Die Bundeszentrale für politische Bildung ist Herausgeberin des als Informationsangebot und Entscheidungshilfe bezeichneten Fragenkatalogs des "Wahl-o-maten". Einige Fragen sind darunter, die fernab jeglicher Information schlichte AfD-Propaganda darstellen. Als Reaktion darf die so examinierte Testperson innerhalb eines engen Entscheidungskorsetts wählen zwischen "stimme zu", "neutral" und "stimme nicht zu".
Eine Auswahl:
1/38: Bundeswehr im Inneren
Bei der Terrorismusbekämpfung soll die Bundeswehr im Inland eingesetzt werden dürfen.
Mit dieser inneren Militarisierung wird nicht nur gegen das Grundgesetz verstoßen, sondern gleichzeitig werden die Bürger an die Terrorismusbekämpfung gegen die Bevölkerung gewöhnt. Die schwarz-gelbe Koalition hatte dies im Jahr 2009 in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben. Leider hat das Bundesverfassungsgericht mit Urteil vom 4.7.2012 den Einsatz der Bundeswehr im Inland unter bestimmten Bedingungen nicht gänzlich ausgeschlossen.
3/38: Obergrenze für Asylsuchende
Für die Aufnahme von neuen Asylsuchenden soll eine jährliche Obergrenze gelten.
Und der Rest ersäuft im Mittelmeer, während Herr Seehofer mit Frau Merkel und Herrn Gabriel ein Bier trinkt und bajuwarischen Spaß hat.
13/38: Kindergeld für Deutsche
Kindergeld soll nur an deutsche Familien ausgezahlt werden.
Ein AfD-Klassiker in Sachen Menschenfeindlichkeit.
17/38: Erinnerungskultur
Der Völkermord an den europäischen Juden soll weiterhin zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur sein.
Hier zitiere ich Leo Fischer, der im "Neuen Deutschland" schrieb: "So ist über den Umweg der sogenannten politischen Bildung letztlich gelungen, woran rechtsextreme Parteien seit Jahrzehnten scheitern: die Schlussstrichdebatte auf das Niveau eines Sportpalastentscheids herunterzubrechen. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie viele in der Anonymität des Internets hier ihrem antisemitischen Ressentiment freien Lauf lassen."
24/38: Nationale Währung
Deutschland soll zu einer nationalen Währung zurückkehren.
Diese Forderung könnte direkt von Gauland und seinen SpießgesellInnen erfunden und diktiert worden sein.
27/38: Verurteilung von Kindern unter 14 Jahren
Für begangene Straftaten sollen auch Kinder unter 14 Jahren verurteilt werden können.
Jawoll! Kriminelle Rotzgören gehören hinter Gitter. Ohne Bewährung.
29/38: Projekte gegen Rechtsextremismus
Der Bund soll weiterhin Projekte gegen Rechtsextremismus fördern.
Der Kampf gegen Rechts wird hier zur Disposition gestellt.
34/38: Leistungskürzungen für Flüchtlinge
Anerkannten Flüchtlingen, die sich Integrationsmaßnahmen verweigern, sollen die Leistungen gekürzt werden können.
Wie sagte schon der berühmte sozialdemokratische Philosoph Müntefering: "Wer nicht integrationswillig ist, soll auch nicht essen."
Was mich weniger wundert, ist die Tatsache, dass ausgerechnet mal wieder so jemand wie Lapuente von den "Sozialdemokratenrebellen" auf das System des Wahl-o-maten hereinfällt und mit seinem gruseligen Hofstaat über die persönlichen Ergebnisse wie über das Jahreshoroskop diskutiert, ohne dieses Instrument in Grund und Boden zu kritisieren. Als Kinder sagten wir immer:
DBDDHKPUKKU ("Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen und keine kalten Umschläge").
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Anmerkung von Charlie: Es bleibt noch die Frage offen, wie weit nach rechts die Journaille, die Politik und die Gesellschaft noch rücken können, bis das "TILT!"-Zeichen erscheint. Weit entfernt ist dieser Zustand sichtlich nicht mehr. Aber auch dann wird der braune Reigen munter weitergehen, darauf verwette ich meinen noch immer knackigen Arsch ...
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Aufstieg der Begabten
"Man sollte ihnen die Regierungsbildung nicht verweigern – irgend 'ne Bildung muss der Mensch schließlich haben!"
Ich bin ja ein bekennender und enthusiastischer Science-Fiction-Fan, der liebend gerne gute SF-Bücher liest oder SF-Filme schaut und sich auch ansonsten sehr gerne mit Zukunftsszenarien befasst. Schlimm wird es aber – natürlich nicht überraschend – stets dann, wenn SF-Szenarien in den realen, kapitalistischen Untergang Einzug halten. Die – stets dystopischen – Beispiele dafür sind inzwischen schon so mannigfaltig, dass ich sie hier nicht alle auflisten kann: Staatliche Überwachungsorgien, Mikrowellenwaffen gegen DemonstrantInnen oder flächendeckende DNA-Datenbanken, um nur drei völlig willkürliche Beispiele zu nennen, sind heute keine Science Fiction oder Verschwörungstheorien mehr, sondern bereits Realität oder zur solchen in naher Zukunft auserkoren.
In diesen finsteren Reigen reiht sich nun die sagenumwobene "Strahlenkanone" aus den Anfängen der SF ein. Bei Zeit Online war kürzlich zu lesen:
Aufgrund der jüngsten Attacken in Barcelona und Cambrils rückt daher eine neue Technik in den Fokus der Sicherheitskräfte: eine Strahlenpistole, mit der elektromagnetische Impulse und Hochleistungs-Mikrowellen abgefeuert werden können. Trifft die Strahlung ein Auto, versagt dessen Elektronik – der Motor bleibt abrupt stehen und lässt sich auch nicht wieder starten, solange der Strahlenbeschuss andauert. / Was nach einer futuristischen Waffe klingt, hat die EU-Kommission in den vergangenen Jahren mit zwei Forschungsprojekten vorangetrieben.
(Die "Strahlenkanone" von Captain Proton, aus der Holodeck-Episode "Bride of Chaotica" der Serie "Star Trek: Voyager", 1999; basierend auf den amerikanischen SF-Filmen aus den 1940er Jahren.)
Eigentlich lohnt sich die Lektüre dieses gruseligen Textes nicht, denn dort wird lediglich blödsinnige Propaganda betrieben, aber keine sinnvolle Information geliefert. Es liegt auf der Hand, dass sich mit einer solchen Technik kein einziger Terroranschlag verhindern ließe – es sei denn, man installierte diese "Kanonen" flächendeckend und könnte sie im "Notfall" innerhalb von wenigen Sekunden aktivieren. Dieses Szenario ist indes so utopisch bzw. albern, dass es selbst in der Science Fiction meines Wissens noch nicht angedacht wurde. Die eigentliche Anwendungspraxis soll also wohl eine ganz andere sein, für die der Terrorwahn wie so oft nur als dümmliche Scheinbegründung herhalten muss.
