Samstag, 6. Juni 2015

Kurzfilm des Tages: The Saga Of Biorn, oder: Die böse Rache der Religioten




Anmerkung: Diese geniale Filmchen aus Dänemark dürfte jedem geneigten Rollenspieler ein äußerst fettes Grinsen ins Gesicht zaubern - ebenso wie es die üblichen Verdächtigen aus den mittelalterlichen, religiotischen Kreisen wild erbosen wird. Das Werk macht also alles richtig, und wer des Englischen halbwegs mächtig ist, sollte es sich dringend ansehen: Dies ist exakt die Art des Humors, die jedem religiösen Wahn den Wind komplett aus allen verfaulten Segeln nimmt und ihn als den lächerlichen Popanz entlarvt, der er naturgemäß ist.

Folgen wir also dem aufrichtig strebenden, aber glücklosen Wikinger Björn auf seinem ambitionierten Weg, endlich "ehrenhaft" ins jenseitige "Valhalla" zu gelangen, um in alle Ewigkeit in Ruhe saufen, fressen und anderen wikingergemäßen Späßen nachgehen zu können. Man sollte dieses Meisterwerk vor jedem christlichen Gottesdienst in allen Kirchen weltweit zeigen. Die Resonanz wäre sicherlich ... revolutionär.

Mittwoch, 3. Juni 2015

Song des Tages: Red Sector A




(Rush: "Red Sector A", aus dem Live-Album "Clockwork Angels Tour", 2013; ursprünglich aus dem Album "Grace Under Pressure", 1984)

All that we can do is just survive
All that we can do to help ourselves is stay alive

Ragged lines of ragged grey
Skeletons, they shuffle away
Shouting guards and smoking guns
Will cut down the unlucky ones

I clutch the wire fence until my fingers bleed
A wound that will not heal, a heart that cannot feel
Hoping that the horror will recede
Hoping that tomorrow we'll all be freed

Sickness to insanity
Prayer to profanity
Days and weeks and months go by
Don't feel the hunger, too weak to cry

I hear the sound of gunfire at the prison gate
Are the liberators here? Do I hope or do I fear?
For my father and my brother it's too late
But I must help my mother - stand up straight!

Are we the last ones left alive?
Are we the only human beings to survive?



Anmerkung: Ich hätte ja viel lieber die originale Studio-Version dieses wunderbar bedrückenden Songs der kanadischen Altmeister des bombastischen Rock mit progressivem Einschlag hier verlinkt, da sie einfach besser klingt und gerade der Gesang deutlich klarer und damit überzeugender ist, aber leider ist diese 30 Jahre alte Aufnahme im Netz nicht legal aufzufinden. Und auch diese Live-Version darf aus den bekannten, irrsinnigen Copyright-Bullshit-Gründen hier im Blog nicht wiedergegeben werden - zum Ansehen müsst ihr also auf den Youtube-Link klicken. Heute darf dieser Song, der eigentlich die Eindrücke der Mutter des Sängers Geddy Lee anlässlich ihrer Befreiung aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen zum Inhalt hat, jedenfalls vollkommen zu Recht als inoffizielle Klagehymne der Opfer des rechtsfreien US-amerikanischen Terrorsystems der Folterlager gelten.

Schade ist auch, dass es von den Soli des Ausnahmedrummers Neil Peart, die er gerade zu diesem Song in Live-Shows immer wieder gerne zum Besten gibt, lediglich verwackelte Handyvideos gibt, die des Anschauens nicht wert sind. Wer sich dennoch ein Bild von den spielerischen Fähigkeiten dieses Virtuosen machen möchte, kann das beispielsweise hier tun. Ich persönlich habe schon viele Schlagzeuger aus dem Bereich der Rockmusik live erlebt - Peart aber übertrifft sie alle.

Montag, 1. Juni 2015

Männer, Sex und Kapitalismus: Vom Irrsinn der "Erotikchats"


Es gab einmal eine Zeit, in der meine finanzielle Situation als "selbstständig" tätiger Musiker und Journalist äußerst prekär war. "Selbstständig" war indes auch damals schon lediglich meine andauernde Geldnot, während die "Arbeitgeber", für die ich umfangreich tätig war, stets recht gut verdient haben. Aber das soll heute nicht mein Thema sein.

Ich möchte stattdessen aus einem anderen zwielichtigen Bereich der kapitalistischen Wirtschaft berichten, in dem es ebenso betrügerisch zugeht wie im gesamten Rest dieser profitorientierten Farce - nämlich aus der Blase der sogenannten Erotikchats.

Ich bin seinerzeit über diverse Umwege zu diesem "Job" gekommen, den ich aus reiner Geldnot einige Jahre innehatte und der sich wie folgt beschreiben lässt: Auf einer vorgeblich als "Erotikchat" ausgewiesenen Website ist man als Operator dafür da, eine Vielzahl von "sexwilligen Damen" für die sich vereinzelt einfindenden Herren zu spielen. Für die Erstellung der "Profile" jener fiktiven Damen einschließlich geklauter Fotos ist der jeweilige Operator zuständig (es handelt sich dabei um bis zu 1.000 und mehr Scheinprofile), und je nach Tageszeit werden entsprechend viele (tagsüber) oder auch wenige (nachts) davon "eingeloggt", um den Anschein eines echten Chats - so absurd das Außenstehenden auch erscheinen mag - zu erwecken.

