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Alle sind sie hinter ihm her. Alle grenzen sie ihn aus und schweigen ihn tot. Meint Thilo Sarrazin. Aus diesem diffusen Gefühl hat er ein Buch gemacht (siehe Rezension) und er posaunt es weitgehend unwidersprochen in Talkshows und Interviews hinaus. Christoph Baumgarten wagt einen persönlichen Blick in die Untiefen des Sarrazinschen Geistes. (...)
Um es in den Stammtischparolen zu sagen, derer er sich befleißigt: Thilo Sarrazin ist ein geistiger Minderleister und war Zeit seines Lebens Sozialschmarotzer auf hohem Niveau, ein Parteibonze, wie er im Buche steht [-] und hält das alles für seine eigene Leistung. Er ist eine lächerliche und widerliche Figur, die allen, die nicht seiner Meinung sind, den Mund verbieten will.
Das wird man doch noch sagen dürfen.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Eigentlich sollte man einem hohlbirnigen Rechtsradikalen gar keine Plattform mehr bieten - auch nicht in kritischer Form. Angesichts der im Text genannten Zahlen (inzwischen 1,5 Millionen verkaufte Exemplare seines ersten Schmutzergusses und einer Anfangsauflage von 100.000 Stück dieses neuerlichen Angriffes auf alles Humanistische) erscheint es aber dringend geboten, hier doch immer wieder zu intervenieren und dem Brandstifter fortdauernd in die böse, braune Glut zu pinkeln.
Der Text des Humanistischen Pressedienstes ist eine wahre Offenbarung - wenn man einmal von dem Fauxpas absieht, dass der Autor die taz sowie ausgerechnet die Zeit für die "führenden linken Medien" zu halten scheint. Andererseits muss ich konstatieren, dass er mit dieser Feststellung ja leider gar nicht so falsch liegt, denn andere führende Medien in diesem Land, die links von diesem journalistischen Elend einzuordnen sind, gibt es tatsächlich nicht mehr. Da versöhnt mich die benutzte Formulierung etwas, wenn in diesem Zusammenhang von "halbwegs linken Medien" die Rede ist.
Wie auch immer: Wer das gruselig-schmierige Phänomen Sarrazin auf den Punkt gebracht nachlesen möchte, sollte sich diesen Text nicht entgehen lassen - auf genau diesem Niveau muss sich eine Auseinandersetzung mit dieser schaurigen, erbärmlichen Figur abspielen. Intellektuell kann es keine sinnvolle Auseinandersetzung mit erstunkenem, erlogenem und aus tiefbraunen Zeiten hervorgekramtem Blödsinn geben. Als Fazit bietet sich hier bloß noch eine der vielen Subüberschriften aus dem Text an: Sarrazin und seine an debilen Schwachsinn grenzenden Äußerungen sind nichts weiter als ein "Verbrechen am An- und Verstand". Dem ist nichts hinzuzufügen.
Wunderbar ist übrigens auch das für diesen Artikel ausgewählte Foto, das den sauberen Kämpfer für reine Gene und Ariertum auf einer Veranstaltung der rechtsradikalen Haider-Partei FPÖ in Österreich zeigt. Braune Haufen ziehen Fliegen eben unweigerlich magisch an. Im Ein-Euro-Blog gibt's noch mehr dazu.
Der Mann ist nach wie vor SPD-Mitglied - während die SPD-Oberen aktuell öffentlich darüber diskutieren, ob beispielsweise ein Edathy (dessen einziger Verstoß darin besteht, legale Fotos angeguckt zu haben) nicht besser aus der Partei ausgeschlossen werden müsse. Da weiß man, was man hat - Sieg H..., äh, guten Abend.

(Thilo Sarrazin, wie er sich vermutlich selber sieht)
I
Wie kann man nur
gegen den Hunger in der Welt kämpfen,
glückliche Schweine sind wichtiger.
Wie kann man nur
Fleischkonsum befürworten,
sollen die Menschen doch Gras essen.
Wie kann man nur
den Kapitalismus in Frage stellen,
der für Wohlstand bei manchen gesorgt hat.
Wie kann man nur
den Kampf für eine bessere Welt so torpedieren,
den einzigen Weg dahin kennen schließlich nur wir.
II
So wundern sich manche
der Kämpfer für eine bessere Welt,
während sich andere verwundert die Augen reiben
und nicht mehr verstehen,
wieso es überhaupt Streit gibt. Derweil
zerstört der Kapitalismus wieder die Welt.
III
Und nach dem erwartbaren Ende
werden alle Beteiligten wieder proklamieren:
"Aber wir - wir gehörten doch zum Widerstand!"
[to be repeated endlessly]
---
(Variation des Gedichtes "Wie kann man nur" von Holdger Platta, veröffentlicht im Blog "Hinter den Schlagzeilen" am 05.03.2014)

(Jim Matheos: "Remembering Rain", aus dem Album "First Impressions", 1993)
Anmerkung: Jim Matheos, im "Hauptberuf" Gitarrist in Metal-Bands wie Fates Warning, OSI oder Arch, wandelt auf diesem Album auf rein akustischen Pfaden, die einmal mehr seine Virtuosität und Klasse unterstreichen. Dieser Musiker hat mit diesem leisen Album schon sehr früh deutlich gemacht, dass das alleinige Eindreschen auf sein Instrument im Metal-Stil ihn nicht erfüllt. Gleichzeitig ist es aber ein bewegendes Beispiel dafür, dass gerade auch in Metal-Musikern oftmals allzu zarte Seelen wohnen. Die Melancholie ist das tragende Element des gesamten Albums.
Um wieviel schöner und lebensfreundlicher wäre diese pervertierte Welt, wenn so mancher Schlips-Borg diese Ambivalenz teilte! Aber nein, die Habgier ist viel größer. Metaller können es auch leise, Kapitalisten können es aber niemals sozial.

Wal-Mart ist der größte Arbeitgeber der Welt. Und wie die Aldi-Kette ein Familienbetrieb: Hinter dem Handelsriesen stehen die Waltons, die reichste Familie der Erde. Sie zahlt ihren Mitarbeitern Billiglöhne. Und spendet Milliarden.
