Der Mittag ist so karg erhellt.
Ein schwarzer See sinkt in sein Grab.
Dies ist das letzte Licht der Welt,
das bleichste Glimmen, das es gab.
Aus Sümpfen schwankt Gestrüpp und Baum,
die Birken-Nerven ästeln weh.
Die Zeit erblasst, es krankt der Raum.
Tot steht das Schilf im toten See.
Die Luft strömt grau ins Mündungs-All.
Der Rabe schreit. Der Wald schläft ein.
Mich trennt ein rascher Tränenfall
vom Ende und der Flammenpein.
(Ferdinand Hardekopf [1876-1954], in: "Lyrik des expressionistischen Jahrzehnts. Von den Wegbereitern bis zum Dada", hg. von Gottfried Benn, erstmals Limes 1955; Erstdruck in: "Die Aktion", Jahrgang 6, 1916)
Es ist ein alter Hut, dass die wundersame, leistungslose Geldvermehrung der "Elite" im kapitalistischen System vornehmlich auf Schulden beruht, und ganz besonders gilt das natürlich für "Staatsschulden", die ohnehin niemals "zurückgezahlt" werden können und sollen. Es ist schon grotesk genug, dass ein Bürger, der bei einer privaten Bank einen Kredit aufnimmt, Geld "geliehen" bekommt, das es zuvor gar nicht gab - und mit der "Tilgung" des Kredits jene Bank um genau diesen Betrag reicher macht, selbstverständlich zuzüglich der anfallenden Zinsen. Dieses völlig hanebüchene Prinzip des "Fiat Money" ist inzwischen hinreichend beschrieben worden, wenngleich die große Mehrheit der Menschen noch immer keine Kenntnis davon besitzt.
Der revolutionären Umtrieben völlig unverdächtige Schlips-Borg Raimund Brichta hat schon 2008 in seiner n-tv-Kolumne der "Telebörse" darüber berichtet, wie Geld in diesem System entsteht bzw. willkürlich aus dem Nichts geschaffen wird.
Noch skurriler geht es in diesem Bereich aber zu, wenn es um Staatsschulden geht. Ich klammere die Frage einmal aus, weshalb die kapitalistischen Staaten des "freien Westens" den eigentlich hoheitlichen Akt der Geldschöpfung überhaupt in die Hände irgendwelcher privater Banken gelegt haben, um mich vor den schlimmsten verschwörungstheoretischen Angriffen, die in der Kritik des Geldsystems stets sofort teuflischen Antisemitismus zu entdecken glauben, zu schützen. Es ist jedenfalls ein nicht widerlegbarer Fakt, dass Schulden, die ein Staat bei privaten Banken aufnimmt, niemals zurückgezahlt werden sollen - die Banken sind "lediglich" an den fälligen Zinszahlungen interessiert, da dieses irrsinnige, exponentiell ausgerichtete System ansonsten innerhalb von nur wenigen Jahren zwangsläufig kollabieren müsste. Kein kapitalistisch organisierter Staat dieser Welt hat jemals auch nur einen einzigen Cent der aufgenommenen "Schulden" getilgt - Zinszahlungen haben sie aber allesamt in Billionenhöhe geleistet und werden bzw. müssen das - natürlich unaufhörlich steigend - weiterhin tun.
Welcher Geldgeber verzichtet aber auf die Rückzahlung des "geliehenen Geldes" und gibt sich mit den Zinszahlungen zufrieden? - Das ist eine rhetorische - oder vielleicht eher satirische - Frage.
Von diesen Zusammenhängen erfahren die BürgerInnen dieses Landes in der Regel nichts. Dafür wird in regelmäßigen Abständen das Bullshit-Bingo medial gestartet: Die "schwarze Null" namens Schäuble ist da nur ein lächerlicher Protagonist unter vielen. Gestern las ich beispielsweise beim WDR den folgenden Bockmist:
Die Schuldenbremse im Jahr 2020 wird NRW wohl einhalten. Jedenfalls dann, wenn alles so kommt, wie Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) es plant. Ein Jahr früher als bislang vorgesehen, nämlich schon 2019, will der Minister ganz ohne neue Kredite auskommen. (...) / Für das kommende Jahr allerdings sieht der Landes-Etat noch Kredite in Höhe von 1,48 Milliarden Euro vor.
Rufen wir uns in Erinnerung: Die "Elite" wäre "not amused", wenn irgendeine Kommune, ein Bundesland oder Staat tatsächlich zukünftig keine "Schulden" mehr machte - entsprechend sind all diese Ankündigungen und scheinheiligen Pläne auch zu werten. Die Brut der Superreichen verdient trefflich an "Staatsschulden" - es ist also davon auszugehen, dass die korrupte Bande der politischen Vasallen immer wieder gerne ein Medienfeuerwerk nach dem anderen zünden wird, um das "Ende der Schulden" einzuläuten, dieses aber stets in die mehr oder minder ferne Zukunft verlegt und stattdessen aktuell wieder fett in die Vollen haut und weitere Milliarden von den privaten Banken aus dem Nichts schöpfen lässt, für die dann wiederum auf ewige Zeiten Zinszahlungen fällig werden. Man muss sich den verlinkten Quatsch beim WDR nur einmal durchlesen, um unentwegt mit der blanken Stirn auf den Tisch schlagen zu wollen, bis sie blutig ist. Allein eine Formulierung wie "schon 2019" ist ein ehrenwerter Kandidat für den Thron des ultimativen Bullshits - aber die "Opposition" im Landtag setzt diesem an Wahnwitz grenzenden Irrsinn locker noch die Krone auf.
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Wunschtraum
"Der einzige Diktator, der uns wirklich helfen könnte."