Welche das sein könnten, lässt sich leicht vermuten – schließlich ist es kein Geheimnis, dass die kapitalistische Welt seit Jahren eine immense militärische Aufrüstung betreibt, die insbesondere erwartete "soziale Unruhen" ins Visier nimmt. Da ließen sich Bullenpanzer, die mit einer solchen Waffe ausgerüstet sind, doch sehr gut einsetzen. Auch gegen jede andere Art von Elektronik – seien es nun Dumpfphones, Computer, Laptops oder was auch immer – ließe sich das herrschaftliche Spielzeug zur elektronischen Abschaltung aus der Ferne sehr wirkungsvoll benutzen.
Dabei ist aus propagandistischer, also streng kapitalistischer Sicht weniger wichtig, welche eventuellen Auswirkungen die Strahlen auf Menschen – auch auf "Unbeteiligte" (als sei dieser alberne Hinweis von Belang für die Schlips-Borg) – haben könnten. Im Text heißt es dazu lapidar:
Die Ergebnisse zeigen, dass von der Strahlung wahrscheinlich keine Gefahr ausgeht.
Na, dann ist doch alles gut und die Strahlenkanone kann kommen: Hier gibt es schließlich einen totalitären Überwachungsstaat aufzubauen, wodurch Konzerne nebenbei ordentlich Profite generieren sollen. Bullshit-Technologie wie diese, die keinen sinnvollen, dafür aber einen äußerst repressiven und zudem propagandistischen Zweck erfüllt, ist das perfekte Beispiel für die Denkweise der korrupten Bande. Was schert diese Leute denn auch das Wohlergehen der Menschen, die sie stattdessen konsequent verarmen – hier geht es, wie immer, nur um Geld, um Macht und um Kontrolle für eine kleine selbsternannte "Elite" – und die Maximierung von alledem. – "1984" oder das schöner-schlimmere "Brave New World" waren einmal Science Fiction, sind es heute aber längst nicht mehr.
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Orgelmann
(Gemälde von Felix Nussbaum [1904-1944] aus dem Jahr 1943, Öl auf Leinwand, Felix-Nussbaum-Haus, Osnabrück.)
In der Frankfurter Rundschau war vor kurzem ein Beitrag zu lesen, in dem die Autorin Katja Thorwarth sich einiger widerlicher Kommentare annahm, die LeserInnen zum Thema "Rettung von Ertrinkenden im Mittelmeer" hinterlassen hatten. Zunächst umreißt sie die Ausgangslage:
Was wurden öffentlichkeitswirksame Krokodilstränen vergossen, als in der Nacht zum 19. April 2015 etwa 500 Flüchtlinge im Mittelmeer ertranken. Selbst Innenminister Thomas de Maizière fand die Seenotrettung "erheblich" verbesserungswürdig. "Wir sind es uns insgesamt selbst schuldig, dass wir hier mehr tun", lehnte sich gar Chefin Angela Merkel aus dem Fenster. / Wie mittlerweile bekannt, viel zu weit. Denn was die EU bis dato verweigert, hatten bis vor kurzem noch NGOs wie Sea-Eye übernommen: das Massensterben im Mittelmeer einzudämmen. Und obwohl Sigmar Gabriel sich von den "KZ-ähnlichen Zuständen" (Auswärtiges Amt) in libyschen Flüchtlingslagern ein Bild machen konnte, ist der Berliner Politapparat nach wie vor einzig daran interessiert, die personifizierte Armut gefälligst dort zu belassen, wo sie hingehört – auf dass sie niemandem das Abendbrot verhagelt.
Das sind sehr deutliche, viel zu selten geäußerte Worte zu diesem Themenkomplex, vor denen ich demütig meinen Hut ziehe. Was danach allerdings an Beispielen aus dem Kommentariat genannt wird, zerfetzt mir eben jene Hutschnur rückstandslos: Ich möchte nichts davon hier wiederholen, lest Euch das drüben bei der FR durch. Was sind das bloß für widerwärtige Gestalten, die einen solchen rassistischen, menschenfeindlichen Nazi-Dreck in die Welt koten und das allen Ernstes für eine "legitime Meinung" halten? Sind die alle irre oder einfach so dumm, dass jede halbtote Mücke es intellektuell mit ihnen aufnähme? Ich glaube das nicht und komme somit zu dem Schluss, dass es schlichtweg dumpfe FaschistInnen sind, die ganz bewusst elitäres Denken hegen und sich selbst für (weitaus!) wertvoller halten als andere Menschen. Damit sind sie de facto nicht mehr zu unterscheiden von den vielen braunen Arschlöchern unter unseren Vorfahren, die willig und enthusiastisch "dem Führer gefolgt" sind und die größte humanistische Katastrophe angerichtet haben, zu der Menschen auf diesem Planeten – bislang – jemals fähig waren.
Ich bin allerdings sicher, dass die degenerierte Bande diesen "Rekord" im nächsten, sich längst ankündigenden Versuch noch toppen kann. Sie ist auf dem besten übelsten Wege dorthin.
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Flüchtlinge
(Gemälde von Abdalla Al Omari [*1986] aus dem Jahr 2016, das unter anderem Merkel, Putin und Obama als Flüchtlinge zeigt. Mehr Infos dazu.)
Auf Seite 37 der heute in der Reichshauptstadt Bonn erscheinenden Tageszeitung "Das Narrenschiff" – direkt zwischen einer Empfehlung für den besten Hundefriseur für schwule Pudel und einem Party-Rezept für die "zeitgemäßeste Bowle" namens "Das gänzliche, reuelose Vergessen" – findet sich die folgende kurze Notiz des rasenden Reporters Charlie Charlieson, die er vermutlich direkt vom Ort des Grauens, der nationalen Messe für Schlafanzüge, Nachthemden und pharmazeutische Ergänzungsnahrungsmittel in der brandenburgischen Provinz "Berlin", an die Redaktion geschickt hat:
Am Sonntag taten zwei schaurige, zombieeske, jederzeit austauschbare Gestalten der kapitalistischen Einheitspartei so, als stritten sie miteinander, obwohl beide Blöcke (oder waren es Böcke?) dasselbe wollen. Ich empfehle zum Schlafengehen dann doch lieber ein großes Glas mit heißer Milch, in das man einen deftigen Liter billigen Fusels von Herrn Albrecht ("Aldi"; sehr reich), Herrn Schwarz ("Lidl"; noch reicher), Herrn von und zu Guttenberg ("Hirnfäule", am ekeligsten) oder ein beliebiges Dokument der AfD ("Mein Führer!", doch noch ekeliger) schütte.
