Dienstag, 12. April 2016

Satire des Tages (nur für Insider): Ein Fleischesser plädiert für Veganerbeiträge


Meine jüngste Anmerkung zum Veganerschmonzes des Hartwut Schmerz auf meinem Lieblingsblog "Jenseits der Realität" hat ausnahmsweise tatsächlich eine Resonanz ausgelöst - manchmal geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Der bräsige Erguss, den unser lieber Eso-Bruder Holdger Platta dort abgeliefert hat, lässt sich hier in aller Ausführlichkeit samt ulkigen Kommentaren nachlesen.

Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und insbesondere darüber gefreut, dass selbst der verschollene "Duderich", Autor des lange ruhenden Blogs Aufzeichnungen eines 'Bildungsfernen', für einen dümmlichen Schmähkommentar aus seiner Winterschlafhöhle gekrabbelt ist, dabei immer noch beleidigte Leberwurst spielt und der ebenso bildungsfernen Dumpfeule zur geifernden Seite springt. - Doch nun habe ich es schwarz auf weiß und weiß endlich, dass ich ein "Faschist", ein "Beleidigter", ein "Frustrierter" mit einem "Sprung in der Schüssel", ein "frei drehender" (?) Mensch bar jeder Toleranz, ein "ehemaliger Fan der HdS-Seite" und selbstverständlich kein "echter" Marxist bin. Das und vieles mehr wusste ich noch gar nicht - herzlichen Dank also an die Blogschreiberlinge, die sich weiterhin hochtrabend "Redakteure" nennen, sowie an die freundlichen KommentatorInnen und alle anderen "echten Marxisten" dort! :-)

Laut irgendeiner Bettina Bettdröge, die offenbar äußerst gewissenhaft in meinem Blog nachgelesen hat, ist sogar mein Nickname eine pure "Anmaßung" aus dem Höllenpfuhl der Verdammnis. Wie kann ich es bloß wagen, mich seit Jahrzehnten "Charlie" zu nennen, angesichts der "Qualität der bissigen und hervorragenden Satire" eines französischen Magazins? - Ach, ich weiß es doch auch nicht ... vielleicht sollte ich mal Charlie Chaplin fragen, was er davon hält. Liebe Bettina, Du musst nun stark sein: Ich halte "Charlie Hebdo" für ein äußerst plattes Satiremagazin, das allenfalls auf dem Niveau eines Böhmermann spielt, wenn überhaupt. Deine Fanseite "Jenseits der Realität" kann das jedenfalls - wenn auch unfreiwillig - um Längen besser!

Deshalb muss ich Asche auf mein Haupt streuen: Der Herr Plattfuß und seine stiefelleckenden Fanboys und -girls haben da ein wahres Glanzstück der Satire abgeliefert, vor dem ich meinen Hut bis zur Kniekehle ziehen muss. Trotzdem wäre noch mehr drin gewesen, Holdger. Der Verballhornung der altehrwürdigen Piratenflagge beispielsweise (also der hier "beliebten Ästhetik" - ich falle beim Schreiben fast vom Stuhl vor Glucksen) hätte es sehr gut zu Gesicht gestanden, wenn Du den Hintergrund rot, den Kreis weiß und den Totenkopf schwarz gestaltet hättest:



Damit hättest Du die skurrile Klientel Eures Blogs viel deutlicher darauf hinweisen können, um welch ein satanisches Höllenloch es sich beim "Narrenschiff" handelt. - Vielleicht mutiere ich irgendwann ja tatsächlich noch zu einem Fan des Eso-Blogs - wer weiß. :-) Bis dahin halte ich es aber, wie gewohnt, mit Erich Kästner, der über allzu Braunes einmal schrieb:

Was immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.

Kleiner Nachtrag: Selbstverständlich ist mein kleiner Hinweis, der nichts weiter als den Link zu diesem Beitrag enthielt, bei den toleranten tollwütigen Eso-Brüdern nicht freigeschaltet worden - man darf die versammelte Gemeinde der Bekloppten schließlich nicht in Versuchung führen. Holdger und Roland, ihr seid meine Helden! Darf ich mal einen teuflischen Gastbeitrag für Euer "Magazin" schreiben?

Freitag, 8. April 2016

Song des Tages: The Final Cut




(Pink Floyd: "The Final Cut", aus dem Album ""The Final Cut. A Requiem for the Post War Dream", 1983)

Through the fish-eyed lens of tear-stained eyes
I can barely define the shape of this moment in time
And far from flying high in clear blue skies
I'm spiraling down to the hole in the ground where I hide

If you negotiate the minefield in the drive
And beat the dogs and cheat the cold electronic eyes
And if you make it past the shotguns in the hall,
Dial the combination, open the priesthole
And if I'm in, I'll tell you what's behind the wall

There's a kid who had a big hallucination
Making love to girls in magazines
He wonders if you're sleeping with your new found faith
Could anybody love him -
Or is it just a crazy dream?

And if I show you my dark side
Will you still hold me tonight?
And if I open my heart to you
And show you my weak side
What would you do?

Would you sell your story to Rolling Stone?
Would you take the children away
And leave me alone?
And smile in reassurance
As you whisper down the phone?
Would you send me packing
Or would you take me home?

Thought I oughta bare my naked feelings,
Thought I oughta tear the curtain down.
I held the blade in trembling hands
Prepared to make it, but -
Just then the phone rang
I never had the nerve to make the final cut.


