Eigentlich ist das ja ein alter Hut: Neoliberale Apologeten – also schnöde Kapitalisten – sehnen sich bar jeder Logik nach einem "schlanken Staat", der die Handlungen der Konzerne auf dem "Markt" möglichst gar nicht "reguliert", der die Steuern für "Leistungsträger", also die profitierenden, meist arbeitslosen Reichen möglichst gegen null senkt und der tunlichst sämtliche Sozialleistungen für die große Mehrheit der Bevölkerung einstellt, damit diese "animiert" werden, "Eigenvorsorge" zu betreiben, sofern sie es denn können. So weit, so altbekannt und widerwärtig.
Trotzdem ist dieses menschenfeindliche Konstrukt nicht aus der Welt zu schaffen. Die hiesigen Blockparteien des Kapitals forcieren und zementieren es nach wie vor – was in den Massenmedien allerdings eher selten thematisiert oder gar kritisiert, geschweige denn journalistisch hinterleuchtet wird – allenfalls Jubelhymnen auf die "Reformen" und deren "Erfolge" sind dort regelmäßig zu lesen. Nun hat jedoch ein erklärter Popanz-Gegner der westlichen Demokratiesimulation, Donald Trump, ganz ähnliche Pläne auf den Tisch gelegt, die ansonsten jedem transatlantischen Wirtschaftsredakteur von FAZ, Spiegel, Zeit & Co. die Freudentränen in die Augen trieben – und schon heulen die Heuchler auf und veröffentlichen "Brandtexte" wie exemplarisch diesen (Zeit Online):
Der Bundesstaat [Kansas] wollte zur Blaupause für das Ideal einer konservativen Steuerpolitik werden: ein extrem schlanker Staat, der den Bürgern und der Wirtschaft möglichst wenig Steuern abverlangt. / 2012 hatten die Konservativen in Kansas unter Führung von Gouverneur Sam Brownback [Nomen est omen, Anm.d.Kap.] das Steuergesetz angepasst. Das Ziel: Mittelständische Unternehmen, Selbständige und Landwirte sollten gestützt und so die Wirtschaft angekurbelt werden. Die Pläne der Steuerrevolutionäre sahen vor, die Einkommenssteuer schrittweise auf Null zu senken. Außerdem sollten Firmen mit bestimmten Rechtsformen – etwa Limited Liability Companies (LLC) – komplett von der Einkommenssteuer befreit werden. Das Ganze, erklärte ein zuversichtlicher Brownback, sei ein "Experiment in Echtzeit".
Das Experiment ging nach hinten los. Innerhalb eines Jahres sanken die Steuereinnahmen in Kansas um acht Prozent oder rund 700 Millionen Dollar. Was die Sache noch schlimmer machte: Die Abgeordneten hatten es versäumt, die Staatsausgaben zu senken. Weil es plötzlich an den nötigen Mitteln fehlte, sah sich der republikanische Gouverneur gezwungen, Schulprogramme zurückzufahren, Reparaturen an Highways zu verschieben und Sozialleistungen zu kürzen. / Der Aufschwung, den sich die Republikaner von ihrer Steuerpolitik erhofften hatten, blieb zudem aus. Das Wachstum im Privatsektor war in der Folge sogar niedriger als der Landesdurchschnitt.
Paradiesische Zustände in Kapitalistan
Wer hätte denn auch mit einem so desaströsen Ergebnis rechnen können? Es ist doch nun seit so langer Zeit vielfach belegt, dass Steuersenkungen für Reiche, Privatisierungen und "Deregulierungen" des "Marktes" allenthalben zu paradiesischen Zuständen für die gesamte Bevölkerung geführt haben. Gerade Deutschland ist ein gutes Beispiel dafür: Dank der Demontage des Sozialstaates und der Etablierung des Hartz-Terrors haben "wir" nun eine immer reicher werdende Bevölkerung, kaum noch Arbeitslose, keine Armut mehr und überhaupt geht es allen Menschen prächtig. Die Privatisierungen im Bereich der Krankenhäuser und Pflegeheime haben dafür gesorgt, dass Patientinnen immer besser versorgt, dass die Beschäftigten besser bezahlt werden und richtig tolle Arbeitsbedingungen erhalten haben. Die Abschaffung der Vermögenssteuer hat für hunderttausende neue Arbeitsplätze und massig Investitionen gesorgt – "wir" haben schließlich eine Elbphilharmonie, einen fast fertigen Superflughafen und einen zumindest angedachten Untertage-Bahnhof. Was soll man sich denn sonst noch wünschen? Und auch die privatisierte Post (inklusive der Telekom) ist ein einziges Erfolgsfanal, das für Kunden, Beschäftigte und die Infrastruktur ein glorreicher Segen war – um nur ganz wenige Beispiele von so vielen zu nennen.
Die Vertreibung aus dem Paradies
Aber wenn jemand wie der erklärte "Feind der Demokratie", Donald Trump, nun trotz der bekannten desaströsen Folgen dasselbe für die USA ankündigt, was nun wahrlich niemanden überraschen kann, meldet sich die deutsche Journaille plötzlich kritisch zu Wort und findet das befremdlich. Ernsthaft? Merken diese Genies von Kuhjournalisten denn wirklich nicht, wie kafkaesk diese Story ist – oder wollen sie ihre LeserInnen einfach nur verarschen und für dumm verkaufen? Kommt von den gutbezahlten Damen- und Herrschaften denn tatsächlich niemand auf die Idee, dass sinkende Steuereinnahmen, demontierte Sozialsysteme, ein überquellender, obszöner Reichtum der selbsternannten "Elite" und letzten Endes ein weitgehend handlungsunfähiger Staat nicht die Folge "politischer Fehler", sondern exakt die gewünschten Ergebnisse sein könnten, zumal diese infantile Farce nun schon seit mehreren Dekaden andauert? Oder glauben diese schreibenden Stricher und Huren allen Ernstes, dass da mehrheitlich Leute in den politischen Räuberhöhlen hocken, die es auch nach 20 Jahren noch nicht fertigbringen, eins und eins zusammenzuzählen?
Hätte sie doch bloß jemand gewarnt
Ich weiß allmählich wirklich nicht mehr, wen ich verabscheuungswürdiger finde: Die korrupte Bande in den Blockparteien, die willfährigen, die Korruption begleitenden KuhjournalistInnen oder die profitierenden Arschlöcher, die sich wie Dagobert Duck tagtäglich in ihren erbärmlichen Geldspeichern im nackten Wahnsinn ihrer unersättlichen Habgier suhlen, obwohl sie wissen, dass sie nicht nur in gestohlenem Gold, sondern erst recht in millionenfachen Massengräbern schwimmen.
Dort, wo der Staat gewesen sein könnte oder sein sollte, erblicke ich nur einige verfaulende Reste von Macht, und diese offenbar kostbaren Rudimente von Fäulnis werden mit rattenhafter Wut verteidigt. Schweigen wir also vom Staat, bis er sich wieder blicken lässt. In diesem Augenblick von ihm zu sprechen, wäre Leichenfledderei oder Nekrophilie – zu beidem bin ich nicht veranlagt.