Da kann der zahlungswillige Heinz_58 mal locker mit der natürlich sehr willigen Sina_19 in Kontakt treten und auch die extremsten, absurdesten Sexfantasien zunächst virtuell ausleben - stets aber mit dem Hintergedanken, dass es sich bei jenen Damen um reale Personen handelt, die letzten Endes ebenso an einem realen Treffen interessiert sind wie der zahlende Chatter. Die Preise für einen solchen Fakechat bewegen sich dabei in sehr gehobenen Sphären - hier nur ein Beispiel:

15 EUR für 30 Chatminuten
30 EUR für 60 Chatminuten
42 EUR für 100 Chatminuten
100 EUR für 250 Chatminuten
187 EUR für 500 Chatminuten
315 EUR für 1.000 Chatminuten
570 EUR für 2.000 Chatminuten
822 EUR für 3.500 Chatminuten
950 EUR für 5.000 Chatminuten
1.450 EUR für 10.000 Chatminuten


Es versteht sich von selbst, dass der jeweilige Operator, der den sexhungrigen Herren diese absurden Unsummen durch seine Arbeit abschwätzt, lediglich mit einem lächerlichen Almosen im Cent-Bereich "entlohnt" wird: Für eine Vollzeit-Tätigkeit (also ca. 40 Stunden pro Woche) erhält man, je nach Kundenandrang, zwischen 100 und 300 Euro monatlich. Diese Entlohnung erfolgt natürlich "schwarz", denn angestellt wird in diesen "Chats" niemand. Stattdessen existiert dort eine perverse Hierarchie von Scheinselbstständigkeiten: Den "erfolgreicheren" älteren Hasen und Häsinnen wird die Verantwortung für einen oder mehrere "Chats" anvertraut; diese wiederum beschäftigen mehrere Personen, die die jeweiligen "Chats" im Schichtdienst rund um die Uhr betreuen - natürlich ebenfalls als Scheinselbstständige. Am Ende eines Monats erhält der prekär Augebeutete eine Mail vom Betreiber, in der detailliert ausformuliert ist, wie die "Rechnung", die er für seine Tätigkeit an den Betreiber zu schreiben hat, auszusehen hat, um an seine paar albernen Kröten zu kommen.

Es gibt von ein und demselben Betreiber nicht nur drei oder vier, sondern hunderte dieser Fakechats, die sich zunehmend auf bestimmte, immer extremere sexuelle Vorlieben konzentrieren, und ein Operator betreut dabei mehrere dieser Fakeplattformen gleichzeitig - zu meiner Zeit waren das immerhin fünf "Chats", inklusive der jeweils zu erstellenden Damenprofile, zur selben Zeit.

Dabei werben diese Fakechats mit lächerlichen Slogans wie "Kontakt-Chat No. 1", "Anonymes Kennenlernen ohne Hemmungen", "Single-Treff und Kontaktbörse für den besonderen Anspruch", "Mehr als Chatten" und ähnlichem Bullshit. Ein wesentliches Merkmal dieser widerlichen Abzocke ist es eben, den zahlenden Herren möglichst authentisch vorzugaukeln, dass die Damen, mit denen sie im jeweiligen Chat in Kontakt treten, nicht nur an "dirty talk", sondern eben auch an realen Treffen zum Ausleben eben jener Absonderlichkeiten interessiert sind. Das ist glatter Betrug in mehrfacher Hinsicht, nicht nur am Kunden, sondern auch am Mitarbeiter - Kapitalismus wie er leibt und lebt, eben.

Allerdings möchte ich den Skandal doch ein wenig eindämmen, denn wenn Gestalten wie Heinz_58 tatsächlich glauben, dass eine blutjunge Frau wie Sina_19 ein wie auch immer geartetes Interesse daran hat, sich mit dem alten Sack zu treffen, um wild mit ihm zu poppen, ihn anzupinkeln, ihn in Windeln zu wickeln oder ihm eine Gurke oder etwas noch Größeres in den Arsch zu rammen (was nicht ausnahmsweise, sondern regelmäßig der Fall war), dann hat der Realitätsverlust absurde Dimensionen angenommen, die nicht mehr in Worten fassbar sind. Ich könnte hier ganze Romane aus dem Nähkästchen der sexuellen Fantasien der älteren Generation dieses Landes ausplaudern ... aber ich verkneife mir das an dieser Stelle besser. Viel erschreckender fand ich während dieser widerlichen Tätigkeit, dass es mindestens ebenso viele jüngere bis sehr junge Männer gibt, die ganz ähnlichen Fantasien nachhängen bzw. diese kopieren (was erst einmal nicht weiter verwerflich ist) und bereit sind, für den "Verfügbarkeitschat" ordentlich Kohle abzudrücken, in dem es nach der Bezahlung für jede auch noch so absurde Fantasie sofort die passende "Dame" - oder manchmal auch den passenden Herrn - gibt. Der Kapitalismus hat sich längst in die tiefste Psyche der Menschen gegraben und sie nachhaltig vergiftet - und es dürfte so gut wie unmöglich sein, ihn dort wieder herauszubekommen.

Es bleibt eine Randnotiz, dass der Großteil der Männer - unabhängig vom Alter -, die in diesen Chats nach zunächst virtuellen, dann aber bitte auch realen Kontakten suchen, verheiratet oder sonstwie in einer Partnerschaft gebunden sind. Ein nicht unübliches Beispiel war hier der alte, verbeamtete Sack (50), der seine Gattin extra in den Wellness-Urlaub ins tiefste Bayern geschickt hat, um zuhause freie Bahn für seine 18jährige "Chatbekanntschaft" zu haben. Allein für die wiederholte Verabredung zu diesem "Termin", der natürlich nie zustande kam, hat er innerhalb einiger Monate mehrmals knapp 1.000 Euro Chatgebühren verbraten (von denen sein virtuelles, sich prostituierendes - und keineswegs 18jähriges - Gegenüber, wie gesagt, nur einige herabrieselnde Brotkrumen-Cents erhalten hat).

Nun höre ich schon die empörten Stimmen, die sich echauffieren: Wie kann man denn naive, sexhungrige Menschen bloß derartig abzocken? Das ist doch skandalös! - Denen entgegne ich einfach: Stimmt - aber ihr alle, die ihr im kapitalistischen System arbeiten müsst, tut doch nichts anderes - und je näher eure Tätigkeit dem Vertrieb ist, desto näher seid ihr höchstpersönlich exakt demselben perversen Betrug. It's simply capitalism - face it.

