Samstag, 3. September 2016

Buchempfehlung: Wolfsspinne


Mit "Wolfsspinne" hat Horst Eckert einen packenden und hochaktuellen Politthriller vor dem Hintergrund von Flüchtlingszuwanderung und Pegida verfasst. Darin stellt er die offizielle Version zum Thema NSU infrage.

Ein Gastbeitrag des Altautonomen


Eisenach, 2011: Als zwei NSU-Mitglieder tot in ihrem Wohnmobil aufgefunden werden, deutet alles auf Selbstmord hin. Doch Ronny Vogt kennt die Wahrheit, denn er hat den "Nationalsozialistischen Untergrund" für den Thüringer Verfassungsschutz beobachtet. Und er weiß, dass er für immer über das schweigen muss, was schließlich unter dem Codenamen "Wolfsspinne" geschah. Inzwischen arbeitet Ronny als verdeckter Ermittler für das LKA im Düsseldorfer Drogenmilieu. Als Hauptkommissar Vincent Veih, ein entfernter Cousin, ihn im Rahmen einer Mordermittlung befragt, droht seine Tarnung aufzufliegen. Dann holt ihn seine Vergangenheit mit dem mörderischen NSU-Trio ein und sein Leben gerät endgültig aus den Fugen ...

Staatlich betreutes Morden

In einer fesselnden Dramaturgie zeigt dieser spannende Politthriller die haarsträubende Verquickung der rechtsterroristischen Nazibande mit den Verfassungsschutzbehörden und den Landeskriminalämtern einschließlich des Bundeskriminalamtes aus der Sicht eines Insiders der Neonaziszene sowie aus der Sicht des ermittelnden, zum Teil antirassistisch engagierten Kriminalbeamten. Wer sich fragt, ob der NSU tatsächlich nur aus den im Untergrund agierenden drei Leuten bestand oder in ein dichtes Netz aus Unterstützern, Sympathisanten und logistischem Knowhow eingebettet war, wird in diesem Roman eine recht glaubwürdige, mögliche Antwort finden. Horst Eckert entwickelt auf der Grundlage der Fakten, die aus dem NSU-Prozess und den Untersuchungsausschüssen bekannt sind, eine überzeugende Geschichte mit zwar fiktiven, aber doch sehr plausiblen Schlussfolgerungen. Wer an der Selbstmordthese im Fall von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zweifelt, dem geht es nicht anders als dem Autor: "Wie könnte ich das Ergebnis der Bundesanwaltschaft ohne Zeifel annehmen, wenn sich überall Widersprüche auftun, Spuren nicht verfolgt wurden, die Schredder heiß liefen, Zeugen nicht reden durften oder unter seltsamen Umständen starben?"

Die Geschichte beginnt im Jahre 2015 mit der grausamen Vergewaltigung und Ermordung der Besitzerin einer Edelgastronomie in Düsseldorf. Zunächst wird wie bei den sogenannten Dönermorden kein politischer Hintergrund vermutet. Über den organisierten Handel mit Crystal Meth dringen die Ermittler dann aber immer tiefer in den Sumpf rechtsterroristischer Strukturen vor.

Unter den Romanfiguren lassen sich mit etwas Fantasie leicht reale Personen der Zeitgeschichte identifizieren, wie z.B. Beate Zschäpe (NSU) und Brigitte Monhaupt (ehemals RAF).

"Wolfsspinne" ist eines der wenigen Bücher, die ich innerhalb von 24 Stunden durchgelesen habe.



(Horst Eckert [*1959]: "Wolfsspinne", Wunderlich 2016)

Freitag, 2. September 2016

FIlm des Tages: Die Weimarer Republik


1. Die schwierige Geburt


2. Der schöne Schein


3. Der Weg in den Abgrund


Anmerkung: Selbstverständlich spielt auch in dieser Dokumentation der Kapitalismus keine Rolle - die tatsächlichen Ursachen werden also auch hier, wie gewohnt, nicht benannt. Dennoch ist der Film informativ.

Donnerstag, 1. September 2016

Das esoterische Intermezzo


Es ist manchmal höchst erstaunlich, wer sich so alles im "linken Spektrum" verortet - es gibt da kaum eine Stilblüte, die es nicht zur höchsten Vollendung schaffte. Da gibt es grüne, SPD- und LinksparteisoldatInnen ebenso wie völlig durchgeknallte Schwachmaten wie den "Herrn Karl" oder irgendwelche esoterischen Jünger. Das ist alles nichts Neues und lädt allenfalls zu schlechter Laune oder massiver Heiterkeit ein - je nachdem, wie man gerade drauf ist.

Heute soll es aber um einen ganz speziellen Fall gehen, der insbesondere alte Männer betrifft. Nein, es geht diesmal nicht um die Eso-Spinner von "Jenseits der Realität", sondern um Herrn Dr. Klaus Baum. Klausis Blog Notizen aus der Unterwelt bietet oft genug kritische Gedanken und gutes Hirnfutter, allerdings vergesse ich beim Lesen leider allzu oft, dass der Mann allen Ernstes u.a. ein studierter Theologe ist und daher offenbar an die Existenz irgendwelcher unsichtbarer, höherer Wesen glaubt.

Das alles wäre, trotz allem, kein Grund für mich gewesen, mich hier darüber auszulassen, da die "Notizen" mir bisher nicht missionarisch unangenehm aufgefallen sind. Geändert hat sich das erst kürzlich, als dort - zum wiederholten Male - eine äußerst schräge Gestalt in den Kommentaren aufgetaucht ist. Jener Jens Prien, der sich selbst "Astrologe" nennt, sondert seinen Müll auch gerne bei den esoterischen Hohlbirnen von "Jenseits der Realität" ab und ist auch ansonsten recht aktiv in diversen obskuren Astro-Foren. Ein besonders widerwärtiges Beispiel, das ich gefunden habe, hat der Altautonome bei Klausi bereits gepostet (die Opfer des Attentats in Nizza seien selbst verantwortlich für ihren Tod, meint der Spinner) - ein weiteres wäre noch seine alte Website, auf der Herr Prien bis mindestens 2003 unbedarften Menschen für 45 bzw. 90 Euro monatlich einen "astrologischen Roulette-Kalender" aufschwatzen wollte, mit dem sich im Spielcasino viel Geld machen ließe.

Einem solchen windigen Ganoven bietet Klausi nicht nur Raum, sondern er verteidigt ihn gar (assistiert von mehreren Stammkommentatoren, die offensichtlich keine Ahnung haben, mit wem sie es da zu tun haben). Ich unterstelle auch dem Klausi, dass er gar nicht weiß, mit was für einer zwielichtigen Figur er da kommuniziert - ich finde es aber erschreckend genug, dass der angeblich so kritische, intelligente Mann dem astrologischen Schwachsinn, den Prien unentwegt äußert, mit den hirnschmelzenden Worten begegnet: "im hause des herrn jedoch gibt es viele wohnungen."

Da bleibt mir die Spucke weg. Ist das am Ende doch bloß ein Blog des Bundeskaspers Gauck? Und hier wird allen Ernstes über eine "linke Identität" gestritten, wenn abzockende Eso-Spinner ebenso toleriert werden wie gläubige Religioten? Wo zur Hölle sind wir, wenn nicht im Land der Gesichtspalmen?