Tippfehler wurden für diese Online-Meldung korrigiert. Charlieson hat den national mit anhaltender Schlafsucht erwarteten Showdown des "12 Uhr nachts"-Dramas der beiden Gesinnungsgenossen Cherkel und Mulz gar nicht verfolgt, sondern befand sich zu diesem Zeitpunkt längst im Delirium und träumte von einem beherzten Eingreifen Darth Vaders, einem dunklen Sinfoniekonzert und einer verflossenen Jugendliebe.
Unbestätigten Berichten zufolge soll Charlieson um 20:15 Uhr, als die bleierne Nocturne begann, noch Wortfetzen wie "Auferstanden aus Ruinen ..." und "Peitsche und quäle mich, Angie" gelallt haben. Es ist dennoch nicht auszuschließen, dass der Reporter tatsächlich den Bezug zur Realität verloren hat und die beiden Scheinkontrahenten am Ende wirklich für ernsthafte Vertreter verschiedener politischer Strömungen gehalten hat. Der Verlag trennte sich noch am Abend wortkarg von dem zwielichtigen Gesellen.
Derweil steht das Ergebnis des "Duells" von der Schlafanzugsmesse fest, ohne dass auch der Praktikant, der diesen Bericht verfasste, es verfolgt hat (die "Lindenstraße" war einfach spannender): Der Kapitalismus, wer denn auch sonst, siegt – es ist ja auch niemand sonst angetreten. Lol. Täterää! Und die deutsche Fußballdeppenbevölkerung grölt trotzdem weiter wie von Sinnen im stumpfsinnigen Chor:
He-ho-hey-ho!
Wir sind asozial!
Wir sind dumm!
Wir finden Eliten geil!
He-ho-hey-ho!
Wir sind völkisch!
Wir schlafen!
Wir schicken Fremde ins KZ!
He-ho-hey-ho!
Wir merken nicht,
dass wir uns ins Knie ficken
und verarscht werden!
He-ho-hey-ho!
Wir merken nichts!
Wir merken nichts!
Wir merken nichts!
Wir sind Elite!
He-ho-hey-ho!
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Unterwegs
"Emil, die Politik ist zum ---" — "--- Wem sagste das, Otto?!"
Anmerkung des Verlages: Der durch besorgniserregende Terrorgedanken infiltrierte Praktikant wurde ebenso wie Herr Charlieson inzwischen entfernt. Die Misere ermittelt. Wir bitten den Zwischenfall zu entschuldigen und setzen unsere Qualitätsberichterstattung fort. Und nun das Wetter.
Über Wahlplakate in dieser korrupten, kapitalistischen, pseudodemokratischen, geradezu irrsinnigen Welt ist schon sehr viel gesagt worden – zuletzt unter anderem von den Kollegen Epikur und Flatter. Dennoch hatte ich mir schon vor Wochen vorgenommen, einige dieser Bild und Schrift gewordenen Gehirnmetastasen unserer kapitalistischen Radikalkriminellen von der CDU, CSU, SPD, den Grünen, der AfD und FDP mittels einer Grafiksoftware auf einen realistischen Stand zu bringen. Leider hat mich die Lektüre der "Nutzungsbedingungen" der CDU für diese Bilder von dieser Idee abgehalten, denn dort heißt es in einer sehr langen Liste unter vielem anderen in strengem Die-Misere-Duktus:
Die Dateien dürfen nicht für satirische oder diffamierende Zwecke verwendet werden. Missachtung wird zur Anzeige gebracht.
Das "Urheberrecht" am stumpfsinnigen Bullshit (hier findet man die Beispiele von der CDU – die übrigen Blockparteien stehen jenem intellektfeindlichen Quatsch aber wahrlich in nichts nach) ist hier offenkundig wichtiger als die Freiheit der Satire, die in einer Demokratie zwingend notwendige Kritik oder einfach der Spaß an der sichtlichen Dämlichkeit und grotesken Verlogenheit der ganzen Reklameveranstaltung.
Schade – ich hatte mich schon lange auf die grafische Arbeit gefreut und mir hunderte von hoffentlich witzigen Slogans zu dämlichen, retuschierten Fotos von dem Merkelmonster, dem Schulzzombie, dem hässlichen Aktenkofferträger Lindner, den "alternativen" Hakenkreuzanbetern und der olivgrünen Kirchenschranze mit Maschinengewehr Göring-Eichmann ausgedacht. Daraus wird nun leider nichts. Die bereits erstellten Grafiken "darf" ich hier nicht posten. Wenn es eines gibt, auf das ich momentan am wenigsten Lust habe, ist es eine lächerliche Urheberrechtsklage von Seiten der korrupten Mafiabande.
Ich habe nun stattdessen ein eigenes Werk erstellt, welches das Thema platt und direkt, aber – wie ich finde – einigermaßen treffend auf den Punkt bringt. Die widerlichen Visagen von Merkel, Schulz & Co. kann man sich leicht dazudenken:
Leider fallen all die absurden Plakate der übrigen Blockparteien der Kapitalistischen Einheitsfront damit unter den Tisch. Allerdings sprechen die meisten ohnehin für sich selbst – die Wahnsinnigen merken in ihrem abgeschotteten Paralleluniversum gar nicht mehr, dass sie hier kübelweise schenkelklopfende Realsatire in die Welt koten.
Bewirken wird das freilich alles nichts. Die Bekloppten in diesem Land wählen weiter die korrupte Bande oder stellen – wem soll's man verdenken – diese Tätigkeit sowieso gänzlich ein, und die kriminelle Bande macht einfach weiter wie bisher. Wieso sollte sie damit auch aufhören, wenn ihr niemand Einhalt gebietet?
(Lord of the Lost: "Waiting For You To Die", aus dem Album "Swan Songs II", 2017)
Anmerkung: Wer das Video nicht bis zum Schluss ansieht, verpasst den satirischen, sehr kapitalistischen Höhepunkt. So geht das abstruse Spiel, so ging es und so wird es auch weitergehen. – Es ist sicher nur ein Zufall, dass das Cover dieses Albums von schwarzen, roten und uringelben Farben dominiert wird.
Medizinische Begutachtung im Rentenantragsverfahren
Ein Gastbeitrag des Altautonomen, basierend auf einem selbst miterlebten Gutachtertermin als Begleitperson
Nachdem mich das "Jobcenter" mittels Sanktionsandrohungen gezwungen hatte, einen Antrag auf Bewilligung der Erwerbsminderungsrente zu stellen, auf dass ich auch als sogenannter "Aufstocker" aus der offiziellen, gänzlich frisierten Statistik verschwinde und statt aus dem staatlichen Topf A zukünftig aus dem staatlichen Topf B meine dreißig Cent ausgezahlt bekomme, kam ich der Aufforderung, die eher einem militärischen Gestellungsbefehl glich, nach und bekam einige Zeit später die ebenfalls sanktionsbewehrte Vorladung der "Deutschen Rentenversicherung" zur "medizinischen Begutachtung".