Anmerkung: Angesichts dieser Musik versagen alle Worte. Ich kann die Nächte nicht mehr zählen, die ich mit geschlossenen Augen unterm Kopfhörer verbracht habe, während die wundersamen Töne von links und rechts durch mein Gehirn flossen und mich von der einen auf die andere fantastische geistige Reise geschickt haben.
Wenn man nicht verdammt gut aufpasst, kann das womöglich zu einer Reise ohne Wiederkehr werden.
Ich hab's mein Lebtag nicht gelernt,
mich fremdem Zwang zu fügen.
Jetzt haben sie mich einkasernt,
von Heim und Weib und Werk entfernt.
Doch ob sie mich erschlügen:
Sich fügen heißt lügen!
Ich soll? Ich muss? - Doch will ich nicht
nach jener Herrn Vergnügen.
Ich tu nicht, was ein Fronvogt spricht.
Rebellen kennen bessre Pflicht
als sich ins Joch zu fügen.
Sich fügen heißt lügen!
Der Staat, der mir die Freiheit nahm,
der folgt, mich zu betrügen,
mir in den Kerker ohne Scham.
Ich soll dem Paragraphenkram
mich noch in Fesseln fügen.
Sich fügen heißt lügen!
Stellt doch den Frevler an die Wand!
So kann's euch wohl genügen.
Denn eher dorre meine Hand,
eh ich in Sklavenunverstand
der Geißel mich sollt fügen.
Sich fügen heißt lügen!
Doch bricht die Kette einst entzwei,
darf ich in vollen Zügen
die Sonne atmen - Tyrannei!
dann ruf ich's in das Volk: Sei frei!
Verlern es, dich zu fügen!
Sich fügen heißt lügen!
Nachdem ich die PC-Rollenspiele "Risen", "Arcania" und "Gothic 3" ja bereits besprochen habe, will ich heute einen weiteren Schritt zurück in der Historie des "Gothic"-Universums wagen - vor kurzem habe ich nun endlich auch einmal "Gothic II", das ich schon jahrelang auf DVD zuhause herumliegen hatte, ausprobiert. Dieser Versuch ist nicht zuletzt einem Blogleser zu verdanken, der mich immer wieder sanft, aber bestimmt in diese Richtung "geschubst" hat - vielen Dank an Martin an dieser Stelle.
Das Spiel, das wie alle anderen Teile mit Ausnahme von "Arcania" aus dem Hause Piranha Bytes stammt, wurde Ende 2002 (erst-)veröffentlicht und gehört heute somit längst zu den "Dinosauriern" dieses Genres. Dank diverser Patches merkt man ihm dieses Alter aber nicht an - die Grafik kann sich freilich nicht mit aktuellen Spielen messen, liegt in der inzwischen verfügbaren Version aber deutlich über dem Durchschnitt und lässt sich problemlos mit wesentlich jüngeren Spielen wie beispielsweise "Fable", "Divinity II" oder "The Witcher 2" vergleichen.
Zur Story will ich hier nicht viel schreiben - man spielt den gewohnt namenlosen "Helden", der sich in einer mittelalterlich anmutenden Fantasywelt aufmacht, das einfallende Böse (in diesem Fall sind es die Schergen des "bösen Gottes Beliar") zu besiegen - oder aber mit ihm gemeinsame Sache zu machen, denn natürlich hat der Spieler die freie Wahl, welcher Partei er sich anschließen möchte. Es versteht sich von selbst, dass für mich natürlich nur der "strahlende Held" in Betracht kam, der Sklaven befreit und Monstern, Schurken, Orks, fiesen Magiern und anderen finsteren Gesellen konsequent aufs Maul haut. ;-)
Jedenfalls habe ich das versucht. Und da wäre ich auch schon beim ersten großen Kritikpunkt an diesem Spiel, denn es ist - selbst auf der leichtesten Stufe - viel zu schwierig. Gerade in den ersten zehn bis zwanzig Spielstunden ist es fast unmöglich, die vielen Gegner, auf die man unweigerlich trifft, auch wirklich zu besiegen (und auch später ändert sich das nur sehr schleppend). Das Spielkonzept sieht hier offenbar vor, dass man sich vorsichtig herantasten soll, welche Gegner man auf der jeweils aktuellen Stufe schon in Angriff nehmen kann und um welche man besser einen großen Bogen macht. Dieses Konzept finde ich zwar gut, es ist aber leider sehr schlecht umgesetzt, da es ständig passiert, dass man, wenn endlich mal ein besiegbarer Gegner gefunden ist, während des trotzdem längeren Kampfes plötzlich in den Bereich eines unbesiegbaren Monsters gerät, das den Helden dann mit ein oder zwei Hieben spöttisch grunzend ins Jenseits befördert. Man muss also auch beim Kämpfen äußerst vorsichtig sein und sollte die Gegend zuvor gründlich ausgespäht haben, um sicherzugehen, dass nicht hinter dem nächsten Felsen oder Baum etwas Fieses lauert. Hier erahnt man schon, wie wichtig die Fähigkeit des Schleichens in diesem Spiel ist.
Neumodischen Krimskrams wie beispielsweise eine sich selbst regenerierende Lebensenergie und dergleichen mehr gibt es in "Gothic 2" ohnehin nicht - man muss also stets ausreichend Nahrungsmittel oder Heiltränke im Gepäck haben, sonst braucht man gar nicht erst loszuziehen. Glücklicherweise war ich das schon aus "Gothic 3" und "Risen" gewohnt, so dass mich zumindest dies nicht weiter überrascht hat.