Manchmal will ich einfach nur noch saufen, kiffen und dann endlich sterben.


Zitat des Tages: "... das Geld aus dem Fenster!"


In Cannes wohnt Herr Chanel aus den USA, und am 6. April dieses Jahres hat er zum großen Entzücken der ortseingesessenen und zugewanderten Bevölkerung eine Handvoll Tausendfranc-Scheine aus seinem Hotelfenster auf die Straße geworfen. Wie uns unser Spezialkorrespondent Theobald Tiger aus Cannes meldet, liegen die Scheine zur Zeit nicht mehr auf der Straße.

Oh, Herr Chanel ist nicht verrückt. Zunächst hat er das nicht zum erstenmal gemacht: schon einmal hat er die Cannesen mit den flatternden blassblau-rosa Schmetterlingen erfreut. Herr Chanel ist nicht verdreht – er ist nur zu reich. Er muss sehr reich sein; denn der gewöhnliche Haus-Reiche (Homo pecuniosus communis) trägt als Panzer und Aura einen leichten Wams von Geiz; fahre nie mit einem reichen Mann nach Hause, der kein Auto hat – immer wirst du das Auto bezahlen ... Herr Chanel muss so reich sein, dass es schon nicht mehr schön ist: denn als er nach Europa herüberfuhr, da verfertigte er auf dem Schiff eine lange Drachenschnur, mit hundert Tausendfranc-Scheinen daran – pro Zettel immerhin 160 Mark – und so ließ er die Schnur im Wasser hinter dem Schiff hergleiten. Dann zog er sie heraus, die Scheine waren alle noch da. "Three cheers auf die Fische –!" rief der Herr Chanel. "Die Fische machen sich wenigstens nichts aus Geld – also sind sie besser als die Menschen!" Ich halte diesen Schluss für leicht anfechtbar; vielleicht nehmen die Fische nur Dollars oder gedeckte Schecks oder nur Naturalien von der Firma Jonas u. Cie., man weiß das nicht genau. Das tollste Stück aber hat Herr Chanel in New York vollbracht.

Dortselbst zog er nach einer Wette mit einem Korb in den Straßen herum, der war bis obenhin mit Dollarscheinen gefüllt, ungefähr eine Million! Und davon bot er allen Vorübergehenden an.

"Bitte, nehmen Sie doch – aber bedienen Sie sich, meine Damen und Herren! Wer hat noch nicht seinen Dollar? Schöne, frische Dollars – hier ganz umsonst –!" Und da geschah das Wunder.

Es nahm keiner. Die Amerikaner, die zwar sonntags fleißig aus ihren Gesangbüchern singen, hatten so etwas von Nächstenliebe noch nie gesehen, dieses Erlebnis lag völlig außerhalb ihrer Vorstellungssphäre, und Herr Chanel zog mit seinem Dollarkorb unangefochten durch die brausenden Straßen New Yorks. Nur ein schlichter Arbeiter erbarmte sich seiner und langte etwas zögernd in die raschelnde Masse ... Vier Zehn-Dollar-Scheine fischte der Mann, nur vier, mehr nicht, und damit ging er schnell ab, sie sicherlich sorgsam befühlend, ob sie auch echt seien, zweifelnd und sich oft umsehend, ob er nun auch nicht von dem Narren da etwa verfolgt würde ... Aber der rief weiterhin seine Ware aus, die keiner wollte. Hier war das Glück – da waren die Leute –: sie glaubten es nicht.

Herr Chanel wird wahrscheinlich eines Tages von seinen besorgten Verwandten in ein Haus getan werden, in dem er den Kaiser der Sahara und den Erfinder der Fliegenfalle beim traulichen Poker antreffen wird ... Bis dahin aber möge er nicht fortfahren, an der göttlichen Weltordnung zu rütteln. Denn es ist etwas Ärgerliches um einen, der da sein Geld zum Fenster hinauswirft.

Ich bin zwar nicht in Cannes dabei gewesen, aber ich kann mir – über den grapschenden Händen der Zugreifenden – die ärgerlich-belustigten Gesichter der Leute schon denken. Geld aus dem Fenster zu werfen –! Gutes, richtiges Geld aus dem Fenster –!

Das haben unsere Mamas zu uns gesagt, wenn wir uns für fünfzehn Pfennig Makronen gekauft hatten (nannten Sie das auch 'knacken'? wir nannten das 'knacken') – und es war wohl mehr eine schöne Redensart, denn wer sollte Geld aus dem Fenster werfen! Nein, es war nur eine façon de parler – meine Verwandtschaft hat mir zum Beispiel immer geweissagt, ich werde noch einmal eine Kellnerin heiraten, was in meiner Jugend so ziemlich das Äußerste darstellte, das sich ein braver Mann vorstellen konnte ... Geld aus dem Fenster –!

Herr Chanel hat einer Redensart zur Wirklichkeit verholfen. Er hat uns endlich einmal gezeigt, wie so etwas tut, aber es tut nicht gut. Es ist Revolution gegen den Kosmos; wir werden das leise Gefühl einer Art Furcht nicht los – wohin soll das führen, wenn jetzt plötzlich aus den Fenstern der Babelsberger Straße und des Boulevard Malesherbes Schecks, Dollars, Francs, Hundertmarkscheine und das schönste Geld der Welt: die englischen schwarz-weißen Pfundnoten, auf uns heruntergeflattert kommen!

Dann stimmt auf einmal alles nicht mehr. Ja, gewiss: man kann sich vielerlei dafür kaufen ... Ich nichts wie hin, und los gehts: ein Ultraphon und eine englische Pfeife und gespitzte Bleistifte und etwas Liebe und die gesammelten Werke des Philosophen Keyserling (die werfe ich dann wieder aus dem Fenster) – und für Lottchen ein Auto, ein sechspferdiges, aber mit Scheinwerfern, so groß wie Eierkuchen ... man kann sich vieles dafür kaufen, das ist wahr.

Aber es ist nicht das richtige. Es bleibt ein unbehagliches Gefühl an den Schulterblättern, seelisches Juckpulver kriecht durchs Gemüt, hier stimmt etwas nicht. Es ist doch nicht recht ... "Na, mir wäre das gleich – ich nehme, was ich kriege!" Das sagen Sie so – wenn Sie es nachher haben, dann werden Sie sehen: hier ist etwas nicht in Butter.

Herr Chanel aus New York hat an der göttlichen Weltordnung gerüttelt. Denn das Geld soll man nicht zum Fenster hinauswerfen, sondern es soll da bleiben, wo es nun einmal von Gottes und Rechts wegen hingehört: da, wo es schon ist, in den Steuerkassen und bei denen, die es verdienen, ohne es zu verdienen.

Und jedesmal, wenn ich jetzt durch die Straßen von Cannes gehe, werde ich sehnsüchtig an den Häuserfronten emporsehen, mit einem langen Blick – zur Erinnerung an den Herrn Chanel.