Zur Erklärung: Die teilweise Erwerbsminderung wird festgestellt, wenn aufgrund von Behinderung oder Krankheit eine maximale Erwerbsfähigkeit ab drei und unter sechs Stunden pro Tag möglich ist und zwar nicht nur im erlernten Beruf, sondern in allen vorstellbaren Tätigkeiten. Sollten die drei Stunden Erwerbsfähigkeit pro Tag nicht mehr erreicht werden können, liegt die volle Erwerbsminderung vor.
Ich sollte mich also an einem Montagmorgen um 7:30 Uhr in einer über 40 km entfernten Arztpraxis zur gesundheitlichen Begutachtung vorstellen. Außer einem sauberen Schlübber brauchte ich nur meinen Personalausweis mitzubringen, den vor Ort allerdings niemand sehen wollte. Ich stellte mir mit gemischten Gefühlen also den Wecker auf 6:00 Uhr, duschte und machte mich wie gewünscht "nüchtern" auf den langen Weg zum Termin. Einem Menschen ohne Auto wäre die Wahrnehmung dieses Termins gar nicht möglich gewesen – aber das nur am Rande.
Draußen auf dem Gehweg vor der Praxis warteten noch andere Patienten, ein Mann und eine Frau, die, wie sich im anschließenden Gespräch herausstellte, ebenfalls von jenem Arzt zur Begutachtung einbestellt worden waren. Seltsamerweise hatten beide ebenfalls als Zeitpunkt 7:30 Uhr genannt bekommen. Eine bodenlose Unverschämtheit, wie wir übereinstimmend feststellten.
Gegen 7:30 Uhr habe ich dann wiederholt den Klingelknopf gedrückt und im Flur an die Eingangstür der Praxis geklopft. Keine Reaktion. Es war noch niemand da. Um 7:45 Uhr dann erschien eine junge, freundliche Sprechstundenhilfe, die uns ins Wartezimmer bat und das bevorstehende Prozedere erklärte. Und das läuft dort nach ihrer Aussage stets wie folgt ab: Der Arzt, der gar nicht zu jener Praxis gehört, sondern dort nur für solche Termine "ein Zimmer hat", kommt stets erst um 8:30 Uhr. Vorher werde den Delinquenten von der Sprechstundenhilfe Blut abgenommen, ein EKG gemacht, eine Urinprobe eingesammelt und der Blutdruck gemessen. Wer als erster da war, wird dann um 8:30 Uhr auch als erster zum Gespräch mit dem Arzt gebeten, das ca. 30 Minuten (tatsächlich waren es fast 50 Minuten) einschließlich einer "allgemeinen körperlichen Untersuchung" dauere. Der letzte "Patient" von den dreien an diesem Tag war demnach erst um 9:30 bzw. 10:15 Uhr nach einer zwei- bis fast dreistündigen Wartezeit dran. Ein Hammer. Und dennoch erzählte die Sprechstundenhilfe nebenbei, dass dieser Arzt ebenso verfahre, wenn er fünf oder sechs Menschen an einem Vormittag zu "begutachten" habe und sie allesamt um 7:30 Uhr antanzen lasse, was wohl regelmäßig vorkommt – ich hatte also noch Glück, denn ich war an jenem Montag der Erste.
Das Interieur der Praxis hatte bereits den Charme einer Nebenstelle von Lambarene. Das sollte aber nichts bedeuten, wenn der Arzt ein guter ist. War er aber nicht.
Ein ca. 80jähriger, pensionierter Silberrücken, dessen Glatze mit langen grauen Haaren an den Seiten, die er kunstvoll über die nackte Kopfhaut drapiert hatte, an seiner Eitelkeit zu nagen schien, bat mich in sein Sprechzimmer. Keine Entschuldigung für die lange Wartezeit, keine Erläuterung der Fragen nach banalen Dingen wie der Todesursache meiner Mutter, den Krankheiten der Eltern, der Zahl der Geschwister, meiner Schul- und Berufsausbildung und den Abschlüssen. Mit Fragen nach meinen Ess-, Trink- und Schlafgewohnheiten, meinen Gewichtsveränderungen, der Anzahl der Zigaretten, die ich täglich rauche, dem Alkoholkonsum und der Konsistenz meines Stuhlganges näherte er sich – so hoffte ich zumindest – dem eigentlichen Subjekt der Begutachtung: Meiner Person.
Dabei machte er auf einem weißen DIN-A4-Blatt stichwortartige Notizen. Zwischendurch blätterte er ständig und sichtlich desorientiert immer wieder mal minutenlang in meiner Akte, die jedoch nach seinem Suchergebnis nicht vollständig zu sein schien, weil sich z.B. die letzten MRT-Befunde über meine Wirbelsäule und andere Arztberichte nicht darin befanden – oder er war schlicht zu blöd, sie zu finden, denn er suchte nicht sinnvoll, sondern blätterte konzeptlos und wild hin und her, so als hoffte er auf einen Zufallsfund. Dieses ständige Herumblättern in der Akte bewies mir deutlich, dass er sich vorher weder die Unterlagen angesehen, noch mit meiner Krankengeschichte in irgendeiner Form vertraut gemacht hatte.
Seine Frage nach Herzbeschwerden beantwortete ich laienhaft mit "gelegentlichem Herzklopfen". Dieser Aussage würde ein sorgfältiger medizinischer Gutacher nachforschen, sofern das Herzklopfen nicht auf eine Liasion mit einer jungen Dame zurückzuführen wäre. Herzklopfen kann schließlich pathologische Ursachen – z.B. in Vorhofflimmern, einer Bradikardie, einer Tachykardie oder spontanen Extrasystolen – haben. So oberflächlich wie seine Fragen war dann auch die anschließende körperliche Untersuchung auf einer Liege. Was er da alles mit dem Stethoskop und dem kleinen Hammer, mit dem er meine Sehnenreflexe testete, an mir verifizierte, erinnerte mich eher an meine Einschulungsuntersuchung in der Grundschule oder einen Besuch beim örtlichen Amtsarzt, als an ein fachärztliches Diagnoseverfahren, von dem meine unmittelbare Zukunft abhängt.
Das war's dann auch schon. Gegen 9:15 Uhr entließ mich der Greis und rief dann sein nächstes, bereits seit fast zwei Stunden wartendes Opfer herein.
