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(All About Eve: "Martha's Harbour", aus dem Album "All About Eve", 1988)
I sit by the harbour
The sea calls to me
I hide in the water
But l need to breathe
You are an ocean wave, my love
Crashing at the bow
I am a galley slave, my love
If only I could find out the way to sail you
Maybe I'll just stow away
I've been run aground
So sad for a sailor
I felt safe and sound
But needed the danger
You are an ocean wave, my love
Crashing at the bow
I am a galley slave, my love
If only I could find out the way to sail you
Maybe I'll just stow away
Stow away.

Was soll ich zu einem Spiel, das völlig zu recht die unangefochtene Nummer Eins auf dem Gebiet der Rollenspiele ist, großartig schreiben? Ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Begegnung mit der Welt von Skyrim: Ich hatte damals gerade den Vorgänger The Elder Scrolls IV: Oblivion gespielt und war infiziert von diesem großartigen Spiel und begierig auf die Fortsetzung - zum Glück war das schon 2013, so dass ich nicht mehr lange warten musste, bis ich mir den bereits erschienenen Nachfolger The Elder Scrolls V: Skyrim leisten konnte, da er zu diesem Zeitpunkt "nur" noch 20 Euro kostete.
Das war der Beginn einer sehr intensiven Freundschaft: Ich habe seit dem Tag der Installation so viele Stunden in "Himmelsrand" verbracht wie in keinem anderen Spiel, Buch oder Musikstück zuvor. Einerseits liegt das schlicht daran, dass dieses Spiel so ungeheuer umfangreich ist wie kein anderes mir bekannte Spiel, andererseits habe ich gerade vor ein paar Tagen erst damit begonnen, es zum zweiten Male zu spielen. So etwas tue ich in einem so überschaubaren Zeitrahmen normalerweise nicht - es hat mich selber sehr überrascht, dass ich einen Neustart von Skyrim einem komplett neuen, mir bislang unbekannten Spiel (von denen ich noch einige hier herumliegen habe) vorgezogen habe.
Es ist über dieses Spiel schon so viel gesagt und geschrieben worden, dass ich mich gar nicht in Details zu ergehen brauche - die Grafik ist Weltklasse, die Spielwelt einzigartig und die verschiedenen Geschichten, die es in "Himmelsrand" zu erleben gibt, sind fantasievoll, spannend und manchmal sogar regelrecht grandios. Man merkt an unzähligen Details, dass hier nicht einfach drauf los programmiert wurde, sondern dass mit Bedacht ein Konzept umgesetzt worden ist, das es zuvor in diesem Genre nicht gab.
Das Spielerlebnis ist abhängig von der Art und Weise des Spielens: Beim ersten Durchgang habe ich beispielsweise die brachiale Methode bevorzugt und meine Spielfigur auf Zweihandwaffen spezialisiert (siehe Screenshot unten) - so konnte ich in den Auseinandersetzungen mit den fiesen Monstern und anderen Gegnern stets beherzt die dicke Kriegsaxt zücken, mitten hinein in die Horden der Gegner springen und wild wie ein Metzger oder blutrünstiger Wikinger um mich schlagen. Das hat Spaß gemacht. ;-) - Jetzt, im zweiten Durchgang, habe ich einen anderen Weg gewählt: Es ist noch viel spannender, sich auf lautlosen Sohlen durch die Ruinen, Höhlen und alten Gräber zu schleichen und aus dem Hinterhalt - unentdeckt - einen Gegner nach dem anderen hinweg zu metzeln, ohne dass diese überhaupt bemerken, wer ihnen da ans Leder will. Ich habe diese Möglichkeit ja schon in Gothic III und Risen geliebt - aber nirgends zuvor habe ich es so konsequent und spaßbringend umsetzen können wie in Skyrim. Gerade gestern habe ich auf diese Weise erst wieder eine komplette alte Burgruine von fiesen Magiern (Esoterikern - *brüllwitz*) befreit, gegen die ich ansonsten (wenn sie mich denn entdeckt hätten) kaum eine Chance gehabt hätte.
Natürlich fällt mir beim Nachdenken über dieses Spiel auch eine Menge Kritik ein - allerdings ist das größtenteils eine Kritik auf allerhöchstem Niveau. Auch an Meisterwerken gibt es - insbesondere bezogen auf verschiedenste Menschen, die es genießen - stets etwas auszusetzen, und das ist auch bei mir nicht anders. Ich habe mir beispielsweise mehr als einmal gewünscht, dass Gegner in dunklen Höhlen oder Ruinen viel öfter dort lauern, wo man sie als Spieler am wenigsten erwartet - das ist leider nur sehr selten der Fall. Auch die Schwierigkeit der Rätsel, die in diesem Spiel ohnehin selten, dann aber allenfalls auf Primatenniveau angesiedelt sind, könnte den Spielspaß durch eine deutliche Verschärfung stark erhöhen.
Trotzdem bleibt Skyrim der momentane Maßstab für alle kommenden Rollenspiele dieser Art - und es ist den Entwicklern hoch anzurechnen, dass sie ihn so hoch angesetzt haben.