(Peter Panter alias Kurt Tucholsky [1890-1935], in: "Vossische Zeitung" vom 15.04.1928)


Mittwoch, 31. August 2016

Song des Tages: Downfall




(Exodus: "Downfall", aus dem Album "Exhibit B: The Human Condition", 2010)

A crumbling empire
Where angels fear to tread
Into the ruins of a civilization
A society ripped to shreds
No semblance of order
Into the world which I abjure
Where the bloody blade is forged
Am I the cause of the cure?

Our destiny is soon revealed
Battle strewn, no way to heal
We spread the wings of failure
For the world's last goodnight:
Downfall!
In the flames of the burning lands
Who claims to have the upper hand?
Bonfire of the vanities and spite

Like Sodom and Gomorrah
Forsaken and alone
Look how the mighty all have fallen
We reap what we have sown
When all the marble palaces
Are blackened, sacked and burned
Will we understand man's ignorance
Through all the lessons learned?

Fall! Fall! Fall!
Downfall!

So quick to claim the credit due
Yet no-one takes the blame
Like Nero played his violin
While watching Rome in flames
Implosion of our nations through
Decisions of its kings
Downfall of our creation
It's the end of everything



Anmerkung: Es hätte wohl kein passenderer Ort für das Video zum Song gewählt werden können als ein us-amerikanischer Gerichtssaal.

Dienstag, 30. August 2016

Notstand – die letzte linke Utopie


Ein Gastbeitrag von Matthias Eberling

Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.

(Gustave Le Bon)

Wenn wir die Sache mal zu Ende denken, kann uns doch nichts Besseres passieren als ein Notstand. Ein richtiger Notstand, die Versorgung mit Energie, Wasser und Nahrungsmittel bricht zusammen. Keiner kommt mehr zur Arbeit. Die Medien fallen komplett aus. Seien wir froh um jedes privatisierte Wasserwerk, das marode wird, weil die profitgeilen Neubesitzer keinen Cent in die Erhaltung investieren.

Was passiert, wenn das filigrane Netzwerk der Versorgung zusammenbricht? Die Armen haben nix. Sie werden verhungern. Nein, ganz im Gegenteil. Ihre große Zeit ist endlich gekommen. Sie werden um ihr Überleben kämpfen. Wenn irgendetwas den Sturm auf die Paläste auslösen wird, dann ist es ein Notstand. "Not kennt kein Gebot", wissen die kleinen Leute seit tausenden von Jahren.

Dann wird das durchtrainierte (vormals fette) Bonzenschwein aus seinem SUV gezogen, dann wird nicht mehr gebettelt, dann wird geplündert. Die leeren Supermärkte werden brennen (gut, sie werden nicht ganz leer sein, der Ständer mit dem Manager-Magazin und das Regal mit dem alkoholfreien Bier bleiben unangetastet), die Villen, die Polizeistationen, die Sportwagen.

Wir können uns nur wünschen, dass die Ordnung zusammenbricht. Es ist die letzte Chance, die wir haben. Dann sind alle Bankkonten auf null, denn Geld spielt keine Rolle mehr. Die angehäuften Millionen und Milliarden der Reichen lösen sich in blauen Dunst auf. Deswegen wird auch keine Security mehr auf diese Leute aufpassen, die Bodyguards müssen sich um ihre Familien und sich selbst kümmern.

In Merkels Führerbunker brennt die Notbeleuchtung, aber niemand hört mehr, was die lobotomierten Volksvertreter noch zu sagen haben. Das Leben findet wieder auf der Straße statt. Du weißt genau, wem du trauen kannst und wem nicht. Leuten aus den Medien oder von der Polizei kannst du nicht trauen, aber deinen Freunden, deinen Nachbarn und deiner Familie. Und dazu brauchen wir noch nicht mal eine linke Theorieverschwörung.

See You at the barricades ...

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Dieser Text wurde zuerst im Blog des Kiezschreibers veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.


(Barrikade der Pariser Kommune, 1871)

Montag, 29. August 2016

Die "linke" Jugend: Das Ruder fest in der Hand


Vor einigen Tagen war bei Zeit Online wieder einer jener Texte zu lesen, die mir regelmäßig die Hutschnur platzen und den Blutdruck in bedenkliche Höhen schnellen lassen. Unter dem Titel "Ohnmacht ist genau das richtige Wort" berichtet dort eine Studentin von ihrer "linken Sozialisation", beschreibt allerlei durchaus sinnvolle und wichtige Stationen sowie Irritationen und kommt sodann zu dem hanebüchenen Schluss:

Und ich? Möchte mich nicht beklagen. Ich bin zwar eine Frau, aber ich habe Glück: Ich bin weiß und deutsch. Studentin. Ich kann mich nicht beschweren über das Leben, das ich führe. / Denn ich, die weiße, gebildete Europäerin, bin eine von denen, die das Ruder in der Hand haben. Wir haben die Kraft und die Möglichkeiten, unsere Welt besser zu machen.

Einen solchen Irrsinn, den man sich allenfalls in durchsoffenen Nächten bei den aktenkoffertragenden Jungliberalen oder an grölend-nationalistischen AfD-Stammtischen ausdenken kann, muss man als Leser erst einmal verdauen, bevor allmählich zunächst die Ernüchterung und sodann das Entsetzen einsetzen. Wenn das auch nur annähernd repräsentativ sein sollte für die "linke Jugend" in unserer kapitalistischen Höllenwelt, ist es tatsächlich an der Zeit, Adieu zu sagen.

Solange "gebildete" Menschen wie diese Dame nicht endlich wieder (!) erkennen, dass sie weder "das Ruder", noch sonst irgendetwas, das den Lauf dieses kapitalistischen Systemes maßgeblich beeinflussen könnte, in der Hand haben, kann und wird es keinerlei Verbesserungen für alle Menschen geben. Wenn das "linke Bewusstsein" schon an solch banalen Erkenntnissen scheitert, kann daraus nur genau das werden, was die Dame detailliert beschreibt: Ein hochnotpeinliches Herumdoktern an Symptomen im individuellen Einflussbereich, das - wie schon vor hundert Jahren ausführlichst beschrieben - genau nichts ändert. Und die Dame nennt diesen persönlichen Aktionismus auch noch "Kampf" - sie hat wohl lediglich vergessen, die Konkretisierung "gegen Windmühlen" hinzuzufügen.

Mit Bio-Hanseln, Gender-Aposteln, veganen PriesterInnen und ähnlichen Nebenschauplatzbewohnern (Lapuente, Sasse, Berger, Faulfuß etc.) ist selbstverständlich kein Systemwechsel möglich - der Mühsam'sche "Lampenputzer" lässt freundlich grüßen.

So etwas kommt dabei heraus, wenn ein bewusst verkrüppeltes Bildungssystem in einer bis in die Haarspitzen kapitalisierten Horrorwelt Menschen ins Leben schickt, die sich groteskerweise für "gebildet" halten. Jene Menschen sind dabei noch die letzten, denen man Vorhaltungen machen kann, denn sie wissen es schlicht nicht besser - wer das kritische Lernen und selbstständige Denken nicht beigebracht und vor allem vorgelebt bekommt, ist zunächst eher ein Opfer des Systems. Dieser jugendliche "Opferschutz" endet jedoch ab einem gewissen Alter.