Das Inventar ist eine bodenlose Zumutung, die unübersichtlicher kaum sein könnte. Heute selbstverständliche Dinge wie beispielsweise einen Vergleich mit den aktuell ausgerüsteten Waffen und anderen Gegenständen gibt es nicht, während man bei einem Händler einkaufen möchte - man muss das alles entweder im Kopf haben, sich vorher aufschreiben oder den Handelsvorgang immer wieder unterbrechen und umständlich im Inventar nachsehen. Gerade an solchen Dingen merkt man dem Spiel sein Alter an - es gehört eben zu den "ersten seiner Art".
"Gothic 2" ist sperrig ohne Ende. Es streckt dem Spieler immer wieder frech die Zunge heraus und dreht ihm eine lange Nase. Die Steuerung ist sehr gewöhnungsbedürftig, die Hilfen sind rar oder schlicht nicht vorhanden, und ohne den einen oder anderen Tipp aus diversen Internetforen hätte ich so manche Quest wohl nicht abschließen können. Wie oft bin ich entnervt durch die große, im späteren Verlauf völlig offene Welt geirrt, weil ich einen bestimmten NPC suchte und mir nicht mehr so ganz sicher war, wo der blöde Geselle sich denn nun genau aufhält (zumal viele NPCs ihren Aufenthaltsort im Verlauf des Spieles auch ändern).
Viele dieser Kritikpunkte haben nun merkwürdigerweise dazu geführt, dass ich "Gothic 2" heiß lieben gelernt habe. Es ist gerade diese Sperrigkeit, die es so wohltuend von vielen aktuelleren Spielen abhebt. Trotz all der benannten Mängel habe ich es voller Inbrunst gespielt und war, wenn ich einmal begonnen hatte, stundenlang nicht mehr ansprechbar, sondern vollkommen in der virtuellen Welt gefangen - ein Umstand, den ich ansonsten nur von manchen Büchern, Theaterstücken und gelegentlich auch Filmen kenne. Ein typischer Dialog dazu: "Charlie, wo warst du denn am Sonntagabend? Ich hab' dreimal versucht, dich anzurufen!" - "Äh ... ich war doch allein zuhause?!?"
Der übliche Sermon darf nicht fehlen: Die Musik zum Spiel ist passend, die vielen, teils äußerst amüsanten Dialoge sind professionell vertont und gewohnt rauh - in der "Gothic"-Welt ist es ja selbstverständlich, dass ständig maßlos gesoffen, geraucht, gekifft, verbal gepoltert und wild drauf los geprügelt wird. Die Geschichte und die vielen, vielen Nebenquests fesseln für Tage und Wochen. Ich habe das Spiel in der sogenannten "Gold-Version", also inklusive des Addons "Die Nacht des Raben" (das wie so oft eigentlich kein "Addon", sondern ein regulärer, aus Geldgier zuvor herausgerissener Inhalt ist), gespielt und den umfangreichen Patch des Bloglesers Martin dafür benutzt (ob es den auch als Download im Netz gibt, weiß ich leider nicht - vielleicht schreibt er noch etwas dazu). Auf meinem Win7/64-System gab's dabei keinerlei Probleme - im gesamten Spielverlauf hatte ich bloß einen einzigen Absturz zu verzeichnen.
Mein Fazit: "Gothic 2" ist für Anfänger ungeeignet, für alle anderen aber sei eine heiße Empfehlung und deutliche Suchtwarnung ausgesprochen, denn dieses Spiel lässt trotz seines Alters die versammelte Riege der massentauglichen, neumodischen Konsolenkacke schlicht "uralt" aussehen. Das Werk kostet heute nur noch ein paar Cent - wer es nicht spielt, verpasst etwas wirklich Großartiges.
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Dialogschnipsel
Raoul: "Glaub' ja nicht, dass Du so einfach bei den Söldnern aufgenommen wirst, das ist nur was für ganze Kerle. Du siehst eher aus als wärst Du zur Feldarbeit berufen." Held: "Ich glaub', ich hau' Dir mal ein bisschen aufs Maul!"
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Held: "Wer bist du?" Wache: "Geht dich nichts an, ich bin der Chef hier, klar?" Held: "Der Chef? Von was? Von den Kisten?"
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Ulf: "Ich wollte schon immer Magier werden." Held: "Ach nee, komm!" Ulf: "Es muss sein, hast du noch einen Wunsch, bevor dein letztes Stündlein geschlagen hat?" Held: "Hast du was zu rauchen?"
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Held(steht direkt vor der Kirche, wo auch Parlan herumlungert): "Wo finde ich ... die Kirche?" Parlan: "Grundgütiger! Hat Innos dich mit Blindheit geschlagen? Ja, wo ist denn die Kirche bloß ...?"
Der Rechtsanwalt und Blogger Thomas Stadler hat vor einer Woche einen Text über die "Angstgesellschaft" veröffentlicht, der eindrucksvoll illustriert, wie das konsequent einseitige Betrachten nur einer Medaillenseite zu geradezu abstrusen Ergebnissen führt. Stadler schreibt:
Wir leben in einer Angstgesellschaft. Obwohl die Menschen noch nie in der Geschichte derart sicher und in relativem Wohlstand leben konnten, wie in unserem Land und der gesamten sog. westlichen Welt, haben sie, wie selten zuvor, Angst vor allen möglichen Dingen.
Hier analysiert Stadler den irrsinnigen Zustand der "westlichen Gesellschaften" einigermaßen genau und weist später im Text sogar auf die klar ersichtlichen Ursachen, nämlich ständig wiederholte politisch-mediale Lügen und Propaganda, hin. An dieser Stelle unterbricht der Autor seine Analyse allerdings abrupt - er stellt die sich nun aufdrängenden Fragen nach den Gründen für diese staatlich-medialen Lügen und Propaganda nicht und versäumt es daher, auch an diesem Beispiel die uralte Strategie des gesteuerten Kanalisierens von allzu berechtigtem Widerspruch zu erkennen.