(Charlie blickt sinnierend über einen kleinen Teil Himmelsrands)
Langsam kam ich zur Ruhe, knabberte ein Konzentrat, legte mich nieder und wünschte mir mein Lieblingsenvironment. Jupiter stand als riesiger leuchtender Ball vor mir, der Große Rote Fleck strahlte, umsäumt von den grünlichen Streifen der gemäßigten und südlichen äquatorialen Strömung. Unter mir lag die felsige Ebene Ganymeds.
Ganymed!! Nie würde ich ihn in Wirklichkeit erreichen, wenn nicht ... Sogar das hatten sie ausgekundschaftet. Ganymed. Immer nur von der Ferne träumen? Wie genau mussten sie meine Reaktionen kennen - hatte ich sie wirklich durchschaut? Oder sollte ich sie durchschauen, damit ich mich frei entscheiden konnte? Ein Haufen von Verrückten! Ich zitterte, wenn ich nur daran dachte, welche Überraschungen mich erwarten würden. Der Ausbruch aus dem System - das ließe sich ja noch bewerkstelligen, ein Weltraumflug, aber dann: Ständig dieselben Gesichter erblicken, täglich, stündlich, gemeinsam essen und reden, reden, reden ... Die Ausdünstungen der Menschen ... nie mehr die Ruhe, die logische Kühle des Systems. Der Sprung wäre zu groß. Ich würde es nie aushalten können. Und doch, Jupiter und Ganymed und ... - Was soll's! Träume taugen nicht für die Realität.
Vielleicht, vielleicht hatte auch das System dieses ganze Abenteuer für mich arrangiert, schließlich hatte ich nach Veränderungen geschrien ...
Das Mittel begann zu wirken, ich schlief ein, umfangen vom sanften, unterschwelligen, allgegenwärtigen Brummen des Systems.
---
(Karlheinz Steinmüller [* 1950], in: "Der Traum vom Großen Roten Fleck. Science-Fiction-Geschichten", Suhrkamp 1985 (gemeinsam mit Angela Steinmüller); zuerst [im Westen] in: Horst Heidtmann (Hg.): "Von einem anderen Stern. Science-Fiction-Geschichten aus der DDR", dtv 1981)

Anmerkung: So endet Steinmüllers im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Erzählung "Der Traum vom Großen Roten Fleck", die ich nur wärmstens jedem ans Herz legen kann, und das selbst dann, wenn Science Fiction, Jupiter, der Jupiter-Mond Ganymed oder der "Große Rote Fleck" in Jupiters Atmosphäre nichts weiter als möglicherweise vollkommen uninteressante böhmische Dörfer für den Lesenden sein sollten. Denn es geht hier nicht um Jupiter oder Ganymed, sondern es geht in dieser Geschichte - wie immer in ernsthafter Science Fiction - um unsere heutige Welt, um "das System" und die Menschen darin:
"Science Fiction [in ihrer nicht rein auf kommerzielle Interessen ausgerichteten Form, Anm.d.Kap.] entwirft keineswegs Zukunft, sondern Alternative; sie springt in die andere Wirklichkeit und meint nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart." (Dieter Wuckel: "Science Fiction. Eine illustrierte Literaturgeschichte", 1986)
Ich halte diesen Text - aus literarischer und politischer Sicht - für mindestens so bedeutend wie so manche Parabel Kafkas. Diese Einschätzung wurde zumindest in der Vergangenheit von gewissen Kreisen noch geteilt, denn 1989 wurde diese Erzählung in den ausgewählten Kreis der "Arbeitstexte für den Unterricht" des Reclam-Verlages aufgenommen. Heute könnte sich das angesichts der massiv um sich greifenden Propaganda des neoliberalen Wahnsinns, die natürlich auch einstmals halbwegs "renommierte" Verlage längst erfasst und infiltriert hat, schon wieder geändert haben, denn laut "reclam.de" ist der Band 15015 ("Arbeitstexte für den Unterricht: Science Fiction") nicht mehr erhältlich. - Wer allerdings meint, in dem im Text erwähnten "System" schlicht die politischen Strukturen der ehemaligen DDR zu erkennen, versteht weder diesen Text, noch wird sich einem solchen Lesenden jemals Orwells Schreckensszenario "1984" oder vergleichbare Dystopien erschließen.
Und derweil träume auch ich weiter (natürlich vollkommen vergeblich aufgrund jeglicher fehlender realistischer Alternative jenseits der Fantasie) davon, dass endlich die Enterprise im Orbit dieses verkommenen Planeten kurz haltmacht und ich gefragt werde, ob ich endlich einsteigen und auf Nimmerwiedersehen aus diesem Irrsinn verschwinden möchte ... und gleichzeitig weiß bzw. ahne ich, dass diese Alternativlosigkeit und damit auch diese billigen Träume systemgewollt und damit nicht zufällig (und erst recht nicht meine eigenen) sind. Steinmüller ist mit dieser Erzählung schon vor über 30 Jahren ein bitterböser Geniestreich gelungen, der immer noch (und zunehmend) extrem weh tut - und vielleicht auch deshalb in seiner verpönten SF-Nische weitestgehend unbeachtet vor sich hin modert.
Und so soll der erste Satz dieser Erzählung auch der Schluss dieses Beitrages sein, denn dem ist (abgesehen von Steinmüllers Erzählung) nichts weiter hinzuzufügen:
"Ich lief aus Leibeskräften, ich schwitzte am ganzen Körper, ich rannte und rannte, und doch kam mir Jupiter kein Stück näher."
(Apocalyptica feat. Adam Gontier: "I Don't Care", aus dem Album "Worlds Collide", 2007)
I try to make it through my life,
In my way, there's you ...
I try to make it through these lies
And that's all I do.
Just don't deny it,
Don't try to find this and deal with it,
That's just part of it.
If you were dead or still alive,
I don't care, I don't care.
Just go and leave this all behind,
'Cause I swear (I swear!): I don't care.
I try to make you see my side,
Always trying to stay in line,
But your eyes see right through (that's all they do).
I'm getting buried in this place,
I've got no room, you're in my face,
Don't say anything - just go away!
If you were dead or still alive,
I don't care, I don't care.
Just go and leave this all behind,
'Cause I swear (I swear!): I don't care.
Love's changing everything,
You won't be there for me.
If you were dead or still alive,
I don't care, I don't care.
Just go and leave this all behind,
'Cause I swear (I swear!): I don't care ... at all.

