Donnerstag, 2. Februar 2012

Traum einer werdenden Mutter



"Ich weiß noch nicht, ob ich kommen soll, Mama - im Himmel waren so viele, viele graue Soldaten, - die haben mir alle dringend abgeraten ..."

(Zeichnung von Friedrich Heubner aus der satirischen Zeitschrift Simplicissimus, Heft 44 vom 29.01.1933)

Anmerkung: Nur einen Tag später, am 30.01.1933, wurde Hitler von Hindenburg als Reichskanzler vereidigt und der bittere Weg in die Finsternis begann.

Auf derselben Seite der Heftausgabe befindet sich bezeichnender Weise noch dieses Spottgedicht über Hitler:



Es ist ein beredtes Zeugnis für die Unterschätzung einer katastrophalen, lebensbedrohlichen Gefahr. Derlei Zeichnungen und Texte konnten danach in Deutschland natürlich nicht mehr publiziert werden.

Sämtliche Ausgaben des Simplicissimus kann man im Übrigen hier ansehen. Die Lektüre dieser Zeitschrift, insbesondere der Ausgaben aus den 30er Jahren, ist sehr spannend und erhellend - die erschreckenden Parallelen zur heutigen Zeit sind an vielen Stellen unverkennbar. Beispielhaft sei nur auf diese Karikatur vom 15.09.1930 verwiesen, die den folgenden Begleittext trägt: "Jewiß, sparen ist heutzutage 'ne vitale Notwendigkeit für alle. Aber ob unsereiner 'n Auto mehr oder weniger anschafft, spielt doch gar keine Rolle im Vergleich zu den Riesensummen, die sich durch Lohnkürzungen einsparen lassen!"

Es ist alles beim Alten.

Unser täglich Brot - eine Müllgeschichte

Die Hälfte der produzierten Lebensmittel wird weggeworfen. Wie immer ist Geldgier eine Ursache des Skandals. Aber auch mangelnde Achtung vor Nahrung und eine zu geschmäcklerische Einstellung der Verbraucher.

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Anmerkung: Dazu passt vorzüglich der Film “Unser täglich Brot”:





Diese Dokumentation kommt gänzlich ohne Kommentar aus und zeigt lediglich die industrialisierte Massenproduktion von Nahrungsmitteln. Exakt dies essen wir jeden Tag. Und exakt dies landet massenhaft im Müll. Man muss kein Apokalyptiker sein, um hier das Endstadium eines Degenerationsprozesses zu erkennen, wie er widerwärtiger kaum sein könnte.

Dennoch werden die Menschen in diesem System dazu genötigt, diesen Dreck zu konsumieren – zum Einen, weil es kaum (und erst recht keine flächendeckenden) Alternativen dazu gibt, und zum Anderen, weil die systemische Zwangsverarmung der Bevölkerung bereits so weit fortgeschritten ist, dass ein Großteil der Menschen sich gar nichts anderes mehr leisten kann. In anderen Regionen der Welt ist dies noch weitaus dramatischer als hierzulande – da ist es schon lange keine Frage mehr, welche Nahrungsmittel man auswählt, sondern ob man überhaupt irgendwelche zur Verfügung hat.

Wenn man sich diesen Film ansieht, das Gesehene in Bezug setzt zur festgestellten ständigen Vernichtung von Nahrungsmitteln in der westlichen Welt und die Millionen hungernden und an Hunger sterbenden Menschen weltweit bedenkt, muss man irre werden. Noch deutlicher kann es nicht werden, dass dieses System, dem wir ausgesetzt sind, so ziemlich das Katastrophalste ist, was diesem Planeten überhaupt widerfahren kann. Die Menschheit bzw. deren selbsternannte "Elite" braucht keine Kometeneinschläge oder andere Naturkatastrophen – sie produziert die größtmögliche Katastrophe ganz allein in Eigenregie. Und das absolut konsequent – ohne ein Innehalten, ohne Zögern, ohne nennenswerten Widerstand.

"Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt. Unaufhörlich." (George Orwell: “1984″)



Nachtrag 24.02.12: Recht informativ in diesem Zusammenhang ist auch dieser Bericht des WDR: "Antibiotika im Gemüse".