(Heinrich Böll [1917-1985], aus der "Rede zur Eröffnung des neuen Schauspielhauses in Wuppertal im September 1966", zitiert nach "Der Spiegel", Nr. 41 vom 03.10.1966)
Pünktlich zum bevorstehenden "Reformationstag" – dem Höhepunkt der seit zehn Jahren [sic!] währenden und vom Staat mit dreistelligen Millionenbeträgen finanzierten "Lutherdekade" – haben die Macher des atheistischen Blogs Man glaubt es nicht einen hübschen Text veröffentlicht, in dem auf einen schon etwas älteren Beitrag zum Antisemiten, Frauenhasser und Obrigkeitsapostel Martin Luther eingegangen wird, der seinerzeit einen beachtlichen Shitstorm ausgelöst hat. Die AutorInnen verwenden hierfür den aus meiner Sicht nicht sonderlich gelungenen – weil allzu verharmlosenden – Begriff der "Schnullernazis" für jene fundamental-"christliche" Vollidioten, die ihren Nazi-Dreck hemmungslos ins Netz kippen und sich dabei des "göttlichen Beistandes" gewiss sind – aber das soll nun nicht weiter stören.
Okay, Luther war also wirklich ein Hassprediger, ein Vordenker für die Faschisten, der im "Dritten Reich" ausführlich gefeiert wurde. Wie äußern sich die Schnullernazis zu ihm? / "Luther war ein großartiger Mann. Heute bräuchten wir ihn – als Prediger gegen alles Linke, Zerstörende. […] Lieber noch die Ayatollahs als die linken Satanspäpste." / In einem anderen Kommentar sehnt sich ein Schnullernazi einen weiteren Hassprediger herbei: "Einen Luther bräuchten wir heute wieder: gegen Linke, Femastasen-Weiber und ausländische Invasoren." / Nicht nur Luthers Antisemitismus, sondern auch sein Frauenbild wird geteilt, es werden sogar biologische Ursachen für deren vermeintliche Unterlegenheit ermittelt: "frauen sind halt OHNE EIER GEBOREN, wobei man sich in dieser Situation schon eher einen ‚SAUDI-ARABISCHEN‘ Umgang mit Frauen wünscht, niemals das weibliche Geschlecht an irgendwelchen Machtpositionen zu setzen."
Und so geht das munter weiter. Hier findet sich fast jedes bornierte Klischee, das man rechtsradikalen Hohlbirnen – ob nun mit oder ohne pseudotheologischem Unterbau – gemeinhin zuordnet. Die Lektüre wäre sehr lustig, wenn sie nicht die böse Gefährlichkeit der Dummheit, die sich hier förmlich und äußerst bedrohlich manifestiert, so schauerlich illustrierte. Lest Euch das inklusive der Kommentare in aller Ruhe – sofern das Nervenkostüm das mitmacht – durch und beachtet auch das Ursprungsposting und die dort noch erhalten gebliebenen Kommentare. Dies sind Stimmen aus Deutschland im "Jahre des Herrn 2017", die unmittelbar erklären, weshalb Rassismus und Faschismus hier längst wieder eine heimelige, bis ins Knochenmark vergiftete Wohnstatt haben.
Mich erinnert das an meinen aussichtslosen Kampf, den ich vor Jahren mit Foristen (es waren ausschließlich Männer) des inzwischen zum Glück abgeschalteten Idiotenportals "kreuz.net" geführt habe. Dort posteten ebensolche – allerdings katholische – Nazihorden exakt denselben menschenfeindlichen Müll – bloß ohne Bezug auf Luther. Einige von diesen Gesellen belästigen mich per Mail auch heute – nach fast zehn Jahren – immer noch mit ihrer ewig gleichen braunen Kotze.
Wer nun einwendet, dies seien ja nur die "extremen Ränder" der Religioten, die man nicht weiter ernst nehmen müsse, sollte sich mit den entsprechenden Positionen der "christlichen" Parteien (CDU/CSU für die Katholen und die Grünen für die Evangelen) befassen – wobei ich damit nicht irgendwelche wohlfeilen Programme oder andere Druckwerke, sondern das konkrete Handeln meine. Anlässlich eines nicht weiter erwähnenswerten Besuchs in einem Gottesdienst erzählte mir noch vor einigen Wochen eine Pfarrerin mit belehrender Stimme von der Kanzel herab: "Wir Menschen sind alle Sünder, aber wir können etwas dagegen tun: Der Glaube ist der erste Schritt."
Yeah. Ich glaube inzwischen nur noch an den Untergang dieser Spezies und hoffe inständig, dass ich ihn nicht mehr persönlich erleben muss. Die Hoffnung darauf schwindet allerdings zunehmend.
Der Kollege Arbo vom Blog Krautism hat jüngst einen lesenswerten Text – eigentlich eine Aktualisierung eines älteren Beitrages – über das seltsame Fischen der Frau Wagenknecht am rechten Rand geschrieben, in dem es unter anderem heißt (Quellenangaben im Originalposting):
Zurück zur Nüchternheit: Würde Frau W. nun – eingedenk der eben geschilderten Situation – über den Libanon sprechen und sagen ‚Dort sind die Kapazitätsgrenzen (langsam) erreicht.‘, wer würde ihr widersprechen? Der Punkt ist nur, dass sie nicht vom Libanon spricht, sondern von Deutschland. Daher mal ein Vergleich: Deutschland hat laut Destatis 82 Millionen Einwohner, konnte 2016 auf ein BIP von 3.144,1 Milliarden Euro bzw. 3,466 Billionen USD blicken; im gleichen Jahr 2016 wurde über die Asylanträge von 695.733 Personen entschieden (BAMF) und zwischen Januar und September 2017 lag die Zahl der registrierten Asylsuchenden laut Bundesstelle für Politische Bildung bei 139.635 Personen (die Bundesregierung gibt für den gleichen Zeitraum 168.306 Personen an).
Dagegen liegt die Bevölkerung des Libanon aktuell bei ca. 6,2 Millionen Menschen, das BIP bei (nominal) 52 Milliarden USD (Wikipedia) und die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge liegt geschätzt zwischen 1 bis 2 Millionen Menschen (Zahlen laut nachrichten.at vom Dezember 2016). Die so rhetorische wie ‚nüchterne‘ Preisfrage lautet nun: Welches Land von beiden wird wohl am ehesten an ‚Kapazitätsgrenzen‘ stoßen?
Inhaltlich habe ich dem nichts hinzuzufügen – Dank an Arbo für die gründliche Recherche. Mich treibt aber die Frage in den Wahnsinn, was zur Hölle Wagenknecht und Lafontaine mit diesen Aktionen zu bezwecken gedenken? So dumm sind diese Menschen (hoffentlich) nicht, dass sie tatsächlich daran glauben, auf diese schäbige Weise bei den "besorgten BürgerInnen" und anderen Pegidioten Wahlstimmen einsammeln zu können – andererseits möchte ich ihnen aber auch keine bösen, nationalistischen Intentionen unterstellen. Was also steckt dahinter? Naivität? Populismus? Aktionismus? Oder doch nur Dummheit, völkisches Denken – oder noch etwas ganz anderes, das mir partout nicht einfallen will?
Es ist ja kein Geheimnis, dass Wagenknecht die "Überwindung des Kapitalismus" – auch das übrigens eine offen populistische, extrem dumme und inhaltlich groteske Formulierung, die einzig dem kapitalistischen, alles indoktrinierenden Zeitgeist geschuldet ist – längst nicht mehr vertritt. Hat auch sie inzwischen von der Lapuente'schen Verdummungsdroge der "Realpolitik" gekostet und dabei ebenso ihren Verstand verloren wie all die braven FähnchenschwenkerInnen, die unbeirrt und von der Realität unberührt in der Linkspartei das Seelen- und Nationalheil sehen wollen? Ich verstehe das nicht. Und trotzdem wird diese Dame von Teilen der "Linken" nach wie vor als glühende Jeanne d'Arc angepriesen, so als sei eine Personalie – welcher Art auch immer – in einer "repräsentativen" Demokratiesimulation tatsächlich entscheidend für den "Sieg der guten Sache". Das ist so albern und bizarr, dass es mir die Sprache verschlägt.