Ursprünglich hatte ich vor, das weiter unten verlinkte Video eines evangelikalen "Gottesdienstes" an den Anfang zu stellen und erst danach meinen Kommentar dazu zu schreiben - nachdem ich es aber nach mehrmaligen sehr ernsthaften Versuchen nicht geschafft habe, das Video länger als (im besten Fall) 13 Minuten anzusehen und danach jeweils völlig entnervt, fassungslos und erbost abbrechen musste, habe ich mich umentschieden. Ich weiß also nicht, was da nach der 13. Minute (das Video ist 54 Minuten lang) noch alles kommt. Jeder Mensch, der das anklickt, sollte sich dessen bewusst sein.
Es ist ja keine Neuigkeit, dass in unserer "modernen" (ich verkneife mir den hysterischen Lachanfall angesichts dieser grotesken Bezeichnung für unsere Zeit an dieser Stelle) Gesellschaft seit mehreren hundert Jahren die religiöse Radikalisierung stets dann zugenommen hat, wenn die politische und gesellschaftliche Situation wieder einmal auf einen bösen Zenit zugesteuert ist und die herrschenden "Eliten" dies stets mit Kriegsdrohungen, Kriegsvorbereitungen und einer Menge dann auch wirklich stattgefundener Kriege beantwortet haben, die große Teile des zuvor Bestehenden nachhaltig zerstört und so eine Neuauflage desselben Systems ermöglicht haben. Belege aus dem Internet füge ich hier bewusst nicht ein - wer sich darüber umfassend informieren will, muss viel lesen und viel Zeit in altertümlichen Bibliotheken verbringen.
Den religiösen Wahn aber, auf den es mir hier ankommt, den können wir auch online verfolgen - und das nicht nur in anderen Ländern und anderen Religionen, sondern auch direkt hier bei uns vor der Haustür. Das verlinkte Video ist ein beredtes Beispiel dafür. Nehmen wir nur einmal das "Motto" dieses "Gottesdienstes", das da großspurig lautet: "Glück ist mehr als Glückssache". Ich habe die "Predigt" des evangelikalen Pastors dort wie gesagt nicht gehört, aber allein diese Überschrift lässt meine Fußnägel sich schon in massiven Wellen aufrollen: Ich stelle mir vor, dieser "gottesdurchflutete" Mensch stünde in irgendeinem Elendsviertel einer afrikanischen Stadt und erzählte den dort akut verhungernden und verdurstenden Menschen dasselbe - und auf der Stelle kann ich nur noch Verachtung und Ekel für einen solchen Satz empfinden.
Die überwältigende Mehrheit aller Menschen auf diesem Planeten vegetiert und stirbt in bitterster, für uns Noch-Privilegierte nicht wirklich vorstellbarer und menschengemachter, letzlich also gewollter, Armut vor sich hin - und da stellen sich halbwegs gut situierte, oft sehr privilegierte Leute wie von Sinnen und von unheiligen Dämonen berührt hin und schwafeln von der "Liebe", der "Größe" oder der "Güte" Gottes? Wir krank, indoktriniert und völlig abgehoben von den Problemen dieser Welt muss man sein, um so etwas - noch dazu mit solchen ekstatischen Gesichtsausdrücken und einem steten Grinsen im Gesicht - tun zu können?
Man beobachte gerade die MusikerInnen (und die Reaktionen darauf in der wie auf harten Drogen wirkenden "Gemeinde"), wie sie ihre abstruse Botschaft verkünden: Mich als Musiker gruselt, graust und widert es nur noch an, wenn ich das sehe. Diese "Chorleiterin" am Anfang schießt den Vogel schon ab - da habe ich beim ersten Versuch, mir das anzusehen, abgebrochen und eine uralte Motörhead-Platte aus dem Keller geholt und komplett in ohrenbetäubender Lautstärke abgespielt (kein Witz). Anders war das nicht erträglich.
Ich ärgere mich jetzt doch sehr, dass ich es nicht fertiggebracht habe, das Video bis zum Ende anzuschauen - ich bin mir sicher, dass da noch vieles mehr zu sehen und zu hören ist, das mit dem Aufrollen meiner Fußnägel längst nicht angemessen abgegolten wäre. Aber auch ich bin eben nur ein Mensch, und wenn jemand stärkere Nerven hat als ich und dazu etwas schreiben will, wäre ich dankbar. Und: Dies ist nur eine Veranstaltung von tausenden oder zehntausenden in diesem Land, die wöchentlich (!!) stattfinden.
Festzuhalten ist aber: Diese Zunahme des radikal-religiösen Wahns gerade in scheinzivilisierten Gegenden, in denen es materiell vielen oder zumindest einigen Menschen noch immer verhältnismäßig gut geht, ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Zeit, die wir kennen oder zu kennen meinen (wie auch immer einjede/r sie beurteilen mag) zuende geht. Die kapitalistische "Elite" fordert einmal mehr einen Neustart des totalen Irrsinns - und der wird wohl, wie immer, nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.
Da können wir wohl nur noch beten ... auch wenn das - natürlich und wie immer - nichts bewirkt.
--- Update 09.08.14: (Im Kommentarbereich geht's weiter - ich habe mir den Stuss letztlich doch bis zum Ende angesehen.)
---
Der Krieg, wie ich ihn sah

