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(Ayreon: "Come Back To Me (Day Seven: Hope)", aus dem Album "The Human Equation", 2005)
Let me take you back
To the time when we were chasing all the girls
Two maniacs
Indulging in the pleasures of this world
So much to see, so much to live for
Questions to answer, places to go
So much to be, so much to care for
Deep down inside I think you know:
You are free ... come back to me!
Look ahead and see
There are still so many borders we could cross
Just you and me
Making up for all the time that we have lost
So much to see
- He may be right
So much to live for
- I've got to fight
Questions to answer
- I will pull through
Places to go
- Take me with you
So much to be
- I will not break
So much to care for
- I must awake
Deep down inside
I think you know
- I think I know
You are free
- I am free
Come back to me!
Come back to me -
There's no way out, my whole world is black!
Come back to me -
I try to shout, something's holding me back!
Come back to me ...

Anmerkung: Das Video zu diesem Song ist eine zwar sehr kurze, aber exakte Zusammenfassung meiner eigenen Jugend inklusive der damit verbundenen Hoffnungen, Pläne und Träume - zu jeder einzelnen Szene gibt es eine reale Entsprechung, zu der ich eine passende Anekdote erzählen könnte. Lucassen fasst hier sehr schön zusammen, wo all dieser Mumpitz letztlich immer landet - nämlich symbolisch auf der Intensivstation, auf der sich das Leben zu verabschieden gedenkt. Das Resümee lautet folgerichtig: "There's no way out, my whole world is black!"
Dass der Song im Gefüge des sehr empfehlenswerten Konzeptalbums, aus dem er stammt, dennoch mit "Hope" betitelt ist, sollte nachdrücklich zum Nachdenken anregen.
2012 neigt sich dem Ende zu und ich wünsche allen Mitleserinnen und Mitlesern einen möglichst angenehmen Übergang ins neue Jahr - das sicherlich eine Menge Paukenschläge für uns alle bereit hält.
Vielen Dank an alle KommentatorInnen, MailschreiberInnen und sonstigen FreundInnen, die mir ein Feedback geben und mir zeigen, dass es nicht vollkommen sinnlos ist, was ich hier tue. Wir sehen / hören / lesen uns im nächsten Jahr, um den Wahnsinn weiter zu begleiten - in einer neuen Runde im Irrenhaus unserer grotesken Realität.
Silvester 1931
Menschenskind, das war ein Jährchen,
das die schlimmsten Schauermärchen
trüber Unken übertrumpft!
Dass es schnell der Teufel hole,
denkt man vor der dünnen Bowle,
hoffnungslos und abgestumpft.
Immer beim Silvester-Proste
sagte man sich schon zum Troste:
Schlimmer werden kann es nich'!
Und dann ward es dennoch immer
- und nicht nur ein bisschen schlimmer,
sondern äußerst wesentlich ---
Dies Jahr aber, denk' ich, könnte
man schon glauben, bis zum Ende
sei nur noch ein kleiner Schritt -
Und entweder tät' man diesen
oder aus Ruin und Krisen
löste uns ein großes "Quitt!".
Soll man überhaupt noch hoffen -?
Diese Frage lass ich offen,
weil die Antwort leicht missfällt -
Tja, man müsste sich besaufen,
bis die Augen überlaufen,
doch auch dazu fehlt das Geld ---
(Karl Kinndt alias Reinhard Koester [1885-1956], in "Simplicissimus", Heft 39 vom 28.12.1931)
---
Neujahrsnacht-Beklemmungen
Neujahrsnacht. Nach zwölf ... und du stehst da,
und du äugst vielleicht ein bisschen in den Himmel.
Und von einem Turme macht's Trara
nach dem obligaten Glockenspiel-Gebimmel.
In der Höhe stehn die Sterne und
zwar genau so teilnahmslos wie immer.
Und der Himmel ist auch heute rund
und so dunkel wie ein Kohlentrimmer.
Nichts von Neujahrsmerkmal in der Kosmosgegend.
Dort geht alles seinen steten Gang.
Nur die Menschen finden Neujahr Sensation-erregend -
Und darüber wird dir etwas bang:
Das dort oben hat gewiss nie Lust,
sich mit unserm Kleinkram zu befassen.
Wenn du dich hier unten schinden musst,
wenn es Pleite gibt in allen Kassen,
wenn du dich mit ideellen Zielen,
so veranlagt, abzuschleppen hast,
wenn Elitemenschen an der Börse spielen
und die andern jagen nach dem Pfennig fast ---;
Das ist alles Zirkus von Mikroben,
die die Erde eigentlich konstant verseuchen -
und dem ungeheuren Apparat dort oben
lohnt es nicht mal, uns davonzuscheuchen.
(Walther C.F. Lierke [1892-?], in "Simplicissimus", Heft 39 vom 28.12.1931)
---
Silvester 1931

"Den Silvester-Punsch kann sich die Menschheit diesmal sparen - der Welt-Kater ist schon vorher da."
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 39 vom 28.12.1931)
(Gebrüder Engel: "Sie fangen wieder an", aus dem Album "Magengesicht", 1980)
Die Rune bleckt schon wieder zwischen unseren Plakaten
Da stehn sie wieder Samstags in den Einkaufsstraßen
Sie wagen es tatsächlich mit dem Megaphon -
So weit ist es schon?!
Die finden jetzt schon wieder, dass die Zeit gekommen ist
Selbst im Fernsehen präsentierte sich ein stolzer Jungfaschist
Die machen doch tatsächlich eine Demonstration -
So weit ist es schon?!