Es gibt in der Tat mehr als genug Gründe für die Bevölkerung des ach-so-sicheren Westens, pure Angst zu empfinden - einige davon nennt Stadler sogar, ohne sie jedoch als solche zu erkennen bzw. zu benennen. Existenzangst ist in den "sicheren und wohlhabenden" Gesellschaften des kapitalistischen Westens längst wieder eine feste Größe, die nicht versehentlich, sondern systembedingt und gewollt in zunehmendem Maße verwurzelt wird. Es ist daher nur logisch, dass die neoliberale Bande der Stiefellecker und Steigbügelhalter des Kapitals einmal mehr - und das auch diesmal äußerst erfolgreich - versucht, diese Ängste zu instrumentalisieren und umzuleiten. Nur wenige Beispiele dazu:
Die berechtigte Angst vor Verarmung und sozialem Absturz → Erfolgreich umgeleitet vom grotesken Superreichtum einiger Weniger auf "die Griechen", Arbeitslose, Flüchtlinge, Kranke etc.
Die berechtigte Angst vor der totalen staatlichen Überwachung → Erfolgreich umgeleitet auf eine diffuse, durch unzählige haltlose Beispiele genährte Angst vor Terrorismus und Kriminalität, insbesondere der "Kinderschändung".
Die berechtigte Angst vor einem eskalierenden Krieg → Erfolgreich umgeleitet auf den "bösen Russen", diverse "lokale" Kriegseinsätze, die dabei munter durch den Westen selbst "befeuert", initiiert und exekutiert werden (Ukraine, Mali, naher Osten etc.) und dabei nicht selten das schamlose Lügenetikett eines "humanitären Hilfseinsatzes" oder ähnlichen Schwachsinn verpasst bekommen.
Die berechtigte Angst vor minderwertigen und teils giftigen Lebensmitteln aus industrieller Produktion → Erfolgreich umgeleitet auf angebliche "Einzelfälle" bei gleichzeitiger Ausklammerung der systemischen Immanenz durch Profit- und Wachstumszwang; parallel dazu die Installation eines angeblich besseren "Bio-Marktes", der wiederum den noch Besserverdienenden vorbehalten bleibt. Der Irrsinn kennt keine Grenzen in diesem System.
Diese Liste ließe sich noch lange fortführen - Beispiele für diese immer gleiche Strategie gibt es in unserer grotesken Welt der Herrschaft des Kapitals wahrlich mehr als genug. Die vielen Ängste, die ihren Ursprung stets im furchtbaren kapitalistischen System haben, werden heute ebenso wie vor 80 Jahren von den wirklichen Zielen und Verantwortlichen in absonderliche Bahnen abgelenkt, die für die selbsternannte "Elite" nicht nur ungefährlich, sondern nicht selten sogar äußerst gewinnbringend sind - und das perverse System nebenbei dauerhaft zementieren.
Die "Angstgesellschaft", wie Thomas Stadler sie skizziert, ist nichts weiter als ein großer Popanz, der den windigen, bröckelnden Kulissen eines abgehalfterten Theaters gleicht, in dem korrupte kapitalistische Mafiabanden die grandiosen Segnungen ihrer faschistoiden Ideologie unters narkotisierte Volk bringen wollen. Wenn diese Kulissen einstürzen - was sie zwangsweise immer wieder tun -, werden dahinter die hässlichen Fratzen der habgierigen, superreichen Asozialen und ihr willfähriger, korrupter Hofstaat sichtbar, die in ihrer brutalen Menschenfeindlichkeit ihren widerlichen Ahnen in nichts nachstehen.
Ich jedenfalls habe große Angst vor diesem faschistoiden Phönix.
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Die nichts zu verlieren haben
(Gemälde von Pawel Nikolajewitsch Filonow [1883-1941] aus dem Jahr 1912, Öl auf Papier, The Russian Museum, St. Petersburg)
(Therion: "Summer Night City", aus dem Album "Secret of the Runes", 2001)
Anmerkung: Diese Cover-Version eines ABBA-Songs aus dem Jahr 1978 illustriert wunderbar die weltfremde Abgehobenheit der selbsternannten "Elite", die immerfort ihre apokalyptischen Luxusfeste auf dem Vulkan und den maßlosen, längst ins Perverse geglittenen Überfluss feiert, ohne die finstere globale Realität der Menschheit, auf deren Kosten sie ihre schäbigen "Elite"-Leben führt, überhaupt wahrzunehmen. Das Video zu diesem Cover-Song verdeutlicht diese Perversion und weist zudem - keineswegs subtil - darauf hin, dass dieser menschenfeindliche Irrsinn kein Zeichen ausschließlich unserer Zeit ist: Die groteske, sich stets wiederholende Zeitschleife des Wahnsinns wird hier ironisch persifliert und in ihrer ganzen nackten, oberflächlichen Absurdität gezeigt.