Fazit: Ein derartiges Verhalten kann nicht mit Zeitnot, Fahrlässigkeit oder mangelnder Koordinationsfähigkeit entschuldigt werden. Das war Absicht, Demütigung, Herstellung der hierarchischen Ordnung, soziale Kontrolle und Menschenverachtung – und es war zudem aus medizinischer Sicht derart inkompetent und grotesk, dass mir die Spucke fehlt, um das angemessen zu kommentieren. Alles im Auftrag der Rentenversicherung, von meinen Beiträgen finanziert. Ich sage: DANKE!
Demnächst werden sie mir wohl das "Gutachten" zur Stellungnahme zuschicken. Inwiefern sich dieser pensionierte Mediziner anhand der durchgeführten, lächerlichen Befragung und infantilen "Untersuchungen" ein Bild über meine tatsächliche gesundheitliche Situation machen kann, wird wohl sein streng gehütetes, dafür aber sicher recht gut bezahltes und die eigene Rente aufbesserndes Geheimnis bleiben.
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Strenge Diät
"Sind Se man vorsichtig mit'm Essen, lieber Freund!" – "Det trifft sich jut, Herr Doktor – seit jestern bin ick arbeitslos."
Anmerkung von Charlie: Ich danke dem Altautonomen sehr für seine Begleitung und die textliche Aufarbeitung dieses grotesken, geradezu surrealen Termins. Wenn ich den Text selber geschrieben hätte, wäre er justiziabel ausgefallen. ;-) Danke!
Es ist ja keine Neuigkeit, dass der Faschismus keineswegs ein spezifisch deutsches Problem ist – auch wenn er hierzulande seinerzeit bis aufs Blut gewütet hat und bis heute trotz alledem ums Verrecken nicht auszurotten ist. All die faschistischen Idioten samt den begleitenden "Biedermännern und Brandstiftern" (Max Frisch), die keineswegs nur im ultrarechten Lager einschließlich NPD, Pegida und AfD zu finden sind, sondern bis weit in die sogenannte "Mitte" und deren politische und journalistische "Elite" hinein reichen, sprechen eine unmissverständliche, zutiefst menschenfeindliche Sprache.
Dennoch ist diese – kapitalistisch begründbare – Degeneration jedweder Menschlichkeit überall zu finden, wo der Kapitalismus seine zerstörerischen, ausbeuterischen Katastrophenorgien feiert. Es verwundert also nicht weiter, dass auch in den USA, deren Bevölkerung ja ohnehin höchst anfällig für plumpe Demagogie, stumpfe Propaganda und hirntötenden Nationalismus ist, stark zunehmende braune Strömungen festzustellen sind. Bei Zeit Online war kürzlich ein recht interessanter Text dazu zu lesen:
Amerika erlebt derzeit eine Welle von immer aggressiveren rechtsextremen und neofaschistischen Bewegungen. Der Faschismus wird häufig als eine der amerikanischen Gesellschaft fremde Ideologie angesehen. Er ist jedoch tiefer in der amerikanischen Geschichte verwurzelt, als viele von uns wahrhaben wollen.
Wie der Autor David Motadel – ein noch recht jugendlich wirkender "Professor für internationale Geschichte an der London School of Economics and Political Science" – auf die absonderliche Idee kommt, ausgerechnet die USA würden "von vielen" als irgendwie "immun" gegen faschistische Strömungen angesehen, wird wohl sein gehütetes Geheimnis bleiben – für mich jedenfalls ist diese erschreckende Entwicklung, zu der auch ein Irrer wie Trump gehört, wenig überraschend. Gerade die historische Betrachtung, die Motadel anstellt, ist aber lehrreich und informativ.
Auf ze.tt ist parallel dazu ein kurzer Kommentar zu dem seit einiger Zeit auch durch diverse deutsche Blogs geisternden Beitrag über die Rechtsradikalen von Charlottesville von Vice erschienen, in dem einige der Äußerungen der amerikanischen FaschistInnen dokumentiert wurden. Ich zitiere (und korrigiere die teils nicht ganz korrekte deutsche Übersetzung, wo es nötig ist):
"Juden werden uns nicht ersetzen!"
"Die Stadt wird von jüdischen Kommunisten und kriminellen Niggern regiert."
Wir haben nicht angegriffen. Wir haben nicht damit angefangen, Gewalt gegen jemanden anzuwenden. Wir sind nicht gewalttätig. Wir werden diese scheiß Menschen umbringen, wenn wir es müssen."
Der Anschlag eines Rechtsextremen auf eine Gruppe GegendemonstrantInnen, der die 32-jährige Heather Heyer tötete, sei "mehr als gerechtfertigt" gewesen. "Ich finde, dass die Zurückhaltung unserer Leute hervorragend war."
"Ich glaube, dass eine Menge mehr Menschen sterben werden, bevor wir hier fertig sind. […] Menschen sterben ständig aufgrund von Gewalt. Das ist mit ein Grund dafür, dass wir einen Ethno-Staat wollen. Die Schwarzen killen sich gegenseitig, indem sie sich von Küste zu Küste abstechen. Wir wollen nicht länger ein Teil davon sein."
Freilich bleibt, wie immer, auch in den beiden verlinkten (sowie allen weiteren mir bekannten Texten zu diesem Thema aus den Mainstreammedien) der logische und offen auf der Hand liegende Schluss aus, dass diese fatale, vorhersehbare Entwicklung selbstverständlich ursächlich mit dem Kapitalismus zusammenhängt. Ohne diese gedankliche Logikkette und die Nennung der seit so langer Zeit immer gleichen Ursache ist es indes unmöglich, zu irgendeiner sinnvollen Lösungsmöglichkeit zu gelangen. Auch dem jugendlichen Herrn Professor aus London fällt das selbstredend nicht auf – und so stehen die intellektuellen Damen und Herren, die den Kapitalismus "an und für sich" toll finden, heute einmal mehr völlig rat- und orientierungslos vor den erwartbaren, beängstigenden Auswirkungen.
Man sollte den Herr- und Frauschaften, die journalistische Texte zu diesem Thema verfassen, dringend die Lektüre beispielsweise von Max Frisch (siehe Link zum kompletten Text ganz oben) nahelegen. Der Lerneffekt könnte wahrlich bahnbrechend sein:
Eine dritte Flasche, die du schon zwischen den Knien hast, lehnen sie ab. Da du sie trotzdem öffnest, wirst du sie allein trinken müssen. Nur beim Abschied, als du gewisse Hoffnungen ausdrückst, dass die Menschen einander näher kommen und einander helfen, bitten sie dich nochmals um Streichhölzer. Ohne Zigaretten. Du sagst dir mit Recht, dass ein Brandstifter, ein wirklicher, besser ausgerüstet wäre, und gibst auch das, ein Heftlein mit gelben Streichhölzern, und am andern Morgen, siehe da, bist du verkohlt und kannst dich nicht einmal über deine Geschichte wundern.