Dennoch ist mir dieses finstere Kapitel meiner Geschichte heute sehr peinlich - obwohl es mich seinerzeit vor der drohenden Obdachlosigkeit gerade noch bewahrt hat. Heute könnte ich das nicht mehr tun, und das nicht nur wegen der vielen Kontakte zu den Irren und Perversen dieses Landes und den damit verbundenen widerlichen Dialogen: Sogar ein Mensch in akuter Geldnot kann zuweilen das Richtige lernen. Und trotzdem bleiben schnöde Habgier und purer Egoismus weiterhin die zentralen, allseits geförderten und zur religiösen Monstranz aufgeblähten Elemente dieser kapitalistisch konditionierten und damit unweigerlich dem Untergang geweihten Menschheit.

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Entgötterte Welt


"Amor ist tot. Es lebe das Schwein!"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 1 vom 01.04.1921)

Zitat des Tages: Kleiner Bahnhof


Die handgeschriebenen
Abfahrtszeiten
vom Regen verwischt.
Selten, dass jemand
aus- oder einsteigt.

In den Schwellen Sprünge –
Vergessenes,
das wiederkehrt.
Löwenzahn
und Reklame am Drahtzaun.

Unsere Hinfälligkeit
wie die Ebene groß,
die man von hier sieht.

(Walter Helmut Fritz [1929-2010], in: "Bilder + Zeichen", Hamburg 1958)


Samstag, 30. Mai 2015

Realitätsflucht (21): Gothic 3


Heute verschlägt es mich auf meiner Realitätsflucht - wie zuvor schon angekündigt - ins wunderbare Fantasyreich Myrtana, dem Spielzentrum von Gothic 3. Es gäbe zur Entstehung dieses Spieles sicherlich einer Menge zu sagen - schließlich war es 2006 der dritte Teil der bis dato überaus erfolgreichen und wegweisenden Gothic-Reihe des kleinen Entwicklerstudios Piranha Bytes und gleichzeitig ein Paradebeispiel für das kapitalistische Zerstörungswerk, dem jeder kreative Prozess in diesem System unterworfen ist, so dass das Spiel unfertig und derartig verbuggt auf den "Markt" geworfen wurde, dass es schlichtweg unspielbar war.

Die Wellen schlugen damals hoch - letztlich hat aber eine völlig "marktfremde" Macht dafür gesorgt, dass dieses damals lang ersehnte Spiel heute in einer zwar immer noch nicht vollkommen fehlerfreien, dafür aber gut spielbaren Fassung vorliegt. Verantwortlich dafür ist nicht etwa das Entwicklerstudio, sondern die so genannte "Gothic 3 Community" - es war eine Gruppe von Fans dieser Spielereihe, die in langwieriger und harter Arbeit aus dem unfertigen Monstrum ein halbwegs gutes Spiel gemacht hat, und es bedarf sicher keiner Erwähnung, dass diese Leute für ihre umfassende Arbeit nicht bezahlt wurden, sondern gänzlich andere Motive für ihr Tun hatten. Merkel, Lindner, Göring-Eckardt oder Gabriel erlitten lebensbedrohliche, hysterische Schreikrämpfe, wenn sie diese kapitalistische Gotteslästerung auch nur zur Kenntnis nähmen. Wer das Spiel heute käuflich erwirbt, kann daher im Intro nach den üblichen Hinweisen auf den Entwickler Piranha Bytes und den Vertrieb JoWooD auch einen deutlichen Hinweis auf das "CPT G3" - das "Community Patch Team - Gothic 3" - entdecken. Auch am Schluss, wenn das Abenteuer vorbei ist, sind zuerst die Namen der unentgeltlich tätigen Patcher zu sehen, bevor der reguläre Abspann anläuft.

Aber das nur am Rande. Dieses Rollenspiel ist ebenso grandios, wie es sperrig ist. Wer beispielsweise aus der wunderbar organisierten Skyrim-Welt zurück ins Gothic-Universum wechselt, wird sich sehr schnell und sehr nachhaltig wundern und verloren vorkommen - denn hier gibt es keine Questmarker, keine sprachlichen Wegweiser und erst recht keine spielinternen Hilfen. Und das ist durchaus beabsichtigt, denn der Spieler soll gefälligst mitdenken, sich Notizen machen und nicht bloß einer vorgefertigten Geschichte folgen.

Entsprechend offen ist nicht nur die Spielwelt, sondern auch die Geschichte - es obliegt allein dem Spieler zu entscheiden, ob er im von den Orks besetzten Myrtana die Seite der freiheitsliebenden Rebellen oder die der Besatzer wählt, und entsprechend unterschiedliche Aufgaben hat er zu erledigen. Es versteht sich quasi von selbst, dass ich das Spiel als großer Befreier gespielt habe und die fiesen Invasoren in epischen Schlachten aus dem Land getrieben habe. Auch muss ich nicht extra erwähnen, dass mir gerade diese Schlachten außerordentlich viel Spaß bereitet haben - auch wenn diese zum Teil äußerst kniffelig sind und sich - wie sollte es auch anders sein - insbesondere die Magier (Esoteriker) als besonders schlimme Gegner erwiesen haben, die einen strahlenden Helden, der ansonsten jeden Gegner mit ein, zwei Hieben mühelos umhaut, innerhalb kürzester Zeit ins Jenseits befördern können, wenn man nicht höllisch aufpasst. So sind sie eben, die Esos.

Natürlich kann man das Spiel auch in der Rolle eines Magiers durchspielen - mir ist das allerdings so fremd, dass mir ein solcher Gedanke gar nicht in den Sinn gekommen ist. Ich habe es - in bisher zwei Versuchen - stattdessen einmal als Nahkämpfer mit brachialen Äxten und einmal als Fernkämpfer mit einer entspannt zu bedienenden Armbrust versucht - und ich kann Menschen, die ein ruhiges Spielerlebnis suchen, die letztere Variante nur wärmstens empfehlen. In diesem Zusammenhang sei nur am Rande erwähnt, dass Kiffen, Saufen und Prügeleien hier herrlich inkorrekt zum typischen Tagesablauf der Spielfiguren gehören.

