Freitag, 14. März 2014

Der Atom-Wahnsinn und der politische Aktionismus


Mehr Jodtabletten, mehr Evakuierungen: Bund, Länder und Experten wollen Lehren aus der Fukushima-Katastrophe ziehen und sich besser gegen mögliche Atomunfälle wappnen. Die Umweltministerin will die Pläne europaweit vereinheitlichen.

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Anmerkung: Diesen Propagandatext sollten sich wirklich alle durchlesen, die auch nur einen einzigen Moment daran geglaubt haben, dass die neoliberale Bande ernsthaft vorhat, dauerhaft und umfänglich auf den Wahnsinn der Atomkraftwerke zu verzichten. Dass es keinen "Atomausstieg" gibt, sondern lediglich eine in die ferne Zukunft verschobene politische Absichtserklärung, dürfte inzwischen ja jedem bekannt sein - diese hochalbernen Pläne der NRW-"Umweltministerin" Hendricks (SPD) zeigen darüber hinaus deutlich, dass selbstverständlich keinerlei "Lehren" aus der Fukushima-Katastrophe gezogen werden, sondern dass statt dessen einmal mehr politischer Aktionismus ohne Sinn und Verstand darüber hinwegtäuschen soll, dass die Verantwortlichen nicht den Hauch einer Ahnung haben, was im Falle eines "Super-GAUS" zu tun ist. Die "Maßnahmen" gleichen den irrsinnigen Empfehlungen aus den 50er Jahren, im Falle einer Atombombenexplosion in der näheren Umgebung unter einen Tisch zu kriechen und sich einen Aktenkoffer über den Kopf zu halten.

Diese Leute wissen sehr genau, dass sie im Falle einer Katastrophe ebenso hilf- und machtlos wären wie das in Japan offensichtlich geworden ist. Die einzig logische Konsequenz daraus - also den sofortigen und unwiderruflichen Ausstieg aus dieser katastrophalen Technologie - ziehen sie jedoch weiterhin nicht. Statt dessen schwadronieren sie über "Jodtabletten" und Kilometergrenzen, die gezogen werden sollten, falls die Katastrophe eintritt - so als sei es auch nur in einem Ammenmärchen vorstellbar, eine Großstadt wie beispielsweise Aachen samt allen angrenzenden Regionen zeitnah komplett zu evakuieren, wenn das nahegelegene Atomkraftwerk in die Luft fliegt. Einen solchen Unsinn können sich nur korrupte Politiker ausdenken - und nur Propagandisten können ihn unkritisch verbreiten.

Beim Thema "Abschalten von Atomkraftwerken" sollte man auch stets im Hinterkopf behalten (was Politik und Propaganda uns liebend gerne verschweigen): Ein Atomkraftwerk kann man nicht "abschalten". Wenn dieser Begriff in den Medien gebraucht wird, ist damit schlicht gemeint, dass das Werk die weiterhin stattfindene Erwärmung der Brennstäbe nicht mehr zur Stromerzeugung benutzt. Einen "Knopf" zum "Abschalten" gibt es da nicht, und solange das radioaktive Material sich dort befindet, ist jedes Atomkraftwerk - egal ob "abgeschaltet" oder nicht - ganz genauso gefährlich wie es das auch zuvor stets gewesen ist.

Ich weiß nicht, wie diese Bande es noch deutlicher machen könnte, dass ihr das Wohl der Menschen am Anus vorbeigeht - hier geht es, wie immer in dieser perversen Welt, schlicht um die weitere Bereicherung der "Elite" - so schnöde und gruselig sich das auch lesen mag. Oder fällt jemandem ein anderer, plausibler Grund ein, weshalb diese Leute allen Ernstes über die Verteilung von Jodtabletten nachdenken, anstatt den Irrsinn sofort zu stoppen?

Solange es um Geld geht, geht es nicht um Menschen. So einfach ist das.

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Donnerstag, 13. März 2014

Song des Tages: After The War



(Der Song beginnt bei Minute 23:21 - bei Problemen einfach hier klicken.)

(Asia: "After The War", aus dem Album "Astra", 1985)

For those that are able to go underground
Missiles disenable, they hit faster then sound

They're coming and you have no choice
The helpless with one human voice
You will categorically say:
"This underdog will have his day ..."

One more dead is one more
Than it ought to be, a travesty.
One more missed will be kissed
To eternity or purgatory ...

AFTER THE WAR

Red button he's pressing but he knows not why
He's programming orders, war lights up the sky

He's on the hot-line tonight
His mind is high as a kite
His fingers decide wrong or right -
This man has it all in his sights ...

Used as tools to believe in autonomy
Minorities are no more
Men are fools, one last cry to humanity
No sanity anymore

AFTER THE WAR

On my arm a tattoo for my sons to be
That numbers you and me
There's a scar on my face
That is photographed for all to see ...

AFTER THE WAR


Mittwoch, 12. März 2014

Zitate des Tages: 's ist Krieg! / Krieg dem Kriege


's ist Krieg!

Die fetten Hände behaglich verschränkt
vorn über der bauchigen Weste,
steht einer am Lager und lächelt und denkt:
"'s ist Krieg! Das ist doch das beste!
Das Leder geräumt, und der Friede ist weit.
Jetzt mach' ich in anderen Chosen –

Noch ist die blühende, goldene Zeit!
Noch sind die Tage der Rosen!"

Franz von der Vaterlandspartei
klatscht Bravo! zu donnernden Reden.
Ein ganzer Held – stets ist er dabei,
wenn sich Sprecher im Saale befehden.
Die Bezüge vom Staat, die Nahrung all right –
lass Stürme donnern und tosen –

Noch ist die blühende, goldene Zeit!
Noch sind die Tage der Rosen!

Tage der Rosen! Regierte sich je
so leicht und bequem wie heute?
Wir haben das Prae und das Portepee
und beherrschen geduckte Leute.
Wir denken an Frieden voll Ängstlichkeit
mit leider gefüllten Hosen –

Noch ...
Noch ist die goldene, die blühende Zeit!
Noch sind die Tage der Rosen!

(Kaspar Hauser alias Kurt Tucholsky [1890-1935], in "Die Weltbühne", Nr. 32 v. 31.07.1919)

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Krieg dem Kriege

Sie lagen vier Jahre im Schützengraben.
Zeit, große Zeit!
Sie froren und waren verlaust und haben
daheim eine Frau und zwei kleine Knaben,
weit, weit -!

Und keiner, der ihnen die Wahrheit sagt.
Und keiner, der aufzubegehren wagt.
Monat um Monat, Jahr um Jahr ...

Und wenn mal einer auf Urlaub war,
sah er zu Hause die dicken Bäuche.
Und es fraßen dort um sich wie eine Seuche
der Tanz, die Gier, das Schiebergeschäft.
Und die Horde alldeutscher Skribenten kläfft:
"Krieg! Krieg!
Großer Sieg!
Sieg in Albanien und Sieg in Flandern!"
Und es starben die andern, die andern, die andern ...