Man kennt und hasst es inzwischen bis zum Erbrechen: Im Kapitalismus muss es zu allem und jedem ein "Ranking" geben, denn schließlich ist der "Wettbewerb" das höchste aller vorstellbaren, allerdings allein dem Pöbel vorbehaltenen Güter in diesem menschenfeindlichen System. So war kürzlich auch bei n-tv wieder einmal ein solcher "Bericht" zu finden, in dem – fein säuberlich in einer "Bildstrecke" auf satte 28 Seiten aufgebläht – das lächerliche Märchen von den "lebenswertesten Städten" des gesamten Planeten erzählt wurde.
Es versteht sich von selbst, dass dieses "Ranking" hanebüchener, geradezu hirnverneinender Unsinn ist und nicht im Entferntesten essenzielle Grundlagen berücksichtigt, die in diesem Zusammenhang bedeutsam wären. Im fragmentarischen Text wird – freilich nur exemplarisch – sogar kurz darauf hingewiesen:
Der "Economist" hat für seine Rangliste unter anderem eingeschätzt, wie es in Sachen Gesundheitswesen, Kultur, Umwelt, Bildung und Infrastruktur steht. Einbezogen wurde auch, wie groß die Gefahr von Terroranschlägen ist. Ausgenommen sind dagegen die Wohn- und Mietkosten der 140 untersuchten Städte.
Man muss gar nicht erst fragen, was denn hier mit "Terroranschlägen" gemeint ist – die asoziale, faschistoide Agenda-Politik der kapitalistischen "Elite", die inzwischen weltweit ekelige Triumphe feiert, ist es gewiss nicht. Auch in Sachen "Gesundheitswesen" finden wir hier ein überaus groteskes Bild, denn im Text heißt es allen Ernstes:
Auckland, die größte Stadt Neuseelands. Im Bereich Bildung erreicht Auckland wie alle anderen Städte Ozeaniens den Maximalwert. Dafür gibt es im Gesundheitswesen Abstriche: Neuseeland hat ausschließlich eine staatliche Krankenversicherung.
Ja, das muss man sich einmal vorstellen: In Auckland gibt es tatsächlich (noch) keine private Krankenversicherung! Das kann natürlich nur negativ gewertet werden, denn wir wissen ja seit Jahrzehnten – und die Propagandapresse wird nicht müde, das immer wieder in lauten, ständig wiederholten goldenen Fanfaren in die verkommene Welt zu posaunen: "Privat ist gut, Staat ist schlecht!" – Was dahintersteckt, wird in der Regel gar nicht thematisiert – schließlich muss der Profit für Konzerne und Superreiche sprudeln, alles andere einschließlich der Gesundheitsversorgung der Menschen ist lästige Nebensache und überhaupt viel zu teuer und daher abzulehnen.
Auf jenen 28 Seiten werden indes nicht nur die "Spitzenplätze", sondern auch die "Verlierer" dieses perversen "Wettbewerbes" genannt. Es überrascht wohl nur AfD-Wähler, CDU-Minister, Esoteriker oder ähnlich geistig Umnachtete, dass es sich dabei vornehmlich um Städte handelt, die in heutigen vom Westen bombardierten Kriegsgebieten und/oder in der völlig verarmten, vom Westen gnadenlos und bis aufs Blut ausgebeuteten sogenannten "Dritten Welt" liegen. Irgendein Zusammenhang mit dem postulierten Wohlstand (der, wohlgemerkt, auch in den "Wohlfühlzonen" nur für einige Menschen, und keineswegs für alle gilt) in den "guten" Städten wird freilich nicht hergestellt – den darf es ja laut kapitalistischer Ideologie und menschenfeindlicher Unlogik auch gar nicht geben. Es verwundert ein wenig, dass die USA auf den negativen Spitzenplätzen nicht vertreten sind – aber auch das ist gewiss nur ein ungesteuerter, alternativloser Zufall.
Völlig außer acht gelassen wird hier die Frage, inwiefern es überhaupt wünschenswert ist, in einem grausigen Koloss von Großstadt zu leben. Die prognostizierte Konzentration von immer mehr Menschen weltweit, die vom Land in die "urbanen Zentren" übersiedeln, ist ja einzig dem kapitalistischen Wahn der Verfügbarkeit von "Humanressourcen" geschuldet und daher ohnehin in Frage zu stellen – ganz abgesehen von dem Elend, das diese Bevölkerungswanderung in vielen Teilen der Welt verursacht. Auch davon finden wir im launischen Wettbewerbs-Zirkus der "lebenswertesten Städte" jedoch kein Wort. Dafür gibt's – sofern man keinen Adblocker benutzt – reichlich hirntötende Reklame auf 28 Seiten zu bestaunen, auf dass die Zombies noch mehr stets überteuerten Bockmist kaufen.
Ich möchte in keiner der dort gepriesenen Städte wohnen müssen und bin heilfroh, dass nicht ein Einkaufszentrum, ein Bankturmviertel oder ein Fußballstadion, sondern bloß ein läppischer, meist menschenleerer Wald vor meiner Haustüre liegt.
Alle Jahre wieder versorgt uns der Kuhjournalismus mit abstrusen Meldungen, die ich schon als Teenager nicht nachvollziehen konnte. Dazu gehört das peinliche Gedudel und Geseiere über das "schöne Wetter". Sicher ist das kein Thema, dem man große Beachtung schenken muss – aber trotzdem nervt es mich ungemein, wenn immer wieder behauptet wird, ein "heißer Sommer" mit möglichst nur Sonnenschein, mit Temperaturen um die 30 Grad und ohne Regen sei ein in welcher Form auch immer "schöner Sommer".
Die Temperaturen sind aber überall recht mau. Häufig werden es Tageshöchstwerte um oder etwas unter 20 Grad. (...) Denn an den mageren Temperaturen ändert sich wenig bis nix. (...) Es wird dabei landesweit wieder wärmer, aber zunächst nur im Süden sommerlich mit bis zu 25 am Montag und bis zu 28 Grad am Dienstag, während es im Norden mit 20 bis 23 Grad eher mäßig warm weitergeht.
Abgesehen davon, dass für mich persönlich "schönes Wetter" erst dann gegeben ist, wenn es sich mindestens um einen bewölkten Tag bei höchstens 20 Grad handelt, kenne ich auch niemanden, der sich je darüber gefreut hat, wenn eine Bullenhitze (also mehr als 25 Grad) bei wolkenlosem Himmel länger als nur ein paar Stunden herrschte. Vielleicht kenne ich auch nur seltsame Menschen, das will ich gar nicht ausschließen – allerdings bezweifle ich sehr stark, dass es zumindest in den hiesigen Breiten sonderlich viele Menschen gibt, die ihren Alltag in tropischem Klima unter einer stets brennenden Sonne bewältigen möchten.