Wie soll der kapitalistische Horror, der im Begriff ist, den kompletten Planeten zu zerstören und der für den weit überwältigenden Teil der Menschen nicht erst seit gestern ein einziger, tödlicher, nicht endender Albtraum ist, mittels einer Partei "bekämpft" werden, die sich einer solchen perfiden Rhetorik bedient wie Wagenknecht sie wiederholt bemüht?
(Torsten Rasch [*1965]: "Orchesterlied VII: Ich will", aus dem Album "Mein Herz brennt. Liederzyklus nach Texten von Rammstein", 2003; Sprechgesang: Katharina Thalbach, Dresdner Sinfoniker, Leitung: John Carewe)
Vor zwei Wochen war bei spektrum.de ein interessanter Bericht zu lesen, in dem es um die staatliche Totalüberwachung und vor allem die Bereitschaft der hiesigen Bevölkerung ging, sich diesem grausigen Instrument freiwillig und willfährig auszuliefern. Unter dem Titel "Überwachung wird cool" heißt es dort:
GPS, Smartphones und Fitness-Tracker sind genuine Militärtechnologien. Warum haben Menschen trotzdem Spaß daran, sich mit smarten Geräten zu überwachen?
Ich empfehle dringend die komplette Lektüre dieses kleinen Textes, in dem auch der Soziologe und Kriminologe Nils Zurawski zitiert wird: "Die Überwachung ist so unmerklich in unseren digitalen Alltag eingebettet, dass wir die Mittel als Konsumartikel wahrnehmen und sie uns nur dort erscheinen, dass der Prozess der Überwachung, der Normierung, der Steuerung entweder nicht auffällt oder die dahinterstehenden Herrschaftsverhältnisse egal werden." – Diesen Satz sollte man dreimal, fünfmal lesen, um die Ungeheuerlichkeit zu erfassen.
Um den Datenschutz oder die Privatsphäre ist es in der heutigen Zeit ohnehin nicht gut bestellt – inzwischen ist es quasi eine Selbstverständlichkeit, ein Dumpf-Phone zu "besitzen" und es – ganz wichtig – auch niemals auszuschalten. Dies ist jedoch nur die eine Seite der schwarzbraunen Medaille, denn längst hat der Überwachungswahn ganz andere Dimensionen erreicht, die weit über die Wanzen, die sich die Bekloppten auch noch selber kaufen, hinausgeht. Darüber hat Matthias Heeder eine Dokumentation erstellt, die momentan in (sehr wenigen ausgewählten) Kinos zu sehen ist:
Das abstruse Konzept, das "Pre-Crime" genannt wird, geht davon aus, dass ein Computer anhand irgendwelcher intransparenter Algorithmen zuverlässig vorhersagen könne, wer zukünftig straffällig oder ein Opfer einer Straftat werden könne. Diese Technologie, die – zumindest heute – viel mehr mit Kaffeesatzleserei als mit Wissenschaft zu tun hat, kommt inzwischen dennoch zur Anwendung und hat entsprechend kafkaeske Auswirkungen, die im Film exemplarisch beleuchtet werden. Beim WDR ist zudem ein (leider gewohnt schlechtes) Interview mit dem Regisseur nachzulesen, in dem Heeder unter anderem sagt:
Robert McDaniel, mit dem wir in diesem Film gearbeitet haben, war auch auf dieser Liste gelandet. Er wurde in den letzten drei bis fünf Jahren zusammen mit einem Freund immer wieder mal wegen kleinerer Vergehen verhaftet. Das passiert in den USA sehr schnell – vor allem wenn man schwarz ist. Zum Beispiel wegen Würfelspielens oder Trinkens in der Öffentlichkeit – Marihuana rauchen, also diese Art von Vergehen. Und dann wurde sein Freund im Zusammenhang mit einer Gang-Auseinandersetzung ermordet. Robert rutschte dadurch automatisch auf die Punktzahl von 215 und bekam einige Tage später Besuch von der Polizei. Das ist die Realität, in der sich Menschen bewegen, die auf diesen Listen auftauchen. Heute sind es glaube ich inzwischen 4.500 Namen, die auf dieser Liste [die sich einzig auf die Stadt Chicago bezieht, Anm.d.Kap.] sind.
Es ist noch nicht so lange her, da war ein solches Szenario noch pure Science Fiction ("Minority Report"). Obwohl alle Beteiligten wissen, dass sie mit dieser Art der "Verbrechensbekämpfung" nichts erreichen, sondern stattdessen viele unbescholtene BürgerInnen "prä-kriminalisieren" und damit fälschlicherweise beschuldigen, wird der Unfug unbeirrt eingesetzt und durchgezogen. Auch in Deutschland, übrigens.
Mir kommt es immer mehr so vor, als nutzten die kapitalistischen "Eliten" gezielt die dystopischen Szenarien aus der Science Fiction ganz konsequent als Blaupause, um ihren Herrschaftsanspruch zu festigen – was aber natürlich nur eine wirre Verschwörungstheorie sein kann, denn letzten Endes wollen diese Herrschaften ja alle nur das Beste für die Menschheit. [*Gelächter vom Band*]
Ich möchte wirklich, wirklich nicht wissen, wie diese Welt in zwanzig Jahren aussieht. Wenn die Kapitalisten sie nicht in einem atomaren "Endkrieg" in die Steinzeit gebombt oder die Faschisten sie in ein globales Konzentrationslager verwandelt haben, werden wir uns dann wohl in einem kapitalistischen Überwachungsstaat befinden, gegen den Orwells Gruselwelt ein lustiges Disneyland der pinkfarbenen Luftballons und klammheimlichen Sehnsüchte nächtlicher Geheimträume seltener Dissidenten sein dürfte: Game over.
Sauft, Soldaten!
Dass das Blut
heißer durch die Adern rinnt.
Saufen macht zum Sterben Mut.
Sauft! Die Zeit der Heldentaten
fordert saftige Teufelsbraten.
Sauft! Der heilige Krieg beginnt.
Sauft und betet!
Gott erhört
liebevoll der Gläub'gen Ruf.
Wünscht, dass er den Feind zerstört!
Wenn ihr über Leichen tretet,
dankt dem Herrn, zu dem ihr flehtet,
dass er euch zu Mördern schuf.
Feindeskissen
bettet weich.
Wo des Feindes Witwe weint,
ist des Siegers Himmelreich.
Fremde Weiber – Leckerbissen –
Schnaps, Gebet und kein Gewissen.
Krieg ist Krieg, und Feind ist Feind!
Tapf'rer Krieger,
der vergisst,
dass ein Herz im Leibe schlägt,
dass er Mensch gewesen ist,
eh er Kämpfer war und Sieger.
Edler Held, der gleich dem Tiger
blutige Beute heimwärts trägt!
Heldenscharen
kehrt ihr heim,
fielt ihr nicht von Feindeshand.
In der Brust den Todeskeim,
Krüppel mit gebleichten Haaren,
sucht, wo eure Stätten waren
im zerwühlten Vaterland.
Qual und Lasten
sind der Dank.
Weib und Kind in bittrer Not.
Euer Heldentum versank.
Darben lernt ihr nun und Fasten.
Bettelnd mit dem Leierkasten
winselt ihr ums Gnadenbrot.