Die deutsche Sprachausgabe ist professionell, die Musik kann sich an jedem albernen Hollywood-Schinken messen lassen. Bugs gibt's im Spiel immer noch, allerdings sind mir keine storyrelevanten Ungereimtheiten aufgefallen. Ich habe das Werk auf einem Win7/64-System gespielt - abgesehen von langen Lade- und Speicherzeiten und ein paar wenigen Abstürzen gab es nichts zu bemängeln.

Their greatest weapon is fear
Mankind has lost all hope
But in the heart of one man
The Revolution begins

Woran erinnert mich das - abgesehen von üblichen Hollywood-Nebelkerzen - bloß? :-)


Freitag, 29. Mai 2015

Musik des Tages: Sinfonie Nr. 7 in d-moll




  1. Allegro maestoso
  2. Poco adagio
  3. Scherzo: Vivace
  4. Finale: Allegro

(Antonín Dvořák [1841-1904]: Sinfonie Nr. 7 in d-moll, Op. 70, aus den Jahren 1884/85; Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Leitung: John Eliot Gardiner)

Anmerkung: Zu diesem großartigen Werk möchte ich nicht viele Worte verlieren. Wer noch einen beherzten, emotionalen und äußerst kämpferischen Tritt in den Allerwertesten benötigt, um beispielsweise den verkommenen TeilnehmerInnen der "G7"-Farce in Elmau entschlossen und widerständig entgegenzutreten, sollte dieser aufwühlenden Musik aufmerksam lauschen. Aber auch jenseits aller revoltierender Gedanken bleibt diese Sinfonie mit ihrem fast schon absurd-pathetischen Schluss (der "wohl dramatischsten Coda, die jemals komponiert wurde") - zumindest für mich - ein in Töne gegossener Orgasmus, der vergeblich seinesgleichen sucht.

Donnerstag, 28. Mai 2015

Lügende Politiker: Von der Totalüberwachung in den Totalitarismus


Das Thema Vorratsdatenspeicherung bzw. anlasslose Totalüberwachung der gesamten Bevölkerung lässt der neoliberalen Bande keine Ruhe. Nach diversen Versuchen, den ersehnten Orwell-Staat, der in erheblichen Teilen ja bereits bittere Realität ist, weiter im Sinne des Staatsterrors zu optimieren, haben Merkel, Gabriel und ihre KumpanInnen nun das nächste verfassungswidrige Gesetz ins Rennen geschickt. Der WDR-Blogger Dennis Horn schreibt dazu:

Es ist fast schon schade, dass dem Rumgeeiere um BND und NSA in den vergangenen Wochen so viel Aufmerksamkeit zuteilwurde - bis zu den Berichten gestern, dass nun auch die Bundeskanzlerin selbst über das Märchen eines No-Spy-Abkommens stolpern könnte. Die Schlagzeilen überdecken nämlich ein aktuelleres Thema: Merkel und ihre Minister haben heute die Vorratsdatenspeicherung auf den Weg gebracht. / Der Bundestag soll diesen Grundrechtseingriff nach dem Willen der Regierung noch vor seiner Sommerpause verabschieden.

In diesem Text entlarvt der Autor - wie es zuvor schon André Meister von netzpolitik.org auf der "re:publica 15" getan hat - die gängigen Scheinargumente für dieses furchtbare Gesetz, die von Union und SPD sowie den zugeschalteten Propagandamedien mantraartig heruntergebetet werden, als sinnfreie, hohle Phrasen und klassifiziert sie, ebenso wie Meister, völlig korrekt als schlichte Lügen.



Beide Herren unterlassen es leider, nach den Gründen zu forschen, die hinter diesen offensichtlichen Lügen stecken. Dabei liegt diese Frage doch so nahe, denn abgesehen von der bayrischen Hohlbirne Hans-Peter Uhl (CSU) dürfte kaum ein Beteiligter dieses großkoalitionären Regimes so gnadenlos dumm sein, dass er oder sie nicht um die stirnklatschende Unsinnigkeit der angeführten Scheinargumente wüsste. Was könnte diese korrupte Bande also dazu veranlasst haben, ein bereits mehrfach sowohl vom Bundesverfassungsgericht, als auch vom Europäischen Gerichtshof einkassiertes Vorhaben dennoch ein weiteres Mal anhand von albernen Lügen in Gesetzesform gießen zu wollen?

Die Antwort auf diese Frage ist indes ebenso banal wie sie widerlich ist, und jeder, der über ein halbwegs funktionstüchtiges Hirn verfügt, kann sie sich selbst geben.

Inzwischen nimmt die herrschende "Politik einzig für Superreiche" wieder einmal so absurde, schrille Formen an, dass für die Zukunft nichts mehr auszuschließen ist: Weder weitere eskalierende Angriffskriege, noch Faschismus, Totalitarismus oder Konzentrationslager gehören in der kapitalistischen Endzeit des taumelnden Niedergangs zu den Tabus. Die von "elitärer" Seite ersehnte Totalüberwachung aller Menschen ist nur einer der ersten Schritte auf diesem perversen Weg, dem noch viele, viele weitere folgen werden - und wenn Merkel, Gabriel und Konsorten das doch nicht so schnell wie gewünscht auf die Reihe bekommen, werden es eben ihre ebenso korrumpierten NachfolgerInnen in den Marionettenämtern erledigen.

Diese lächerliche Demokratiesimulation ist eine groteske Farce, wie sie nicht einmal ein Franz Kafka hätte ersinnen können - und dennoch ist sie nichts weiter als eine stumpfsinnige Wiederholung. Und die hirnamputierte Mehrheit in diesem Land findet das - wie immer - toll.

