ein kleines Portokassensümmchen "investieren", um atomar nicht ab-, sondern massiv aufzurüsten. Da können in Washington ja nur fiedensliebende Humanisten am Werke sein, nicht wahr. - Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Ich halte auch die russische Regierung gewiss nicht für pazifistische Menschenfreunde, denen das Gemeinwohl aller am Herzen liegt. Man darf sich aber getrost ausmalen, welche blutrünstige Skandalorgie in westlichen Medien und Polithurenkreisen losgebrochen wäre, wenn bekannt geworden wäre, dass Russland in ähnlichem Ausmaß atomar aufrüstet - und dafür eine derart infantile Begründung bemüht hätte, dass die USA "irgendwann vor Jahren" mal eine [sic!] Mittelstreckenrakete getestet hätten: Man könnte die Texte bei der BLÖD, Welt, FAZ und Co. vor lauter geiferndem Schaum gewiss gar nicht mehr lesen.
Ich behaupte: In sämtlichen korrupten kapitalistischen Politkreisen ist kein einziger Knopfleisten- oder Schlips-Borg an Frieden und Abrüstung interessiert - dort zählen stets nur der sprudelnde Profit der "Elite", der Systemerhalt um jeden Preis und die damit verbundenen Bestechungen persönlichen Geschenke (Geld, Macht, Pöstchen etc.). Und so werden die ewigen kapitalistischen Kriege gegen andere Staaten, gegen Minderheiten und gegen die eigene Bevölkerung immer weitergehen - entweder bis zum "großen Knall", oder bis zum endgültigen Kollaps der Natur auf diesem Planeten.
Am Ende sitzen ein paar hundert Superreiche in ihren luxuriösen Tiefbunkern auf ihren ergaunerten Fantastillionen, weil die Welt draußen atomar und industriell verseucht und/oder aus klimatischen Gründen unbewohnbar geworden ist, und freuen sich auf ihre Emigration zum Mars, wo sie das grauenhafte terrestrische Horrorschauspiel aus der Hölle alles Vorstellbaren ein zweites Mal aufführen wollen. - Auf die nächsten 2000 Jahre in der Hölle 2.0!
Anmerkung: Dieses Konzert ist Gänsehaut pur für jeden Pink-Floyd-Fan. Als besonderes Schmankerl haben die Recken dieser Band es tatsächlich fertiggebracht, zum Song "Another Brick In The Wall" tatsächlich eine Gruppe von Kindern in britischen Schuluniformen auf die Bühne zu stellen, die voller Enthusiasmus die Zeilen schmettern: "We don't need no education / We don't need no thought control / No dark sarcasm in the classroom / Teachers, leave the kids alone".
Eigentlich hatte ich geplant, anlässlich des heutigen Tages der Annexion der DDR exemplarisch einen kleinen Text zu schreiben, der sich mit den jüngsten Aktivitäten des Bundespräsipredigers Gauck befasst, der sich bekannter und gelogener Maßen nach wie vor als DDR-"Widerstandskämpfer" feiern lässt. Nun ist mir Thorsten aber schon zuvorgekommen und hat alles Notwendige dazu geschrieben. Ein Auszug:
Der Gipfel der Perversion wurde aber jetzt in Barby Jar erreicht, wo der Bundes-Selbstdarsteller an der Seite des Swoboda-Nazis Andrej Parubij den Opfern des Massakers an ukrainischen Juden vor 75 Jahren gedachte. / Was für eine üble Realsatire: Ein Nazi, ein Angehöriger jener Partei, die sich in der Tradition der Bandera-Bande sieht, die damals mit jenen Schlächtern, die für dieses Massaker verantwortlich war, kollaborierte bzw. tatkräftig dabei half (viele SS-Angehörige dort waren Ukrainer), und [welche] diese Leute als "Helden" verehrt, ist bei so einer Gedenk-Veranstaltung dabei! Welche Verhöhnung der Opfer! Und ein deutscher Bundespräsident stellt sich noch daneben und lässt sich mit dem fotografieren.
So ist das eben in diesem korrupten System: Wer im Kapitalinteresse handelt, gehört automatisch zu den "Guten" - ganz egal, ob es sich um Nazis (Swoboda), Terroristen ("gemäßigte Rebellen") oder auch eine feudalistische Gewaltherrschaft (Saudi Arabien) handelt. Der Pastor ist zur Stelle, schwingt wahlweise scheinheilige Betroffenheits- oder dämliche Freiheitsreden und wird wohlwollend und kritiklos von der Systempresse begleitet.
Zum 3. Oktober bleibt nun noch die mantraartig beschworene "Freiheit", die tatsächlich nichts weiter als ein weiterer Begriff des neoliberalen Neusprechs ist: Auch in der ehemaligen, rechtswidrig von der BRD annektierten DDR gab es keine so überbordende und stetig zunehmende staatliche Überwachung wie das heute der Fall ist, und die vielgerühmte "Reisefreiheit" gibt es selbstverständlich nur gegen Bezahlung: Wer sich das Reisen nicht leisten kann - und das sind immer größere Anteile der zwangsverarmten, ausgebeuteten Bevölkerung - muss weiterhin brav zuhause bleiben.