(Zeichnung von Fritz Arnold [1883-1921], in "Simplicissimus", Heft 52 vom 25.03.1919)
Die Speisen wurden endlich aufgetragen.
Ich konnts bezahlen, hatte mir die Bissen
nicht leicht verdient. Und meine Zähne rissen
das Fleisch. So füllte ich den Magen.
Doch eine Hand im Spiegel gegenüber
griff die Serviette, tupfte sich, gemessen,
den Mund, der, noch gefüllt, das Essen
verhalten gähnend lobte. Matt herüber
sahn Augen, die verdauten. Ich erkannte
mich kaum und äußerst ungern, sah die Wangen
bald schon wie eines Hamsters Backen hangen,
wars satt, dass ich so satt war, rannte
hinaus, erbrach mich, kam herein, man deckte
aufs neue ein, ich aß, unsatt, es schmeckte.
(Thomas Rosenlöcher [* 1947]; in: "Ich lag im Garten bei Kleinzschachwitz. Gedichte und zwei Notate", 1982)
Anmerkung: Ich habe selten eine so konzentrierte, feinfühlige und treffsichere Kritik des Kapitalismus bzw. der Ohnmacht angesichts seiner furchtbaren Auswirkungen gelesen wie in diesem Sonett - das freilich aus einer Zeit stammt, in der der Autor ein (gut situierter) Bürger der DDR gewesen ist. Es entzieht sich bislang meiner Kenntnis, was aus diesem literarisch so hoffnungsvollen und gesellschaftspolitisch so bitterbösen und realistischen Menschen nach 1990 geworden ist. Äußerst lesenswert ist sein erster Gedichtband heute aber allemal - und das noch viel, viel dringlicher als vor 30 Jahren.

Selbstverständlich ist es - ungeachtet des Inhalts - wichtig und richtig, stets scharfe Kritik an jedweder Maßnahme zu formulieren, die aus der CSU in die Welt blubbert. Im Falle des "Betreuungsgeldes", das momentan als aktuelle neoliberale Sau durchs verkommene Dorf getrieben wird, muss man aber wieder einmal differenzieren und genau hinschauen, um eine sinnvolle Beurteilung abgeben zu können.
Was wird uns also von den üblichen Verdächtigen der Mainstream-Journaille an Fakten genannt, die für eine Betreuung von Kleinkindern in staatlichen oder staatlich finanzierten Einrichtungen spricht? Exemplarisch zitiere ich dazu aus einem typischen Pamphlet aus der FAZ:
Das Betreuungsgeld hält benachteiligte Kinder von Bildungsangeboten fern und verringert ihre Chancen auf sozialen Aufstieg.
Aha, so ist das also: Kitas (und übrigens auch einzelne "Tagesmütter" bzw. "-väter") sollen gleichbedeutend mit "Bildungsangeboten" sein, die es zudem daheim in vergleichbarer Form nicht gebe - und das ganz besonders dort, wo der Kapitalismus bereits zugeschlagen und eine Schneise der Verarmung unter den Menschen hinterlassen hat. Das ist eine verwegene Behauptung, die zwar sicherlich durch entsprechende Auftragsstudien pseudowissenschaftlich belegt werden kann, die der einfachen Logik aber dennoch keine zwei Minuten standhält - und das gleich auf mehreren Ebenen.
Zum Einen ist es kein Geheimnis, dass gerade ausgebildete ErzieherInnen nicht gerade zu den bestbezahlten Menschen in diesem System gehören - sie befinden sich vielmehr selbst in einer meist prekären Lage und gehören zu den so genannten Niedriglöhnern, die den so gern propagierten "sozialen Aufstieg" (wohin auch immer) allein durch ihren Beruf nahezu niemals bewerkstelligen können. Zum Anderen sind in Kitas oftmals auch nicht pädagogisch ausgebildete Menschen prekär beschäftigt, so dass Kinder, die solche Einrichtungen besuchen müssen, keinerlei Vorteile in Sachen Bildung zu erwarten haben. Genauso sieht es bei den Tagesmüttern oder -vätern aus: Vom Jugendamt wird für eine solche Tätigkeit jeder erwachsene Mensch akzeptiert und auch bezahlt, völlig unabhängig davon, welche Befähigungen oder Ausbildungen er mitbringt - gerade das habe ich höchstpersönlich erlebt.
Sicherlich gibt es immer wieder auch in Kitas und bei "Tageseltern" gebildetete Menschen, die tatsächlich einen positiven Einfluss auf Kinder haben können - dasselbe gilt aber freilich verstärkt für die leiblichen Eltern, denn diese haben in der Regel ein weitaus größeres Interesse daran, dass ihre Kinder auf einen guten Weg gebracht werden, als die mit Hungerlöhnen abgespeisten Angestellten irgendwelcher Kitas oder - noch schlimmer - "freiberuflich" tätige "Tageseltern".
Es geht in diesem Falle - wie immer in diesem niederträchtigen System - nicht um das Wohl oder die Perspektiven der Kinder, sondern natürlich um Geld und Ausbeutung: Der neoliberale Ruf nach Kitaplätzen für Kleinkinder ist klar erkennbar darauf zurückzuführen, dass beide Elternteile sich nicht etwa mit der Kindererziehung befassen (und damit womöglich mündige, kritische Menschen aufziehen) sollen, sondern schnellstmöglich wieder der Ausbeutungsmaschinerie des "Arbeitsmarktes" zur Verfügung zu stehen haben. Dass Kleinkinder dabei nicht nur dem familären Umfeld entwöhnt, sondern auch systemkonform indoktriniert und konditioniert werden können, ist dabei sicher nur ein gern gesehener Nebeneffekt.
Ginge es tatsächlich um die Kinder und deren Wohlergehen und Bildung, wäre der Beruf des Erziehers bzw. der Erzieherin längst ein akademischer, der nach einer universitären Ausbildung auch entsprechend gut bezahlt wird. Das jedoch ist weder von der CSU, noch von irgendeiner anderen Partei jemals gefordert oder gar forciert worden. Dennoch werden die Systemmedien nicht müde, uns immer wieder denselben hanebüchenen Sermon zu präsentieren - hier zur Abwechslung mal ein Beispiel aus dem Tagesspiegel:
Das Betreuungsgeld lasse sich "als besonderer Anreiz für sozial eher benachteiligte Familien identifizieren, kein Angebot an frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung zu nutzen", schreibt die Autorin der Studie (...).
Das ganze steht dort unter der reißerischen Überschrift "Kohle oder Kita?" und suggeriert dem geneigten Leser nicht nur die nicht hinterfragte Behauptung, dass Kitas und "Tageseltern" für Kleinkinder gleichbedeutend mit "Bildung" seien, sondern unterstellt armen und verarmten Familien sogleich auch die in diesem System eher in "höheren" Kreisen verbreitete Habgier - frei nach dem widerwärtigen Motto: "Wenn Millionäre auch nach der 100. Million den Hals noch nicht voll haben und wie von Sinnen weitere Millionen an sich raffen wollen, gilt das für Habenichtse natürlich erst recht."
Die Vorstellung, dass es Menschen geben könne, die nicht unablässig dem Mammon hinterhergieren, kommt in diesem Narrativ gar nicht mehr vor - ebenso wie die schlimme Tatsache, dass dieses furchtbare System längst Bedingungen geschaffen hat, in denen für nicht wenige Menschen 100 Euro mehr oder weniger im Monat tatsächlich eine existenzielle Bedeutung haben.
Ich selbst bin übrigens glücklicher Weise vollkommen kita- und kindergartenfrei aufgewachsen - und habe schon in frühkindlichen Jahren Bekanntschaft mit ernsthafter Musik, Kunst und Kultur gemacht. Und das in einem nicht-akademischen Haushalt, in dem mir sehr nachhaltig kritisches Denken beigebracht wurde.
---
Ein Philosoph

