Die Bäume wachsen wo sie gepflanzt wurden
die Wälder singen und wandern in die Bibliotheken
die Bibliotheken schweigen
wie die Fotos von Massakern schweigen
und ich schreie auf im Schlaf
wie du Entfernter im Wachen schreist
Jeder weiß genau dass er in Bewegung bleiben muss
stehenbleiben bedeutet den Tod
auf der anderen Seite von 1984 ist die Ruhe
sie ist voll von schöner Unruhe
die wir wegen der Krümmung dieser Jahre
noch nicht sehen
(Nicolas Born [1937-1979], in: "Gedichte", Wallstein 2004)
Der WDR berichtet aktuell über einen erneuten Fall willkürlicher Polizeigewalt gegen einen Bürger, der sich, wenn man zwischen den Zeilen zu lesen vermag, wie ein böses Dokument aus der vergangenen Hölle des "Dritten Reiches" liest:
Medienberichten zufolge ist in dem Video zu sehen, wie Hüseyin E. aus seinem Auto aussteigt und sich dagegen lehnt. Er zeige seine Papiere und beteilige sich dann an einem Alkoholtest - alles offenbar vollkommen passiv. Dann, so die Beschreibung weiter, drehe der Polizist dem Mann urplötzlich einen Arm auf den Rücken, schlage mit der Faust auf ihn ein und trete mit dem Knie in Richtung seiner Genitalien.
Es versteht sich von selbst, dass der WDR mit keinem Wort darauf eingeht, dass es sich auch bei diesem Opfer polizeilicher Gewalt wiederum um einen Menschen mit "Migrationshintergrund" handelt - der geneigte Leser muss angesichts des Namens ("Hüseyin E.") eigene Schlüsse ziehen. Ein möglicher rechtsradikaler Hintergrund dieser amtlichen Gewalttat wird nicht thematisiert, stattdessen wird sehr eifrig darauf hingewiesen, dass nun alles seinen "rechtsstaatlichen" Weg gehe und der beschuldigte Schläger in Uniform "derzeit nicht im Streifendienst eingesetzt" werde. Toll. Dazu sollte man diesen Artikel und die folgende Ergänzung aufmerksam lesen.
Wir dürfen sicher sein, dass wir auch von diesem Fall aus den Untiefen der braundeutschen Sumpfprovinz nichts mehr hören bzw. lesen werden - und ganz besonders gilt das natürlich für die "weiteren Beamten", die dem Vorfall beigewohnt und vor Gericht - wie üblich - dreist gelogen und ihren Schlägerkollegen gedeckt haben. Ich fresse jedenfalls nicht nur einen, sondern gleich zehn Besen, wenn ausgerechnet im verschlafenen Provinznest Herford der braune Saustall in den Polizeirevieren endlich einmal - wenn auch nur exemplarisch - ausgemistet würde.
Hier noch einige Beispiele aus Bayern, wo seinerzeit bekanntlich die "Hauptstadt der Bewegung" (A. Hitler) verortet wurde:
Es stellt sich nun die Frage, wieso einige Beamte sich manchmal wie faschistische Schlägertrupps verhalten. Werden sie dazu explizit angehalten oder tun sie das aus eigener Motivation heraus, weil die Befugnisse, mit denen sie ausgestattet sind, allzu verlockend sind? Und welche Rolle spielt die Ausbildung dieser Polizisten, die man angesichts der mit diesem Beruf einhergehenden Machtfülle eigentlich nur prekär - oder auch schlicht lächerlich - nennen kann? Ich möchte diese Frage ums Verrecken nicht beantworten - das kann jeder mitlesende Mensch selber tun.
Dieser verkommene Staat hat das Ende des Märchens von der Weimarer Republik "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" einmal mehr beinahe erreicht - es fehlt wahrlich nicht mehr viel.
(Neonazi-Aufkleber in einem Fahrzeug der bayerischen Polizei in Fürth, 2014: "Good night, left side")
(Opeth: "Porcelain Heart", aus dem Album "Watershed", 2008)
I lost all I had (that April day),
I turned to my friends (nothing to say),
I wrote down a name (and read it twice),
I wallowed in shame.
I said that I loved (eternal schemes),
I cling to my past (like childish dreams),
I promised to stay (and held my breath),
I went far away.
Icy roads beneath my feet
Lead me through wastelands of deceit.
Rest your head now, don't you cry,
Don't ever ask the reason why.
Kept inside our idle race,
Ghost of an idol's false embrace.
Rest your head now, don't you cry,
Don't ever ask the reason why.
Anmerkung: Gern hätte ich hier das offizielle Video zu diesem bemerkenswerten musikalischen Werk der schwedischen Prog-Rocker eingestellt - der übliche Copyright-Bullshit der Musikindustrie hat das jedoch erfolgreich verhindert. Wer sich das durchaus sehenswerte, leider mit nervtötenden Werbeeinblendungen versehene Video trotzdem anschauen möchte, kann das beispielsweise hier tun.
Glücklicherweise habe ich aber den oben eingebetteten Clip gefunden, für den ein kreativer und offensichtlich versierter Mensch Szenen aus dem grandiosen Film "The Shining" von Stanley Kubrick über die Musik gelegt hat - und das sowohl inhaltlich, als auch rhythmisch-atmosphärisch absolut passgenau. Ich ziehe meinen Hut vor dieser durchdachten, guten Videoarbeit, die dem wunderbaren Song noch eine zusätzliche Dimension verleiht und die getrost als eine anschauliche Illustration des kapitalistischen Terrors aufgefasst werden kann.
Wäre ich ein "Blog-Pädagoge", hätte ich hier nur allzu gern die Aufgabe gestellt, den Song anhand dieses Videos (oder vielleicht auch umgekehrt?) ausführlich zu interpretieren. Wer Lust dazu hat, möge sich im Kommentarbereich oder per E-Mail darüber auslassen - und falls irgendwer Interesse an meinen eigenen Gedanken zu diesem Thema hat, reicht eine kleine Anfrage mit entsprechender Begründung.
Dieses Video in Verbindung mit diesem musikalischen Werk ist ganz große - wenn auch extrem bedrückende - Kunst.