(Weiterlesen - aber bitte nur mit eingeschaltetem Gehirn)
Anmerkung: Hier haben wir wieder ein solches Beispiel, in dem nahezu sensationsheischend über den "reichsten Clan der Welt" berichtet wird - stets getreu dem absurden Motto: "Wer will und genug arbeitet, kann es ebenso 'weit' bringen" und natürlich der impliziten Umkehrung: "Wer es nicht so weit bringt, ist ein persönlicher Versager und somit selbst schuld". Ich weiß gar nicht, wo genau ich mit meiner Kritik beginnen soll, denn auch dieser Text lässt wie gewohnt jegliche Ursachenerwähnung aus und behauptet statt dessen wie immer auf dummdreiste Weise, dass es diesen Personen auf wundersame Weise gelungen sei, von "Tante-Emma-Laden-Besitzern" zu den reichsten Menschen auf diesem Globus zu mutieren, als sei nichts "normaler" und nachvollziehbarer auf der Welt. Dieses Szenario für sich genommen ist schon so grotesk, dass nicht nur jeder tatsächlich hart arbeitende Mensch auf diesem Planeten dem Verfasser einen ganzen Reigen von Ohrfeigen verpassen müsste - es genügt tatsächlich auch das schlichte Nachdenken, dass an diesem Märchen angesichts des gewaltigen globalen Elends und der gleichzeitigen Konzentration von absurden Summen Geldes in sehr wenigen Händen irgendetwas nicht stimmen kann. Und auch die einzig kritisch erwähnten Dumpinglöhne, die nicht nur Wal-Mart oder Aldi ihren "Angestellten" zahlen, können das "Wunder" eines solchen Superreichtums allein natürlich nicht erklären - der ganze Rattenschwanz von allen möglichen Abhängigkeiten, Erpressungen und sklavenähnlichen Zuständen im gesamten kapitalistischen Produktions- und Vertriebsprozess kommt im Text erst gar nicht vor. Über das Geld- und Zinssystem will ich da besser gar nicht erst beginnen zu schreiben.
Fast im gleichen Atemzug wie die zahnlose und völlig unzureichende Anklage bezüglich der Billiglöhne wird auch gleich ein entsprechender "Ausgleich" mitgereicht: Diese hochsozial denkenden Profitgeier spenden ja schließlich "Milliarden" ihres hart erworbenen Vermögens für soziale Zwecke und sind somit augenblicklich wieder rehabilitiert. Genaueres weiß man zwar nicht - der Text schwadroniert da etwas von einer "Familienstiftung" sowie von "Umweltschutz, Bildung und [der] Förderung der Region Arkansas" - das war's dann aber auch schon in Sachen Information. Mehr soll und darf der Pöbel nicht wissen, Details verwirren ihn bloß. Leider lässt allein der Begriff "Familienstiftung" bei kritischen Zeitgenossen unverzüglich alle Alarmglocken schrillen und er möchte dringend mehr wissen - aber kritische Zeitgenossen sind leider eine kleine Minderheit in unserer schönen kapitalistischen Glitzerwelt und werden daher geflissentlich ignoriert. (Randnotiz: Eine Milliarde Dollar entspricht angesichts eines Vermögens von 145 Milliarden Dollar einem Volumen von weniger als 0,7 % - eine wahrlich fürstliche Spendenbereitschaft, die man gar nicht ehrfürchtig genug bewerten kann!)
Das ganz große Highlight seines preisverdächtigen Textes hat der Autor Hannes Vogel aber ganz am Schluss versteckt, wenn er dort schreibt: "Doch nicht nur die Armen, sogar die Freunde der Wal-Mart-Brüder hat die Firma reich gemacht (...)". Nein, welch eine Offenbarung: Die Firma des reichsten Clans dieses Planeten macht nicht nur (alle?) Arme reich (!!!), sondern entfaltet sogar noch segensreichere Kräfte, indem sie die (zuvor offenbar nicht armen?) "Freunde" des Clans auch noch viel reicher macht, als sie es vorher gewesen sind! Der Segen des kapitalistischen Systems beschert uns hier also gleich eine dreifache Win-win-win-Situation, um im Orwell-Sprech der neoliberalen Bande zu bleiben - Verlierer gibt es laut diesem Text hier nicht mehr. Das Paradies ist nicht mehr jenseitig - wir erleben es hier und jetzt! Man soll den Superreichen auf Knien dafür danken, dass sie uns allen ein so wundervolles, sorgenfreies und luxuriöses Leben ermöglichen. Gebenedeit sei die Frucht eurer heiligen Geldbörsen!
Wenn man dem üblen Propagandatext bis zu diesem finalen Blattschuss tatsächlich (ohne psychische oder intellektuelle Schäden zu nehmen) gefolgt ist, weiß man allerspätestens an diesem Punkt, dass man das Leben in einem freiheitlich-demokratischen oder gar sozialen System Zeit seines Lebens voraussichtlich niemals kennenlernen wird. Aber die gütigen Waltons spenden Milliarden (Milliarden!!!) für soziale Zwecke und die Armen werden reich - und die "Freunde" der Reichen sowieso.
Die allerbitterste Pointe an der Sache bleibt aber diese: Und fast keiner merkt's. Alle rennen weiterhin wie von Sinnen dem Geld hinterher und wundern sich vielleicht gelegentlich über die perversen Auswüchse, die das selbstredend hat, kommen aber nicht auf den naheliegenden Gedanken, dass das Behandeln von Symptomen nichts an der Situation an sich ändert. Die Farce könnte aussichtsloser kaum sein. Geld, Geld, Geld über alles - ganz besonders über die Vernunft.
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Börsenpanik

"Wie meine beiden Söhne fielen, war ich nicht so verzweifelt wie Sie, da Ihre Papiere gefallen sind."
(Zeichnung von Wilhelm Schulz [1865–1952], in "Simplicissimus", Heft 31 vom 29.10.1918)
Die Kinder spielen ein Märchen. Hauptpersonen sind ein Wirt, ein Soldat auf Herbergssuche, eine Tochter des Wirts und der Teufel.