Kluft bei Einkommen wächst rasant

Die Kluft zwischen Geringverdienern und Besserverdienenden hat sich in den Industrieländern rasant vergrößert. Die Einkommens-Unterschiede sind inzwischen so gewaltig, dass selbst die konservative Industrieländer-Organisation OECD beunruhigt ist. (...)

In Deutschland seien die unteren Einkommen besonders stark gesunken (...). Der Lohn eines Geringverdieners ist demnach heute nur noch halb so hoch wie der Lohn eines Beschäftigten mit mittlerem Einkommen. Eine größere Lohnkluft haben die Forscher nur noch in Südkorea und den USA entdeckt.

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Anmerkung: In diesem für die Mainstreampresse typischen Propagandabericht wird wieder einmal versucht, die OECD allzu positiv erscheinen zu lassen. Dazu werden einige (tatsächlich besorgniserregende) Zahlen genannt und gleichzeitig wird einmal mehr das Mantra des ewigen Wachstums als heilsbringender Ausweg aus allen Krisen beschworen. Auch Frauen und Migranten sollten nach Meinung der Autorin gefälligst mehr arbeiten "dürfen".

Unter dem FR-Text hat ein Kommentator das bereits trefflich formuliert: "Die Vorschläge, deren politische Umsetzung die wachsende Kluft zwischen arm und reich in den letzten 2 Jahrzehnten erst ermöglicht hat, stammen nämlich auch von der OECD, weniger eine konservative Organisation als eine, die sich dem marktliberalen Umbau der westlichen Demokratien verschrieben hat." Der ganze Kommentar von "hofrat" ist lesenswerter als der eigentliche Artikel.

Wie die neoliberale Bande gedenkt, die Kluft zwischen den Einkommen wieder etwas zu verkleinern, führt sie ja gerade u.a. in Italien vor: Niedrige Einkommen sollen nicht etwa wieder erhöht, sondern mittlere Einkommen sollen auch gesenkt werden. Es ist einmal mehr ein sowohl journalistisches, als auch politisches Trauerspiel.

Dienstag, 31. Januar 2012

2012 - ein Jahresvorblick

Januar

Ende Januar wird die Berliner S-Bahn dann doch noch von einem plötzlichen, nicht vorhersehbaren Winter überrascht. Jede Menge Wetter lässt den Betrieb wieder völlig zusammenbrechen. (...) / Von überall her reisen Wartetouristen nach Berlin, um sich mit den Berlinerinnen und Berlinern unvergessliche Warteerlebnisse zu bescheren. Längst überlegen auch andere Städte ihre S-Bahnen kaputt zu machen, und fordern hierfür Berliner Know-how an.

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Anmerkung: Da ich nun bereits mehrfach angemahnt worden bin, dem Humor einen etwas breiteren Raum im Blog einzuräumen, verlinke ich heute auf diesen äußerst vergnüglichen Beitrag von Horst Evers, der uns ein zunächst etwas schwieriges, im weiteren Verlauf aber sehr hoffnungsfroh stimmendes Jahr 2012 vorhersagt. Viel Spaß beim Vorblicken! :-)

Die einzige Frage, die für mich offen bleibt, ist diese: Wie um alles in der Welt bekommen wir es hin, das besagte Raumschiff Ende 2014 an der Landung auf der Erde zu hindern und uns diese Brut nicht erneut aufzuhalsen? Irgendwie liegt da doch ein Elite-Trojaner nahe, der den Navigationscomputer des Raumschiffs in der Weise manipuliert, dass das edle Schiff mit seiner noch edleren Fracht 2014 in eine Umlaufbahn um Alpha Centauri einschwenkt, anstatt das elitäre Gesindel wieder auf der nur allmählich genesenden Erde abzuladen.

Oder?

Lafontaine: "Banken führen Krieg gegen die Völker Europas"


Montag, 30. Januar 2012

Song des Tages: Kein Geld, kein Money





(Zoff: "Kein Geld, kein Money", aus dem Album "Zoff", 1980)

Ärger mit der Knete, ich hab' nie genug,
Alle wollen Geld von mir, das ist kein feiner Zug.
Ich hab' malocht wie'n Ochse - bringt nix ein, ist alles Wichse.
Jetzt mach' ich nix und komm' nicht mehr auf die Beine.
Der Fall liegt klar: Ich bin total pleite.

