Samstag, 8. Juni 2013

Die planetarische Herrschaft der Superreichen


(...) Reden wir, wenn wir über Superreiche sprechen, über die unersättlichen Bank- und Industriemanager, deren Millionengehälter gedeckelt werden sollten? Sicher auch. Aber das sind angesichts der Dimensionen, die sich uns heute erschließen, immer noch kleine Fische. Chrystia Freeland, Geschäftsführerin und Redakteurin der Abteilung "Verbrauchernachrichten" bei Reuters, regelmäßiger Gast des Weltwirtschaftsforums in Davos, hat im Oktober 2012 ein Buch unter dem Titel "Plutocrats. The Rise of the New Global Super Rich and the Fall of Everyone Else" (Die Plutokraten. Der Aufstieg der neuen, globalen Superreichen und der Absturz von allen anderen) veröffentlicht, in dem sie die Dinge auf den Punkt bringt: "Zivilisten – das heißt alle diejenigen, die nicht an der Wall Street oder in Silicon Valley arbeiten – denken wohl, dass die 68 Millionen Dollar Jahreseinkommen des Chefs von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, kurz vor der Bankenkrise oder der 100-Millionen-Dollar-Bonus im Jahre 2008 von Andrew Hall, dem Derivate-Spitzenhändler von Citigroup, fürstliche Einkommen sind. Auf der Wall Street selbst aber betrachten sich sogar solche Topangestellten börsennotierter Unternehmen als kleine Mitläufer im Vergleich zu den Chefs von Hedge-Fonds, Venture-Kapital-Firmen und nicht öffentlich gelisteten Privatunternehmen."

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Anmerkung: Schon wieder ein etwas längerer Text, der es aber einmal mehr in sich hat und den ich zur allgemeinen Pflichtlektüre erheben möchte: Der Soziologe Hans Jürgen Krysmanski hat damit die Quintessenz seines Buches "0,1% – Das Imperium der Milliardäre" geschrieben, die mich ängstlich und ratlos zurücklässt. Die Zukunftsszenarien, die in diesem Text angerissen werden und größtenteils bereits im vollem Gange sind, sind pure Dystopien, die von Faschismus, Not, Elend, Leid und Tod erzählen und in dem Fazit münden:

"In dieser Lage versuchen die Geldeliten sich zu verselbstständigen. Sie beginnen im wahrsten Sinne des Wortes, auf eigene Faust mit Söldnerarmeen sowie privaten Polizei- und Geheimdiensten zu operieren, denn Klimawandel, Ressourcenprobleme und wachsende, unumkehrbare Arbeitslosigkeit deuten auf ein kommendes globales Szenario nackter Überlebenskämpfe. In einer solchen Rette-sich-wer-kann-Welt werden neue und neuartige Klassenkonflikte entstehen. Und wir alle kommen letztlich nicht darum herum, an ihnen teilzunehmen."

Das klingt alternativlos - und angesichts der furchtbaren Faktenlage fällt es auch mir extrem schwer, Alternativen anzudenken. Eigentlich fällt mir da nur die Abschaffung des Superreichtums ein, also die Enteignung dieser 0,1 Prozent. Damit wären die gröbsten Probleme und Missverhältnisse im globalen Maßstab erst einmal entschärft. Wie und vor allem mit wem soll so etwas aber global umgesetzt werden? Der Autor weist ja explizit darauf hin, dass die "politischen Eliten" (womit die jeweiligen etablierten Parteien der verschiedenen Staaten samt der staatlichen Institutionen gemeint sind) ein fester, integrierter Bestandteil der "Ringburg" der Superreichen sind, die dem Reichtums- und Machterhalt dieser verschwindend kleinen Minderheit dient.

Veränderungen können also nur von außen kommen - zu diesem offensichtlichen Schluss kommen auch die im Text zitierten "Militärexperten" - und es kann nicht überraschen, dass es eben Militärs sind, die da im Regierungsauftrag "geforscht" haben und nicht etwa Soziologen oder andere Gesellschaftswissenschaftler. Und so erschließt sich auch sofort, weshalb es auch heute schon bei Demonstrationen immer wieder zu eskalierender, extremer Polizeigewalt kommt, die offenbar einzig dem Zweck dienen soll, jene Veränderungen von außen möglichst frühzeitig schon im Keim zu ersticken. Es bedarf keiner großartigen geistigen Leistung um zu erkennen, dass all dies nichts, aber auch gar nichts mehr mit Demokratie oder einer "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" zu tun hat.


Mittwoch, 5. Juni 2013

Song des Tages: Wolves 'n' Lambs




(Labyrinth: "Wolves 'n' Lambs", aus dem Album "6 Days To Nowhere", 2007)

From the morning to the night
Breaking news of fights
All the certainties are gone
Do you get my drift?

It's another middle age
Same old fear and rage
Sneaking slowly through our feet
They are gaining ground

Comprehension for someone
Who's trying to surround us

Too many wolves in lambs' clothing,
ready to conquer and rule

"Words of Love" or "Swords of God"
Mixed and abused
Holy wars for cursed ideals
Look out, they are here

Rising deadly like a gas
Stealing our breath
Planning slaughters at the
Shadow of distorted worths

Comprehension for someone
Who's trying to surround us

Too many wolves in lambs' clothing,
ready to conquer and rule


Anmerkung: Herzlich willkommen im kriegslüsternen Mittelalter des 21. Jahrhunderts - die Rocker aus Italien haben die Zeichen der Zeit erkannt und ein leider etwas belangloses Lied daraus gemacht, das dem wegweisenden Text nicht wirklich gerecht wird. Immerhin ist es aus musikalischer Sicht trotzdem noch immer weitaus komplexer und abwechslungsreicher als das, was uns die Medienkonzerne permanent ins Ohr drücken - aber das ist nun wahrlich auch nicht schwer. Für die neoliberale Bande zählt das aber sowieso nicht, denn hier lauschen wir bösen Linksextremisten, die die heiligen, demokratischen Friedenseinsätze der glorreichen westlichen Freiheitsarmeen in den Schmutz ziehen. Und das geht gar nicht, das ist undemokratisch und verfassungsfeindlich, denn "wir" im Westen sind schließlich die Guten. Immer und überall.