Donnerstag, 7. April 2016

Veganer: In der Republik der Bekloppten


In meinem Lieblingsblog "Jenseits der Realität" gab es vor kurzem ein Gastspiel, das der Realsatire in den Mund gesprungen ist. Ein Autor namens Hartwut Schmerz ließ sich dort über die böse, intelorante Gesellschaft aus, die seinem veganen Ansinnen böswillig im Wege steht. Der Tenor des Sermons lautet schlicht: "Ihr seid intolerant, weil ihr mir nicht an jeder Wegecke vegane Speisen anbietet!"

Deutlicher könnte man den Unsinn gar nicht in Worte fassen - und dennoch toppen ihn einige Kommentare mühelos. Nein, Herr Schmerz: Wenn du dich nur von Pflaumen und Haferflocken ernähren möchtest, ist Dir das unbenommen - aber die Forderung, dass derlei Schmonzes auch sonst überall verfügbar sein müsse, ist - um es diplomatisch zu formulieren - grober Bullshit.

Wie immer bei solchen Themen handelt es sich auch hier um einen Nebenschauplatz, der mit viel Energie beackert wird - während die tatsächlichen Probleme unter den Tisch fallen. Wenn man die ekelhafte Massentierquälung kritisiert, muss man zwangsweise das kapitalistische System kritisieren, das eine solche Perversion nicht nur ermöglicht, sondern erzwingt. Und das hat nichts mit Intoleranz zu tun, sondern nur mit systeminterner Logik. Selbstverständlich findet man im verlinkten Bullshit-Text nichts, das darauf hindeutet, denn dem Autor geht es nicht um die Menschen (also das System), sondern einzig um die Tiere.

Die Deppen, die bei "Jenseits der Realität" kommentieren, verstehen das freilich nicht: Dort wird die geforderte Toleranz gleich umgewandelt in ihr Gegenteil. So spalten diese Gesellen munter die so dringend notwendige Opposition - als hätten sie eifrig in der Weimarer Republik gelernt. Es ist ein Fanal der Dekadenz und des Unterganges, dass sich solche Stimmen einmal mehr Gehör verschaffen.

Es lebe die Biene Maja in der Republik der Bekloppten.

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Geheimnis und Melancholie einer Straße



(Gemälde von Giorgio de Chirico [1888-1978] aus dem Jahr 1914, Öl auf Leinwand, Museum of Modern Arts, New York, USA)

Zitat des Tages: Patriotisches Bettgespräch


Hast du, was in der Zeitung stand, gelesen?
Der Landtag ist mal wieder sehr empört
von wegen dem Geburtenschwund gewesen.
Auch ein Minister fand es unerhört.

Auf tausend Deutsche kämen wohl pro Jahr
gerade 19 Komma 04 Kinder.
04! Und sowas hält der Mann für wahr!
Dass das nicht stimmen kann, sieht doch ein Blinder.

Die Kinder hinterm Komma können bloß
von ihm und anderen Ministern stammen.
Und solcher Dezimalbruch wird mal groß!
Und tritt zu Ministerien zusammen.

Nun frag ich dich: Was kümmert das den Mann?
Er tut, als käm er für uns auf und nieder.
Es geht ihn einen feuchten Kehricht an!
Mir schläft der Arm ein. So. Nun geht es wieder.

Geburtenrückgang, hat er noch gesagt,
sei, die Geschichte lehrt es, Deutschlands Ende,
und deine Fehlgeburt hat er beklagt.
Und dass er, dass man abtreibt, grässlich fände.

Jawohl, wir sollen Kinder fabrizieren.
Fürs Militär. Und für die Industrie.
Zum Löhnesenken. Und zum Kriegverlieren!
Sieh dich doch vor. Ach so, das war dein Knie.

Na, komm mein Schatz. Wir wollen ihm eins husten.
Dein Busen ist doch wirklich noch famos.
Ob unsere Eltern, was wir wissen, wussten ...
Wer nicht zur Welt kommt, wird nicht arbeitslos.

Der Kinderreichtum ist kein Kindersegen.
Deck uns schön zu. Ich bild mir ein, es zieht.
Komm, lass uns den Geburtenrückgang pflegen!
Und lösch die Lampe aus. Des Landtags wegen.
Damit er es nicht sieht.

(Erich Kästner [1899-1974]: "Patriotisches Bettgespräch", in: "Ein Mann gibt Auskunft", Atrium 1930)


Montag, 4. April 2016

Dauerpropaganda und AfD: Wenn die Saat aufgeht


Die Dummheit der AfD-WählerInnen und ihrer politischen Helfershelfer ist bekanntlich legendär - sie übertreffen die ganzen Vollpfosten, die nach wie vor CDU/CSU, SPD, Grüne, die Linke oder gar die FDP wählen und unterstützen, in dieser Hinsicht problemlos um Längen. Gerade einem nicht geringen Anteil des Wahlpöbels der CDU, FDP und inzwischen auch der Grünen kann man bedenkenlos schlichte Menschenfeindlichkeit und dumpfe, eigennützige Intentionen auch wider besseres Wissen unterstellen - bei der AfD sieht das - abgesehen natürlich, wie immer in diesem System, vom "Führungspersonal" - etwas anders aus: Dort scheint tatsächlich mehrheitlich die schlichte Dummheit zu dominieren, die äußerst fatal wirkt, wenn sie auf braunen Boden fällt.