Wir erleben achtmal das gleiche Stück. Wirt, Tochter und Soldat werden sehr unterschiedlich dargestellt.
Der Teufel ist durchwegs glänzend besetzt.
(Heinz Stalder [* 1939], aus dem Programmheft des Schauspielhauses Zürich zur Uraufführung seines Bühnenstückes "Ein Pestalozzi", 1979)

Anmerkung: Quod erat demonstrandum.
Mein Name ist Penny [ein Schwein], heute habe ich das Licht der Welt erblickt. Wenn man das so nennen kann. Das Licht der Welt, die Sonne, ist nämlich nicht zu sehen. Aber dafür leuchtet ein rotes, warmes Licht. Ich habe insgesamt 13 Geschwister, glaube ich.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Diese Geschichte ist triefender Hausfrauenkitsch, wie er übler gar nicht sein könnte. Das Pseudonym “Vincent Herz” kann man getrost im Schlagerbereich verorten, dort gehört es nämlich hin.
Wie verrückt müssen Menschen eigentlich sein, die sich hier über tatsächlich anzuklagende Missstände in der Tierhaltung echauffieren, andererseits aber ein größtenteils leidloses Leben in einer völlig perversen Welt führen, die unablässig dafür sorgt, dass alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren verhungert?
Jedes einzelne dieser Kinder würde sofort und ohne auch nur nachzudenken Fleisch essen, um vielleicht doch am Leben bleiben zu können – und es hätte auch jedes Recht dazu. Was ist das bloß für eine perverse Diskussion angesichts des globalen Elends, das auf diesem Planeten herrscht? So können nur Leute argumentieren, die im Luxus leben und keine Not kennen.
Was wäre doch gewonnen, wenn all diese Leute ihre Wut endlich zugunsten der Menschen einsetzen würden – ganz abgesehen davon, dass der Kampf gegen den Kapitalismus letztendlich natürlich auch ein Kampf für Tiere ist, denn es ist nur der Kapitalismus, der manche unsrer Zeitgenossen dazu treibt, Tiere in großem Stil zu quälen und auszubeuten. Das Bekämpfen von Symptomen ist nicht erst seit Don Quichotte ein beliebtes Ablenkungsmanöver.
Wer das Leiden der Tiere in der Massentierquälerei des Kapitalismus nicht mehr will, der muss verdammt noch mal auch sein Herzblut gegen die Menschenquälerei, die der Kapitalismus verursacht, einsetzen, um dieses menschenfeindliche System endlich loszuwerden – ansonsten ist jede Opposition ohnehin nur Makulatur.
Diese ganze Diskussion gleicht dem Versuch, den Nazis ab 1933 den Antisemitismus ausreden zu wollen. Der Versuch ist ehrenwert, aber vollkommen sinnlos. Der Kapitalismus ist unser Problem – und mit dessen Abschaffung würde auch das Problem der Massentierquälung – als einem unter so vielen – obsolet.
Lächerliche Texte und Diskussionen wie diese helfen dabei nicht im Geringsten. Ich verstehe sehr gut, dass der Autor hier ein (wenn auch hochalbernes) Pseudonym benutzt hat – meinen Namen gäbe ich für einen solchen Groschenroman gewiss auch nicht her. Wer indes meint, es könne im Rahmen des kapitalistischen Systems eine Abkehr von der profitorientierten Fleischproduktion geben und wir könnten einfach so weitermachen und alle fünf Sekunden ein Kind verhungern lassen, während es "unseren" Schweinen und Rindern gut geht, der ist nicht nur irre, sondern ein ausgemachtes Arschloch.
Merke: So gut oder schlecht, wie es der Mehrheit der Menschen auf diesem furchtbaren Planeten geht, so gut oder schlecht geht es selbstredend auch den Tieren. Wundern können sich darüber nur ausgemachte Narren.
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Mehr Eier!

"Es ist Herrn Professor Gegenfurtner gelungen, einem Huhn eine zweite Legvorrichtung zu implantieren, so dass die Kommunalverbände von nun ab in der angenehmen Lage sind, die doppelte Zahl Eier anfordern zu können."
(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 12 vom 18.06.1918)
(Amorphis: "Day of your Beliefs", aus dem Album "Far from the Sun", 2003)
I can hear your yearnings, your anguished cries
let the nourishment pass you by
As it leaves you without, without a trace
it leaves you without the scars
It's the day of the ruins, the time of your relief
it's the day of the judgement, the day of your beliefs
Bitter is the end, the end of your cry
let your nourishment pass you by
It'll leave you without, without your faith
it'll leave you without your grace
It's the day of the ruins, the time of your relief
it's the day of the judgement, the day of your beliefs

Anmerkung: Hups - und so schnell kann der Glaube sich in das auflösen, was er tatsächlich ist: Eine kleine, alberne Hoffnung darauf, dass das eigene Leben vielleicht doch mehr wert sein könnte als all die täglich vernichteten Leben beispielsweise in Afrika ... - Menschen und ihr "Glauben" sind niederträchtiger und egozentrischer als man es vermuten mag.
Am Ende krepieren wir alle - der in der goldenen Badewanne ebenso wie der vor Hunger im Staub sich krümmende. Es ist wahrlich bezeichnend, dass nicht der zweite die Anklage schreibt, sondern ausgerechnet der Privilegierte. Menschen sind pervers bis ins Knochenmark, bis hinein in den Tod.
Das Auto-Notrufsystem "eCall" soll Leben retten: Bei einem Unfall übermittelt es nicht nur Standort und Fahrzeugtyp, sondern baut auch eine Verbindung zur Rettungsleitstelle auf. Nach dem Willen der EU sollen ab 2015 alle Neuwagen damit ausgestattet werden. Jetzt muss darüber mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten verhandelt werden.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Ich habe im vergangenen Jahr zu diesem Thema, das damals bereits "verhandelt" wurde, schon etwas geschrieben - den Link finde ich auf die Schnelle nicht. Jetzt nehmen die Totalüberwachungspläne der Eurokraten also Form an: Es erscheint in der Tat äußerst plausibel, dass wir den Beteuerungen dieser Schlips-Borg vorbehaltlos glauben können - selbstverständlich dient eine solche Staatswanze im Auto nur der Sicherheit der BürgerInnen bei Unfällen und wird ausschließlich dann aktiv, wenn beispielsweise ein Airbag ausgelöst wird.