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Heilmittel


"Sehnse, Gnädige, in 'nem neuen Krieg die Arbeitslosen wieder so'n bisschen vor Verdun geführt, und sie wären wenigstens in Ehren weg!"

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 48 vom 23.02.1931)

Mittwoch, 27. Mai 2015

Zitat des Tages: Amtliche Mitteilung


Die Suppe ist eingebrockt:
wir werden nicht hungern.

Wasser steht uns am Hals:
wir werden nicht dürsten.

Sie spielen mit dem Feuer:
wir werden nicht frieren.

Für uns ist gesorgt.

(Volker von Törne [1934-1980], in: "Amtliche Mitteilung. Gedichte", Berlin 1961)

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Ohne Titel



(Gemälde von Francesco Clemente [*1952] aus dem Jahr 1984, Öl auf Leinwand, Museum of Fine Arts, Boston, USA)

Aktionstage: "G7" und "Bilderberger"


Am 7. und 8. Juni 2015 werden sich im Luxus-Hotel "Schloss Elmau" in den bayrischen Alpen die Staatschefs und tausende Diplomaten der "Gruppe der Sieben" (Deutschland, Frankreich, USA, Vereinigtes Königreich, Kanada, Japan und Italien) beim so genannten "G7-Gipfel" verschanzen. Hier treffen sich einige der größten Verbrecher der Welt, um Kriege, Ausbeutung und Unterdrückung gemeinsam zu koordinieren. Dabei werden sie von tausenden Polizisten und Militärs beschützt – Kostenpunkt: mindestens 130 Millionen Euro! Auch wenn sie in den hintersten Zipfel Deutschlands fiehen – wir werden sie bis dahin verfolgen und ihren Gipfel blockieren! (Quelle)

Ich hoffe, dass am übernächsten Wochenende möglichst viele Menschen den Arsch hochbekommen und den Protest gegen diese bizarre Veranstaltung, die selbstverständlich in einem elitären Luxushotel stattfindet, tatkräftig unterstützen werden.

Nähere Infos zu den geplanten Veranstaltungen, den Örtlichkeiten inkl. Kartenmaterial etc. findet ihr auf der Internetseite stop-g7-elmau.info; einen informativen Text zum Thema könnt ihr hier lesen; und einen entsprechenden Aufruf, der gerne weiter verbreitet werden möchte, gibt es natürlich auch.



Passend dazu startet direkt am nächsten Tag das diesjährige "Bilderberger-Treffen", diesmal in Tirol: "Vom 9-14 Juni kommen führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Forschung, Militär, Geheimdiensten und Adel zu einem Treffen in Telfs-Buchen zusammen, bei dem keine Öffentlichkeit erwünscht ist."

Die selbsternannte "Elite" und ihre eifrigen Steigbügelhalter und Stiefelknechte gleich in doppelter Aktion: Wenn das mal nicht ein wunderbarer Anlass ist, dieser Mischpoke ein entschlossenes "Nein" entgegenzuschleudern!

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Weltwirtschaftskonferenz


"Prosit, meine Herren – das Elend existiert nicht, wenn wir es nicht in unser Protokoll aufnehmen!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 8 vom 23.05.1927)

Dienstag, 26. Mai 2015

Song des Tages: Far Away




(Blackfield: "Far Away", aus dem Album "Welcome To My DNA", 2011)

Wherever I stay
There's a feeling I'm so far away
I got no home town
I never put roots down

I bet you feel safe
Keeping your life in a cage
While I take my chances
But it always collapses

I really don't know what it needs
To put my smile on
To turn the light on
It always seems I'm falling down
They think I'm crazy
They think I'm crazy

There's a child in me,
Still hiding behind the old tree
But aren't we all hiding
'Til the moment we're dying

And maybe I'm free
But freedom just means that I'm lost
It feels like I'm driving
Without ever arriving

I really don't know what it needs
To put my smile on
To turn the light on
It always seems I'm falling down
They think I'm crazy
They think I'm crazy

Wherever I stay
There's a feeling I'm so far away
I got no home town
I used to run so fast



Anmerkung: Je öfter und intensiver ich mich mit den vielen verschiedenen grotesken Gruppierungen der Irren (Kapitalisten, Nationalisten, Patrioten, Esoterikern, Religioten, Faschisten, willfährigen Sklaven, "Bescheid-Wissern", "Elitären" und all jenen, die sich absurderweise für "elitär" halten etc. pp.) auf diesem verkommenen Höllenplaneten befasse, desto schneller muss ich an dieses kleine, melancholische Liedchen des britisch-israelischen Musikprojektes "Blackfield" denken.

Sie haben doch nichts weiter vorzuweisen als Dummheit, Egoismus, Ignoranz und Hoffnungslosigkeit - davon aber immerhin so viel im reichlich überquellenden Überfluss, dass es gleich für eine multiple Apokalypse reicht.

Ach, gäbe es heute doch dieses sehnsuchtsvolle "far away" noch, in das man sich vor all diesem fürchterlichen Wahnsinn flüchten könnte.

Montag, 25. Mai 2015

(P)Oops - they did it again: Die Esos und die lächerliche Simulation eines autoritären Diskurses


Ich weiß, es langweilt mittlerweile - aber die Sektierer vom Eso-Blog Jenseits der Realität haben schon wieder nachgelegt und einmal mehr ihre völlige thematische Inkompetenz sowie ihren umfassenden Unwillen dokumentiert, an einem ernsthaften Diskurs auch nur scheinbar teilzunehmen. Nachzulesen ist der Sermon, der mich inzwischen tatsächlich nur noch zum Gähnen und Schmunzeln reizt, hier - wer den Kappes lesen will, mag das gerne tun.