"Ja, Frau Meier, die Zeit is' wirklich demokratisch - jeder kriegt sein Packl Sorgen und Opfer!"
(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 41 vom 07.01.1919)
(Jeremy Soule [*1975]: Soundtrack zu dem Spiel "The Elder Scrolls V: Skyrim", 2012)
Anmerkung: Ja, ich befinde mich momentan zum zweiten Male auf meiner Mission durch Himmelsrand - ich konnte nicht widerstehen und habe nach dem Ende von "Kingdoms of Amalur" ein neues Skyrim-Spiel gestartet. ;-) Und ... es macht noch mehr Spaß als beim ersten Mal.
Zum Soundtrack nur soviel: Natürlich ist diese Musik in weiten Teilen nichts weiter als ein schnödes Plagiat - die tatsächlichen Ursprünge liegen zum großen Teil in der Kunst der Komponisten der Romantik und teilweise der Klassik. Trotzdem liebe ich diese Musik abgrundtief, schon allein deshalb, weil sie mir - insbesondere während der ruhigen Passagen - so ein grandioses Gefühl des "Zuhause-Seins" vermittelt. Das lässt sicher Rückschlüsse auf meinen pathologischen Gemütszustand zu, da ich mich in virtuellen Welten offenbar heimischer fühle als in der bösen Realität ... aber das wäre ein anderes Thema und gehört nicht hierher. ;-)
Ich verkrieche mich jetzt ins Bett meines sicheren, kleinen Hauses "Brisenheim" in Weißlauf ... und weiß dennoch, dass ich morgen wieder erfrischt dort aufwachen werde, um erneut und voller Tatendrang in den andauernden Kampf gegen die fiesen Horden zu ziehen, die mein kleines Leben und das aller anderen Einwohner dieses Landes unablässig angreifen und bedrohen. Und das betrifft gewiss nicht nur Himmelsrand. ;-)

Nein, es ist nichts
Besonderes zu berichten.
Ja, mit den Wölfen heulen.
Wenigstens sind sie nicht menschlich.
Übrigens, hinter den Bergen
Wohnen auch
Keine Leute.
(Eckart Kleßmann [*1933], in: "Botschaften für Viviane. Gedichte", 1980)