Dass selbst der Durchschnitt der vernebelten und für dumm verkauften Bevölkerung diesem Narrativ nicht mehr in Gänze folgt, zeigen die Kommentare zu dieser Tagespropagandaschau-Meldung, die größtenteils ebenfalls eine befürchtete Totalüberwachung zum Inhalt haben. Das ist für dieses Medium, in dem sich ansonsten so oft brav die Vasallen bzw. Sockenpuppen der neoliberalen Bande die Klinke in die Hand geben, durchaus bemerkenswert.
Diesen politischen Figuren glaubt völlig zu recht inzwischen kaum jemand mehr, dass das, was sie tun, aus "Sorge" um das Wohl der Menschen in diesem Land geschieht - und das ist ein wichtiger Schritt auf dem langen und steinigen Weg, der Bevölkerung von einem narkotisierten zu einem zumindest halbwegs wachen Bewusstseinszustand zu verhelfen. Selbstverständlich hat die verkommene Bande diesen unbeabsichtigten Widerspruch der Schlafenden auch in diesem Beispiel höchstselbst zu verantworten - denn wie oft kommt es wohl vor, dass irgendwo in der unzugänglichen Wildnis Deutschlands ein Unfall passiert, ohne dass irgendjemand in der Nähe ist, der unverzüglich Hilfe rufen könnte? Wenn mit der hanebüchenen Begründung solcher seltener Ausnahmefälle ein flächendeckendes, alle Fahrzeuge betreffendes Überwachungssystem eingeführt werden soll, wird offenbar auch der vorletzte schnarchende CDU-Scherge etwas hellhöriger.
Das bedeutet nun aber beileibe nicht, dass diese Überwachung nicht eingeführt wird - da wäre wesentlich mehr Gegenwehr erforderlich. Wir erleben das ja gerade am Beispiel der Vorratsdatenspeicherung: Wenn der erste Anlauf nicht klappt, dann versucht die Bande es eben immer weiter - ein "Nein" ist für diese Gesellen keine Antwort, sondern nur die Aufforderung, dieselbe Frage leicht modifiziert erneut zu stellen, und zwar so lange, bis das Ergebnis "stimmt".
Malen wir uns aus kapitalistischer Sicht doch einfach mal aus, was ein solches "eCall"-System (allein die Bezeichnung ist schon so neoliberal-ekelig-pervers, dass man eigentlich nicht weiter darüber nachdenken möchte) alles bewirken könnte:
Der Staat wüsste stets, wo sich sämtliche in Deutschland (in der EU?) zugelassene Fahrzeuge befinden - ob sie geparkt sind oder ob sie sich bewegen, und wenn ja, in welche Richtung.
Daten wie die gefahrene Geschwindigkeit, ob Verkehrsverstöße begangen werden, ob die Insassen angeschnallt sind, wieviele Personen sich im Auto befinden und vieles mehr wären ebenso ständig verfügbar.
Abgesehen von der Totalüberwachung ließen sich daraus auch wunderbare Bewegungsprofile erstellen, die - im Abgleich mit den Handy-Daten - ein fast lückenloses Bild ergäben. Der Staat weiß dann tatsächlich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, wann sich ein Bürger wo aufhält.
Im Ergebnis könnten dann beispielsweise auch Bußgeldbescheide wegen zu schnellen Fahrens oder anderer Delikte automatisiert erstellt und verschickt werden - all die Menschen, die derlei Tätigkeiten in den Behörden heute noch mehr oder weniger manuell verrichten müssen, könnten eingespart und ebenfalls ins Hartz-Terror-System der Überflüssigen abgeschoben werden, und zusätzlich entginge dem staatlichen Zugriff kein einziger Verstoß mehr. Außerdem könnten Fahrzeuge auf diese Weise auch einfach gestoppt werden - ein Knopfdruck im Ministerium (oder wahlweise ein Algorithmus im staatlichen Computernetzwerk) reicht aus, und Fahrzeug 1358778 hält unverzüglich an.
Die Möglichkeiten für überwachungs- und geldgeile Schlips-Borg sind schier endlos - da liegt es nahe, ein solches System heute sehr blumig in schöner Kapitalistentradition als "Hilfesystem für Unfallopfer" zu verkaufen. Lasst Euch nicht für dumm verkaufen: Unfallopfer sind dieser Bande - sofern sie nicht sofort versterben - sehr willkommen, denn sie generieren viel Profit in den privatisierten Kliniken. Diese Kliniken sind für jeden Patienten dankbar - und nichts liegt von ihren Interessen weiter entfernt als eine möglichst gesunde Bevölkerung. Diese Perversion muss man sich stets vor Augen halten, dann versteht man auch allmählich die pervertierten Denkstrukturen der Kapitalisten.
Ich hoffe jedenfalls sehr, dass es gegen diese perfiden Pläne eine ähnliche Widerstandsfront wie gegen die nach wie vor drohende Vorratesdatenspeicherung geben wird - die Auswirkungen dieser furchtbaren Überwachungsmaßnahme wären ähnlich dramatisch.