Das hält die Bekloppten in den Medienhäusern aber nicht davon ab, seit Jahrzehnten stets aufs Neue und bei jeder sich bietenden Gelegenheit wie stumpfsinnig den Blödsinn vom "tollen Sommerwetter" in die Welt zu blasen. Ob das damit zusammenhängt, dass diese Figuren meist in gut klimatisierten Räumlichkeiten arbeiten (und vermutlich in ebenso gut klimatisierten Karossen herumfahren) dürfen, weiß ich nicht. Ich jedenfalls hasse es wie die Pest, wenn ich bei tropischen Temperaturen arbeiten, Auto fahren oder auch nur irgendwelche Termine wahrnehmen muss – das ist kein "schönes", sondern völlig widerwärtiges Wetter.
Für mich ist ohnehin der Herbst die schönste Jahreszeit: Dann nämlich fangen die lärmenden Menschen endlich wieder damit an, ihre Aktivitäten in die Innenräume zu verlegen – es wird somit erheblich stiller in dieser lärmverseuchten Welt; außerdem wird es früher dunkel und ein Spaziergang im herbstlichen Wald – gerne auch bei Regen und Nebel – ist ein unvergleichliches Naturerlebnis. Wenn ich könnte wie ich wollte, lebte ich längst in der nördlichen Hälfte Finnlands, wo es kaum Lärm (und kaum Menschen) und sogar im Sommer nur selten tropische Temperaturen gibt, dafür aber endlose, kühle Wälder und tausende Seen. Dort kann die Seele ganz in Frieden gesunden.
Ich erinnere mich gut: Ich saß einmal abends vor der damals für einen Appel und ein Ei gemieteten einsamen Holzhütte an einem Seeufer mitten in den einsamen finnischen Wäldern, als ich plötzlich ein nie zuvor gehörtes, äußerst seltsames Geräusch in der Ferne vernahm: Es klang wie das Prasseln von kleinen Nägeln, die man aus einer großen Schale ins Wasser schüttet. Zuerst war es nur ein kaum wahrnehmbares Flüstern, das von den zirpenden Grillen in meiner Umgebung fast übertönt wurde, aber sehr langsam und kontinuierlich wurde es immer lauter, bis ich nach etwa 20 Minuten endlich begriff, was ich da hörte: Es war schlicht der sich allmählich nähernde, auf den Wald prasselnde Regen. – Ich habe niemals wieder schöneres, beeindruckenderes Sommerwetter erlebt.
(Abendlicher Blick von der Holzhütte über den See, während die Regenfront langsam nahte. Die nächste Stadt – mit etwa 1.000 Einwohnern – war weit über 100 km entfernt.)
Ob wir davonkommen ohne gefoltert zu werden, ob wir eines natürlichen Todes sterben, ob wir nicht wieder hungern, die Abfalleimer nach Kartoffelschalen durchsuchen, ob wir getrieben werden in Rudeln, wir haben's gesehen. Ob wir nicht noch die Zellenklopfsprache lernen, den Nächsten belauern, vom Nächsten belauert werden, und bei dem Wort Freiheit weinen müssen. Ob wir uns fortstehlen rechtzeitig auf ein weißes Bett oder zugrundegehen am hundertfachen Atomblitz, ob wir es fertigbringen mit einer Hoffnung zu sterben, steht noch dahin, steht alles noch dahin.
Anmerkung: 47 Jahre nach der Erstveröffentlichung ist dieser Text – und nebenbei das gesamte, sehr empfehlenswerte Büchlein – so aktuell wie nie zuvor. Eine solche perverse Erfolgsgeschichte des kontinuierlichen, konsequenten Unterganges kann wohl nur der Kapitalismus schreiben.
Sie wissen es schon: Früher war alles besser. Die heutige Jugend ist eine Bande verweichlichter Warmduscher, die freiwillig Staatswanzen mit sich herumschleppen, brav von Konzernen vorgegebenen "Trends" und "Moden" nachlaufen, allesamt egozentrisch und empathielos sind und ohnehin nicht begreifen, wieso diese Welt so unsagbar scheiße ist. Das habe ich letztens bei n-tv bestätigt bekommen. Dort hieß es:
Das Auge wählt mit: Junge bevorzugen schlanke Kandidaten / Wer Jungwähler erreichen will, muss ihnen laut einer neuen Studie heutzutage mehr bieten als den richtigen Wahlslogan und genügend Erfahrung: Fitte und attraktive Spitzenkandidaten haben demnach bessere Chancen, gewählt zu werden.
Nun reicht nicht mehr nur ein peppiger Reklameslogan aus, um "Jungwähler" zu ködern – nein, man muss als politischer Akteur gleich auch noch das zeitgeistige Image der "Fitness" und "Attraktivität" bedienen. Es sei denn, man heißt Merkel. Dann ist das nämlich egal, denn dieses Scheusal wird trotzdem gewählt: "Mütter müssen nicht schön sein, damit sie geliebt werden." – Was ist das bloß für eine Jugend, die einerseits einem hässlichen Katastrophenmonstrum, das einer Mutter so ähnlich ist wie ein dreiköpfiger Drache, die Erstwählerstimme gibt und andererseits einen aktenkoffertragenden, ebenso korrupten wie inkompetenten Schlips-Borg wie Lindner allen Ernstes attraktiv findet? Echt, den Lindner? Da sind doch sogar meine Hämorrhoiden um Längen attraktiver.
Auch in Österreich stehen ältere Menschen ebenso bass erstaunt vor demselben finsteren Höllenpfuhl:
"Strache hat abgebaut. Er wirkt leicht übergewichtig, blass und nicht vital. Er strahlt keine Dynamik mehr aus." Ganz im Gegensatz zu Kurz. Der konservative Politiker treffe auch mit seinen Slogans zum Beispiel über die "Schließung der Mittelmeerroute" einen Nerv bei den jungen Menschen.
Das sind doch alles Nazis. Wenn eine solche Forderung einen "Nerv bei jungen Menschen" trifft, dann können sie sich allesamt unverzüglich die Hakenkreuzarmbinde anlegen und stumpf nach dem Führer brüllen. Überhaupt scheint das Ariertum wieder voll im jugendlichen Trend zu liegen – dazu passt auch die Feststellung, dass der beliebte, "konservative" Herr Kurz ein "Meister der Dekomplizierung" sei. Ja, das können sie, die Nazis: Komplizierte Sachverhalte so umbiegen, umlügen und verunstalten, dass sie plötzlich ganz einfach erscheinen. Und auf solche billigen Hütchenspielertricks fällt die heutige Jugend einmal mehr herein! Pfui Deibel.