Wölfe im Lammkostüm - so etwas gibt's nur drüben bei den bösen Terroristen. Hier im Westen sind wir alle Lämmer und nehmen die Wolfsrudel in ihren hochalbernen Lammkostümen im Vorgarten nicht einmal wahr.

Mäh, mäh.

Montag, 3. Juni 2013

Die weltweite Ausbeutungspyramide am Beispiel Afrika


Die Bevölkerungen der Industrieländer sind privilegiert, weil ihre Wirtschaftsräume auf die Rohstoffe und Arbeit anderer Länder zurückgreifen können

Während [es] im Zuge von Finanzmarkt- und Immobilienkrisen, einer desaströsen Wettbewerbsdoktrin im Außenhandel, drakonischen Kürzungs- und Lohnsenkungsprogrammen sowie dem europaweit verankerten Fiskalpakt in einer der Kernregionen des Kapitalismus nun wohl zu einer schwerwiegenden Wirtschaftskrise kommen wird, die weltweit massive Auswirkungen haben dürfte und Arbeitslosigkeit sowie Ungleichheit weiter explodieren lässt, läuft man Gefahr, die menschenverachtende Ungleichheit im globalen Maßstab aus dem Blick zu verlieren.

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Anmerkung: Ich weiß, dieser Text ist lang (drei Telepolis-Seiten), nicht unbedingt durchgehend leserfreundlich geschrieben und gleitet zuweilen ein bisschen zu sehr in wirtschafts-"wissenschaftliches" Geschwurbel ab - aber dennoch möchte ich ihn als Grundlagentext für Diskussionen rund um die himmelschreiende, schon so elendig lange andauernden Armut in Afrika sehr empfehlen, weil er eben auch viele Infos und Fakten enthält, von denen die Öffentlichkeit üblicher Weise nichts erfährt, wenn sie sich nicht aktiv und aufwändig selbst darum bemüht und beispielsweise Bücher zum Thema liest.

Mir persönlich ist das umfänglich betrachtet deutlich zu biedere und zu zahme Kapitalismuskritik, da der Autor kritisch fast einzig auf die grotesken "Auswüchse" dieses Katastrophensystems hinweist - die freilich extrem schreckliche Folgen haben, aber dennoch eben nichts weiter sind als die konsequente und logische Fortführung eines absurden Systems, das letztlich zu einer Konzentration allen Besitzes, aller Ressourcen und aller Macht in einem kleinen Punkt strebt, während der Rest - also nahezu alle Menschen - leer ausgeht, und das aus diesem Grund selbstredend immer wieder kollabieren muss.

Trotzdem kommt es gerade in den "Kernregionen des Kapitalismus" so extrem selten vor, dass das Leid und Elend so vieler Menschen insbesondere in Afrika nicht nur benannt, sondern auch mit näheren Infos versehen wird - ich danke dem Heise-Verlag da ausdrücklich, dass er als einer der ganz wenigen solche Texte in regelmäßigen Abständen immer wieder publiziert. Wenn sich nun auch dort noch die schnöde Erkenntnis herumsprechen würde, dass die "Industrialisierung" und die "marktwirtschaftliche" Kopie des Irrsinns aus Europa und Nordamerika nun wahrlich keine Lösung für dieses massive Problem in Afrika und anderswo darstellen kann, wäre den Menschen dort noch viel mehr gedient. Es ist ja nun keine sonderlich neue Erkenntnis, dass im Kapitalismus nur Reichtümer von einigen angehäuft werden können, wenn dafür viele andere extreme Schulden machen - oder anders ausgedrückt: Wenn in einer Region ein (noch dazu starker) wirtschaftlicher "Boom" stattfindet (wie etwa in den 50er und 60er Jahren in Deutschland), dann muss es zwingend andere Regionen geben, in denen defizitär gewirtschaftet wird und in denen demnach Rezessionen stattfinden müssen - oder, wenn es wie in Afrika vielerorts nichts mehr zu "schrumpfen" gibt, eben Hungersnöte, Elend, Krankheit, Leiden, Tod die Folgen sind.

Derlei Gedankengänge scheinen sich viele (die meisten?) Politiker und vor allem Ökonomen längst nicht mehr zu leisten - anders sind die irrwitzigen "Rezepte" der aktuellen "Troika" in Bezug auf Europa gar nicht erklärbar, die ja von jedem einzelnen Land einen "Exportüberschuss" und ein wirtschaftliches "Wachstum" erwartet. Ich schreibe einen solchen Text ja nicht zum ersten Mal, und stets komme ich da wieder an den Punkt, an dem ich mich mit rollenden Augen frage, ob diese Gesellen das tatsächlich ernst meinen und ihren Stumpfsinn selber glauben - oder ob sie stets doch nur Nebelkerzen werfen, wohl wissend, dass sie Nonsense von sich geben, die brutalen Folgen ihres Katastrophenkurses aber bewusst in Kauf nehmen - oder, noch schlimmer, sogar darauf warten, denn am Kollaps, an Kriegen, Leid, Zerstörung und Tod lässt sich wunderbar neues Geld verdienen und das alptraumhafte System nebenbei und nahezu unbemerkt auch wieder neu starten. Die "Stunde Null" nach 1945 war tatsächlich der Neubeginn bei Null für die allermeisten Menschen in diesem Land - nicht aber für die wenigen, die schon vor, während und eben auch nach dem Krieg über den Großteil des Reichtums in Deutschland geherrscht hatten und dies bis heute tun (siehe dazu beispielsweise "Das Schweigen der Quandts").