Wohl kein anderes Spiel des Rollenspiel-Genres ist so verrissen und geschmäht worden wie mein heutiges Fluchtziel "Arcania" aus dem Jahr 2010. Zur Erklärung muss ich kurz ausholen: Es gab von 2001 bis 2008 die äußerst erfolgreiche und ungewöhnliche "Gothic"-Reihe (Teile 1 bis 3) aus dem Hause Piranha Bytes, die von der Firma JoWooD vertrieben wurde. Nachdem man sich 2009 getrennt hatte, verblieben die "Rechte" an der Reihe aus mir unbekannten Gründen zunächst bei der Vertriebsfirma JoWooD, so dass die ursprünglichen Entwickler keine Fortsetzung schaffen durften (ein herzlicher Gruß vom kapitalistischen Bullshit-Bingo der "Verwertungs"-Rechte) und dafür die eng an die "Gothic"-Welt anschließende und wiederum erfolgreiche "Risen"-Reihe in Angriff nahmen. Parallel dazu beauftragte JoWooD ein völlig neues Entwicklerstudio, nämlich Spellbound Entertainment, mit der Fortsetzung der "Gothic"-Reihe: So entstand das Spiel "Arcania", das den unpassenden und für den kompletten Misserfolg wohl hauptverantwortlichen Untertitel "Gothic 4" trägt.
Soviel zur verworrenen Entstehungsgeschichte dieses Spieles, das mit "Gothic" allerdings nichts zu tun hat, da es sich um ein völlig anderes Konzept handelt: "Arcania" ist ein Action-Rollenspiel, das streng linear aufgebaut ist und daher eher Spielen wie "Divinity 2", "Venetica" oder "The Witcher 2" ähnelt. Wer auch immer auf die absurde Idee gekommen ist, dieses Spiel "Gothic 4" zu nennen, kann nicht ganz bei Trost gewesen sein oder hat den erwartbaren Misserfolg minutiös geplant.
Dabei ist das Spiel - wenn man es eben nicht mit "Gothic" vergleicht - keineswegs schlecht, sondern ein sehr solider Vertreter seines Genres. Es ist zwar - selbst im höchsten der vier wählbaren Schwierigkeitsgrade - leider zu leicht und man merkt ihm an, dass es einerseits "neue Märkte" erschließen sollte (jeder auch noch so unerfahrene Anfänger sollte es problemlos durchspielen können) und andererseits den Sprung vom reinen PC- zum Konsolenspiel (also der Plattform für Kinder sowie erwachsene Dumpfbacken) bieten sollte. Ein solches Konzept tut keinem Spiel gut. Trotzdem macht es Spaß, wenn man reine Ablenkung ohne große Herausforderungen in einer zeitgemäßen, sehr hübsch gestalteten Fantasywelt sucht.
Zur Geschichte will ich hier nicht viel schreiben - wer sich dafür interessiert, kann diese beispielsweise im oben verlinkten Wikipedia-Text nachlesen. Selbstverständlich geht es auch hier darum, dass der (namenlose) Held das Land Argaan vor dem drohenden Untergang retten muss und auf seinem Weg unzählige Quests zu erledigen hat, die einerseits die Handlung vorantreiben und den Helden andererseits immer stärker werden lassen. Wie gewohnt gibt es Lernpunkte, die man einfach im Menü auf verschiedene Fähig- und Fertigkeiten verteilen kann, und ebenfalls wie gewohnt kann man seine Spielfigur zu einem Schwert- oder Axtkämpfer, zu einem Fernkämpfer mit Bogen oder Armbrust oder zu einem Magier entwickeln - oder auch zu einer wilden Mixtur daraus. Es gibt im Spiel jede Menge besonderer Ausrüstungsgegenstände wie Ringe, Amulette, Waffen oder Zaubersprüche, die man finden kann, wenn man die Welt genau durchsucht. Lediglich in Sachen Rüstungen knausert das Spiel ungemein.
Auch das Alchemiesystem ist aus anderen Spielen wohlbekannt: Man sammelt auf seinem Weg Unmengen von Kräutern und anderen Zutaten und kann diese zu nützlichen Tränken verarbeiten, sofern man die entsprechenden Rezepte besitzt. Genauso funktioniert hier das Schmiedesystem: Man benötigt eine Bauanleitung sowie die entsprechenden Zutaten - und schon lassen sich Tränke bzw. Waffen ganz einfach im Inventarmenü herstellen. Einen Alchemietisch oder eine Schmiede muss man dafür nicht aufsuchen. Ich persönlich bedaure das, zumal es offenbar ursprünglich anders konzipiert war, denn es gibt Alchemietische und Schmieden im Spiel, die sich auch benutzen lassen - allerdings kann man dort nichts tun. Genauso verhält es sich mit vielen anderen Gegenständen wie beispielsweise den Wasserfässern (an denen der Held sich in "Gothic" heilen konnte) oder Betten (in denen man, welch Zufall, schlafen und damit die Tageszeit beeinflussen und sich regenerieren konnte). Das ganze wirkt auf mich so, als sei da viel mehr geplant gewesen, was dann aber zugunsten der "Konsolenfreundlichkeit" wieder über Bord geworfen werden musste, damit auch der letzte Depp aus Oberbayern, Brandenburg, dem Emsland oder einem der Berliner Problembezirke weiß, was er tun soll.
Die deutsche Sprachausgabe ist professionell umgesetzt, die Musik ist passend, die Grafik ist zeitgemäß und auch heute (in der höchsten Auflösung) noch immer ansprechend. Es gibt sogar wunderbare Ironie im Spiel - beispielsweise wenn der Held auf seinem Weg in ein neues Gebiet einen Wachposten passiert und sich mit ihm unterhält: "Ich würde hier nur mit einer kleinen Armee weitergehen!" sagt der Wachmann warnend, und unser Held antwortet lapidar: "Ich bin eine kleine Armee." Überhaupt lebt auch dieses Spiel von den vielfältigen Dialogen - man sollte mit jedem NPC, der einem über den Weg läuft und der einen Namen trägt, unbedingt reden. - Heldenzitat aus dem Spiel, Platz 1:
"Ich glaube, ich haue dir jetzt erstmal eins aufs Maul!"
So let's go: Ich persönlich denke ja immer böse grinsend an die korrupte Bande der schmierigen Merkels, Gabriels und Konsorten, wenn ich wie hier fiese Monster, Banditen, Skelette oder Zombies niedermetzeln muss - das steigert den Spielspaß noch einmal erheblich.