Sie sahen die Kameraden fallen.
Das war das Schicksal bei fast allen:
Verwundung, Qual wie ein Tier, und Tod.
Ein kleiner Fleck, schmutzigrot -
und man trug sie fort und scharrte sie ein.
Wer wird wohl der nächste sein?

Und ein Schrei von Millionen stieg auf zu den Sternen.
Werden die Menschen es niemals lernen?
Gibt es ein Ding, um das es sich lohnt?
Wer ist das, der da oben thront,
von oben bis unten bespickt mit Orden,
und nur immer befiehlt: Morden! Morden! -
Blut und zermalmte Knochen und Dreck ...
Und dann hieß es plötzlich, das Schiff sei leck.

Der Kapitän hat den Abschied genommen
und ist etwas plötzlich von dannen geschwommen.
Ratlos stehen die Feldgrauen da.
Für wen das alles? Pro patria?

Brüder! Brüder! Schließt die Reih'n!
Brüder! Das darf nicht wieder sein!
Geben sie uns den Vernichtungsfrieden,
ist das gleiche Los beschieden
unsern Söhnen und euern Enkeln.
Sollen die wieder blutrot besprenkeln
die Ackergräben, das grüne Gras?
Brüder! Pfeift den Burschen was!
Es darf und soll so nicht weitergehen.
Wir haben alle, alle gesehen,
wohin ein solcher Wahnsinn führt -

Das Feuer brannte, das sie geschürt.
Löscht es aus! Die Imperialisten,
die da drüben bei jenen nisten,
schenken uns wieder Nationalisten.
Und nach abermals zwanzig Jahren
kommen neue Kanonen gefahren. -
Das wäre kein Friede.
Das wäre Wahn.
Der alte Tanz auf dem alten Vulkan.
Du sollst nicht töten! hat einer gesagt.
Und die Menschheit hört's, und die Menschheit klagt.
Will das niemals anders werden?
Krieg dem Kriege!

Und Friede auf Erden.

(Theobald Tiger alias Kurt Tucholsky [1890-1935], in "Ulk", Nr. 24 v. 13.06.1919)

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Der Krieg, wie ich ihn sah



(Zeichnung von Fritz Arnold [1883-1921], in "Simplicissimus", Heft 46 vom 11.02.1919)

Anmerkung: Das erste Gedicht - "'s ist Krieg" - hat Tucholsky schon während des Krieges 1914-18 geschrieben, durfte es damals aber nicht veröffentlichen. Der Titel nimmt Bezug auf das glühend-pazifistische Gedicht "Kriegslied" von Matthias Claudius. Der zweite Text darf also durchaus als "Nachschlag" verstanden werden, als der Autor zu Beginn des ersten Demokratieversuches auf deutschem Boden nach 1918 doch endlich in der Lage war, pazifistische Texte gegen den Kriegswahnsinn publizieren zu können.

Heute verbietet solche Texte niemand mehr - die neoliberale Bande weiß schließlich, dass sie ihre Kriegstreiberei dennoch ungehindert weiter verfolgen kann und mit keiner nennenswerten Gegenwehr mehr zu rechnen braucht. Solange nicht die eigenen Gartenzwerge weggebombt werden, interessiert den deutschen Durchschnittsnarkotisierten heute wie damals nicht, was auch seine "Vertreter" weltweit für Gräueltaten anrichten. All die Appelle und Bekenntnisse wie "Nie wieder Krieg!" sind nur noch ein Treppenwitz der Geschichte - heute greift der moderne Neoliberale längst wieder beherzt zur Waffe, wenn er irgendwo etwas stehlen kann, um sich zu bereichern - und die furchtbare Ideologie ist natürlich längst auch in der Gesellschaft angekommen und hat sich dort festgefressen wie ein übler Parasit, der aus ehemals denkfähigen Individuen egozentrische, habgierige Monster gemacht hat.

Die Wiederholungsschleife nimmt Fahrt auf.

Kohl, Schröder, Merkel: Die Laufburschen der NSA


Der Whistleblower Edward Snowden sieht in der Abhöraffäre durch den US-Geheimdienst NSA eine Mitschuld der Bundesregierung. Unter dem Druck der NSA habe die Regierung ein Gesetz aufgeweicht - zum Schaden der Bürger - und deren Ausspähung erleichtert. In einer Antwort auf Fragen des Europaparlaments schreibt Snowden: "Deutschland wurde bedrängt, sein G-10-Gesetz zu ändern, um die NSA zu befriedigen, und hat die verfassungsmäßigen Rechte deutscher Bürger untergraben." Das G-10-Gesetz regelt Eingriffe in die Telekommunikationsfreiheit und das Abhören von Telefonen. / Ähnliche Einflussnahmen habe es auch in Schweden, den Niederlanden und Neuseeland gegeben, schreibt Snowden weiter.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Nein, welch eine Überraschung - deutsche Regierungen haben also auf Weisung der USA die deutschen Gesetze so "angepasst", dass den Geheimdiensten das Schnüffeln nicht nur erleichtert, sondern sogar hochoffiziell (wenn auch geheim) "erlaubt" wurde - und das alles natürlich "zum Schaden der Bürger". Es ist gut, dass Snowden das explizit so erwähnt hat - überraschen kann das aber nur Märchengläubige, die seit mindestens 30 Jahren die Augen und Ohren fest verschließen und laut trällernd vor sich hin singen: "La la la - Deutschland ist ein souveräner, freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat", während jeder andere klar erkennen muss, dass in dieser Zeit selbstredend eine umfassende Politik zum nachhaltigen Schaden der BürgerInnen, des Rechts, der Freiheit und der Demokratie betrieben worden ist und auch weiterhin betrieben wird.

Was jeder, der es wissen wollte, schon seit langer Zeit wusste, weiß nun also endlich auch die Tagespropagandashow - und wir fragen uns gespannt, welche weitreichenden Konsequenzen aus dieser furchterregenden Erkenntnis denn nun zu erwarten sind. - Die Antwort ist so nüchtern wie vorhersehbar: Natürlich gar keine. Die Bande wird einfach so weitermachen und massive Schäden anrichten, und die Tagespropagandashow hat ihren eigenen Bericht vom 7. März schon jetzt längst wieder vergessen und wird weiter Propaganda betreiben und der Öffentlichkeit eine "freie Presse", ein "souveränes Land", "demokratische Verhältnisse" und eine Regierung, die selbstverständlich die "Interessen der BürgerInnen" vertritt, vorgaukeln. Das Perfide an der Sache ist nur, dass die narkotisierte Mehrheit der Menschen diesem mehr als absurden Theater wohl auch weiterhin blindlings folgen wird.