Die Faulen werden geschlachtet
die Welt wird fleißig
Die Hässlichen werden geschlachtet
die Welt wird schön
Die Narren werden geschlachtet
die Welt wird weise
Die Kranken werden geschlachtet
die Welt wird gesund
Die Traurigen werden geschlachtet
die Welt wird lustig
Die Alten werden geschlachtet
die Welt wird jung
Die Feinde werden geschlachtet
die Welt wird freundlich
Die Bösen werden geschlachtet
die Welt wird gut
(Erich Fried [1921-1988], in: "Gedichte", 1958)
Anmerkung: Fried ist ja bekannt dafür, dass er schwierige oder schwer in Worte zu fassende Dinge in einfacher, leicht verständlicher Form auf den Punkt gebracht hat - hier ist ihm das in einer Vollendung gelungen, die ich immer wieder nur staunend bewundern kann. Während in der zweiten Zeile eines jeden Verses die ideale Welt, wie sie wohl von fast allen Menschen herbeigesehnt wird, nüchtern benannt wird, erfolgt im Vorgriff der ersten Zeile stets die faschistisch-kapitalistische Perversion derselben, die das Ergebnis schon im Vorfeld ad absurdum führt. Dieses lyrische Kleinod ist nicht weniger als die Essenz der absurden Logikkette, der auch unsere heutige Zeit wie von Sinnen folgt und die selbstverständlich - wenn sie bis zum Ende weitergeführt wird - wieder im absoluten Irrsinn enden muss.
Große, bedeutende und die Zeiten überdauernde Kunst muss beileibe nicht immer filigran, brachial oder gar kompliziert sein - dieses Gedicht ist ein bewegendes Beispiel dafür.

Aufwachen im Blasenland / Kann die etablierte bürgerliche Ökonomie den Charakter und die Ursachen der gegenwärtigen kapitalistischen Systemkrise begreifen? / Die Wirtschaftswissenschaft befindet sich seit einigen Monaten in heller Aufregung. Ein anscheinend neuartiges theoretisches Konzept, das auf den Begriff der "lang anhaltenden Stagnation" (Secular Stagnation) gebracht wurde, scheint die Analyse der gegenwärtigen Krise voranzutreiben. Fast scheint es so, als hätte die Ökonomenzunft, deren Modelle und ideologische Postulate zumeist den Wahrheitsgehalt schamanischer Beschwörungsformeln aufweisen, endlich ihren Stein der Weisen gefunden, mit dem all das erklärt werden kann, was es ihrer als "Wissenschaft" verbrämten Ideologie zufolge eigentlich nicht geben dürfte.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Der geschätzte Tomasz Konicz bietet in diesem Text einen hübschen Überblick über die im englischsprachigen Raum langsam beginnende Scheindiskussion über die "länger anhaltende Krise des Kapitalismus", den es sich sehr zu lesen lohnt. Es ist dabei eine fast selbstverständliche Notiz am Rande, dass etwas Vergleichbares in Deutschland natürlich nicht stattfindet - hier war man schon immer gründlicher, konformer und herrschaftshöriger als anderswo. Selbst öffentlich "diskutierte" Scheinkritik ist hier nicht geduldet - dafür sorgen unsere wackeren, systemtreuen und so furchtbar "unabhängigen" Propagandamedien und die üblichen Verdächtigen aus der Politik sehr zuverlässig.
Zunächst versteckt der Autor den eigentlichen Kern seiner Polemik gut und deutet ihn nur gelegentlich an, denn selbstredend bleibt auch diese vorgestellte "Kritik" lammfromm im Rahmen des Kapitalismus', stellt das System niemals in Frage oder postuliert darüber hinausgehende Positionen oder sogar Alternativen - so dass eventuelle "Lösungen", so sie denn jemals "gefunden" werden mögen, auch nur innerhalb dieses Systems liegen können, womit sich der Hund wieder einmal kräftig und schmerzhaft in den eigenen Schwanz bisse. Im zweiten Teil seines Textes wird Konicz dann aber deutlicher - ich könnte bzw. müsste ganze Absätze daraus zitieren, beschränke mich aber auf einen kleinen Teil:
"Diese Entwicklung kennzeichnet einen fundamentalen Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise. Auch wenn die bürgerliche 'Wirtschaftswissenschaft' sich immer noch weigert, dies zu begreifen: Die Lohnarbeit bildet nun mal die Substanz des Kapitals - doch zugleich ist das Kapital bemüht, durch Rationalisierungsmaßnahmen die Lohnarbeit aus dem Produktionsprozess zu verdrängen. Marx hat für diesen autodestruktiven Prozess die geniale Bezeichnung des 'prozessierenden Widerspruchs' eingeführt. Dieser Widerspruch kapitalistischer Warenproduktion, bei dem das Kapital mit der Lohnarbeit seine eigene Substanz durch Rationalisierungsschübe minimiert, ist nur im 'Prozessieren', in fortlaufender Expansion und Weiterentwicklung neuer Verwertungsfelder der Warenproduktion aufrechtzuerhalten. Derselbe wissenschaftlich-technische Fortschritt, der zum Abschmelzen der Masse verausgabter Lohnarbeit in etablierten Industriezweigen führt, ließ auch neue Industriezweige oder Fertigungsmethoden entstehen. Doch genau dies funktioniert nicht mehr, nachdem sich die Lohnarbeit aufgrund der Rationalisierungsschübe der mikroelektronischen Revolution innerhalb der Warenproduktion verflüchtigt. Letztendlich ist der Kapitalismus schlicht zu produktiv für sich selbst geworden."
Von solchen, eigentlich gar nicht so schwer verständlichen Denk- bzw. Erkenntnisprozessen ist die politische, mediale und ökonomische "Elite" in Deutschland in etwa so weit entfernt wie der Nord- vom Südpol: Solche Gedanken existieren nicht, sie sind verboten, sie widersprechen den Vorgaben der Herrschaft und damit ist das Thema erledigt bzw. - natürlich geheim - beim "Verfassungsschutz" unter dem Oberbegriff "Terrorabwehr" gelandet.
Ich frage mich nun schon seit Längerem, was die "Elite" sich dabei denkt: Ob sie tatsächlich davon ausgeht, dass eine hochtechnisierte Zukunft, in der es nur noch ganz wenige Menschen (eben jene selbsternannte "Elite", natürlich) und ganz viel Technik gibt, wirklich erstrebenswert auch für sie selber ist, oder ob sie einfach gar nicht denkt und vor lauter Macht- und Habgier schlichtweg nicht begreift, dass sie nicht nur der großen Mehrheit der Menschen, sondern auch sich selbst kontinuierlich und unvermeidlich die dunklen Gräber schaufelt. Konicz findet dafür den trefflichen Satz: "Der Kapitalismus produziert sozusagen eine überflüssige Menschheit - auf globaler Ebene." Und diese "überflüssige Menschheit" schließt jede "Elite" - und ganz besonders eine so strunzdämliche wie diese - selbstverständlich mit ein.