Die Antwort bleibe ich schuldig - es mag sich einjede/r selbst ein Bild von den geistigen Kapazitäten unserer polititischen und ökonomischen "Führungselite" - oder wahlweise der wesentlich humaner und sozialer agierenden Gorillasippe, die hierzulande meist im örtlichen Zoo eingesperrt ein karges Dasein fristet - machen.

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Marsnähe
[Export zum Mars]



"Petroleum? Kohlen?? Waffen???"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 22 vom 25.08.1924)

Donnerstag, 30. Mai 2013

Zitat des Tages: Was es zum Jubiläum der SPD zu sagen gab


Die ersten 50 Jahre waren interessant, da war die SPD politischer Ausdruck der Arbeiterbewegung. Der tapfere August Bebel lobte 1871 im Reichstag die Pariser Commune. Über's Erfurter Programm konnte man noch streiten. / Mit den Kriegskrediten von 1914 und dem Verrat der Novemberrevolution 1918/19 war die SPD als fortschrittliche Kraft am Ende. Es gab viele mutige Antifaschisten, aber dominant blieben Hardliner wie Noske und obrigkeitsstaatliche Kleinbürger wie Ebert – bis heute. / Nach dem Krieg spaltete und befriedete die SPD die Arbeiterbewegung per "Sozialpartnerschaft". 1959 entschied sie sich endgültig für Kapitalismus und NATO, aber – gratuliere! – mit dem Rauswurf des SDS 1961 bekam die Apo unabsichtlich eine unabhängige Organisation. / In den siebziger Jahren wurden wir AKW-Gegner_innen von der SPD-Führung als "Terroristen" beschimpft. / Seit 1998 wird die SPD für Kriege und Sozialstaatszerstörung gebraucht, im Herbst 2013 droht auch dafür wieder eine Große Koalition. / Aufrichtig gratulieren kann ich für Brandts Kniefall in Warschau.

(Jutta Ditfurth, in "Das Blättchen", Nr. 11 vom 27.05.2013)

Anmerkung: Und das war's dann auch, was zum Jubiläum dieser Verräterpartei zu sagen war - es fehlt vielleicht noch ein eher geheucheltes "Requiescat in pace".

Der kapitalistische Einheitsbrei der Gammelpolitik




Anmerkung: Christine Prayon läuft in der Satiresendung "Extra 3" zur Höchstform auf - wer diese kleine Darbietung noch nicht gesehen hat, sollte sich das keinesfalls entgehen lassen. Die Frau spricht mir mal wieder aus der Seele!

Montag, 27. Mai 2013

Die Antiquiertheit der Demokratie


Haben Sie schon diese neusten Wirtschaftsfakten verinnerlicht? Laut Michael Spence, dem Wirtschafts-Nobelpreisträger von 2001, soll ein "wohlwollend autoritäres System" die optimalen Voraussetzungen für langfristiges Wirtschaftswachstum bieten, da Demokratien innerhalb eines "zu kurzen Zeithorizonts" agieren. Solche vordergründig ketzerischen Ideen können inzwischen tatsächlich Ökonomen, die Hohepriester des Kapitalkultes, am ehesten öffentlich artikulieren, ohne breiten Widerspruch zu ernten.

Doch auch der kanadische Philosoph Daniel A. Bell sieht inzwischen in der repräsentativen Demokratie westlicher Prägung nicht mehr den besten "Weg, um ein politisches System zu organisieren". Stattdessen solle eine strikte Auslese der Führungselite nach "intellektuellen Fähigkeiten und moralischen Standards" stattfinden. Innerhalb einer solchen Meritokratie könnte auch eine neue Stimmgewichtung etabliert werden, erläuterte der in Peking lehrende Philosoph: "Denkbar wären mehr Stimmen für Menschen mit besserer Erziehung." Überdies seien Wahlen nur auf lokaler Ebene sinnvoll, wo "falsche Entscheidungen nicht so sehr ins Gewicht" fielen.

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Anmerkung: Ein weiterer Glanzpunkt im journalistischen Schaffen von Tomasz Konicz, den Ihr euch nicht entgehen lassen solltet - auch wenn der Inhalt einmal mehr als Brechmittel und drohendes Schreckensszenario der nahen Zukunft dient: Es macht mich nahezu sprachlos, mit welcher Schamlosigkeit und Vehemenz das faschistische Denken, das in "elitären Kreisen" sicher immer tief verankert war, nun auch wieder laut und unverblümt in die Welt geplärrt wird - nur allzu lächerlich getarnt als pseudowissenschaftlicher "Diskurs".

Solch üble Gedanken erscheinen gerade auch vor dem Hintergrund doppelt grotesk, dass die bestehenden "Demokratien westlicher Prägung" ja längst nur noch bröckelnde Ruinen sind, in welche die Merkel'sche "marktkonforme Demokratie", die gegen die Interessen der Menschen und für die Interessen der Superreichen arbeitet, Einzug gehalten hat. Wieso reicht diesen habgierigen Menschenfeinden das noch nicht? Sie haben ihr absurdes Demokratietheater mit den austauschbaren Marionetten und Blockflöten verschiedener Farbe, ihr Zerstörungswerk ist in vollem und aus ihrer Sicht erfolgreichem Gange - was sollen nun die öffentlichen Bekundungen zur "Führungselite", zur "Auslese", zu einem sprachlich-gedanklichen Irrsinn wie dem "wohlwollend autoritären System" und derlei faschistischer Unrat mehr noch zusätzlich bewirken?

Hat die Bande eine so übergroße Angst vor Revolutionen? Gehen ihre perfiden Pläne zur Ausbeutung und Verelendung der Menschen noch viel weiter als wir uns das vielleicht vorstellen mögen? Einen kleinen Vorgeschmack auf ein solches "wohlwollend autoritäres System" haben zumindest all diejenigen schon einmal bekommen, die direkt oder indirekt mit dem Hartz-Terror zu kämpfen hatten. Wenn mitten im Klassenkampf und einer massiv vorangetriebenen Zwangsverarmung der Menschen die sich selbst als "Elite" begreifende Mini-Gruppe der Superreichen die Demokratie zur "Antiquität" und den Faschismus in pseudowissenschaftlichem Neusprech zum "neuen, modernen Weg" erklären lässt, sollte uns allen angst und bange werden.