(Erich Mühsam [1878-1934]: "An die Soldaten", in: "Wüste – Krater – Wolken. Die Gedichte", 1914; Erstdruck 1912)
Eigentlich hatte ich ja vor, mich inhaltlich nicht mehr mit den Auswürfen meines geschätzten Freundes Roland Faulfuß, die er – sofern er denn gelegentlich mal einen selbst verfassten Text veröffentlicht – in seine esoterische, wirre Filterblase entlässt, die er merkwürdiger Weise für "das Internet" oder gar "die Welt" hält, zu befassen. Heute muss ich mit diesem Grundsatz leider brechen (und ich sehe schon die genervt rollenden Augen einiger MitleserInnen, denen mein ganzes, aufrichtiges Mitgefühl gilt), denn der Mann hat wieder einmal so viel geballten Blödsinn aus seinem hypersensiblen Hirn gesaugt und in pseudointellektuelle Worthülsen gezwängt, dass mir gar keine andere Wahl bleibt. Es nützt ja schließlich nichts, sich bloß in den eigenen vier Wänden oder im kleinen Kreis aufzuregen – das ist nicht gut für den Blutdruck und die gehaltvolle Verdauung.
Faulfuß hat sich nun – wenn auch über Bande und mit dem obligatorischen Fragezeichen versehen, auf das sich Leute seines windigen Schlages stets herausreden können, wenn es "hart auf hart" kommt – als "linker Konservativer" geoutet. Da schmerzt sogar das schmerzunfähige Stammhirn und die Fußnägel rollen sich beherzt auf, dass es eine wahre Wonne ist. Für den Eso gehört nun also "Computer- und Kommunikationsspielzeug" zu irgendwelchen "vielen skurrilen Interessengebieten, denen man frönen, denen man sich aber auch entziehen" könne. Das ist mal eine Aussage, die so dämlich ist, dass auch die weiteren Ausführungen daran nichts mehr ändern, denn offenbar versteht der "linke Konservative" darunter lediglich oder zumindest vornehmlich die Dumpf-Phone-Besessenheit der hiesigen (keineswegs nur jungen) Bevölkerung.
Dass er selbst dem "Computer- und Kommunikationsspielzeug" frönt, indem er seit Jahren an einem obskuren Blog mitarbeitet, fällt ihm nicht auf – und so merkwürdige, lächerliche Menschen wie beispielsweise ich fallen ganz durch sein monokausales Raster: Ich boykottiere Dumpf-Phones seit vielen Jahren und lasse es mir dennoch nicht nehmen, mich ausgiebig mit dem Computer, mit diverser Software und gelegentlich sogar mit (*Jesses hilf!*) Computerspielen zu beschäftigen. Damit bin ich in des Faulfußes kleiner Biene-Maja-Welt schon ein Sektierer, ein Menschenfeind, ein Aussätziger.
Das war aber bloß der Prolog. Was der Mann danach vom Stapel lässt, offenbart das ganze Ausmaß der intellektuellen Einöde, in der er sich befindet bzw. befinden muss. Es sprengte den Rahmen, jede einzelne Äußerung des Wahn- und Irrwitzes hier zu kommentieren, so dass ich mich auf eine Auswahl im Nano-Bereich beschränke. Faulfuß schreibt beispielsweise:
Ich selbst will den Status Quo nicht "einfrieren". Entwicklung ist unvermeidlich und oft auch gut. Aber das Tempo der Veränderung muss sich den Menschen und ihren Bedürfnissen anpassen, nicht umgekehrt. Heute haben wir es geradezu mit einem Innovationsterror zu tun.
Abgesehen davon, dass diese Passage – wie auch der gesamte Text – mit keiner Silbe darauf eingeht, weshalb diese Forderung im kapitalistischen System vollkommen blödsinnig ist, da dem Kapitalismus "der Mensch und seine Bedürfnisse" schlichtweg scheißegal sind – hier geht es einzig um möglichst viel Profit für die "Elite" –, ist auch der letzte Satz hanebüchener Unsinn. Die technische Innovation – egal, wie man diese nun im einzelnen bewerten möchte – ist seit mehr als hundert Jahren in einem wahnwitzigen Tempo auf ihrem dampfenden Weg. Das kein neues Phänomen. Die technischen "Quantensprünge" beispielsweise der Elektrizität, der Dampfmaschine und damit der Eisenbahn oder der Verbrennungsmotoren haben in der Vergangenheit für ähnlich dramatische Veränderungen und natürlich auch Verwerfungen gesorgt. Faulfuß plappert hier schlicht esoterischen Bockmist nach, für den er sogar einen "Zeugen" (Harari) benennt und den er als "Bestseller-Autor" vorstellt, so als seien die Verkaufszahlen eines Printwerkes ein Indiz für die Relevanz oder Qualität desselben. Einige der üblichen Propagandatechniken der korrupten Bande beherrscht der Hochsensible bereits. Er zitiert Harari:
Obwohl sich Geschichtswissenschaftler mit fast jedem erdenklichen Thema beschäftigen – von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft über Geschlechter und Sexualität bis zu Krankheiten, Essen und Kleidung –, haben sie sich nie gefragt, welchen Einfluss das alles auf das Glück der Menschen hat. Das ist die größte Lücke in der Geschichtsschreibung.
Auch diese Aussage, die sich Fauli zu eigen macht, ist falsch. Einerseits ist es ja nicht die primäre Aufgabe der Geschichtswissenschaft, dem "Glück der Menschen" nachzuforschen – und es ist damit auch keine "Lücke"; andererseits sollte der Verfasser einfach mal einen Blick in die langen Buchregalreihen dieser Wissenschaft riskieren, um festzustellen, dass es trotzdem sehr wohl Veröffentlichungen, die zu diesem Themenkomplex zählen, gibt. Arbeiten aus anderen Wissenschaftsbereichen oder gar fachübergreifende Forschung will ich hier gar nicht erst erwähnen. Die Behauptung ist stumpfsinniger Mumpitz.
Es folgt ein Highlight der Faulfuß'schen Blümchenwelt:
Leider gelten zufriedene Menschen aber heute als Feinde einer florierenden Wirtschaft. Sie weigern sich, den Herstellern von technischem Schnickschnack als Zielgruppe zur Verfügung zu stehen.
Beim ersten Lesen war ich froh, dass ich gerade keinen Kaffee trank, der sich sonst unweigerlich über meinen technikfreundlichen, scharf zu verdammenden Monitor ergossen hätte. "Heute" sind also Menschen, die sich dem Konsum verweigern, "Feinde der Wirtschaft"? Ah ja? Was waren solche Menschen denn vor 20, vor 40 oder vor 100 Jahren? Des Kapitalisten liebste Freunde? Oder gab es die vormals gar nicht? Und wieso betrifft das heute nur "zufriedene" Menschen? Können nicht auch gänzlich Unzufriedene die viel "besseren" – weil schlagkräftigeren – Feinde des Kapitals sein? Man weiß so wenig, wenn die Sprachkunst des Autors sich auf einem derartig befremdlichen, semi-religiösen Niveau bewegt.
Selbstverständlich führt Faulfuß diese an sich schon absurden Gedanken noch weiter fort und kommt zu dem Schluss, den ich zur Illustration seiner Absurdität in die Sprache der vergleichbaren Menschen von vor hundert Jahren übersetzen möchte: "Heute ist der Eisenbahner dieses prägende Leitbild unserer Kultur. Ob wir wollen/können oder nicht – wir müssen, um im modernen Alltag überleben zu können, zumindest partiell so werden wir 'die'. Eine Zwangsbekehrung zur Religion der Dampfmaschinen-Enthusiasten findet derzeit statt. In der Folge verbrauchen wir viel Zeit und Energie, um mit Hilfe von Technologien Probleme zu lösen, die ohne sie gar nicht entstanden wären."
Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Auch das Eisenbahnzeitalter hat seinerzeit extrem viel Leid, Elend und Not verursacht und massenhaft Menschen in Abhängigkeiten, Armut und finstere Ausbeutung gestürzt, während wie gewohnt nur eine kleine Minderheit davon profitiert hat und steinreich auf Kosten der übrigen Menschen geworden ist – aber trotzdem war diese Technologie ein Meilenstein der wenig ruhmreichen Menschheitsgeschichte. Die Pervertierung bezieht sich ja nicht auf die Technologie, sondern auf deren "leitende" Anwender und deren Ziele. Dasselbe trifft heute auf Computer und auch das Internet zu. Die kapitalistischen Auswüchse bzw. "normalen" Ausformungen der Ausbeutung, Armut und imperialistischen Widerlichkeiten, die zu einem technologischen Sprung im Kapitalismus eben immer dazugehören, gilt es heute ebenso scharf zu bekämpfen wie damals. Solch einfache Schlussfolgerungen aus der Primarstufe zieht Faulfuß jedoch natürlich nicht.
Letztlich kommt auch in diesem Text wieder das altbekannte, zum wiederholten Kotzen bemühte "Naturverständnis" dieser verblendeten Eso-Heinis zutage, das auch gerne mit dem abergläubischen Begriff "Schöpfung" belegt wird. Ich frage mich jedesmal, wenn ich so einen Kappes lese, ob der Urheber tatsächlich in derselben Welt lebt wie ich: Schließlich handelt es sich bei "der Natur" um ein System, das essenziell und primär auf dem völlig perversen Prinzip des "Fressens und Gefressen-Werdens" beruht. Wenn Faulfuß sich also in seinem "Biotop", das er in seinem wirren Beitrag visuell angedeutet hat, befindet, ist er sich offensichtlich nicht bewusst, dass um ihn herum zu jeder Sekunde tausende von Lebewesen andere Lebewesen töten und auffressen, um sich selbst am Leben erhalten zu können. Eine andere Wahl haben sie nicht. Das ist "Natur". Wer so etwas auch noch einem "Gott" als "Schöpfung" in die Schuhe schieben will, hat offensichtlich noch größere psychische und intellektuelle Probleme als die AfD oder die CDU. – Merke (es folgt eine steile, aber nicht von der Hand zu weisende These): Wer "die Natur" als "gutes Beispiel" bemüht, muss zweifellos ein übler Faschist sein.
So sind sie eben, die "Konservativen" bzw. Kapitalisten bzw. Esoteriker bzw. Faschisten: Jenseits der Realität.
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Naturidyll
Der Löwe (der Konservative) und das Zebra (die Linke) chillen friedlich gemeinsam im Paradies der Natur.
Der WDR ist für seine schmerzbefreite, von der Realität weit entfernte Berichterstattung bzw. kapitalistische Propaganda inzwischen ja bekannt und berüchtigt wie ein bunter Hund. Vor einigen Tagen gab es dazu wieder einmal ein Beispiel, das den Genuss des kollektiven Fussnägelaufrollens in ganz neue Dimensionen erhebt.
Wir wissen nach hunderten, immer wiederholten Beiträgen inzwischen ja, dass es "uns" heute "so gut wie noch nie zuvor" geht – darauf musste nun auch der WDR mal wieder aufmerksam machen, weil es sonst ja niemand bemerken kann. Diesmal haben die Satiriker bzw. tiefschwarzen Zyniker des Staatssenders diese esoterische Heilsbotschaft aber – ich mochte es erst auch nicht glauben – tatsächlich in den Verkehrsmeldungen untergebracht. Dort hieß es am 10.10. allen Ernstes:
Der Verkehr auf den Autobahnen in NRW hat sich am Dienstagmorgen (10.10.2017) auf einer Länge von mehr als 500 Kilometern gestaut. (...) Konjunktur und herbstliches Wetter / Zudem seien viele Autos und Lastwagen wegen der guten Wirtschaftslage auf der Straße.
Ja. Ich verstehe. Die Wirtschaftslage ist so brüllend gut, dass sich nun schon die Autos und LKWs auf den Straßen stauen, um den ganzen bescheuerten Plunder ins Ausland zu transportieren, von dem im Inland aber niemand etwas hat – abgesehen von den Kapitaleignern natürlich. Die gewinnen nämlich immer. Diese Meldung ist so schrill, dass sie mir böse Schmerzen bereitet. – Am selben Tag war beim WDR aber auch zu lesen:
Jedes vierte Kind im Regierungsbezirk Düsseldorf ist arm oder von Armut bedroht / Vor zehn Jahren unterstützte die Kindertafel an drei Schulen rund 20 Kinder. Mittlerweile sind stadtweit 28 Schulen dabei, 1.800 Kinder bekommen diese Art der Hilfe in Düsseldorf. Tendenz steigend (...).
Die "gute Wirtschaftslage" scheint nun nicht für alle – noch nicht einmal für eine Mehrheit der Menschen – so überaus erstrebenswert zu sein. Sapperlot! Wie kann denn so etwas bloß sein? Solche Fragen stellt man sich beim WDR jedoch nicht, denn im Paradies fragt man nicht, wieso denn nur sehr wenige profitieren und im Geld versinken, während die breite Masse in die finstere Röhre guckt. Auch das perverse Konzept der "Tafeln", das in einem wirklichen Sozialstaat nicht nur überflüssig, sondern vehement abzulehnen wäre, wird hier nicht thematisiert oder gar in Frage gestellt. Zur staatlichen Willkür der Zwangsverarmung ("Jobcenter") gesellt sich hier wunderbar die "Charity"-Willkür der Reichen: Niemand hat mehr einen Rechtsanspruch auf ein Existenzminimum (dank der grundgesetzwidrigen Sanktionen), ausreichende Lebensmittel oder gar so etwas Abstruses wie soziale oder kulturelle Teilhabe. Das gibt's längst alles nicht mehr in Kapitalistan; der betroffene Bürger muss einfach darauf hoffen, dass er einen "netten" Sachbearbeiter" oder einen Restbestand der dem Müll geweihten Lebensmitteln bei den "Tafeln" erwischt. Das ist für Millionen von Menschen in diesem Land eine fast tägliche, existenzielle Lotterie, die nie endet, aber längst nicht immer zu ihren Gunsten ausgeht.
Einen Tag zuvor, am 09.10., war beim WDR bereits ein Beispiel für einige Gründe dieser Perversionen zu lesen – freilich auch diesmal ohne jeden Kontext oder irgendeine sinnvolle, journalistische Schlussfolgerung:
Riesenrenditen mit Mikro-Appartements für Studenten / 22 Quadratmeter für beinahe 500 Euro – auf dem Wohnungsmarkt in Studentenstädten sind solche Angebote nicht selten. Das verspricht hohe Renditen für Investoren. / (...) Die Klientel: Gut betuchte Studenten. Für den BAFöG-Bezieher sind solche Wohnungen nicht finanzierbar. Stattdessen zielen die Investoren auf zahlungskräftige und ausländische Studenten.