Sag nicht, wir haben nichts geahnt,
Sag nicht, das sind nur ein paar Mann!
Der böse Geist hat wieder hier und da ein Maul:
Sie fangen wieder an!
Die laden doch tatsächlich zu "Gesprächen" ein
Der eine oder andere fällt schon wieder darauf rein
Die wagen glatt zu sagen, dass die Dinge anders waren -
Nach den paar Jahren?!
Die träumen jetzt schon wieder davon auszurotten
Sie schmieren wieder Hakenkreuze an die Synagogen
Sie gröhlen hier und da schon ihre üblen Lieder -
So schnell schon wieder?!
Sag nicht, wir haben nichts geahnt,
Sag nicht, das sind nur ein paar Mann!
Der böse Geist hat wieder hier und da ein Maul:
Sie fangen wieder an!
Die drücken sich am Mittag an den Schulen rum
Die spinnen schon in Wäldern mit Gewehren rum
Die mieten auch schon Rock'n'Roll-Hallen -
Dreist vor uns allen?!
Bestimmte Söhne schon und noch bestimmte Väter
Von Polizei umstellte Menschlichkeitsverräter
Wagen es tatsächlich und mit Megaphon -
So weit ist es schon!!!
Sie fangen wieder an ...

Bayerns Verfassungsschutz hat sich laut Informationen der Süddeutschen Zeitung in den neunziger Jahren aktiv am Aufbau des rechtsextremen Thule-Netzes beteiligt - eigentlich, um die Neonazi-Szene zu kontrollieren. Doch der gut entlohnte V-Mann wurde selbst zur treibenden Kraft.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Diesen Bericht der Süddeutschen solltet Ihr unbedingt lesen, wenn Ihr das noch nicht getan habt - und ihn vor allem nicht wieder vergessen. Denn eines ist schon jetzt klar: Auch in diesem Fall haben die Veröffentlichungen keine weiteren Folgen - der "Verfassungsschutz" macht einfach weiter wie bisher, er wird sogar noch ausgebaut und mit weiterreichenden Berechtigungen ausgestattet, und auch politisch/personell wird es keine Konsequenzen geben. Es bleibt alles ruhig und beim Alten in der Bananenrepublik.
Die braune Soße in diesem Land wurde und wird konsequent und unbeeindruckt von Enthüllungen staatlich verordnet aufgekocht und finanziert, damit sie - was großflächig ja bereits gelungen ist - in alle Ritzen der Gesellschaft eindringen und sich ausbreiten kann. Heitmeyers Studien und viele andere Untersuchungen belegen das erschreckende Ausmaß (siehe beispielsweise hier, hier, hier und hier). Und was tun Merkel und die übrigen hochdekorierten Damen und Herrn unserer lieben Bundesregierung dagegen? Natürlich: Nichts. Denn von genau diesen zwielichtigen Gestalten gingen und gehen diese verfassungsfeindlichen, rechtsextremen Planspiele ja aus.
Man braucht sich nur einmal kurz zu vergegenwärtigen, was für ein widerwärtiger, menschenfeindlicher Schmutz dem Gehirn beispielsweise des "christlich-sozialen" Innenministers Hape Friedrich entspringt, um zu wissen, wes Geistes Kind dieser Mann ist. Da quillt der Faschismus aus jeder einzelnen Schweinelocke.
Es ist alles gut in Deutschland - keine Sorgen bitte! Hinsetzen und weitermachen - unsere hochseriösen Politiker, Behörden und Amtsträger handeln nur zu ihrem eig..., äh, zu unserem Besten, ebenso wie es die Banken, Versicherungen, Konzerne und deren Eigentümer tun. - Und wenn sie nicht gestorben sind ...
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Wotan

"Das würde alles ganz anders blühen, wenn wir keine Juden [Muslime, Türken, Südländer, Sinti und Roma, Behinderten, Arbeitslosen, Kranken, Alten ...] in Deutschland hätten."
(Zeichnung von Wilhelm Schulz [1865–1952], in "Simplicissimus", Heft 9 vom 30.05.1927)
Die Grundlage der Demokratie ist die Volkssouveränität und nicht die Herrschaftsgewalt eines obrigkeitlichen Staates. Nicht der Bürger steht im Gehorsamverhältnis zur Regierung, sondern die Regierung ist dem Bürger im Rahmen der Gesetze verantwortlich für ihr Handeln. Der Bürger hat das Recht und die Pflicht, die Regierung zur Ordnung zu rufen, wenn er glaubt, dass sie demokratische Rechte missachtet.
(Gustav Heinemann [1899-1976], deutscher Bundespräsident 1969 bis 1974)
Anmerkung: Vergleichen wir diese Aussage einmal mit den Ansprachen der letzten Bundespräsidenten, insbesondere mit dem heuchlerischen, schwer erträglichen Sermon des Pfaffen Gauck - und ganz schnell wird deutlich, in welch einer gruseligen, erneut nach rechts außen driftenden, menschenfeindlichen Zeit wir leben. Auch Heinemann war kirchlich engagiert, doch weitere Ähnlichkeiten mit dem verlogenen Kapitalisten und Eigennutzmehrer Gauck vermag ich auf die Schnelle nicht zu entdecken.