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Arm aber ehrlich!


"Keen Mann, keen Zaster, keene Bleibe - nu kann ick mir meine sojenannte Tugend uffs Brot schmier'n, wo ick nich habe."

(Zeichnung von Marcel Frischmann [1900-1952], in "Simplicissimus", Heft 46 vom 14.02.1927)

Samstag, 25. Mai 2013

Song des Tages: Froschmann




(Heinz Rudolf Kunze: "Froschmann", aus dem Album "Korrekt", 1999)

Draußen im Garten, am Grunde des Pools
wartet der Froschmann, wartet der Froschmann

Er zieht mich hinunter am hellichten Tag
unter den Augen der Frühstücksfamilie

Zucken und Gurgeln - ich reiße die Arme
wie betend empor, den Himmel zu kratzen

Die Spitzen der Finger durchstoßen nicht einmal
die Wolken des Wassers, die reglose Fläche

Draußen im Garten, am Grunde des Pools
wartet der Froschmann, wartet der Froschmann

Er beißt meine Beine unter all euren Augen
Schneeflocken im Tee, Herbstblätter im Toaster

Und du meinst tatsächlich, es spielt eine Rolle
dass kein Wasser im Pool ist - seit Jahren nicht mehr

Draußen im Garten, am Grunde des Pools
wartet der Froschmann, wartet der Froschmann

Da kann ich nur lachen - das spielt keine Rolle
nicht einmal die Frage, ob in unserem Garten

Jemals ein Pool war - das spielt keine Rolle
doch nicht für den Froschmann, nicht für den Froschmann

Draußen im Garten, am Grunde des Pools
wartet der Froschmann, wartet der Froschmann


Tagesschau: Wenn der Propaganda-Koordinator mal pinkeln muss


Auf der hochseriösen Internetseite der "Tagesschau" gab es im April 2013 unter anderem die folgenden Ergüsse des öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus' zu lesen:


(Screenshot via wdr.de)

Hinter der Schlagzeile "So viele Arbeitslose wie noch nie in der Eurozone" verbarg sich dieser "Mouse-over"-Text: "Der März hat der Eurozone wieder einen neuen Höchststand bei der Arbeitslosigkeit gebracht. Insgesamt waren mehr als 19 Millionen Menschen ohne Job. Die EU warnte wegen der besonders hohen Jugendarbeitslosigkeit vor einer 'verlorenen Generation'."

So weit, so schlimm. Wenn man mit dem Mauszeiger auf die Schlagzeile direkt unterhalb dieser sensationell überraschenden Nachricht deutete, bekam man zur Überschrift "Generation Y: Spaß, Selbstverwirklichung und Yoga" den folgenden Text zu lesen: "Eine neue Generation revolutioniert den Arbeitsmarkt. Sie wollen sich im Job nicht langweilen, ein bisschen die Welt verbessern und das Gehalt soll auch stimmen. Die Generation stellt Arbeitgeber vor Herausforderungen - und kann es sich leisten."

Ich denke, ich muss das nicht weiter kommentieren. Einen solchen Irrsinn hätte sich nicht einmal die Redaktion der Titanic ausdenken können - das ist Qualitätsjournalismus in seiner reinsten, perfektesten Form. Ich geh' dann mal zum Yoga.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Steinbrück, die korrupte Bande und die "sozialdemokratischen Inhalte"


Über Steinbrücks Beziehung zum Geld und seine Mühe mit sozialdemokratischen Inhalten ist viel geschrieben worden. Sein steinernes, ja stählernes Gebaren, die Befehlston-Ästhetik seiner Sprachmelodie, der stiere Blick über dem zum umgekehrten "U" gebogenen Mund waren aber noch zu wenig Gegenstand der Analyse. Zeit für eine Glosse zur Kandidatur des Sozialdemokraten Peer Steinbrück. Hobby-Psychologe Sigmund Leid schürft tief und fördert eine altbekannte Weisheit zutage: Auch das Private ist politisch.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Diesen wunderbaren Text solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen, wenn Ihr Euch noch näher über den Merkel-Mehrheitsbeschaffungskandidaten Steinbrück informieren (oder einfach mal wieder herzhaft lachen) wollt. Über die "sozialdemokratischen Inhalte" würde ich indes mit dem Autor (nicht mit Steinbrück, um Himmels Willen) nur zu gern einmal ausführlich diskutieren und in Erfahrung bringen, was er denn genau mit diesem Begriff meint. Sind dies vielleicht der "Radikalenerlass" des Willy Brandt, der "NATO-Doppelbeschluss" des Helmut Schmidt oder die "Hartz"-Deformierungen des Gerhard Schröder? Oder muss man noch tiefer in der verstaubten und in allzu grellem, absurdem Rot angestrichenen Geschichte dieser ständigen Verräterpartei buddeln, um auf tatsächlich "sozialdemokratische Inhalte" zu stoßen?

Man weiß so wenig. Gewiss ist aber die offensichtliche Tatsache, dass der neoliberale, asoziale, demokratie- und menschenfeindliche Katastrophenkurs der Kohls, Schröders und Merkels auch dann eisern beibehalten wird, wenn wider Erwarten und wider jede nachvollziehbare Logik Steinbrück zum Kanzler gewählt würde. Ich hege ja manchmal die naive Hoffnung, dass diese Offensichtlichkeit der nicht vorhandenen Unterschiede zwischen den Blöcken der neoliberalen Einheitspartei vielleicht doch dazu führen könnte, dass im Herbst mehr Menschen den Alternativen ihre Stimme geben - und dabei nicht den braunen Rattenfängern der Menschenfeinde vom noch rechteren Rand ins Netz gehen. Diese Hoffnung wird enttäuscht werden, das weiß ich schon jetzt - aber ich darf sie doch trotzdem formulieren, oder?