Wir haben inzwischen einen Grad der Skandalverzerrung und gleichzeitigen Skandalresistenz erreicht, wie er eigentlich nur in bösartigen Diktaturen möglich ist. Einerseits werden Lächerlichkeiten bis ins Absurde aufgebauscht, die gar keine Skandale sind (Beispiel Edathy, der legale Bilder angeguckt haben soll, dafür aber nachhaltig und umfassend hingerichtet wurde) - und andererseits taucht ein echter Skandal nach dem anderen auf, die allesamt sämtliche Menschen in diesem Land massiv betreffen und eigentlich die Grundfesten des gesamten "freiheitlich-demokratischen" Konstruktes dieses verkommenen Staates zum Einstürzen bringen müssten ... aber nichts geschieht. Das Merkelmonster grinst und sabbert weiter grandiosen Schwachsinn in die Kameras, die Zerstörungen gehen ungehemmt weiter und überall werden parallel wieder einmal die Kriegshörner ausgegraben und man trötet entschlossen und kriegslüstern hinein. Und die "Elite" reibt sich die schmierigen Hände. - Es läuft alles in geordneten, perversen Bahnen.

Ich kann mein Entsetzen nicht mehr bändigen, das mich durchströmt, wenn eine solche Meldung durch den Nachrichtenticker der Medien läuft und man danach wie gewohnt zum Sport und zum Wetter übergeht - und das Land bleibt so ruhig wie zuvor, so als sei über einen Sack Reis aus China berichtet worden und nicht über das Ende des Märchens von der "freiheitlichen Demokratie". Was muss denn bloß geschehen, damit diese Bevölkerung endlich die Schnauze voll hat und die Blutsauger nachhaltig aus dem Land jagt, wie sie das damals in der DDR auch getan hat? Damals war es freilich etwas einfacher, denn die Blutsauger waren größtenteils bekannt und identisch mit den politischen Figuren. Im West-Kapitalismus ist das etwas komplizierter, denn da bleibt die "Elite" unsichtbar und schickt lieber Polit-Marionetten vor. Dieses infantile, dümmliche Szenario reicht aber offenbar schon aus, um die meisten Menschen erfolgreich zu manipulieren. Und das funktioniert offenkundig auch dann immer noch tadellos, wenn die Marionetten sogar von der Propaganda als Laufburschen einer anderen Macht identifiziert worden sind.

Kein satirischer Text könnte eine noch gruseligere Groteske anbieten, die diese verzerrte Realität noch überbietet - wir haben das Orwell'sche Endstadium offenkundig längst erreicht.

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Der letzte Demokrat


"Der liebste Platz, den ich auf Erden hab', das ist die Rasenbank am Elterngrab."

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 27 vom 05.10.1931)

Samstag, 8. März 2014

Song des Tages: A Dying Wish




(Anathema: "A Dying Wish", aus dem Album "The Silent Enigma", 1995)

I bear the seed of ruin
A golden age turned to stone
Elysium ... to dust

For this, a tragic journey
A vision of a dying embrace
Scattered earth
Silence ...

Where Echonia wept
I sank into the silent desert

Fallen am I,
In a solitude of a broken promise
... I cried alone
My empyrean is a scar
From the memory of her beautiful life
Forever was her name

Fulfillment lost in a lifetime of regret
Ornate peace would cover me
As I would die now ...
For one last wish



Anmerkung: Es kann angesichts der inflationären Anzahl der veröffentlichten Abgesänge und Untergangshymnen seit mehr als 20 Jahren niemand mehr behaupten, es habe keine Anzeichen oder Warnhinweise gegeben - die Analogie zur ins Nihilistisch-Apokalyptische driftenden Musik, Malerei und Literatur der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts ist mehr als offensichtlich. Dieses dunkle Stück von Anathema ist prinzipiell nichts anderes als beispielsweise das leider wegweisende, weil allzu prophetische Gedicht "Weltende" von Jakob van Hoddis aus dem Jahr 1911:

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

(Jakob van Hoddis [1887-1942], in: "Der Demokrat", 1911)

Wie damals ignoriert aber auch heute die große Mehrheit der Menschen diese Hinweise, bleibt passiv, zieht sich ins Private zurück oder vergeudet ihre Kraft sinnlos auf albernen Nebenschauplätzen - oder radikalisiert sich sogar im Sinne des Kapitals, indem die vorhandenen und stetig wachsenden, immer existenzieller werdenden Probleme irgendwelchen Minderheiten in die Schuhe geschoben werden, die damit nicht das Geringste zu tun haben, während die wirklich Schuldigen in ihren Palästen sich feist ins goldene Fäustchen lachen und den beginnenden Faschismus von ihren Lakaien munter anheizen lassen. So ist das erneute "Weltende" vorprogrammiert und nicht aufzuhalten - und einmal mehr werden wir miterleben müssen, wie der Kapitalismus aus einem vermeintlichen "golden age" eine große Kloake des Todes, Irrsinns und Untergangs macht.

Der Kunst bleibt einmal mehr nur die leidvolle Rolle des kommentierenden Begleiters in den Untergang - mit dem kleinen, aber sehr feinen Unterschied, dass die "offizielle" Kunst (also die, die aus den entsprechenden Töpfen noch halbwegs bezahlt wird) heute auch längst korrumpiert ist und wir deshalb meist in den alternativen Nischen suchen müssen, um nicht manipulierte Kunst zu finden. Mit jedem vollendeten Zyklus des kapitalistischen Wahnsinns lernt die widerliche Bande etwas dazu - ich will mir gar nicht ausmalen, wie das in 80 Jahren aussehen wird, sofern der Planet und die verbliebene Menschheit diese Perversionen so lange überhaupt noch aushalten. Ich befürchte, dass es dann gar keine Kunst, keine Alternativen, keine Meinungsäußerungen wie diese mehr geben wird, sondern nur noch Dauerbeschallung, Dauerpropaganda, Dauerberieselung - das ist heute ja schon (bezogen auf den größten Teil der westlichen Bevölkerung) erfolgreich umgesetzt. Und das trotz prinzipiell noch vorhandener Alternativen wie dem Internet.

"Der Sturm ist da" - in der Tat. Und wenn die Welt ihm standhalten soll, müssten unsere Politiker und ein Großteil der hier lebenden Menschen Gedanken zulassen, denen sie nicht einmal im wildesten Fiebertraum frönten. Folgt man der bitteren Logik, bleibt da nur noch eine Alternative übrig, und die heißt: Stellen wir die Uhr zurück auf 1933 - ohne die Festlegung, wo der furchtbare Alptraum erneut beginnen soll. Der Ort ist der kapitalistischen Bande nämlich egal, ihren Palast in Griechenland, Portugal, auf der Krim oder wo auch immer kann sie jederzeit durch ein neues Domizil ersetzen.

Wir steuern einmal mehr in eine wahrlich glorreiche, so finstere Zukunft - und müssten es eigentlich doch so viel besser wissen.