Die kapitalistische "Freiheit" endet freilich unverzüglich, falls ein Mensch obdachlos wird: Die "Freiheit", sein Lager unter der Brücke, im Wald oder sonstwo aufzuschlagen, existiert in diesem System selbstredend nicht. Wer das tut bzw. tun muss, wird sofort polizeilich oder "ordnungsamtlich" verfolgt und kriminalisiert, sobald er entdeckt bzw. denunziert wird. Es darf schließlich nicht sein, dass jemand einfach so existiert, ohne dafür zu bezahlen.
Wenn heute wieder überall die lächerlichen schwarz-rot-uringelben Fahnen geschwenkt werden, sollte man das zum Anlass nehmen, eindringlich darüber nachzudenken, welche wahrlich historische, in absehbarer Zeit nicht mehr wiederkehrende Chance in der ehemaligen DDR und im gesamten Osteuropa vertan wurde.
Vor einigen Tagen hat der üble Rechtsextremist "Martin" - der vor nicht allzu langer Zeit seine Kommentare noch mit der pathetischen Hohlfloskel "Martin, der seinen Mantel teilt" unterschrieb - in seinem hier letzten Kommentar vor der dann erfolgten Sperrung ausgerechnet den Staat Ungarn angepriesen, in dem - im Gegensatz zu Deutschland - offenbar Milch und Honig fließen, wenn man den Ausführungen der Hohlbirne Glauben schenken möchte.
Wie wundervoll es tatsächlich im faschistoiden Ungarn des Viktor Orbán zugeht, ließ sich kürzlich bei n-tv nachlesen. Dort heißt es unter anderem:
Einem Bericht der Menschenrechtsorganisation [amnesty international] zufolge werden Flüchtlinge in Ungarn regelmäßig Opfer von Misshandlungen oder grundlos monatelang eingesperrt. / (...) Dabei komme es, wie Zeugen berichten, zu Schlägen, Tritten oder Angriffen durch Hunde. Flüchtlinge, die versuchten, einen der wenigen legalen Grenzübergänge nach Ungarn zu nutzen, müssen dem Bericht zufolge oft zu Hunderten wochenlang in völlig überfüllten Lagern in Serbien [sic!] ausharren. Alleinreisende Männer würden grundlos wochenlang eingesperrt. / Selbst die Mehrheit der anerkannten Flüchtlinge darf nach Angaben von Amnesty die Lager nicht verlassen. Auch dort komme es regelmäßig zu Übergriffen. Oft müssten die Menschen in unhaltbaren hygienischen Zuständen und ohne ausreichende medizinische Versorgung leben.
Da Martin ja gerne nach Ungarn auswandern möchte, wie er schrieb, wünsche ich ihm schon jetzt viel Spaß im Lager. Vielleicht hilft ihm dieser Aufenthalt ja dabei, seine glühende Liebe zur faulig-braunen AfD einer selbstkritischen Analyse zu unterziehen - auch wenn ich wenig Hoffnung habe, dass ein verbohrter Rechtsextremist jemals das Potenzial seines Gehirnes entdeckt.
Es lohnt sich übrigens gar nicht, überhaupt danach zu fragen, was unsere "geliebte Bundesregierung", die nicht minder widerlich handelt und ebenfalls Lager in der Türkei und Nordafrika toll findet, gegen die faschistischen Entwicklungen in Ungarn tut. Die Antwort ist kurz und eindeutig: Nix. Wieso sollte die schwarz-rot-grün-uringelbe Bande einem Gesinnungsfreund - auch wenn Orbán offiziell nicht so genannt werden darf, um die hiesige Demokratiesimulation nicht zu gefährden - auch Knüppel zwischen die Beine werfen?
EU-Parlamentspräsident Martin Schulz [SPD] hat deshalb ein europäisches Flüchtlingsabkommen mit Ägypten [sic!] vorgeschlagen, das sich an der Vereinbarung mit der Türkei orientieren soll.
"Flüchtlingsabkommen" ist ein widerliches, neoliberales Neusprech-Wort für "Lager" außerhalb der nationalen Grenzen. Es geht hier nicht um Hilfe für Flüchtlinge, sondern um eine möglichst drastische Abschreckung und eine rigorose Immigrationsbegrenzung oder gar die gänzliche Unterbindung von Hilfe. Orbán handelt also ganz im Sinne der korrupten, menschenfeindlichen Politbande - aber Pfeifen wie Martin und andere AfD-, Front-National- oder British-National-Front-Spacken werden das gruselige Sumpftheater, in dem sie einmal mehr willfährig die nützlichen Deppen spielen, wohl nie begreifen.