Waiting for the sunrise
Soul dancing in the dark
Summer night city
Walking in the moonlight
Love-making in a park
Summer night city
In the sun I feel like sleeping
I can't take it for too long
My impatience slowly creeping
Up my spine and growing strong
I know what's waiting there for me
Tonight I'm loose and fancy-free
When the night comes with the action
I just know it's time to go
Can't resist the strange attraction
From that giant dynamo
Lots to take and lots to give
Time to breathe and time to live
Waiting for the sunrise
Soul dancing in the dark
Summer night city
Walking in the moonlight
Love-making in a park
Summer night city
It's elusive, call it glitter
Somehow something turns me on
Some folks only see the litter
We don't miss them when they're gone
I love the feeling in the air
My kind of people everywhere
When the night comes with the action
I just know it's time to go
Can't resist the strange attraction
From that giant dynamo
And tomorrow when it's dawning
And the first birds start to sing
In the pale light of the morning
Nothing's worth remembering
It's a dream, it's out of reach
Scattered driftwood on the beach
I know what's waiting there for me
Tonight I'm loose and fancy-free
I love the feeling in the air
My kind of people everywhere
(Dokumentation von Jean-François Delassus aus dem Jahr 2008, Originaltitel: "14-18: Le bruit et la fureur")
Anmerkung Dieser bedrückende und dennoch äußerst eindrückliche Film beschreibt den Beginn und Verlauf des Ersten Weltkrieges aus der Sicht eines französischen Menschen, der 1914 im zarten Alter von 24 Jahren schnell zum "Soldaten" mutierte bzw. gemacht wurde. Er beginnt mit der folgenden gesprochenen Eingangssequenz: "Ich denke noch immer an sie, an diese von Granaten zerpflügten Schlachtfelder. Der Krieg lebt in meiner Seele weiter, als ein grausamer, bilderspeiender Vulkan, mit seinem Gestank, seinem Lärm. Und heute erkenne ich, wie aus dieser beispiellosen Tragödie all die Katastrophen des 20. Jahrhunderts erwachsen konnten - als Kinder dieses Krieges." - wobei ich nicht sicher bin, ob das hier falsch verwendete Wort "Tragödie" auf einen - bewussten oder unbewussten - Übersetzungsfehler in der deutschen Fassung, auf Schludrigkeit oder auf eine gewollte Falschaussage zurückzuführen ist. Der Film jedenfalls verdeutlicht eindrucksvoll, dass es sich bei diesem bodenlosen Abstieg ins Barbarentum keineswegs um eine "Tragödie" im Sinne der eigentlichen Wortbedeutung gehandelt hat, die ja per definitionem unter Anderem eine "schuldlose" und "unabwendbare" Entwicklung hin zur Katastrophe bedeutete. Das genaue Gegenteil ist der Fall.
Der Film ist trotz einiger solcher Mängel sehr sehenswert und vermittelt einen recht anschaulichen, zuweilen äußerst verstörenden Eindruck in die Zeit zwischen 1914 und 1918, die wohl nicht zufällig unserer heutigen furchtbaren Welt in vielerlei Hinsicht sehr ähnelt:
1914 - Wo man auch hinsieht, ist Fortschritt. Wir sind alle geradezu verrückt nach Automobilen. (...) Das neue Jahrhundert fängt vielversprechend an. Wir ahnen nicht, welche Grausamkeiten uns erwarten. Wie beginnt man, wenn man von der nackten Gewalt erzählen will, der wir ausgesetzt waren, von dem stinkenden Brei menschlicher Überreste? Die Bilder verfolgen mich noch immer.
Freilich unterlässt es auch dieser Film, nach den tatsächlichen, systemischen Ursachen zu forschen oder auch nur zart zu fragen - ansonsten hätte er vermutlich gar nicht erst produziert und im "freiheitlichen" TV des "Westens" (freilich im Nachtprogramm oder in mehrheitlich unbekannten Nischenkanälen) ausgestrahlt werden können. Ein durch und durch pazifistisches Ausrufezeichen mit deutlichem Bezug zu Jetztzeit bleibt er aber allemal.
Die fetten Wände glotzen rot und kalt;
es rollt und rollt. Es wachsen blaue Schwaden.
Mich zu erwürgen, spannen Seidenfaden
viel fremde Greise, wunderlich und alt.
Als hätt' ich nicht nach anderer Gestalt
der Welt gesonnen, hätte nicht mein Leben
wie eine Seifenblase an den Wind gegeben
und meine Faust dem großen Widder oft genug geballt.
Es dröhnen Ziegel, öffnet sich ein Spalt,
und Nächte speien laue Wasserratten;
o Mutter du! Ich laufe nach dem Schatten.
Ich falle tief. Das Glockenspiel verhallt.
Ein alter Sbirre stampft auf dem Basalt.
Schon lange klirren um mich Partisanen.
Ein Priester plärrt. Es senken sich die Fahnen.
Der Mond ist tot. Der Welt Plazenta in die Nacht gekrallt.
Manchmal glaubt man es ja nicht, was im zwangsgebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus so alles zum Besten gegeben wird - ich habe ja längst damit aufgehört, mich darüber noch ernsthaft aufzuregen. Allzu oft gleitet dieser kapitalistische, elitenhörige Propagandasturm inzwischen in Grau- bzw. Braunbereiche ab, die allenfalls noch mit dem Stürmer-Niveau längst vergangen geglaubter Zeiten zu vergleichen sind. Gelegentlich findet sich aber auch ein versehentlich satirisches Highlight wie dieses, das ich gestern beim (*prust*) "Rotfunk"-Sender WDR entdeckt habe:
Dort berichtet die "Aktuelle Kamera Stunde" über die Pläne der Fluggesellschaften, die Größe des Handgepäckes, das Reisende ohne Aufpreis mitnehmen dürfen, deutlich zu beschränken. Die Qualitätsjournalisten klären ihre ZuschauerInnen bzw. LeserInnen umfassend auf:
Fast 40 Prozent weniger als bislang passt in die neuen Koffer mit dem Logo "IATA Cabin OK", die in dieser Woche auf der Jahrestagung vorgestellt wurden. Wer also gewohnt war, zehn T-Shirts mitzunehmen, müsste dann mit sechs auskommen.
Abgesehen davon, dass diese "Nachricht" an der Lebenswirklichkeit eines Großteils der Menschen in diesem Land völlig vorbeigeht, die aufgrund der staatlich verordneten Zwangsverarmung niemals - und erst recht nicht regelmäßig - ein Flugzeug von innen sehen werden, möchte ich nun gerne einen Rest-"Reisenden kennenlernen, der zehn oder meinetwegen auch nur sechs T-Shirts in seinem Handgepäck transportiert. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung als Hobbysatiriker gehören ins Handgepäck doch eher solche Dinge wie Teppichmesser, Revolver oder kleine Fläschchen voller Nitroglycerin - aber derlei Terrorpläne sollte ich vielleicht besser nicht im Internet ausplaudern.
