Ich kann es nicht mehr zählen, wie oft ich mich in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren über die stets überschwenglich herausposaunten "Verbesserungen" auf dem kapitalistischen "Arbeitsmarkt" ausgelassen habe. Die Propagandakanone der Kapitalhuren hört damit jedoch nicht auf, so dass auch ich dazu gezwungen bin, die ewige Wiederholung immer und immer wieder zu praktizieren. Gerade durfte ich bei n-tv (und gleichlautend in fast allen anderen Qualitätsmedien) lesen:
Engpässe in ersten Branchen: Arbeitslosenzahl sinkt auf historisches Tief / Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft geht ins achte Jahr – und auch auf dem Arbeitsmarkt hält der Boom an. Nie zuvor waren im wiedervereinigten Deutschland weniger Menschen ohne Job.
Das muss man erst einmal verdauen: Seit nunmehr mindestens acht Jahren geht es "uns" also so gut wie "nie zuvor". Das sitzt. Was soll ein linksgrün-versiffter Kommunist wie ich dagegen bloß haben können, wenn es nun sogar schon "Engpässe" in gewissen Branchen gibt? Ob das wohl an der mangelhaften Qualifikation des zur Verfügung stehenden Schröder'schen Heers der verzweifelt nach Erwerbsarbeit Suchenden oder doch eher am ungenügenden Angebot der Ausbeuter liegt? Solch dumme Fragen stellt in Kapitalistan aber niemand mehr, denn hier herrscht der "Eigenverantwortungs-" und "Konkurrenz"-Wahn: Wenn Du keinen Porsche, keine Villa und keine Segeljacht besitzt, bist Du eben selber schuld!
"... auf die Erde nieder, wo wir Schafe sind"
Da fällt auch niemandem mehr auf, dass in derselben Kuhpresse – meist auf Seite 39ff unter "Ferner liefen" und nach den Lokalnachrichten über den Taubenzuchtverein – immer wieder Meldungen wie diese an die braune Oberfläche ploppen wie auf der gärenden Oberfläche eines vulkanischen Sees:
Das ist Volksverdummung / (...) Zunächst einmal fehlt die eine Million Menschen, die von Fremdfirmen vermittelt werden oder zum Zeitpunkt der Erfassung krank sind. Auch Hartz-IV-Empfänger über 58 Jahre und Ein-Euro-Jobber werden nicht als arbeitslos registriert. Das weist die Statistik als Unterbeschäftigte aus, im Kleingedruckten. Dann sind wir statt bei 2,4 Millionen Arbeitslosen in Deutschland schon bei 3,3 Millionen. Aber das ist auch noch nicht die volle Wahrheit. Da fehlen noch die Teilzeitangestellten, die gerne 30 Stunden in der Woche arbeiten würde, aber nur zehn oder 20 Stunden arbeiten können, weil sie keine andere Möglichkeit finden. Von den zwölf Millionen Teilzeitbeschäftigten sind das sechs Millionen. (...) Wenn Sie alle mitrechnen, von denen ich gerade gesprochen habe und dann noch die stille Reserve derjenigen dazurechnen, die sich nicht bei der Arbeitsagentur melden, sind Sie schnell bei fünf bis sechs Millionen und nicht mehr bei 2,4 Millionen.
Nun, das wissen "wir" ja alles seit geraumer Zeit und glauben dem albernen Schmonzes daher nicht mehr, nicht wahr. Es ist zwar dumm, dass die aktuelle Politik sich nach wie vor auf diese in penetranter Vehemenz wiederholenden Falschmeldungen bezieht und die Regionalseiten des Blätterwaldes nicht beachtet, aber Schafe revoltieren nicht, sondern blöken bloß und folgen brav den Anweisungen der Herrschaft. Die versorgt "uns" unablässig mit weiteren Wohlfühlmeldungen (zitiert nach n-tv):
Deutsche gerade sehr entspannt: Kaum Sorgen bei der "Generation Mitte" / Den 30- bis 59-Jährigen in Deutschland geht es gut, so gut wie noch nie sogar. Das sorgt für Gelassenheit und Zufriedenheit.
"Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus ..."