Passend zu Pfingsten ist nun der highlige Geist (Udo L.) über mich gekommen und hat mir nach drei Pullen Schnaps und zehn Kilo Heroin zu der folgenden Replik geraten:

Da wird wie gewohnt in allzu peinlicher Empörung aus meinen bisherigen Kritiken, Polemiken und Satiren zitiert, ohne Quellen anzugeben oder gar auf entsprechende Textstellen zu verlinken. Der jeweilige Kontext wird ebenso verschwiegen wie die langjährige Entwicklung dieser Farce, die letztlich dazu geführt hat, dass ich die Auswürfe dieser heuchlerischen Bande nur noch mittels Ironie und Sarkasmus kommentieren kann. Es ist nur eine Randnotiz, dass die esoterischen Herrschaften mir dabei sogar Zitate in den Mund legen, die gar nicht von mir, sondern aus anderen Blogkommentaren stammen. Ob es sich dabei um die gewohnt esoterische Schludrigkeit oder aber um perfide Absicht handelt, vermag ich nicht zu entscheiden.

Sehr belustigend finde ich den indirekten "Vorwurf" des faulenden Fußes in einem Kommentar, dass man mit mir ja "nicht mehr" (sic!) diskutieren könne. Der Kakao, den ich beim Lesen dieser Passage gerade schlürfte, hat meinen Monitor umfassend ruiniert, und ich behalte mir entsprechende Schadenersatzforderungen ausdrücklich vor. ;-) Diese gewohnt kreativ-heuchlerische Vorgehensweise der verbohrten Bande, die mich ja schließlich aktiv von jedweder Diskussion - und sei sie auch noch so vergeblich und redundant - durch eine frühzeitige Sperrung komplett ausgeschlossen hat, spricht für sich.

Das betrifft natürlich nicht nur mich allein - ich habe inzwischen eine ganze Reihe von Mails erhalten, in denen mir von anderen Menschen ähnliches berichtet wird, und ich poste hier einfach mal ein Beispiel dazu:

Wie im Titel bereits steht: Eure Aggressivitäten. Ich weis bis heute nicht, warum ich bei rr gesperrt und mein sachlicher, ergänzender Kommentar zur Linken-Trilogie von ihm gelöscht wurde. Insofern kann ich nachvollziehen, [dass], wenn die Gestalter dieser Webseiten, die sich gern rhetorisch unisono als Erfinder der Menschlichkeit darstellen, mit kritischen Kommentatoren wiederholt schnodderig und autoritär bis totalitär (Meinungsfreiheit?) umspringen, sich der/die Angesprochene mit adäquatem Vokabular wehrt. Auch das ist MENSCHLICH nachvollziehbar.

Da hier ja die Sperrung mißliebiger Meinungen zum Volkssport avanciert ist, hättet Ihr ja den Mut haben können, bei Charlie zu kommentieren. Sicher wären Euch sogar die Schulterklopfer unterstützend dorthin gefolgt.

Da ich mir vorgenommen habe, Blogs konsequent zu meiden, die meine Kommentare unterdrücken, ist dies mein letzter.

Dies schrieb der Altautonome bei den Jüngern der esoterischen Humanität am 22. Mai, und es war nicht sein erster vergeblicher Versuch, sich bei den Esos zu äußern. Da kann man nur noch die vierte Schnapspulle köpfen und das opiumgetränkte Popcorn bereitlegen.

Inhaltlich nehme ich auch zu dem jüngsten, oben verlinkten Auswurf dieser Bagage nicht weiter Stellung, da bereits alles Relevante - und das bereits mehrfach - gesagt ist. Dem geneigten Interessierten seien aber insbesondere die dortigen Kommentare von Platta und Faulfuß ("rr") ans Herz gelegt, die eindrucksvoll illustrieren, wie eifrig eine schillernde Nebelkerze nach der anderen geworfen und zelebriert, aber auf die tatsächliche Kritik mit keinem ernsthaften Wort eingegangen wird. Ein weiteres, wunderbar erhellendes Beispiel für diese dort übliche Vorgehensweise der Vernebelung, Ablenkung und nachträglichen Relativierung sind auch die Kommentare des Wecker-Fanboys "Manfred" in diesem älteren Posting hier auf dem Narrenschiff, die exakt demselben Schema folgen und offenbar größtenteils von dort drüben einfach hierher kopiert worden sind - selbstverständlich ohne irgendeinen Bezug auf vorhergehende Äußerungen anderer Kommentatoren oder gar den Inhalt des Postings selbst.

Fazit: Wer aus der reichlichen Kritik an den eigenen Ergüssen zwar umfänglich, dennoch nur bruchstückhaft und tendenziös, teils gar fehlerhaft und konsequent ohne Verlinkung oder zumindest eine korrekte Quellenangabe zitiert - und gleichzeitig eben jene Kritik auf der eigenen Seite ebenso konsequent unterdrückt und zensiert, während Lobhudeleien des eigenen Sermons sowie üble Entgleisungen gegen den "erklärten Feind", also den Kritiker, gleichermaßen sehr gerne gesehen sind und sogar gefördert werden, der hat nicht nur "etwas zu verbergen", sondern macht sich in jeglicher Hinsicht unglaubwürdig und muss als zutiefst suspekt gelten.

Und das erkennen - glücklicherweise - sicherlich nicht nur einschlägige Kritiker, für die das eh nichts weiter als ein alter, übelriechender Hut ist.

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Traum einer Nonne



(Gemälde von Karl Pawlowitsch Brjullow [1799-1852] aus dem Jahr 1831, Wasserfarben auf Papier, The Russian Museum, St. Petersburg, Russland)

Freitag, 22. Mai 2015

Film des Tages: Die Klotzköpfe, oder: Der übergeschnappte Popanz




("Die Klotzköpfe" [Originaltitel: "Blockheads"], Film von John G. Blystone mit Stan Laurel und Oliver Hardy aus dem Jahr 1938)

Anmerkung: Aus gegebenem Anlass (siehe ausführlicher hier und auch hier) schenke ich mir herzlich gerne - zumindest heute - einen längeren Kommentar zu diesem kafkaesken, fortgesetzten Irrsinn und lasse stattdessen lieber die ehrwürdigen Großmeister der subtilen, humoristischen Selbstzerfleischung zu Wort und bewegtem Bild kommen. Ob die betroffenen Damen und Herren es wohl vermögen, sich selbst und auch mich in diesem wunderbaren Kunstwerk (sic!) wiederzufinden? ;-) Meine argen Zweifel sind wohl sehr berechtigt - der "übergeschnappte Popanz", wie Oliver Hardy es im Film so wunderbar treffend formuliert, betrifft bekanntlich stets ausschließlich "die anderen" und niemals das eigene, oftmals allzu erbärmliche Spiegelbild und Selbstverständnis.