Die Erzählung von Algis Budrys, die ich heute vorstellen möchte, ist wie so oft in der ernsthaften Science-Fiction-Literatur eine wunderbare Parabel, die man mit kafkageschulten Augen lesen sollte, um ihre Tiefen sowie den Realitätsbezug dieser Geschichte erkennen zu können. Im Klappentext heißt es:
In einer Oase um einen domartigen Turm, der ihnen Atemluft und Wasser liefert, leben Menschen in einer kleinen Gemeinschaft von Bauern und Jägern. Die Wüste ringsum wird von feindseligen Amsiren durchstreift, seltsamen geflügelten Geschöpfen, die den Menschen als Nahrung dienen.
Als der "weiße Jackson", der Held dieser Erzählung, seinen ersten Amsir erlegt, macht er eine bestürzende Entdeckung. Und bei seiner nächsten Begegnung mit einem der drachenähnlichen Wesen begibt er sich in dessen Gewalt und gelangt in die Siedlung der Amsire, wo Jackson zu seiner Verblüffung ebenfalls einen domartigen Turm vorfindet.
Es wird allmählich klar, dass es sich bei den seltsamen "Domen" um ehemalige Raumschiffe handelt und dass der Planet von Überlebenden verschollener Raumschiffe besiedelt ist. Aber die gemeinsame Existenz von Menschen und Amsiren auf dem seltsamen Wüstenplaneten wird immer rätselhafter ...
Ich habe dieses lediglich 142 Seiten umfassende Büchlein seinerzeit in einer einzigen Nacht gelesen und mir danach tagelang vorgestellt, wie man diesen fantastischen, dramaturgisch exzellenten Stoff in ein filmisches Epos verwandeln könnte. Es ist ein intellektueller Jammer, dass stattdessen infantile, strunzdumme Märchen wie "Star Wars" auf die Leinwand gebracht wurden.
Die "Dome" aus der deutschen Übersetzung sind natürlich im Original Dornen ("thorns"), was zum Verständnis der Geschichte jenseits des Trivialniveaus deutlich beiträgt. Selbstredend hat der Heyne-Verlag auch dieser Erzählung einen grenzdebilen, neuen Titel verpasst: "Das verlorene Raumschiff" versprach zur Zeit der Veröffentlichung wohl einen höheren Profit als der Originaltitel "Der eiserne Dorn". Die "Marketing"-Schlips-Borg waren auch vor 30 Jahren schon aktiv und haben ihre stinkenden Kotspuren hinterlassen.
Letztlich handelt es sich hier um eine fantasievoll verschlüsselte Beschreibung und Analyse des Kalten Krieges zwischen der damaligen UdSSR und den USA. Vor diesem Hintergrund ist die Lektüre gleich doppelt so spannend, da der Autor in Ostpreußen als litauischer Staatsbürger geboren wurde (es lohnt sich, in diesem Zusammenhang etwas mehr über die Geschichte Litauens aus dieser Zeit zu lesen), aber in den USA aufgewachsen ist. Die westliche Propaganda, die aus dem "bösen", russischen Gegner gar "drachenähnliche Wesen" macht, wird hier schonungslos enthüllt - und erlebt heute dennoch eine widerliche Renaissance, die sich gewaschen hat.
Dieses wunderbare Buch passt in unsere schaurige Zeit wie die säbelrasselnden Schlipsgewürgten aus der Politik und den Medien, die es offenkundig gar nicht abwarten können, bis der nächste Krieg gegen Russland endlich beginnt - selbstverständlich, wie immer, ohne ihre persönliche Teilnahme.
(Algirdas Jonas Budrys [1931-2008]: "The Iron Thorn", 1972; dt. "Das verlorene Raumschiff", Heyne 1984)
Ich habe keine Lust mehr, Blogbeiträge zu kommentieren. Ich bin diesbezüglich inzwischen so unendlich müde und gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass die demokratisch domestizierte Linke auf fundamentale Kritik an den kapitalistischen Verhältnissen nur noch im Abwehrmodus reagieren kann und rigoros versucht, all diejenigen auszugrenzen, die nicht bereit sind, ihren Vorstellungen von einem reformistisch veränderbaren Kapitalismus zu folgen.
Die Unfähigkeit, den Kapitalismus in einem historischen Zusammenhang zu analysieren und in seinem jetzigen Stadium adäquat darzustellen, um daraus die richtigen Schlüsse für politisches Handeln zu ziehen, ist dafür typisch.
So wie ich das einschätze, ohne auf individuelle Motive ihrer Protagonisten einzugehen, haben sie ihren Kapitalismus doch unendlich lieb. Sie sind zwar nicht unbedingt blind für die sozialen Verwerfungen, aber im Sinne einer Auferstehung des Keynesianismus oder einer Variante à la Wagenknecht im Sinne des "guten alten" Ordoliberalismus nach Ludwig Erhard sind sie ernsthaft der Meinung, dass sich diese Verwerfungen bezüglich der Lohnarbeit wieder "erträglicher" gestalten ließen.