Kein Geld, kein Money - ich bin abgebrannt!
Nix auf der Tasche - nix auf der Hand!
Kein Geld, kein Money - keiner leiht mir was!
Take it easy, man, kann nicht bezahlen - auf Wiederseh'n.

Zahle pünktlich Alimente und ich träum' von der Rente,
Hab' kein Auto, noch nicht mal 'n Mofa, hab' 'ne Bude ohne Sofa.
Finanziell bin ich am Ende, warte auf die positive Wende.
Ich hab' 'ne Woche gespart auf Kartoffelsalat
Und gestern ging der Gasmann mit der letzten Mark ...

Kein Geld, kein Money - ich bin abgebrannt!
Nix auf der Tasche - nix auf der Hand!
Kein Geld, kein Money - keiner leiht mir was!
Take it easy, man, kann nicht bezahlen - auf Wiederseh'n.

Seit gestern weiß ich nicht mehr, wer ich bin, mein Pass ist abgelaufen, alle Räder stehen still.
Bin meinen Job schon lange los - alle fragen mich, Mensch, wie machst du das bloß?
Ganz ohne Kohle, und nix zu knabbern! Macht euch keine Sorgen, lass sie weiter labern.
Einer gibt mir 5 Mark, um mich am Kacken zu halten - ich werd' mir davon 'n netten Abend gestalten ...

Kein Geld, kein Money - ich bin abgebrannt!
Nix auf der Tasche - nix auf der Hand!
Kein Geld, kein Money - keiner leiht mir was!
Take it easy, man, kann nicht bezahlen - auf Wiederseh'n.



Anmerkung: Was hier in der Rückschau ins Jahr 1980 so humorvoll erscheint, ist heute für eine stetig wachsende Zahl von Menschen auch in unserer "Wohlstandsgesellschaft" alltägliche, bittere Realität. Damals war es kaum vorstellbar, dass existenzbedrohende Armut in Deutschland jemals wieder ein breites Thema sein könnte - heute wissen wir es dank SPD, Grünen, Union und FDP besser. Es gibt wieder millionenfache Armut in Deutschland - und sie breitet sich jeden Tag weiter aus.

Italien: Und jetzt soll die Mittelschicht bluten

"Deregulierung" lautet der neue Slogan der Regierung Monti, Taxifahrer, Ärzte und Rechtsanwälte protestieren

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Anmerkung: Lest Euch den verlinkten Artikel genau durch und achtet darauf, wie gezielt dort die "Interessen der Konsumenten" gegen die "Interessen der Mittelschicht" ausgespielt werden. Beispielhaft sind im Text die Taxiunternehmer (nicht die Taxifahrer, wie der Subtitel suggeriert), Ärzte, Notare und Rechtsanwälte genannt bzw. gemeint.

Es ist nur noch perfide, wie hier einzelne Bevölkerungs- und Berufsgruppen - offensichtlich ganz gezielt - gegeneinander aufgehetzt werden. Natürlich haben "Konsumenten" im Kapitalismus - insbesondere dann, wenn sie zunehmend verarmt werden - ein Interesse an niedrigen Preisen. Was bleibt ihnen auch anderes übrig, wenn sie nicht am Wohlstandswachstum beteiligt werden? Ebenso haben Selbstständige und Kleinunternehmen ein Interesse daran, dass die bisherigen Preise zumindest halbwegs stabil bleiben, denn auch sie müssen irgendwie überleben. Die Zeiten, in denen eine Arztpraxis, eine Rechtsanwaltskanzlei oder ein kleines Taxiunternehmen per definitionem schon für einen gewissen Wohlstand standen, sind nicht nur in Italien längst vorbei. Von den Angestellten dieser Kleinstunternehmen will ich in diesem Zusammenhang gar nicht reden - es versteht sich von selbst, dass diese natürlich zu den Niedriglöhnern zählen, die noch dazu kaum arbeitsrechtlich geschützt sind.

Wir sehen hier ein mustergültiges Beispiel für eine beginnende Deflation, die geradezu bewusst vom neuen, demokratisch nicht legitimierten Regime in Italien in Gang zu setzen versucht wird. Und der Standard begleitet das mit einem solchen unkritischen, geradezu verschleiernden Text, der die "Deregulierung" ins Zentrum stellt.