Ich will es mal drastisch ausdrücken: Wenn man die Wahl hat zwischen Kotze, Scheiße, Eiter, Pisse und einem Wasser, von dem man nicht weiß, ob es gut schmeckt oder gut tut - wieso um alles in der Welt wählt die überwältigende Mehrheit dann nicht dieses Wasser? Ich werde die Gedankengänge der schwarz-gelb-rot-grünen WählerInnen wohl nie nachvollziehen können - wobei die SPD-WählerInnen da noch besonders zu bewerten sind, weil sie sich immer wieder aufs Neue verarschen und verraten lassen, und das seit über 100 Jahren schon. Sind das denn alles Masochisten?

Ich muss mir bei diesem Thema an die eigene Nase fassen, denn ich selber war seinerzeit so dämlich, den Grünen meine Stimme zu geben, weil ich der irrigen (aus heutiger Sicht geradezu irrwitzigen) Meinung war, es sei sinnvoll und hilfreich, wenn Kohls furchtbarer Dauerregentschaft samt seiner asozialen Politik endlich ein Ende gesetzt würde - mit dem Ergebnis, dass Rot-Grün noch viel umfassender, nachhaltiger und asozialer im Land gewütet hat, als Kohl sich das jemals getraut hätte. Mir ist erst ein Licht aufgegangen, als der Freitag anlässlich Schröders Agenda-Politik titelte: "Dagegen war Kohl modern".

Und nun tritt also der Agenda-Genosse mit dem umgekehrten "U" im Gesicht an, um die Katastrophen-Angela mit dem umgekehrten "U" im Gesicht abzulösen und auch ordentlich Knete zu scheffeln wie diese, wie Gaz-Gerd, Panzer-Joschka und all die anderen rot-grünen GenossInnen und schwarz-gelben Christ-Liberallas. Was haben wir gelacht.

Bis zum bitterbösen Erwachen jedenfalls - einmal mehr.

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Der Bergmann


"Sie frieren nicht, sie brauchen keine Kleider, sie haben keine Zeit zum Essen - und wollen doch mehr verdienen."

(Zeichnung von Wilhelm Schulz [1865–1952], in "Simplicissimus", Heft 32 vom 07.11.1927)

Sonntag, 19. Mai 2013

Das Grauen hat einen Namen: ESC


Am gestrigen Abend ist mir Gewalt angetan worden. Ich bin von einem angeblichen "Freund" unter Androhung übelster Sanktionen dazu genötigt worden, mir den "Eurovision Song Contest" anzusehen, was ich freiwillig nicht einmal als Insasse einer Einzelhaftzelle nach drei Monaten Dauerfinsternis getan hätte. Und - was soll ich sagen: Meine schlimmsten Befürchtungen sind erfüllt worden.

Es war wirklich alles dabei, was das Klischee begehrt - dummes Herumgehüpfe, Anspielungen auf schwule/lesbische Sexualität, vermeintlich "hippe" Frisuren und modeübertünchte Outfits für Insassen der Psychiatrie, eine überaus "witzige" schwedische Moderatorin, ein noch dämlicherer deutscher Kommentator - und natürlich durfte auch der in der heutigen Zeit obligatorische Mützendepp nicht fehlen, der mit seiner Kopfbedeckung offenbar vergeblich verhindern wollte, dass ihm das Gehirn aus dem Schädel fällt. Eine erste Lachsalve nahm mir schon am Anfang für mehrere Minuten den Atem, als der Kommentator die an diesem "Wettbewerb" teilnehmenden Gestalten allen Ernstes und ohne den Hauch eines satirischen Anstrichs "Künstler" nannte.

Da war doch noch etwas? - Ach ja: die "Musik". Oder was man in solchen Kreisen eben so nennt. Es war die altbekannte Abfolge der ewig gleichen drei Akkorde, in Szene gesetzt mit den üblichen synthetischen Instrumenten - ein Sammelsorium von Versatzstücken und Plagiaten, die es schon tausendmal zuvor gab - also das, was man gemeinhin unter "Popmusik" oder auch "Schlager" versteht. Schauderhaft, belanglos, inhaltsleer, dumpf, in ewiger Wiederholung - alles im befürchteten Rahmen. Diese Schmerzen waren wahrlich erheblich.

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieses "musikalische Angebot" eine exakte Kopie des politischen neoliberalen Parteienspektrums darstellte - es war alles gleich und gleich übel.

Es gab dennoch Höhepunkte, wenn auch negativer Art - beispielsweise als die "Vertreterin Deutschlands" ihr Stücklein trällerte. Ich weiß nicht, wen sie da genau zu vertreten meinte, aber ich gehöre offensichtlich nicht zu Deutschland - es war ein Zenit der Peinlichkeit, was ich da zwangsweise miterleben musste: Eine grotesk geschminkte (man verzeihe mir das folgende Wort) Tusse mit angeklebten Wimpernbüschen in Rabenflügelgröße trällerte ihr "Glorious" zu billigstem Synthie-Pop der übelsten, simpelsten Bohlen-Sorte, um kurz danach wie ein Elefant über die Bühne zu stampfen und Sätze wie "We can set the world on fire" und "The world is ours" ins Mikrophon zu plärren. Ich wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken, als ich das sah und hörte - ich kann mich niemals wieder im europäischen Ausland blicken lassen, ohne völlig zu Recht ausgepfiffen und beschimpft zu werden. "We can set the world on fire" ... in der Tat, das können "wir" Deutschen.