Stellen wir uns nur einmal kurz vor, ein heutiger Bundespräsident nähme zum Jahresende 2012 ähnliche Worte in den Mund - das Schäumen und Verdammen der versammelten neoliberalen Bande von BLÖD-"Zeitung" über Tagespropagandaschau und fast sämtliche Parteien hinweg bis zu den üblichen Verdächtigen der Lobbyismus-Beauftragten wäre ihm gewiss. Nicht einmal ein (theoretisch erdachter) Bundespräsident von der Linkspartei dürfte sich einen solchen Fauxpas heute erlauben, ohne unverzüglich abgesetzt, gevierteilt und in Ascheform ins Meer des Vergessens gestreut zu werden.
Die Grundlage der Demokratie, wie sie unsere heutigen Knopfleisten- und Schlips-Borg verstehen, ist nur noch eines: Geld. Möglichst viel davon im eigenen Elite-Strumpf. Das stopfen sie sich solange in alle erdenklichen Körperöffnungen, bis sie endlich daran ersticken. Dummerweise ersticken wir dann allesamt mit ihnen. Unser Recht und unsere Pflicht, die Regierung und insbesondere die selbsternannte "Elite" zur Ordnung zu rufen, haben wir dann wieder einmal verwirkt.
Dass auch Heinemanns Spruch seinerzeit nur Makulatur und Ablenkung war, steht auf demselben Blatt, ist hier aber nicht Gegenstand des Interesses.
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Die Reichsminister sind für Mäßigkeit

"Wenn die Kabinettsmitglieder nicht mehr zu unseren Banketten kommen - wo sollen wir ihnen denn dann unsere Notlage klarmachen?"
(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 33 vom 14.11.1927)
"Es gibt kein richtiges Leben im Falschen", hat der Frankfurter Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist Theodor W. Adorno gesagt. Kann es überhaupt richtiges Denken und Fühlen im Falschen geben? Und können wir unser Handeln frei halten von den zynischen Dogmen des selbst proklamierten Gewinners der Klassenkämpfe? Sind wir wirklich überzeugt, dass eine andere Welt möglich ist und tragen wir selbst dazu bei?
(Weiterlesen)
Anmerkung: Diesen kleinen Grundsatzartikel zum Wesen des Kapitalismus und zur Omnipräsenz neoliberaler Propaganda kann ich nur jedem wärmstens empfehlen - die Autorin findet verständliche Worte für komplexe Themen.
Widersprechen muss ich ihr lediglich in einem Punkt, nämlich wenn sie resümierend feststellt und fragt:
"Ist dies nun das alte Prinzip des 'homo homini lupus' (der Mensch ist des Menschen Wolf) und damit eine unabänderliche anthropologische Konstante, gern auch zitiert von den Apologeten des skandalösen Ist-Zustandes dieses Planeten mit den Worten 'Der Mensch ist eben schlecht'? / Oder ist es, abgesehen davon, dass sich gewisse grundlegende unsympathische Züge dieses zum Egoismus neigenden Säugetiers ja nicht ganz leugnen lassen, in erster Linie die unausweichliche Konsequenz einer schleichenden und wie Radioaktivität in alle eindringenden Vergiftung des Denkens und Fühlens, das die kannibalisch-kapitalistische Gesellschaftsordnung ausdünstet?"
Ihre Antwort - das kapitalistische (propagandistische) "Gift", das den Menschen schon vom Kindergarten an eingeimpft werde, sei die Ursache - ist zugleich auch ihre Negation, denn es liegt doch auf der Hand, dass dieser "skandalöse Ist-Zustand" nur dann über so viele Jahrhunderte bis heute aufrecht erhalten werden konnte und auch in alternativen Gesellschafts- und Denkstrukturen immer wieder - unablässig und unaufhörlich - die Oberhand gewinnt, wenn die eigentlich zu widerlegende Aussage ("Der Mensch ist eben schlecht") tatsächlich doch der Realität entspricht.
Der "menschenfreundliche Umdeutungsversuch" der Autorin wirkt hingegen wie eine fatale Kopie des neoliberalen Irrsinns, der seinerseits ja die katastrophalen Auswirkungen des Kapitalismus ignoriert und statt dessen immer wieder höhere Dosen desselben Giftes fordert und rücksichtslos durchsetzt.
Es ist unbestritten, dass der Kapitalismus weniger die "Seelen", dafür vielmehr das Denken und Handeln der Menschen vergiftet. Die (wohl ebenso unbestrittene) Tatsache, dass diese Vergiftung so umfassend, so lange und so nachhaltig geschehen konnte und kann (und selbst erklärte Andersdenkende immer wieder befällt), ist aber wohl nicht auf die völlige Perfektion des Giftes, sondern vielmehr auf den sehr fruchtbaren menschlichen Nährboden zurückzuführen. Es ist in der Tat eine anthropologische Konstante - ob diese indes "unabänderlich" ist, kann nur die Zukunft zeigen.
Meine persönliche Wahrnehmung bezüglich der kommenden Dekaden bewegt sich da leider im fatalistischen Bereich: Es war immer so, es ist so, es wird auch weiterhin so sein. So etwas hören oder lesen Visionäre verständlicher Weise nicht gerne, so dass ich kompetente Unterstützung bemühe:
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Der Visionarr
Lampe, blöck nicht.
Aus der Wand fuhr ein dünner Frauenarm.
Er war bleich und blau geädert.
Die Finger waren mit kostbaren Ringen bepatzt.
Als ich die Hand küsste, erschrak ich:
Sie war lebendig und warm.
Das Gesicht wurde mir zerkratzt.
Ich nahm ein Küchenmesser und zerschnitt ein paar Adern.
Eine große Katze leckte zierlich das Blut vom Boden auf.