Es ist gut, dass es diesbezüglich zunehmenden Protest in Italien gibt - allerdings sollte der sich eher gegen das gesamte - durch das undemokratische Regime noch verstärkte - kapitalistische System und die neoliberale Strategie richten, da er ansonsten wirkungslos verpuffen wird. Ich kann nur hoffen, dass sich endlich einmal flächendeckend herumspricht, dass es keinen "Kampf" zwischen Unter- und Mittelschicht oder zwischen "Konsumenten" und "Selbstständigen" gibt, denn die sitzen alle im selben Boot. Die Trennlinie verläuft klar erkennbar zwischen der Bevölkerung auf der einen und den schamlosen Superreichen auf der anderen Seite - das ist die "Front", an der es zu kämpfen gilt.

Es ist extrem fatal, dass weite Teile der Mittelschicht das nach wie vor nicht erkennen (möchten) und von den Medien darauf auch nicht aufmerksam gemacht werden. Ich finde es einfach nur bizarr, wenn noch Wohlhabende ihre Pfründe schwinden sehen und auf nicht Wohlhabende und Arme blind eindreschen, während einige Superreiche vollkommen unbehelligt in ihren aus allen Nähten platzenden und täglich weiter wachsenden Geldspeichern lächelnd in einem Geldmeer baden, das völlkommen aus dem Ruder läuft.


(Bild: Wikipedia - Vermögensverteilung in Deutschland 2007 - in Italien sieht's nicht wesentlich anders aus. Wo müsste man das fehlende Geld wohl abschöpfen? Ist das wirklich so schwierig zu erkennen?)

Samstag, 28. Januar 2012

In eigener Sache: Eine Mail und die Antwort

Am 26.01.12 erreichte mich die folgende E-Mail:

-------- Original-Nachricht --------
> Datum: Thu, 26 Jan 2012 12:10:35 +0000
> Von: Melanie XXX

> An: editor@gmx.li
> Betreff: zusammenarbeit zur webverbesserung

> Hallo,
>
> Ich werde diese Gelegenheit nutzen, um mich vorzustellen.
> Mein Name ist Melanie XXX ich arbeite als SEO Manager
> für SEO's Internet
>
> Ich mache eine Recherche für einen meiner Partner und dabei bin
> ich auf narrenschiffsbruecke.blogspot.com gestoßen.
> Ich habe einige interessante Vorschläge für Sieund ich
> möchte Ihnen
> weitere Informationen darüber geben.
>
> Als SEO-Experte betreue ich viele Qualität Websites, die zu Ihrer
> Seite passen
> könnten und Ihrer Webseite zu höheren Rankings und
> Besucherzahlen zu verhelfen.
>
> Wenn Sie daran interessiert sind, würde ich mich freuen, Ihnen
> zusätzliche Informationen und alle erforderlichen Details zuzusenden.
>
> Mit freundlichen Grüßen,
>
> Melanie XXX
> melanie.XXX@seosinternet.com
> SEOsinternet.com

___

Meine Antwort lautete wie folgt:

Liebe Melanie,

Ihre Mail haben Sie sicherlich nur versehentlich geschrieben oder von einem Roboter generieren lassen - anders ist der Inhalt ja kaum erklärbar. Wenn Sie meinen Blog wirklich gelesen und verstanden hätten, würden Sie sich eine solche Mail nicht einmal im schlimmsten Alptraum zu schreiben trauen.

Menschen wie Sie, die dem kapitalistischen Wahnsinn weiterhin frönen und sogar die Kritik daran dazu benutzen, um dümmlich Geld verdienen zu wollen, können nur merkbefreite Vollidioten sein, die noch immer nicht begriffen haben, dass sie durch ihr Tun dem Rest der Menschheit den Todesstoß versetzen.

Eine noch albernere Mail als Ihre habe ich sogar von den Viagra-Spammern bislang nicht erhalten. Und das heißt etwas.

Ich werde Ihre Zuschrift mal ins Blog stellen und abwarten, was die LeserInnen dazu meinen. Sie können dort ja nachlesen, wie Ihr Vorschlag aufgenommen wurde.

Meine Antwort ist jedenfalls ein klares und überdeutliches NEIN. Und Sie sollten sich dringend einen neuen Job suchen, denn der, in dem Sie derzeit tätig sind, ist verwerflich und befindet sich am unteren asozialen Rand der Gesellschaft.