Ich muss fairer Weise sagen, dass diese Dame, die sich aus unerfindlichen, wahrscheinlich nicht existierenden Gründen "Cascada" nennt, aus "künstlerischer" Sicht nicht unbedingt noch schlechter war als die übrigen Hampelmänner und -frauen auf dieser Bühne - es war größtenteils eben derselbe abgekupferte Stumpfsinn auf gleichem, bodenlosem Niveau. Allerdings war es vorhersehbar, dass niemals eine Mehrheit der Menschen in Europa, die an solchen bescheuerten "Votings" teilnehmen, für Deutschland stimmen wird - es ist doch gerade die Politik dieses Staates, die gerade halb Europa in Schutt und Asche legt und die Menschen brutal verarmt. Und wenn dann ausgerechnet die deutsche Trällerin ein Lied mit dem Titel "Glorious", das solche Textzeilen enthält, zum Besten gibt, braucht man für den Spott wahrlich nicht mehr zu sorgen.

Jener "Freund", der mir das angetan hat, wird sich angesichts meiner kommenden Revanche noch sehr lange an diese üble Tat, die ich ohne alkoholische Drogen niemals überlebt hätte, erinnern! ;-)


"We can set the world on fire"

Freitag, 17. Mai 2013

Song des Tages: Die Perfektion der Perversion




(Chris Hadfield: "Space Oddity", aufgenommen an Bord der "International Space Station", Mai 2013 - Original von David Bowie, 1969)

Anmerkung: Ich bin kurz davor, den finalen Punkt zu setzen. Ich habe keine Lust mehr zu bloggen und will mich auch sonst nicht mehr zu diesem Irrsinn äußern - am liebsten würde ich abhauen und diesem Wahnsinn den Rücken kehren - am allerliebsten an Bord der Enterprise, damit ich mit diesem verkommenen Planeten nichts mehr zu tun habe. Das geht freilich nicht, ich weiß.

Was bleibt als Alternative noch übrig? Mir gehen die Optionen aus. Vielleicht wäre ein baldiges Ableben doch nicht so verkehrt, auch wenn die versammelte Bande der Menschenfeinde dann bestimmt jubeln würde. Meine Gedanken driften jedenfalls immer öfter in diese Richtung. Wenn diese Gesellen den kapitalistischen Alptraum bis zum Exzess treiben wollen, sollen sie das tun, aber bitte ohne mich.

Dagegen sprechen dann kurzfristig solche Begebenheiten wie dieses Video des ISS-Astronauten Chris Hadfield, der uns zeigt, was alles möglich wäre, wenn dieser Planet nicht in der perversen Falle des Kapitalismus gefangen und so übel geknebelt wäre. Das ist Gänsehautfeeling pur - und gleichzeitig ein böser Schlag auf den Kopf, der sich gewaschen hat, denn während der Mann dort im Weltall Videos produziert und der Menschheit zeigt, was alles möglich wäre, befindet sich die Mehrheit der Menschen auch weiterhin in bitterster Armut und es sterben weiterhin alle paar Sekunden massenweise Menschen auf demselben Planeten, weil sie zu wenig zu essen oder zu trinken haben. Was soll man da noch sagen - außer: Das ist die Perfektion der Perversion?

Donnerstag, 16. Mai 2013

NSU: Wer nicht vor Gericht steht


(...) Wieviele [Personen] im Verfahren gegen die Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) tatsächlich auf der Anklagebank sitzen müssten, führte Angelika Lex, Anwältin und gewählte bayerische Verfassungsrichterin, auf einer Demonstration in München am 13. April aus: "Es fehlen vollständig die Verfahren gegen Ermittler, gegen Polizeibeamte, gegen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, gegen Präsidenten und Abteilungsleiter von Verfassungsschutzbehörden. Verfahren, die nicht nur wegen Inkompetenz und Untätigkeit, sondern auch wegen aktiver Unterstützung geführt werden müssten (...). Auf diese Anklagebank gehören nicht fünf, sondern 50 oder noch besser 500 Personen."

(Weiterlesen)

Anmerkung: Dieser Prozess gerät immer mehr zur Farce. Es ist mittlerweile ja hinlänglich bekannt, dass Zschäpe und ihre beiden verstorbenen Gesinnungsgenossen alles andere als allein oder gar autonom agiert haben. Das verwobene Netz aus staatlichen und nichtstaatlichen Mitwissern, Unterstützern, Helfern und Verschleierern wird allerdings nirgends ernsthaft thematisiert - die zuständigen Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften bleiben trotz aller bekannter konkreter Hinweise ebenso untätig wie die zuständigen PolitikerInnen. Es scheint darauf hinauszulaufen, dass man der Zschäpe einen ausufernden, medienwirksamen (Schau-)Prozess machen und danach allmählich Gras über die Sache wachsen lassen will. Über die Gründe für dieses üble Spiel mag einjede/r eigene Spekulationen anstellen.

Und so etwas schimpft sich in andauernder, ewiger Wiederholung immer wieder "Rechtsstaat", gerne versehen mit dem bedeutungsschwangeren Präfix "freiheitlich-demokratischer". So laut lachen, wie ich es eigentlich tun müsste, kann ich gar nicht - wenn mir denn bei diesem Thema überhaupt zum Lachen zumute wäre. Da bleibt nur noch die temporäre Flucht in den Alkohol:


Dienstag, 14. Mai 2013

Orwell lässt grüßen: Zur "Normalität" des Krieges


Man gewöhnt sich daran: Der Krieg wird zum Dauerzustand. Ende der 1990er Jahre mussten die uns Regierenden noch Horror-Geschichten erfinden, um dem deutschen Publikum die Notwendigkeit militärischen Eingreifens gegen die Serben einzureden. Jetzt, beispielsweise im Fall Mali, genügt es schon, die Gegner – das sind diejenigen, gegen die unsere französischen NATO-Partner, die ehemaligen Kolonialherren des Landes, mit deutscher Unterstützung an der Seite einer Putschisten-Armee kämpfen – als 'Islamisten' zu titulieren. Das Publikum weiß schon: Das sind Feinde, gegen die jedes Mittel recht ist. Kaum eine Zeitung, kaum ein Sender interessieren sich noch für Einzelheiten. Die sogenannte öffentliche Meinung, das heißt die veröffentlichte Meinung der Medienkonzerne, nimmt die Normalisierung des Krieges fraglos hin, sie reagiert sogar missmutig, wenn Deutschland an einem Krieg nicht teilnimmt, und fürchtet um 'das internationale Ansehen Deutschlands' (Der Spiegel vom 25.3.13, S. 22).