Ein Mann indes kroch mit gesträubten Haaren
einen schräg an die Wand gelegten Besenstiel hinauf.
(Jakob van Hoddis [1887-1942], in: Jahrgang 1 der "Aktion", 1911)

(Udo Lindenberg & Panik-Orchester: "Grande Finale", aus dem Album "Udopia", 1981)
In sieben Tagen schuf Gott die Welt,
doch sieben Tage sind echt zu knapp.
Am achten Tag fand er das auch,
schmiss sie ins Klo und zog ab.
Er setzt sich wieder auf seinen Thron
und lässt uns hier hängen in der Kanalisation!
Wir müssen's ausbaden, oh Herr,
die einen weniger, die anderen mehr ...
Nun sind wir schon seit Abel und Kain
hier in der Grütze rumgekrochen.
Nun fängt - ja muss das denn wirklich sein? -
die ganze Scheiße auch noch an zu kochen.
Bedrohlich brodelt hier ein See,
unheimlich bruzzelt dort ein AKW ...
Die Angst war lange nicht so groß,
die Raketen stehn auf "Achtung - fertig - los!"
Willkommen zum Grande Finale!
Die Erde geht unter, erfahren wir soeben.
Der Eintritt ist ohne Bezahle,
Sie zahlen hier bloß mit Ihrem Leben!
Der Globus ist 'ne große Bühne
und auch Sie werden hier als Statist engagiert!
Es wird so inszeniert, dass jeder krepiert -
und die Puppen tanzen: "Kein Horror in Sodom und Gomorrha".
Immer lustig und vergnügt,
bis der Arsch im Sarge liegt ...
Am Tage als der Reagan kam
und die Vulkantanzschule übernahm,
rechts herum im Rückwärtsschritt
tanzt man jetzt den Apocalypso, und alle taumeln mit ...
Willkommen zum Grande Finale!
Am 30. Mai ist alles vorbei.
Und die Rüstungsindustriellen
sind in Bombenstimmung auf den Seychellen!
In Moskau saufen sie viel Wodka,
bis sie behämmert sind, und sie wetzen die Sichel.
Es wird so inszeniert, dass jeder krepiert -
und zuerst der deutsche Michel.
"Kein Horror in Sodom und Gomorrha ..."
Immer lustig und vergnügt,
bis der Arsch im Sarge liegt ...
Wie schön der Neutronenbomber fliegt,
bis der Arsch im Sarge liegt ...
Wie aromatisch Giftgas riecht,
bis der Arsch im Sarge liegt ...
Es gibt 'ne Zeitung, die niemals lügt,
bis der Arsch im Sarge liegt ...
In Gorleben sich ein Bohrer verbiegt,
bis der Arsch im Sarge liegt ...
Ein Ölscheich einen Goldrausch kriegt,
bis der Arsch im Sarge liegt ...
Der Krisenstab sich im Bunker verkriecht,
bis der Arsch im Sarge liegt ...
und der Pfaffe, wie immer, seinen Segen gibt ...
Bis der Arsch im Sarge liegt.

Anmerkung: Welcher Song wäre passender für den 21.12.2012 als dieser? ;-) Abgesehen vom albernen Weltuntergangs-Hype an diesem Tag müsste Lindenberg - wenn er heute noch immer so wach und kritisch wäre wie 1981 - extrem bestürzt sein, da seine schlimmsten Befürchtungen von vor über 30 Jahren heute noch weit übertroffen werden. Der "Apocalypso" - "rechts herum im Rückwärtsschritt" - ist längst der Standardtanz auf nahezu jeder politischen Bühne dieser Welt.
Wohlan denn, lasst uns tanzen - gemäß dem neoliberalen Katastrophen-Credo: "Nach uns die Sintflut".
Auch die deutschen "Spitzenpolitiker" [haben] die Wiederwahl Obamas zum US-Präsidenten einhellig "begrüßt", meldete die hiesige Medien-Mafia im Gleichlaut. "Der Bundespräsident hat ...", "die Bundeskanzlerin hat ...“ Beide waren, selbstredend, "... unter den ersten, die telegrafisch gratulierten ..." – Es folgten in diesen Hofnachrichten jeweils ein bis zwei tragende Sätze, entnommen den Ergebenheitsadressen unseres Berliner Spitzenpersonals. Mit Floskeln wie "... langjährige Freundschaft", "... Menschenrechte und Demokratie", "unverbrüchlich zur Seite" oder "Grundlage gleicher Werte". Kein TV-Sender und nur wenige Zeitungen brachten diese Texte ungekürzt. Was schade war, denn sie lassen tief blicken.