Allmählich befürchte ich, dass nicht nur die korrupten politischen Marionetten, die Lobbyisten und die ebenfalls korrumpierten Journalisten angesichts ihres eigenen ergaunerten Wohlstandes - der im Vergleich zu den meisten anderen Menschen obszön, im Vergleich zur "Elite" jedoch mehr als lächerlich ist - längst den Blick auf das Ganze verloren haben, sondern dass es den elitären Damen und Herren, die sich angsichts ihrer absurden Milliardenvermögen für die wirklichen BeherrscherInnen oder gar "LenkerInnen" dieses Planeten halten, in ihrer Luxus- und Machtblase nicht anders ergeht. Sie wissen schlicht und ergreifend nicht, was sie tun - und glauben dabei doch fest daran, dem Elitären - also sich selbst - zu dienen. Das ist so absurd und lächerlich, dass man in schallendes Gelächter über eine solche degenerierte "Elite" ausbrechen müsste, wenn sie durch ihr groteskes Handeln nicht gleich milliardenfaches, globales Leid, das mit Begriffen wie Hunger, Elend und Tod nur unzulänglich beschrieben ist, auslöste.
Aber auch morgen werden Merkel und so viele andere kleine Wichte, Arschlöcher und Hohlbirnen wieder früh morgens aufstehen und weiter am großen Zerstörungswerk zugunsten der (zu dieser Zeit natürlich noch sanft schlummernden) Superreichen arbeiten - obwohl sie eigentlich längst abwinken, den Stinkefinger zeigen und sich zurücklehnen könnten, weil die bisherige Beute längst ausreichte, um ein auskömmliches Restleben bis ins hohe Alter (samt Vererbung an den eigenen Nachwuchs) zu führen. Allein das zeigt schon nachdrücklich und unmissverständlich, dass der Mensch bzw. dessen dominierende Version, die sich stets in Macht- bzw. Erfüllungsgehilfenpositionen drängelt, eine bis auf die Knochen verkommene Spezies ist, die in der Evolution nur eine einzige Option hat.
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Wunschtraum

"Der einzige Diktator, der uns wirklich helfen könnte."
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 20 vom 11.08.1930 - Die Bildunterschrift mag zu Irritationen reizen, erschließt sich aber vor dem Hintergrund, dass zur damaligen Zeit tatsächlich ganz offen der Ruf nach einem Diktator als Ausweg aus der Krise diskutiert bzw. diese Diskussion aus interessierten Kreisen öffentlich platziert wurde. Heute traut die neoliberale Bande sich das - zumindest in Deutschland - aus gewissen Gründen nicht mehr so deutlich. Ich befürchte aber, dass der etwas modifizierte Ruf nach "einem starken Mann" - oder heute wahlweise ganz "modern" nach "einer starken Frau" - auch nicht mehr so lange auf sich warten lassen wird. Umso trefflicher bleibt auch heute Heines Karikatur vom "Goldesel", denn damals wie heute ging und geht es einzig um die weitere, sichergestellte Vermehrung von Geld und um nichts sonst.)
(Fields of the Nephilim: "Dead But Dreaming" / "For Her Light" / "At The Gates Of Silent Memory" / "Paradise Regained", aus dem Album "Elizium", 1990)
1. (Dead But Dreaming)
[Instrumental]
2. For Her Light
He said: how lonely you are
Waiting at the Sunday Park
I'll elude you, I will lose you
Existing, we're no soul apart
You stand, stand on a platform
Your effigy dissolves in my hands
When I feel like someone to lie on
And I feel like someone to rely on
You can't wake up, you can't wake up
In the end
Illusions born of the air
Something seems precious there
I'll elude you, I will lose you
As rehearsal of my despair
When I feel like someone to lie on
And I feel like someone to die on
You can't wake up, you can't wake up
In the end
3. At The Gates Of Silent Memory
Yesterday, life that I knew
So sick of all the people
A blind moon over to the window
Where the night has become
Elizium for the sleepless souls
And our days to come
You stand, stand with Dalila
Maybe I'll just pass away
Or maybe I'll stay
But I feel alive with you
And I feel some kind of Heaven
I feel deep inside her
And I feel some kind of Heaven
Give me, give me, give me
Some kind of Heaven
4. (Paradise Regained)
Come in from the cold
I'll owe you my heart
Be my shelter and refuge for the night
Love of my life
Pour your light on the faith
I can feel
Make it real
In her sleep

Anmerkung: Wer mit "Some kind of Heaven" wieder irgendeinen religiösen, esoterischen Mist verbindet, muss den Song wieder ganz von vorn anhören und noch einmal das Hirn bemühen. Vielleicht spuckt es ja beim zweiten, dritten oder vierten Male eine andere Interpretation aus? ;-) Aber ich weiß schon, der Songschreiber hat es ja vorausgesehen: "You can't wake up."
Dem Sport ist zu aller Zeit und vor allem von allen Regierungen aus gutem Grund immer die größte Bedeutung beigemessen worden: er unterhält und benebelt und verdummt die Massen; und vor allem die Diktatoren wissen, warum sie immer und in jedem Fall für den Sport sind.
(Thomas Bernhard [1931-1989], aus: "Die Ursache. Eine Andeutung", 1975)
Anmerkung: Bernhard hat in seiner knappen Zusammenfassung das Detail des durch den Sport forcierten, völlig pervertierten Wettbewerbs- bzw. Konkurrenzgedankens ausgelassen, das sich heute beispielsweise in einer schrill-grotesken Tagesschau-"Meldung" wie dieser wiederfindet: "XY gewann das Rennen mit einem souveränen [sic!] Vorsprung von drei Zehntelsekunden". Normalerweise müsste man sich fragen, wer einen solchen infantilen Schwachsinn noch ernst nehmen soll - unsere Propagandamedien aber verkaufen uns das weiterhin heiß, wild und dramatisch als "sportliches, relevantes Ereignis", und offenbar gibt es nach wie vor genügend Hohlbirnen da draußen, die darauf hereinfallen und ebenso atemlos den Zehntel- oder in manchen Sportarten gar Hundertstelsekunden nachhecheln.