Das wäre uns damals nie passiert. Wir wussten noch, dass in der Ostzone der leibhaftige Teufel haust und dass wir nur durch harte Arbeit ein Wirtschaftswunder vollbracht haben, um das uns bis heute alle Welt beneidet. Wir haben Politiker wie Wehner und Brandt gewählt, die weder fit, noch attraktiv, noch reklamesloganfähig waren. Die haben unseren schönen Kapitalismus zur goldenen Blüte gebracht, so dass wir uns ein Auto auf Pump, einen jährlichen Urlaub in Italien und manchmal sogar ein kleines Häuschen leisten konnten, das wir bis zum heutigen Tage bei der Bank abbezahlen. Dass es nebenbei auch ein paar Multimillardäre gab, fiel da nicht ins Gewicht. Und was der gemeine Neger, der Zonenbewohner, der Schlitzäugige oder andere Untermenschen derweil erlitten haben, davon wussten wir nichts und wollten es auch gar nicht wissen, denn wir bekamen einen Kühlschrank, ein Fernsehgerät und später sogar ein eigenes Telefon. Ein Telefon! Mit einer damals vierstelligen Rufnummer, denn man war privilegiert – es gab noch nicht viele, die sich das leisten konnten.
Und heute ist die Jugend wieder so oberflächlich und nationalsozialistisch. Wie kann man nur so dumm sein, ich versteh das einfach nicht. Klar, die SPD kann man heute nicht mehr von den Schwarzen unterscheiden, aber Lafontaine oder Wagenknecht sagen doch immer wieder Gutes – z.B. dass wir hier in Deutschland nicht so viele Neger und andere Ali-Babas aufnehmen können und dass man endlich mal etwas für mehr Rente für echte Deutsche tun sollte. Wieso wählen die Jungen trotzdem lieber die schwarz-gelben Heuchler?
Ich glaube, ich wähle im September doch lieber die AfD. Da gibts keine Merkelmonster und Aktenkofferträger. Der Gauland gefällt mir sehr. Gauen und Gauleiter gab es früher sowieso häufiger. Diese Jugend kann mir mal den Buckel runterrutschen: Wenn die lieber wieder dasselbe haben wollen wie 1933, dann sollen sie es bekommen. Ich wasche meine Hände in Unschuld und knabbere dann sowieso längst von unten an den Radieschen!
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Anmerkung von Charlie: Dieser, äh, Text wurde dem "Narrenschiff" per Mail zugesandt; der Verfasser ist mir persönlich bekannt. Ich habe nach dem Genuss von drei Litern Hustensaft und mitten im Fieberwahn entschieden, ihn hier zu veröffentlichen. Danach entschwand ich für längere Zeit auf dem Klo, da mich der Brechdurchfall plagte – und ich meine mich zu erinnern, dass mir mein dortiges Spiegelbild über dem Waschbecken eine üble Persönlichkeitsspaltung attestiert hat. Aber das war sicher nur ein weiterer böser Traum.
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Habt Erbarmen mit den Sorgen eines armen alten Mannes
Seit Anfang August 2017 ist es nun "amtlich": In Deutschland gibt es ein Gesinnungsstrafrecht, das es erlaubt, Menschen "rechtskräftig" zu verurteilen und jahrelang einzusperren, die keine Straftat begangen haben, sondern denen lediglich "plausibel" unterstellt wird, derartig Schändliches in der Zukunft möglicherweise begehen zu wollen. n-tvberichtete:
In dem Fall ging es um einen Deutschen aus München, der zweimal vergeblich versucht hatte, ins syrische Bürgerkriegsgebiet zu reisen, um dort für einen islamischen Gottesstaat zu kämpfen. Im Oktober 2015 wurde er am Flughafen München festgenommen. Vom dortigen Landgericht wurde der damals 27-Jährige im Mai 2016 zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Dieses Urteil ist nun rechtskräftig.
Der Bundesgerichtshof [sic!] hat dieses Freisler'sche Urteil bestätigt. So intensiv ich auch nachdenke – mir fällt dazu kein sinnvoller Kommentar ein, den ich hier auch veröffentlichen könnte, ohne ausfällig zu werden. Ich stelle stattdessen einfach die Frage in den Raum, wie man gemeinhin (autoritäre) Staaten bezeichnet, welche die eigenen Staatsbürger aufgrund eines Ausreiseversuches – aus welchen Gründen der auch immer geplant gewesen sein mag – strafrechtlich verfolgen und in den Knast sperren? Ob das Urteil wohl ebenso ausgefallen wäre, wenn dem Mann nicht die Ausbildung in einem "Terror-Camp" in Syrien, sondern beispielsweise in einem "Terror-Wolkenkratzer" der menschenfeindlichen Bankmafia an der Wallstreet als Ziel unterstellt worden wäre – oder gar eine Teilnahme am Krieg auf Seiten der "gemäßigten Rebellen" [*lol*] in Nahost oder sonstwo? – Die Antwort liegt klar auf der Hand.
Es ist nicht allzu weit hergeholt, dass demnächst auch wieder Schwerstkriminelle wie ich vor Gericht gestellt und weggesperrt werden, denn ich träume ja – wenn auch ohne jede Hoffnung – nach wie vor von einer sozialistischen Revolution, die dieses furchtbare kapitalistische System endlich, endlich in die finstere Kanalisation der Geschichte spült, wo es schon so lange hingehört – und das sogar öffentlich und ganz und gar nicht "verdeckt". Wie lange mag es noch dauern, bis wieder einmal nicht mehr "erst" der Ausreiseversuch "geahndet" wird, sondern die Männer in den schwarzen Mänteln schon lange vorher hämmernd vor der Türe stehen? – Cogito ergo criminalis sum?
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Wer läutet draußen an der Tür?
Wer läutet draußen an der Tür,
kaum dass es sich erhellt?
Ich geh schon, Schatz. Der Bub hat nur
die Semmeln hingestellt.
Wer läutet draußen an der Tür?
Bleib nur; ich geh, mein Kind.
Es war ein Mann, der fragte an
beim Nachbarn, wer wir sind.
Wer läutet draußen an der Tür?
Lass ruhig die Wanne voll.
Die Post war da; der Brief ist nicht
dabei, der kommen soll.
Wer läutet draußen an der Tür?
Leg du die Betten aus.
Der Hausbesorger wars; wir solln
am Ersten aus dem Haus.
Wer läutet draußen an der Tür?
Die Fuchsien blühn so nah.
Pack, Liebste, mir mein Waschzeug ein
und wein nicht: sie sind da.
(Theodor Kramer [1897-1958], geschrieben am 18. Juni 1938, in: "Gesammelte Gedichte Bd. 1-3", 1989)
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
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