Ei der daus! Da tun nun kapitalistische "Investoren" genau das, was sie in diesem System eben immer und überall tun – und niemand außer einer "linksextremen" Minderheit findet das ekelerregend? Wie kann das denn bloß sein, lieber WDR? Na, kommt ihr noch darauf, oder dürft ihr das nicht? Die "gute Wirtschaftslage", die sowohl für Megastaus auf den Straßen, als auch für massiv zunehmende Armut und Verelendung im Land sorgt, hat damit gar nichts zu tun, gelle!?
Hauptsache, den Kapitaleignern geht es gut – es versteht sich doch von selbst, dass deren stetig zunehmender Reichtum von irgendwem finanziert werden muss! Und wer sollte das denn sonst sein, wenn nicht die Zwangsverarmten? Die bedauernswerten Milliardäre können sich die anschwellenden Goldsäcke ja schließlich nicht aus den fetten Rippen schneiden!
Hier sind Hopfen und Malz unwiederbringlich verloren – und ein "Intendant", der sich aus den gerne per Gerichtsvollzieher eingetriebenen Zwangsgebühren mit 400.000 Euro jährlich bezahlen lässt, weist den Weg. Qualität bzw. Propaganda haben eben ihren Preis. Und dem Kapitalismus ging es in der Tat noch nie besser als heute.
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Betrachtung
"Die Biester sind Gott sei Dank genau wie die Menschen. Wenn sie nichts zu fressen kriegen, sind sie zu schlapp zum Beißen, und wenn sie zu fressen haben, zu faul."
Stehen Popcorn, Bier und Zigarren bereit? Es ist wieder einmal soweit: Die selbsternannte "Linke", die aus strammen Fanboys und -girls (wobei letztere da eher selten auftauchen) der Linkspartei besteht, lädt wieder ein zum großen Kino der Selbstzerfleischung. Es geht – natürlich – wieder einmal um die "Neulandsozialdemokraten" – diesmal allerdings nicht um den rechtsgewendeten, unsäglichen Lapuente oder den bedauernswerten Nostalgiker Wellbrock, sondern um das lustige Kommentariat, das aus größtenteils alten, sich "links" wähnenden Männern besteht, die dem Internet und der restlichen Welt eben jene Welt erklären wollen, während sie brav und bieder Parteifähnchen schwenken.
Der Anlass ist zu vernachlässigen – ich habe mir den Podcast, der als Auslöser für das Kinoerlebnis dient, nicht angehört. Irgendein Erkenntnisgewinn ist da ohnehin nicht zu erwarten. Stattdessen habe ich begierig die Kommentare dazu gelesen – und wurde natürlich nicht enttäuscht.
Da geben sich die Fähnchenschwenker die Klinke in die Hand: Während die eine Fraktion der Obergrenzen-Apologetin Wagenknecht nicht nur die Schuhe, sondern jedes erdenkliche Körperteil küsst, heult die andere ausschweifend herum, dass diese Opposition gegen die Machtansprüche von Kipping und Riexinger ja kontraproduktiv sei und letzten Endes nur den Nazis in die Hand spiele. Was soll man dazu noch sagen – ich habe mit offenem, freilich grinsendem Mund vor dem Monitor gesessen und wähnte mich auf einer Titanic-Seite.
Keiner (wirklich nicht ein einziger) dieser parteihörigen Schwerdenker – ob nun Wagenknecht- oder Kipping-Fan – kommt auf den naheliegenden Gedanken, dass die Linkspartei längst angekommen ist im politischen Einheitsbrei des Kapitalismus, obwohl das so offensichtlich ist, dass ich mich schon in Grund und Boden schäme, erneut darauf hinweisen zu müssen. Diese Gesellen nehmen das einfach nicht zur Kenntnis und bleiben weiterhin bei ihrer felsenfesten Überzeugung, dass einzig die Linkspartei in der einen oder anderen Form dem kapitalistischen Terror ein Ende bereiten könne. Das sind geballte esoterisch-religiöse Überzeugungen, wie sie kafkaesker gar nicht sein könnten – Wasser brennt eben lichterloh, wenn man nur daran glaubt, gelle?
Mich erinnert das an die Diskussion der Feuerwehrleute, die vor einem brennenden Haus stehen und beratschlagen, ob man die lodernden Flammen nun besser mit Benzin, Kerosin oder doch eher mit flüssigem Sauerstoff bekämpfen solle. Derweil schwenken die Deppen weiter rote Parteifähnchen und wundern sich, dass der Faschismus dennoch eine neue Blüte erlebt – an dem ihre geliebte Partei nicht ganz unschuldig ist, was man aber nicht sagen darf, denn das ist böse, "spaltende" Ketzerei. Deshalb darf ich das nur hier schreiben – im Land der Linkspartei-Fetischisten werde ich dafür ganz menschenfreundlich gehasst, ignoriert und sogar per Mail bedroht: Irgendein Mensch, der sich "Sahra-Team" nannte, hat mir kürzlich in einer Mail nahegelegt: "Wenn du einfach stirbst wird dir keiner eine Träne nachweinen!! Dein scheiss Kommunismus ist tod [sic]!" – Und das ist noch ein eher harmloses Beispiel von vielen.
Ich lege also jedem, der sich dem Humanismus verpflichtet fühlt, nahe, dieses Güllebecken bei den "Neulandsozialdemokraten" aufzusuchen, den Schmonzes dort zu lesen und sich danach möglichst nicht irre kreischend von der nächsten Klippe ins Meer zu stürzen. Ich habe das geschafft, also kann es auch jede/r andere.
Mein Popcorn ist alle.
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(Zeichnung von Jiří Georg Dokoupil [*1954] aus dem Jahr 1985, Tinte auf Papier, Groninger Museum, Niederlande)
Finale. Allegro con fuoco - Allegro moderato, à la Zingara
(Henryk Wieniawski [1835-1880]: "Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 in d-moll", Op. 22, aus den Jahren 1856/62; Philharmonisches Orchester Posen, Violine: Bomsori Kim, Leitung: Marek Pijarowski, 2016)
Nach dem Wahlerfolg der ÖVP im Nachbarland Österreich, der einmal mehr den immensen, immer bedrohlicher werdenden Rechtsruck überall in Kapitalistan illustriert, ist es mir ein Bedürfnis, auf einen sehr erhellenden Text von Bernhard Torsch hinzuweisen, der bereits am 12.10. in der Jungle Worldveröffentlicht wurde. Dort sammelt der Autor unter Anderem einige (längst nicht alle) der übelsten während des Wahlkrampfes geäußerten Meinungen und Ankündigungen des kleinen Schlips-Borg Sebastian Kurz, zu dem der Redaktion des Postillon nur die naheliegende Frage einfiel:
Falls er Österreichs Kanzler wird: Wer folgt Sebastian Kurz als Klassensprecher der 10b nach?
Ich liste einige der dort genannten Abstrusitäten, die dieser lächerliche Hampelmann, der wohl nur von geistig Umnachteten, die auch einen Lindner oder einen Höcke ernst nehmen können, von sich gegeben hat, der besseren Lesbarkeit wegen einmal komprimiert auf:
Im Windschatten der Kölner Silvesternacht 2015 bliesen die österreichischen Boulevardmedien jeden realen oder vermeintlichen Fall sexualisierter Gewalt von Asylsuchenden zur großen Story auf, Schwimmbäder verhängten Hausverbote für Nichtösterreicher, an den Grenzen patrouillierte das Militär und der vom Integrationsstaatssekretär zum Außenminister aufgestiegene Sebastian Kurz ließ eine Studie über islamische Kindergärten so überarbeiten, dass aus einer weitgehend harmlos klingenden Zustandsbeschreibung eine grelle Warnung vor islamistischer Indoktrination wurde.