Freitag, 7. März 2014

Sarrazin, der "Sozialschmarotzer auf hohem Niveau"


Alle sind sie hinter ihm her. Alle grenzen sie ihn aus und schweigen ihn tot. Meint Thilo Sarrazin. Aus diesem diffusen Gefühl hat er ein Buch gemacht (siehe Rezension) und er posaunt es weitgehend unwidersprochen in Talkshows und Interviews hinaus. Christoph Baumgarten wagt einen persönlichen Blick in die Untiefen des Sarrazinschen Geistes. (...)

Um es in den Stammtischparolen zu sagen, derer er sich befleißigt: Thilo Sarrazin ist ein geistiger Minderleister und war Zeit seines Lebens Sozialschmarotzer auf hohem Niveau, ein Parteibonze, wie er im Buche steht [-] und hält das alles für seine eigene Leistung. Er ist eine lächerliche und widerliche Figur, die allen, die nicht seiner Meinung sind, den Mund verbieten will.

Das wird man doch noch sagen dürfen.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Eigentlich sollte man einem hohlbirnigen Rechtsradikalen gar keine Plattform mehr bieten - auch nicht in kritischer Form. Angesichts der im Text genannten Zahlen (inzwischen 1,5 Millionen verkaufte Exemplare seines ersten Schmutzergusses und einer Anfangsauflage von 100.000 Stück dieses neuerlichen Angriffes auf alles Humanistische) erscheint es aber dringend geboten, hier doch immer wieder zu intervenieren und dem Brandstifter fortdauernd in die böse, braune Glut zu pinkeln.

Der Text des Humanistischen Pressedienstes ist eine wahre Offenbarung - wenn man einmal von dem Fauxpas absieht, dass der Autor die taz sowie ausgerechnet die Zeit für die "führenden linken Medien" zu halten scheint. Andererseits muss ich konstatieren, dass er mit dieser Feststellung ja leider gar nicht so falsch liegt, denn andere führende Medien in diesem Land, die links von diesem journalistischen Elend einzuordnen sind, gibt es tatsächlich nicht mehr. Da versöhnt mich die benutzte Formulierung etwas, wenn in diesem Zusammenhang von "halbwegs linken Medien" die Rede ist.

Wie auch immer: Wer das gruselig-schmierige Phänomen Sarrazin auf den Punkt gebracht nachlesen möchte, sollte sich diesen Text nicht entgehen lassen - auf genau diesem Niveau muss sich eine Auseinandersetzung mit dieser schaurigen, erbärmlichen Figur abspielen. Intellektuell kann es keine sinnvolle Auseinandersetzung mit erstunkenem, erlogenem und aus tiefbraunen Zeiten hervorgekramtem Blödsinn geben. Als Fazit bietet sich hier bloß noch eine der vielen Subüberschriften aus dem Text an: Sarrazin und seine an debilen Schwachsinn grenzenden Äußerungen sind nichts weiter als ein "Verbrechen am An- und Verstand". Dem ist nichts hinzuzufügen.

Wunderbar ist übrigens auch das für diesen Artikel ausgewählte Foto, das den sauberen Kämpfer für reine Gene und Ariertum auf einer Veranstaltung der rechtsradikalen Haider-Partei FPÖ in Österreich zeigt. Braune Haufen ziehen Fliegen eben unweigerlich magisch an. Im Ein-Euro-Blog gibt's noch mehr dazu.

Der Mann ist nach wie vor SPD-Mitglied - während die SPD-Oberen aktuell öffentlich darüber diskutieren, ob beispielsweise ein Edathy (dessen einziger Verstoß darin besteht, legale Fotos angeguckt zu haben) nicht besser aus der Partei ausgeschlossen werden müsse. Da weiß man, was man hat - Sieg H..., äh, guten Abend.


(Thilo Sarrazin, wie er sich vermutlich selber sieht)

Donnerstag, 6. März 2014

Gedicht des Tages: Perpetuum Mobile


I

Wie kann man nur
gegen den Hunger in der Welt kämpfen,
glückliche Schweine sind wichtiger.

Wie kann man nur
Fleischkonsum befürworten,
sollen die Menschen doch Gras essen.

Wie kann man nur
den Kapitalismus in Frage stellen,
der für Wohlstand bei manchen gesorgt hat.

Wie kann man nur
den Kampf für eine bessere Welt so torpedieren,
den einzigen Weg dahin kennen schließlich nur wir.


II

So wundern sich manche
der Kämpfer für eine bessere Welt,

während sich andere verwundert die Augen reiben
und nicht mehr verstehen,

wieso es überhaupt Streit gibt. Derweil
zerstört der Kapitalismus wieder die Welt.


III

Und nach dem erwartbaren Ende
werden alle Beteiligten wieder proklamieren:

"Aber wir - wir gehörten doch zum Widerstand!"

[to be repeated endlessly]

---

(Variation des Gedichtes "Wie kann man nur" von Holdger Platta, veröffentlicht im Blog "Hinter den Schlagzeilen" am 05.03.2014)

Mittwoch, 5. März 2014

Song des Tages: Remembering Rain




(Jim Matheos: "Remembering Rain", aus dem Album "First Impressions", 1993)

Anmerkung: Jim Matheos, im "Hauptberuf" Gitarrist in Metal-Bands wie Fates Warning, OSI oder Arch, wandelt auf diesem Album auf rein akustischen Pfaden, die einmal mehr seine Virtuosität und Klasse unterstreichen. Dieser Musiker hat mit diesem leisen Album schon sehr früh deutlich gemacht, dass das alleinige Eindreschen auf sein Instrument im Metal-Stil ihn nicht erfüllt. Gleichzeitig ist es aber ein bewegendes Beispiel dafür, dass gerade auch in Metal-Musikern oftmals allzu zarte Seelen wohnen. Die Melancholie ist das tragende Element des gesamten Albums.

Um wieviel schöner und lebensfreundlicher wäre diese pervertierte Welt, wenn so mancher Schlips-Borg diese Ambivalenz teilte! Aber nein, die Habgier ist viel größer. Metaller können es auch leise, Kapitalisten können es aber niemals sozial.

Dienstag, 4. März 2014

Die Groteske des Superreichtums in den Propagandamedien: Geld über alles


Wal-Mart ist der größte Arbeitgeber der Welt. Und wie die Aldi-Kette ein Familienbetrieb: Hinter dem Handelsriesen stehen die Waltons, die reichste Familie der Erde. Sie zahlt ihren Mitarbeitern Billiglöhne. Und spendet Milliarden.