Nach diplomatischer Gepflogenheit gratulieren sich Träger politischer Ämter gegenseitig zur Wahl resp. Wiederwahl. Der Schreibstil zeigt, ob der Absender höflich einer Pflichtübung nachkam, ob er sich selbst als fast gleichrangigen Kumpan des Jubilars empfindet oder nur einmal mehr seine Lakaienrolle spielt und Verbalschleim absondert. Nachfolgend in Gänze, was einige unsere Berliner Repräsentanten Herrn Obama öffentlichkeitswirksam übermitteln zu müssen glaubten. Ich erlaube mir jeweils am Schluss Antworten an die Autoren.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Volker Bräutigam dreht wieder voll auf: Seine sprachlichen Analysen treffen wie fast immer des Pudels Kern und lassen an Deutlichkeit keine Wünsche offen. Ich kann es mir nicht verkneifen, seine Erwiderung an den Bundes-Gauckler, der mit einer besonders schleimigen "Glückwunschbotschaft" an Obama aufgefallen war, hier zu wiederholen:
"Werter Präsident Gauck, dass Pfaffen einst Kanonen segneten, ist bekannt; die Kanoniere zu segnen ist nur eine modernere Variante. Dass Sie als Expfaffe und nunmehriger Bundespräsident auf Traditionslinie bleiben, darf niemanden überraschen. Sie leisten Fürbitte beim Allerhöchsten für einen Schreibtisch-Massenmörder, und Ihr lieber Gott wird, wie wir ihn kennen, dafür ein offenes Ohr haben. Deutschland und die USA seien 'Partner gleicher Werte', schrieben Sie, da hätte man nur gern gewusst, ob Sie die in Euro oder die in Dollar meinen. Der Wert der vielen Drohnen-Volltreffer aufgrund wöchentlicher Mordbefehle des US-Präsidenten müsste ebenfalls noch definiert werden. Wobei die mindestens 182 Kinder, die dabei bisher kollateral zu Tode kamen, den Wert nicht unbedingt mindern. Werter Herr Präsident der Bundesrepublik Deutschland, der Sie bereit sind, mit solch einem Widerling '... die globalen Herausforderungen und Bedrohungen für Freiheit, Frieden, Wohlstand' anzunehmen: Nach Abgabe dieser Devotionalie dürfen Sie sich rückwärts schreitend entfernen. Bleiben Sie im Bückling, zumindest, bis Sie außer Sichtweite sind. Demutshaltung zeichnet den Theologen aus."
Treffer - versenkt. Dieser Text hätte als Leitartikel in der Süddeutschen oder in der Zeit stehen müssen. Von einer solchen Wahrhaftigkeit ist die Mainstream-Journaille in Deutschland aber weiter entfernt als vom Uranus.
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Feudalismus

(Zeichnung von Carl Olof Petersen [1880-1939], in "Simplicissimus", Heft 12 vom 16.06.1924)
"Die Frage ist nicht mehr, ob der Zusammenbruch kommt - sondern wie wir danach leben werden", meint Johannes Heimrath. Sein Buch "Die Post-Kollaps-Gesellschaft" dreht sich deshalb ganz um die Frage, wie eine Welt nach dem Zusammenbruch aussehen könnte und welche Weichen wir jetzt stellen können und sollten. (...)
Mit durchdringendem Blick benennt Heimrath auf diesem Weg auch viele der vermeintlich nachhaltigen und fortschrittlichen Ideen, wie etwa das Bedingungslose Grundeinkommen oder einen New Green Deal oder ein neues Wirtschaftssystem, als ein bloß illusionäres "Weiter-so" mit leicht anderem Anstrich (...). (...)
Dass der Kollaps also kommt, steht für Heimrath fest. Wie das geschieht und was dann passiert allerdings nicht. Er entwirft drei Szenarien, die weniger prophetisch als vielmehr modellhaft zu verstehen sind:
1. Schrecken ohne Ende
Die Krise beschleunigt sich und durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren kommt es zu einem raschen Totalzusammenbruch. Es gibt keine öffentliche Ordnung und keine Zivilgesellschaft mehr. Reiche Eliten sichern sich mit Privatarmeen auf High-Tech-Inseln ihr eigenes Überleben und errichten faschistische Privatstaaten mit striktem Militarismus.
Wahrscheinlichkeit: 85 Prozent
2. Langsames Siechtum
Die Eliten sichern sich die Ressourcen, fusionieren mit den Staaten und sorgen in den ehemaligen Industrieländern für einen ökologisch vertretbaren Mindestlebensstandart. Die Dritte Welt wird fallengelassen, die reichen Nationen schotten sich militärisch ab. Mit grünen Technologien und einem Grundeinkommen tritt die westliche Welt in eine Art Öko-Diktatur ein.
Wahrscheinlichkeit: 14 Prozent
3. Eine enkeltaugliche Welt entsteht
Der Kollaps führt zu einem Umdenken, die Ideen und Träume von einer lebensfördernden Welt werden von einer kritischen Masse aufgenommen und setzen sich durch. Aus den Keimzellen der Graswurzelbewegungen der letzten 40 Jahre entsteht das neue Gesellschaftsmodell der "Commonie".
Wahrscheinlichkeit: 1 Prozent
(Weiterlesen)
Anmerkung: Ich kann und will das in Rede stehende Buch von Johannes Heimrath nicht bewerten, da ich es nicht gelesen habe. Auch die eher mit Vorsicht zu genießende Quelle dieser Buchvorstellung (www.sein.de) will ich nicht bewerben. Den verlinkten Text allerdings halte ich für durchaus lesenswert, da er in ungewohnt offener und unaufgeregter Form Themen anspricht, die unsere Propagandamedien nicht einmal mit der Kneifzange anfassen, obwohl es sich um sehr drängende Fragen handelt.
Ich teile insbesondere die Einschätzungen des Buchautors bezüglich der unserer Gesellschaft bevorstehenden Szenarien und deren Wahrscheinlichkeit. Allerdings würde ich nie so weit gehen, die westlichen Gesellschaften als "Zivilisation" zu bezeichnen - denn was soll "zivilisiert" daran sein, wenn eine Minderheit der Menschheit sich überquellenden Luxus gönnt, während der große Rest in Elend, Armut und Not vor sich hin vegetiert? An dieser Situation hat sich seit vielen hundert Jahren nichts Grundlegendes verändert, und auch in den westlichen Staaten sind Zwangsverarmung, totale Ausbeutung und Überwachung, Faschismus und Militarismus längst wieder auf dem Vormarsch. Die westliche Welt war nie wirklich zivilisiert und befindet sich in einem rasanten Prozess der weiteren Dezivilisation.