Ob man tatsächlich darauf hoffen darf, dass diese schlecht ausgebildete, sich "am Ruder" wähnende neue Generation vielleicht doch irgendwann mehrheitlich erkennt, dass sie aufs Glatteis geführt wurde - bevor das Eis erneut bricht? Ich persönlich habe da arge, sehr berechtigte Zweifel.

Sozialpolitik ist der verzweifelte Entschluss, an einem Krebskranken eine Hühneraugenoperation vorzunehmen.

(Karl Kraus, in: Aphorismen, 1909)

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Die Armen und das Geld
oder: Andrang vor dem Büro der Staatslotterie



(Aquarell von Vincent van Gogh [1853-1890] aus dem Jahr 1882, Van Gogh Museum Amsterdam, Niederlande)

Samstag, 27. August 2016

Plattes von Platta (1): Grundsicherung


Ab heute möchte ich in unregelmäßigen Abständen auf besonders hanebüchene Auswürfe des "Agnostikers" [*lol*] Holdger Platta hinweisen, der auf der gruseligen, sektiererischen Eso-Plattform "Jenseits der Realität" immer wieder beweist, dass er dem dümmlichen, mittelalterlichen Unsinn von Opa Wecker und dem Schwarzmagier Faulfuß stets noch einen Schritt voraus ist.

Beginnen möchte ich diese erbauliche Reihe mit einem Kommentar, den der Ritter auf dem weißen skelettierten Eso-Pferd zu seinem eigenen dümmlichen Beitrag "Notbevorratung: Pech für Hartz IV-Betroffene!" aus der verwesenden Hirngruft entlassen hat:

Ich bin allen Ernstes der Meinung, daß wir alle den absurd-verlogenen Begriff "Grundsicherung", erfunden von den Hartz-IV-Ideologen, austauschen sollten gegen den richtigen, gegen den einzig wahren Begriff, nämlich gegen den einzig zutreffenden Begriff: "Abgrundsicherung"!

Hier haben wir es nun schwarz auf weiß: Die tatsächlich von kapitalistischen, menschenfeindlichen Schergen ersonnene "Grundsicherung" ist also aus Eso-Sicht bloß eine "Abgrundsicherung" - und dies ist natürlich der "einzig wahre Begriff" für diese faschistoide Farce. Ich habe mich beim Lesen vor Lachen dermaßen verschluckt, dass Herr Platta froh sein darf, demnächst nicht wegen Beihilfe zum Mord angeklagt zu werden: Ich konnte die Kotze doch noch rechtzeitig ausspucken.

Ich stelle diesem intellektuellen Blödsinn aus dem Dunstkreis der religiösen Spinner meine eigene Definition entgegen: Der Hartz-Terror hat mit dem Begriff "Sicherung" nichts, aber auch gar nichts zu tun, da die erbärmlichen Zahlungen jederzeit gekürzt oder ganz verweigert werden dürfen. Es handelt sich um nichts anderes als um ein willkürliches Almosen, das nichts "sichert", dafür aber Millionen von Menschen in die Unsicherheit stürzt und für Betroffene voll umfänglich und jederzeit existenzbedrohend ist.

Die lächerliche Aktion, die als Anlass für Plattas populistisches Posting dient, kommentiere ich nicht weiter - der Mann ist intelligent genug, dass er selber weiß, welchen propagandistischen, völlig haltlosen Bockmist er da verzapft hat. Der Begriff "Abgrundsicherung" ist aber ein hehrer Kandidat für den goldenen Schwachsinn mit Lorbeerkranz am neoliberalen Band des Jahres - sponsored by McKinsey.

Es ist mir nicht bekannt, ob Herr Platta sein Gehirn nicht benutzt oder wirklich solchen inhumanen Gedanken nachhängt und auf "Teufel (Faulfuß) komm raus" aktionistischen Blödsinn produziert, um die kritikfreie Gefolgschaft der esoterischen Sektierer seiner Filterblase zum Applaus zu animieren. - Er wird uns hier aber gewiss nicht darüber aufklären, sondern mich allenfalls persönlich oder anwaltlich auffordern, die unten stehende Zeichnung zu entfernen. Schadenersatzforderungen traue ich ihm nicht zu - aber wer weiß. Oder besitzt der Mann am Ende doch einen rudimentären Humor? - Nein, das kann nicht sein.

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(Zeichnung von Holdger Platta; Text vom Heiligen Geist, der mich des Nachts besuchte und intellektuell schwängerte, während er unaufhörlich "Hosianna", "Halleluja" und "Abgrundsicherung" sang. Ich bin unschuldig und hatte noch nie Sex.)

Buchempfehlung: Spielzeit


Das Buch, das ich heute empfehlen möchte, habe ich seinerzeit in einer einzigen Nacht verschlungen und mich trotzdem noch lange danach mit der Thematik beschäftigen müssen: Der Roman "Spielzeit" von Norbert Stöbe dürfte heute indes kaum jemandem mehr bekannt sein, da er das Schicksal so vieler unter dem Label der Science Fiction veröffentlichen Werke teilt und in der Vergessenheit versunken ist. - Ich zitiere, wie gewohnt, der Einfachheit halber aus dem Klappentext:

"Reinhold Buntlaub, mit Vorbereitungen für eine Segeltour beschäftigt, findet sich unversehens in einer fremden Welt wieder. Wie kam er hierher? Wie wurde das bewirkt? Und von wem? Und wer ist das merkwürdige Wesen in seiner Nähe, das sich Xirtsch nennt?

Xirtsch scheint sich dieselben Fragen zu stellen. Eines ist sicher: Sie müssen überleben. Und das schaffen sie nur gemeinsam - welches Schicksal auch immer sie auf diesen wilden Planeten verschleppt hat. Überleben: Nahrung und Schutz suchen - und Orientierung. Irgendeine Bedeutung muss sich in diesem Ereignis verbergen, eine vertrackte Aufgabe, die es zu lösen gilt. Bald entdecken sie, dass sie nicht allein sind. Andere Wesen durchstreifen den Planeten ebenfalls.

Die Erksel sind eine hochtechnisierte Spezies. Fünf von ihnen haben sich zum SPIEL zusammengefunden. Sie spielen um Zeit, das kostbarste Gut. Sie spielen mit 'Figuren' - Lebewesen niedrigerer Intelligenz. Wie werden diese 'Figuren' sich verhalten, bewegen, entwickeln? Das gilt es abzuschätzen und vorauszuberechnen. Beim SPIEL kann man bluffen, betrügen, verlieren und gewinnen. Und man kann davon besessen werden."

Dieses Szenario ist seitdem in vielerlei Hinsicht von Hollywood und inzwischen auch der Computerspieleindustrie aufgegriffen worden - allerdings zumeist in einer nur rudimentären, stark trivialisierten Form, in der es vornehmlich um alberne Kämpfe geht, welche die völlig unvorbereitet in eine neue Situation geworfenen Protagonisten zu absolvieren haben. Eines die übelsten Beispiele ist der Hollywood-Schinken "Predator"; ein etwas ausgewogeneres, aber immer noch - in Relation zum Buch - eindimensionales Exempel der Film "Cube".