Die Komik der Zerstörung streift sowohl den surrealistischen (...) wie den verbalen Humor. / Diesen herrlichen Film müsste man Einstellung für Einstellung beschreiben, um seine gesamten Reichtümer ausreichend bewundern zu können.

(Raymond Borde / Charles Perrin, zitiert nach: Rainer Dick: "Laurel und Hardy. Die größten Komiker aller Zeiten", Heyne 1995)

Mittwoch, 20. Mai 2015

Zitat des Tages: Nur so zur Abwechslung


Ein Dreher fällt um vor seiner Maschine.
Sein Chef erfrischt sich mit Neskaffee.
Der Landrat wechselt die Konkubine.
Der Innenminister, sein Staatssekretär
für Bundesfragen und für Verkehr
laden sie beide zum Fünfuhrtee.

Ein Güterzug mit Kohl und Kartoffeln
wechselt das Bahngleis bei rotem Signal.
Die Kuhmagd vertauscht zur selben Zeit
die Schuhe mit Holzpantoffeln, das Kleid
mit der Schürze und schlurft in den Stall.

Gegen den Feld- und den Luftzug geschützt
umstülpen Gelehrte die Kausalität
und spalten im stillen Atome.
Humanere Chemiker mixen Arome
für Schnäpse als neue profanere Spezialität.

Kinder heulen. Die Mütter wechseln die Hosen
und waschen und kosen die kleinen Popos.
Sirenen heulen. Die Väter in allen
Büros und Fabriken wechseln die Schicht.
Sirenen heulen und Bomben fallen.
So wechseln die Zeiten ihr Gesicht.

(Wolfgang Bächler [1925-2007], in: "Die Erde bebt noch. Frühe Gedichte 1942-1957", Fischer 1988; geschrieben etwa 1957)



Anmerkung: Nach einem kleinen, unerfreulichen Exkurs in die erkenntnisresistente Welt eines geradezu archetypischen Vertreters des vermeintlichen "Inselwissens" (nachzulesen hier) habe ich einmal mehr eine Ahnung davon erhalten, weshalb sich die bösen Zeiten in der menschlichen Geschichte immer aufs Neue wiederholen - "nur so zur Abwechslung". Hätte ich es nicht wieder einmal direkt miterlebt, hätte ich glatt vergessen können, dass es auch im 21. Jahrhundert noch immer die alten Betonköpfe gibt, die allen Ernstes der felsenfesten, an Irrsinn grenzenden Auffassung sind, eindeutig und "belegbar" entscheiden zu können, was gute, was weniger gute und was gar keine Kunst sei.

"Noch immer" ist indes eine vermutlich widersinnige Wortwahl, denn die Fraktion der "Ich weiß Bescheid"-Gestalten scheint ja nicht ab- sondern eher zuzunehmen - und das betrifft keineswegs nur die Frage nach dem Wesen der Kunst. Diese ist letztlich nur ein Symptom einer viel tiefer liegenden, fatalen Verirrung des menschlichen Geistes, die letzten Endes auch in die Unterscheidung zwischen "wertvollen", "weniger wertvollen" und "wertlosen" Menschen, mithin direkt in den Faschismus führen muss.

"So wechseln die Zeiten ihr Gesicht" - nämlich gar nicht, da in alter, böser Tradition allenfalls die Schminke und die Kostüme getauscht werden. Neben der stumpfen persönlichen Macht- und Habgier sowie der scheinbar unüberwindbaren archaischen Magiegläubigkeit ("Religion") können wir hier die dritte verdorbene Säule ausmachen, die ebenfalls unweigerlich dafür sorgt, dass die Menschheit sich gewiss nicht weiterentwickeln kann, um das dumpfe Zeitalter der Primaten endlich verlassen zu können.

Und so sitze ich hier in meiner "vollgeschissenen Hose", verbreite weiter fröhlich "politische Bubi-Parolen des Lampenputzerrevoluzzers" und beobachte - eher angeekelt als fasziniert - den immer gleichen apokalyptischen Tanz der menschlichen Affenhorde, der mit doppelter und dreifacher Ansage unweigerlich nur in den Abgrund zielt. Der ist zwar sehr blutig, nach berufener Auffassung aber "künstlerisch wertvoll". Immerhin.

Dienstag, 19. Mai 2015

Musik des Tages: Also sprach Zarathustra




  1. Einleitung, oder Sonnenaufgang
  2. Von den Hinterweltlern
  3. Von der großen Sehnsucht
  4. Von den Freuden- und Leidenschaften
  5. Das Grablied
  6. Von der Wissenschaft
  7. Der Genesende
  8. Das Tanzlied
  9. Nachtwandlerlied

(Richard Strauss [1864-1949]: "Also sprach Zarathustra", op. 30, sinfonische Tondichtung für großes Orchester und Orgel, frei nach Friedrich Nietzsche, aus den Jahren 1895/96. Gustav Mahler Jugendorchester, Leitung: Jonathan Nott, 2009)

Anmerkung: Den meisten Menschen sind die ersten Takte dieser Komposition sicherlich bekannt, da sie vielfach für anderweitige Zwecke instrumentalisiert worden sind - sie finden sich beispielsweise in der Eröffnungssequenz des Kubrick-Filmes "2001 - Odyssee im Weltraum" oder auch am Beginn des Songs "River Deep, Mountain High" in der Interpretation von Deep Purple (beides aus dem Jahr 1968), um nur zwei Beispiele von so vielen zu nennen. Darüber hinaus dürfte dieses beeindruckende Werk einer breiteren Öffentlichkeit aber weitgehend unbekannt sein, was ich als bedauerlich und wenig nachvollziehbar empfinde.