"Eigentlich" sehnen sich doch fast alle Menschen nach der genannten "enkeltauglichen Welt", die ich allerdings nicht mit einem blöden Neologismus wie "Commonie" belegen möchte. Dass wir sie dennoch mit 99prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht erleben werden, ist eine Folge dieses verfluchten Systems - und ein Spiegel, in dem wir die Manipulierbarkeit und Dummheit der Menschen und die Perfidie der selbsternannten "Elite" klar erkennen.
Und unsere liebe Neoliberale Einheitspartei (NED) sorgt brav und kapitaltreu dafür, dass sich daran auch ja nichts ändert. In Krisen- und Endzeiten wird das offenbar regelmäßig deutlich:
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Die Blutsauger

"Alles geht vorzüglich. Sogar die Parteiunterschiede verschwinden mehr und mehr."
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 02.03.1925)
(Pink Floyd: "Your Possible Pasts", aus dem Album "The Final Cut", 1983)
They flutter behind you, your possible pasts,
Some bright-eyed and crazy, some frightened and lost.
A warning to anyone still in command
Of their possible future to take care.
In derelict sidings the poppies entwine
With cattle trucks lying in wait for the next time.
Do you remember me? How we used to be?
Do you think we should be closer?
She stood in the doorway, the ghost of a smile,
Haunting her face like a cheap hotel sign.
Her cold eyes imploring the men in their macs,
For the gold in their bags or the knives in their backs.
Stepping up boldly - one put out his hand -
He said: "I was just a child then, now I'm only a man."
Do you remember me? How we used to be?
Do you think we should be closer?
By the cold and religious we were taken in hand,
Shown how to feel good and told to feel bad.
Tongue-tied and terrified we learned how to pray,
Now our feelings run deep and cold as the clay.
And strung out behind us the banners and flags
Of our possible pasts lie in tatters and rags.
Do you remember me? How we used to be?
Do you think we should be closer?
---
Anmerkung: Leider habe ich diesen Song im Original nirgends werbefrei gefunden - ertragt und ignoriert den Spot am Anfang oder klickt nicht auf das Video - zumal die Soundqualität auch sehr bescheiden ist. Eine halbwegs gelungene Coverversion von der Band Anathema gibt es hier.
Ein wichtiger Song ist es dennoch - auch wenn sich der Sinn vielleicht nicht jeder oder jedem beim ersten Hören erschließt. Für diejenigen, die nicht so gut Englisch verstehen, sei daher angemerkt, dass mit den "cattle trucks" schlicht Viehwaggons gemeint sind, die auf "das nächste Mal" warten und die man im Hintergrund des Original-Songs auch hören kann, wenn man die Lautstärke aufdreht - das Lied ist eine einzige eindringliche Warnung davor, auch in Zukunft wieder in denselben faschistischen Horrorstrudeln zu versinken, die die Menschheit bereits erleiden musste.
Die wichtigste Botschaft des Songwriters Roger Waters ist meines Erachtens wohl diese: "A warning to anyone still in command of their possible future to take care." ("Eine Warnung an alle, die noch an der Macht sind, sich um die mögliche Zukunft zu sorgen/kümmern.") Ein Seitenhieb auf die "Kalten und Religiösen" ("the cold and religious"), die das natürlich zu verhindern suchen und ganz andere, nämlich menschenfeindliche Ziele verfolgen, darf in diesem Zusammenhang selbstverständlich nicht fehlen. Erhellender ist da schon die Tatsache, dass in dieser Strophe zwei Zeilen vermisst werden, die erst viele Jahre nach der Erstveröffentlichung zurück in den Song gefunden haben - auch in der verlinkten Originalversion sind sie nicht vorhanden: "Tongue-tied and terrified we learned how to pray, now our feelings run deep and cold as the clay."
Der Song ist fast 30 Jahre alt. Heute geht es längst nicht mehr um das Ob, sondern wieder einmal nur noch um das Ausmaß der Menschenfeindlichkeit, das unsere westlichen Gesellschaften an den Tag legen. Deutschland ist da mal wieder unter den "Besten" - und die Grenze nach unten ist weiter offen wie ein verfaulendes Scheunentor.

("The Knives in their Backs")
Hundertmal hab' ich gepocht.
Kein Pförtlein knarrte.
Nirgends ein brennender Docht,
der meiner harrte.
Nirgends ein Herz, eine Hand,
mich zu begaben ...
Baum, du am Straßenrand,
willst du mich haben?
Bist ja wie ich so allein.
Kannst mit mir prangen,
wenn ich im Morgenschein
an dir werde hangen.
(Dr. Owlglaß alias Ratatöskr alias Hans Erich Blaich [1873-1945], in "Simplicissimus", Heft 38 vom 21.12.1931)
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Rohstoffmangel

"Würden Sie gestatten, dass ich nach Ihnen den Strick benütze?"
(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 19 vom 04.08.1920)
Anmerkung: Eine höchst zutreffende Rede, die in ihrer Deutlichkeit einmal mehr an die Endphase der Weimarer Republik erinnert. Wenn politische Erklärungen oder Beschlüsse bereits in einer einzigen Wochenfrist zur Makulatur verkommen, steht der Laden lichterloh in Flammen. Die Verwendung der Vokabeln "Marionetten" und "Fassadendemokratie" muss ich nicht weiter kommentieren.