Stöbes Roman ist hundertfach facettenreicher und tiefgehender als diese Adaptionen und befindet sich weit fernab alles Trivialen. Wie in "ernsthafter" Science Fiction üblich, geht es auch hier letzten Endes nicht um irgendeinen fernen Planeten und fremde Wesen, sondern um ganz konkrete Themen und Probleme unserer aktuellen Gegenwart - was mir schon damals, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen hatte, schnell klar war, obwohl ich seinerzeit noch über herzlich wenig Hintergrundwissen - nicht nur bezüglich der Literatur im Allgemeinen und der Science Fiction im Speziellen - verfügte.

Ein kurzer Textauszug mag das verdeutlichen. Gegen Ende des fesselnden Romans, als sich die Auflösungserscheinungen des (selbstverständlich kapitalistischen) "Spieles" der "Erksel" für den Protagonisten längst bemerkbar machen, heißt es:

Der Raum war etwa so abstrakt wie das Leben nach dem Tod. Eigentlich war er gar nicht vorhanden, und die Vorstellung fiel schwer, dass es ihn jemals wieder geben würde, so wie früher. Aber vielleicht stimmte das nicht, und es gab eher zuviel Raum, zuviel schwarzgefüllte Weite, zuviel Nichts.

Dieses Zitat ist nicht repräsentativ für das gesamte Werk, das sich in weiten Teilen sehr flüssig und leicht lesen lässt, macht aber deutlich, dass hinter dem Offensichtlichen - und zwar an jeder auch noch so oberflächlich wirkenden Stelle - etwas Tieferes zu finden ist, sofern der Leser denn gewillt oder in der Lage ist, sich dem zu öffnen. Dies ist im Übrigen eine der vielen Faszinationen, die Science-Fiction-Literatur schon immer auf mich ausgeübt hat: Das "Übersetzen" des Gelesenen in die Gegenwart des Rezipienten, wie das beispielsweise auch bei expressionistischer Literatur der Fall ist.

"Spielzeit" war eines der vielen Bücher, die meinen Entschluss, mich neben der Musik auch der Literaturwissenschaft zu verschreiben, vor 30 Jahren zementiert haben.



(Norbert Stöbe [*1953]: "Spielzeit", Heyne 1986)

Mittwoch, 24. August 2016

Song des Tages: The Carnival Is Over




(Dead Can Dance: "The Carnival Is Over", aus dem Album "Into The Labyrinth", 1993)

Outside the storm clouds gathering
Move silently along the dusty boulevard
Where flowers turning crane their fragile necks
So they can in turn reach up and kiss the sky

They're driven by a strange desire
Unseen by the human eye
Someone's calling

I remember when you held my hand
In the park we would play
When the circus came to town

Outside the circus gathering
Move silently along the rain swept boulevard
The procession moved on, the shouting is over
The fabulous freaks are leaving town

They're driven by a strange desire
Unseen by the human eye
Someone's calling

The carnival is over.

"We sat and watched
As the moon rose
For the very first time."



Dienstag, 23. August 2016

Blackout


Über die Suggestion vom Überleben im Katastrophen- oder Kriegsfalle durch Bevorratungs-Propaganda der Bundesregierung

Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Am Mittwoch, dem 24.08.2016 wird die Bundesregierung in Gestalt des Innenministers Thomas de Maiziere der Öffentlichkeit ein Konzept vorstellen, nach dem die Bevölkerung im Notfall sich selber ausreichend für mindestens 10 Tage mit Lebensmitteln, Wasser, Energie (Taschenlampen) und Bargeld versorgen soll. Als größte Gefahr für die Existenz der Bundesrepublik wird nach den bisherigen Medienberichten die Bedrohung der Infrastruktur durch Computerviren und Sabotage, eventuell verbunden mit Massenvernichtungswaffen gesehen.

Diese Nachricht erzeugt spontane Ängste, Panik und Spekulationen. Wird Russland angegriffen? Wird Russland "freie" Länder angreifen? Soll die hiesige Bevölkerung so auf einen bevorstehenden Krieg vorbereitet werden? Dabei ist meines Erachtens das Szenario eines großräumigen Stromausfalls durch eine Cyberattacke das Naheliegendste (man erinnere sich beispielsweise an Stuxnet!). Als Ursachen für einen lange andauernden und überregionalen Stromausfall kommen aber auch technisches und menschliches Versagen, Epidemien, Pandemien oder Extremwetterereignisse infrage. Vielfach wird erwartet, dass künftig die Ausfallwahrscheinlichkeit größer wird, unter anderem deshalb, weil die Gefahr terroristischer Angriffe und klimabedingter Extremwetterereignisse als Ursachen eines Netzzusammenbruchs zunehmen werden.

Die von Elektrizität abhängige Infrastruktur hat sich inzwischen derart komplex und störanfällig entwickelt, dass ganze Heere von Technikern permanent damit beschäftigt sind, neue Lücken in den Sicherheitskonzepten zu schließen. Unser Stromnetz ist aus vielen kleinen Einheiten aufgebaut, die alle genau aufeinander abgestimmt arbeiten. Greift eine Schadsoftware an einem Knotenpunkt an, könnte sie einen großen Teil des Netzes lahmlegen. Die Gesellschaft und ihr Versorgungs-, Gesundheits- und Verkehrssystem würde unverzüglich kollabieren. Kühlketten würden unterbrochen, Supermarktkassen, Geldautomaten und Tanksäulen würden nicht mehr funktionieren, Tiermastbetriebe, Busse und Bahnen, Operationssäle und der Flugverkehr müssten den Betrieb einstellen. Telefonie und Internet, Ampeln und Schranken lägen lahm.

Im Bereich der Wasserversorgung wird elektrische Energie in der Wasserförderung, -aufbereitung und -verteilung benötigt. Besonders kritisch für die Gewährleistung der jeweiligen Funktion sind elektrisch betriebene Pumpen. Fallen diese aus, ist die Grundwasserförderung nicht mehr möglich und die Gewinnung von Wasser aus Oberflächengewässern zumindest stark beeinträchtigt.

Dies sind nur ein paar Beispiele, dass mit der Bevorratung von Lebensmitteln und Wasser ein soziales Chaos und Barbarei nicht verhindert werden können. Dafür treten derartige Ausfälle erfahrungsgemäß viel zu abrupt und massiv auf. Ausführlichere Folgen eines Blackouts können beispielsweise hier [pdf] nachgelesen werden.

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Anmerkung des Altautonomen: In dem gleichnamigen Roman von Marc Elsberg werden die katastrophalen Folgen eines "Blackouts" sehr einleuchtend beschrieben: Halb Europa ist wochenlang dank eines Hackerangriffs von Cyberpiraten ohne Strom.


Montag, 22. August 2016

Realitätsflucht (34): Hard To Be A God


Das Action-Rollenspiel, um das es in der heutigen Realitätsflucht geht, stammt vom russischen Entwicklerstudio Akella, wurde 2008 veröffentlicht und basiert auf dem gleichnamigen Science-Fiction-Roman der russischen Gebrüder Arkadi und Boris Strugazki: "Hard To Be A God". Das Spiel stand viele Jahre unbeachtet in meinem hintersten Regal - ich habe es vor Jahren mal für einen Euro auf irgendeinem Grabbeltisch gefunden und es mitgenommen, weil ich den besagten, sehr guten Roman kannte. Danach habe ich die DVD vergessen.



