Samstag, 25. Februar 2012

Song des Tages: In Memoriam




For someone else the blues and greens
The dreaming spires, the skin-tight jeans
The armchair armies on the march
The transfer unit tube and mask
Who needs all the endless lies
That serve to keep the world alive
To taste the sweetness of the grave
And not regret mistakes I've made

In memoriam

Goodbye to all the angry dawns
Committee meetings, pistols drawn
You can keep the rave reviews
The priests, the guards, the prisons and zoos
Goodbye to all the nation's pride
Farewell to those all choosing a side
In hut number twelve they're issuing guns
But only for the chosen ones

In memoriam

(Steve Hackett: "In Memoriam", aus dem Album "Darktown", 1999)

Freitag, 24. Februar 2012

ESM-Vertrag: Ermächtigungsgesetz zur Diktatur des Finanzkapitals

Der deutsche Imperialismus versucht, die Schuldenkrise Europas mit der offenen Errichtung einer Fiskaldiktatur zu lösen. Merkels Forderung eines Sparkommissars für Griechenland war nur ein Ablenkungsmanöver vom Ermächtigungsgesetz ESM-Vertrag, den der EU-Gipfel beschloss.

Dieser Vertrag lässt die bürgerlich-demokratische Maske fallen und errichtet offen ein diktatorisches Regime der Ausplünderung Europas zur Sicherstellung der Forderungen von "Gläubigern" [und] "Investoren" und zur Wiederherstellung des Vertrauens der "Märkte".

Selbiges war verloren gegangen nach der Forderung nach einem Schuldenschnitt im Falle Griechenlands, die die "Märkte" mit Zinserhöhungen für Spanien und Italien sowie Abstufungen im Bonitätsranking beantworteten. Die Botschaft wurde verstanden. Jetzt lautet die unmissverständliche Ansage an alle Staaten: Zuerst sind von den Staatseinnahmen die Schulden zu bedienen, und was dann noch übrig bleibt, kann für Löhne und andere Staatsausgaben ausgegeben werden.

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Anmerkung: Der neoliberale Umbau Europas nimmt Fahrt auf - die skandalösen Vorgänge rund um Griechenland sind ein willkommener Anlass, gleich ganze Regelwerke an der Öffentlichkeit vorbei zu verabschieden, die der Zementierung der Finanzdiktatur dienlich sind. Auch das alberne Hickhack um Wulff und Gauck war vortrefflich dafür geeignet, von diesem eklatanten Demokratieabbau abzulenken.

Beachtenswert sind auch einige der Kommentare unter diesem Artikel - bereits der erste weist zu recht auf das "Füllhorn der Banken" (die Ermächtigung, Geld aus dem Nichts zu erschaffen) hin.

Wir erleben gerade live mit, wie die Demokratie europaweit von der neoliberalen Bande hochoffiziell zu Grabe getragen wird - ein Vorgang, der in Deutschland zum Ende der Weimarer Republik schon einmal vorgeführt worden ist. Ein Jahr und drei Monate später war Hitler Reichskanzler und der schlimmste denkbare Alptraum begann.

Der letzte Demokrat


"Der liebste Platz, den ich auf Erden hab', das ist die Rasenbank am Elterngrab."

(Zeichnung von Karl Arnold, in "Simplicissimus", Heft 27 vom 05.10.1931)

Lachnummer des Tages: Der Teufel und der Papst

Giovanni und Marco soll der Teufel ausgetrieben worden sein – vom Papst höchstpersönlich. Dies behauptet Exorzist Gabriele Amorth. In seinem Buch schildert er die Begegnung der Männer mit Benedikt XVI. auf dem Petersplatz. Der Papst habe nichts davon gewusst, heißt es aus dem Vatikan.

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Anmerkung: Was für ein Brüller - diesen Text muss man sich genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Darin lesen wir unter anderem: "Den Auszügen zufolge wurden die beiden Männer (...) immer erregter, während sie bei der Audienz auf die Ankunft des Papstes warteten." Das deutet zumindest schon einmal darauf hin, dass die beiden Burschen offenbar sehr auf alte Männer in Frauenkleidern stehen. Dass sie aber wohl eher in eine Psychiatrie, mindestens aber in ärztliche Behandlung gehören, wird danach deutlich, wenn es heißt: "Der Schilderung des katholischen Priesters zufolge, warfen sich die Männer auf den Boden, schlugen die Köpfe auf die Erde und begannen zu brüllen, als Benedikt XVI. sich in seinem Jeep näherte. Als der Papst seinen Arm zum Segen erhob, habe die Männer ein Schlag getroffen, der sie drei Meter zurückgeschleudert habe. Anschließend hätten sie sich beruhigt."

In die Psychiatrie gehören indes auch "Geistliche", die im Jahre 2012 allen Ernstes noch immer an Besessenheit und Teufelsaustreibungen glauben. Mir fällt dazu eigentlich nur noch ein altes Plattencover von Dio ein, nämlich "Holy Diver" ("Heiliger Taucher"). ;-)



Donnerstag, 23. Februar 2012

Der alltägliche Hartz-Terror

  1. Mitarbeiter eines Berliner Jobcenters spionieren einem Musiker im Internet nach, statt ihm zu helfen.

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  2. Fefes Blog ist ja, insbesondere was die Absurditäten diverser Behörden angeht, eine Fundgrube. Immer wieder gibt es dort Hinweise auf die teilweise schon sehr bemühten Versuche der Arbeitsagenturen/Jobcenter etc., den Leistungsbeziehern zu unterstellen, sie hätten Einkünfte oder Vermögen nicht angegeben. Die Möglichkeiten, auf solche Ideen zu kommen, sind mannigfaltig. Mal reicht die Kleidung (eigenes Erlebnis: Die Tatsache, dass ich mir Strassohrringe plus eine Kunstpelzjacke leisten konnte, machte stutzig und führte zu Nachfragen), mal ein vorhandenes Auto, mal die Nichterreichbarkeit zu "normalen Arbeitsstunden".

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Anmerkung: Der betroffene Musiker hat das Schreiben des Jobcenters in seinem Blog veröffentlicht - man sollte sich die Lektüre tatsächlich antun, wenn man einen Eindruck davon bekommen möchte, wie diese Behörde mit den auf sie angewiesenen Menschen umgeht. Üblicher Weise sind einem solchen Schreiben noch einige Seiten voller Paragraphen, Gesetzestexte und Rechtsfolgen angehängt, die allesamt zum Inhalt haben, dass man seine Existenzberechtigung verliert, wenn man den Befehlen der Behörde nicht nachkommt. Eine "normale" Mitteilung des Jobcenters, die meistens ein oder zwei relevante Sätze enthält, umfasst also in der Regel ein drei- bis fünfseitiges Schreiben, das eher einem Marschbefehl gleicht.

Inzwischen wird also auch nachgeforscht, was die "Kunden" des Jobcenters im Internet schreiben - und wenn das der Behörde nicht genehm ist, was sie dort entdeckt, wird der betroffene Bürger flugs zum "Gespräch eingeladen" (selbstverständlich unter Androhung des Entzuges der Existenzberechtigung, falls er diese "Einladung" nicht annehmen sollte, wie gesagt) und muss sich rechtfertigen. Man kann - um ein altes Tucholsky-Zitat erneut zu benutzen - wahrlich nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte. So sieht die neoliberale Vorstellung von "Freiheit" und einem "demokratischen Rechtsstaat" aus. Was unterscheidet diese Vorgehensweise doch gleich von diktatorischen Unrechtsstaaten? Wie kann es überhaupt sein, dass ein Jobcenter (!!), das dafür da sein sollte, unfreiwillig arbeitslos gewordenen Menschen eine neue, adäquate Anstellung zu vermitteln und in der Zwischenzeit die materielle Existenz dieses Menschen sicherzustellen, sich für die Gesinnung des Betroffenen interessiert und diese auch noch zum Gegenstand irgendwelcher Gespräche und Aufforderungen macht? Allmählich können Betroffene wohl verstehen, wie sich Juden und andere Verfolgte in Deutschland zu Beginn des Nazi-Terrors gefühlt haben mögen. Das sind heute erneut die ersten Auswüchse eines staatlichen Faschismus, wie er widerwärtiger kaum sein könnte.

In diesem Zusammenhang sei auch kurz ein Fall aus meinem eigenen Umfeld genannt: Ein erkranktes Hartz-Opfer war einige Zeit krankheitsbedingt nicht mobil und teilte dies dem Jobcenter anhand ärztlicher Atteste auch mit. Als er es wagte, einen "Gesprächstermin", der zu diesem Zeitpunkt ohnehin sinnfrei war, mit dem Hinweis auf diese Atteste abzusagen, änderte das Jobcenter kurzerhand die Auszahlung der kärglichen Bezüge - sie sollten ab sofort nicht mehr überwiesen, sondern in Form von Schecks zweimal monatlich persönlich (!) beim Jobcenter abgeholt werden. Einzig die Intervention eines Bürgervereins, der maßgeblich von der Linkspartei getragen wird, verhinderte dies in letzter Sekunde.

Derlei Beispiele gibt es bundesweit zuhauf. Jeden Tag müssen Menschen sich mit der behördlichen Willkür, der Schnüffelei, der Bevormundung und der beispiellosen Inkompetenz dieses Amtes herumschlagen - und sind dabei immer existenziell bedroht, weil die Zahlungen für den Lebensunterhalt, die Miete und die Krankenversicherung jederzeit eingestellt werden können (und oft genug auch wirklich eingestellt werden). Um sich einen ersten Eindruck vom Ausmaß dieser gesellschaftlichen und sozialen Katastrophe zu verschaffen, reicht schon ein Blick in entsprechende Hilfeforen im Internet (beispielsweise Tacheles). Mit einem "demokratischen Rechts- und Sozialstaat" hat das nichts mehr zu tun.

Wer sich schon einmal gefragt hat, wann denn wohl die gesammelten Daten bei diesen Behörden gelöscht werden, erhält hier die wenig erstaunliche Antwort: Nie. Die Begründung ist allerdings ebenso abenteuerlich wie grotesk: "Eine Löschung findet nicht statt, da diese technisch nicht möglich sei." - Und solche Leute maßen sich an, u.a. auch Computerexperten in Arbeit vermitteln zu wollen? Da knallt auch die letzte entgeisterte Stirn blutig auf die Tischplatte.



Nachtrag 27.02.12: In der Neuen Rheinischen Zeitung findet sich ein ergänzender Text, der ebenfalls den flächendeckend betriebenen Versand von rechtswidrigen Bescheiden der Jobcenter zum Thema hat.

Mittwoch, 22. Februar 2012

Zitat des Tages: Inserat

Das Meer hat seine Gestade verändert,
Übel riecht sein Mund,
Wild bellt es durch die Regenwindnacht.
Die Sterne hausen in undurchsichtigen Wolken,
Im Auto sinnt ein Bankier:
"Was bezahlt der Mond für sein Licht?
Was hat die Sonne davon?"
Ich aber möchte in allen Welten groß inserieren:
Komet gesucht,
der die Erde zertrümmert.

(Albert Ehrenstein [1886-1950], in "Simplicissimus", Heft 8 vom 21.05.1928)

Albert Ehrenstein

Deutsche wollen Geheimdienst-Morde?

Besonders junge Deutsche sprechen sich für gezielte Tötungen aus / Eine repräsentative Telefonumfrage des ZDF, die die Forschungsgruppe Wahlen vom 2. bis zum 8. November des vergangenen Jahres durchführte, bringt eine ebenso erstaunliche wie erschreckende Erkenntnis über die Einstellung der Deutschen zu ihren Geheimdiensten zu Tage. Laut der Umfrage möchte die Mehrheit der Deutschen, nämlich 54 Prozent, dass deutsche Geheimdienstagenten zur Gefahrenabwehr töten dürfen.

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Anmerkung: Die ständige Propaganda und Beschwörung angeblicher Terrorgefahren zeigen Wirkung. Sofern diese Umfrage tatsächlich repräsentativ ist (im Osten Deutschlands wurden laut Artikel lediglich 199 Personen befragt), zeigt sie eigentlich nur eines überdeutlich: Das menschenfeindliche Weltbild der neoliberalen Bande ist inzwischen in der Bevölkerung angekommen - der Faschismus ist wieder hoffähig.

Ich würde mich zu gerne einmal mit jemandem, der solche Morde durch Geheimdienste befürwortet, unterhalten. Vielleicht traut sich jemand, der so denkt, hier in den Kommentaren oder per E-Mail dazu Stellung zu nehmen?

Dienstag, 21. Februar 2012

Was im Kapitalismus normal ist: Schamlose Selbstbereicherung

E-Mail-Empörungsfluten und Protest-Stürme auf Facebook, Kritik von Experten und eine regelrechte Kampagne des Bundes der Steuerzahler - doch obwohl die geplante Diätenerhöhung im Land kollektives Kopfschütteln auslöste, beschloss der Landtag sie am Mittwoch (08.02.2012). Mit 143 Abgeordneten stimmte eine klare Mehrheit für die 500 Euro-Zulage.

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Anmerkung: Man kann nur mit dem Kopf schütteln. Die empörten Kommentare zu dieser WDR-Meldung (auch zu diesem Bericht) verwundern doch sehr: Wie kann es einem Menschen negativ auffallen, dass auch Politiker in einem System, das nun per definitionem auf "Wachstum", Profit und egoistischer Selbstbereicherung beruht, kapitalistisch denken und handeln? Es ist nur logisch, dass diese Leute sich auch in diesem Jahr eine saftige Erhöhung ihrer Bezüge gönnen - das würde in diesem System wohl jeder tun, der darüber selbst abstimmen darf.

Dass es dennoch ein bodenloser Skandal ist, liegt weniger an den handelnden Personen. Das System an sich ist falsch und führt automatisch zu solchen Grotesken. Es liegt doch auf der Hand, dass die so oft beschworene "Eigenverantwortlichkeit" nicht urplötzlich aus dem Eigennutzdenken verschwindet, wenn es darum geht, das eigene Wohl zu mehren. - Es ist nur eine Randnotiz, dass in diesem Bericht des WDR der "Bund der Steuerzahler" zwar erwähnt, aber nicht näher als das benannt wird, was er ist - nämlich eine streng neoliberale Lobbyvereinigung, die alles andere als die Interessen der Normalbürger vertritt.

Interessant ist das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten dennoch - hier kann man es genau nachverfolgen. Es fällt auf, dass nur zwei Fraktionen geschlossen gegen diese Diätenerhöhung gestimmt haben - nämlich die Linke und die FDP. Gerade letzteres überrascht doch sehr, da die FDP ja wie kaum eine andere Partei für den propagierten Egoismus und den eiskalten, asozialen Kapitalismus steht.

In den - beim WDR üblicherweise nur sehr schwer zu ertragenden - Kommentaren zu den beiden verlinkten Texten wird unter anderem auch die schon oft wiederholte Forderung nach einem zukünftigen Wahlboykott laut. Ich kann mir solche Kommentare kaum rational erklären - schließlich führt der Boykott einer Wahl ja nicht zu gewünschten Ergebnissen, sondern stärkt lediglich die ohnehin stärkste Kraft. Sinkende Wahlbeteiligungen sind der herrschenden "Elite" vollkommen egal - auch wenn sich nur noch 30, 20 oder 10 Prozent aller Wahlberechtigten an einer Wahl beteiligten, würden sie ihre "Siege" feiern - und wären damit sogar im Recht. Ein Wahlboykott oder die Abgabe eines ungültigen Wahlzettels ist so ziemlich das Dümmste, was man in diesem System überhaupt tun kann. Da zuckt die Bande nur mit den Schultern und beruft sich auf ihre "Mehrheit" - auch wenn es längst keine wirkliche Mehrheit mehr ist. Das könnte sie indes nur dann schmerzlich erkennen, wenn die Mehrheit auch tatsächlich andere Parteien wählte.

Der Kapitalismus ist ein System der egoistischen Selbstbereicherung - und jeder einzelne ist dazu angehalten, diesem Prinzip zu folgen. Wer anderen das vorwirft, nur weil er die Möglichkeit für sich selber nicht sieht, handelt bigott. Entweder man stellt die Systemfrage - oder man lässt diejenigen, die dieses perverse Prinzip erfolgreich befolgen, gewähren und hält einfach den Mund. - Ich persönlich plädiere nachhaltig und vehement für die Systemfrage.


"Traum des Kleinautobesitzers"

(Zeichnung von Karl Holtz, in "Simplicissimus", Heft 39 vom 28.12.1931)

Montag, 20. Februar 2012

Die Sackgasse heute und damals: Stets dieselben neoliberalen Katastrophenkonzepte

Heute (2012):

Fatale Weichenstellung – Brüssel erklärt das deutsche Modell zum Vorbild für Europa / (...) Anstatt Ungleichgewichte abzubauen, nutzt die EU-Kommission die zehn Indikatoren dazu, die Mitgliedsstaaten anzuhalten, Löhne zu senken, den Arbeitsmarkt zu deregulieren und den Einfluss des Staates immer weiter zurückzufahren. Europa soll keine Ungleichgewichte abbauen, sondern deutscher werden.

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Damals (1931):

Die Geschichte vom Wirtschaftsbeirat


"Das Rezept 'Lohnsenkung - Preissenkung' hat versagt - wir erwarten von dem Wirtschaftsbeirat neue Vorschläge!" - "--------" - "Endlich ist es uns gelungen, eine neue Lösung zu finden: nicht 'Lohnsenkung - Preissenkung', sondern 'Herabsetzung der Löhne und der Preise'".

(Zeichnung von Erich Schilling, in "Simplicissimus", Heft 37 vom 14.12.1931)

Anmerkung: Man muss gar nicht viele Worte verlieren - damals führte dieses "Konzept" logischerweise ins Aus, heute wird das nicht anders sein. Die an der Entscheidungsfindung beteiligten Personen waren damals Vertreter der Finanzwirtschaft - heute sieht das nicht anders aus. Eigentlich könnte man auch gleich zum nächsten Schritt springen.

Diese Schießbudenfiguren, die sich heute Politiker nennen, wiederholen tatsächlich 1:1 die Geschehnisse, wie sie in der Weimarer Republik vorexerziert worden sind. Dabei darf man den Merkels, Steinmeiers, Pofallas, Gabriels, Roths, Westerwelles und wie sie alle heißen noch nicht einmal einen Vorwurf machen, da man getrost davon ausgehen darf, dass sie keine Ahnung davon haben, welche Wiederholung sie da gerade praktizieren. Letztlich bleiben sie ja nur austauschbare Marionetten, die zwar wissen, dass sie Böses tun, das aber gerne in Kauf nehmen, da sie dafür entsprechend entlohnt werden - auch wenn sie selber das natürlich lächelnd bestreiten würden. So wie Wulff.

Diejenigen, die im Hintergrund die Strippen ziehen, wissen aber sehr wohl um die Ähnlichkeit der Szenarien - würden das aber gleichfalls niemals verlautbaren lassen. Wie schön, dass wir heute diese (vom aktuellen Urheberrecht zum Glück nicht abgedeckte) Lücke haben, die es uns erlaubt, einen unverstellten Blick in die Zeit vor 90 Jahren zu werfen, in der die Menschen einen fast identischen Schwachsinn schon einmal durchleben mussten. Es ist nur ein Treppenwitz der kapitalistischen Geschichte, dass uns dieser Blick durch ein verschärftes "Urheberrecht" zukünftig auch noch verwehrt werden soll - eine kostenlose, freie Sichtung der Geschichte ist nicht im Sinne der marktradikalen Verrückten.

Merkel und ihre Truppe kann man eigentlich nur noch mit einem üblen Plagiator vergleichen - diesmal ist der Name des Urhebers aber bekannt: Brüning.

Samstag, 18. Februar 2012

Song des Tages: Greed




Vain inside, and forced to lie, on the edge of the world, now you stand so proud and grow
the sensation of the fortune on you, won't help you to grow stronger, but to grow all your wealth, not your heart

So hate me when you want
Join with the spite of luck
Thus do I die and gather day by day your own greed lies

You spent time to get rich
You spent your life alone
Thus do I die and gather day by day your own greed lies

I'm filling my moods with my rage for your overwhelming wins
you have all, you've always won

So are you to my thoughts
As flies swallow in mud
You win the ticket, the million dollar you love

You'd hate me now
My hands won't hold up your ass

Breed in greed, and lie again, 'till the end of your world, 'till the soil brings up your corpse
in the end of time, you will rise, facing a world you'll never know, 'cause you're dead to my eyes, a waste of time

I know that you've got friends
But they stab in your back
You'll realize this when you'll lie down dead on your rich ground

I've asked your help sometimes,
You turned your back with lies,
But all you've wanted was to keep your treasures safe from men

I'm filling my moods with my rage for your overwhelming wins
you have all, you've always won
I'm the only you closed out at the door of your life... you forget me

So are you to my thoughts
As flies wallow in mud
You win the ticket, the million dollars you love

You'd hate me now
My hands won't hold up your ass

Please drink from
my potion
I'll help you, my dear
This potion
Will stick you
Then you will be free

Oh, for my sake do you with Fortune chide,
The guilty goddess of my harmful deeds,
That did not better provide ...
I'll pity you then, dear friend,
My pity is enough to cure you

Please drink from
my potion
I'll help you, my dear
This potion
Will stick you
Then you will be free

Whilst, like a willing patient, you will drink
potions of eisel 'gainst your strong infection;
I'll pity you then, dear friend,
My pity is enough to cure you.
This is for you

Vain inside, and forced to lie, on the edge of the world, now you stand so proud and grow
the sensation of the fortune on you, won't help you to grow stronger, but to grow all your wealth, now you're dead, buried alive.

(Tystnaden: "Greed", aus dem Album "In Our Eye" [2008])

Gossenpresse heute und damals: Hetzen, spalten, ablenken

Heute (2012):

Richard Peppiatt: "Mit Journalismus nichts mehr zu tun" / Der britische Journalist Richard Peppiatt kündigte seinen Job beim "Daily Star", weil er die Praktiken seines Arbeitgebers nicht weiter verantworten wollte. Mit der "Presse" sprach er über seine Erfahrungen. (...)

Der "Daily Star" brachte schon länger islamophobe Geschichten. Aber im Februar brachte ein Kollege von mir einen Text über die EDL (Anm.: English Defence League, eine rechtsextreme politische Gruppe, die u.a. den Koran verbieten will), die angeblich eine politische Partei werden wollte. Politisch war der Artikel völlig unkritisch und vor allem entsprach er nicht den Tatsachen: Auf Telefonanfrage hatte der EDL-Vorsitzende gesagt, im Moment sei das kein Thema. Aus dem "im Moment nicht" wurde ein Aufmacher: "Bald ist die EDL eine Partei". Das hatte mit der Wahrheit nichts zu tun, aber der EDL gab es Auftrieb. Mein Kollege musste die Story so schreiben, auf Anweisung von oben. Das brachte für mich das Fass zum Überlaufen.

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Damals (1929):

Revolverpresse



(Holzschnitt von Karl Rössing, in "Simplicissimus", Heft 20 vom 12.08.1929)

Anmerkung: Wer vermutet hat, dass die BLÖD-"Zeitung" und ähnliche Presseerzeugnisse ein Phänomen der Neuzeit seit den 60er oder 70er Jahren des letzten Jahrhunderts sind, wird hier eines Besseren belehrt. Auch 1929 (und freilich auch schon weit früher) gehörte dieses Instrument der Manipulation, Verdummung, Desinformation, gesellschaftlichen Spaltung und Ablenkung zum alltäglichen Wahnsinn des Kapitalismus.

Das oben genannte aktuelle Beispiel bezüglich des "Daily Star" steht hier nur stellvertretend für eine Vielzahl vergleichbarer Fischeinwickelblätter, Internetseiten und Fernsehsender, die allesamt nach den altbewährten Prinzipien arbeiten. Auch die schon 1929 karikierte Rubrik "Sport" öffnet uns die Augen.

Die allgemeine Tendenz dieser Gossenerzeugnisse ist stets stark rechtslastig, da die Urheber sich per definitionem der Kapitalseite verpflichtet fühlen bzw. von dieser bezahlt und eingesetzt werden. Es sollte uns aber sehr hellhörig machen, dass diese Rechtslastigkeit in der letzten Zeit wieder in unkaschierten und zunehmenden Rechtsextremismus ausgeartet ist. Die oben verlinkte Geschichte ist nur ein Beispiel von so vielen - ein Blick in die BLÖD-"Zeitung" beispielsweise zu den Themen Griechenland, Hartz IV oder Islam reicht aus, um gleich massenhaft faschistische Tendenzen zu erkennen - analog zu den fast identischen Hetzthemen der Zeit der Weimarer Republik: Frankreich, Arbeitslose, das Judentum.

Einmal mehr stelle ich fest: Es ist alles beim Alten.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Song des Tages: Was in der Zeitung steht

Zum Anhören dieses Songs bitte diese Seite aufrufen, etwas herunterscrollen und auf das kleine blaue Play-Symbol rechts neben dem Titel 15 ("Was in der Zeitung steht") klicken.

***


Wie jeden Morgen war er pünktlich dran,
Seine Kollegen sah'n ihn fragend an:
"Sag mal, hast du noch nicht geseh'n, was in der Zeitung steht?"
Er schloss die Türe hinter sich,
Hängte Hut und Mantel in den Schrank, fein säuberlich,
Setzte sich: "Na, woll'n wir erst mal seh'n, was in der Zeitung steht!"
Und da stand es fett auf Seite zwei:
"Finanzskandal!", sein Bild dabei
Und die Schlagzeile: "Wie lang das wohl so weitergeht?!"
Er las den Text, und ihm war sofort klar:
Eine Verwechslung, nein, da war kein Wort von wahr,
Aber wie kann etwas erlogen sein, was in der Zeitung steht?

Er starrte auf das Blatt, das vor ihm lag,
Es traf ihn wie ein heimtückischer Schlag,
Wie ist es möglich, dass so etwas in der Zeitung steht?
Das Zimmer ringsherum begann sich zu dreh'n,
Die Zeilen konnte er nur noch verschwommen seh'n,
Wie wehrt man sich nur gegen das, was in der Zeitung steht?
Die Kollegen sagten, "Stell dich einfach stur!"
Er taumelte zu seinem Chef über den Flur:
"Aber selbstverständlich, dass jeder hier zu Ihnen steht!
Ich glaub', das beste ist, Sie spannen erst mal aus,
Ein paar Tage Urlaub, bleiben Sie zu Haus,
Sie wissen ja, die Leute glauben gleich alles, nur weil's in der Zeitung steht.“

Er holte Hut und Mantel, wankte aus dem Raum,
Nein, das war Wirklichkeit, das war kein böser Traum,
Wer denkt sich sowas aus, wie das, was in der Zeitung steht?
Er rief den Fahrstuhl, stieg ein und gleich wieder aus,
Nein, er ging doch wohl besser durch das Treppenhaus,
Da würd' ihn keiner sehn, der wüsste, was in der Zeitung steht!
Er würde durch die Tiefgarage geh'n,
Er war zu Fuß, der Pförtner würde ihn nicht seh'n,
Der wusste immer ganz genau, was in der Zeitung steht.
Er stolperte die Wagenauffahrt rauf,
Sah den Rücken des Pförtners, das Tor war auf,
Das klebt wie Pech an dir, das wirst du nie mehr los, was in der Zeitung steht.

Er eilte zur U-Bahn-Station,
Jetzt wüssten es die Nachbarn schon,
Jetzt war's im ganzen Ort herum, was in der Zeitung steht.
Solange die Kinder in der Schule war'n,
Solange würden sie es vielleicht nicht erfahr'n,
Aber irgendwer hat ihnen längst erzählt, was in der Zeitung steht.
Er wich den Leuten auf dem Bahnsteig aus, ihm schien
Die Blicke aller richteten sich nur auf ihn,
Der Mann im Kiosk da, der wusste Wort für Wort, was in der Zeitung steht.
Wie eine Welle war's, die über ihm zusammenschlug,
Wie die Erlösung kam der Vorortzug!
Du wirst nie mehr ganz frei, das hängt dir ewig an, was in der Zeitung steht.

"Was woll'n Sie eigentlich?" fragte der Redakteur,
"Verantwortung, Mann, wenn ich das schon hör'!
Die Leute müssen halt nicht alles glauben, nur weil's in der Zeitung steht!
Na schön, so 'ne Verwechslung kann schon mal passier'n,
Da kannst du auch noch so sorgfältig recherchier'n,
Mann, was glauben Sie, was Tag für Tag für'n Unfug in der Zeitung steht!"
"Ja", sagte der Chef vom Dienst, "das ist wirklich zu dumm!
Aber ehrlich, man bringt sich doch nicht gleich um,
Nur weil mal aus Verseh'n was in der Zeitung steht."
Die Gegendarstellung erschien am Abend schon -
Fünf Zeilen, mit dem Bedauern der Redaktion,
Aber Hand aufs Herz: Wer liest, was so klein in der Zeitung steht?

(Reinhard Mey: "Was in der Zeitung steht", aus dem Album "Die Zwölfte", 1985)

Propaganda und Medienverdummung heute und damals

Heute (2012):

Auf der Webseite des WDR fand sich am 08.02.2012 in der Rubrik "Tagesschau" die folgende Ansammlung von Meldungen:


(Screenshot wdr.de)


Selbstverständlich wurden die Zusammenhänge, die diese Meldungen miteinander verbinden, nirgends auf der Seite dargelegt oder auch nur am Rande erwähnt. Die öffentlich-rechtlichen "Qualitätsmedien" reihen sich nahtlos ein in die Riege der Propagandamäuler.

Dazu passt auch wunderbar dieser propagandistische Text aus dem neoliberalen Kampfblatt Der Spiegel:

"Während die Regierungen in der Krise jeden Cent zusammenkratzen, haben die Deutschen ein riesiges Vermögen angehäuft. Abzüglich ihrer eigenen Verbindlichkeiten besitzen sie rund 8,5 Billionen Euro. Genug Geld, um die Schulden aller Euro-Länder komplett abzubezahlen."

So so - "die Deutschen" sind also steinreich - vielen Dank, lieber Spiegel - ohne diesen netten Hinweis wäre mir mein unsäglicher Reichtum und der meiner Nachbarn, Freunde und Verwandten gar nicht aufgefallen - ganz zu schweigen der aller anderer Menschen, die man täglich sieht und trifft. - Auch hier finden wir nicht den Hauch einer tatsächlichen, sinnvollen Information, beispielsweise über den stetig wachsenden Superreichtum bei gleichzeitiger Verarmung aller anderen Menschen oder über die massiven Geldgeschenke an Superreiche aus den letzten Jahrzehnten.

Damals (1932):


"Was nützt das Uniformverbot, wenn die Köpfe weiter in Uniform bleiben?"

(Zeichnung von Erich Schilling, in "Simplicissimus", Heft 40 v. 04.01.1932)

Dienstag, 14. Februar 2012

Wem gehört die EU?

Die Frage, wem die EU gehört, kann und muss auf verschiedenen Ebenen beantwortet werden. Zunächst einmal, und das entspricht dem gegenwärtigen Stand des Eindringens in diese Problematik, geht es um die Frage der Vermögenskonzentrationen, seit der europäische Integrationsprozess so richtig in Gang gekommen ist. Die Reichen sind immer reicher geworden und dafür gibt es eine Fülle von empirischen und statistischen Indizes, auch wenn sie bislang in keiner Weise zureichend systematisch erschlossen und analysiert worden sind und auch wenn hinsichtlich der Frage, was Eigentum – und sogar Geld - unter den heutigen Bedingungen ist, Klärung aussteht.

Zweitens geht es um das klassentheoretische Problem, also um die Frage, ob sich in Europa eine (neue) herrschende Klasse auf der Grundlage dieser Akkumulationsprozesse herausbildet. Hier finden sich die unterschiedlichsten Erklärungsansätze und noch bei weitem kein Konsensus unter den kapitalismuskritischen Beobachtern – und vornehmlich in diesem Milieu wollen wir uns im Folgenden bewegen.

Drittens schließlich geht es um eine epochen- oder formationsspezifische Bestimmung dieses historisch einmaligen Akkumulationsprozesses. Wir werden versuchsweise (3.6.) von einer kapitalismusbasierten High-Tech-Refeudalisierung Europas sprechen, in deren Kern sich eine "transkapitalistische" Konzentration von Geldmacht durch Privatisierung (wealth condensation) vollzieht. (...)

In diesem "Geldmachtapparat" genannten Netzwerk beginnen sich verschiedene, per se höchst interessante Gruppen heimisch zu machen: teils in Gestalt eines über Generationen vererbten Reichtums, teils in Gestalt alten oder neuen europäischen Adels, teils in Gestalt eines mithilfe technischer, finanzpolitischer oder marketingmäßiger Innovationen zusammengerafften Neureichtums, teils in Gestalt eines durch korrupte Privatisierungspraktiken erzeugten Oligarchentums, teils in Gestalt von Mafia-Milliardären.

(Weiterlesen - pdf-Version - English Version)

Anmerkung: Diese Studie des Soziologie-Professors Hans-Jürgen Krysmanski von der Universität Münster ist zwar schon einige Jahre alt (2006/07), bietet aber dennoch wichtige und grundlegende Erkenntnisse und Informationen, die zum Verständnis der gegenwärtigen Lage und Ereignisse in Europa erheblich beitragen.

Die Lektüre sei jedem, der die Zeit aufbringen kann, wärmstens empfohlen. Krysmanski kommt zu dem wenig hoffnungsfrohen Schluss:

"Die Geldeliten verselbständigen sich, beginnen im wahrsten Sinne des Wortes in dieser Winner Takes All-Gesellschaft auf eigene Faust zu operieren. Die Dinge entwickeln sich dramatisch. Klimawandel und Ressourcenprobleme deuten auf ein kommendes globales Szenario nackter Überlebenskämpfe. Und für eine solche Rette-sich-wer-kann-Welt glauben sich die Geldeliten - souveräne, wohlgeschützte Eigner des Besten, was diese Welt zu bieten hat - gut gerüstet. Was für eine Illusion."

Dem möchte ich entgegenhalten: Für so illusorisch halte ich die Vorstellung des elitären Gesindels nicht, auch nach der nächsten Totalkatastrophe wieder zu den Gewinnern und Machthabern zu zählen. Nach dem letzten großen - und bis dato größten - Knall zwischen 1933 und 1945 hat das ja auch wunderbar funktioniert und die kapitalistische Alptraumwelt wurde von Neuem installiert und gehegt und gepflegt bis zum neuerlichen Crash, vor dem wir jetzt stehen. Ich befürchte, dass sowohl die abartig dumme Leidensfähigkeit der Menschen, als auch die Strapazierfähigkeit der planetaren Natur noch längst nicht ihr Ende gefunden haben - auch wenn die katastrophalen Konsequenzen der Ausbeutung immer schrecklicher werden.

Dennoch wird das Pack nicht innehalten - Luxus, Macht und elitäres Denken sind viel zu tief verwurzelt und zu verlockend, als dass ein Haufen von Egoisten und Eigennutzmehrern darüber hinaus denken könnte. Und die gegenwärtigen und zukünftigen Proteste gegen diese "Elite" müssen allein schon daran scheitern, dass sie größtenteils nur "diffus" sind - denn die große Mehrheit der unterdrückten und ausgebeuteten Menschen ist vollkommen ahnungslos bezüglich der wirklichen Verhältnisse. Dafür sorgen nicht zuletzt die elitegesteuerten Massenmedien und religiöse / spirituelle / esoterische Ablenkungen.

Mein Fazit fällt also eher so aus:


"Die Biester sind Gott sei Dank genau wie die Menschen. Wenn sie nichts zu fressen kriegen, sind sie zu schlapp zum Beißen, und wenn sie zu fressen haben, zu faul."

(Zeichnung von Marcel Frischmann [1900-1952], in "Simplicissimus", Heft 12 vom 16.06.1930)

Das Jammern der Milliardäre

  1. Beobachter registrieren "Gefühl der Angst" in Davos. Beim 42. Weltwirtschaftsforum sorgen sich globale Oligarchen um ihre und die Zukunft des Systems

    (...) 2500 Teilnehmer waren in die Graubündener Pseudoidylle gekommen, darunter 40 Staats- und Regierungschefs wie Angela Merkel und der Brite David Cameron. Aber auch Dons der internationalen Finanzmafia wie George Soros oder diverse Spitzenbanker und -Broker beehrten das WEF. Soros beispielsweise dürfte die schlimmsten Befürchtungen der anwesenden Oligarchen und Top-Kapitalfunktionäre mit seiner Prognose nur noch bestärkt haben. Die Welt befinde sich in einer der gefährlichsten Zeiten der modernen Geschichte, einer Periode des "Bösen". Europa stünde der Abstieg in Chaos und Konflikte bevor, so der Mann, der als Milliardenspekulant einst das britische Pfund in die Knie zwang. Und für die USA prognostizierte Soros schwere Unruhen auf den Straßen, die zu einem brutalen Durchgreifen der Sicherheitskräfte und zu drastischen Einschnitten in die bürgerlichen Freiheiten führen würden. Das globale Wirtschaftssystem, so wie wir es kennen, könnte seiner Meinung nach sogar völlig zusammenbrechen.

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  2. (...) In seinem neuesten Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit stuft das Weltwirtschaftsforum den deutschen Arbeitsmarkt nur auf Platz 64 von 142 Ländern ein – weit abgeschlagen hinter Gambia, Kasachstan oder der Mongolei. (...)

    Die guten Arbeitsmarktwerte der Diktaturen dieser Welt enthüllen ein zutiefst antidemokratisches Weltbild der Macher des Berichts. Grundrechte, wie die Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation zur Koalitionsfreiheit und Tarifautonomie, gelten als Wettbewerbshindernis. Sichtbar wird das Leitbild einer Wirtschaft, in der man Arbeitsbedingungen ohne lästige Hindernisse festlegen kann und keine Steuern zahlen muss. Außerdem möchte man ohne Kündigungskosten seine Zelte in einem Land jederzeit abbrechen können. Das entspricht allenfalls den Interessen der heimatlosen Großkonzerne, die das Weltwirtschaftsforum finanzieren, nicht aber den Interessen von Staaten und ortsgebundener Unternehmen.

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Anmerkung: Es fällt mir schwer, diese beiden Texte zu lesen und ruhig dabei zu bleiben. Diese wenigen sehr reichen Menschen, die es dem Großteil der übrigen Menschheit schlichtweg verwehren, ebenfalls ein halbwegs gutes, von materiellen Sorgen freies und selbstbestimmtes Leben führen zu können, fabulieren in den schrillsten Tönen über die selbst produzierte Krise. Dabei geht es noch nicht einmal darum, dass die Bande befürchtet, einen Teil ihrer bereits ergaunerten und erpressten Milliarden wieder verlieren zu können - es geht schlicht um die Befürchtung, dass das weitere ungehemmte, exponentielle Wachstum dieser grotesken Vermögen auf Kosten der übrigen Menschheit und der Natur vielleicht zukünftig etwas gehemmt werden könnte.

Zu einer solchen geballten Anhäufung von Niedertracht fällt mir nicht mehr viel ein. Es ist mehr als infam, was diese Bande sich erlaubt - und was wir ihr erlauben. Dass Merkel und Cameron sich in dieser anrüchigen Gesellschaft sehr wohl fühlen, überrascht nicht weiter.

Auch zu diesem Thema lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, denn selbst dieses alberne Milliardärsgejammer ist nichts Neues:

Die "große Mode"

Allgemach wird das zum Speien,
hört man überall die Leute
nichts als jammern, nichts als schreien,
dass die Zeiten trostlos seien:
Pleite - Pleite - Pleite - Pleite ---!

Seht euch um: wer sind die Knaben,
die so hilfeheischend flennen?
Sind's, die nichts zu fressen haben,
hungernd durch die Straßen traben
und die nachts auf Bänken pennen -?

Oder sind's die meist recht feisten
sogenannten obren Klassen,
die am lautesten und meisten
ihren aufdringlichen, dreisten
SOS-Ruf hören lassen?

Millionen hungern, frieren,
haben kaum das trockne Brot -:
und zehntausend kokettieren,
um davon zu profitieren,
mit der "allgemeinen Not" ---

(Karl Kinndt alias Reinhard Koester, in "Simplicissimus", Heft 50 v. 09.03.1930)

Montag, 13. Februar 2012

Politik heute und damals: Steuer für Kinderlose

Heute (2012):

Vorstoß aus der CDU: Kinderlose sollen zahlen / (...) Zur Entlastung der Kranken- und Pflegeversicherung hat eine Gruppe jüngerer Unionsabgeordneter eine Sonderabgabe für Kinderlose gefordert. Die Gruppe um den sächsischen CDU-Politiker Marco Wanderwitz macht sich laut einem Bericht des Magazins "Spiegel" für eine "solidarische Demografie-Rücklage" stark, die bereits ab 2013 erhoben werden solle. Bis 2025 soll auf diese Weise ein zweistelliger Milliardenbetrag zusammenkommen.

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Damals (1930):

Steuer für Junggesellen und kinderlose Ehepaare


"Die Bande macht bloß Kinder, um sich vor der Steuer zu drücken!"

(Zeichnung von Karl Arnold, in "Simplicissimus", Heft 12 v. 16.06.1930)

Anmerkung: Hiermit möchte ich eine kleine, sporadische Reihe beginnen, welche nicht nur die bloßen Ähnlichkeiten zwischen der zuende gehenden Weimarer Republik und der heutigen politischen Lage, sondern sogar exakte Themengleichheiten aufzeigen soll. Derer gibt es erschreckender Weise nicht wenige - und die Tatsache, dass die satirische Zeitschrift Simplicissimus aus der Zeit der Weimarer Republik komplett im Netz einsehbar ist, erleichtert dies ungemein.

Was noch weiter zu belegen sein wird: Die Politik, die wir momentan erdulden müssen, ist in weiten Teilen eine Kopie der Ereignisse aus den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Dieser ewig gestrige "Vorstoß" aus der CDU bezüglich der Zusatzabgaben für Kinderlose, die von Reichskanzler Brüning 1930 kurzzeitig erhoben wurden, bildet nur den Einstieg in diese Reihe, an deren Ende hoffentlich nicht dasselbe furchtbare Verhängnis auf uns wartet wie seinerzeit.

Nur am Rande sei bemerkt, dass diese abstruse Forderung sogar noch älter ist - die Simplicissimus-Seite vermerkt für die erste Erwähnung das Jahr 1907 und weist darauf hin, dass diese Abgabe erstmals 1911 in Mecklenburg eingeführt wurde. Sonderlich erfolgreich und langlebig war sie indes anscheinend nicht - was die CDU natürlich nicht daran hindert, denselben Unfug 101 Jahre später erneut zu fordern.