Meine größte Kritik gilt in "Arcania" aber dem Finale, auf das man wirklich lange Zeit vorbereitet wird: Da gilt es im letzten Kapitel unzählige Quests zu erledigen, Gegner zu beseitigen, Höhlen und Ruinen zu erforschen und Gebiete zu erkunden. Das nimmt viele, viele Stunden in Anspruch, die eine Menge Spaß machen - und entsprechend hoch sind sodann die Erwartungen, wenn es endlich zur finalen Begegnung kommt. Die fällt dann aber eher wie ein lauer Furz vorm Schlafengehen aus und ist in wenigen Minuten vorbei - und, ehe man noch Luft holen kann, läuft schon der Abspann und das Abenteuer ist vorbei. Auch dies wirkt auf mich so, als sei viel mehr konzipiert gewesen - vielleicht aber ist das auch nur wieder die albekannte Abzockermasche, wesentliche Inhalte eines Spieles erst später als "Add-on" zu verkaufen und erneut dafür zu kassieren (es gibt ein solches "Add-on" zu diesem Spiel, das ich aber nicht kenne).
Trotzdem bleibt das Spiel für mich kurzweilige, entspannende Unterhaltung - besser als jeder flache Hollywood-Schinken es mit seinen lächerlichen 90 oder 120 Minuten je sein könnte. Ich habe es auf einem Win7/64-System ohne einen einzigen Absturz gespielt - aufgefallen sind mir lediglich ein paar wenige Grafik-Bugs, die aber der Rede nicht wert sind.
Unser allseits geliebter Häuptling Verfaulender Fuß hat - freilich mit großer Verzögerung - inzwischen in dem vom ihm betreuten Eso-Blog Jenseits der Realität eine gleich zweiteilige Replik auf die Kritik an seinen esoterischen Wahnvorstellungen, die er selbstredend als böse, gar persönliche Anfeindungen aufgefasst hat, veröffentlicht. Wer sich das größtenteils redundante Zeug durchlesen will: Hier geht's zum ersten und hier zum zweiten Teil.
Inhaltlich kann und will ich dazu nicht weiter Stellung nehmen - alles aus meiner Sicht Relevante habe ich bereits geschrieben. Da der "Hochsensible" es in seinem Pamphlet aber tunlichst vermeidet, auf die zitierten Quellen - und dazu gehöre sowohl ich selber als auch beispielsweise der Altautonome - zu verlinken, hole ich das hier im Rahmen meiner Möglichkeiten nach:
Ich bin allerdings zu faul, mich auch noch durch das Archiv der Eso-Seite zu klicken, um die entsprechenden Fundstellen der zitierten, aus dem jeweiligen Zusammenhang gerissenen Kommentarfragmente dort auch noch aufzufinden. Der Häuptling wird schon wissen, wieso er weder aufs Narrenschiff, noch auf die eigenen Textergüsse samt Kommentaren verlinkt - es ist schließlich bloß hinderlich, wenn LeserInnen sich selbst ein vollständiges Bild machen können. Ebenfalls ist es ihm keine Erwähnung wert, dass ich mich dort drüben gar nicht mehr äußern kann, selbst wenn ich das wollte, da die Herrschaften mich seit geraumer Zeit schlicht mitteilungslos ausgesperrt haben.
Nichts Neues also im magischen Voodooland des rottenfußschen Religiotismus: Er wirft mir und anderen Menschen Anfeindungen vor, feindet seine Kritker dabei an und hat - offensichtlich - noch nicht einmal den allzu feinen Übergang bemerkt, an dem ich von einem noch halbwegs ernstgemeinten, intellektuellen Auseinandersetzungsversuch mangels Resonanz zu bloßem Sarkasmus und lachender, manchmal auch herb-brüllender Ironie wechseln musste.
Wenn Herr Faulfuß an einer tatsächlichen Diskussion über die in Rede stehenden Themen interessiert gewesen wäre, hätte er auf die Kritik reagieren müssen, anstatt zunächst einen missliebigen Kritiker zu sperren und dann - in gebührendem zeitlichen Abstand - einen solchen hanebüchenen, das Thema weitgehend verfehlenden Text online zu stellen. Das grenzt schon an die üblichen Machenschaften von CDU und CSU, was der Mann da betreibt. ;-) Aber so kennen wir unsere Pappenheimer ja.
Und, lieber Roland, eine persönliche Bemerkung zum Schluss: Nein, ein aufgeweckter (sprich: aufgeklärter) Geist kann um einen solchen geistigen Dünnschiss (aktuell ist drüben bei Euch wieder ein himmelschreiender Blödsinn unter dem Titel "Himmlischer Handel. Über mönchische Kapitalismuskritik" zu finden) wahrlich nicht einfach "herumlesen", ihn "tolerieren" und stattdessen nur die übrigen "linken Texte" selektiv wahrnehmen. Es gilt - heute mehr denn je! -, klar Stellung zu beziehen und das, was man als Teil des Problems ausgemacht zu haben glaubt, auch als solchen zu benennen. Der Kollege von den Fliegenden Brettern hat kürzlich zu diesem Thema einen recht ansprechenden Text geschrieben, den Du dir in einer ruhigen Stunde einmal aufmerksam durchlesen solltest: "Wo alles gleich gültig ist, da ist alles gleichgültig."
Zu guter Letzt sei hier einmal mehr die Lektüre der Texte von Heinrich Heine empfohlen, von dem auch der folgende Aphorismus stammt, dem ich nichts weiter hinzuzufügen habe:
Kampf der Philosophen gegen die Religion: [Sie] zerstören die heidnische, aber eine neue, die christliche, steigt hervor, auch diese ist bald abgefertigt, doch es kommt gewiss eine neue, und die Philosophen werden wieder eine neue Arbeit bekommen, jedoch wieder vergeblich: die Welt ist ein großer Viehstall, der nicht so leicht wie der des Augias gereinigt werden kann, weil, während gefegt wird, die Ochsen drinbleiben und immer neuen Mist anhäufen.