(...) Nun hat ein ehemaliger Stipendiat der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, in dessen Dissertation Vroniplag auf über der Hälfte der Seiten "Fremdtextübernahmen" fand, das akademische Hygieneportal dazu gezwungen, die Dokumentation seiner Doktorarbeit aus dem Netz zu nehmen. Grundlage dafür ist keine anwaltliche Abmahnung nach deutschem Recht, sondern eine nach dem US-amerikanischen Digital Millenium Copyright Act, eine so genannte DMCA Notice.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Eigentlich verbietet sich hier jeglicher Kommentar, da in diesem Fall klar ersichtlich zusammenfindet, was sehr intim zusammen gehört: Die Begriffe Betrug, Selbstbereicherung und FDP sind schließlich nicht erst seit der Neuzeit Synonyme. Dennoch ist diese Meldung bemerkenswert, denn wir lernen einmal mehr: Die Umgehung der (keinesfalls perfekten) heimischen Gesetze mittels irgendwelcher korrupter transatlantischer Grotesken funktioniert offenbar schon tadellos. Wenn sich ein des Plagiats Verdächtiger nun schon mit dem offenkundig wahnwitzigen, an debilen Irrsinn grenzenden Deppenargument, die öffentliche Dokumentation des Plagiats "verstoße gegen Urheberrechte", erfolgreich aus der Affäre ziehen kann, ist Orwells Schreckensstaat klar erkennbar längst bittere Realität.
Das wird nicht gut ausgehen - hier kündigt sich der neuerliche Untergang der "Zivilisation", die in Wahrheit natürlich gar keine war, nur allzu nachdrücklich an. Und die degenerierte Menschheit wird trotzdem weiter wie von Sinnen die neoliberale Verbrecherbande wählen - jeder Lerneffekt ist von vorn herein ausgeschlossen. Wer mag da noch an der bereits vollendeten, perfekten Dystopie zweifeln? Wir steuern nicht darauf zu - wir haben sie doch längst.
---
Das Reichskarussell

"Es geht vorwärts!"
(Zeichnung von Olaf Gulbransson [1873-1958], in "Simplicissimus", Heft 26 vom 23.09.1919)
Futter für ein verrohtes Bürgertum: Mit seinem neuen Buch "Die schrecklichen Kinder der Neuzeit" entpuppt sich Peter Sloterdijk endgültig als Reaktionär und Ressentimentlieferant. Die Wähler der AfD dürften ihn dafür feiern.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Ich habe des Schlotterdicks Auswürfe nicht gelesen - mir reichen tatsächlich die kleinen Kotzbröckchen, die sich als Zitate in diesem Text und an anderen Stellen im Netz finden lassen, um zu der lapidaren Feststellung zu gelangen, dass der Kerl sich offenbar weiterhin treu bleibt und den eingeschlagenen Weg in den reaktionären Irrsinn - also mit Volldampf in den Faschismus - nicht wieder verlassen wird. Er "entpuppt" sich nicht, sondern malt Ausrufezeichen hinter seine braunen Absonderungen.
Bemerkenswerter finde ich da schon den Umstand, dass dieser Text ausgerechnet bei Spiegel Online erschienen ist - es mutet mitunter doch sehr surrealistisch an, wenn gerade dort auf eher abgehobene Weise über den "Freiheitsbegriff" pseudophilosophiert wird. Eine kleine Kostprobe aus Diezens Text:
"Wir sind Vertriebene, fast von Anfang an", schreibt Sloterdijk. "Wir alle haben eine Heimat gegen ein Exil getauscht. Sind wir hier, in der Welt, so [deshalb,] weil wir nicht würdig waren, an einem besseren Ort zu bleiben." Die Freiheit also - oder: "Freiheit", wie er es nennt - ist das Problem, sie ist das Exil, in die Freiheit sind wir "Geworfene", wie Sloterdijk mit Heidegger blubbert, schuldig sind "die Modernen", unwürdig und illegitim (...).
Haben das alle auf Anhieb verstanden? Wenn nicht, bitte erneut lesen - und dann fragen wir uns doch einmal, was denn wohl der Herr Diez und die übrigen Triefnasen bei Spiegel Online unter "Freiheit" verstehen. Auf mich wirkt das doppelte Geblubber der Herren Schlotterdick und Diez wie die angestrengte Diskussion zweier von Geburt an Blinder über das Wesen der Farben.
Man könnte weite Passagen dieses Artikels übernehmen und den Namen "Sloterdijk" schlicht durch "Spiegel" ersetzen - und erhielte auf diese Weise eine wunderbar zutreffende Beschreibung der pseudojournalistischen, reaktionären Propaganda, die dieses Blatt samt seiner Online-Ausgabe seit Jahren betreibt. Hier wird das Prinzip der angeblich freien "vierten Gewalt" im Staat ins Absurde aufgebauscht: Ausgerechnet in einem der Blätter, die systemkonformer und damit menschenfeindlicher kaum agieren können, erscheint eine Pseudokritik dieser Sorte, über die der Herrenmensch Schlotterdick selbst natürlich nur schmunzelt, denn er weiß, dass dies letztlich nur Werbung für sein Machwerk ist und dass die Verantwortlichen auch beim Spiegel voll und ganz auf seiner rückwärtsgewandten, elitären Linie sind, wie man Woche für Woche wieder neu dort nachlesen kann. Auch bei den "KernleserInnen" dieses Blattes wird das gewiss auf begierige Ohren stoßen - also bei Teilen der ehemals "gehobenen Mittelschicht", die ihre kleinen Privilegien vollkommen zu Recht gefährdet sehen, dafür aber grotesker Weise und wie immer die vielen armen und bereits verarmten Menschen verantwortlich machen und nicht etwa die kleine Clique der Superreichen, die raffend und habgierig die Fantastillionen hortend und wie von Sinnen an sich reißt.
Wenn der Spiegel sich mit Schlotterdick befasst, ist das nichts anderes als ein Konvent der Brandstifter - und es gehört wirklich nicht viel Fantasie dazu sich auszumalen, was am Ende wohl dabei herauskommen mag:
Der schwarze Tod