Ich wünschte mir sehnlich, dass die Linke eine Chance bekäme, den kapitalistischen Katastrophenkurs der schwarz-gelb-rot-grünen "Eliten"-Mästung zu korrigieren - und diese Chance dann auch tatsächlich nutzte. Beides ist leider utopisch in der Bananenrepublik Deutschland: Diese Partei wird aufgrund der anhaltenden medialen Dauerpropaganda niemals eine nennenswerte Mehrheit bekommen - und wenn sie sie wider Erwarten doch bekäme, wäre sie schneller unterwandert und auf einen stramm neoliberalen Kurs gebracht als wir "Hoppla" sagen können.
Von der "Quasselbude", wie der Reichstag in der Weimarer Zeit genannt wurde, ist keine positive Veränderung zu erwarten. SPD und Grüne haben das nach 1998 eindrucksvoll und andauernd belegt.
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Die neue Regierung

"Sieh mal, Großpapa, soviel schwarze Eier!" - "Sonderbar! Aber der Hase war rot."
(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 4 vom 21.04.1930)
Im folgenden [sic!] möchte ich ein Modell vorstellen, wie sich eine Gesellschaft anders organisieren könnte als die aktuelle, und sicher auch anders als bisherige, nämlich “sozialistische”. Der Entwurf enthält vieles, was mir persönlich gefallen würde, ist aber dennoch nicht frei von Beliebigkeit. Fast sämtliche Details könnten auch anders geregelt werden. Ich skizziere das, um die Gelegenheit zu bieten, sich am Beispiel abarbeiten zu können. Im Entwurf als solchem kreuzen sich abstrakte und konkrete Momente von Alternativen zum Bestehenden.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Bullshit. Es gibt genügend alternative Entwürfe zum kapitalistischen Irrsinn, wozu braucht es einen so hingerotzten Mist in wenigen Zeilen?
So nett ich die Bloggerszene ja auch finde, dieses System verführt aber leider auch dazu, ganze Regalwände in den Bibliotheken zu ignorieren, in denen viele verschiedene Antworten auf viele Fragen schon längst ruhen. Sie müssten nur endlich ernsthaft diskutiert werden.
Dieser Beitrag ist ein Paradebeispiel dafür - er beschreibt in hochalberner Form die Neuentdeckung des Rades, während in den Wissenskammern der Menschheit eine Unzahl von dicken Bänden über dasselbe Thema leise vor sich hin modert.
So wird das nichts mit der Weiterentwicklung der Menschheit, die ich ohnehin für eine lächerliche Utopie halte. Solange der Egoismus und die Habgier nicht besiegt sind, solange wird die Menschheit im Elend verharren - und ich gehe fest davon aus, dass dieses perverse Konstrukt solange andauern wird, bis die Menschheit sich selbst erledigt hat. Man könnte das auch als "natürlich" bezeichnen, da uns eben jene Natur diesen Egoismus, aus dem die Habgier folgt, in die Gene geschrieben hat.
Es ist kein Wunder, dass bei einer solchen Ausgangslage ein mörderisches Unrechtssystem wie der Kapitalismus entstanden ist. Man kann das intellektuell verfluchen und verdammen, bis sich die Balken biegen - es ist und bleibt "natürlich" (der Natur nachempfunden). Und ich glaube angesichts der vielen Jahrhunderte des kapitalistischen Triumphes nicht daran, dass die menschliche Fähigkeit des Denkens jemals etwas an dieser schlimmen Ausgangslage verändern könnte.
In jedem bisher bekannten Alternativsystem bedarf es nur einiger weniger Ackermanns, Westerwelles, Kohls oder Schröders an den "richtigen" Stellen der Macht, um es zu pervertieren - da kann die große Mehrheit noch so sehr den Idealen des Sozialen anhängen. Keine Chance - diese Spezies ist ein evolutionärer Irrweg, wie er offensichtlicher gar nicht sein könnte. Das wird noch viele, viele Jahre andauern und sehr viel Leid und Elend produzieren - aber letzten Endes ist diese Menschheit nicht überlebensfähig.
Hier diskutieren Menschen, die in irgendwelchen gut beheizten Büros oder Zimmern am Computer sitzen und Kaffee trinken, während zeitgleich alle paar Sekunden ein Mensch an Hunger, Kälte, Wassermangel oder mangelnder Gesundheitsversorgung stirbt.
Was soll man von einer solchen Gesellschaft denn bitte erwarten. Ich erkenne da keine grundlegenden Unterschiede zu dem Horror von Auschwitz. Diese Menschheit hat eindrucksvoll und nachhaltig bewiesen, dass sie nur eines wirklich und kontinuierlich kann: Faschismus. Und den in immer perfektionierterer Form.
Heute sind wir Bürger der westlichen Welt diejenigen, die sich den bohrenden Fragen der Opfer stellen müssen: Wir konntet ihr so etwas nur zulassen? Antworten darauf haben wir natürlich keine - bis auf die allgemein bekannten, wie "Ja, was sollten wir denn auch tun ..." Und wir machen einfach immer weiter. Aber uns geht es ja auch noch relativ gut. Den meisten Menschen auf diesem Planeten ging und geht es indes nicht gut.
Und jetzt gehen wir Weihnachtsgeschenke kaufen.
[Du bist tot. Spiel neu laden - JA | NEIN]
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(Falls intelligente Lebewesen auf die Erde stoßen sollten, wird ihre Reaktion sicherlich so aussehen.)