Nun ist sie mir vor einigen Monaten beim Aufräumen und Ausmisten wieder in die Hände gefallen, und ich dachte, es sei wohl an der Zeit, das Spiel, das trotz des lächerlichen Preises in einer edlen Metallbox (daher der etwas merkwürdige Scan des Covers) vertrieben wurde, einfach mal auszuprobieren. Vorab sei gesagt, dass es nicht zwingend notwendig ist, den Roman zu kennen, wenn man das Spiel spielen möchte - allerdings erleichtert die Kenntnis des Buches das Verstehen mancher Dialoge und insbesondere Witze doch sehr.

Zur Handlung will ich nicht viel verraten, denn die hat es in sich (die Geschichte ist in einer Zeit angesiedelt, die nach den im Roman beschriebenen Ereignissen beginnt): Grob gesagt schlüpft man in die Rolle eines Einwohners des Planeten Arkanar, dessen humanoide Bevölkerung sich auf dem Entwicklungsstand des irdischen Mittelalters befindet. Dass hier vieles nicht so ist, wie es zunächst scheint, wird schon relativ schnell klar - ich denke, dass auch der Titel des Spieles schon genug Hinweise liefert, so dass ich zu diesem Thema nichts weiter verraten möchte. - Es bleibt aber festzuhalten, dass "Hard To Be A God" eines der ganz wenigen Rollenspiele ist, die mit einer überaus tiefgründigen, überraschenden und aufgrund der literarischen Vorlage äußerst durchdachten Geschichte aufwarten. Wer in "Gothic", "Skyrim" oder "The Witcher" stets verzweifelt auf der Suche nach einer Story war, wird hier im reichlichen Überfluss belohnt und - ich kann das nicht anders formulieren - zutiefst beglückt.

Auch dieses Spiel benutzt den sogenannten "Third-Person-Modus", der aus Rollenspielen dieser Art wohlbekannt ist. Die "Schulterkamera" folgt dem Helden in mittels Mausrad frei wählbarer Entfernung - wobei hier gleich das erste zu erwähnende Ärgernis wartet, denn der Blickwinkel lässt sich nicht frei einstellen, so dass es - zunächst - keine "Weitsicht" in diesem Spiel gibt. Das lässt sich aber ändern - dazu später mehr. Es handelt sich - ebenfalls zunächst - nicht um eine offene Welt, sondern um verschiedene Areale, die im Verlauf der Geschichte nach und nach freigeschaltet werden und die man nach etwa der Hälfte des - sehr umfangreichen! - Spieles dann doch jederzeit erneut besuchen kann.

Wie in solchen Spielen üblich, gibt es eine Hauptquest, die man verfolgen muss, um weiterzukommen, sowie eine ganze Reihe optionaler Nebenquests, die man erhalten kann, indem man ein Gebiet durchsucht und mit den Bewohnern redet. Es lohnt sich natürlich sehr, alle diese Nebenquests ebenfalls auszuführen - nicht nur des Spielspaßes wegen, sondern auch wegen der teilweise erheblichen Erfahrungspunkte, die man dafür bekommt und die man - wie gewohnt - in verschiedene Fähig- und Fertigkeiten investieren kann, um den Helden "fortzubilden".

Das Spiel ist in der deutschsprachigen Szene weitestgehend ignoriert worden - und die wenigen Rezensionen, die es dazu gibt, sind allesamt so abstrus ausgefallen, dass ich mich beim Lesen immer wieder gefragt habe, ob die Autoren tatsächlich dasselbe Spiel gespielt haben. Ein besonders krasses Beispiel ist dieser Bericht von 4players.de, in dem der Schreiberling sich gar dazu versteigt, das Spiel ins Genre des "Hack'n'Slay" einzuordnen. Das ist indes so absurd, dass mir dazu nichts Sinnvolles einfällt. Welches Rollenspiel besteht denn nicht zu einem recht erheblichen Teil daraus, mittels Nah- und/oder Fernkampf irgendwelche Gegner auszuschalten? Auch die übrigen Bemerkungen aus diesem "Test", beispielsweise bezüglich der angeblichen Schwierigkeit und "Hakeligkeit" der Kämpfe, kann ich nicht ansatzweise nachvollziehen. Nichts davon stimmt - das Spiel ist nicht schwieriger als "Sykrim" oder "Two Worlds II" und die Kämpfe sind ebenfalls nicht großartig unterschiedlich.

Trotzdem gibt es auch aus meiner Sicht Kritikpunkte, die erwähnenswert sind. Da sind beispielsweise einige kleine und ein paar wenige größere Bugs, die manchmal lustig, manchmal nervig und in wenigen Fällen auch so erheblich sind, dass man ohne die Eingabe eines Cheats gar nicht mehr weiterspielen kann. Meines Wissens gibt es keinen Patch dafür - ich habe jedenfalls in einer vertrauenswürdigen Quelle keinen gefunden. Ich führe im Anhang noch aus, wie man das selber sehr leicht beheben kann. Auch die verfügbare Bildschirmauflösung und die Position der Kamera gehören zu diesen Kritikpunkten. Es gibt im Spiel einige Längen, die vermeidbar gewesen wären, wenn die Entwickler die Gebiete sowie die Gegner etwas abwechslungsreicher gestaltet hätten.

Die Musik ist durchweg unaufdringlich und passend, die englische Sprachausgabe (mit optional angezeigten deutschen Untertiteln, die allerdings zuweilen fehlerhaft sind) ist äußerst professionell und spielt - ähnlich wie in "Amalur" - augenzwinkernd mit dem britischen und amerikanischen Akzent, und die Grafik ist dem Jahr 2008 durchaus angemessen. Auf meinem Win7/64-System läuft das Spiel vollkommen problemlos und ohne jeden Absturz.

"Hard To Be A God" ist ein wirklicher Geheimtipp für all jene, die neben den üblichen Erkundungen einer solchen Welt zu Fuß oder auf dem Rücken eines Pferdes sowie den unvermeidlichen Kämpfen auch eine tiefsinnige Geschichte suchen. Dass diese auch gleich eine mögliche Antwort darauf liefert, wieso sich eine intelligente Spezies ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr weiterentwickelt, sondern auf dem barbarischen Status quo der Gegenwart verbleibt, ist da nur ein kleines Bonbon: Parallelen mit unserer heutigen Zeit sind hier - wer die literarischen Werke der Strugazki-Brüder kennt, weiß das - gewiss nicht zufällig. Es dürfte nicht überraschen, dass Religionskritik - um nicht zu sagen: eine permanente Verächtlichmachung alles Religiösen - ein Zentralpunkt dieser wundervollen Geschichte ist. Ein Herr Faulfuß sähe hier schon den Teufel auf dem Altar tanzen, wenn er wüsste, dass man im Rahmen einer Nebenquest einem Priester helfen soll, der Beim Poker leider sein Gewand verzockt hat und sich seither weigert, weiterhin Predigten in der Kirche zum Besten zu geben. - Ich habe ihm auf meine ganz eigene "Charlie-Art" geholfen ... ;-)

Ich habe dieses Spiel sehr genossen! Selten war eine unverhoffte Flucht ins Unbekannte angenehmer als diese.