Dass der Kapitalismus aber nicht hinter eine einmal erreichte Entwicklungsstufe zurücktreten kann - z.B. Exklusion der Arbeit aus der Produktion durch konkurrenzinduzierten Produktionsfortschritt und damit einhergehend einem ständig wachsenden Ressourcenverbrauch und zunehmender Umweltbelastung -, darauf gibt es von reformistischen Linken immer nur die gleichen Antworten: Das alles sei mit dem und im herrschenden System regulierbar.
Der "Altautonome" hat hier kürzlich einen Link zu einem Beitrag von Thomas Ebermann gepostet. Ich habe ebenfalls schon einmal beim Flatter einen Link zu einem Textbeitrag von Ebermann eingestellt (siehe unten) und einiges daraus auch zitiert. Die Reaktionen darauf waren entsprechend: Gerade von linker Seite hagelte es überwiegend Abwehrreaktionen. Selbst Flatter wehrte die Kritik geschickt ab mit dem Hinweis, dass vieles von Ebermann ja zutreffend sei, dieser aber doch "wie immer krampfhaft" hinter allem nach Antisemitismus und Antiamerikanismus suche, wo keiner sei, und den er selbst nirgendwo entdecken könne.
Sorry, ich bleibe erstmal für lange Zeit bedient.
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Ein Zeitkind
[Oder: Realpolitik]
"Lasst mich aus mit Idealismus, Ehrlichkeit und so weiter. Die jetzige Zeit verlangt Politiker."
(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 04.03.1919)
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Anmerkung von Charlie: Es ist bewundernswert, dass Troptard bei diesem hässlichen Thema so sachlich bleibt. Es ist aus meiner Sicht noch hinzuzufügen, dass reformistische Kreise damals wie heute der wesentliche Grund für eine öffentlich wahrgenommene bzw. inszenierte "Spaltung der Linken" waren und sind - obgleich es diese Spaltung de facto gar nicht gibt, denn wer sich - in welcher Form auch immer - dem kapitalistischen System unterwirft, kann nach meiner Definition nicht mehr als "links" bezeichnet werden. Zur Inszenierung gehört auch der infantile Vorwurf ausgerechnet jener sich dem Kapital anbiedernden Kreise gegen antikapitalistische Linke, eben jene "Spaltung" zu forcieren, die sie tatsächlich höchstselbst betreiben. Der unsägliche Lapuente ist ein beredtes Beispiel dafür.
Wer das allen Ernstes für „linke“ Politik hält, darf sich getrost den Eselshut aufsetzen und sich zu „Berufsverbot“-Lapuente und Berger in die Schamecke gesellen. Es ist nicht zu ertragen, mit welcher Penetranz hier die Positionen der elitären, superreichen Bande (Macht-, Besitz- und Klassenerhalt um jeden Preis) vertreten und dennoch schamlos als „links“ ausgegeben werden.
Wer hier Optimismus verkündet, sitzt in drei Monaten auch debil unterm Weihnachtsbaum und wundert sich augenreibend, dass das „Christkind“ merkwürdiger Weise gar nicht kommt.
Karl Kraus ist seinerzeit noch deutlicher geworden, als er 1909 lapidar schrieb:
„Sozialpolitik ist der verzweifelte Entschluss, an einem Krebskranken eine Hühneraugenoperation vorzunehmen.“
Bergers jauchzendes Gebelle könnte glatt lustig sein, wenn es nicht gleichzeitig so traurig, anbiedernd systemkonform, intelligenzfeindlich und absolut fatal wäre. Die Quandts und Mohns klopfen ihm hämisch grinsend und wohlwollend auf die Schulter: „Weiter so, Stiefelknecht!“
@ Heldentasse: Du hast das hirnschmelzende Wort „Realpolitik“ vergessen. Schließlich wusste schon der „linke“ Helmut Schmidt, dass, wer Visionen hat, zum Arzt gehen solle.
Merkt denn tatsächlich niemand hier, dass das Herumdoktern am kapitalistischen System genauso sinnvoll ist wie das „Organisieren“ eines Stückchen Brotes im Gefangenenlager? Das hilft einer kleinen Gruppe womöglich, die nächsten Tage weiter durchzuhalten – geht aber auf Kosten aller anderen Gefangenen, während die hochwohlgeborene Herrschaft – wie immer – völlig unberührt bleibt.
Es ist im Übrigen ein wirkliches Hammerargument, dass man keine kommunistischen Veränderungen anstreben sollte, da solche vaterlandslose Gesellen „politisch gar nichts zu melden“ haben. Wann, bitte, war das in der gruseligen Geschichte des Kapitalismus denn anders? Und wie sollte das im Rahmen dieses Systems auch anders sein? Genau deshalb muss doch gerade heute endlich wieder in diese Richtung gedacht und gehandelt werden.
Das (ohnehin nicht ernst gemeinte) linke Märchen von der „Überwindung des Kapitalismus“ auf politischem Weg ist so dermaßen infantil und dumm, dass ich mir lieber tagelang Serienfolgen der „Biene Maja“ reinziehe.