"Ich sehe es kommen: ehe ich nicht eingreife, wird die Welt von ihrem Wahnsinn nicht kuriert."
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 29 vom 15.10.1918)
(The Tear Garden: "You And Me And Rainbows", aus dem Album "Tired Eyes Slowly Burning", 1987)
You're number eight. Your name is Jane,
with black hair, braids, and black lines around your eyes.
Shades to hide your habit.
I don't know your age, though you guessed mine.
My sign. Your sign!
The opening line is always just the same.
The same intention, destination.
Just you and me and rainbows.
Loaded guns attract.
We know the rules, we don't react.
We wait in hope, we don't expect.
Just you and me and rainbows.
Down here everything is fine.
We have a straw, we have a line.
We have a bag, a rock, a mountain,
With a string of shepherds driving lions.
Aiming skewers at the sheep; face down, asleep, in onion fields.
The frying fields.
The worms - they peep through holes which once were eyes.
They thrive, they bake although we painted out the sky, the sun.
There's only thunder, and you and me and rainbows.
Let's hide out in the lay-by, let the time fly by.
Tonight's disguise:
A car crash with our wheels like shattered stars - dashboard charred.
Our windscreen like a graveyard for the flies (we're fast!).
The hungry flies are circling,
mourning as the watchers squat with cameras, cakes and flasks.
They're spying, spitting as the blue lights flash,
Axes, axes, axes swing! (We're broken!)
Broken wings, but sure we'll fly and reach our destination.
You and me and rainbows.
And if we turn the lights down low
And watch the sky cry through the window,
Will I watch your fingers grow and stretch like butterflies?
The shadows flexing, licking toes,
And blinding as slowly sun sets on the same old hill.
The same red glow. We're quite alone.
Just you and me and rainbows.
Everything I own is in the corner of your room.
It's covered with a sheet just like it died.
But I will take a broom; I'll sweep it new again, arrange it.
Oh, I'll grow a dozen hands.
No, I never will neglect my world again.
I'm safe beneath my blanket.
Come home. For you, for me - and rainbows.
Loaded guns attract.
We know the rules, we don't react.
We wait in hope, we don't expect.
Just you and me and rainbows ...
... looking down.

Der Wind, der Wind, der geht ums Haus,
wir löffeln unsre Suppe aus,
dann gehn wir fröhlich schlafen.
Doch plötzlich sind wir wieder wach,
was ist das für ein wehes Ach,
wir können nicht mehr schlafen.
Es ist ein Ach und ist ein Weh
wie damals in Gethsemane,
da konnt auch keiner schlafen.
Das ist kein Wind, das ist kein Sturm,
das ist auch nicht im Holz der Wurm,
das ist ein armes Weinen.
Die Kinder weinen in dem Wind,
die all die Jahr gestorben sind,
die hörn wir draußen weinen.
Sie weinen, die der Hitler schlug
ins weiße, weiße Leichentuch,
die hörn wir schrecklich weinen.
Die Kinder sinds, soviel, soviel,
auf die die Glut vom Himmel fiel,
die jammern in der Stube.
Die andern auch, aus Schnee und Eis,
sind voll des wimmernden Geschreis
in unsrer warmen Stube.
Die ungeheure Kinderwelt
hat tot sich um das Haus gestellt,
wir frieren in der Stube.
Wir frieren und wir schlafen nicht,
wir liegen auf dem Angesicht,
wir schämen uns zu Tode.
Wir decken mit dem Bettzeug zu
das eigne Kind, ach, bleibe Du
bewahrt vor ihrem Tode,
die weiterziehn, von Haus zu Haus.
Wir löschen unsre Lampe aus
und zittern vor dem Tode.
(Wolfgang Weyrauch [1904-1980]: "Der Wind geht ums Haus", in: "Gesang um nicht zu sterben. Neue Gedichte", 1956)