Die Frankfurter Rundschau hat vor 14 Tagen einige dieser Figuren - am Beispiel Sachsen-Anhalts - etwas ausführlicher vorgestellt. Ich empfehle diesen Bericht, auch wenn er - wie in derlei Massenmedien üblich - die wesentlichen Fragestellungen und Hintergründe vollkommen außer acht lässt und sich neben dem üblichen subtilen DDR-Bashing auf die reine Symptombeschreibung und Systempflege beschränkt:

Die AfD ist ein Ventil / Früher war man verdrossen und still und wählte nicht. Heute gibt es ein Ventil, die AfD. Aus Frust werden Stimmen, aus Gottfried Backhaus, Orgelbauer, Fahrlehrer und am Ende Hartz IV, wurde ein Abgeordneter mit fortan 5.655 Euro Diäten plus 1.600 Euro Aufwandspauschalen.

Der Text ist gewohnt oberflächlich und in Teilen schlicht dämlich, gewiss; er erlaubt aber dennoch einen gewissen Einblick in die Gedankenwelt, in der beispielsweise ein engagierter "evangelischer Christ", der fortan für die AfD im Kommunalparlament tätig ist, lebt. Dummheit ist kein ausreichendes Wort für eine derlei verquere, stumpfsinnige, realitätsferne Weltsicht, und dennoch wird sie mit einer Vehemenz und Selbstverständlichkeit vorgetragen, dass man als Leser zweimal nachschauen muss, ob man nicht versehentlich beim "Postillon" gelandet ist. - Dasselbe gilt indes für die zitierten Gegenstimmen.

Der Autor der FR irrt aber natürlich gewaltig, wenn er diese Partei lediglich für ein "Ventil" hält - zu einem solchen Schluss kann man eigentlich nur kommen, wenn man partout nicht wahrnehmen will, dass die Kritik am bestehenden Parteien- und Politiksystem samt angeschlossenen Hofmedien vollkommen berechtigt und die AfD lediglich ein weiterer "Player" in diesem korrupten, widerwärtigen Sumpf ist, der die Menschen auf leicht modifizierte Weise am blutigen Nasenring durch die Manege und letzten Endes noch schneller ins Verderben führt. Die AfD ist kein "Ventil" - sie ist die sattsam bekannte, auf die Spitze getriebene Opfer-Täter-Verkehrung, wie sie im Kapitalismus am Ende stets stattfindet, um von den tatsächlichen Ursachen und Verursachern des um sich greifenden Elends der Massen, das von der restlichen neoliberalen Einheitspartei gemeinschaftlich organisiert und gesetzlich verankert wurde, abzulenken.

Es ist auch ein Verdienst der Medien - unter anderem auch der Frankfurter Rundschau -, dass "engagierte Christen" wie der vorgeführte Kommunalpolitiker aus Sachsen-Anhalt und dessen keifende Gattin einfachste Zusammenhänge nicht einmal im Ansatz begreifen und so medial begleitet und politisch gewollt zu rassistischen, dumpfen, egoistischen Menschenfeinden "erzogen" wurden. Damit möchte ich diese furchtbaren GesellInnen keinesfalls entschuldigen - das eigene Gehirn bleibt ihnen ja trotzdem erhalten. Dennoch ist es eine Binse, dass Dauerpropaganda erwiesenermaßen wirkt - nicht bei allen, aber leider bei vielen.

Dass heute neben den verdeckten auch wieder ganz offen Rechtsradikale - nicht nur in Deutschland, sondern fast überall in Europa - in den Parlamenten Quasselbuden sitzen und mit staatlichem Geld fürstlich alimentiert werden, hat nichts mit Flüchtlingen, sondern ausschließlich mit dem Endzucken des raffenden Kapitalismus, seinen Demagogen und seiner willfährigen, devoten Presse zu tun, deren Dauerpropaganda einmal mehr auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

Das kennen wir alles schon bis zum Erbrechen.

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Der bayerische Bürger in den Wahlen


oder: Die Furcht vor dem roten Mann.

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 44 vom 28.01.1919)

Samstag, 2. April 2016

Song des Tages: Sie wollen wieder schießen (dürfen)




(Slime: "Sie wollen wieder schießen [dürfen]", Single 2016. - Alle Geldeinnahmen durch diesen Song gehen an "Pro Asyl".)

Sie wollen wieder schießen dürfen
Sie wollen wieder Zäune ziehn
Seine Heimat muss man schützen
Die laden schon ihr Magazin

Sie wollen wieder schreien dürfen
Die Jugend neu zum Hass erziehn
Sie wollen wieder Fackeln tragen
In den Straßen von Hamburg und Berlin

Das ist das gelobte Land
Wo Milch und Honig fließt
Aber nur solang man jeden
Eindringling erschießt
Die Menschen an den Grenzen
Sind die Geister, die wir riefen
Und das weiß doch jedes Kind:
Geister kann man nicht erschießen!

Sie wollen wieder sagen dürfen
Dass Deutschsein eine Tugend ist
Doch niemand wird je fragen dürfen
Wer die deutsche Tugend ist

Sie wollen wieder sagen dürfen
Wenn man nach der Lösung fragt
In diesem Fall ist es ganz einfach:
Wir brauchen Blei und Stacheldraht!

Das ist das gelobte Land
Wo Milch und Honig fließt
Aber nur solang man jeden
Eindringling erschießt
Die Menschen an den Grenzen
Sind die Geister, die wir riefen
Und das weiß doch jedes Kind:
Geister kann man nicht erschießen!