Die Pointe der Geschichte heben sich die Qualitätsjournalisten des "Rotfunkes" aber noch auf, denn erst zwei Absätze später lassen sie einen ihrer geliebten Super-Spezial-Experten zu Wort kommen, der mit dem folgenden, geradezu revolutionsheischenden Ausspruch zitiert wird (bitte setzt Euch vorm Lesen, sonst fallt ihr um und tut Euch weh):
"Grundsätzlich machen solche Standards ja schon Sinn, aber der Zeitpunkt macht einen stutzig", sagt Reiserechtler Ronald Schmid, Sprecher des Fluggastportals FairPlane. Er vermutet kommerzielle Interessen hinter den Beschränkungen, die für die Fluggesellschaften zu zusätzlichen Einnahmen etwa für aufgegebenes Gepäck führen sollen.
Atemlose Stille herrschte, als ich das las. Der Schweiß perlte heiß auf meiner Stirn, der Harndrang wuchs ins Unerträgliche. Wird jetzt die Revolution in Deutschland ausbrechen? Es gibt also tatsächlich vereinzelt Unternehmen in diesem Wunderland, dem es doch so unfassbar "gut geht", die einzig an schnödem Profit - noch dazu auf Kosten der geliebten Kunden! Skandal! - interessiert sind und ihr Handeln darauf ausrichten? - Nein! Das kann doch gar nicht wahr sein, wie kommt der Super-Spezial-Experte denn bloß auf eine solche absurde Verschwörungstheorie? Kommerzielle Interessen im Biene-Maja-Merkel-Kapitalismus, das kann es gar nicht geben! Ich war heillos verwirrt und dachte minutenlang an Selbstmord.
Ganz am Schluss gibt der Qualitätssender WDR zum Glück aber doch noch Entwarnung und ich konnte mich wieder erleichtert entspannen und weiter RTL2 gucken - denn es handelt sich natürlich nur um eine "Empfehlung" und die Fluggesellschaften bleiben auch weiterhin vollkommen "unabhängig und frei". Dann wird es ein kommerzielles Interesse in unserer geliebten freiheitlich-demokratischen und allein dem Gemeinwohl verpflichteten Wirtschaft also auch weiterhin nicht geben, welch ein Glück! - Es folgen nun noch der Sport und das Wetter.
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Moderner Geschäftsgeist
"Hilfe! Hilfe!" - "Wieviel Rettungslohn können Sie zahlen?"
(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 21 vom 19.08.1919)
Anmerkung: Dieses grandiose Musikstück des finnischen Meisters der untergehenden Romantik ist ein wunderbares Beispiel für die hanebüchene These, große Kunst habe "nichts mit Emotionen zu tun": Die Mimik und Körpersprache der hier beteiligten MusikerInnen und des Dirigenten legen diesbezüglich ein beredtes Zeugnis ab. Sicher leiden sie allesamt an Epilepsie, haben vor dem Konzert Drogen genommen oder zuviel Zeit auf einschlägigen Webseiten verbracht, die derartigen Bockmist munter verbreiten.
Einmal mehr gilt hier meine bekannte Empfehlung: Man setze sich einen guten Kopfhörer auf den Schädel, lösche das Licht und drehe die Musikanlage weit auf - dann steht einer aufwühlenden geistig-emotionalen Reise in unbekannte Tiefen nichts mehr im Wege.
Zum ersten Mal hörte ich von den Fitnessarmbändern, auch "Wearables" oder "Lifetracker" genannt, vor ca. einem halben Jahr. Ein Sportmediziner meinte damals, dass diese Dinger in den USA bereits wie frische Semmel ihren Massenabsatz gefunden hätten und dieser Trend in den nächsten Monaten auch nach Deutschland schwappen werde. Diese Information habe ich seinerzeit noch mit einer Handbewegung abgetan, weil ich dachte, das sei sowieso nur etwas für ambitionierte Freizeit- oder Hobbyleistungssportler und Triathleten.
Der Preis von rund 60 Euro ist für diejenigen, die ohne Smartphone heute nicht mehr leben können und mit ihrem Hüftgold nicht mehr leben wollen, durchaus akzeptabel. Das bekannteste Produkt darunter ist die "AppleWatch". Allein im ersten Halbjahr 2014 soll dieser Markt um 684 Prozent gewachsen sein.
Nun lese ich in der letzten Ausgabe des Magazins meiner gesetzlichen Krankenversicherung auf drei Seiten einen Jubelartikel (also schlichte Reklame) über derartige Armbänder. Mit der Teilnahme an einem Gewinnspiel kann man sogar eine "AppleWatch" erwerben. Dazu betätigt sich dort ein prominenter Professor einer renommierten Sporthochschule als wohlfeiles PR-Mietmaul und empfiehlt den Tracker für Anfänger.
Diese kleinen Geräte sind mit einer Menge winziger Chips und Sensoren ausgestattet, die neben der Pulsfrequenz (es gibt inzwischen einige Hersteller, deren Geräte dies auch ohne Brustgurt ermitteln können - der Puls wird direkt am Handgelenk durch optoelektrische Sensoren gemessen) und der Körpertemperatur auch das Schlafverhalten (Summton bei ausreichender Dauer), die täglich zu Fuß zurückgelegte Strecke einschließlich Schrittzähler, den Kalorienverbrauch und den Sauerstoffgehalt des Blutes messen und speichern. Der Nutzer wird bei entsprechender Aktivierung dieser Funktion aufgefordert, täglich einen bestimmten Umfang an körperlichen Aktivitäten zu absolvieren und bei Verspätungen oder Nichterreichen der gesteckten Ziele durch ein akustisches Signal - bis hin zu einem leichten Elektroschock - daran erinnert. Viele dieser Geräte sind mit einer GPS-Funktion ausgestattet, die Geschwindigkeiten und Streckenverläufe aufzeichnet: Sozusagen der Personaltrainer am Handgelenk. Die gesammelten Daten sendet das Gerät via Bluetooth an ein Smartphone und eine spezielle App wertet die Informationen aus. Google hat dafür sogar ein eigenes Betriebssystem entwickelt, das sogenannte "Android Wear".
Dabei liegt es auf der Hand, dass derart sensible Daten die Gier anderer Institutionen und Datenverwerter wecken. Der Romanautor Marc Elsberg hat in seinem 2014 erschienenen Thriller "ZERO" ("Sie wissen, wer du bist, wo du bist und was du als nächstes tun wirst") die Gefahren der freiwilligen Preisgabe von sehr persönlichen Daten zum Zwecke der Selbstoptimierung durch professionelle Vermarktungsunternehmen zum Gegenstand seiner Erzählung gemacht. Es sind nicht nur facebook, Twitter, NSA und BND, die einerseits auf freiwilliger Basis, andererseits heimlich unsere Daten absaugen und verwerten. Es sind auch die User selbst, die entweder ahnungslos, naiv oder egozentrisch und leistungsorientiert auch diesen "trendigen" Unsinn mitmachen. Nur am Rande sei erwähnt, dass die IT-Experten von Kaspersky-Lab davor warnen, dass die Geräte zudem leicht zu hacken seien.
Mit der elektronischen Gesundheitskarte wurden alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen zwangsweise zu gläsernen Patienten. Nun steht ein "Trend" auf der Matte, der viele Menschen nach dem alten, unsäglich dummen Motto "Ich habe doch nichts zu verbergen" dazu verleiten soll, freiwillig weitere intime Daten an Fremde weiterzugeben. In den USA haben einige Krankenkassen längst ein "Bonusprogramm" für Mitglieder entworfen, die sich dieser permanenten Überwachung freiwillig unterwerfen.
Die Barmer GEK und die AOK Nord sind mit mobilen Apps auf der Jagd nach den Fitness-Daten ihrer Mitglieder. Die Analyse der Fitness-Tracker spart diesen Konzernen langfristig Geld: Je mehr Versicherte ihre Daten preisgeben, desto präziser wird die Risikoanalyse der Krankenkassen. Auch die Schwenninger Krankenkasse ist an den Gesundheitsdaten ihrer Mitglieder sehr interessiert. Während die AOK Nordost einen "health score" ermittelt und keine Belohnungen anbietet, ist die "FIT2GO"-App der Barmer GEK mit dem eigenen Bonusprogramm verknüpft.
Für Arbeitgeber wäre es sicher interessant, ein Mitarbeiterranking nach Fitness-Status in Kombination mit der Krankenstatistik zu führen - selbstverständlich alles ganz freiheitlich-demokratisch nur auf der Basis der Freiwilligkeit. Niemand wird dazu gezwungen. Aber diejenigen, die sich womöglich weigern mitzumachen, machen sich doch sehr verdächtig ... der Begriff der "Freiwilligkeit" wird hier ganz bewusst ad absurdum geführt.
"SexFit" wird mit einer kostenlosen Smartphone-App synchronisiert und bietet Informationen über den Kalorienverbrauch beim Knattern und die Stöße pro Minute. So wie andere Fitness-Gadgets erlaubt es auch "SexFit", die Daten in den sozialen Medien mit der ganzen Welt zu teilen. Im Extremfall könnte der Chef am nächsten Morgen auf seinem PC-Bildschirm sehen, wer am Vorabend nach der Betriebsfeier mit wem noch geschnackselt - oder es zumindest versucht - hat.
Die letzten weißen Wolkenflotten fliehen.
Der Tag hat ausgekämpft
über dem Meer.
Wie eine rote Blutlache liegt es,
in der das Land wie Leichen schwimmt.
Vom Himmel tropft ein Eiter: Mond.
Es wacht kein Gott.
In Höhlen ausgestochner Sternenaugen
hockt dunkler Tod.
Und ist kein Licht.
Und alles Tier schreit wie am Jüngsten Tag.
Und Menschen brechen um
am Ufer.
(Oskar Kanehl [1888-1929], in: "Steh auf, Prolet! Gedichte", mit Illustrationen von George Grosz, Malik 1920; Erstdruck in: "Die Aktion", Jahrgang 4, 1914)
(Novalis: "Du bist schön", aus dem Live-Album "Novalis lebt!", 1993; ursprünglich aus dem Album "Neumond", 1982)
Wenn du auch öfter mal krank bist
ein wenig hässlich und klein
und beim Reden stotterst
im Rollstuhl sitzt mit gelähmten Beinen
Hast du auch Angst vor den Menschen
wie sie mit Blicken über dich reden:
"Mein Gott, wie arm!" - "Der ist bestimmt blöd!" -
"Eine Erlösung wär's für ihn, in den Tod zu geh'n!"
Wenn du auch das Tanzen nicht kennst
dich nackt deiner Hässlichkeit schämst
und meistens irgendeine Hilfe brauchst
weil eine Stufe deinen Weg verbaut
So kannst du fühlen, denken, wie wir auch
und willst ausgelassen und fröhlich sein
doch du musst immer darum kämpfen
dass dich die Hilflosigkeit nicht besiegt.
Ja, du bist schön, tief in dir drin
das ist viel mehr wert als ein Traumgesicht.
Kein Spiegel zeigt es, kein Messer zerschneidet es
eitel und vergänglich ist es nicht.