Da sprüht der Optimismus doch feuerwerksgleich aus allen Poren – die Linkspartei oder Gestalten wie der greise Herr Corbyn werden es gewiss richten.
Und jetzt schauen wir wieder dem Sandmännchen, dem Dauergast in den vernebelten Hirnwindungen der Bergers und Lapuentes, zu.
Der "Sozialdemokrat" Corbyn wird bejubelt, der Linke Ebermann wird ignoriert oder gar niedergemacht - allein diese kleine Anekdote erzählt schon weite Teile des gruseligen Märchens von der "Spaltung der Linken".
Ich bedaure es zutiefst, dass Menschen wie Troptard oder auch der Altautonome beschlossen haben, sich künftig in Kleinbloggersdorf nicht mehr oder nur noch selten zu Wort zu melden. Es war in den letzten Jahrzehnten doch nie so wichtig wie heute, gerade diese kritischen Stimmen zu hören und dem zunehmenden Abdriften der Linken in den übelriechenden, kapitalistischen Einheitsbrei etwas Substanzielles - also etwas Linkes - entgegenzusetzen.
Auch wenn der Titel etwas anderes suggeriert: Es geht hier nicht um meinen Lieblingsspinner Roland Faulfuß, auch wenn der aktuell mal wieder einen richtigen Klopper herausgehauen hat, der jedem Musik- und Literaturwissenschaftler zuerst die Haare zu Berge stehen lässt und sodann in eine unvermeidliche Glatze mündet, weil die Haarpracht vor soviel Stumpfsinn kapituliert. Einen derartig dämlichen, sachlich in jeglicher Hinsicht falschen und - natürlich - esoterisch verbrämten Schwurbeltext über die künstlerische Epoche der Romantik habe ich nie zuvor konsumieren müssen.
Aber das ist heute nicht mein Thema. Ich saß nämlich heute vormittag hochkonzentriert am PC und war mit der Erstellung einer Partitur beschäftigt, als mich das hässliche Schrillen meiner Wohnungsklingel aus der musikalischen Welt riss. Da ich keinen Besuch erwartete und die - inzwischen groteskerweise ja mehreren - Post- und Paketdienste bereits ihren Reklamemüll abgeladen hatten, war ich alarmiert und rechnete mit dem Verfassungsschutz, dem zackigen Vollstreckungsbeamten oder der Polizei, die mich aufgrund kapitalismusfeindlicher Aktivitäten im Auftrag der hohen Herrschaft in den Kerker schaffen soll.
Als ich die Tür öffnete, standen dort aber bloß zwei Damen mittleren Alters, die so gekleidet waren, als seien sie direkt von einem CSU- oder AfD-Parteitag angereist. Entsprechend verkniffen waren auch die Gesichter.
"Wir wollen mit Ihnen über Gott sprechen!"
Ich hatte wohl doch recht: Das müssen Jobcenter- oder andere Staatsschergen sein! Ich reagierte aber zu langsam und fragte bloß: "Warum? Ist das Kapital in Gefahr?"
Dann folgte ein auswendig gelernter Sermon, der mir offenbarte, dass es sich hier offensichtlich um "Zeugen Jehovas" handelte. Da sprang endlich mein innerer Schalter um und ich unterbrach die Heilsverkündigung der Damen:
"Es tut mir leid, aber ich bin Satanist."
Es folgte konsterniertes Schweigen, ungläubiges Glotzen. Dann die Nachfrage:
"Sie beten den Unaussprechlichen an???"
Ich grinste diabolisch (oder wahlweise dämlich - je nach Sichtweise) und nickte bloß. Nach einer Kunstpause fügte ich noch hinzu:
"Ich bin gerade mit einem uralten Ritual aus einem antiken Buch beschäftigt, mit dem ich Satan beschwöre. Sie sollten also besser Vorsicht walten lassen, damit er Sie nicht auffrisst, wenn er gleich hier erscheint. Mir fehlen nur noch etwas Jungfrauenblut sowie eine zu verbrennende Bibel ... können Sie mir da vielleicht aushelfen?"
Vielleicht hätte ich mir etwas mehr Zeit lassen sollen, denn nach dieser Bemerkung flüchteten die beiden Damen sehr schnellen Schrittes von meiner Haustür. Eigentlich schade, denn ich hätte mich mit den Fachfrauen doch sehr gern noch ausführlicher über Religiotismus, den "lieben Gott" und abnormale Sexualpraktiken unterhalten. So muss ich mich mit dem Flyer begnügen, den die beiden Schranzen zurückließen:
Besser könnte auch Faulfuß den religiotischen Irrsinn nicht formulieren. Ich bin mir inzwischen fast sicher, dass er mir die beiden Schrapnellen auf den Hals gehetzt hat ... ;-) Deshalb möchte ich ihm die Worte des nicht ganz unbedeutenden romantischen Dichters Heinrich Heine mit auf den Weg geben, der 1840 in seinem Tagebuch notiert hat:
Der Sklave, der dem Herrn gehorcht ohne Fessel, ohne Peitsche, durch das bloße Wort, ja durch einen Blick – die Knechtschaft ist in ihm selbst, in seiner Seele. / Schlimmer als die materielle Sklaverei [ist] die spiritualisierte – man muss [die Menschen] von innen befreien, von außen hilft nichts. (...)