[Das Wahlprogramm der ÖVP, für das Kurz maßgeblich verantwortlich ist,] ist ein stramm rechtes Programm. Während es Steuererleichterungen in Milliardenhöhe für Unternehmer, Konzerne und Immobilieneigentümer geben soll, wird die Übernahme der deutschen Hartz-IV-Gesetzgebung gefordert.
Asylsuchende sollen zu "Putzdiensten" verpflichtet werden.
Drogendealer sollen in jedem Fall zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt werden.
Die gleichgeschlechtliche Ehe wird strikt abgelehnt.
NGOs, die Gelder aus dem Ausland erhalten, stehen mit einem Bein im Knast.
Die ÖVP fordert auch die Ausweitung der Überwachung der Bevölkerung.
Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft will [die ÖVP] bei Sozialleistungen benachteiligen, die im Übrigen flächendeckend gekürzt werden sollen.
Bei jedem Auftritt spricht Kurz fast ausschließlich über "Ausländer", "Migranten" und den Islam. Er ging sogar so weit, das Zurückfallen österreichischer Schulen bei der Pisa-Studie Flüchtlingen in die Schuhe zu schieben.
Selbst vor der offensichtlichen Lüge, Österreicher verließen Wien wegen der vielen Ausländer, schreckte der Hoffnungsträger der Konservativen nicht zurück.
In Fernsehdiskussionen mit politischen Konkurrenten gibt sich Kurz streng und schneidend und imitiert dabei den Tonfall und sogar die Gestik von Jörg Haider.
Für Juden könnte es aber ohnehin ungemütlicher werden: Sowohl Kurz als auch Pilz [ein Ex-Grüner] sagten in den letzten Tagen, in einem Österreich unter ihrer Führung hätten "die Silbersteins" nichts mehr verloren.
("Noch am Wahlabend hatte er in einer Elefantenrunde beklagt, im Wahlkampf wiederholt mit Adolf Hitler verglichen worden zu sein.", GMX; Bild: Titanic)
Man kann also getrost resümieren: Die Mehrheit der wahlberechtigten österreichischen Bevölkerung steht der grandiosen Dämlichkeit und Menschenfeindlichkeit ihrer (nicht nur deutschsprachigen) Nachbarn in nichts nach, die sie letztlich natürlich auch selber betreffen wird. Das lässt sich im Übrigen auch an der weitergehenden Beschreibung der Wahlkampfinhalte von SPÖ und FPÖ im verlinkten Text von Torsch ablesen, die dem Kurz'schen Braunsumpf in nichts nachstehen bzw. sogar teilweise weit darüber hinaus gehen. Wer hier Ähnlichkeiten mit Deutschland, Frankreich, Ungarn, den Niederlanden, Polen und sogar Dänemark und vielen, vielen anderen pervertierten Nationen findet, ist auf einem guten Erkenntnisweg.
Menschenfeindlichkeit, Rassismus, stumpfsinniger Nationalismus und Faschismus sind wieder mehrheitsfähig im "vereinten Europa (*glucks*)", während Korruption, strikter Eigennutz, Lügen und Betrug den maßgeblichen Ton der herrschenden "Eliten" angeben. Das passt so gut zusammen. Und die Bevölkerung merkt's wieder nicht und blökt erneut munter mit im Chor des kakophonischen Untergangs. – Ich habe die kapitalistische Menschheit ja schon immer für eine bescheuerte, grunzende, hirnlose Affenhorde gehalten – aber auf solch eindrucksvollen Belege für diese These hätte ich im letzten Drittel meiner knappen Lebenszeit auch herzlich gerne verzichten können.
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Das rote Tuch
Der Stier, der lang auf rot dressiert,
wird noch vom alten Hass verführt.
Um ihn von andrem abzulenken,
genügt's, ein rotes Tuch zu schwenken.
"Das ist der Feind – der will dein Brot –
der schlachtet dich – den mach' schön tot!"
Er sticht – und steckt im Dreck so tief
und merkt zu spät: "Da ging was schief!"
Wer lächelt drob mit stillem Hohn?
Der Matador – die Reaktion!
(Zeichnung und Gedicht von Carl Sturtzkopf [1896-1973], in: "Der Simpl", Nr. 3 vom Februar 1947)
Für all diejenigen, die vielleicht nicht wissen, um welche Person es hier geht – so etwas soll es ja leider geben –, sei angemerkt: Dietrich Bonhoeffer war "am deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. (...) / Etwa ab 1938 schloss er sich dem Widerstand um Wilhelm Franz Canaris an. 1940 erhielt er Redeverbot und 1941 Schreibverbot. Am 5. April 1943 wurde er verhaftet und zwei Jahre später [nur wenige Tage vor dem Ende des Nazi-Terrors, Anm.d.Verf.] auf ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers als einer der letzten NS-Gegner, die mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 in Verbindung gebracht wurden, hingerichtet."
Kürzlich war nun beim WDR anlässlich einer eher informationsarmen Kurzmeldung ganz am Rande und daher von vielen wohl unbemerkt die folgende, unkommentierte Bemerkung zu lesen:
Am kommenden Wochenende veranstaltet die AfD ihren Landesparteitag in der Schulaula des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Wiehl [NRW].
Welch eine Ungeheuerlichkeit in einem solchen lapidaren Satz steckt, muss ich eigentlich nicht näher erläutern, tue es aber gleichwohl: Was zur kochenden Hölle hat ein Landesparteitag in der Schulaula eines Gymnasiums verloren? Und was denken sich die Verantwortlichen zu allem Überfluss der Idiotie dabei, ausgerechnet einer rechtsradikalen Partei Zugang zu einer Schule, die einen solchen Namen trägt, zu gewähren? Befinden sich in diesem Land inzwischen denn nur noch Irre in "führenden Entscheiderpositionen" – sogar auf Kreisebene in der Provinz?
Wer am letzten Samstag, d. 07.10.2017, Lotto gespielt und sechs Richtige mit Superzahl hatte, konnte einen Gewinn in Höhe von 8,5 Millionen Euro einstreichen, sofern der Betrag nicht mit anderen Teilnehmern der Lotterie geteilt werden musste. Aus Jux habe ich früher mal mit meiner Freundin darüber spekuliert, was man mit so viel Geld anstellen könnte, denn die Verantwortung für eine so große Summe ist enorm.
Zwei Millionen Euro gingen sofort an eine Hilfsorganisation, die in Entwicklungsländern aktiv ist. Für meine Freundin wäre dies zudem die Möglichkeit, sofort mit der Erwerbsarbeit aufzuhören, die dann schlicht nicht mehr notwendig wäre. Ein schönes Haus kaufen (nicht bauen) und eventuell noch ein robustes Auto (kein SUV). Dann würde die Verwandschaft mit üppigen Beträgen ausgestattet. Das wäre es dann auch schon.
Fast doppelt so viel bekommen allerdings einige deutsche Profifußballer – und das nicht einmalig, sondern pro Jahr: Die Herren Thomas Müller, Robert Lewandowski und Manuel Neuer (alle Bayern München) erhalten für ihr Gekicke jeweils 15 Millionen Euro jährlich.
Nur mal so zur Veranschaulichung für Klein-Erna von den "Anonymen BWL-Abstinenzlern": Drei Millionen Euro hätten in 100-Euro-Scheinen ein Gewicht von 30 kg, 15 Millionen würden bereits 153 kg wiegen. Ohne SUV gibt es bei der Barauszahlung Probleme. Für 100 Millionen (0,1 Milliarden) bedarf es schon eines Tiefladers für das Gewicht von 1020 kg (1,02 t).