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Anhang

  1. In meinem Spieldurchlauf kam es an zwei Stellen vor, dass mir unsichtbare Türen oder Hindernisse den Weg versperrten. Das lässt sich folgendermaßen beheben:

    In der Datei "HardToBeGod.ini", die man im Programmordner im Unterverzeichnis "TBB" findet, sowie in der Datei "local.ini" im Unterverzeichnis "Profiles" muss die folgende Zeile eingefügt bzw. entsprechend modifiziert werden, um die "Konsole" aktivierbar zu machen: g_console 1.

    Danach lässt sich im Spiel eben jene Konsole durch Drücken der "^"-Taste aktivieren. Dort gibt man dann zu Deaktivierung unsichtbarer Hindernisse den Befehl no_clip 1 ein und bestätigt das mit der Enter-Taste. Wenn man fertig ist, sollte man das tunlichst wieder aktivieren, indem man no_clip 0 eingibt.

  2. Die Bildschirmauflösung lässt sich ebenfalls in diesen beiden Dateien ändern. Die für mein System passenden Parameter g_width 1920 und g_height 1200 funktionieren problemlos.

  3. Die Kameraposition und das nähere Heranzoomen lassen sich hier ebenfalls einstellen, indem man die vorhandenen Einträge in den beiden Dateien wie folgt ändert bzw. hinzufügt: camera_angle_min 5 und camera_distance_min 3.

Diese Werte sind nur Vorschläge - da kann jeder selbst experimentieren; zudem lassen sich hier eine Menge weiterer Details verändern, wie beispielsweise die Schnelligkeit der ablaufenden Spielzeit, das Wetter, einige grafische Elemente u.v.m. In jedem Fall gilt aber wie immer: Bevor irgendwelche Veränderungen an diesen Dateien vorgenommen werden, sollte man Sicherheitskopien der Dateien anlegen, um im Fall der Fälle den ursprünglichen Zustand wieder herstellen zu können. - Sämtliche Befehle lassen sich auch über die Konsole eingeben, sind dann aber nur temporär gültig - nämlich bis man ein neues Gebiet betritt oder einen Spielstand lädt.

Samstag, 20. August 2016

Die dramatische Wende


Ich bin kein Naturwissenschaftler. Dennoch stelle ich immer wieder eine angsterfüllte Gänsehaut bei mir fest, wenn ich wieder einmal Berichte über die Entwicklungen gerade in der Gentechnik lese. Aktuell war das wieder einmal bei n-tv der Fall, wo zu lesen war:

Noch nie war ein Eingriff ins Erbgut so einfach wie heute. Mit dem Wunderwerkzeug für Gene namens Crispr-Cas lässt sich Erbmaterial auf viele Arten verändern. Seit vier Jahren erobert es die Labore. "Der Menschheit steht wahrscheinlich eine dramatische Wende bevor", sagt Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats.

Worum geht es hier also? Der kleine Text klärt die Lesenden natürlich nicht auf, vermittelt aber immerhin ein paar wenige Informationsbröckchen, weshalb die Lektüre empfohlen ist. Besonders herausheben möchte ich diese Passagen:

Ein US-Forscher stellte 2014 ein Viruskonstrukt vor, mit dem nach Inhalation über eine Crispr-Sequenz Mäuse mit Lungenkrebs geschaffen wurden. Nicht nur der Crispr-Pionierin Doudna soll es eiskalt den Rücken heruntergelaufen sein: Beim kleinsten Fehler könnte ein solches Crispr-Molekül auch in der menschlichen Lunge wirken. Immer wieder warnten Doudna und Charpentier vor einem blauäugigen Vorpreschen, mahnten an, das System erst einmal grundlegend zu erforschen - mit mäßigem Erfolg. Und Dabrock bemerkt: Potenziell gefährliche Manipulationen von Erregern seien bisher nur in bestens ausgestatteten Labors möglich gewesen. "Dort bleibt ein Supervirus auch wirklich im Hochsicherheitstrakt." Mit Crispr werde das anders, weil die Technik keiner komplexen Ausstattung bedürfe. "Der Schutz vor missbräuchlicher Anwendung scheint mir derzeit der ethisch relevanteste Bereich und die wichtigste Sicherheitsfrage zu sein." [...]

Doch die Technik geht noch weiter: Im vergangenen Jahr verlautbarte ein Team aus Guangzhou (China), Dutzende in einer Fruchtbarkeitsklinik aussortierte Embryonen manipuliert zu haben. Der Genaustausch per Crispr war nur bei einigen Zellhäufchen erfolgreich - aber das weltweite Entsetzen gigantisch. Die Schreckensvision eines im Labor gezüchteten Menschen wirkte näher denn je. "Solche Versuche halte ich für extrem problematisch", sagt Puchta. / Goldgräberstimmung auf der einen Seite, die Angst vor einer geöffneten Büchse der Pandora auf der anderen: Welchen Weg Crispr-Cas nimmt, wird sich erst in Jahren zeigen.

Soweit der Text von n-tv. Was gestern noch Science Fiction war, ist heute längst Realität und befindet sich nicht mehr im diskursiven, sondern im experimentellen, angewandten Bereich der Wissenschaft - was der verlinkte Text, wenn auch vermutlich unfreiwillig, sehr schön illustriert, wenn von "Goldgräberstimmung" gefaselt wird: Denn das bedeutet nichts anderes als dass gewisse Leute hier eine Menge Kohle scheffeln wollen. So ist das eben im Kapitalismus: Es wird nicht das getan, was logisch oder notwendig ist, sondern das, was einer kleinen Gruppe Profit einbringt. So simpel kann manchmal die Definition eines Systems sein, wenn man nicht Jens Berger heißt und einen Job bei Spiegel Online oder der BLÖD-"Zeitung" anstrebt.

Es ist nur eine Lachnummer am Rande, dass der Vorsitzende des aktuellen Ethikrates in Deutschland - Herr Prof. Dabrock - ausgerechnet Theologe [sic!] ist. Wer sollte denn auch besser für diesen Job geeignet sein als ein Kerl, der an die Existenz irgendwelcher wissenschaftlich nicht nachweisbaren "höheren Wesen" glaubt? Da nimmt man ihm seine Kritik an der profitorientierten Gentechnik, die schließlich in "göttliche Bereiche" vordringt, doch gleich dreimal eher ab. Wir leben im finstersten, gruseligsten Mittelalter.

Ich möchte nicht missverstanden werden: Die Gentechnik könnte auch aus meiner - laienhaften! - Sicht durchaus sinnvoll und auf vielen Gebieten erfreulich sein. Es könnten sich hier immense Perspektiven und Chancen für die ganze Menschheit ergeben - wenn, ja: WENN! da nicht wieder der widerliche Kapitalismus wäre, der jede wissenschaftliche Entwicklung und Entdeckung unverzüglich pervertiert und in das widerliche Korsett der Profitinteressen einer kleinen Minderheit zwängt: "Das muss Geld einbringen, sonst ist es wertlos."