Anmerkung: Vielen Dank an Eike Brüning für den Hinweis! - Es ist wahrlich erschütternd, dass heutzutage alte Säcke wie die Herren von Slime den Part des musikalischen Widerstandes übernehmen müssen, während die Jugend lieber Hüte, Bärte, Hornbrillen und Stasi-Telefone trägt, anstatt den versammelten kapitalistischen Menschenfeinden, die gerade ihre Zukunft verfeuern, ein deutliches "Nein!" entgegen zu schleudern. Es ist zum Davonlaufen.

Freitag, 1. April 2016

"Die lassen ihn nicht wieder": Weshalb das "Narrenschiff" nun ein Afd-Blog ist


Heute tue ich mal etwas anderes - ich kopiere nämlich die SPD und falle um. Ab sofort werde ich mein Blog in den erfreulichen Dienst der Afd stellen und mich für die Stärkung dieser höchst positivistischen Organisation einsetzen, die einen neuen Wind durch die verkrusteten Hallen dieser versifften Republik blasen wird.

Wie es zu dieser erstaunlichen Gesinnungs- und Zieländerung gekommen ist, kann ich anhand eines netten Schreibens illustrieren, das ich heute, am 1. April 2016, in meinem Briefkasten fand:



Dazu gibt es nicht viel zu sagen - ich wäre ein ausgemachter Esel, wenn ich auf das Angebot nicht einginge. Also singe ich ab sofort hehre Loblieder auf die besorgten Bürger und die davon profitierenden Reichen - und fühle mich der Elite so nahe wie selten zuvor. Ich gehöre nun wieder dazu! Ich bin ein Teil der Bewegung, darf gewisse Privilegien genießen, fühle mich aufgehoben und verstanden - und dresche doch bloß auf minderwertigen Müll ein, der sowieso abwandern oder sterben würde, auch wenn wir nicht nachhälfen. Unwertes Leben bleibt unwertes Leben, ganz egal, ob man es der Sterbehilfe zuführt oder ignoriert.

Ich bin jetzt wer! Benehmt euch also anständig hier, sonst könnte es geschehen, dass auch vor eurer Haustür demnächst ein Trupp unserer Einsatzkräfte steht und euch zeigt, wo der Deutsche die Locken hat, wenn er sein Gehirn im braunen Sumpf verloren, weggeschmissen oder schlicht versoffen hat.

Sieg Analfick! Die Zeit der Penetration ist gekommen - und ich bin dabei!!!11! Fraulich und Bernd, ich komme!



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Frühlings-Netz

Im hohen Gras der Knabe schlief,
Da hört' er's unten singen,
Es war, als ob die Liebste rief,
Das Herz wollt' ihm zerspringen.

Und über ihm ein Netze wirrt
Der Blumen leises Schwanken,
Durch das die Seele schmachtend irrt
In lieblichen Gedanken.

So süsse Zauberei ist los,
Und wunderbare Lieder
Geh'n durch der Erde Frühlingsschoß,
Die lassen ihn nicht wieder.

(Joseph von Eichendorff [1788-1857], geschrieben 1831/36)

Dienstag, 29. März 2016

Zitat des Tages: Die deutsche Sozialdemokratie


Die deutsche Sozialdemokratie ist eine Partei für Berufspolitiker geworden in der Stunde, in der sie sich dem Parlamentarismus widmete; gegen seine "Führer" war der Arbeiter ohnmächtig dank dem "straff zentralistisch organisierten" Beamtenapparat, den eben die Führer geschaffen haben, um vom Willen der Massen unabhängig zu sein. Die wenigen, die innerhalb der Sozialdemokratie für die soziale Revolution kämpfen zu können wähnten, vergeudeten ihre Kräfte vergeblich.

1913 (in "Die Aktion" Nr. 25) schrieb ich hier (nicht zum ersten Male):

Und so hat die Sozialdemokratie Diplomaten, Redner, Demagogen, Strategen, sie besitzt die reichhaltigste Musterkollektion an "Führern", sie kann auf die geistigen Sozialisten, die, wie Rosa Luxemburg, sich in ihren Reihen störend bemerkbar machen, verzichten.

Damals hoffte Rosa Luxemburg noch. Erst 1918 muss sie in einem Briefe schreiben, dass ich "leider recht" gehabt hätte.

Die Sozialdemokratie war und ist eine Führerangelegenheit, war und ist (als SPD und als USPD) keine Organisation revolutionärer Massen. (...)

Es ist nicht kurzweilig, gegen das Treiben dieser Noskehelfer zu kämpfen. Aber es ist notwendig, wenn verhindert werden soll, dass die revolutionäre Arbeiterschaft aufs neue verraten wird.

(aus Franz Pfemfert [1879-1954]: "Bankrott der KPD?", in: "Die Aktion" Nr. 1/2 vom 10.01.1920; Nachdruck in: Franz Pfemfert: "Ich setze diese Zeitschrift wider diese Zeit. Sozialpolitische und literaturkritische Aufsätze", hg.v. Wolfgang Haug, Luchterhand 1985)


Samstag, 26. März 2016

Tief im Westen: Osterimpressionen


Das verlängerte Osterwochenende ist traditionell die Zeit, in der der gemeine Deutsche christlich-abendländischer Prägung zum ersten Mal nach den frostigen Wintertagen wieder der geliebten Gartenarbeit und dem geselligen Zusammensein im Freien frönt - an diesem ehernen Gesetz können auch kühle Temperaturen und ein nasskaltes Wetter nichts ändern. Das gilt zumindest für die westdeutschen Provinz.

Auf dem Weg von meiner Haustüre zum Supermarkt treffe ich nun also wieder vermehrt auf die diversen Grüppchen meiner lieben Nachbarn, die sich - allem wetterbedingten Unbill zum Trotz - vermehrt in ihren Gärten aufhalten und sich sogar auf der Straße wieder zu kleinen Versammlungen zusammenfinden, um die jüngsten Ereignisse des Weltgeschehens zu diskutieren. Letzteres vermutete ich jedenfalls, als ich noch jung und naiv war. Heute weiß ich es freilich besser.

Gestern näherte ich mich einem ebensolchen Grüppchen von Menschen, von denen ich - glücklicherweise - monatelang nichts mitbekommen habe, weil sie sich im Winterquartier ihrer Behausungen verschanzt hatten, und aufgrund der regen Kommunikation erhoffte ich wider besseren Wissens beim Näherkommen, dass man sich dort empathisch und temperamentvoll beispielsweise über die Folgen der aktuellen Kriege, an denen auch Deutschland beteiligt ist, über die asoziale Ausbeutung der Menschen durch die Superreichen oder den aufblühenden, politisch und medial forcierten Faschismus in dieser Gesellschaft unterhält.

Deutschland wäre indes nicht Deutschland, wenn es nicht auch diesmal meine Hoffnungen vollends enttäuscht hätte. Ich erinnere mich gut, dass ich mich schon vor 30 Jahren regelmäßig völlig erstaunt gefragt habe, worüber sich diese Menschen so angeregt und teilweise äußerst emotional unterhalten - die schnöde Antwort ist bis heute dieselbe geblieben: Beim Vorbeigehen und nach der geheuchelten, freundlichen Begrüßung schnappte ich auch diesmal die wichtigsten Themen auf, zu denen Schlagworte wie die folgenden zählten (die Auswahl ist unvollständig, aber dennoch repräsentativ):

"Nachbar XY hat seine Hauswand doch tatsächlich ockerfarben statt weiß gestrichen - welch ein Skandal!" - "Flüchtlinge ausweisen!" - "Kriminelle Ausländer!" - "Die faulen Arbeitslosen!" - "Mein neues Smartphone ist der Knaller!" - "Grillen wir heute, auch wenn's regnet?" - "Wenn die Asylanten nicht wären, hätten wir auch keine Schlaglöcher in der Straße!"

Und so weiter und so fort. Einmal mehr bestätigt sich hier, dass die meisten Menschen in diesem Land ihr Gehirn offenbar nur deshalb besitzen, damit sie im Badezimmer nicht versehentlich ins Waschbecken kacken - für weitere Aktivitäten wird es partout nicht genutzt.

An Ostern beginnt die Zeit, in der diese GesellInnen aus ihren Winterquartieren kriechen und sich hingebungsvoll der Pflege ihrer naturfernen Gärten, der Politur ihrer lächerlichen Kutschen und generell der Aufhübschung ihrer bürgerlichen Fassaden widmen, selbst wenn diese klar erkennbar im Begriff sind, einmal mehr im Nichts zu zerbröseln. Da kann man nur in den Wunsch des alten Hölderlin einstimmen:

Ich suchte unter diesem Volke nichts mehr, ich war genug gekränkt, von unerbittlichen Beleidigungen, wollte nicht, dass meine Seele vollends unter solchen Menschen sich verblute.

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Sommerzeit


"Jetz' woll'n se in Berlin d'Uhr wieder um a Stund vorruck'n, dass's so ausschaut, als wenn de Diplomat'n früher aufg'stand'n wär'n!"

(Zeichnung von Wilhelm Schulz [1865-1952], in "Simplicissimus", Heft 1 vom 02.04.1918)

Donnerstag, 24. März 2016

Musik des Tages: Stabat mater




  1. Stabat Mater dolorosa (Chor und alle Solisten)
  2. Cujus animam (Tenor)
  3. Quis est homo (Sopran und Mezzosopran)
  4. Pro peccatis (Bass)
  5. Eja, Mater (Bass und Chor)
  6. Sancta Mater (alle Solisten)
  7. Fac ut portem (Mezzosopran)
  8. Inflamatus (Sopran und Chor)
  9. Quando corpus morietur (Chor und alle Solisten)
  10. In sempiterna saecula. Amen (Chor)

(Gioachino Antonio Rossini [1792-1868]: "Stabat mater" für Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bass, Chor und großes Orchester aus den Jahren 1832/42; Sopran: Patrizia Ciofi, Mezzosopran: Vivica Genaux, Tenor: Arturo Chacón-Cruz, Bass: Mirco Palazzi; Orchestre Philharmonique de Radio France; Leitung: Myung-Whun Chung, 2014)

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Passion 1932



(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 52 vom 27.03.1932)

Dienstag, 22. März 2016

Zitat des Tages: Vormittag


Den grünen Rasen sprengt ein guter Mann.
Der zeigt den Kindern seinen Regenbogen,
Der in dem Strahle auftaucht dann und wann.
Und die Elektrische ist fortgezogen

Und rollt ganz ferne. Und die Sonne knallt
Herunter auf den singenden Asphalt.
Du gehst im Schatten, ernsthaft, für und für.
Die Lindenbäume sind sehr gut zu dir.

Im Schatten setzt du dich auf eine Bank;
Die ist schon morsch; – auch du bist etwas krank –
Du tastest heiter, dass ihr nicht ein Bein birst.

Und fühlst auf deinem Herzen deine Uhr,
Und träumst von einer schimmernden Figur
Und dieses auch: dass du einst nicht mehr sein wirst.

(Ernst Blass [1890-1939], in: "Die Straßen komme ich entlang geweht", Richard Weissbach 1912)

Anmerkung: Der komplette Band ist beim "Projekt Gutenberg" online abrufbar - die Lektüre lohnt sich, wie immer, sehr.

Montag, 21. März 2016

Die Rückkehr des Faschismus: Leseempfehlung 2.0


Heute möchte ich zum bösen Thema aus der Überschrift gleich zwei Leseempfehlungen loswerden. Die erste betrifft einen Text von Fridolin Schley, der ausgerechnet bei ZEIT-Online erschienen ist, wo ich ansonsten beim Lesen eher selten bis über die ersten Absätze eines Textes hinauskomme, bevor ich entnervt wegklicke - im Feuilleton ist aber selbst dort gelegentlich noch etwas Raum für die kläglichen Reste humanistischen Denkens, die es in dieser verkommenen Weltruine noch gibt.

Schley lässt sich dort - freilich viel zu abschweifend und bieder-bürgerlich eingenordet - über den wieder erstarkenden Faschismus in Deutschland und im Rest der "westlichen Welt" aus. Es bedarf einer gewissen Nervenstärke, das trotz der gelegentlichen Ausfälle ins Lächerliche ganz zu lesen; unterm Strich aber halte ich diesen Text - gerade der stupiden bürgerlich-gesetzten Zielgruppe wegen - für ziemlich wichtig und möchte insbesondere, aber nicht einzig, den Schluss hier herausheben. Dort schreibt der Autor:

Vor ein paar Tagen bin ich nachts schweißgebadet aus dem Schlaf aufgeschreckt. Ich weiß nicht mehr, was ich geträumt hatte, aber ich weiß, dass meine Furcht mit dem Erwachen nicht verschwand, sondern ich wie erstarrt verharrte und ohne zu atmen nach draußen horchte, vollkommen sicher, dass sich von dort etwas mit großer Geschwindigkeit näherte, vielleicht ein Angriff, vielleicht ein Sturm. Meine Freundin, die von meinem schnellen Hochschrecken neben mir aufgewacht war, fragte verschlafen "Was hast du, was ist denn da?", und nach einem längeren Moment, in dem ich weiter nur reglos in die Stille lauschte, flüsterte ich: "Ich weiß es nicht, aber ich glaube, es geht los."

Auch den Rest des Textes sollte man sich trotz aller Längen und Nebensächlichkeiten sehr aufmerksam durchlesen.

Ins gleiche Horn stößt wieder der aktuelle Gärtner in seiner Titanic-Kolumne. Dazu muss ich indes gar nicht viel schreiben, denn der Mann redet - ohne Herumgeschwurbel - wie immer für sich selbst:

Und so es des Kieler Gastronomen Onuegbu gutes Recht ist, "Mohr" für harmlos (oder selbstironisch) zu halten, gibt es eine halbe Million Afrodeutsche, die lieber Menschen als Mohren sind und es vermutlich präferieren, dass Leute wie ich, wenn es schon sonst keiner tut, die Grenze des Sagbaren ziehen, als dass es der nächstbeste "Beistrichjunge" (Gremliza) tut, der für das legitime Recht der Mehrheit streitet, die Minderheit so zu nennen, wie es der Mehrheit passt. / Auf gut muttersprachlich: fürs Recht auf Gewalt.

Gärtner zitiert in seinem Text Victor Klemperer, der in seinem sprachwissenschaftlichen Werk "LTI – Notizbuch eines Philologen" (publiziert 1947) detailliert die Sprache der Nazis dokumentiert und analysiert hat ("Lingua Tertii Imperii" = "Sprache des Dritten Reiches"). Auch dieses Werk sei jedem sehr ans Herz gelegt. Es verwundert nicht weiter, dass die heutige Sprache (nicht bloß die der AfD und NPD, sondern aller kapitalistischer Blockparteien inklusive der stürmisch begleitenden Medien) sich dort wiederfinden lässt.

Der Faschismus ist wieder da in Deutschland und Europa. Anders als vor 90 Jahren gibt es heute allerdings keine ernstzunehmenden politischen Kräfte mehr, die ihm entgegentreten könnten - eine düstere Prognose des Ausgangs dieser humanistischen Groteske dürfte also nicht allzu schwer fallen.

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Nach Einschmelzung der Denkmäler


"Das war mal Goethe!"

(Zeichnung von Eduard Thöny [1866-1950], in "Simplicissimus", Heft 9 vom 28.05.1918)

Samstag, 19. März 2016

Song des Tages: Sonne




(Rammstein: "Sonne", aus dem Album "Mutter", 2001)

Eins, zwei, drei, vier, fünf,
Sechs, sieben, acht, neun, aus

Alle warten auf das Licht
Fürchtet euch, fürchtet euch nicht
Die Sonne scheint mir aus den Augen
Sie wird heut Nacht nicht untergehn
und die Welt zählt laut bis zehn

Eins - hier kommt die Sonne
Zwei - hier kommt die Sonne
Drei - sie ist der hellste Stern von allen
Vier - hier kommt die Sonne

Die Sonne scheint mir aus den Händen
Kann verbrennen, kann euch blenden
Wenn sie aus den Fäusten bricht
Legt sich heiß auf das Gesicht
Sie wird heut Nacht nicht untergehn
Und die Welt zählt laut bis zehn