Wir sitzen in der Sonne nachmittags
Sekt in der Hand auf'm Balkon
Wir reden von Flucht, wollen weit weg
Sind in Gedanken schon auf und davon
Die Frauen machen sich wieder Gedanken
Der Sommer geht, der nächste ist weit
Sie friern solange ihr Lachen ein
Männer leben, als hätten sie keine Zeit
Die Kneipen sind voll von kleinen Spinnern
wo sich jeder in Sprüchen ergießt
Körper, die sich an Theken klammern
und keiner, der mir 'ne Rose schießt
Genies versuchen mit Schreibmaschinen
Die Katastrophen aufzuhalten
Und die alten Damen von Welt
Schminken ängstlich ihre Falten
Einfach abhaun, einfach gehn
Einfach weg, mal was andres sehn
Südsee vielleicht, oder so
Mit Palmen und Meer, da irgendwo
Man wird rebellisch und leicht verletzlich
Wacht launisch auf und nimmt alles schwer
Fängt an, sich in sich selbst zu verkriechen
Wär besser drauf, wenns wärmer wär
Wir sitzen in der Sonne nachmittags
Ziehn uns warme Träume rein
Sind in Gedanken schon auf und davon
Fliegen mit dem Wind, holen den Sommer ein
Einfach abhaun, einfach gehn
Einfach weg, mal was andres sehn
Südsee vielleicht, oder so
Mit Palmen und Meer, da irgendwo ...
Anmerkung: Den visuellen Teil des Videos sollte man nicht beachten und stattdessen lieber den Text mitlesen, sinnierend aus dem Fenster schauen oder mit geschlossenen Augen eigenen Fantasien nachhängen - der Ersteller und Uploader dieses unschönen Machwerkes hat den kleinen Song offensichtlich nicht einmal in groben Ansätzen verstanden. Die "Bildungrepublik Deutschland" nach finsterer Merkel-Art lässt fein grüßen.
Für mich persönlich sind zwar weniger die Südsee oder Palmen das Ziel meiner Fluchtpläne, sondern eher die dunklen Wälder und menschenleeren Weiten des hohen Nordens, aber das ändert ja nichts an der Grundaussage dieses Liedchens, die mir aktuell wieder einmal unstillbar aus allen verfügbaren Poren quillt: In diesem furchtbaren Land will ich nicht mehr leben müssen ...
Ein Dichter bin ich und ich schreibe
mir die Dunkelheit vom Leibe,
damit ihr nicht, wie den von Kleist,
mich nackt in eine Grube schmeißt,
bevor aus deutscher Finsternis
ich mir ein Stückchen Leben riss.
Ich grüß, getrost auf Messers Schneide,
Herrn Walther von der Vogelweide,
der auch in diesem Vaterland
erst unterm Rasen Ruhe fand -
in Würzburg, wo ein Knecht hernach
des Riemenschneiders Hände brach.
Ja, Hochverrat und Hirngespinste
nennt dieses Volk die schönen Künste:
So zog in eines Feuers Rauch
von dannen Quirin Kuhlmann auch -
ach, endlos ist die Litanei
des Leids im Lande Vogelfrei.
Oh Land der Träumer und der Toten:
dem Tod sie ihre Stirne boten,
und mussten doch ins Dunkel fliehn
wie jener Friedrich Hölderlin,
der, dass er unter Deutsche kam,
sich doch zu sehr zu Herzen nahm.
Wie in Paris einst Heinrich Heine,
so lieg ich schlaflos nachts und weine.
Oh Volk, das sich bei Marschmusik
dreht um den Hals den eignen Strick:
Du hast die Freiheitsmelodien
den deutschen Dichtern nie verziehn.
Oh Volk der treuen Untertanen,
mit Hakenkreuz und Abgasfahnen,
im Land, das mir einst Heimat war,
mit Apfelbäumen, Mädchenhaar,
das meinen Mund mit Schweigen schlägt -
und das mir doch das Herz bewegt.
(Volker von Törne [1934-1980], in: "Im Lande Vogelfrei. Gesammelte Gedichte", Wagenbach 1981)
Die Junge Welt (und meines Wissen einzig diese Zeitung) berichtet aktuell von den jüngsten Anschlagsplänen der neoliberalen Terrorbande auf die Schwachen dieser Gesellschaft:
Man will das Zweite Sozialgesetzbuch (SGB II) für die Verwaltung "vereinfachen", wird es aber, wie nach außen gedrungene Dokumente belegen, für "erwerbsfähige" Leistungsbezieher teils drastisch verschärfen. Nun wurde bekannt: Kranke, Behinderte und Rentner, die Grundsicherung nach dem Zwölften Sozialgesetzbuch (SGB XII) beziehen, müssen mit ähnlichen Einschnitten rechnen.
Das sollte sich jede/r aufmerksam durchlesen - ebenso wie den zugrundeliegenden "Arbeitsentwurf eines Gesetzes zur Änderung des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (Stand: 13.02.2015)" (pdf), den der Sozialrechtler Harald Thomé dankenswerter Weise ins Netz gestellt hat. Da bleiben keine Fragen hinsichtlich der Gesinnung dieser Bande mehr offen: Auf Alte, Kranke und Behinderte wird nunmehr ebenso hemmungslos eingedroschen wie auf Arbeitslose - je weniger sich ein Mensch noch wehren kann, desto härter wird ihm staatlicherseits brutal in die Fresse getreten.
Ich will auf einzelne Punkte aus diesem menschenfeindlichen Klopapier gar nicht näher eingehen, weil sie allesamt den braunen, faschistischen Geist einer längst vergangen geglaubten, widerwärtigen Zeit ausdünsten - wer des Lesens und Verstehens kundig ist, wird bei der Lektüre ebenso wie ich eine mehr als nur gruselige Gänsehaut am ganzen Körper nebst gewissen Gewaltfantasien verspüren.
Der Hartz-Terror war nicht das Ende, sondern lediglich der Beginn des erneuten kapitalistischen Feldzuges gegen "unnütze Esser" und "unwertes Leben". Wir dürfen uns auch hierzulande in Bälde auf amerikanische, griechische und letzten Endes äthiopische Verhältnisse freuen, wenn dieser Bande nicht endlich das perfide Handwerk gelegt wird. Es erfüllt mich mit vollkommener Fassungslosigkeit, dass diese verkommene Bagage angesichts der allseits bekannten (und gewollt herbeigeführten) dramatischen Entwicklungen in Sachen Armut auch in Deutschland trotzdem wie vom blanken Irrsinn getrieben weitermacht und die pure Bösartigkeit ihrer perversen Strategie sogar noch weiter verschärft.
Da geschieht nichts "versehentlich" - wenn diese Figuren nun auch den Alten, Kranken und Behinderten ihre Springerstiefel elitären, mit Rasiermesserklingen ausgestatteten Lackschuhe schamlos ins Gesicht treten, dann tun sie das bewusst und in voller Absicht. Das sind die "freiheitlich-demokratischen, westlichen Werte" des Jahres 2015 in Deutschland.
Und jetzt gehe ich kotzen, bis meine Galle glüht.
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Der Morgenweg zum Amt
(Kreidelithografie von Walter Gramatté [1897-1929] aus dem Jahr 1918, unbekannter Verbleib)
Mit Inkrafttreten des Gesetzes gegen unseriöse Geschäftspraktiken am 9. Oktober 2013 wurden die gesetzlichen Regelungen über nervende Werbeanrufe verschärft. Die mögliche Bußgeldhöhe wurde von 50.000 Euro auf 300.000 Euro angehoben. Auch sind seit der Gesetzesänderung Werbeanrufe, die mittels einer automatischen Anrufmaschine durchgeführt werden, bußgeldbewehrt. Dieses Gesetz ist aus Sicht der der Call-Center und insbesondere deren Betreiber jedoch ein rechtsfreier Raum, denn das Geschäft muss wohl dermaßen profitabel sein, dass sich die Personalkosten, die Investitionen in ein Großraumbüro und die einkalkulierten Bußgelder beim Erwischtwerden immer noch amortisieren. So gingen beispielsweise von Juli bis Dezember 2009 über 28.000 Beschwerden wegen unerlaubter Telefonwerbung bei der Bundesnetzagentur (BNA) ein, von denen nicht einmal 10% in ein Bußgeld mündeten.
Während kurz nach der Gesetzesnovelle einige Werbezentralen mit der verbotenen Rufnummerunterdrückung noch einige Monate eine Meldung des belästigten "Verbrauchers" bei der BNA verhindern konnten, haben sich die Trickser inzwischen eine neue Masche, die im Merkblatt der BNA noch gar keine Berücksichtigung bei der Verbraucheraufklärung findet, einfallen lassen, mit der sie das Verbot neuerdings - angeblich juristisch einwandfrei - umgehen.
Es folgt ein persönlicher Erfahrungsbericht - aber der Reihe nach:
Ich habe niemals an irgendwelchen Gewinnspielen, Preisrätseln oder Umfragen teilgenommen und auch niemanden um einen Anruf gebeten. Mein Festnetzanschluss ist in keinem Telefonbuch vermerkt, meine Rufnummer bei ausgehenden Anrufen unterdrückt. Und trotzdem wurde ich im März über mehrere Wochen regelmäßig von Werbeanrufen belästigt (Namen der Call-Center-Sklaven und der Betreiber wurden von mir im Folgenden geändert). Dabei waren die Akteure rhetorisch dermaßen plump und einfallslos, dass ich das System bereits beim zweiten Anruf durchschaut hatte.
Eines Tages klingelt das Telefon. Im Display eine mir unbekannte Nummer mit Hamburger Vorwahl. Ich hebe ab:
Ich: Ja, bitte? Weibliche Stimme: Mein Name ist Janine Kempf, ich hätte gern mit Frau Karin Rothe gesprochen. Ich: Da haben Sie sich wohl verwählt. Welche Nummer hat Frau Rothe denn?
(Sie nennt meine Festnetznummer und erklärt dazu, Frau Rothe habe per E-Mail um einen Rückruf gebeten.) Ich: Da hat sich Frau Rothe wohl vertan. Janine: Da ich Sie aber gerade in der Leitung habe, würde ich Ihnen gerne unsere Mobilfunk-Sondertarife der "funkfit" vorstellen, die sicher auch für Sie interessant sein könnten.
(Ich will reingrätschen und sagen, dass ich nicht interessiert bin, doch sie rasselt ohne Luft zu holen weiter.) Janine: Wir könnten Ihnen z.B. zwei Prepaid-Karten zum Preis von einer anbieten.
(Mir reicht's. Ich schalte auf Angriff.) Ich: Hören Sie mal, was Sie hier machen, ist verbotene Telefonwerbung. Ich habe Ihre Nummer notiert. Sie werden demnächst Post von der Bundesnetzagentur bekommen. Janine: Wieso das denn, ich habe Sie doch gar nicht angerufen, sondern wollte Frau Rothe sprechen. Ich: Ja, nee, is' klar. Und der Papst ist Moslem.
Danach habe ich aufgelegt. Beim nächsten Anruf ein paar Tage später, wieder mit Hamburger Vorwahl im Display, eine männliche Stimme: Frank Storchmann von der Firma "Callmobile", der ebenfalls Frau Rothe sprechen möchte und mich fragte, wie denn mein Name sei:
Ich: Ich bin der Sohn von Frau Rothe und hüte momentan ihr Haus, weil sie verreist ist. Wie kommen Sie überhaupt an diese Telefonnummer?
(Er geht gar nicht auf meine Frage ein.) Frank: Herr Rothe, wie wäre es denn, wenn ich Ihnen bei dieser Gelegenheit einmal unsere Sonderkonditionen für Handytarife vorstelle? Ich: Ich habe kein Handy und Sie rufen hier einfach ohne meine Zustimmung an, das kann teuer werden. Frank: Ihre Frau Mutter hat an einem Gewinnspiel teilgenommen und ihre Telefonnummer für Werbezwecke freigegeben. Dass nun Sie sich melden, konnte ich nicht ahnen.
(Das stimmte natürlich nicht, wie sich später herausstellte - siehe weiter unten.) Ich: Herr Stroh..., äh, Storchmann, ich nehme unser Gespräch ab jetzt auf Band auf, sind Sie damit einverstanden?
(Meine Basisstation hat wirklich diese Funktion. Frank legte jedoch einfach wortlos auf.)
Eine Weile machte ich mir einen Spaß daraus, die Anrufer auf eine immer wieder andere Art zu verarschen - bis es mir schließlich zu viel wurde, weil die Netzagentur trotz meiner wiederholten Beschwerden erst reagierte, nachdem ich mich beim Bundesministerium beschwert und beim letzten Mal nach dem Abheben des Telefonhörers (wieder Hamburger Vorwahl im Display, und es war ganz sicher nicht Thomas Ebermann oder Rainer Trampert dran) auch gleich mit den Worten "Fick dich ins Knie!" verabschiedet und aufgelegt hatte.
Das System ist folgendermaßen aufgebaut: Es wird in einem Ortsnetz eine x-beliebige Festnetznummer mit niedriger Endziffer ausgesucht. Name und Anschrift des Teilnehmers stehen ja meist im Telefonbuch. Dann wird mit einem IT-Programm automatisch diese Nummer angewählt, jedoch mit jeweils anderer Endziffer. So ist garantiert, dass unter der Vortäuschung des Verwählens neue potenzielle Kunden bzw. Werbeopfer kontaktiert werden können, ohne dass das Gegenteil bewiesen werden kann.
Frau Rothe (72) wohnt in meiner Heimatstadt, nicht weit von meiner Wohnung entfernt, und hat eine bis auf die letzte Ziffer identische fünfstellige Rufnummer wie ich. In der fraglichen Zeit habe ich mehrmals mit ihr telefoniert und sie auf dem Laufenden gehalten. Sie selber habe nie einen Werbeanruf erhalten, sagte sie mir. Sie versende auch keine E-Mails, nehme an keinen Gewinnspielen teil und habe auch niemals und niemanden um einen Anruf zu irgendeiner Produktinformation gebeten. Allerdings sei sie schon einmal von einem anderen Mann angerufen worden, der ihr dasselbe geschildert habe.
Fazit: Dieses Verbraucherschutzgesetz ist wieder einmal ein Placebo.
Anmerkung: Wer dieses sinfonische Meisterwerk der zerbröckelnden Romantik noch nicht kennt, sollte sich unbedingt Muße, eine möglichst gute Musikanlage nebst guten Kopfhörern, eine entsprechende Lautstärke und eine abgedunkelte Umgebung gönnen. Insbesondere - aber keineswegs ausschließlich - ist hier der vierte Satz dieser Sinfonie mit seiner sich zeitweilig auflösenden Harmonik und dem berühmten und bis dahin meines Wissens einzigartigen "Paukenduell" hervorzuheben. Wenn ein Musikstück in die finstere Zeit zwischen 1914 und 1916 - und damit auch in unsere aktuelle, schaurige Welt - passt, dann ist es nach meinem Empfinden dieses.
Das böse Erwachen kommt heute wie damals kurze Zeit später, nachdem der Schlussakkord in strahlendem Dur schon verklungen ist: Das "Unauslöschliche" erwies sich bereits damals leider als durchaus auslöschbar; und nichts, wirklich gar nichts spricht dafür, dass es heuer anders verlaufen könnte.
Sie machen unbeirrt weiter. Die Propagandafront steht stramm wie kalter Stahl im herrschaftlichen Darmwind, und so verkündet der WDR, bar jeder auch nur ansatzweise erkennbaren Scham, nun einfach frank und frei:
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist auf dem Rückzug, die Quoten sind so niedrig wie zuletzt vor 24 Jahren. Doch für rund eine Million Langzeitarbeitslose gibt es dennoch kaum Hoffnung auf eine Perspektive. Für Qualifizierungs- oder Beschäftigungsprogramme fehlt das Geld.
Das lassen wir mal sacken. So viele Lügen und abstruse Behauptungen in so wenigen Worten - das muss man erst einmal schaffen. Dass die "offiziellen" Zahlen zur Arbeitslosenstatistik bis ins Groteske gefälscht sind, interessiert den Qualitätsjournalisten unbezahlten Praktikanten, der den Sermon schreiben musste, nicht. Wenn das Regime sagt, dass die Zahlen stimmen, stimmen sie eben. Wer will da schon nachforschen oder dumme Fragen stellen? Orwell hat in seinem Roman "1984" dieses Prinzip des "Doppeldenkens" perfekt beschrieben: "Die Schokoladenration wird ab sofort [von vormals 30 Gramm] auf 25 Gramm heraufgesetzt." So wunderbar herrschaftstreu sind unsere Medien heute allenthalben. Volker Pispers meint dazu:
Doch, oh weh, da gibt es in der schönen, glitzerbunten neoliberalen Statistik diese verfluchten "Langzeitarbeitslosen" - von denen sich auch gleich einer am Nasenring vorbildlich durch die böse Arena führen lässt und nicht müde wird zu beteuern, dass er so gerne ein devoter Sklave wäre, wenn die Herrschaft es ihm doch bloß erlaubte. - Wie kann es nur sein, dass dieser Lump trotzdem immer noch nichts zur Vermehrung der Reichtümer der "Elite" beiträgt? Leute wie diese können eigentlich nur asoziale Faulenzer - die Nazis nannten sie schlicht "Untermenschen" - sein, da sie trotz der massiven Unterstützung durch die "Jobcenter" partout keine Arbeit finden und immer noch so tun, als seien sie "bedürftig".
"Arbeit" - egal zu welchem Lohn, zu welchen Bedingungen und zu welchem Zweck - soll schließlich das Hauptziel für jeden Menschen auf diesem Planeten sein: Das jedenfalls ist das menschenfeindliche, hanebüchene Credo der korrupten Bande der Stiefellecker aus dem feudalen Dunstkreis der neoliberalen Politik, das sich in irrsinnigen Worthülsen manifestiert wie "Sozial ist, was Arbeit schafft". Dieser Spruch könnte indes problemlos bereits vor 80 Jahren in die Welt gekotet worden sein und befindet sich auf demselben braunen Niveau wie eine Aussage wie "Liebevoll ist, was Kinder (also künftige Soldaten / Arbeitssklaven / willfährige Untertanen) schafft".
Aber folgen wir dem Text weiter: Nun erfahren wir vom Qualitätsjournalisten unbezahlten Praktikanten, dass leider, leider das Geld fehlt, um den asozialen Faulenzern bei der Optimierung ihrer Sklavenfähigkeiten zu helfen. An dieser Stelle des Textes muss ich aussteigen, weil der Irrsinn überhand nimmt, und ich muss den dämlichen WDR-Vasallen, die dieses absurde Pamphlet verbrochen haben, derbe in den propagandistisch arg geröteten Arsch treten - auf dass sie wie in Dagobert Ducks Geldspeicher in die überquellenden, giftigen und zusammengestohlenen Milliarden ihrer widerlichen Auftragsgeber fallen und dort hoffentlich schnell ersaufen.
Diese kapitalistische Welt - und mit ihr diese absurde Presselandschaft - ist nicht mehr nur bizarr; sie ist so hanebüchen, realitätsfremd und menschenfeindlich, dass mir nicht einleuchten will, weshalb eine signifikante Anzahl noch halbwegs klar denkender Menschen dieser offensichtlichen Groteske nach wie vor folgt.
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Börsianerlenz
"Sieh nur, Kurt, wie die Lerchen steigen!" - "Wie hoch stehn sie denn jetzt -?"