(Weiterlesen - aber bitte nur mit eingeschaltetem Gehirn)

Anmerkung: Hier haben wir wieder ein solches Beispiel, in dem nahezu sensationsheischend über den "reichsten Clan der Welt" berichtet wird - stets getreu dem absurden Motto: "Wer will und genug arbeitet, kann es ebenso 'weit' bringen" und natürlich der impliziten Umkehrung: "Wer es nicht so weit bringt, ist ein persönlicher Versager und somit selbst schuld". Ich weiß gar nicht, wo genau ich mit meiner Kritik beginnen soll, denn auch dieser Text lässt wie gewohnt jegliche Ursachenerwähnung aus und behauptet statt dessen wie immer auf dummdreiste Weise, dass es diesen Personen auf wundersame Weise gelungen sei, von "Tante-Emma-Laden-Besitzern" zu den reichsten Menschen auf diesem Globus zu mutieren, als sei nichts "normaler" und nachvollziehbarer auf der Welt. Dieses Szenario für sich genommen ist schon so grotesk, dass nicht nur jeder tatsächlich hart arbeitende Mensch auf diesem Planeten dem Verfasser einen ganzen Reigen von Ohrfeigen verpassen müsste - es genügt tatsächlich auch das schlichte Nachdenken, dass an diesem Märchen angesichts des gewaltigen globalen Elends und der gleichzeitigen Konzentration von absurden Summen Geldes in sehr wenigen Händen irgendetwas nicht stimmen kann. Und auch die einzig kritisch erwähnten Dumpinglöhne, die nicht nur Wal-Mart oder Aldi ihren "Angestellten" zahlen, können das "Wunder" eines solchen Superreichtums allein natürlich nicht erklären - der ganze Rattenschwanz von allen möglichen Abhängigkeiten, Erpressungen und sklavenähnlichen Zuständen im gesamten kapitalistischen Produktions- und Vertriebsprozess kommt im Text erst gar nicht vor. Über das Geld- und Zinssystem will ich da besser gar nicht erst beginnen zu schreiben.

Fast im gleichen Atemzug wie die zahnlose und völlig unzureichende Anklage bezüglich der Billiglöhne wird auch gleich ein entsprechender "Ausgleich" mitgereicht: Diese hochsozial denkenden Profitgeier spenden ja schließlich "Milliarden" ihres hart erworbenen Vermögens für soziale Zwecke und sind somit augenblicklich wieder rehabilitiert. Genaueres weiß man zwar nicht - der Text schwadroniert da etwas von einer "Familienstiftung" sowie von "Umweltschutz, Bildung und [der] Förderung der Region Arkansas" - das war's dann aber auch schon in Sachen Information. Mehr soll und darf der Pöbel nicht wissen, Details verwirren ihn bloß. Leider lässt allein der Begriff "Familienstiftung" bei kritischen Zeitgenossen unverzüglich alle Alarmglocken schrillen und er möchte dringend mehr wissen - aber kritische Zeitgenossen sind leider eine kleine Minderheit in unserer schönen kapitalistischen Glitzerwelt und werden daher geflissentlich ignoriert. (Randnotiz: Eine Milliarde Dollar entspricht angesichts eines Vermögens von 145 Milliarden Dollar einem Volumen von weniger als 0,7 % - eine wahrlich fürstliche Spendenbereitschaft, die man gar nicht ehrfürchtig genug bewerten kann!)

Das ganz große Highlight seines preisverdächtigen Textes hat der Autor Hannes Vogel aber ganz am Schluss versteckt, wenn er dort schreibt: "Doch nicht nur die Armen, sogar die Freunde der Wal-Mart-Brüder hat die Firma reich gemacht (...)". Nein, welch eine Offenbarung: Die Firma des reichsten Clans dieses Planeten macht nicht nur (alle?) Arme reich (!!!), sondern entfaltet sogar noch segensreichere Kräfte, indem sie die (zuvor offenbar nicht armen?) "Freunde" des Clans auch noch viel reicher macht, als sie es vorher gewesen sind! Der Segen des kapitalistischen Systems beschert uns hier also gleich eine dreifache Win-win-win-Situation, um im Orwell-Sprech der neoliberalen Bande zu bleiben - Verlierer gibt es laut diesem Text hier nicht mehr. Das Paradies ist nicht mehr jenseitig - wir erleben es hier und jetzt! Man soll den Superreichen auf Knien dafür danken, dass sie uns allen ein so wundervolles, sorgenfreies und luxuriöses Leben ermöglichen. Gebenedeit sei die Frucht eurer heiligen Geldbörsen!

Wenn man dem üblen Propagandatext bis zu diesem finalen Blattschuss tatsächlich (ohne psychische oder intellektuelle Schäden zu nehmen) gefolgt ist, weiß man allerspätestens an diesem Punkt, dass man das Leben in einem freiheitlich-demokratischen oder gar sozialen System Zeit seines Lebens voraussichtlich niemals kennenlernen wird. Aber die gütigen Waltons spenden Milliarden (Milliarden!!!) für soziale Zwecke und die Armen werden reich - und die "Freunde" der Reichen sowieso.

Die allerbitterste Pointe an der Sache bleibt aber diese: Und fast keiner merkt's. Alle rennen weiterhin wie von Sinnen dem Geld hinterher und wundern sich vielleicht gelegentlich über die perversen Auswüchse, die das selbstredend hat, kommen aber nicht auf den naheliegenden Gedanken, dass das Behandeln von Symptomen nichts an der Situation an sich ändert. Die Farce könnte aussichtsloser kaum sein. Geld, Geld, Geld über alles - ganz besonders über die Vernunft.

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Börsenpanik


"Wie meine beiden Söhne fielen, war ich nicht so verzweifelt wie Sie, da Ihre Papiere gefallen sind."

(Zeichnung von Wilhelm Schulz [1865–1952], in "Simplicissimus", Heft 31 vom 29.10.1918)

Montag, 3. März 2014

Zitat des Tages: Schultheater


Die Kinder spielen ein Märchen. Hauptpersonen sind ein Wirt, ein Soldat auf Herbergssuche, eine Tochter des Wirts und der Teufel.

Wir erleben achtmal das gleiche Stück. Wirt, Tochter und Soldat werden sehr unterschiedlich dargestellt.

Der Teufel ist durchwegs glänzend besetzt.

(Heinz Stalder [* 1939], aus dem Programmheft des Schauspielhauses Zürich zur Uraufführung seines Bühnenstückes "Ein Pestalozzi", 1979)


Anmerkung: Quod erat demonstrandum.

Freitag, 28. Februar 2014

Hausfrauenkitsch, die Tierliebe und der Kapitalismus


Mein Name ist Penny [ein Schwein], heute habe ich das Licht der Welt erblickt. Wenn man das so nennen kann. Das Licht der Welt, die Sonne, ist nämlich nicht zu sehen. Aber dafür leuchtet ein rotes, warmes Licht. Ich habe insgesamt 13 Geschwister, glaube ich.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Diese Geschichte ist triefender Hausfrauenkitsch, wie er übler gar nicht sein könnte. Das Pseudonym “Vincent Herz” kann man getrost im Schlagerbereich verorten, dort gehört es nämlich hin.

Wie verrückt müssen Menschen eigentlich sein, die sich hier über tatsächlich anzuklagende Missstände in der Tierhaltung echauffieren, andererseits aber ein größtenteils leidloses Leben in einer völlig perversen Welt führen, die unablässig dafür sorgt, dass alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren verhungert?