Eins - hier kommt die Sonne
Zwei - hier kommt die Sonne
Drei - sie ist der hellste Stern von allen
Vier - hier kommt die Sonne
Fünf - hier kommt die Sonne
Sechs - hier kommt die Sonne
Sieben - sie ist der hellste Stern von allen
Acht, neun - hier kommt die Sonne

Eins - hier kommt die Sonne
Zwei - hier kommt die Sonne
Drei - sie ist der hellste Stern von allen
Vier - und wird nie vom Himmel fallen
Fünf - hier kommt die Sonne
Sechs - hier kommt die Sonne
Sieben - sie ist der hellste Stern von allen
Acht, neun - hier kommt die Sonne



Anmerkung: Dieses hübsche Liedchen ist eine Allegorie aus der perversen Welt des Box-"Sports" auf unsere kapitalistische Welt - die eigentlich viel eher eine Eins-zu-eins-Umsetzung ist, da die dortigen Regeln hier gleichermaßen gelten. Wir befinden uns allesamt im Ring und hauen uns gegenseitig unentwegt in die Fresse. Welch eine grandiose Zivilisation!

Freitag, 18. März 2016

Glücks-Propaganda, Folge 763


In regelmäßigen Abständen versorgt uns die Kuhpresse mit jubilierenden Meldungen über das zunehmende Glücksgefühl in Kapitalistan. Vorgestern war es bei n-tv mal wieder so weit und ich durfte fasziniert lesen:

Im "Happiness Report" aufgestiegen / Deutschland ist glücklicher geworden

Beim Barte des Propheten!, ging es mir unwillkürlich durch den Kopf, und ich sinnierte, welche grandiose Entwicklung da nun schon wieder an mir vorbeigegangen ist, ohne dass ich sie bemerkt habe. Schließlich bin ich nicht glücklicher als gestern oder vor einem Jahr, sondern, ganz im Gegenteil, höchst und zunehmend entsetzt - unter anderem wegen der grassierenden rassistischen und faschistischen Tendenzen in der Politik und Bevölkerung.

Aber so funktioniert kapitalistische Propaganda: Ein "Ranking" muss in jedem Falle her, so sinnfrei es auch sein mag, und selbstverständlich wird darüber berichtet als handele es sich um eine wissenschaftlich fundierte Sensation, auch wenn es in Wahrheit nur schnöder Bullshit ist. Es werden wiederum nur wenige Wochen vergehen, bis die nächste gleichlautende Meldung durch die Propagandakanäle getrieben wird - bis es auch das letzte Kalb im Staate begriffen hat: "Du hast glücklich zu sein bist glücklich!"

Dazu passt das Geschwalle eines Gastes aus der Schwachmatenrunde bei Markus Lanz, das ich vor einigen Tagen im Vorübergehen aufgeschnappt habe. Dieser schlipsgewürgte, gegelte Geselle namens Florian Schroeder, der sich allen Ernstes "Kabarettist" nennt, gab dort zum Thema "Partnersuche" das folgende Statement zum Besten:

Sicher kann man sagen, dass die ewige Weitersuche und der Glaube daran, es könnte etwas besseres geben; dass das mit Sicherheit etwas ist, dass einen daran hindert, eine gute Entscheidung zu treffen. Und das ist ja so ein bisschen das Problem unserer Zeit, dieser Zwang zur Selbstoptimierung, dass wir eigentlich permanent suchen und Optimierer sind und glauben, es könnte etwas besseres geben als dieses Beste, was wir schon haben - und das ist natürlich auch bei der Partnerwahl so.

"Auch bei der Partnerwahl" - dieser kleine Zusatz beleuchtet die ganze bittere Perversion unserer verkommenen Zeit, die von sämtlichen Protagonisten in den Medien und der Politik stets als das "Beste", das überhaupt zu erreichen sei, gepriesen wird. So erklärt sich die immer wiederkehrende Glückspropaganda noch aus einem anderen Blickwinkel: Wer tatsächlich - aus welchen absurden Gründen auch immer - der Meinung ist, dass der Kapitalismus das beste aller möglichen Systeme sei, muss unweigerlich zu äußerst bizarren, hanebüchenen Schlüssen kommen, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Die Frage am Schluss bleibt stets dieselbe: Tun all diese Leute das wider besseres Wissen oder weil sie tatsächlich einem derartig infantilen Glauben anhängen? Mein persönliches Glücksgefühl stiege deutlich an, wenn sich diese Frage endlich einmal fundiert beantworten ließe.

Donnerstag, 17. März 2016

Faschismus, Kapitalismus und Deutschland: Die Trinität


Der Hartz-Terror geht in die nächste Runde. Die menschenfeindliche Bande der neoliberalen Einheitspartei hat es so beschlossen - nun muss bloß noch der Bundesrat zustimmen, damit die Verschärfungen der staatlichen Zwangsverarmung und Schikane im August in Kraft treten können. Verantwortlich für diesen neuerlichen Vorstoß ist selbstverständlich die SPD - die angeblich "linke" Ministerin Andrea Nahles ist hier federführend, wie der WDR berichtet:

Für die betroffenen Arbeitslosen bedeute die Reform eine deutliche Verschärfung ihrer Situation in vielen Bereichen, sagt Harald Thomé, Leiter der Wuppertaler Arbeitslosenberatung "Tacheles". Als besonders kritisch sieht er die geplante Abschaffung der Vorschussregelung: Meldet sich jemand arbeitslos, braucht das Amt meist einige Zeit - zwei bis drei Monate seien keine Seltenheit, sagt Thomé - um die Unterlagen zu bearbeiten. Damit der Betroffene in dieser Zeit nicht völlig mittellos dasteht, konnte er bisher einen Vorschuss beantragen. Diesen Vorschuss soll es künftig nicht mehr geben. "Eine Katastrophe", sagt Thomé, "denn hier geht es um unmittelbare Existenzsicherung". / Ein weiterer Kritikpunkt sei die geplante Regelung, dass ein Hartz IV-Empfänger nach Ablauf einer Bewilligungsfrist alle Unterlagen lückenlos darlegen muss: Gehaltsabrechnungen, Mietzahlungen, steuerliche Nachweise. Wer das nicht kann, muss künftig sämtliche erhaltenen Zahlungen zurückzahlen.

Das sind allerdings nur zwei willkürlich herausgegriffene Beispiele aus diesem widerwärtigen "Reform"-Vorhaben - der ekelhafte Katalog ist lang und enthält beispielsweise auch die Regelung, dass ein Betroffener, der - egal aus welchem Grund - eine "angebotene" Arbeit oder "Maßnahme" ablehnt oder vorzeitig abbricht, nicht bloß, wie es bislang der Fall ist, mit einer dreimonatigen Sperre belegt wird (die schon jetzt nicht selten Obdachlosigkeit oder andere massive, existenzbedrohende Einschnitte zur Folge hat), sondern zusätzlich sämtliche bis dahin erhaltenen Sozialleistungen zurückzahlen soll. Wie abgründig pervers muss man eigentlich sein, um sich so etwas auszudenken und - noch viel schlimmer - in die Tat umzusetzen?

Es ist wenig erstaunlich, dass der CDU diese eskalierende Drangsalierung und Schikanierung erwerbsloser Menschen längst nicht weit genug geht - auf der Ekelskala ist nach unten kein Limit gesetzt in diesem verkommenen Land der Menschenfeinde. Das kann man sogar nachlesen, denn der WDR hat den oben verlinkten Artikel zu diesem Thema zur Diskussion freigegeben. In den dortigen Kommentaren kann man eine (freilich nicht repräsentative) Auswahl von Meinungen "aus der Bevölkerung" dazu lesen. Ich zitiere ausschnitthaft und ohne Rechtschreibkorrektur:

AFDist: "Hartz IV verweichlicht das Volk Beträge kürzen Sanktionen ausweiten, so dass Hartz IV das Sparprogramm ist. Antragsteller müssen deutsch lernen, Begriffe, wie Ablehnung, Kürzung, Streichung und Hausbesuch müssen endlich mit Leben gefüllt werden. Ablehnung muss das Mittel sein, Anträge stellen kann jeder dann 1 Jahr Bearbeitungszeit und dann Ablehnung der 100 Euro monatlich, mit sofortiger Rückzahlaung. Betteleiverbot. Arbeit ist keine Schande, würde die faulen Leute wieder fllott machen und die weit verbreitete Fettleibigkeit würde ganz neben bei auch besiegt, weil es nichts mehr gibt. Mankann ja auswandern und das flott. Schröder war ein Weichei. Sparen ist erste Bürgerpflicht, Abzocken muss gesellschaftlich geächtet werden. Weg mit dem Sozentum, denGrünen und den Kommunisten und der Weichei CDU und FDP Die AFD muss den Druck auch auf die deutschen Schlunzer erhöhen. Es darf kein Durchkommen geben!"

Heiner Hövelmann: "Ich würde eine Arbeitspflicht für Harz IVler einführen: Bahnhofstoiletten säubern, in Parks und Straßen den Müll zusammenkehren, Straßenbau . Arbeit macht das Leben süß. Zudem würden einige dieser Zeitgenossen weniger Bier trinken. Harz IV wird dann extrem unattraktiv werden und der Staat könnte so sehr viel Geld sparen."

Neubauer: "Hartz IV muss so hart sein, dass es längstens 24 Strunden mit Rückzahlungspflicht und Verzinsung von 10 % zurückgezahlt werden muss. Das ist ERziehung allgemeine Dienstpflicht Härte muss Gesetz bleiben Einwanderer und Einwohner müssen sich wieder benehmen lernen. Druck erhöhen, wer betrügt, der fliegt (raus). Die Kuscheljustiz ist auch zu beenden."

Da poltert der bildungsferne Pöbel munter drauf los, dass die Schwarte kracht - und offenbart seine ganze obszöne Dummheit und Widerwärtigkeit, die selbst die der Schröders, Merkels, Schäubles, Gabriels und Göring-Eckardts noch weit übertrifft. Und das will etwas heißen. Dass diese Menschen sich damit selbst ins Knie bzw. in den Kopf schießen, ist diesen bedauernswerten Figuren - einmal mehr - nicht bewusst.

In der Politik und weiten Teilen der faschistisch verseuchten Bevölkerung dieses Landes gilt einmal mehr das braune, kapitalistische Motto: "Lasst uns den am Boden Liegenden die Fressen blutig treten, auf dass das Blut spritze!" - Ich habe keine Lust mehr auf diesen unsäglichen Schmutz und weiß dennoch nicht, wo auf diesem degenerierten Planeten ich um Asyl bitten sollte.

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Das Schweigen



(Gemälde von Johann Heinrich Füssli [1741-1825] aus den Jahren 1799/01, Öl auf Leinwand, Kunsthaus Zürich, Schweiz)