Kampf der Philosophen gegen die Religion: [Sie] zerstören die heidnische, aber eine neue, die christliche, steigt hervor, auch diese ist bald abgefertigt, doch es kommt gewiss eine neue, und die Philosophen werden wieder eine neue Arbeit bekommen, jedoch wieder vergeblich: die Welt ist ein großer Viehstall, der nicht so leicht wie der des Augias gereinigt werden kann, weil, während gefegt wird, die Ochsen drinbleiben und immer neuen Mist anhäufen.
Ich mache ja höchst ungern Werbung für irgendein Produkt - wenn es allerdings kostenlos ist, sinkt meine Hemmschwelle deutlich. Das Thema Anonymität im Internet ist ja hochaktuell, da nach wie vor - auch wenn darüber in den meisten Medien nicht mehr berichtet wird - Geheimdienste und andere obskure Organisationen (beispielsweise Konzerne) sämtliche verfügbaren Daten abschnüffeln, archivieren und nach Möglichkeit auswerten.
Bislang war es mit etwas Aufwand verbunden, diesen Schnüffeleien zu entgehen, beispielsweise durch die Benutzung eines TOR-Browsers. Nun gibt es aber endlich einen Browser, der über ein integriertes VPN-System ("Virtual Private Network") verfügt, das mit zwei Mausklicks an- oder abgeschaltet werden kann, nämlich die aktuellste Version von Opera (Version 40).
Ich habe diese Version bereits seit einigen Tagen auf dem Rechner, bin aber erst jetzt durch den WDR-Blogger Jörg Schieb auf diese neue, grandiose Funktion aufmerksam gemacht worden:
Ein kostenloses VPN. Das wollte ich direkt ausprobieren. Denn VPNs sind eine praktische Sache: Wer in einem VPN surft, kann seinen aktuellen Aufenthaltsort verschleiern, etwa um Werbenetzwerken eine lange Nase zu machen oder um Videoinhalte zu sehen, die in seinem Land eigentlich geblockt sind. Viel wichtiger aber ist, dass im VPN alle übermittelten Daten verschlüsselt werden. Abhören: Nahezu unmöglich. Deswegen empfehle ich immer und gerne, ein VPN an den Start zu bringen, vor allem, wenn man sich in einen öffentlichen WLAN-Hotspot begibt.
Zusätzlich ist in dieser Opera-Version ein Werbeblocker integriert, den man ebenfalls in den Einstellungen mit einem Häkchen aktivieren kann. - Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber, wie fast immer, trotzdem: Falls man für den Start des Browsers die persönlich gestaltbare Startseite ausgewählt hat, wird dort leider auch Reklame angezeigt - die sich allerdings durch einmaliges Wegklicken dauerhaft (!) entfernen lässt.
Ich empfehle jedem, diesen Browser - und sei es auch nur als parallel benutzbare Alternative zum bisherigen Standard-Browser - zu installieren, die VPN-Funktion sowie den Werbeblocker zu aktivieren und fortan der NSA, dem BND, dem Verfassungsschutz, den Reklamespastis, der GEMA und sonstigen menschenfeindlichen Überwachungsfetischisten und habgierigen Krämerseelen das blanke Arschloch zu präsentieren, auf dass sie ausführlich daran lecken mögen.
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Nachtrag 29.09.16: Trotz anderslautender Information der Entwickler ist die Opera-Version 40 offenbar nicht kompatibel mit dem Betriebssystem Windows Vista/32. Auf meinem Win7/64-System läuft sie hingegen problemlos.
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Selbstbildnis mit blauer Mauritius und verschissener Unterhose
(Gemälde von Albert Oehlen [*1954] aus dem Jahr 1984, Öl auf Leinwand, "Sammlung Schürmann", Herzogenrath)
(The Police: "Message In A Bottle", live in Japan, 2008; Original aus dem Album "Reggatta de Blanc", 1979)
Just a castaway an island lost at sea-o
Another lonely day, no-one here but me-o
More loneliness than any man could bear
Rescue me before I fall into despair-o
I'll send an S.O.S. to the world
I'll send an S.O.S. to the world
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
Message in a bottle, yeah
Message in a bottle, yeah
A year has passed since I wrote my note
But I should have known this right from the start
Only hope can keep me together
Love can mend your life but love can break your heart
I'll send an S.O.S. to the world
I'll send an S.O.S. to the world
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
Message in a bottle, yeah
Message in a bottle, yeah
Walked out this morning, I don't believe what I saw
A hundred billion bottles washed up on the shore
Seems I'm not alone in being alone
A hundred billion castaways looking for a home
I'll send an S.O.S. to the world
I'll send an S.O.S. to the world
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
Message in a bottle, yeah
Message in a bottle, yeah
Das wollte Robert Gernhardt unter anderem: Die Welt nicht als dümmeren Ort verlassen, als er sie vorgefunden hatte. Ob ihm das gelungen ist, will ich nicht beurteilen; dass mir es nicht gelingen wird, ist so gut wie sicher.