Mit anderen Worten: Im Rahmen des kapitalistischen Systems müssen wir allesamt furchtbare Angst haben vor wissenschaftlichem Fortschritt - denn er wird unweigerlich und in fast jedem Falle gegen die Mehrheit der Menschen und nur zum Wohle einer superkleinen Minderheit eingesetzt. Dieses schlichte Fazit ist so sicher wie der unvermeidliche sprachliche Fehler und die intellektuelle Leere in einem Lapuente-Text.

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Der Neandertaler auf der GeSoLei


"Siehste, Lydia, so hammer angefangen. Da war der Mensch noch keen Ebenbild Gottes."

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 14 vom 05.07.1926)

Freitag, 19. August 2016

Film des Tages: Die verlorene Zeit




Anmerkung: Dieser Spielfilm von Anna Justice aus dem Jahr 2011 erzählt die erschütternde Geschichte der deutschen Jüdin Hannah Silberstein, die 1944 mit der Hilfe des polnischen, politischen Häftlings Tomasz Limanowski aus dem KZ Auschwitz-Birkenau fliehen konnte. Die Handlung orientiert sich an der Autobiografie "Wer ein Leben rettet: Die Geschichte einer Liebe in Auschwitz" von Jerzy Bielecki (1921-2011).

Es ist davon auszugehen, dass der Film nicht allzu lange bei youtube verfügbar sein wird. Wer ihn sich anschauen möchte, sollte das schnell tun.

Donnerstag, 18. August 2016

Die Freiheit, die sie meinen


Gestern vor 60 Jahren - am 17. August 1956 - hat das kapitalistische Nachkriegsregime eindrucksvoll gezeigt, welchen Weg es einschlagen wird. Gut versteckt beim WDR war dazu gestern ein hübscher Text zu lesen, den ich sehr empfehlen will. Es geht darin um das Verbot der KPD in Westdeutschland und die Entwicklung, die bis zum besagten Datum dahin geführt hat. Die braune, kapitalistische Gülle quoll schon damals aus allen Nähten - und selbstverständlich war neben der CDU auch die SPD maßgeblich daran beteiligt. - Ich zitiere in Auszügen:

Kaum hat sich die junge Bundesrepublik eine Verfassung gegeben, setzt sie Grenzen, wer von der darin festgeschriebenen Meinungsfreiheit Gebrauch machen darf. Im September 1950 schürt Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) in seiner Regierungserklärung die Angst vor der Roten Gefahr: "Sie werden gleich einen Kabinettsbeschluss hören, den wir heute Morgen gefasst haben und der zum Ziele hat, alle Anhänger des Kommunismus aus den Stellen der Bundesrepublik - seien sie als Arbeiter, als Angestellte oder Beamte tätig - rücksichtslos zu entfernen."

Der "Erlass gegen Verfassungsfeinde" ist zwar neutral formuliert, aber seine Stoßrichtung ist klar: Von den darin genannten Organisationen sind elf kommunistisch, aber nur zwei rechtsextrem. Der Erlass bildet den Auftakt zu weiteren juristischen Maßnahmen gegen die linke Opposition. Im Visier hat Adenauer nicht nur die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und deren Sympathisanten, sondern auch den Widerstand der Bevölkerung gegen die von ihm angestrebte Remilitarisierung der Bundesrepublik. (...)

Um Linke im eigenen Land zu bekämpfen, beschließt der Bundestag im August 1951 mit den Stimmen der SPD das erste Strafrechtsänderungsgesetz. Nun kann neben "Hochverrat" und "Landesverrat" auch "Staatsgefährdung" geahndet werden. (...)

Am 17. August 1956 ist es schließlich soweit: Am Vormittag erklärt das Bundesverfassungericht die KPD für verfassungswidrig und verbietet die Partei. In allen großen westdeutschen Städten stehen Polizeikommandos bereit, um das schon lange vermutete Urteil umzusetzen. Bis zum Nachmittag werden 199 Parteibüros durchsucht und geschlossen, Druckereien beschlagnahmt, Propagandamaterial sichergestellt, Zeitungen verboten, das Parteivermögen eingezogen und Funktionäre verhaftet. Max Reimann, der KPD-Vorsitzende und andere Führungskader haben sich bereits in die DDR abgesetzt, um ihrer Festnahme zu entgehen. KPD-Mitglieder, die in der Bundesrepublik bleiben, haben auch finanzielle Sanktionen zu befürchten. So wird zum Beispiel Heinz Renner - der wie Reimann als Mitglied des Parlamentarischen Rates an der Ausarbeitung des Grundgesetzes beteiligt gewesen ist - seine Rente als NS-Geschädigter wegen seiner KPD-Zugehörigkeit rückwirkend aberkannt.

Das KPD-Verbot trifft nicht nur Kommunisten: "Alles, was nicht in die Richtung der Adenauerschen Politik passte, wurde in den kommunistischen Verdacht gebracht", sagt Rechtsanwalt Hannover. Der Gummiparagraph "Verstoß gegen das KPD-Verbot" sei auf alle möglichen, vermeintlich linksmotivierten Tatbestände angewendet worden. Bis 1968 gibt es über 125.000 staatsanwaltschaftliche Ermittlungen und rund 10.000 Verurteilungen. Im Kalten Krieg habe es allerdings nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in der DDR politische Justiz und Unrechtsurteile gegeben, sagt Jurist Hannover. Während aber die Opfer der DDR-Justiz per Gesetz entschädigt worden seien, sei das in der Bundesrepublik nicht geschehen.

Es versteht sich fast von selbst, dass die SPD unter Willy Brandt mit dem "Radikalenerlass" sechzehn Jahre später in dieselbe gruselige Kerbe gehauen und kommunistische Tendenzen im "Wirtschaftswunderland" (oh, diese Schmerzen!) damit nachhaltig ausgemerzt hat. Es ist genau diese Freiheit, die sie seit spätestens 1950 meinen: Die Freiheit des Kapitals - und wer dagegen opponiert, ist ein Feind, wird verboten und im Zweifel inhaftiert.

Es ist ist äußerst erhellend, sich diese kleine Geschichtslektion zu gönnen und ausführlich darüber nachzudenken - das gilt ganz besonders für all die Unterstützer und Fans der Nachdenkseiten und ähnlicher pseudolinker Blogs, die den zerstörerischen Kapitalismus allenfalls "regulieren", nicht aber rückhaltlos abschaffen wollen. Merkt ihr etwas, ihr Müllers, Bergers und Lapuentes?

Es ist höchste Zeit für eine Revolution. Stattdessen beschäftigt sich die Mehrheit der hiesigen Bevölkerung aber ständig - und ausschließlich! - mit "Pokemon Go", den "kriminellen Flüchtlingen" und - wie immer - mit Fußball & Co. Kann mir jemand nachvollziehbar erklären, weshalb diese Menschheit nicht dem Untergang geweiht sein sollte? Mir fällt nämlich zur Entlastung allmählich nichts mehr ein.

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(Titelblatt der "Roten Fahne" vom 22. Februar 1919 anlässlich der Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs)