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Die Gesellschaft ist nicht ausreichend sensibilisiert, was die Diskriminierung von Sinti und Roma angeht. Das zeigt Hans-Peter Friedrichs Versuch, Roma im Eilverfahren aus dem zu Land jagen. Anmerkungen zum Holocaust-Gedenktag. (...)
[Die negativen Stereotype über den Juden oder den "Zigeuner"] sind der Schatten von jenen Eigenschaften, die die Mehrheit an sich selbst nicht wahrhaben möchte. Für Hitler verkörperten Sinti und Roma ein "Gegenbild zur Herrenrasse". Die Vorurteile haben überlebt – auch wenn sie heute subtiler in Erscheinung treten. Im Gegensatz zum Bürgerlichen stehen "Zigeuner" für das Vorzivilisatorische und Wilde, also das Arbeitsscheue und Sittenlose.
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Anmerkung: In die Riege der "alltäglichen Rassisten", die sich quer durch die gesamte neoliberale Einheitspartei zieht, hat sich auf Seiten der "Sozialdemokratie" zu Thilo Sarrazin ein weiterer bemerkenswerter Lokalpolitiker, diesmal aus Bremen, gesellt, der mit erfrischenden Formulierungen wie diesen aufgefallen ist: "Es muss erstaunen, dass eine so hoch entwickelte Stadt wie Bremen ihre Liebe zu Roma und Sinti entdeckt, die, sozial und intellektuell, noch im Mittelalter leben, in einer uralten patriarchalischen Gesellschaft. (...) Es ist ein Patriarchat, dessen Männer keine Hemmungen haben, die Kinder zum Anschaffen statt zur Schule zu schicken, ihren Frauen die Zähne auszuschlagen und sich selber Stahlzähne zu gönnen. Viele der jungen Männer schmelzen sich mit Klebstoffdünsten das Gehirn weg."
Zu solchen Ergüssen, die in rechtsradikalen Kreisen sicherlich mit stehenden Ovationen und hochgereckten rechten Armen gefeiert würden, fällt mir - abgesehen vom Griff zur Kotztüte - nicht mehr viel ein. Ich bin aber davon überzeugt, dass nicht wenige Menschen ganz ähnlich denken willkürliche Vorurteile hegen und pflegen, sich das Aussprechen aber (noch) nicht so recht getrauen. Auch der Innenminister H.P. Friedrich gehört zur illustren Runde dieser selbsternannten "Herrenmenschen": "Mit Eilverfahren an der Grenze will Friedrich die Roma wieder aus dem Land jagen, die zuvor aus erbärmlichen Verhältnissen fliehen mussten", berichtet die Frankfurter Rundschau. Da wächst zusammen, was zusammen in den Abfall gehört - egal ob SPD oder CSU. Inwiefern dieser Antiziganismus heute allerdings "subtiler" sein soll als vor 90 Jahren, wie die FR meint, erschließt sich mir nicht. Oder ist nach der Meinung des Autors alles "subtiler", was nicht direkt zu Konzentrationslagern und Vernichtung führt?
Ich darf an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass es derartige negative Stereotype natürlich auch in Bezug auf viele andere menschliche Gruppen gibt - die alltägliche Hetze gegen Muslime, Türken, Schwarze, Erwerbslose und viele andere zeigt das ja deutlich. Es bereitet mir große Sorge, dass es inzwischen fast schon selbstverständlich auch innerhalb der Politik wieder solche Spinner gibt, die ihren rechtsradikalen gedanklichen Unrat ungefiltert in die Welt posaunen. Der Schritt von der verbalen zur "handfesten" Diskriminierung samt aller böser Folgen ist ein verdammt kleiner.
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"Der Mensch ist ein politisches Geschöpf, das am liebsten zu Klumpen geballt sein Leben verbringt. Jeder Klumpen hasst die andern Klumpen, weil sie die andern sind, und hasst die eignen, weil sie die eignen sind. Den letzteren Hass nennt man Patriotismus."
(Kurt Tucholsky: Der Mensch. In: "Die Weltbühne", Nr. 24 vom 16. Juni 1931)
(TSOL [True Sound of Liberty]: "Nothing For You", aus dem Soundtrack-Album zu dem Film "The Return of the Living Dead", 1985)
I got nothin' for you, well, you can look under my rug
I got no smack for you, you're entranced from that drug
I got no tears for you, I got nothin' to worry about
I got no fear for you no, no, no, my guns it just lay around
Well, my body is achin' inside out and my nose is always cold
Am I still twenty-four or am I starting to grow old? Am I growin' old?
Suicide is just a state of mind, not for me, I've got places to hide
And day to day, nights are wicked, stealin' is my way of life
I got to pay my bills today, where'd I leave my knife
Say no, no, no, no
I've got nothin' for you
I've got nothin' for you
I've got nothin' for you
Anmerkung: Wer die genialen ersten drei Teile dieses Filmwerks (die späteren Teile sind leider nur noch Trash-Kino) noch nicht kennt, sollte sie sich unbedingt anschauen - möglichst in der unzensierten Fassung aus Österreich. Das sind nicht nur Meilensteine des Zombie-Films, sondern auch Garanten für entspannendste Unterhaltung mit vielen derben Sprüchen und Szenen, die allesamt auch zum Kapitalismus passen, der bekannter Maßen ja ähnliche Auswirkungen hat wie eine Zombie-Apokalypse. Ich werde nie den Auftritt des ersten Zombies im ersten Teil vergessen, der mich damals im wahrsten Sinne des Wortes unter den Tisch gebracht hat - wohlgemerkt: vor Lachen.

Vier exzellente Ermittler, die am Finanzplatz Frankfurt die Banken das Fürchten lehrten, werden vom Staat für paranoid erklärt. Jetzt klagen sie gegen das Land Hessen. Gutachten, die Capital exklusiv vorliegen, belegen: Die Diagnose ist nicht haltbar. Report einer staatlich inszenierten Zwangspsychiatrisierung.
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Anmerkung: Diese Horrorgeschichte aus dem Hessen des Widerlings Roland Koch dürfte den meisten bereits bekannt sein - hier ist sie aber in einer prägnanten und wunderbaren Form zusammengefasst, wie ich sie andernorts noch nicht gefunden habe - inklusive der Gegengutachten. Es liegt aus meiner Sicht nahe, dass Kochs völlig überraschende und überhastete Flucht im Jahr 2010 aus allen politischen Ämtern unter anderem mit dieser zum Himmel stinkenden Geschichte zu tun hatte. Dennoch muss sich der Mann keine Sorgen machen: In der Bananenrepublik Deutschland wird kein Politiker, der zugunsten der Superreichen gehandelt hat, jemals bestraft - ganz egal, welche Betrügereien, Lügen oder kriminellen Handlungen da auch stattgefunden haben mögen.
In Deutschland wandern beispielsweise verarmte "Schwarzfahrer" in den Knast, weil sie ihre Strafe nicht bezahlen können, oder auch Menschen, die möglicherweise per Megaphon andere dazu aufgerufen haben, sich gegen Nazis zu stellen - aber in diesem korrupten System werden wir es niemals erleben, dass Lügner und Betrüger wie Koch oder Mappus und viele, viele andere angeklagt oder gar verurteilt werden.
Zudem ist die gängige Praxis der Zwangspsychiatrisierung in Deutschland generell ein Feld, auf dem die pure Willkür herrscht und das sich glänzend dafür eignet, missliebige Personen dauerhaft entfernen zu lassen bzw. mundtot zu machen. Inzwischen ist das sogar - wie immer ohne ein wesentliches mediales Echo - vom Bundestag in ein Gesetz gegossen worden.
Was unterscheidet einen Staat, der Kritiker oder einfach nur Beamte (sic!), die ihren Job ernst nehmen und superreichen Steuerhinterziehern nachspüren, kurzerhand mithilfe von gekauften und gefälschten "psychiatrischen Gutachten" entsorgt, doch gleich von einem Horror- und Unrechtsstaat? Was ist das bloß für ein Gesindel, das sich in dieser politischen Klasse herumtreibt! Solchen Figuren würde niemand, der bei halbwegs wachem Verstand ist, einen gebrauchten Wasserkocher abkaufen - und dennoch sitzen sie in höchsten Ämtern und "Würden" direkt an den Schalthebeln der Macht. Und wenn das Pflaster doch einmal zu heiß wird wie im Falle Kochs, wechselt man eben schnell auf die Seite der zuvor begünstigten Konzerne, die für solche Gesellen stets eine offene Tür und ein lukratives Pöstchen haben. So funktioniert das perfide Spiel der politischen Korruption schon seit weit über hundert Jahren. Und nichts, wirklich gar nichts deutet darauf hin, dass sich das in absehbarer Zeit ändern könnte.
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"Aus der Partei habe ich rausgemusst wegen meiner dicken Taschen, und zu meiner Haustür komm ich nicht mehr rein."
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 02.03.1925)
Du bekommst einen Brief, der dich maßlos erbittert? Beantworte ihn sofort. In der ersten Wut. Und das lass drei Tage liegen. Und dann schreib deine Antwort noch mal.
(Peter Panter alias Kurt Tucholsky [1890-1935]: Schnipsel, in: "Die Weltbühne", Nr. 21 vom 24.05.1932)

Die bayrische Arbeits- und Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) fordert härtere Sanktionen bei Hartz IV. / Nach ihrer Ansicht gebe es bei Hartz IV noch "zu wenig Leidensdruck" für die betroffenen Menschen. (...)
Haderthauer verlangt nun von der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), den Katalog von Strafen deutlich zu erweitern. Zudem müssten die derzeitigen Arbeitsmarktinstrumente erweitert werden, um "Langzeitarbeitslose zurück in die Arbeit" zu bringen. Neben der Jobsuche sollen Jobcenter-Mitarbeiter auch eine Art "Lebenskompetenz" beibringen, wie beispielsweise den "Umgang mit Haushaltsgeld".
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Anmerkung: Allmählich fällt mir zu den immer absurder und menschenfeindlicher werdenden Attacken gegen Hartz-Terror-Opfer - momentan meistens aus der Union oder FDP - nichts mehr ein. Sobald der Wahlk(r)ampf vorüber ist, werden wir derlei Misstöne natürlich auch wieder von der SPD und den Grünen zu hören bekommen - selbstverständlich ist keine dieser neoliberalen Blockparteien daran interessiert, dem immer größer werdenden Heer der Zwangsverarmten tatsächlich zu helfen. Ganz im Gegenteil - die Zwangsverarmung, Schikanierung und Drangsalierung weiter Bevölkerungsteile ist ja ein Teil des neoliberalen "Konzepts" zur Mästung der Superreichen. Die asoziale "Sozialministerin" aus dem schwarz-braunen Süden benutzt ja sogar das entlarvende Wort "Leidensdruck" - die Bande versteckt sich nicht einmal mehr hinter irgendwelchen verschleiernden Fassaden, sondern sagt frank und frei, was christlich-unionistische Sache ist: Wer seinen Job verliert, hat gefälligst zu leiden - und zwar so stark, dass er oder sie jeden auch noch so üblen Drecksjob freudig jauchzend annimmt, um eben diesem Leiden schnellstmöglich wieder entfliehen zu können. Und auch wenn Familienangehörige, Kinder, Kranke, Alte, Behinderte dabei mitleiden müssen, ist das trotzdem eine richtig gute Sache aus neoliberaler Sicht.
Ich mag mir gar nicht in allen Farben ausmalen, welch ein widerwärtiges Menschenbild hinter einer solchen Denkweise steckt - mit "christlich" oder "sozial" hat es aber in jedem Falle genauso viel zu tun wie eine stinkende Senkgrube. Dazu gehört auch die allzu zynische Bemerkung bezüglich des "Umgangs mit Haushaltsgeld" - nach dem Motto: "Wir geben dir viel zu wenig Geld zum Überleben und zeigen dir dann, wie du das am besten rationieren kannst, damit du vielleicht doch nicht verhungerst, während wir selber zunehmend in Saus und Braus leben". Allein dafür könnte ich diese Frau und ihre SpießgesellInnen - mit Verlaub - stundenlang immer wieder ohrfeigen.
Wohin mag das führen? Während rezessionsbedingt weiterhin stetig tausende Arbeitsstellen vernichtet werden, wird die Bande den Druck auf die so in den Hartz-Terror gezwängten Menschen immer weiter erhöhen: Man muss kein Pessimist sein, um hier das gewaltige Potenzial für einen neuen Faschismus zu erkennen. Die Saat ist gesät, sie wird fleißig gedüngt und gegossen, und sie beginnt zu keimen ...
So züchtet sich diese Verbrecherbande, die ich nur noch unter Prusten und debilem Sabbern als "Volksvertreter" bezeichnen kann, gemeinsam mit der schmierigen "Elite" wie vor 90 Jahren genau die menschenfeindliche Bevölkerung heran, die ihrem eigenen perversen Menschenbild entspricht.
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Sparmaßnahmen

"Wir müssen unsere Lebenshaltung jetzt auf eine schmalere Basis stellen!"
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 41 vom 07.01.1924)
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos redete die Kanzlerin endlich einmal Klartext und stellte die Grundzüge ihrer Agenda für Europa vor. Die Kanzlerin hat nichts, aber auch gar nichts verstanden und will nun die Gunst der Stunde nutzen, um Europa bereits in diesem Jahr von Grund auf umzukrempeln. Durch die Blume gab sie dabei auch zu, dass ihr die Eurokrise keineswegs ungelegen kommt, um ganz Europa einer neoliberalen Agenda zu unterwerfen. Wer sich die Mühe macht, Merkels Rede durchzulesen, kommt selbst als abgeklärter Kritiker neoliberaler Politik aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Versuch einer Analyse.
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Anmerkung: Dieser Text von Jens Berger beschreibt recht gut, was Merkel und ihre neoliberale Zerstörerbande mit Europa vorhaben - dem habe ich nicht viel hinzuzufügen. Ich muss dem Autor aber dennoch in einem Punkt widersprechen: Merkel hat sehr wohl verstanden; sie setzt ihre finsteren Pläne ja nicht zufällig oder versehentlich in die Tat um, sondern mit voller Absicht und mit dem Wissen um die furchtbaren Folgen für die Mehrheit der Menschen in Europa. Dass sie dabei einen fast uneingeschränkten, kritiklosen Rückhalt in den Massenmedien genießt, so dass sie mit keinerlei Gegenwind rechnen muss, ist keine Neuigkeit, mir aber nach wie vor unbegreiflich.
Wenn man sich vor Augen hält, dass diese Bande trotz der katastrophalen Zustände in Griechenland, Spanien und Portugal auch weiterhin ihrem zerstörerischen Kurs treu bleibt und die Dosis der Zerstörungen sogar weiter erhöhen und auf ganz Europa ausdehnen will, bleibt als Erklärung nur die schnöde Tatsache übrig, dass sie es mit voller Absicht und eiskalter Berechnung tut. Man muss es in einem "Wahljahr" deutlich sagen: Wer CDU, FDP, SPD oder Grüne wählt, der wählt die Zwangsverarmung weiter Bevölkerungsteile - und es ist albernes, infantiles Wunschdenken, darauf zu bauen, dass man selber mittel- bis langfristig davon verschont bliebe. Das wird aller Voraussicht nach die Mehrheit der Deutschen nicht davon abhalten, dennoch einmal mehr ihre eigenen Schlächter zu wählen.
In einem Land, in dem nach dem Rücktritt einer Ministerin die Kanzlerin höchstselbst ganz allein wie eine Monarchin darüber befindet, wer der Nachfolger oder die Nachfolgerin wird, während die Bevölkerungsmehrheit sich trotzdem weiterhin in einem "freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat" wähnt, in dem "alle Macht vom Volke ausgeht", darf man sich aber ohnehin über nichts mehr wundern. Und wenn Merkel im Herbst wider Erwarten doch abdanken muss, wird es die nächste neoliberale Hoheit gewiss nicht anders handhaben.
"Herzlich willkommen in der Sklaverei", hieß es im Kapitalismus ja schon immer. Der neue Gruß wird für die große Mehrheit der Menschen in Europa aber schon bald lauten: "Herzlich willkommen in der Sklaverei und in der bitteren süßen Armut!"
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Der deutsche [europäische] Mittelstand

(Radierung von Kurt Meyer-Eberhardt [1895-1977], in "Simplicissimus", Heft 39 vom 27.12.1922)
(The Eric Burdon Band: "Don't Let Me Be Misunderstood", aus dem Album "Sun Secrets", 1974)
Baby, do you understand me now?
If sometimes you see that I get mad
Don't you know no-one alive can always be an angel
Everything's go wrong, you seem so bad
I'm just a soul whose intentions are good
Oh Lord, please don't let me be misunderstood
Baby, sometimes I get so carefree
With a joy that it's hard to hide
Then again it seems like, well, all I have to do is worry
You turn me round and see my other side
I'm just a soul whose intentions are good
Oh Lord, please don't let me be misunderstood
If I get edgy, I want you to know
That I never mean to take it out on only you
Life has its problems, I've got more than my share
And there's one thing I never mean to do
Because I love you ... don't you know.
I have never thoughts about any other one
Sometimes I find myself alone regretting
Some foolish thing, some simple thing I've done
I'm just a soul whose intentions are good
Oh Lord, please don't let me be misunderstood
If I get edgy, I just want you to know
That I never mean to take it out on only you
Life has its problems, I've got more than my share
And there's one thing I never mean to do
Because I love you ... don't you know.
I have never thoughts about any other one
Sometimes I find myself alone regretting
Some foolish thing, some simple thing I've done
I'm just a soul whose intentions are good
Oh Lord, please don't let me be misunderstood
[...]
I'm just a soul whose intentions are good
Oh Lord, please don't let me be misunderstood ...

Anmerkung: Diese wunderbar lange Version des altbekannten Bluessongs ist für mich persönlich die beste, die ich kenne - die Schlagzeugarbeit ist anbetungswürdig und das elendig lange, quälende Gitarrensolo, das sich am Ende fast unentwirrbar mit dem Geschrei des Ausnahmesängers Burdon mischt, geht tief ins Knochenmark, wenn man sich darauf einlässt. Aus der nebeligen Erinnerung heraus weiß ich, dass dieser Song mit alkoholischen oder pflanzlichen Stoffen im Blut bei brüllender Lautstärke noch intensiver wirkt, aber auch ganz ohne geistige Vernebelungen bleibt er für mich ein Glanzlicht der Rockgeschichte. Viel Spaß und ein schönes Wochenende! :-)
(...) Das "Dschungelcamp" ist deshalb so erfolgreich, weil es bestimmte Bedürfnisse bei einem immer breiter werdenden Publikum befriedigt, die zuvor in solch einer Intensität nicht präsent waren. Es ist gewissermaßen ein Produkt der "Mitte", in der sich immer stärker die Wünsche regen, andere Menschen erniedrigt, gequält, unterworfen und ausgebeutet zu sehen. Der Erfolg des Dschungelcamps verweist somit auf ein sich immer stärker aufstauendes autoritäres Potenzial in der Bevölkerung. (...)
Dabei stellt dieses Fernsehformat keine vollständige Innovation dar. Die historischen Vorläufer der heutigen Demütigungs-Shows finden sich in den 20er und 30er Jahren, als sogenannte "Tanzmarathons" in Mode kamen, bei denen die Teilnehmer mitunter wochenlang bis zur totalen Erschöpfung um ein Preisgeld gegeneinander tanzen mussten. Und es sind gerade solche Manifestationen kaum gezügelten Sadismus, die einen zuverlässigen Indikator für die Zunahme autoritärer und reaktionärer Einstellungen in der Gesellschaft, wie etwa der späten Weimarer Republik, liefern.
Angefacht von der Weltwirtschaftskrise der frühen 30er Jahre, machten sich in der Weimarer Zeit lange vor der Machtergreifung [sic!] der Nazis autoritäre und reaktionäre Anschauungen breit, die oftmals gänzlich "unpolitisch" wirkten, aber beim genaueren Hinsehen einen Ausblick in den Abgrund erlaubten, auf den das Land zusteuerte. Der Faschismus kam somit nicht aus heiterem Himmel über Deutschland. Eine scharfsinnige und immer noch beeindruckende Auseinandersetzung mit dem deutschen Präfaschismus, der genau dieses Kunststück gelang, ist die 1932 von Ernst Bloch verfasste, 1935 in Zürich publizierte Schrift "Erbschaft dieser Zeit", in der an ein Tabu der damaligen linken Faschismusdebatte gerührt wurde: Der Verfasser benennt nicht nur die Finanziers und Unterstützer der NSDAP in Kapitalkreisen, Militär und Staatsapparat, er legt auch die autoritären Dispositionen bei großen Teilen der Bevölkerung offen, die in der Linken immer noch allzu oft als einfaches "Volk" idealisiert wird. (...)
Da dem autoritären Charakter ein Aufbegehren gegen die Verhältnisse, die ihn in den Irrsinn treiben, unmöglich scheint, bricht sich die so angestaute Wut gegen Schwächere Bahn. Menschen, die von der kriselnden Kapitalverwertung zu Objekten gemacht und ausgepresst werden, ergötzen sich daran, andere zu Objekten degradiert zu sehen. Der angestaute Druck muss weitergeleitet werden, weswegen das Publikum es liebe, "arme Hunde so zu hetzen, wie es die Reichen mit einem selber tun" (Bloch).
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Anmerkung: Diesen Beitrag von Thomasz Konicz möchte ich zur allgemeinen Pflichtlektüre erheben - es ist sehr erhellend, den peinlichen Medienzirkus unserer Zeit einmal in einen etwas größeren Kontext eingeordnet zu sehen - auch wenn kleine Ausfälle wie die "Machtergreifung der Nazis" vorkommen. Ich muss zugeben, dass ich im Vorfeld weder das "Dschungelcamp", noch eine jener albernen Casting-Shows kannte - nach der Lektüre dieses Textes habe ich mir aber einige im Netz verfügbare Ausschnitte daraus angesehen. Mein Entsetzen war ... erheblich.
Auch dem Fazit des Autors kann ich mich nur warnend anschließen: "Der heutige Faschist bezeichnet sich nicht selten als moderner Demokrat, der unbequeme Wahrheiten mutig ausspreche. Aus reinen Kostenerwägungen heraus wolle er gegen 'Kostenfaktoren' der deutschen Leistungsgemeinschaft vorgehen, die erst wieder am Stammtisch als 'Schmarotzer' und 'Parasiten' bezeichnet werden (Die extremistische Gesellschaft)." In diesem Zusammenhang habe ich auch hier im Blog schon mehrfach über aktuelle Studien zur von Heitmeyer so bezeichneten "verrohenden Mitte" und andere Arbeiten berichtet, die Anlass zu großer Sorge geben. Der hier verlinkte Text von Konicz reiht sich nahtlos in diese Abfolge von berichteten Scheußlichkeiten ein.
Wir sollten dieses Mal die Warnungen ernst nehmen. Ernst Bloch schrieb in dem erwähnten Werk "Erbschaft dieser Zeit" (1932/1935): "Hier wird breit gesehen. Die Zeit fault und kreißt zugleich. Der Zustand ist elend oder niederträchtig, der Weg heraus krumm. Kein Zweifel aber, sein Ende wird nicht bürgerlich sein."

Es gibt keinen Weihnachtsmann.
Es gibt keinen Osterhasen.
Es gibt keinen Gott.
Der Klapperstorch bringt auch keine Kinder
und Maria hat gefickt,
sonst wäre sie nicht dick geworden.
Jesus Christus ist nicht auferstanden von den Toten
und all euer christliches Zeugnis ist eitel.
Gott ist nur eine Maske, die der Teufel trägt.
Den Teufel aber gibt es wirklich,
denn der Teufel, der bist Du!
Der Teufel,
das ist die Erbschaft des Neandertalers
in uns allen.
Der liebte seinen Nächsten
in guter Butter gebraten zum Frühstück.
Religion ist Reklame für den Tod,
Religion ist die raffinierteste Mordmethode,
mit der Menschen sich gegenseitig umbringen.
Die Jäger reden ihr Jägerlatein,
die Seeleute spinnen ihr Seemannsgarn,
und die Pfaffen predigen ihren Glauben.
Dass es keinen Gott gibt, wird schon dadurch bewiesen,
dass nicht jeder Pfaffe vom Blitz erschlagen ist.
"Pastor" heißt "Hirte".
Jeder Hirte hat zwei Gründe,
gut für seine Schäfchen zu sorgen:
erstens, er will sie scheren,
zweitens, er will sie fressen.
(Theodor Lessing [1872-1933], in: Gerd Haffmans (Hg.): Kleiner Atheismus-Katechismus, 1993; ursprüngliche Quelle und Entstehungszeit nicht genannt)

(Bild: Uni Oldenburg)
Acht Jahre ohne Strom / Manche Hartz-IV-Empfänger zahlen fast die Hälfte ihres Regelsatzes für Strom. Und wenn die Kosten steigen, muss anderswo gekürzt werden, notfalls beim Essen. In Kiel helfen Energieberater armen Haushalten beim Stromsparen.
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Anmerkung: Die in diesem taz-Artikel berichteten Fälle und Fakten sind in der Tat bestürzend - allerdings ist es dennoch ein Text, über den ich mich aufregen muss, da er nur so starrt vor lauter Klischees, ungenauen Informationen und unkommentierten Idiotien. Einige Beispiele will ich dafür anführen:
1. "Vor allem die Energiewende treibt den Strompreis", behauptet die Autorin kurz und knapp im Text und folgt damit der Propaganda der Energiekonzerne. Es ist inzwischen ja vielfach belegt, dass die kräftigen Energiepreiserhöhungen - neben den üppigen Profiten für die Konzerne - ganz andere Ursachen haben. So schreibt der BUND beispielsweise: "Nicht die Energiewende, sondern die vielen Ausnahmen zugunsten der Industrie und zu Lasten der Verbraucher treiben den Strompreis in die Höhe." Es ist rätselhaft, wieso die Autorin die Konzern-Mär in ihren Text eingebaut hat.
2. Es wird auch in diesem Text wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass es vollkommen "normal" und offenbar nicht in Frage zu stellen sei, dass in einem reichen Industrieland wie Deutschland, in dem Strom eine zentrale, nicht wegzudenkende Rolle im alltäglichen Leben spielt, einem Menschen der Strom abgestellt wird, wenn er - aus welchen Gründen auch immer - nicht zahlen kann. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob in dem betreffenden Haushalt Kinder, Alte, Kranke oder Behinderte leben. Diese Selbstverständlichkeit macht mich immer wieder fassungslos - und das betrifft nicht nur den Strom, sondern auch alle anderen "privatisierten" Güter und Dinge der Daseinsfürsorge wie beispielsweise die Krankenversicherung, die Wohnung oder zukünftig auch das Wasser. Ich schäme mich für ein Land, in dem Menschen der Strom oder künftig vielleicht das Wasser abgestellt wird, sie aus der Wohnung geworfen werden und ihnen ein Arztbesuch verweigert wird, weil sie - staatlich gewollt - verarmt worden sind. In der taz klingt das so, als sei diese Praxis nicht zu hinterfragen und im Grunde auch gar nicht so schlimm.
3. Die Aktion mit den "Energieberatern" für Arme ist ein bodenloser, stupider Witz - ich kann nicht nachvollziehen, weshalb diese Zeitung das zu einem ernsthaften, nicht kritisch betrachteten Thema macht. Als ob arme Haushalte irgendeine bedeutsame Rolle in Sachen Energieverschwendung spielten - das ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten! Wenn die Städte beispielsweise auf die Prunkbeleuchtungen der Innenstädte zur perversen Konsumweihnachtszeit verzichten würden, könnten sie unzählige arme Haushalte das ganze Jahr über mit Strom versorgen und hätten vermutlich noch ein Plus in der Bilanz. Aber statt dessen raten sie Hartz-Terror-Opfern allen Ernstes, Bücher in den Kühlschrank zu legen, damit dieser etwas weniger Strom verbraucht ... da zucken meine Augenlider wie bei einem Psychopathen auf Serienmördertour. Irgendein kritischer Kommentar zu diesem hochnotpeinlichen Unsinn findet sich in der taz nirgends.
4. Als "Energieberater" werden sebstverständlich keine Fachleute zu den Menschen geschickt, sondern wiederum Hartz-Terror-Opfer - Verarmte "beraten" sich selbst. Das allein wirft schon eine Menge Fragen auf, die allesamt im Text nicht gestellt werden. Zusätzlich vernebelt die Autorin das Bild weiter, indem sie feststellt: "Insgesamt gibt es dort sieben Sparberater, alle Langzeitarbeitslose. Für ihren Einsatz bekommen sie etwa 550 Euro Zuschuss zum Hartz-IV-Satz, finanziert als Bürgerarbeit von EU und Bund." Was mag damit gemeint sein? Gibt es die 550 Euro pro Monat? Das kann nicht sein, denn dann würde der Verdienst auf den Regelsatz angerechnet und es bliebe nur ein Selbstbehalt von 100 Euro übrig. Ist es also der Jahresverdienst? Dann wäre er allerdings so niedrig, dass es sich nur um wenige Arbeitsstunden pro Monat handeln kann, wenn der "Energieberater" nicht mit sittenwidrigen Hungerlöhnen abgespeist wird. Nichts Genaues weiß man nicht, der Text gibt nicht mehr her.
5. Es wird ein so klischeehaftes, natürlich negatives Menschenbild von "den" Hartz-Terror-Opfern im Artikel gezeichnet, dass man davonlaufen möchte. Da ist der Typ in Jogginghose, der den Termin verpennt hat, genauso vertreten wie die ekelhafte Selbstverständlichkeit, dass in "solchen" Familien selbstredend zuerst bei den Kindern gespart wird, wenn mal Geld fehlt. Diese Passage wird zwar einem der "Energieberater" als wörtliches Zitat in den Mund gelegt, aber auch nicht weiter kommentiert. Da kann sich der geneigte Mittelschichts-Grüne wieder wohlig-schauernd zurücklehnen und das asoziale Pack bemitleiden. Es hat sich offensichtlich in gewissen Kreisen noch immer nicht herumgesprochen, dass inzwischen jeder in Deutschland zum Opfer der Armut werden kann - obwohl sogar im Artikel das Beispiel des Architekten beschrieben wird, der zum Hartz-Terror-Opfer geworden ist. Ich kann mir dieses perverse Menschenbild nicht erklären. Wie kommen diese Leute bloß auf den irrsinnigen Gedanken, dass in armen Familien im Normalfall ausgerechnet zuerst bei den Kindern gespart wird?
6. Zu guter Letzt schießt eine Betroffene selber den Vogel ab: Eine Frau, die aufgrund von Stromschulden von sage und schreibe 150 Euro im Monat leben muss, sagt laut taz: "Doch Annett Marti klagt nicht. 'Ich muss die Ämter loben', sagt sie. 'Es muss ja keiner verhungern in Deutschland.'" - Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es Menschen gibt, die trotz bitterster Armut so einfältig denken und den krassen Widerspruch zum leistungslosen Luxus der "Elite" nicht sehen können - aber von einer Zeitung wie der taz erwarte ich da einen deutlichen Kommentar, der klar Stellung bezieht und diese devote, schmierige Ergebenheit gegenüber einem schikanösen, unfairen, ungerechtfertigten, grundgesetzwidrigen Unrechtssystem deutlich geißelt! Doch darauf wartet man vergeblich - mit diesen devoten, salbungsvollen Worten der fast schon religiösen Verklärung endet der Artikel.
Fazit: Ich kann mich nicht entscheiden, was schlimmer ist: Entweder dieser Text wurde bewusst so manipulativ und propagandistisch verfasst, um Stimmung zu machen, Feindbilder zu schüren und die stetig vorangetriebene "Privatisierung" zu begleiten - oder die Autorin denkt tatsächlich in diesen gruseligen Klischees und menschenfeindlichen Dimensionen. Beides wäre bzw. ist schlicht entsetzlich.
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"Bei deiner großen Operation hast du eine Platinrippe eingesetzt bekommen. Du wirst wissen, was du jetzt deiner Familie schuldig bist."
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 4 vom 21.04.1920)
Ich mag diesen ganzen Rotz - all die Lobudeleien auf Annette "Ich bin völlig unschuldig" Schavan quer durch die neoliberale Einheitspartei und die Propagandapresse - nicht verlinken ... wer diesen infamen Blödsinn lesen oder hören will, soll selber bei Tagespropagandaschau und Co. nachsehen. Ich frage mich nur zunehmend: Wie kann das sein, ohne dass sich eine stark wachsende Mehrheit der Bevölkerung ebenfalls nur noch angewidert an die Stirn tippt und sich im gänzlich falschen Katastrophenfilm wähnt?
Da ist seit vielen Wochen - größtenteils bereits seit vielen Monaten - im Netz Wort für Wort öffentlich nachlesbar, in welchem ungeheuerlichen Ausmaß diese Frau dreist ganze Abschnitte aus anderen Arbeiten, Büchern und Essays einfach kopiert hat, ohne das in irgendeiner Form (auch nicht in einer "falschen") kenntlich gemacht zu haben, und dennoch behauptet sie bis heute weiterhin steif und fest, das nicht getan zu haben. Da bleibt mir die Spucke weg und ich muss unwillkürlich an den "Suppenkasper" denken: "Ich esse meine Suppe nicht - nein, meine Suppe ess' ich nicht!" Mir stellt sich da nur noch die logische Frage: Wenn Frau Schavan es nicht gewesen ist, die dieses Plagiat erstellt hat, wer bitte war es dann? Denn dass diese Dissertation in weiten Teilen ein Plagiat ist, kann ja nun nicht mehr in Zweifel gezogen werden. Das kann man in Hollywood-Filmen vielleicht tun, wenn man mit dem blutigen Messer in der Hand neben der erstochenen Leiche angetroffen wird - aber dort möchte Frau Schavan gewiss auch nicht hin. Entweder hat sie frech und dreist abgeschrieben - oder sie hat es einen anderen Menschen tun lassen, was noch viel übler wäre. Wie man es auch dreht und wendet, der Gestank wird dabei immer widerlicher.
Mich widert das in der Tat nur noch an. Es ist nicht so sehr die Betrügerei selbst, die ich dabei so überaus verwerflich finde, obwohl sie übelriechend genug und mehr als Grund genug dafür ist, dass diese Frau kein politisches Amt mehr ausüben kann. Weitaus schlimmer ist der noch viel ekelerregende Umgang mit der Entdeckung und Bekanntmachung ihres Betruges - das war vor über neun Monaten! Darin übertrifft diese Frau sogar den ex-gegelten Lügenbaron Guttenberg noch, denn der hat - wenn auch zähneknirschend, reuelos und nur auf allergrößten Druck hin - das Vergehen zumindest teilweise und gewohnt elitär eingeräumt. Dem widersetzt Schavan sich jedoch hartnäckig - und erntet dafür von fast allen politischen und medialen Seiten tosenden Applaus und Bekräftigungen. Da stehe ich als einigermaßen normal denkender Mensch fassungslos im luftleeren Raum und kann nicht glauben, was ich da lese und höre. Es sind solche Vorgänge, an denen man den Grad der Verkommenheit eines politischen, medialen und gesellschaftlichen Systems sehr gut erkennen kann. Einmal mehr muss ich auf den Namensgeber dieses Blogs - das Lied "Das Narrenschiff" von Reinhard Mey - verweisen. Wenn Betrug und Lügen zum Normalfall geworden sind, ist das finale Kapitel nicht mehr eingeläutet, sondern auf dem Weg zu seinem Ende. Siehe auch das Gedicht Karl Kinndts im letzten Post.
Doch Merkel wäre nicht die vom Kapital geliebte Merkel, wenn sie nicht wie gewohnt schon eine fiese Trumpfkarte im dunklen Ärmel hätte - wir dürfen nämlich gewiss sein, dass die Nachfolgerin, Johanna Wanka, den begonnenen Zerstörungskurs Schavans (u.A. die Beschneidung der gymnasialen Oberstufe, die Einführung von Studiengebühren, die komplette Zerstörung der einstmals anerkannten und weltweit geneideten Hochschullandschaft u.v.m.) unvermindert oder gar noch härter weiterführen wird. Personen (und neoliberale Parteien) sind austauschbar in diesem System - die zerstörerische Agenda ist es nicht. Und beim Abschied in das postministerielle, finanziell fürstlich abgesicherte Leben auf Steuerzahlerkosten sind diese Zerstörungen dann "Leistungen" und "Erfolge". Vielen Dank, Frau "Schamanin", für alles - insbesondere für die auch nach Ihrem Luxusrentenbeginn ohne albernen Doktortitel weiterhin immer schlechter ausgebildeten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen. Die schlimmen gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen Ihres "Wirkens" sind für Jahrzehnte völlig unabsehbar.
Da kommt mir der Sarkasmus des Zeichners Erich Schilling nur allzu bekannt vor, der 1925 angesichts des steigenden Verbrauchs von durch Skandale immer wieder ausgemusterten Ministern das folgende hübsche Gedenkblatt entworfen hat - so etwas bräuchten wir auch schon länger; und ich bin sicher, dass wirklich alle verstehen, welche fürstlichen Bezüge mit dem "vollen Glas" gemeint sind:
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Entwurf zu einem Gedenkblatt für scheidende Minister

"(Widmung: Wer treu gedient hat seine Zeit, dem sei ein volles Glas geweiht.) --- (Raum für Foto) --- Zur Erinnerung an meine Dienstzeit als Minister d__ ________________ der deutschen Republik vom ______ bis ______ 192_"
(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 34 vom 23.11.1925)
"Die Medien könnten die größte Friedensmacht der Welt sein, stattdessen werden sie als Kriegswaffen eingesetzt", sagt Amy Goodman. Kriegskritiker kämen in den USA praktisch nicht zu Wort, abweichende Meinungen würden ausgefiltert. Die Medienkonzerne gäben oft nur die Positionen der Konzerne und der Politiker wieder, die von Konzernen finanziert werden. So schrumpfe die von den Medien abgebildete Meinungsvielfalt in den USA zunehmend. "Ich nenne es 'die zum Schweigen gebrachte Mehrheit', denn diejenigen, die gegen Krieg, gegen Folter sind, die wegen Armut und der Kontrollmacht der Unternehmen tief besorgt sind, sind keine Randgruppe. Sie sind nicht einmal eine schweigende Mehrheit, sondern eine Mehrheit, die zum Schweigen gebracht wird. Sie wird mundtot gemacht von Medienunternehmen, und das müssen wir ändern."
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Anmerkung: Dieser bestürzende, aber keineswegs neue Befund gilt selbstverständlich nicht nur für die USA, auch wenn dort die Medienkonzentration und propagandistischen Aktivitäten der Massenmedien noch einen Tick ausgeprägter sein könnten als beispielsweise in Deutschland. Aber auch hierzulande sind Nachrichtensendungen wie die "Tagesschau" oder "heute" weit davon entfernt, seriös und pluralistisch zu sein. Wer sich einzig aus diesen Quellen informiert, mag sich vielleicht für "gut informiert" halten, ist aber bestenfalls indoktriniert und "auf Linie gebracht".
Es ist ebenfalls keine Neuigkeit, dass dasselbe auch für die gedruckten Erzeugnisse der großen Verlagshäuser gilt - es ist heute ja nur noch ein Treppenwitz, dass beispielsweise der Spiegel einmal als "linkes", gar "investigatives Nachrichtenmagazin" galt, das u.a. einen offensiven Kampf gegen die Schmutzerzeugnisse des Springer-Konzerns geführt hat. Dieser Kampf ist gründlich fehlgeschlagen - heute ist der Spiegel nur noch ein Teil der neoliberalen Kampf- und Propagandasuppe.
Diese permanente Entwicklung in Richtung Desinformation und Propaganda geschah natürlich nicht zufällig oder versehentlich - wir dürfen getrost davon ausgehen, dass diese in ihrer Wirkung bestens erforschten Macht-Instrumente von Anfang an ganz oben auf der neoliberalen Zerstörungs-Agenda standen - und wir erleben täglich, dass der perfide Plan tatsächlich funktioniert: Die große Mehrheit schaut sich diesen PR-Kram mehr oder weniger regelmäßig an, hält ihn für "seriös" oder gar "objektiv" und hält demnach Kritik an den bestehenden Verhältnissen für "extremistische Einzelmeinungen" einer kleinen Randgruppe. Anders ist es nach meiner Sicht gar nicht mehr erklärbar, dass über einen so langen Zeitraum hinweg konsequent und massiv eine Politik gegen die Interessen der Bevölkerung und zum Wohle eine sehr kleinen und sowieso schon vollkommen überprivilegierten "Elite" gemacht werden konnte, ohne dass nennenswerter Widerstand oder mehr zu beobachten war und ist.
Die Situation ist also noch viel, viel übler als Frau Goodman das im oben verlinkten Beitrag darstellt: Selbstverständlich ist es die überwältigende Mehrheit, die von diesem System ausgebeutet und verarmt wird; trotzdem aber stützt eine Mehrheit dieser Masse das System weiterhin - in der irrigen, durch stetige Propaganda und Indoktrination verursachten Annahme, das System nütze ihnen oder sei gar "alternativlos". Wer einzig falsche, unvollständige oder tendenziöse Informationen erhält, kann auch nur zu völlig falschen Schlüssen und Meinungen gelangen - diese Weisheit ist fast zu banal, als dass man sie aufschreiben müsste. Und dennoch mag sie einer großen Anzahl von Menschen heutzutage wohl als extrem exotisch, wenn nicht gar als "verschwörungstheoretisch" anmuten. Wir sind wahrlich weit gekommen.
Die wenigen medialen Inseln, die noch dagegen halten und - zumindest gelegentlich - etwas Licht ins vernebelnde Dunkel der Einheitspropaganda bringen, werden zunehmend rarer - das Verschwinden der Frankfurter Rundschau ist dafür ebenso ein Zeichen wie die massiven Beschneidungen der ehemals kritischen Politik-Magazine ("Monitor", "Kontraste", "Report aus Mainz" etc.) in der ARD. So verbleibt dem wissenshungrigen Bürger einzig das Internet als alternative Informationsquelle. Die dort tatsächlich vorhandene Vielfalt verlangt vom Leser aber eine gewisse Medienkompetenz, um Relevantes und Wahres vom großen Sumpf des Blödsinns und der verschieden gefärbten Propaganda zu trennen - eine Medienkompetenz, die viele Menschen aber niemals erlernt haben und heute erst recht nicht mehr erlernen können. So wird die Pluralität des Internets wiederum zu einem Fluch, wenn sie dazu führt, dass Menschen vermehrt auf krude Hetz-Seiten wie "PI", den KOPP-Verlag oder andere Wortkloaken klicken, um die in den Massenmedien verschwiegenen oder verfälschten Informationen zu bekommen.
Der naheliegendste Ausweg aus diesem Dilemma wäre natürlich eine kräftige Verstärkung der Vermittlung eben jener Medienkompetenz - doch wer kann oder soll das - flächendeckend - leisten? Die Schulen, die inzwischen immer mehr zu "Formungsanstalten für den kapitalistischen Konkurrenzkampf" werden? Die Familien, in denen die "Tagesschau" als "seriöse Nachrichtensendung" gilt? Das Internet, wo man neben wunderbaren, treffenden, wertvollen und relevanten Beiträgen massenhaft auch Propaganda, Hetze und Desinformation findet?
Eine Frage, auf die ich - wie so oft - keine Antwort habe. Die "zum Schweigen gebrachte Mehrheit" wird wohl auch weiterhin aufgrund falscher Informationen schweigend zustimmen, und wir können nur hoffen, dass der Ausgang diesmal nicht in einer vergleichbaren Katastrophe wie in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts endet.
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Skandal über Skandal
Nun stürzte auch die Berliner Bank
für Handel und Grundbesitz!
Was Einen gesund macht, macht Tausende krank -:
zum Himmel wallt auf ein übler Gestank,
aber Gott sendet keinen Blitz ---
Keinen Blitz, der das ganze Gesindel erschlägt,
das sich mästet von fremdem Geld,
das die Ärmsten bestiehlt und Schlingen legt
jedem Törichten, der noch Vertrauen hegt
zu den "Großen dieser Welt" ---
Herr Katzenellenbogen ist frei:
es besteht da kein Fluchtverdacht -
der Staatsanwalt mimt ein bisschen Geschrei -
Das macht sich gut. Doch es bleibt dabei.
Mit Geld wird alles gemacht!
Doch zwei Schriftsteller kriegten vom Feme-Gericht
in Leipzig dafür ihr Teil!
Wer die Wahrheit weiß und verschweigt sie nicht,
der ist für die Herrn ein erbärmlicher Wicht -:
Das ist Deutschlands Erwachen! Heil!
Bald zeigt man uns im Jahrmarkts-Zelt
den "Letzten ehrlichen Mann".
Und ärztlicherseits wird festgestellt,
dass er nur, weil ihm Groß- wie auch Kleinhirn fehlt,
weder schwindeln noch stehlen kann ---
(Karl Kinndt alias Reinhard Koester [1885-1956], in "Simplicissimus", Heft 36 vom 07.12.1931)
Anmerkung: Wer mehr über den leider und zu Unrecht völlig vergessenen Autor Reinhard Koester erfahren will, dem sei das "Reinhard-Koester-Lesebuch", herausgegeben von Dieter Sudhoff, Köln 2004, sehr ans Herz gelegt. Das Buch ist als pdf hier kostenlos erhältlich; das ausführliche Nachwort des Herausgebers enthält eine Fülle von interessanten Informationen über den Autor.
German industry was only saved by the Nazi government’s rearmament policies after 1934. This was one of the reasons why Germany’s big business supported the Nazis until the bitter end. Those can be the political consequences of a “liquidate everything” ideology that plunges entire economies into the economic and social abyss.
(Fabian Lindner, Ökonom am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, IMK, im "Social Europe Journal" vom 18.01.2013)
Anmerkung: Der gesamte Artikel ist sehr lesenswert und eine einzige vernichtende Kritik der so genannten Austeritätspolitik der neoliberalen Bande mit Merkel an der Spitze. Wer hier gelegentlich mitliest, weiß, dass ich auf die Parallelen mit der Weimarer Zeit schon seit Längerem immer wieder hinweise - inzwischen sind diese Offensichtlichkeiten glücklicherweise auch in anderen Blogs sowie im IMK angekommen. Wir können allerdings sicher sein, dass die Bande trotzdem nicht eine Handbreit von ihrem Katastrophenkurs abweichen wird - da muss faktisch erst der Himmel auf uns herabstürzen, damit diese Wahnsinnigen auch nur bemerken, dass irgendetwas vollkommen aus dem Ruder läuft. In jenen Kreisen paaren sich Inkompetenz, Egoismus, Habgier und Korruption aufs Frucht- und Furchtbarste mit Ignoranz.
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Brüsseler Finanzkonferenz

"Niemand von uns hat mehr Geld, aber Deutschland [heute: Griechenland] hat am wenigsten. Also muss es zahlen!"
(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 30 vom 20.10.1920)
Früher war alles besser! Diesen Satz hat bestimmt jeder schon einmal in den Mund genommen. Zwar kann man nicht zurück in diese Zeiten, dafür kann man sie sich aber ins Hier und Jetzt holen. Und zwar direkt auf den heimischen PC.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Die im Text vorgestellten Nostalgie-Seiten sind allesamt sehr amüsant: Wenn Du noch einmal den Neustart von beispielsweise Windows 3.1, Windows 95 oder Rhapsody erleben möchtest, bist Du auf der "Restart Page" gut aufgehoben. Wenn Du das "Narrenschiff" oder eine beliebige andere Internetseite im Grafikstil der 90er Jahre anschauen möchtest, ist der "Geocitiesizer" ein lohnendes Ziel - so sahen meine ersten Webseiten damals auch aus. Und wenn Du mal wieder "Donkey Kong" oder viele andere Klassiker zocken möchtest, besuche "Pica Pic".
Ich fühle mich gerade wie ein Tattergreis, der jammervoll die "gute, alte Zeit" beschwört ... ;-) Hach ja.

Wir arbeiten, um Leute zufriedenzustellen, die wir nicht mögen, die wir aber brauchen, weil sie uns Geld versprechen. Wir arbeiten, um Dinge zu kaufen, deren Bedeutung uns nur eingeredet wurde. Wir arbeiten, um Produzenten, die ohnehin schon reich genug sind, Kosten zu ersparen. Über die vollkommene Absurdität unserer Arbeitsverhältnisse.
(Weiterlesen - via)
Anmerkung: Dieser etwas ausführlichere Text der Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Gronemeyer ist sehr empfehlenswert. Ihre Ausführungen sprechen mir in vielen Punkten aus der Seele - auch wenn die Autorin - zumindest in diesem Essay - den notwendigen und logischen Schritt zur völligen Neustrukturierung des Geld- und Wirtschaftssystemes nicht in Angriff nimmt. Das ändert aber nichts an der Qualität ihrer Gedanken zum Wesen dessen, was die neoliberale Bande seit Jahren als "Arbeit" bezeichnet, die als einziger, fast schon heiliger Sinn und Zweck des Lebens angesehen werden soll (und zunehmend von vielen Menschen auch tatsächlich so angesehen wird).
Bitte unbedingt lesen, auch wenn der Text etwas länger ist als gewohnt. Gronemeyer schreibt zum Schluss: "Konsumenten sind - viertens - 'kriegende' Menschen, so haben wir festgestellt. Kriegende Menschen sind aber nicht nur solche, die alles, was sie zu brauchen glauben, kriegen müssen, sondern auch solche, die mit allen anderen im latenten Kriegszustand leben. Denn alle anderen sind genauso darauf angewiesen, von den knappen Vorräten genug abzukriegen. Jeder Vorteil des einen ist nur zu haben um den Nachteil des anderen. Und so ist das Prinzip der Verfeindung die Grundlage der konsumistischen Gesellschaft." So trefflich formuliert habe ich das Grundprinzip einer kapitalistisch orientierten Gesellschaft zuvor noch nicht gelesen.
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Ganz einfach

"Was ist denn eigentlich Kapitalismus?" - "Das ist das Geld, das die Andern haben!"
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 27 vom 01.10.1920)