Lächerlicher kann ein "Wettbewerb" gar nicht mehr werden - ich hoffe inständig, dass die Sport-Bekloppten den nächsten logischen Schritt zur Tausendstelsekunde endlich nicht mehr mitgehen werden. Es ist ein mehr als alarmierendes Zeichen, wenn etwas, das offensichtlich längst im Absurden gelandet ist, nach wie vor zu einem "Event" gemacht wird, dem viele Menschen auch noch folgen, ohne auch nur im Ansatz zu begreifen, dass hier schlicht Vernebelung, Verdummung und die Zementierung des grotesken Wettbewerbsgedankens die Hauptrollen spielen. Die stetig vorangetriebene Verdummung der Menschen im Kapitalismus und anderen Diktaturen spiegelt sich hier sehr deutlich und äußerst schrill.
(...) Es zeigt sich also bei der Betrachtung der wesentlichen Paradigmen des globalisierten Kapitalismus, dass sie in der Realität nachhaltig kontraproduktiv wirken, weil sie die sozialen und die biologisch-physikalischen Bedingungen menschlicher Existenz nicht abbilden, sondern sie als beliebig manipulierbare Faktoren ansehen. (...) / Wir brauchen also eine Technik, die nicht der Vermehrung von Geld und einem verrückten Wachstumswahn dient, sondern sozialen und ökologischen Zielen. Eine Technik, die wieder dem altmodischen, ehrlichen Kaufmannsdenken statt wirtschaftskriminellen Bestrebungen verpflichtet ist.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Dieser Artikel des langjährigen Dozenten der TU Berlin, Dr. Wolfgang Neef, ist ein beredtes Beispiel für die äußerst engen Grenzen, die selbst im wissenschaftlichen (nicht-philosophischen) Diskurs zum Thema Kapitalismus vorherrschen: Das System des Kapitalismus an sich wird nicht einmal experimentell in Frage gestellt, sondern gar zum vergangenenen "Heilsbringer" glorifiziert, ohne den wir alle noch auf Bäumen hausten. Gleichzeitig wird eine äußerst absurd anmutende Unterscheidung in einen "früheren [= "guten"] Kapitalismus", für den der Autor die hirnzerfetzende Beschreibung des "altmodischen, ehrlichen Kaufmannsdenkens" bemüht, und einen "globalisierten [= "bösen"] Kapitalismus", der schwerst kriminell und vom reinen Profitdenken gelenkt sei, vorgenommen.
Ganz abgesehen davon, dass jegliche Belege für diese abstruse Unterscheidung in einen "guten" und einen "bösen" Kapitalismus im Text selbstverständlich fehlen und ein der Vergangenheit angehörendes "ehrliches Kaufmannsdenken" eher zum hysterischen Prusten und Abwinken als zu einer ernsthaften Auseinandersetzung reizt, ist dieser Artikel ein flammendes Fanal dafür, dass die neoliberale Bande auf ganzer Linie gesiegt hat: Selbst vermeintlich kritische, gar "linke" Geister kommen gar nicht mehr auf die Idee, das System an sich in Frage zu stellen, sondern suchen die dringend notwendigen Lösungen wie von Sinnen ausschließlich innerhalb des Systems. Das ist eine intellektuelle Bankrotterklärung, wie sie umfassender eigentlich nicht mehr ausfallen kann.
Da lesen wir zunächst eine ziemlich gute, größtenteils den Tatsachen entsprechende und deshalb vernichtende Analyse des Ist-Zustandes unserer heutigen, einmal mehr dem Untergang geweihten kapitalistischen Welt, um im Fazit dann mit diesem völlig absurden Resümee konfrontiert zu werden - so wie ein Patient, der von einem Arzt eine akute, bedrohliche Vergiftung diagnostiziert und als "Behandlung" einen Zeitsprung in die Vergangenheit verordnet bekommt, wo das Gift zwar erneut eingenommen, danach aber einfach die Zeit angehalten werden soll - so bliebe die schädliche, verheerende Wirkung ja schließlich aus.
Ich frage mich seit längerem, ob Menschen, die solche Texte schreiben, die kapitalistische Einmauerung ihrer Gedankenwelt überhaupt noch wahrnehmen - oder ob sie gar nicht mehr bemerken, dass sie sich gedanklich in einem fein säuberlich abgezäunten Kleinstgarten bewegen, der tatsächlich innerhalb eines unermesslichen Wald- und Naturgebietes liegt, das frei von jeglichen Begrenzungen ist.
Der Begriff des "altmodischen, ehrlichen Kaufmannsdenkens" hat aber durchaus das Potenzial, zur surrealen Brüllnummer des Jahres zu werden - sofern einem das Brüllen angesichts der katastrophalen Auswirkungen der zunehmenden kapitalistischen Zerstörungen nur nicht im Halse stecken bliebe.
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Das Schwierigste
[oder: "Ein Beispiel für ehrliches Kaufmannsdenken vor 100 Jahren"]

"Hm ja, soweit sehr schön: Ein achtel Pfund vier Mark. Aber wie nennt man's? Getrocknete Nordsee-Krabben, gemischtes Dörrgemüse oder Kaninchenragout?"
(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 11 vom 11.06.1918)
(Pink Floyd: "Careful With That Axe, Eugene", aus dem Album "Ummagumma", 1969)
Anmerkung: Diese verlinkte Fassung des Songs ist nicht identisch mit der Ummagumma-Version, bietet aber aufgrund der seltenen Filmaufnahmen aus den Anfangstagen der Band einen hübschen Einblick in die damalige Zeit. Und auch heute muss ich doch immer wieder feststellen, dass es äußerst schlau ist, den Einsatz der besungenen (bzw. beschrieenen) Axt immer wieder neu zu bedenken ... auch wenn ich nicht Eugene heiße.