"Der Marsch" ist ein Spielfilm des Regisseurs David Wheatley über den Auswanderungsdruck aus den Entwicklungsländern. Der Film stammt aus dem Jahr 1990 und basiert auf einem Roman von William Nicholson, der auch das Drehbuch verfasst hat. Das Szenario des Films geht von einer unbestimmten Zukunft aus, in der aufgrund des Klimawandels große Teile Afrikas unbewohnbar geworden sind und zeitgleich in Europa die rassistischen Spannungen stark zugenommen haben. Als monokausale Ursache des "Marsches" - also der Flucht der betroffenen Menschen nach Europa - wird fälschlicherweise einzig der Kimawandel herangezogen.
Zu Anfang des Filmes wird ein Schwarzer von der Filmfigur Clare Fitzgerald, der irischen "Kommissarin für Entwicklung" bei der Europäischen Gemeinschaft, interviewt. Er sagt (geringfügige Änderungen und Ergänzungen vom Verfasser): "Ich habe gelesen, dass ihr für eure Haustiere durchschnittlich 200,00 Euro im Jahr ausgebt. Wir möchten gerne eure Haustiere sein. Nehmt uns dafür, denn wir sind stubenrein, genügsam und im Unterhalt billiger als Haustiere, weil die meisten von uns bereits jetzt von weniger als 200,00 Euro im Jahr leben müssen."
In Deutschland wird von privaten Haushalten mehr Geld für Tiernahrung ausgegeben als die Summe des Staatsetats manch eines afrikanischen Landes beträgt. Soviel zur Polemik des Films. Eine sehr gute Kritik dazu findet sich hier:
Unvermittelt ist der Hunger als Ergebnis von fünf regenlosen Jahren, als naturgegebene Katastrophe, Ausgangspunkt der Filmhandlung. Die Ursachen für diese Katastrophe und andere Krisen, wie Bürgerkriege, werden nicht genannt. Weder die ökologischen, noch die politischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen werden als Ergebnis von jahrhundertelanger Ausbeutung, Raub und Vernichtung in Afrika angesprochen. Der "Zivilisationstransfer" als Hauptursache vieler Krisen wird genauso verschwiegen, wie die als humanitär ausgegebenen Militäraktionen mit ihren verheerenden Folgen, und wie die Folgen der Entwicklungshilfe. / Der Film erzeugt ein Gefühl der Bedrohung und Angst.
Er fügt sich daher propagandistisch sowohl positiv, als auch negativ in die Zeit der "Wende" und der damaligen Pogrome in Solingen, Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen etc. ein.
Zum Schluss eine Bemerkung zu der von konservativen Politikern häufig geäußerten Abwehrbehauptung, Europa könne "nicht alle Flüchtlinge dieser Welt aufnehmen": Heute noch fließen nachweislich mehr Waren und Rohstoffe aus Asien, Lateinamerika und Afrika in die "Erste Welt" als umgekehrt - inkl. der sog. Entwicklungshilfe. Es ist daher kein Ende der postkolonialistischen Ausbeutung in Sicht.
Anmerkung des Kapitäns: Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann sich den Film momentan - allerdings in einer leider furchtbaren Bild- und Tonqualität - auf youtube ansehen. Ich habe das getan und kann dem obigen Fazit nur zustimmen: Hier wird weniger die Empathie des Zuschauers oder dessen Solidarität mit Flüchtlingen gefördert, sondern eher eine diffuse, gar ins Bedrohliche driftende Angst, die letztlich nur zur weiteren Radikalisierung des ohnehin schon erblühenden Rassismus' im "freiheitlich-demokratischen" Europa führt (dazu möchte ich dringlichst das Buch "BrandSätze. Rassismus im Alltag" von Prof. Siegfried Jäger vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung empfehlen, das hier als pdf kostenlos abgerufen werden kann). - Ob die Macher des Films das so auch beabsichtigt haben, weiß ich aber natürlich nicht. Schaut selbst:
(The Vision Bleak: "The Night of the Living Dead", aus dem Album "The Deathship Has a New Captain. 9 Songs of Death, Doom and Horror", 2003)
It was a chilly eve as fog rose from the tombs
and owls were howling, proclaiming our doom.
Look and behold! Shadows walking,
The dead are calling ...
This is the night of the living dead,
A nightmare -
The devil's called his creatures,
all are out to get your head!
This is the night of the living dead -
Oh Baby, this is the night of the undead ...
They creep and crawl down from the hills,
with penetrating stench, the air is slowly filled.
Look and behold! Shadows walking,
The dead are calling ...
This is the night of the living dead,
A nightmare -
The devil's called his creatures,
all are out to get your head!
This is the night of the living dead -
Oh Baby, this is the night of the undead ...
Anmerkung: An diesen Song musste ich unwillkürlich denken, als ich kürzlich nach längerer Abstinenz mal wieder in die "City" musste und mit den konsumwütigen Zombiehorden, die dort in Massen wie gedanken- und bewusstlos durch die schrille Einkaufshölle der glitzernden Fassaden stapften, konfrontiert wurde. Die üblichen und deutlich sichtbar zunehmenden kapitalistischen "Kollateralschäden" - wie beispielsweise Obdachlose, Bettler, herumirrende, offensichtlich narkotisierte Gestalten oder Alte, die in Mülleimern nach Pfandflaschen oder sonstigen "Wertgegenständen" suchen - gehörten wie selbstverständlich dazu, und kaum jemand nahm irgendeine erkennbare Notiz davon.
"Welch ein furchtbarer Horror", dachte ich noch, als ich mich endlich wieder auf der Rückfahrt ins ländliche, abgelegene Idyll - froh, der Zombiehölle einmal mehr entkommen zu sein - befand. Dort angekommen, musste ich mich aus Gründen, die ich hier nicht erläutern will, tatsächlich des Sonntags in die örtliche Kirche begeben. Dort erlebte ich das Folgende:
In gebührlichem Abstand zum Eingang der Kirche saß ein offensichtlich völlig verarmter, "südländisch" aussehender Mensch in zerrissener Kleidung, der eine Dose in den Händen hielt und ansonsten nichts tat - er sprach nicht, er gestikulierte nicht, er war völlig regungslos und blickte die vorbeilaufenden KirchgängerInnen lediglich an. Das war alles. Ich war gespannt, was sich nun ereignen würde und stellte mich etwas abseits unter einen Baum, rauchte eine Zigarette und beobachtete.