Jedes einzelne dieser Kinder würde sofort und ohne auch nur nachzudenken Fleisch essen, um vielleicht doch am Leben bleiben zu können – und es hätte auch jedes Recht dazu. Was ist das bloß für eine perverse Diskussion angesichts des globalen Elends, das auf diesem Planeten herrscht? So können nur Leute argumentieren, die im Luxus leben und keine Not kennen.

Was wäre doch gewonnen, wenn all diese Leute ihre Wut endlich zugunsten der Menschen einsetzen würden – ganz abgesehen davon, dass der Kampf gegen den Kapitalismus letztendlich natürlich auch ein Kampf für Tiere ist, denn es ist nur der Kapitalismus, der manche unsrer Zeitgenossen dazu treibt, Tiere in großem Stil zu quälen und auszubeuten. Das Bekämpfen von Symptomen ist nicht erst seit Don Quichotte ein beliebtes Ablenkungsmanöver.

Wer das Leiden der Tiere in der Massentierquälerei des Kapitalismus nicht mehr will, der muss verdammt noch mal auch sein Herzblut gegen die Menschenquälerei, die der Kapitalismus verursacht, einsetzen, um dieses menschenfeindliche System endlich loszuwerden – ansonsten ist jede Opposition ohnehin nur Makulatur.

Diese ganze Diskussion gleicht dem Versuch, den Nazis ab 1933 den Antisemitismus ausreden zu wollen. Der Versuch ist ehrenwert, aber vollkommen sinnlos. Der Kapitalismus ist unser Problem – und mit dessen Abschaffung würde auch das Problem der Massentierquälung – als einem unter so vielen – obsolet.

Lächerliche Texte und Diskussionen wie diese helfen dabei nicht im Geringsten. Ich verstehe sehr gut, dass der Autor hier ein (wenn auch hochalbernes) Pseudonym benutzt hat – meinen Namen gäbe ich für einen solchen Groschenroman gewiss auch nicht her. Wer indes meint, es könne im Rahmen des kapitalistischen Systems eine Abkehr von der profitorientierten Fleischproduktion geben und wir könnten einfach so weitermachen und alle fünf Sekunden ein Kind verhungern lassen, während es "unseren" Schweinen und Rindern gut geht, der ist nicht nur irre, sondern ein ausgemachtes Arschloch.

Merke: So gut oder schlecht, wie es der Mehrheit der Menschen auf diesem furchtbaren Planeten geht, so gut oder schlecht geht es selbstredend auch den Tieren. Wundern können sich darüber nur ausgemachte Narren.

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Mehr Eier!


"Es ist Herrn Professor Gegenfurtner gelungen, einem Huhn eine zweite Legvorrichtung zu implantieren, so dass die Kommunalverbände von nun ab in der angenehmen Lage sind, die doppelte Zahl Eier anfordern zu können."

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 12 vom 18.06.1918)

Donnerstag, 27. Februar 2014

Song des Tages: Day of your Beliefs




(Amorphis: "Day of your Beliefs", aus dem Album "Far from the Sun", 2003)

I can hear your yearnings, your anguished cries
let the nourishment pass you by
As it leaves you without, without a trace
it leaves you without the scars

It's the day of the ruins, the time of your relief
it's the day of the judgement, the day of your beliefs

Bitter is the end, the end of your cry
let your nourishment pass you by
It'll leave you without, without your faith
it'll leave you without your grace

It's the day of the ruins, the time of your relief
it's the day of the judgement, the day of your beliefs



Anmerkung: Hups - und so schnell kann der Glaube sich in das auflösen, was er tatsächlich ist: Eine kleine, alberne Hoffnung darauf, dass das eigene Leben vielleicht doch mehr wert sein könnte als all die täglich vernichteten Leben beispielsweise in Afrika ... - Menschen und ihr "Glauben" sind niederträchtiger und egozentrischer als man es vermuten mag.

Am Ende krepieren wir alle - der in der goldenen Badewanne ebenso wie der vor Hunger im Staub sich krümmende. Es ist wahrlich bezeichnend, dass nicht der zweite die Anklage schreibt, sondern ausgerechnet der Privilegierte. Menschen sind pervers bis ins Knochenmark, bis hinein in den Tod.

Der Überwachung nächster Schritt


Das Auto-Notrufsystem "eCall" soll Leben retten: Bei einem Unfall übermittelt es nicht nur Standort und Fahrzeugtyp, sondern baut auch eine Verbindung zur Rettungsleitstelle auf. Nach dem Willen der EU sollen ab 2015 alle Neuwagen damit ausgestattet werden. Jetzt muss darüber mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten verhandelt werden.

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Anmerkung: Ich habe im vergangenen Jahr zu diesem Thema, das damals bereits "verhandelt" wurde, schon etwas geschrieben - den Link finde ich auf die Schnelle nicht. Jetzt nehmen die Totalüberwachungspläne der Eurokraten also Form an: Es erscheint in der Tat äußerst plausibel, dass wir den Beteuerungen dieser Schlips-Borg vorbehaltlos glauben können - selbstverständlich dient eine solche Staatswanze im Auto nur der Sicherheit der BürgerInnen bei Unfällen und wird ausschließlich dann aktiv, wenn beispielsweise ein Airbag ausgelöst wird.

Dass selbst der Durchschnitt der vernebelten und für dumm verkauften Bevölkerung diesem Narrativ nicht mehr in Gänze folgt, zeigen die Kommentare zu dieser Tagespropagandaschau-Meldung, die größtenteils ebenfalls eine befürchtete Totalüberwachung zum Inhalt haben. Das ist für dieses Medium, in dem sich ansonsten so oft brav die Vasallen bzw. Sockenpuppen der neoliberalen Bande die Klinke in die Hand geben, durchaus bemerkenswert.

Diesen politischen Figuren glaubt völlig zu recht inzwischen kaum jemand mehr, dass das, was sie tun, aus "Sorge" um das Wohl der Menschen in diesem Land geschieht - und das ist ein wichtiger Schritt auf dem langen und steinigen Weg, der Bevölkerung von einem narkotisierten zu einem zumindest halbwegs wachen Bewusstseinszustand zu verhelfen. Selbstverständlich hat die verkommene Bande diesen unbeabsichtigten Widerspruch der Schlafenden auch in diesem Beispiel höchstselbst zu verantworten - denn wie oft kommt es wohl vor, dass irgendwo in der unzugänglichen Wildnis Deutschlands ein Unfall passiert, ohne dass irgendjemand in der Nähe ist, der unverzüglich Hilfe rufen könnte? Wenn mit der hanebüchenen Begründung solcher seltener Ausnahmefälle ein flächendeckendes, alle Fahrzeuge betreffendes Überwachungssystem eingeführt werden soll, wird offenbar auch der vorletzte schnarchende CDU-Scherge etwas hellhöriger.