Eigentlich wollte ich heute einen bösen Text über die korrupte, bis ins Mark verlogene Kriegstreiberbande einstellen, die sich - fleißig befeuert von der gleichgeschalteten, offenbar ebenso kriegsgeilen Mainstreamjournaille - momentan geradezu in kafkaesken, nur noch durch exzessiven Drogenrausch erklärbaren Bemühungen überbietet, ein neues 1914 herbeizuschrei(b)en, auf dass endlich wieder die Waffen das alleinige Sprachrecht bekommen und die allseits gepriesene westliche, kapitalistisch-freiheitlich-demokratische Diktatur erneut ihren Siegeszug gen Osten antreten kann - allerdings haben das viele andere in der Zwischenzeit bereits getan, so dass ich mich, wenn auch schlechten Gewissens, banaleren Dingen zuwenden kann:
Wer auch am Rande des Abgrunds nicht darauf verzichten will, endlich wieder einmal herzhaft und aus vollem Halse lachen zu können, sollte sich dieses neue Pamphlet vom Eso-Blog "Hinter den Schlagzeilen" (das sich vielleicht doch endlich in "Jenseits des Intellektes" umbenennen sollte) nicht entgehen lassen. Es sind genau diese Juwelen des entwaffnenden esoterischen Schwachsinns, die ich dort zu finden hoffe und die naturgemäß auch immer wieder dort auftauchen - ich lege jedem Menschen, der diesem Link an einem PC folgt, eindringlich nahe, dabei keinen Kaffee oder gar Kakao zu trinken: Die Folgen für den Monitor, die Tastatur und den Rest der auf dem Schreibtisch befindlichen Utensilien sind wahrlich fatal und nur sehr schwer zu beseitigen.
Die "weit greifenden philosphischen Betrachtungen", die im Teaser großspurig angekündigt werden, haben mein Herz in dieser bösen Zeit zärtlich und sanftmütig erwärmt und große Erwartungen geweckt, die nicht enttäuscht wurden: Wenn Schramm oder Pispers nicht mehr weiter wissen, sollte man zukünftig diesem großen Biene-Maja-Künstler und erleuchteten Heilsbringer namens Wolf Schneider das Mikrophon in die Hand drücken. Er wird alles zum Guten richten - jedenfalls solange, bis die anstürmenden kapitalistischen Zombiehorden ihn auf seiner "Lichtung eines mitteleuropäischen Mischwalds", "umgeben von Himbeeren und dem Summen von Insekten", dumpf grunzend und genüsslich zerfleischt haben, damit auch er als tumber Zombie wiederkehren und das Zerstörungswerk weiter vorantreiben kann. Oder ist das am Ende gar nicht nötig, da er das ja jetzt bereits tut? ;-)
Rhetorische Fragen müssen nicht beantwortet werden. Ich entferne jetzt noch die letzten Reste der Kakaopampe (oder ist es doch vielleicht verspritzte, ungenutzte Gehirnmasse?) von meinem Monitor und Schreibtisch und freue mich auf die nächste brüllende Humorattacke dieses lustigen Blogs. Wenn die kapitalistischen Kriegstreiber, deren Handlungen jetzt so viel wichtiger sind, mich und die Satiriker von "Jenseits des Intellektes" bis dahin noch nicht ermordet haben, gibt's vielleicht sogar ein Wiedersehen.

(Sirenia: "My Mind's Eye", aus dem Album "Nine Destinies and a Downfall", 2007)
If you were here
I'd whisper sweet nothings in your ear
And appeal to all your fears.
If you were mine (if you were only mine)
I'd bring you so much further down
And twist your mind until the end of time.
You will never realize
What darkness lies inside
Inside my mind
If you are down
I will come to chain you to the ground
And penetrate your mind.
If you are lost (if only you were lost)
I'll be there to break your trust
And ravage all your lust for life, my love.
You will never realize
What darkness lies inside
Inside my mind.

Anmerkung: Wir lauschen hier textbezogen einem der banalsten, seit Jahrhunderten immer wiederholten Gründe, weshalb die Menschheit unentwegt auf demselben steinzeitlichen Entwicklungsstand verharrt und sich standhaft und äußerst erfolgreich weigert, dem schnöden Rachegedanken zu entfliehen und sich statt dessen Höherem zu widmen. Allein: Auch ich kann mich nicht von derlei Emotionen freisprechen, so dass sich allmählich vielleicht doch die Frage stellen muss, ob die Menschheit hier nicht doch in einer evolutionären Sackgasse gelandet ist.
Rachegelüste und vor allem deren Ausleben bringen niemanden voran - ganz im Gegenteil. Und dennoch scheinen diese niederen Emotionen fast unausweichlich, quasi "schicksalhaft" zu sein. Wie ausgeprägt ist es wohl um die menschliche Intelligenz bestellt, wenn wir allenthalben denjenigen, die uns böse mitgespielt haben, ebenso fiese Dinge und oftmals eben noch viel mehr an den Hals wünschen - ohne dass dadurch irgendetwas vom bereits geschehenen und erlittenen Leid gemildert würde?
Ich hasse meine Rachegelüste, wenn ich sie in mir entdecke. Und wieviel Größe steckt in einem ernst gemeinten Ausspruch, der einem Täter - egal auf welcher Ebene - seine Taten vergibt. Kein "Auge um Auge" mehr, oder, wie es der Songtext nahelegt, gar "zwei Augen für ein Auge" - sondern ein "Hör auf, ein menschenfeindliches Arschloch zu sein und werde einfach glücklich". Ohne "Strafe", ohne Rache, ohne böse Gedanken.
Diese Menschheit (wohlgemerkt: einschließlich mir selber) ist davon offenbar noch weiter entfernt als die Sonne vom Zentrum der Galaxie - oder, um vergleichbare Bilder zu bemühen, als die VertreterInnen unserer korrupten, neoiberalen Einheitspartei vom Humanismus. Es wird wohl so weitergehen, auch bis zur millionsten Wiederholung.
Ich wünsche der Merkel und ihren ErfüllungsgehilfInnen in der ganzen Welt von Herzen die Pest und alle vefügbaren begleitenden Krankheiten an den Hals - und wünschte dennoch, ich könnte ihnen ein schönes, zufriedenes, kleines, erfülltes Leben gönnen, wenn sie endlich mit ihrem korrupten Tun aufhörten. Vielleicht schaffe ich das irgendwann ja noch - dann darf ich aber nicht mehr solche Lieder wie dieses von Sirenia anhören.