"Die Biester sind Gott sei Dank genau wie die Menschen. Wenn sie nichts zu fressen kriegen, sind sie zu schlapp zum Beißen, und wenn sie zu fressen haben, zu faul."
Die ostdeutsche Provinz (Berlin) hat "gewählt" - es ist also an der Zeit, einmal zurückzuschauen, was die als "Gegenkraft" zur neoliberalen Einheitspartei (NED) auftretende Linkspartei in den vergangenen zehn Jahren dort bewirkt hat. In der Jungle World war dazu kürzlich ein äußerst informativer Artikel zu lesen, in dem es unter anderem heißt:
In der zehnjährigen Regierungszeit wurden über 35.000 Stellen im öffentlichen Dienst abgebaut, was einem Anteil von mehr als 23 Prozent entsprach. 100.000 Wohnungen aus den landeseigenen Baugesellschaften wurden verkauft und die Berliner Wasserbetriebe teilprivatisiert. Das unbestreitbare Glanzstück aber gelang dem Bürgermeister und Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) und seinem sozialdemokratischen Kollegen in der Finanzverwaltung, Thilo Sarrazin (SPD). 2003 fädelten die beiden den Austritt Berlins aus dem kommunalen Arbeitgeberverband ein, mit [dem] eine Kürzung der Gehälter der Landesangestellten um bis zu zwölf Prozent einherging. Durch Ausgründungen von einzelnen Bereichen öffentlicher Betriebe, wie etwa bei der BVG und der Charité, konnten dann schließlich die Gehälter teilweise nochmals um bis zu zehn Prozent abgesenkt werden. Hinzu kamen die Erhöhungen von Gebühren, beispielsweise bei den kommunalen Kindertagesstätten, Eintrittserhöhungen in Schwimmbädern, die Aufhebung der Lehrmittelfreiheit in den Schulen, Reduzierungen der Pflegegeldzuschüsse, Kürzungen bei Jugendprojekten und Universitäten und die Aufhebung der Ladenschlusszeiten. Die Liste ließe sich noch erweitern.
Das muss man sacken lassen. So viele soziale Wohltaten auf einem Haufen findet man selbst in grausigsten CSU-Kreisen äußerst selten; sogar Menschenfeinde wie Schäuble oder de Maizière schielen neidisch und geifernd auf diese inhumanen Errungenschaften.
Nun fragt sich ein beklommener Bürger wie ich angesichts dieser Farce ja unwillkürlich, wieso zur Hölle die verkommene Bande sich so strikt asozial verhält - aber auch auf diese Frage bietet der verlinkte Artikel eine plausible Antwort:
Damit wird vor allem deutlich, dass es in der Landespolitik neben dem Standortwettbewerb, der mit dem Mittel der Gewerbesteuer geführt wird, um Verwaltung geht – und um Posten für die Parteien. In nur wenigen anderen Bereichen beziehen Protagonisten, die keine besonderen Fähigkeiten mitbringen, so gute Gehälter.
Natürlich. Es geht ums eigene Bankkonto, um die Sicherung von Posten und einen trockenen Platz am Fleischtrog. Wir befinden uns nach wie vor in den Höhlen der Steinzeit und bewundern eine entsprechend steinzeitliche Parteienlandschaft. Ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich ekelerregender finde - dieses perverse System oder die aalglatten, eigennutzorientierten Arschlöcher, die in eben diesem System auch noch Karriere machen.
Ich freue mich nun wahnsinnig auf die "neue Regierung" in Berlin - ob sie diesmal wohl wieder so effizient dem Kapital in den übelriechenden, braun verklebten Anus kriecht und den Schwächsten mit Schmackes die Fressen blutig haut? Ich nehme Wetten entgegen. Die Linkspartei in der ostdeutschen Provinz beherrscht das jedenfalls in Perfektion.
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Arbeiter auf dem Heimweg
(Gemälde von Conrad Felixmüller [1897-1977] aus dem Jahr 1921, Öl auf Holz, Privatbesitz [sic!])
Die heutige Buchempfehlung der Gebrüder Arkadi und Boris Strugazki, auf die ich an anderer Stelle schon Bezug genommen habe, gehört heute längst zum Fundus der Weltliteratur. Der Suhrkamp-Verlag beschreibt diese ausgesprochen aktuelle Erzählung im Klappentext mit den folgenden Worten:
Die erste Invasion der Marsianer fand bekanntlich in H.G. Wells Roman "Krieg der Welten" (1898) statt. Wells' Marsianer überfielen die Menschheit mit Hitzestrahlen und Kampffahrzeugen, und sie ernährten sich vampirisch von menschlichem Blut. Die "Marsianer" der Strugazgis gehen weit weniger gewaltsam, dafür aber noch heimtückischer vor. Ihre Invasion vollzieht sich unversehens, heimlich und leise. Durch Flüsterpropaganda und eine Flut von Gerüchten geht der Mensch seiner Rolle als "Krone der Schöpfung" verlustig, und aus rein opportunistischen Erwägungen lässt er sich die Herrschaft der "Marsianer" willig gefallen.