Das bedeutet nun aber beileibe nicht, dass diese Überwachung nicht eingeführt wird - da wäre wesentlich mehr Gegenwehr erforderlich. Wir erleben das ja gerade am Beispiel der Vorratsdatenspeicherung: Wenn der erste Anlauf nicht klappt, dann versucht die Bande es eben immer weiter - ein "Nein" ist für diese Gesellen keine Antwort, sondern nur die Aufforderung, dieselbe Frage leicht modifiziert erneut zu stellen, und zwar so lange, bis das Ergebnis "stimmt".

Malen wir uns aus kapitalistischer Sicht doch einfach mal aus, was ein solches "eCall"-System (allein die Bezeichnung ist schon so neoliberal-ekelig-pervers, dass man eigentlich nicht weiter darüber nachdenken möchte) alles bewirken könnte:

  • Der Staat wüsste stets, wo sich sämtliche in Deutschland (in der EU?) zugelassene Fahrzeuge befinden - ob sie geparkt sind oder ob sie sich bewegen, und wenn ja, in welche Richtung.

  • Daten wie die gefahrene Geschwindigkeit, ob Verkehrsverstöße begangen werden, ob die Insassen angeschnallt sind, wieviele Personen sich im Auto befinden und vieles mehr wären ebenso ständig verfügbar.

  • Abgesehen von der Totalüberwachung ließen sich daraus auch wunderbare Bewegungsprofile erstellen, die - im Abgleich mit den Handy-Daten - ein fast lückenloses Bild ergäben. Der Staat weiß dann tatsächlich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, wann sich ein Bürger wo aufhält.


  • Im Ergebnis könnten dann beispielsweise auch Bußgeldbescheide wegen zu schnellen Fahrens oder anderer Delikte automatisiert erstellt und verschickt werden - all die Menschen, die derlei Tätigkeiten in den Behörden heute noch mehr oder weniger manuell verrichten müssen, könnten eingespart und ebenfalls ins Hartz-Terror-System der Überflüssigen abgeschoben werden, und zusätzlich entginge dem staatlichen Zugriff kein einziger Verstoß mehr. Außerdem könnten Fahrzeuge auf diese Weise auch einfach gestoppt werden - ein Knopfdruck im Ministerium (oder wahlweise ein Algorithmus im staatlichen Computernetzwerk) reicht aus, und Fahrzeug 1358778 hält unverzüglich an.

    Die Möglichkeiten für überwachungs- und geldgeile Schlips-Borg sind schier endlos - da liegt es nahe, ein solches System heute sehr blumig in schöner Kapitalistentradition als "Hilfesystem für Unfallopfer" zu verkaufen. Lasst Euch nicht für dumm verkaufen: Unfallopfer sind dieser Bande - sofern sie nicht sofort versterben - sehr willkommen, denn sie generieren viel Profit in den privatisierten Kliniken. Diese Kliniken sind für jeden Patienten dankbar - und nichts liegt von ihren Interessen weiter entfernt als eine möglichst gesunde Bevölkerung. Diese Perversion muss man sich stets vor Augen halten, dann versteht man auch allmählich die pervertierten Denkstrukturen der Kapitalisten.

    Ich hoffe jedenfalls sehr, dass es gegen diese perfiden Pläne eine ähnliche Widerstandsfront wie gegen die nach wie vor drohende Vorratesdatenspeicherung geben wird - die Auswirkungen dieser furchtbaren Überwachungsmaßnahme wären ähnlich dramatisch.


    Dienstag, 25. Februar 2014

    Zitat des Tages: Die Maßnahmen


    Die Faulen werden geschlachtet
    die Welt wird fleißig

    Die Hässlichen werden geschlachtet
    die Welt wird schön

    Die Narren werden geschlachtet
    die Welt wird weise

    Die Kranken werden geschlachtet
    die Welt wird gesund

    Die Traurigen werden geschlachtet
    die Welt wird lustig

    Die Alten werden geschlachtet
    die Welt wird jung

    Die Feinde werden geschlachtet
    die Welt wird freundlich

    Die Bösen werden geschlachtet
    die Welt wird gut

    (Erich Fried [1921-1988], in: "Gedichte", 1958)

    Anmerkung: Fried ist ja bekannt dafür, dass er schwierige oder schwer in Worte zu fassende Dinge in einfacher, leicht verständlicher Form auf den Punkt gebracht hat - hier ist ihm das in einer Vollendung gelungen, die ich immer wieder nur staunend bewundern kann. Während in der zweiten Zeile eines jeden Verses die ideale Welt, wie sie wohl von fast allen Menschen herbeigesehnt wird, nüchtern benannt wird, erfolgt im Vorgriff der ersten Zeile stets die faschistisch-kapitalistische Perversion derselben, die das Ergebnis schon im Vorfeld ad absurdum führt. Dieses lyrische Kleinod ist nicht weniger als die Essenz der absurden Logikkette, der auch unsere heutige Zeit wie von Sinnen folgt und die selbstverständlich - wenn sie bis zum Ende weitergeführt wird - wieder im absoluten Irrsinn enden muss.

    Große, bedeutende und die Zeiten überdauernde Kunst muss beileibe nicht immer filigran, brachial oder gar kompliziert sein - dieses Gedicht ist ein bewegendes Beispiel dafür.


    Montag, 24. Februar 2014

    "Kapitalismuskritik": Wer in der Blase aufwacht, hält den Blasenrand logischer Weise für den Himmel, oder: Die überflüssige Menschheit


    Aufwachen im Blasenland / Kann die etablierte bürgerliche Ökonomie den Charakter und die Ursachen der gegenwärtigen kapitalistischen Systemkrise begreifen? / Die Wirtschaftswissenschaft befindet sich seit einigen Monaten in heller Aufregung. Ein anscheinend neuartiges theoretisches Konzept, das auf den Begriff der "lang anhaltenden Stagnation" (Secular Stagnation) gebracht wurde, scheint die Analyse der gegenwärtigen Krise voranzutreiben. Fast scheint es so, als hätte die Ökonomenzunft, deren Modelle und ideologische Postulate zumeist den Wahrheitsgehalt schamanischer Beschwörungsformeln aufweisen, endlich ihren Stein der Weisen gefunden, mit dem all das erklärt werden kann, was es ihrer als "Wissenschaft" verbrämten Ideologie zufolge eigentlich nicht geben dürfte.

    (Weiterlesen)

    Anmerkung: Der geschätzte Tomasz Konicz bietet in diesem Text einen hübschen Überblick über die im englischsprachigen Raum langsam beginnende Scheindiskussion über die "länger anhaltende Krise des Kapitalismus", den es sich sehr zu lesen lohnt. Es ist dabei eine fast selbstverständliche Notiz am Rande, dass etwas Vergleichbares in Deutschland natürlich nicht stattfindet - hier war man schon immer gründlicher, konformer und herrschaftshöriger als anderswo. Selbst öffentlich "diskutierte" Scheinkritik ist hier nicht geduldet - dafür sorgen unsere wackeren, systemtreuen und so furchtbar "unabhängigen" Propagandamedien und die üblichen Verdächtigen aus der Politik sehr zuverlässig.