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Anmerkung: So widerwärtig wie die sich ausweitenden Kriege der neoliberalen Bande, so strunzdämlich ist das "Argument" des angeblich schwindenden "internationalen Ansehens Deutschlands" im Falle einer Nichtteilnahme an einem Krieg, die es - aber das nur am Rande - trotz anders lautender öffentlicher Verkündigungen im vergangenen Jahrzehnt gar nicht gegeben hat. Nicht irgendwelche Kriegsmaßnahmen ruinieren das internationale Ansehen Deutschlands, sondern die radikale, menschenfeindliche Verarmungspolitik der neoliberalen Bande stößt europaweit - und das vollkommen zu Recht - auf einen steigenden Widerstand innerhalb der Bevölkerungen.

Man muss schon in wirklich extrem weit entfernten, hochalbernen Parallelwelten herumspuken, wenn man die Nichtteilnahme an einem widerlichen Krieg zu einem enddebilen Idiotenargument eines "schwindenen internationalen Ansehens" deformiert. Aber sowas wird heute wie selbstverständlich gedruckt und nennt sich auch noch - stets in elitärer Abgrenzung zum dilettantischen Internet - "Qualitätsjournalismus". Da weiß man eben, was man hat - nämlich gequirlten Kot bzw. dümmliche Propaganda.

Derweil erleben wir wieder einmal, wie sich der deutsche Kriegsminister mit schnittiger Bürstenfrisur sogar entblödet, beim Tod eines der zum Zwecke des Mordens in den Krieg geschickten Menschen mit deutschem Pass und deutscher Uniform ausnehmend theatralisch vor die Kameras zu treten und pathetisch sein "aufrichtiges Beileid" und sogar seine "Trauer" zum Tode dieses Gesellen zu verkünden - so als sei es ein bedauernswerter, unvorhersehbarer Unfall, wenn Soldaten im Krieg in fernen Ländern, in denen sie nicht das Geringste zu suchen haben, sterben. Dem ehrenwerten Herrn Dr. de Maizière hätte ich den Inhalt meines Magens entgegenschleudern können, als ich ihn in dieser absurden, lächerlichen Pose den Tod des Soldaten vermarkten sah - zumal er über die Opfer, die dieser Mörder in Uniform und dessen "Kameraden" womöglich auf dem Gewissen haben, selbstverständlich kein Wort verloren hat. Zu beklagen sind in solchen Kriegen für die Kriegsherren stets nur die Toten aus den eigenen Reihen - die ermordeten "Gegner" oder gar die völlig unbeteiligten "Zivilisten", also stets die Mehrheit der Kriegsopfer, interessieren solche Figuren nicht.

Es ist nicht zu leugnen: Die widerliche Bande hat es tatsächlich geschafft, dass der Krieg nun auch wieder für Deutschland, wo er aus gewissen Gründen für einige Zeit eher verpönt war, zur grotesken Normalität zurückgekehrt ist - ein Umstand, der für gutgläubige Menschen wie mich noch vor 30 Jahren völlig unverstellbar gewesen ist. Diese Welt befindet sich weiterhin auf unabsehbare Zeit im Stadium der dunkelsten Barbarei und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch in Europa wieder die Waffen und die Leichenberge Triumphe feiern. Bis dahin morden und brandschatzen sie eben in weiter entfernten Regionen und lassen sich das von der heimischen Medienpropaganda schönfärben und legitimieren - und mit Entsetzen muss ich konstatieren, dass diese unverhohlene Lügerei offensichtlich funktioniert: Die deutschen Schafe bleiben auch im Angesicht der hässlichen, rein ökonomisch begründeten Kriegslüsternheit dieser Verbrecherbande mehrheitlich ruhig.

Ob die Bande es diesmal auch schafft, die Massen wieder in Kriegsbegeisterung zu versetzen? Noch halte ich das für unmöglich - aber ich habe mich ja auch vor 30 Jahren schon einer billigen Illusion hingegeben, über die ich heute nur noch sarkastisch und bitter lachen muss.

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Der Tod im Felde



(Holzstich von Karl Rössing [1897-1987], in "Simplicissimus", Heft 6 vom 06.05.1934)

Montag, 13. Mai 2013

Musik des Tages: Stabat Mater




(Antonín Dvořák [1841-1904]: "Stabat Mater"; Kantate für 4 Solostimmen, Chor und Orchester, Op. 58, 1876/77)


Anmerkung: Zu diesem großartigen Werk gäbe es eine Menge zu sagen, das letzten Endes wahrscheinlich aber nur einige wenige Begeisterungsfähige für solche Musik interessierte, so dass ich mich kurz fasse. Auch wenn es sich mit dieser in der europäischen Musikgeschichte nicht seltenen Vertonung des mittelalterlichen Gedichtes "Stabat mater dolorosa", das den Schmerz der Mutter Jesu anlässlich dessen erfolgter Kreuzigung zum Inhalt hat, um ein traditionell religiöses Werk handelt, liegt die Sache in diesem Fall doch ein wenig anders.

Der Komponist wurde in den Jahren 1875 bis 1877 von einer schier unfasslichen Tragödie heimgesucht, in deren Verlauf innerhalb eines kurzen Zeitraumes seine drei Kinder im Alter von zwei Tagen, elf Monaten und drei Jahren plötzlich verstarben und die seine Frau und ihn zunächst kinderlos zurückließ. Unter dem Eindruck dieses kaum nachfühlbaren Dramas entstand dieses opulente Werk (übersetzt: "Es stand die Mutter schmerzerfüllt"), so dass wir hier wohl weniger die Schmerzen der "Mutter Gottes", sondern vielmehr die unfassliche Trauer des Ehepaares Dvořák über den Tod ihrer Kinder in Töne gegossen anhören.