Seit seinem Auftritt in New York am 11. Oktober dieses Jahres gehört auch Nicolas Sarkozy zum erlauchten Kreis der gut bezahlten Redner. Seine Amtszeit war kaum beendet, da häuften sich schon die Anfragen, die in der Regel mit Honoraren von um die 100.000 Euro locken, auf dem Schreibtisch des französischen Expräsidenten. Das Wochenmagazin L'Express berichtete am 3. Oktober 2012, Sarkozy habe "seit seinem Auszug aus dem Élysée-Palast im vergangenen Mai bereits 70 Einladungen bekommen".
Man könnte meinen, dass höchste Staatsämter nur noch als Durchgangsstation dienen und das eigentliche Karriereziel in der Anhäufung eines großen privaten Vermögens liegt. Sarkozy jedenfalls dachte schon 2008 in dieser Weise über seine Zukunft nach: "2012 bin ich 57 Jahre alt, da trete ich nicht noch einmal an. Wenn ich die Milliarden sehe, die Clinton verdient - ich mache das hier jetzt für fünf Jahre, danach gehe ich meiner Wege und stopfe mir die Taschen voll." Der ehemalige US-Präsident, der bei seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus im Januar 2001 etwa 11 Millionen Dollar Schulden hatte, wurde danach zum "Autor und Redner". Innerhalb eines Jahres stieg das Einkommen des Ehepaars Clinton von 358.000 auf 16 Millionen Dollar, vor allem dank des Vorschusses auf Bill Clintons Memoiren und großzügiger Rednerhonorare.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Man könnte nicht nur meinen, dass reine Habgier die Antriebsfeder der meisten hochrangigen Akteure auf der politischen Bühne weltweit ist - man muss diese Meinung vielmehr vertreten, wenn man mit einem halbwegs wachen Geist diese Welt durchwandelt.
Auch und gerade in Deutschland ist es inzwischen ja üblich, sich nach dem Ende der politischen "Karriere" (die in der Regel vier bis höchstens acht Jahre dauert) die Entlohnung für die zuvor geleisteten neoliberalen Zerstörungen bei der Wirtschaft abzuholen. Ob Gerhard Schröder, Joschka Fischer oder Roland Koch - den süßen Verlockungen des leistungslosen Immer-reicher-Werdens (zusätzlich zu den lebenslangen Zahlungen, die ein politisches Amt in erklecklicher Höhe stets auch mit sich bringt) kann sich offenbar kaum ein Politiker entziehen. Für Deutschland gibt es auf den Seiten von Lobbypedia eine kleine, keinesfalls vollständige Auswahl zu bestaunen.
Früher nannte man so etwas Korruption. Im neoliberalen Neusprech ist daraus schlicht "Geld verdienen" (Peer Steinbrück) geworden. Die Frage, wieso jemand für das inkompetente, dumme Gesabbel eines Blair, Sarkozy, Clinton oder Steinbrück mehrere zehntausend oder gar hunderttausend Euro / Dollar bezahlen sollte, stellt sich niemand mehr - diese absurden Zahl(ung)en werden einfach hingenommen als seien sie reell und stünden in einem logischen Zusammenhang zum "Geleisteten" (eine dusselige, wahrscheinlich nicht selbst verfasste Rede halten). So viel Orwell kann man gar nicht lesen.
Diese verkommene Bande lässt sich dreist und für alle sichtbar vor unser aller Augen bestechen - und im Falle Steinbrück kommt noch die Impertinenz hinzu, sich dennoch wieder zum Bundeskanzler wählen lassen zu wollen. Da bleibt mir die Spucke weg. Ich nenne diesen habgierigen Vollpfosten ab jetzt nur noch "Peerlusconis Erbe".
Jedenfalls sollten wir die Beweggründe, die Sarkozy laut dem verlinkten Text so freimütig ausgeplaudert hat, stets bedenken, wenn wieder einmal eine Wahl ansteht. Denn dann können wir ... ja, dann können wir ... äh, dann können wir immer noch nichts dagegen tun. Aber Hauptsache, wir leben in einer Demokratie. "Die Welt ist schön, und erst der Sonnenschein!" sagt der Igel zu dem Stachelschwein ...
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Stimme von unten

"Wenn ick nu der Oberbahnrat Schulze wär', tät ick die Weiche falsch stell'n - es hat ja keen Aas jeschmiert!"
(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 3 vom 16.04.1928)
Nachtrag: "Gerhard Schröder hat die meisten, Helmut Schmidt die modernsten und Helmut Kohl die dicksten Autos: Deutschlands Altkanzler können auf einen stattlichen Fuhrpark zugreifen. So stehen Schröder (SPD) gleich sieben Fahrzeuge zur Verfügung, darunter neben mehreren Mercedes-Limousinen zwei VW-Transporter T5. Schmidt (SPD) begnügt sich mit vier Autos, allerdings waren zwei davon besonders teuer: Je 94.275,55 Euro überwies der Bund für zwei Mercedes 420 cdi. Kohl (CDU) wiederum reist am bequemsten von allen, er verfügt über drei - allerdings schon etwas ältere - Mercedes 600 SEL sowie drei kleinere Mercedes-Modelle. Insgesamt zahlte der Bund laut Bundesinnenministerium für alle Altkanzler-Autos 'ab Inbetriebnahme bis heute rd. 1,265 Mio. Euro für Instandsetzung, Reparatur, Unterhaltung und Betrieb etc.'" (Quelle)