Wenn du dann gut gemeint ins Heim sollst
ist dir nach Sterben zumut
du fühlst dich abgeschoben, ein Schandfleck
aus aller Augen fort, isoliert.
Das versteh'n nicht mal deine besten Freunde
du hast Pflege, bist unter Gleichen, es geht dir gut
dann schließt dich deine Einsamkeit ein
du lebst unter uns - und bleibst allein.
Ja, du bist schön, tief in dir drin
das ist viel mehr wert als ein Traumgesicht
Kein Spiegel zeigt es, kein Messer zerschneidet es
eitel und vergänglich ist es nicht.
Der Kollege vom Blog Fliegende Bretter, dessen Texte ich ansonsten zuweilen sehr schätze, hat unter dem Titel "Es ist Sommer, zieht euch was über!" einen Rant veröffentlicht, der exemplarisch und leider eindrucksvoll belegt, wohin die kapitalistische, stets wertend-einteilende Konditionierung der beherrschten Menschen letzlich führen muss, wenn man ihr so unkritisch erliegt, wie es dem Autor - ebenso wie einem wahrscheinlich recht großen Teil unserer lieben Mitmenschen - in diesem Beispiel offenbar ergangen ist. Lest den Text selbst.
Ich finde, der Autor begibt sich mit diesem Text nicht nur auf verdammt dünnes Eis, sondern ist bereits heillos eingebrochen und kommt aus dieser üblen Nummer kaum mehr heraus.
Wieso sollte irgendjemand seinem Empfinden bzw. seinen Kategorien, was "schön" oder "präsentabel" sei, wohl folgen? Allein die Vorstellung ist doch schon so hanebüchen, dass sie sich von selbst verbietet. Wenn jemandem ein Anblick - aus welchen Gründen auch immer - nicht gefällt, dann schaue man halt weg! Anderen gefällt's womöglich, aber auch das ist letztlich nicht wichtig, denn auf sein Aussehen hat ein Mensch nunmal weitestgehend keinen Einfluss, auch wenn die kapitalistische Doktrin uns das immer wieder vorgaukeln will, was im heutigen - und übrigens bereits sehr alten - Irrsinn der Modewelt, der "Schönheitschirugie" und ähnlichem Quatsch seinen widerwärtigen Ausdruck findet.
"Schönheitsideale" im Allgemeinen und "Modelfiguren" im Besonderen sind nichts weiter als dämlicher, temporärer und willkürlich austauschbarer Bullshit. Ich finde es erschreckend, dass der Autor auf diesen lächerlichen Zug aufspringt und sich allen Ernstes über das Aussehen bestimmter Menschen echauffiert und es somit als "weniger wertvoll" als das anderer Menschen klassifiziert. Wo ist da genau der Unterschied zu einer wertenden Einteilung von Menschen beispielsweise nach ihrer Hautfarbe, ihrer Haarfarbe, Größe oder auch Nasenform?
Noch erschreckender finde ich allerdings, dass in diesem Text ausgerechnet die erzkonservativen Heuchler der Religioten zum "korrigierenden" Maßstab genommen werden, die bekanntlich ausnahmslos von allen Menschen verlangen, sich "züchtig zu bedecken". Katholizismus und Islam geben sich in diesem Fall übrigens gar nicht viel - je nach regionaler Ausprägung des religiösen Wahns.
Man mag es vielleicht kaum glauben, aber auch Menschen, die nicht dem eigenen subjektiven "Schönheitsideal" entsprechen, können von anderen als "schön" empfunden werden und sich sogar selbst, sofern sie charakterstark genug sind und sich nicht zu sehr manipulieren lassen, exakt so mögen, wie sie nun einmal sind. Auch so etwas wie Erotik und sexueller Spaß soll - so habe ich es mal raunen gehört - in Kreisen außerhalb der Modebranche und sogar jenseits der Jugend vorkommen.
Aber mal im Ernst: Meint der Autor das tatsächlich so, wie es da steht? Dicke, Alte, Kranke, körperlich Versehrte, Behinderte und sowieso alle, die seinem wohlgefälligen Auge nicht in den sexuell arg getrübten Blick passen, sollen sich gefälligst verhüllen, um seiner merkwürdigen Vorstellung von "Ästhetik" keine Gewalt anzutun? Ja, geht's noch? Ich bin völlig fassungslos und hätte ihm eine derartige dumpfe Blamage wirklich nicht zugetraut.
Mensch, die unübliche Hitze dieser Tage lässt wohl so manches Hirn unfreiwillig kochen. Dazu nur ein kurzer Dialog, der selbstverständlich in einen viel größeren Kontext, den ich hier aber nicht ausbreiten will, gehört, mit meiner jüngsten, körperbehinderten Tochter, nachdem sie einmal abends nach der Schule wieder zuhause angekommen war:
J.(eher erbost als traurig): "Boah, der XY hat mich heute schon wieder 'Krüppel' genannt!" Ich: "Weißt du noch, was wir besprochen haben?" J.: "Na klar! Ich hab' ihm gesagt, dass seine geistige Verkrüppelung viel schlimmer ist." Ich: "Und, was hat er erwidert?" J.: "Nix. Ich glaub', er hat das gar nicht verstanden." (Daraufhin lachte sie mich kurz strahlend an und befasste sich wieder mit wichtigeren Dingen.)
P.S.: Es ist kein gutes Zeichen, dass ein anderer kritischer, keineswegs beleidigender oder sonstwie unpassender Kommentar drüben beim Kollegen inzwischen wortlos gelöscht wurde.
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Schönheit, dich will ich preisen
(Aquarell von George Grosz [1893-1959] aus dem Jahr 1920, in: "Ecce Homo", Malik 1923)
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...