Davon abgesehen bleibt dieses Stück von Roger Waters ein Meilenstein der Rockmusik - es gab zuvor nichts Vergleichbares. Wie gerne würde ich der Merkel oder den elitären Hanswursten, die unsere Geschicke leidvoll und pervers leiten, diesen Satz ins Ohr flüstern und dabei so grandios irre in die Welt gucken, wie Roger Waters das in diesem Video tut.

Es ist Flucht angesagt: Angesichts der aktuellen politischen bzw. medialen "Ereignisse" bezüglich Edathy und der versammelten korrupten rot-grün-schwarzen Bande samt angeschlossener geifernder Propaganda-Meute kann ich gar nicht anders, als meine Koffer zu packen und hysterisch schreiend in eine gänzlich andere Welt zu fliehen.
Diesmal hat mich meine Flucht - vollkommen zufällig - in die Welt von Divinity 2: Ego Draconis geführt. Dies ist kein Computerspiel, das den Spieler in die vergiftete Gedankenwelt des Drachenmonsters Merkel entführt, wie der Titel vielleicht nahelegen könnte, sondern ein mir bis dato völlig unbekanntes Rollenspiel für den PC, das sich vielleicht am besten als eine Mixtur aus Fable und Dragon Age beschreiben lässt. Ich habe die DVD vor geraumer Zeit in einem Laden auf dem Grabbeltisch für 1,99 € vorgefunden und sie aus unerfindlichen Gründen mitgenommen - und nun habe ich das Spiel endlich auch einmal installiert und ausprobiert, wobei ich auf das Schlimmste gefasst war.
Inzwischen habe ich geschätzt das halbe Spiel hinter mir und kann nicht nur sagen, dass es seiner erwünschten Funktion als Fluchthilfe aus dem realen Irrsinn wahrlich mehr als gerecht wird, sondern dass es sich tatsächlich um ein äußerst empfehlenswertes Spiel handelt, sofern man Fantasy-Szenarien, Rollenspiele, Action-Sequenzen und ein vielschichtiges Inventar-, Ausrüstungs-, Magie- und Kampfsystem mag. Die Möglichkeiten sind schier endlos und sehr ausgefeilt. Wenn man, wie ich, beispielsweise dazu tendiert, grobschlächtig mit einer fetten Zweihandwaffe mitten ins Kampfgetümmel zu springen und wild um sich zu schlagen, wird das - anders als in wesentlich simpler gestrickten Spielen wie Skyrim oder Risen - sehr schnell bestraft. Hier ist Taktik gefordert, und die erübrigt sich auch dann nicht, wenn man höhere Stufen erreicht hat und sich angesichts der erreichten Stärke vollkommen siegessicher in den nächsten Kampf wirft. Ich bin in keinem Spiel, das ich bisher genossen habe, so oft "gestorben" wie in diesem.
Wie in älteren Rollenspielen üblich, gibt es auch in diesem Spiel keinen "Questmarker" - man muss sich also genau merken, wo man gewesen ist, wo man hin möchte und wo man besser vorerst fernbleiben sollte. Das ist für jemanden wie mich, der direkt nach Skyrim, wo der Spieler bekanntlich wie am Angelhaken durch die Quests geführt wird, die Spielwelt von Divinity 2 betritt, zunächst ärgerlich - aber letztlich auch unglaublich befreiend und interessant.
Da ich vorher überhaupt nichts über das Spiel wusste oder gelesen hatte und auch den ersten Teil nicht kannte, war es zu Beginn schwierig zu unterscheiden, welche Gegenstände, die man im Laufe des Spiels findet, wichtig sind und welche man getrost liegen lassen kann. Die Entwickler haben das offensichtlich auch bewusst so konzipiert, denn anfangs gibt es die eine oder andere Quest, für deren Lösung man genau einen solchen ansonsten irrelevanten Gegenstand benötigt. Dasselbe gilt für die vielen Bücher, die in der Spielewelt verstreut sind - viele davon sind bedeutungslos, einige aber besitzen durchaus eine wichtige Funktion. Außerdem lohnt sich stets ein Blick auf die Karte, denn dort werden in der Regel versteckte Räume angezeigt, die nicht frei zugänglich sind - man muss mitunter schon arg suchen, um den jeweiligen Zugang zu finden.
Sehr schön sind auch die vielen Details am Rande, die dieses Spiel zu bieten hat: Für Verbesserungen oder Verzauberungen von Waffen und Rüstungen, für Tränke und für die persönliche "Kreatur", die man im Kampf zur Unterstützung herbeirufen kann, bedarf es einer Vielzahl verschiedener Zutaten und Gegenstände - dafür stehen dem Spieler ab einem gewissen Punkt Helfer, die er sich zuvor selber suchen muss, zur Verfügung. Auch die müssen aber "betreut" werden - denn wenn der Spielverlauf voranschreitet und man die Helfer losschickt, um gewisse Dinge, die benötigt werden, zu besorgen, meckern diese und verlangen eine bessere Ausrüstung.
Die Szenarien sind ebenfalls sehr abwechslungsreich - dunkle Höhlen und Kammern sind ebenso üblich wie die bekannte, zu Fuß erkundbare Welt. Abgerundet wird das durch Gebiete, die man nur fliegend in Drachengestalt erkunden kann - und ich bin sicher, dass nach der Hälfte des Spiels noch immer so manche Überraschung auf mich wartet. Während das Merkelmonster und ihre Vasallen also im realen Leben ihr widerliches Unwesen treiben, schnetzele ich mich fleißig durch die virtuelle Welt von Divinity 2 - und wenn ich damit fertig bin, habe ich zumindest eine Menge Spaß gehabt, was ich gewiss nicht behaupten könnte, wenn ich mich statt dessen mit den Kasperfiguren des politischen Marionettentheaters beschäftigt hätte.
Ich brauche diese Realitätsflucht - von Zeit zu Zeit.