Die Kölnische Rundschau resümierte - freilich, wie sollte es auch anders sein, viel zu kurz und simpel gedacht - über diese Erzählung:
Eine Groteske in Science-Fiction-Manier, eine Parabel der Feigheit und Anpassung. Die beiden Russen knüpfen in ihrer Erzählweise an die große Tradition ihres Landes an, an Gogol zum Beispiel.
Es versteht sich von selbst, dass - in guter Science-Fiction-Tradition - mit den "Marsianern" hier gewiss keine grünen Männchen vom Nachbarplaneten gemeint sind - das Büchlein ist nichts anderes als eine wunderbare Parabel auf die absurden Verwerfungen und Deformierungen, die der Kapitalismus unweigerlich und äußerst logisch in der menschlichen Gesellschaft unserer Zeit produziert. Bei der Lektüre dieser Erzählung drängen sich die hohlen Phrasen der Merkels, Gabriels, Petrys, Özdemirs et al. förmlich und schmerzhaft auf - es lässt sich hier Wort für Wort nachlesen, wie eine Gesellschaft sich vollkommen ohne Zwang und Not willfährig einem zerstörerischen Katastrophen-Regime ausliefert und dabei nicht müde wird, immer wieder unbeteiligte Dritte für das allmählich immer stärker werdende Fiasko und den zunehmenden Verfall verantwortlich zu machen.
Auch Wells' Vorlage war bereits eine deutliche Kapitalismuskritik, was von den vorhandenen, schaurigen Hollywood-Adaptionen dieses Buches konsequent verschwiegen und sogar ins - teilweise gar patriotisch verbrämte - Gegenteil verkehrt wurde. Diese Version der Strugazkis aber lässt keinen Zweifel mehr zu und hält der vom Kapitalismus verblendeten Menschheit standhaft den Spiegel vors egoistisch verzerrte Gesicht und beschreibt detailliert den Niedergang und Verfall einer eigentlich empathischen, zu sozialem Verhalten fähigen Spezies.
Dieses Buch sollte eine Pflichtlektüre an den Schulen sein - ein Wunsch, der inmitten des kapitalistischen Untergangs mindestens ebenso utopisch anmutet wie die allgemeine Erkenntnis, dass es schlicht und ergreifend der Kapitalismus ist, der unseren Planeten in Terror, Krieg, Hunger, Agonie, Religiotismus und letztlich gewiss in die Auslöschung führt.
(Arkadi und Boris Strugazki [1925/1933-1991/2012]: "Die zweite Invasion der Marsianer", Erzählung, 1967; dt. 1973)
(10cc: "I Wanna Rule The World", aus dem Album "How Dare You!", 1976)
I wanna be a boss
I wanna be a big boss
I wanna boss the world around
I wanna be the biggest boss
That ever bossed the world around
I wanna do it right
I wanna do it right away
I wanna do it right now
I wanna do it right away
I want to do it now
Don't want to be a dancer in the Bolshoi Ballet
Don't want to work for daddy in daddy's shop, OK
I get confused, so confused
I get a pain, I get a pain up here in the Shirley Temples
What you gonna do
How you gonna do it
What you gonna do
How you gonna do it
Little by little, ooh
Little by little, bit by bit
Sssh, not too loud, don't tell everybody
Don't give away the game
Oh, I ain't quite ready to reveal my campaign
This is not the time
My heroes are alive and well in a cave
I'm keeping them on ice in suspended animation
Till the very right occasion comes along
To our rally come along
Come along to our rally
Come along to our rally, come along
To our rally come along
Come along to our rally
Come along to our rally, come along
"A Brave New World will rise from the ashes
And there upon a rock titanic
I'll cast a giant shadow on the face of the deep!
And never again will they dare to call me
A freckled, spotty, specky, four-eyed, weedy, little creep ..."
No more trembling and quaking in the gym
No more "Come on fellas, let's get him!"
What you gonna do
How you gonna do it
What you gonna do
How you gonna do it
Little by little, ooh
Little by little, bit by bit
Little by little, ooh
Little by little, bit by bit
Bit by bit, bit by bit
"Everyone's going to be free
But they'll have to agree to be free
They'll have to agree to be less free than me
'Cause I rule the world, you see
So wait for the army of kiddy-winkies
And terrible tiny tots
In armored school buses
Firing poison pea-shooters
And sinking their milk teeth into your thighs ... Delapsus resurgam - when I fall I shall rise!"
I wanna be a boss
I wanna be a big boss
I wanna boss the world around
I wanna be the biggest boss
That ever bossed the world around
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...