Ich fürchte, dass jeder schon ahnt, wie die Geschichte weiterging: Niemand beachtete den Mann - die an ihm vorbeigehenden "Gläubigen" unterließen es konsequent, ihn auch nur eines einzigen direkten Blickes zu würdigen, und es dauerte keine zehn Minuten (eher waren es fünf), bis der hochverehrte Herr Pfarrer persönlich erschien und den Mann leise, aber bestimmt des Platzes verwies.
Als ich meine Zigarette aufgeraucht hatte und das "Gotteshaus" äußerst widerwillig ebenfalls betrat, sprach mich im Foyer direkt eine ältere Dame in empörtem Tonfall an (Originalzitat): "Diese Penner werden aber auch immer dreister! Ist das eigentlich erlaubt?" - Ich hätte gerne geantwortet: "Zombie, geh' doch endlich Gehirne fressen - vielleicht wirkt's ja!", aber leider hat's nur zu einem gezischten "Ich finde es extrem beschämend, wie Sie sich hier verhalten" gereicht. Die Empörung der nach Luft schnappenden Dame wuchs dennoch und sie würdigte nunmehr mich keines Blickes mehr. Auch die Umstehenden sahen mich entgeistert an - mein relativ geruhsames Leben in der scheinbaren Dorfidylle ist nun wohl vorbei.
Das Thema der Predigt des "Gottesdienstes", dem ich sodann unter üblen Brechreizattacken folgen musste, lautete zu allem Überfluss: "Unsere christliche Solidarität mit Flüchtlingen", und die versammelte Gemeinde warf zwischen den frommen Liedern und Gebeten fleißig Spenden in den "Klingelbeutel".
Allerspätestens seit diesem surrealen Erlebnis weiß ich: Der obige Song sollte (wohl nicht nur) in dieser Kirche zur ständigen Beschallung eingesetzt werden. Zombieland ist überall in Deutschland - gewiss nicht nur in den Großstädten.
I
Auf lauten Linien fallen fette Bahnen
Vorbei an Häusern, die wie Särge sind.
An Ecken kauern Karren mit Bananen.
Nur wenig Mist erfreut ein hartes Kind.
Die Menschenbiester gleiten ganz verloren
Im Bild der Straße, elend grau und grell.
Arbeiter fließen von verkommnen Toren.
Ein müder Mensch geht still in ein Rondell.
Ein Leichenwagen kriecht, voran zwei Rappen,
Weich wie ein Wurm und schwach die Straße hin.
Und über allem hängt ein alter Lappen –
Der Himmel ... heidenhaft und ohne Sinn.
II
Ein kleines Mädchen hockt mit einem kleinen Bruder
Bei einer umgestürzten Wassertonne.
In Fetzen, fressend liegt ein Menschenluder
Wie ein Zigarrenstummel auf der gelben Sonne.
Zwei dünne Ziegen stehn in weiten grünen Räumen
An Pflöcken, deren Strick sich manchmal straffte.
Unsichtbar hinter ungeheuren Bäumen
Unglaublich friedlich naht das große Grauenhafte.
(Alfred Lichtenstein [1889-1914], in: "Dichtungen". Arche 1989. Erstdruck Teil I in: "Die Aktion", Nr. 7, 1912; Teil II in: Ebd., Nr. 32, 1912.)
Nachdem ich vor einigen Tagen über die lapidare Nachricht gestolpert bin, dass die korrupte Bande - nun in trauter christ- und sozialdemokratischer Eintracht - den nächsten Versuch zu Einführung der grundgesetzwidrigen Totalüberwachung aller BürgerInnen dieses Landes auf den Weg gebracht hat, hatte ich eigentlich vor, etwas mehr dazu zu schreiben. Neben einem für öffentlich-rechtliche Verhältnisse vergleichsweise kritischen Text von Jörg Schieb beim WDR ist mir nun aber der Kollege flatter vom Feynsinn-Blog zuvorgekommen. Dessen Ausführungen zum Thema ist in der Tat kaum etwas hinzuzufügen - da gilt eine strikte und nachdrückliche Leseempfehlung.
Diese Bande schert sich nicht einmal ansatzweise um das Grundgesetz und erst recht nicht um höchstrichterliche Urteile dazu - allmählich schwindet meine (letzte verbliebene) Hoffnung, dass das Bundesverfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof diesem stetig wiederholten Ansturm der feuchten Totalüberwachungsfantasien der "Elite"-Marionetten dauerhaft wirklich standhalten können - bzw. wollen bzw. "dürfen".
Besonders hervorzuheben ist im aktuellen Fall - neben der wie immer standhaft verfassungsfeindlichen Konsequenz der Union in dieser Frage - selbstredend die Verräterpartei der asozialen Antidemokraten (SPD). Schieb schreibt dazu:
Obwohl [der Minister für staatliche Gewalt und Allmacht] Heiko Maas [SPD] die VDS noch vor einigen Wochen vehement abgelehnt hatte, ist er jetzt vorne mit dabei und setzt sich für eine VDS 2.0 ein. / (...) Wer sich intensiver mit der Thematik beschäftigt und sich nicht zum Unterstützer eines Überwachungsstaates machen möchte, muss deshalb früher oder später zu dem Schluss kommen: Der Schaden ist weitaus schlimmer als der Nutzen. Vor allem, weil es kaum [gar keine, Anm.d.Kap.] Belege dafür gibt, dass mit der Vorratsdatenspeicherung deutlich mehr Straftaten aufgedeckt werden können. Verhindert schon gar nicht. Denn dann müssten wir angesichts der von der NSA angehäuften Daten uns ja über eine nahezu 100-prozentige Aufklärungsrate freuen dürfen.
Inzwischen reichen für die "GenossInnen" bereits "einige Wochen" aus, um von der einst propagierten Meinung zum genauen Gegenteil zu konvertieren - das grenzt schon fast an die bizarren Merkel'schen Verhältnisse. Inzwischen müsste aber sowieso jedem klar sein, dass diese Gestalten allesamt austauschbar sind: Wenn Maas, Gabriel, Merkel, "die Misere" und all die anderen aktuellen Sockenpuppen den schmierigen Job auf dem Weg in die Diktatur nicht mehr machen, werden es eben irgendwelche neuen Klone aus den schier endlosen Reihen der korrumpierten, eigennutzfixierten Schlips-Borg tun, die heute schon wild mit den Hufen im braunen Schlamm scharren und ihre Schäfchen ebenfalls ins Trockene bringen wollen - je mehr, desto besser.
Lest den flatter. Er hat - leider, leider, leider! - recht.
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...