Ich habe das Werk schon mehrmals in großartigen Interpretationen live erleben dürfen und kann nur versichern, dass ein solches Erlebnis niemals ohne multiple Gänsehäute vonstatten geht. Wer die Partitur zur Musik während des Anhörens verfolgen möchte, kann dies hier tun - ansonsten gilt, wie immer bei solcher hochemotionaler Musik: Die optischen und sonstigen Nebenreize sind möglichst zu minimieren, während die Lautstärke aufs Maximum erhöht werden sollte. Den religiösen Aufhänger des Stückes kann man - nicht nur in diesem Werk - getrost ignorieren, er spielt nämlich einzig die Rolle, dass es ohne ihn für den Komponisten wohl kaum eine Möglichkeit gegeben hätte, das Werk aufführbar zu gestalten.

Gleichzeitig mag dieses Posting auch als ein Kontrapunkt zum vergangenen, zumindest in meinem persönlichen Umfeld einmal mehr allzu peinlich begangenen Muttertag verstanden werden. Rein statistisch betrachtet durften auch am vergangenen Sonntag wieder alle paar Sekunden Mütter und Väter auf dem ganzen Globus den sinnlosen, überflüssigen, vom Kapitalismus und seinen furchtbaren Folgen verursachten Tod eines Kindes beklagen, während in den privilegierten Regionen der Welt, die zunehmend kleiner werden, mit albernen Blumensträußen, Pralinen und ähnlichem Irrsinn von einigen Wenigen Milliarden verdient worden sind, die zusammen bereits so viel Reichtum gehortet haben, dass sie die gesamte Weltbevölkerung damit problemlos und dauerhaft vor eben diesem sinnlosen Sterben bewahren könnten. Das Drama der Dvořáks - und damit der hörbar gemachte Schmerz - wiederholt sich tausendfach jeden Tag aufs Neue auf diesem Planeten - und eine Veränderung dieser andauernden Katastrophe ist nicht einmal ansatzweise absehbar oder auch nur auf der Agenda der Mächtigen. Ganz im Gegenteil: Der Ausbau dieser dauerhaften Menschenvernichtung ist das Programm der Neoliberalen.

Diese Musik ist die Musik unserer Zeit.

Freitag, 10. Mai 2013

Vergib uns unsere DDR, wie auch wir vergeben keine Solidarität


Für die deutschen Werktätigen war die Deutsche Demokratische Republik das, was Buchbesprecher einen "Glücksfall" nennen; nicht durchweg im Osten, wo der Aufbau schwer, die Politbürokratie kleinlich und die Konsumgüterversorgung allenfalls stabil war, aber jedenfalls im Westen, wo der Realsozialismus nebenan dafür sorgte, dass den westdeutschen Lohnabhängigen die größten Schweinereien erspart blieben.

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Anmerkung: In diesem wunderbaren Text rechnet der Autor Stefan Gärtner im Rahmen seiner wöchentlich aktualisierten, generell sehr empfehlenswerten Titanic-Kolumne "Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück" mit der auch heute noch andauernden Unsitte der "großdeutschen" Mainstreammedien ab, die ehemalige DDR in sämtlichen Details und Einzelheiten so darzustellen, als sei dieser Staat die pure Inkarnation des Bösen gewesen - diesmal am Beispiel eines Pamphlets, das - natürlich - auf "Spiegel Online" erschienen ist. Wie von der Titanic nicht anders gewohnt, darf der Autor im Rahmen der Satire dabei ordentlich vom Leder ziehen und nimmt einmal mehr kein Blatt vor den Mund - und gerade in dieser satirischen Überspitzung trifft er auch diesmal exakt den Nagel auf den Kopf: "(...) die Hirn- oder wenigstens Sozialforschung ist aufgerufen zu prüfen, ob es jetzt wirklich soweit ist, dass man dem 'Spon'-Publikum derartig primitiven, unverhohlenen Agit-Nonsens als Journalismus verkaufen kann."

Zum Thema will ich noch anmerken, dass ich zwar nie Bürger der DDR war, das Land aber trotzdem durch regelmäßige Besuche vergleichsweise gut kannte. Es ist wohl unstrittig, dass es eine Menge an diesem Staat zu kritisieren gab, wobei die erwähnte "Konsumgüterversorgung" wohl die eher weniger bedeutsamen Themen berührt. Das traf und trifft indes auf den westdeutschen Teil des Landes bzw. das ganze Land seit 1990 genauso zu, so dass ich mich dem harschen Urteil Gärtners nur anschließen kann.

Deutschland wurde von der neoliberalen Bande seit 1990 in einen derart verkommenen, korrupten, menschenfeindlichen, autoritären, kriegslüsternen, asozialen, kapitalistisch-faschistoiden Überwachungsstaat deformiert - und dieser üble Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen -, dass ich mit Fug und Recht behaupten kann, dass dieses heutige Deutschland furchtbarer und abscheulicher ist als es BRD und DDR zusammengenommen je hätten sein können. Wenn nach einem solchen desaströsen Verlauf (bzw. bewusst betriebenen Zerstörungswerk) von den Propaganda-Medien nun auch weiterhin wie von Sinnen einzig auf die DDR eingeprügelt wird, wirkt das so grotesk und absurd, dass ich eigentlich nur das Fazit Gärtners dick unterstreichen kann:

"Der Autor dieses neuerlichen 'Spon'-Drecks ('Das letzte Gefecht an der Bierflasche') heißt übrigens Hammelehe, nein: Hammelehle. Schade; 'Hammelehe', das hätte den Unflat ein bisschen glaublicher gemacht. Genealogisch."