Liebe Grüße
Charlie

___

Anmerkung: Durch das "XXX" habe ich den übermittelten Namen und die Mailadresse der Dame unkenntlich gemacht - auch wenn der sicherlich dem Fakesektor zuzuordnen ist. Es soll hier nur offenbart werden, welche Stilblüten der Kapitalismus treibt, wenn er einmal mehr dem Untergang in die Augen blickt.

Es ist, als hätte Angela Merkel mir gerade ins Ohr geflüstert, dass sie mich liebt - einen stärkeren Fluchtinstinkt hätte ich nie entwickeln können.

Freitag, 27. Januar 2012

Zitat des Tages: Spucknapfhalter

Geschähe doch einmal etwas. Würden einmal wieder Barrikaden gebaut. Ich wäre der erste, der sich darauf stellte (...). Was haben wir auch für eine jammervolle Regierung, einen Kaiser, der sich in jedem Zirkus als Harlekin sehen lassen könnte. Staatsmänner, die besser als Spucknapfhalter ihren Zweck erfüllten, denn als Männer, die das Vertrauen des Volkes tragen sollen.

(Georg Heym [1887-1912]: Tagebücher. Eintrag vom 6. Juli 1910. Hamburg 1960)

Wie Griechenland in den Abgrund getrieben wird

  1. 2010 hätten sie noch Nahrungsmittel nach Uganda geschickt, sagt der Chef einer Hilfsorganisation in Athen. "Jetzt brauchen wir die Hilfsgüter dringend hier." Hier – in Griechenland.

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  2. Griechenland spart nicht genug: EU droht Athen mit Ende aller Finanzhilfen

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Anmerkung: Gerade die Gegenüberstellung dieser beiden Texte (vgl. auch hier) veranschaulicht das vollkommen pervertierte Handeln der EU gegenüber Griechenland sehr deutlich. Wer von einem Staat, der ohnehin in Finanznot ist, weiter rigoroses "Sparen" (gemeint ist Kürzen) verlangt und dabei natürlich weiß, dass dies weitere Lohnsenkungen, weiteren Arbeitsplatzabbau und eine weitergehende Zerstörung der Sozialsysteme bedeutet, offenbart unmissverständlich, dass die zunehmende Not der griechischen Bevölkerung nicht von geringstem Interesse ist.

Man darf dabei nicht vergessen, dass die in Rede stehenden "Finanzhilfen" im Grunde gar keine Hilfen sind - es handelt sich schließlich nur um Kredite. Diese werden von den "helfenden" EU-Ländern zu einem günstigen Zinssatz aufgenommen und zu einem deutlich höheren Zinssatz an Griechenland weitergereicht - aber nur, wenn Griechenland auch "pariert". Letztlich verdienen die "helfenden" Länder daran also - allen voran Deutschland. - Und von dem Geld kommt bei der griechischen Bevölkerung auch nichts an, denn dort soll ja weiter gekürzt werden - es fließt gleich als "fällige Zinszahlungen" zurück an die "notleidenden Banken". Der griechische Staat hat davon nur eines: Noch höhere Zinsforderungen, die er zukünftig bezahlen muss.

Deutlicher könnten Merkel und all die anderen Gestalten der neoliberalen Bande in ganz Europa nicht zeigen, dass ihnen der Bankenprofit über alles geht - ganz besonders über das Wohl und das Wohlergehen ganzer Völker. Wen in diesen Kreisen interessieren schon Suppenküchen, Obdachlose und Menschen ohne Gesundheitsversorgung, solange das Geld in den Bankkassen (und natürlich auf dem eigenen Konto) lebhaft sprudelt?

Nur zur Erinnerung: In Griechenland gibt es keine demokratisch legitimierte Regierung mehr - dort ist ein von der EU installiertes Regime von Bankern am Ruder, das den regulär anstehenden Wahltermin im Februar nicht anerkennt. Diese Tatsache (die auch für Italien gilt) wird inzwischen von unseren Propagandamedien geflissentlich und dauerhaft "übersehen".

Eine "Hilfe", die an strikte Bedingungen geknüpft ist, nennt man gemeinhin Erpressung. - Es wundert mich maßlos, dass es so ruhig in Griechenland bleibt ... und ich hoffe sehr, dies ist nur die Ruhe vor dem Sturm.