    Zunächst versteckt der Autor den eigentlichen Kern seiner Polemik gut und deutet ihn nur gelegentlich an, denn selbstredend bleibt auch diese vorgestellte "Kritik" lammfromm im Rahmen des Kapitalismus', stellt das System niemals in Frage oder postuliert darüber hinausgehende Positionen oder sogar Alternativen - so dass eventuelle "Lösungen", so sie denn jemals "gefunden" werden mögen, auch nur innerhalb dieses Systems liegen können, womit sich der Hund wieder einmal kräftig und schmerzhaft in den eigenen Schwanz bisse. Im zweiten Teil seines Textes wird Konicz dann aber deutlicher - ich könnte bzw. müsste ganze Absätze daraus zitieren, beschränke mich aber auf einen kleinen Teil:

    "Diese Entwicklung kennzeichnet einen fundamentalen Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise. Auch wenn die bürgerliche 'Wirtschaftswissenschaft' sich immer noch weigert, dies zu begreifen: Die Lohnarbeit bildet nun mal die Substanz des Kapitals - doch zugleich ist das Kapital bemüht, durch Rationalisierungsmaßnahmen die Lohnarbeit aus dem Produktionsprozess zu verdrängen. Marx hat für diesen autodestruktiven Prozess die geniale Bezeichnung des 'prozessierenden Widerspruchs' eingeführt. Dieser Widerspruch kapitalistischer Warenproduktion, bei dem das Kapital mit der Lohnarbeit seine eigene Substanz durch Rationalisierungsschübe minimiert, ist nur im 'Prozessieren', in fortlaufender Expansion und Weiterentwicklung neuer Verwertungsfelder der Warenproduktion aufrechtzuerhalten. Derselbe wissenschaftlich-technische Fortschritt, der zum Abschmelzen der Masse verausgabter Lohnarbeit in etablierten Industriezweigen führt, ließ auch neue Industriezweige oder Fertigungsmethoden entstehen. Doch genau dies funktioniert nicht mehr, nachdem sich die Lohnarbeit aufgrund der Rationalisierungsschübe der mikroelektronischen Revolution innerhalb der Warenproduktion verflüchtigt. Letztendlich ist der Kapitalismus schlicht zu produktiv für sich selbst geworden."

    Von solchen, eigentlich gar nicht so schwer verständlichen Denk- bzw. Erkenntnisprozessen ist die politische, mediale und ökonomische "Elite" in Deutschland in etwa so weit entfernt wie der Nord- vom Südpol: Solche Gedanken existieren nicht, sie sind verboten, sie widersprechen den Vorgaben der Herrschaft und damit ist das Thema erledigt bzw. - natürlich geheim - beim "Verfassungsschutz" unter dem Oberbegriff "Terrorabwehr" gelandet.

    Ich frage mich nun schon seit Längerem, was die "Elite" sich dabei denkt: Ob sie tatsächlich davon ausgeht, dass eine hochtechnisierte Zukunft, in der es nur noch ganz wenige Menschen (eben jene selbsternannte "Elite", natürlich) und ganz viel Technik gibt, wirklich erstrebenswert auch für sie selber ist, oder ob sie einfach gar nicht denkt und vor lauter Macht- und Habgier schlichtweg nicht begreift, dass sie nicht nur der großen Mehrheit der Menschen, sondern auch sich selbst kontinuierlich und unvermeidlich die dunklen Gräber schaufelt. Konicz findet dafür den trefflichen Satz: "Der Kapitalismus produziert sozusagen eine überflüssige Menschheit - auf globaler Ebene." Und diese "überflüssige Menschheit" schließt jede "Elite" - und ganz besonders eine so strunzdämliche wie diese - selbstverständlich mit ein.

    Allmählich befürchte ich, dass nicht nur die korrupten politischen Marionetten, die Lobbyisten und die ebenfalls korrumpierten Journalisten angesichts ihres eigenen ergaunerten Wohlstandes - der im Vergleich zu den meisten anderen Menschen obszön, im Vergleich zur "Elite" jedoch mehr als lächerlich ist - längst den Blick auf das Ganze verloren haben, sondern dass es den elitären Damen und Herren, die sich angsichts ihrer absurden Milliardenvermögen für die wirklichen BeherrscherInnen oder gar "LenkerInnen" dieses Planeten halten, in ihrer Luxus- und Machtblase nicht anders ergeht. Sie wissen schlicht und ergreifend nicht, was sie tun - und glauben dabei doch fest daran, dem Elitären - also sich selbst - zu dienen. Das ist so absurd und lächerlich, dass man in schallendes Gelächter über eine solche degenerierte "Elite" ausbrechen müsste, wenn sie durch ihr groteskes Handeln nicht gleich milliardenfaches, globales Leid, das mit Begriffen wie Hunger, Elend und Tod nur unzulänglich beschrieben ist, auslöste.

    Aber auch morgen werden Merkel und so viele andere kleine Wichte, Arschlöcher und Hohlbirnen wieder früh morgens aufstehen und weiter am großen Zerstörungswerk zugunsten der (zu dieser Zeit natürlich noch sanft schlummernden) Superreichen arbeiten - obwohl sie eigentlich längst abwinken, den Stinkefinger zeigen und sich zurücklehnen könnten, weil die bisherige Beute längst ausreichte, um ein auskömmliches Restleben bis ins hohe Alter (samt Vererbung an den eigenen Nachwuchs) zu führen. Allein das zeigt schon nachdrücklich und unmissverständlich, dass der Mensch bzw. dessen dominierende Version, die sich stets in Macht- bzw. Erfüllungsgehilfenpositionen drängelt, eine bis auf die Knochen verkommene Spezies ist, die in der Evolution nur eine einzige Option hat.

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    Wunschtraum


    "Der einzige Diktator, der uns wirklich helfen könnte."

    (Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 20 vom 11.08.1930 - Die Bildunterschrift mag zu Irritationen reizen, erschließt sich aber vor dem Hintergrund, dass zur damaligen Zeit tatsächlich ganz offen der Ruf nach einem Diktator als Ausweg aus der Krise diskutiert bzw. diese Diskussion aus interessierten Kreisen öffentlich platziert wurde. Heute traut die neoliberale Bande sich das - zumindest in Deutschland - aus gewissen Gründen nicht mehr so deutlich. Ich befürchte aber, dass der etwas modifizierte Ruf nach "einem starken Mann" - oder heute wahlweise ganz "modern" nach "einer starken Frau" - auch nicht mehr so lange auf sich warten lassen wird. Umso trefflicher bleibt auch heute Heines Karikatur vom "Goldesel", denn damals wie heute ging und geht es einzig um die weitere, sichergestellte Vermehrung von Geld und um nichts sonst.)