Zusätzlich ist dieses Musikstück ein willkommener Anlass für mich, einmal mehr mein Lieblingszitat aus Nietzsches "Zarathustra", nämlich den Schlusssatz, zu rezitieren, der mir schon so oft verlässlich als Stütze und letzter Halt gedient hat:

"Also sprach Zarathustra und verließ seine Höhle, glühend und stark, wie eine Morgensonne, die aus dunklen Bergen kommt."


Montag, 18. Mai 2015

Staatlich verordnete Verdummung: Der nächste Schritt


Mit Hochdruck arbeitet die neoliberale Bande bekanntlich daran, die verbliebenen Reste des ohnehin äußerst dürftigen Bildungssystemes in Deutschland weiter zu zerstören, um künftig noch schneller an möglichst dummgehaltene, systemkonforme und unkritische "Arbeitsmarkt"-Sklaven zu kommen als dies ohnehin schon der Fall ist. Gestern hat sich zum Teilbereich der Hochschulen wieder einmal der Gärtner vom Deck der Titanic zu Wort gemeldet und im vorläufigen Zwischenergebnis zur Zerstörungsorgie nunmehr die neue deutsche "Kinderuni" ausgemacht:

"Though this be madness, yet there is method in 't." (Shakespeare, 1603) / Dass wir da ideell längst sind und aus der autonomen Hochschule für (potenziell) autonome Jungerwachsene das geworden ist, was Industrie und Stifterverbände wollen, nämlich das genaue Gegenteil, beweist uns dann die Zeit, die für ihren Studienführer neuerdings folgende Reklame macht: "Gemeinsam das passende Studium finden. Unterstützen Sie Ihr Kind bei der Wahl des richtigen Studiums." Und Papa, dessen (und sei's freundlicher) Fuchtel zu entkommen immer ein schöner Hauptgrund fürs Studium war, sitzt aufmerksam neben seinem 16jährigen, damit der bloß nicht auf die Idee komme, den eigenen Entschluss zu fassen, für den er nach G8 und allem ja auch zu jung ist. Studium als Angelegenheit von (außerakademischen) Autoritäten, als eines, bei dem die, die sich bilden sollen, im Grunde nichts mehr zu melden / zu wollen / zu entscheiden haben: wenn das, bei allem Gegacker vom "freiesten Deutschland aller Zeiten", nicht ganz und gar autoritär ist, dann weiß ich auch nicht. / Heute nennt man's freilich marktkonform.

Dieser Text sei jedem ans Herz gelegt - er lohnt sich sehr. Der Bildungsabbau betrifft allerdings nicht bloß die Hochschulen. Ein illustres Beispiel dafür ist das so genannte Turbo-Abitur, über das ich mich schon mehrfach - zuletzt im November 2014 - ausgelassen habe. Damals ging es darum, dass die radikale, völlig irrsinnige Verstümmelung der gymnasialen Oberstufe um satte 33 Prozent (von einstmals drei auf nur noch zwei Jahre) selbstredend massive negative Effekte auf eine Vielzahl von SchülerInnen hatte. Die korrupte Bande hatte daraufhin wegen der lauter werdenden Proteste gegen diesen offenkundigen Affenzirkus der puren Idiotie ihre "völlig unabhängigen" Super-Spezial-Experten losgeschickt, um nach "Lösungen" zu suchen.

Die Super-Spezial-Experten haben damals - oh welch Wunder! - das erwünschte Ergebnis geliefert: "'Weniger Bildung!' ist hier die Losung, und es sollte angesichts der Bologna-Zerstörungen des Hochschulwesens niemanden überraschen, dass diese Katastrophenstrategie nun konsequent nach und nach auch auf die Schulen angewendet wird", schrieb ich damals dazu. Heute habe ich nun einen kleinen, gut versteckten und natürlich sehr wohlwollend-manipulativen Hinweis darauf gefunden, dass die Bande diese Untergangsstrategie in NRW tatsächlich konsequent durchgezogen und die weitere Beschneidung der Curricula nunmehr - in trauter rot-grün-neoliberaler Eintracht (freilich wohlwollend-begeistert begleitet von den schwarzen Schergen der CDU) - beschlossen hat:

Schüler in NRW können aufatmen. Der Schulausschuss im Landtag hat dafür gestimmt, G8-Schüler deutlich zu entlasten. Die neuen Regeln zum Turbo-Abi treten zum nächsten Schuljahr in Kraft. Die Einzelheiten. In NRW stöhnen viele unter dem Druck durch das Turbo-Abi. Viel Lernstress - wenig freie Zeit. Durch die Entlastungen wird es ein bisschen entspannter, das Abi in acht statt in neun Jahren zu machen.

"Aufatmen" können hier jedoch nur die "elitären" Arschlöcher in ihren Prunkvillen - allen anderen sollte der zitternde Angstschweiß auf der Stirne stehen, allen voran der bildungshungrigen Jugend. - Ich hätte fast geschrieben: "Mission accomplished!" - aber selbstverständlich ist auch dies lediglich ein Etappenziel auf dem kapitalistischen Weg zur totalen Verblödung der Menschen, der noch lange nicht sein von "elitärer" Seite ersehntes Ziel erreicht hat. Nach dumpfer kapitalistisch-faschistoider Unlogik ist selbst eine blökende Schafherde noch immer zu gefährlich, zu intelligent, zu unberechenbar für die hohe Herrschaft. Sie werden keine Ruhe geben, solange es die heiß ersehnten Massen der versklavten, stumpfsinnigen Roboterzombies aus der dystopischen SF-Literatur noch nicht ganzheitlich gibt.

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(Restaurierte Fassung des Films "Metropolis" von Fritz Lang aus den Jahren 1925/27)