Zweifelsfrei zählen Menschen, die über mehrere Millionen Euro verfügen, zu den Reichen. Aber es gibt noch eine höhere Liga, nämlich die Superreichen. Das Manager Magazin (Sonderheft 10/2017, leider nicht online verfügbar) schreibt, dass sich die Zahl deutscher Milliardäre von 2009 bis heute von 99 auf 187 vergrößert hat. Selbstverständlich nur durch "harte Arbeit" (Schulz). Eine Milliarde, das sind 1.000 Millionen. In der Aufzählung werden auch diejenigen genannt, die ein beträchtliches Vermögen (inklusive Immobilien, Privatjets, Luxusjachten etc.) unterhalb der Milliardengrenze besitzen. An letzter Stelle – auf Platz 1.001 – liegt Thomas Gottschalk mit 90 Millionen Euro. [Anm.v.Charlie: Letzteres wird insbesondere all die Menschen sehr erfreuen, bei denen der "Gebührenservice" der öffentlich-rechtlichen Sender die Zwangsvollstreckung betreibt – und das werden immer mehr.]
Die Familie Quandt/Klatten (BMW) wurde mit 31,5 Milliarden auf Platz 2 verdrängt. Platz 3 belegt Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland) mit 22 Milliarden. Die Familien der Gebrüder Albrecht (ALDI Nord und Süd) liegen auf den Rängen 5 und 6 mit 21,5 und 18 Milliarden Euro. Es folgt eine von mir willkürlich gelistete Auswahl:
Familie August von Fink (Mövenpick, Degussa): 5,4 Milliarden
Familie Günter Fielmann (Brillen): 4,5 Milliarden
Familie Heinrich Deichmann (Schuhe): 4,4 Milliarden
Familie Haub (Tengelmann-Gruppe): 4,2 Milliarden
Familien Werner und Lehmann (dm-Drogeriemärkte): 3,7 Milliarden
Familie Mohn (Bertelsmann): 3,2 Milliarden
Theo Müller (Müller-Milch): 3 Milliarden
Erich und Helga Kellerhals (Saturn, Media-Markt): 3 Milliarden
Bernard G. Brodermann (Asklepios-Kliniken): 2,5 Milliarden
Familie Mittelstein-Scheid (Vorwerk Staubsauger und Haushaltsgeräte): 2,5 Milliarden
Familie Schadeberg (Krombacher-Brauerei): 2,1 Milliarden
Michael und Reiner Schmidt-Ruthenbeck (Metro-Kette): 1,8 Milliarden
Clemens, Maximilian und Robert Tönnies (Fleischverarbeitung): zweimal 1,3 Milliarden
Florian Rehm, Christina Flügel, Andreas Kreuter (Jägermeister): 1,2 Milliarden
In der 2. Liga – also unterhalb der Milliardengrenze – lese ich dann Namen wie Dieter Bohlen, Phillip Lahm, Dirk Nowitzki, Sebastian Vettel, Michael Schumacher, Til Schweiger, Carsten Maschmeyer, Susanne Veltins (Bier), Familie Heinz Gries (de Beukelaer), Werner Brombach (Erdinger-Brauerei), Christian Rauffuss (Rügenwalder), Rubin Ritter (Zalando) und Steffi Graf, die allesamt jeweils ein Vermögen in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages besitzen.
Auffällig ist, dass mit den Namen oftmals keine Verbindung zu den Produkt-Labels hergestellt werden kann – nur in wenigen Fällen ist der Familienname mit dem des Produkts identisch. Die Liste ist nebenbei auch ein Dokument dafür, dass viele dieser Herrschaften mit Genuss- und Lebensmitteln den ganz großen Reibach machen. [Anm.v.Charlie: Des weiteren ist die Häufung von Namen in jener "2. Liga" bemerkenswert, die aus dem Spocht- und flachesten Unterhaltungs-Segment stammen.]
Weshalb diese elitäre Blase des Klassenfeindes vermutlich jede Menge Lobbyisten am Start hat, um zu verhindern, dass die Erbschaftssteuer zu ihren Lasten reformiert oder eine Vermögenssteuer eingeführt wird, dürfte einleuchten.
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Preis Nebensache
"Kaufen wir! Mein Mann hat Daimler-Aktien – der wird das Kind schon schaukeln."
Am vergangenen Samstag war bei n-tv die hübsche Meldung zu lesen:
Auto fährt Fußgänger auf Bürgersteig an / Der Vorfall weckt böse Erinnerungen: In London erfasst ein Auto mehrere Fußgänger. Elf Menschen werden verletzt. Am Abend gibt die Polizei Entwarnung: Es war kein Terroranschlag.
Da atmen wir alle erleichtert auf: Es war nur ein herkömmlicher Unfall, wie er in der Welt alle paar Minuten irgendwo passiert, aber kein "Terroranschlag" – für die Verletzten ist das sicher ein feiner Trost. Merken diese Journalistendarsteller eigentlich selber noch, welchen Bockmist sie da in die Welt koten, oder ist ihnen der geschlossene Weltbildersatz dieser Bagage bereits in Leib und Blut übergegangen?
Bei aller Anteilnahme fällt mir angesichts solcher Meldungen nur noch lautes Gelächter ein, das den Sinn solcher "Nachrichten" noch weit überhöht. Wie man hier auf die völlig absurde Vokabel "Entwarnung" kommen kann, erschließt sich wohl nur einem fleißigen Jünger der Orwell'schen Zukunftsphilosopie (BWL-StudentIn und angrenzender Religionen). Welchen Unterschied macht es doch gleich aus, ob dieser Unfall von einem besoffenen Spießer, einem zurückgewiesenen Verliebten, einem Islamisten, einem AfD-Anhänger, einem bösen Zufall oder einem unfähigen Autofahrer verursacht wurde? Na?
Die Hauptsache für unsere "objektiven" Massenmedien scheint zu sein, dass es sich wohl nicht um einen "Islamisten" handelt. Dann ist nun alles gut und im grünen Bereich und es kann "Entwarnung" gegeben werden. Mein Gehirn schrumpft beim Lesen solcher Meldungen ganz von selbst und erklärt sich dazu: "Wenn ich gar nicht gebraucht werde, gehe ich doch lieber ins Exil zum Dummerich, während er Lapuentes kleinen Schrumpelsack krault und gewohnt dümmlich vor sich hin blubbert. Was soll ich hier?"
Wer zählt eigentlich die Menschen, die von ebenjener "freiheitlich-demokratischen" Bande kontinuierlich und zunehmend verletzt oder ermordet werden, beispielsweise in Griechenland oder in Afrika? Sind jene Polithuren, die dafür verantwortlich sind, denn nicht viel eher TerroristInnen?
Ich kann aber Entwarnung geben: Die Doofheit ist nicht auf dem Vormarsch in Kapitalistan – sie ist vielmehr seit jeher in Beton gegossene Grundvoraussetzung, damit ein solches System überhaupt Triumphe feiern kann, ohne auf der Stelle revolutionäre Zustände zu verursachen. Es ist also alles beim Alten in dieser verfallenden, einstmals schönen Welt. Ich wünsche einen fröhlichen, bunten Untergang.
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Rote Parabel
(Gemälde von Hans Hofmann [1880-1966] aus dem Jahr 1964, Öl auf Leinwand, Städel-Museum, Frankfurt a.M.)
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...