Dienstag, 24. Januar 2012

Song des Tages: The Wall Street Shuffle





(10cc: "The Wall Street Shuffle", aus dem Album "Sheet Music", 1974)

Do the Wall Street shuffle
Hear the money rustle
Watch the greenbacks tumble
Feel the Sterling crumble

You need a yen to make a mark
If you wanna make money
You need the luck to make a buck
If you wanna be Getty, Rothschild

You've gotta be cool on Wall Street
You've gotta be cool on Wall Street
When your index is low

Dow Jones ain't got time for the bums
They wind up on skid row with holes in their pockets
They plead with you, buddy can you spare the dime
But you ain't got the time

Doin' the ...
Doin' the ...

Oh, Howard Hughes, did your money make you better?
Are you waiting for the hour when you can screw me?
'Cos you're big enough

To do the Wall Street Shuffle
Let your money hustle
Bet you'd sell your mother
You can buy another

Doin' the ...
Doin' the ...

You buy and sell, you wheel and deal
But you're living on instinct
You get a tip, you follow it
And you make a big killing

On Wall Street



Kapitalismus: Der Wahnsinn als Selbstverständlichkeit

Seit etwa drei Jahren habe ich keinen Artikel mehr geschrieben, denn ich weiß nicht mehr, was ich noch schreiben soll. Es ist alles so offensichtlich: die Abschaffung der Demokratie, die zunehmende soziale und ökonomische Polarisation in Arm und Reich, der Ruin des Sozialstaates, die Privatisierung und damit Ökonomisierung aller Lebensbereiche (der Bildung, des Gesundheitswesens, des öffentlichen Verkehrssystems usw.), die Blindheit für den Rechtsextremismus, das Geschwafel der Medien, die pausenlos reden, um über die eigentlichen Probleme nicht sprechen zu müssen, die offene und verdeckte Zensur (mal als direkte Ablehnung, mal in Form von "Quote" oder "Format") und, und, und ...

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Anmerkung: Dringende Leseempfehlung an alle! Es ist erstaunlich, dass ein solcher Beitrag, der die bestehenden Probleme prägnant und treffend zusammenfasst, in der Süddeutschen erschienen ist. Dort sind immer wieder auch übelste Propagandatexte zu finden, wie dieser hier zum Beispiel. Allerdings hat die Zeitung den Beitrag im Kulturteil versteckt, wo er nun wahrlich nichts zu suchen hat.

Dem Autor Ingo Schulze kann ich jedenfalls nur uneingeschränkt beipflichten. Ich hoffe, dass sein Text vielen Menschen die Augen öffnet.

EU-Datenschutzverordnung: Das Grundgesetz wird außer Kraft gesetzt

Verfassungsrichter Johannes Masing äußert in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung die Befürchtung, dass mit der geplanten Neuregelung des Datenschutzes auf EU-Ebene nationale Grundrechte nicht mehr anwendbar seien. Das Verfassungsgericht selbst müsse seine Kontrollfunktion in wesentlichen Bereichen aufgeben, in denen es "weit über die Grenzen hinaus als vorbildlich geltende freiheitliche Strukturen geschaffen hat", mahnt der Jurist.

(...) Anders als eine Richtlinie wirke [die Verordnung] unmittelbar, lasse keine Umsetzungsspielräume und verdränge jede Form bereits in Mitgliedsstaaten geschaffenen einschlägigen Rechts. Dies beziehe sich sogar auf das Grundgesetz.

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Anmerkung: Sie machen ernst. Es ist ja nicht so, dass das Grundgesetz aktuell noch irgendeine maßgebliche Rolle in diesem Staat spielt - aber zumindest theoretisch ist es noch in Kraft und die daraus resultierenden Rechte sind - ebenfalls theoretisch - einklagbar. Mit dieser neuen Verordnung zum "Datenschutz" (der Begriff ist an dieser Stelle nur noch als Neusprech wahrnehmbar) wäre die neoliberale Bande diesen Makel endlich los und sie könnte nach Lust und Laune Bürgerrechte einschränken, Daten sammeln und Menschen überwachen.

Bezeichnend ist auch der höchst undemokratische Weg, auf dem die Bande uns mit dieser Verordnung beglücken will: Irgendeine nicht gewählte "Kommissarin" legt sie irgendeiner nicht geählten Kommission vor, und die entscheidet dann, ob und wie sie in Kraft tritt. Diese EU-Strukturen sind himmelschreiend skandalös.

Unsere lieben "Volksvertreter" werden sich wie gewohnt mit Unschuldsmiene vor die Kameras stellen und ungeniert behaupten: "Daran können wir leider nichts ändern - diese Vorgaben aus Brüssel müssen wir umsetzen ..." - Der Protest gegen diese geplanten Machenschaften muss unbedingt noch viel, viel lauter werden! Es kann doch nicht angehen, dass ganz Europa sehenden Auges in eine solche Diktatur steuert!

Sonntag, 22. Januar 2012

Wallraff: Unter Null - obdachlos durch den Winter





Anmerkung: Diese Dokumentation von Günter Wallraff ist bemerkenswert - man bekommt tatsächlich einen ersten Eindruck davon, wie es wohl sein mag, durch das von der Politik ganz bewusst angegriffene und immer löchriger werdende soziale Netz zu fallen. Ich verweise in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf den Bericht aus der Zeit zum selben Thema.

Es ist ein unfassbarer Skandal, dass in diesem Land in Not geratene Menschen einfach sich selbst überlassen und in die Obdachlosigkeit geschickt werden. Es wäre ein Leichtes, diesen Menschen unverzüglich zu helfen und ihnen zumindest eine Wohnung zu verschaffen - angesichts der Milliardensummen, die der Staat für "notleidende" Privatbanken über Nacht zur Verfügung hatte, ist es nur noch eine bittere Farce, dass hier hartnäckig nicht geholfen wird.

Wie hässlich muss die Fratze des neoliberalen kapitalistischen Irrsinns denn noch werden? Ist das tatsächlich die Welt, in der die große Mehrheit der Menschen leben will? Meine Welt ist das nicht. Ich schäme mich maßlos für einen Staat, in dem Obdachlosigkeit ein so großes - und vor allem wachsendes - Thema und Problem ist. Der Hartz-Terror trägt wesentlich dazu bei, dass die Zahl der Menschen ohne Wohnung in diesem Land stetig steigt. Ein Beispiel von so vielen könnt Ihr in dieser bedrückenden Reportage ansehen: "Herr Dinse wird obdachlos".

Bitte helft jedem Obdachlosen, den Ihr bemerkt. Ich weise auch explizit auf diese Internetseite hin, die von einem Obdachlosen, der auch im Wallraff-Film auftritt, erstellt wurde.

Über die liebevolle Menschlichkeit der katholischen Kirche

  1. (...) Während sich der Papst einerseits gegen die Verfolgung von Christen in der ganzen Welt einsetzt, bringt es ihn nicht in einen moralischen Konflikt, Homosexuelle zur "Bedrohung für die Zukunft der Menschheit" zu erklären.

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  2. Der Erzbischof von Granada, Javier Martinez, hat in seiner Weihnachtspredigt gesagt, dass Frauen vergewaltigt werden dürften, wenn sie abgetrieben haben. (...) Für den Erzbischof sind Hitlers und Stalins Verbrechen (Francos Verbrechen hat er vergessen) "weniger abscheulich als Abtreibung".

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Anmerkung: Was ist das bloß für ein niederträchtiges Gesindel, das sich in dieser Kirche tummelt? Dem Papst, der wörtlich gesagt hat, homosexuelle Liebe sei eine "Bedrohung für die menschliche Würde und sogar für die Zukunft der Menschheit", möchte man seine erbärmlichen Äußerungen ja schon liebevoll in eine nicht näher bezeichnete hintere Körperöffnung stopfen. Was aber dieser Erzbischof bzw. Oberkasper aus Spanien da - ausgerechnet in einer Weihnachtspredigt - vom Stapel gelassen hat, erzeugt neben fassungslosem Entsetzen eigentlich nur noch Mitleid und endlosen Ekel.

Dieser Verein vertritt nach eigener Auffassung also den "Willen Gottes auf Erden"? Vielen Dank - aber auf einen Gott, der sich solche menschenfeindlichen Vertreter leistet, können wir getrost und umfassend verzichten - und auf eine solche Kirche sowieso. Pfui Teufel!