Da haben wir es schwarz auf weiß: Wenn Du noch immer nicht "gelassen" und "zufrieden" bist, machst Du wohl etwas falsch – wir leben mitten im Paradies und können bzw. dürfen uns nichts besseres vorstellen als diese göttliche Segnung des kapitalistischen Ausbeutersystems. Merke: Du lebst, um Profit für Reiche zu erwirtschaften – wenn Du das nicht kannst oder ("Jessusmaria!") nicht willst, hast Du Deine Existenzberechtigung verwirkt.
Der kapitalistische Segen macht sich für jeden bemerkbar in diesem verkommenen Land breit:
422.000 Menschen haben keine Wohnung / Die Zahl der Menschen in Deutschland ohne Wohnung schnellt nach oben. Mehr als jeder zehnte Wohnungslose lebt auf der Straße. Ein Wohnungslosenverband macht vor allem die Privatisierungswut der öffentlichen Hand verantwortlich (...).
Diese Menschen sind eben selber schuld, dass sie kein Dach mehr über dem Kopf haben, gelle. Der gnadenvolle Segen des kapitalistischen Wohlstandes hat ihnen die Hand gereicht, diese VerräterInnen haben sie aber dreist ausgeschlagen! Erst letztes Jahr – wiederum zu Weihnachten – durfte ich im Rahmen eines sehr bürgerlichen, geradzu spießigen Weihnachtsfestes den Ausführungen eines SUV-Fahrers und ehemaligen DDR-Bürgers lauschen, der damals bemerkte: "Rausschmeißen sollte man das Gesocks. Ab nach Rumänien, da können sie betteln und schmarotzen!" – Zuvor saßen wir brav gemeinsam in der Dorfkirche und lauschten mehr oder weniger andächtig den Klängen des christlichen Weihnachtsmärchens, während draußen, was ich erst später erfuhr, ein Mann in der Kälte erfror – er war nicht in die warme Kirche gelassen worden, weil er "betrunken" oder sonstwie nicht "angemessen" aufgestellt war. Wieviele Menschen in Deutschland müssen wohl dieses Jahr sterben, weil auch der Staat bzw. seine bürokratischen ErfüllungsgehilfInnen ihnen mit festen Stahlstiefeln ins Gesicht tritt, anstatt ihnen zu helfen?
"... geht auf allen Wegen mit uns ein und aus"
Die Zahlen sind umstritten – bei Zeit Online war beispielsweise zu lesen:
Die Zahl der wohnungslosen Menschen ist in Deutschland im vergangenen Jahr stark gestiegen: Insgesamt waren 2016 etwa 860.000 Menschen ohne Wohnung, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) mitteilte.
Aber auch das ändert nichts daran, dass sowohl die Politik, als auch die "bürgerliche" Meinung bei ihrer vehement menschenfeindlichen Linie verbleibt. Wann hat man zuletzt davon gehört, dass irgendein Politiker oder "Bürger der Mitte" den Kapitalismus kritisiert habe? Ist das 50, 70 oder schon 100 Jahre her? Wer spricht heute noch davon, dass es ein ausgemachter Skandal ist, wenn es einerseits ein paar wenige GesellInnen gibt, die Millionen und Milliarden horten, während so viele, viele andere sogar im Herzen Kapitalistans nicht wissen, wie sie die nächste Woche ohne Hunger, Stromsperre und/oder den Verlust der Wohnung überstehen sollen?
Immerhin wissen wir dank der Kuhpresse, was Madame Merkel und die übrigen Polithuren in Berlin ganz und gar nicht interessiert:
In Berlins Straßen wächst das Elend / Die Temperaturen nähern sich dem Gefrierpunkt. Der bevorstehende Winter bringt Tausende Menschen in Berlin in Lebensgefahr.
Es sind ja bloß "Nutzlose". Die dürfen ruhig verrecken, auch wenn das niemand öffentlich sagt. So denkt man in Kapitalistan – nicht bloß in der "Regierung", sondern auch im faschistischen Umfeld der Bevölkerung. Es wird endlich wieder Zeit für braune und schwarze Uniformen und rote Armbinden unterm Weihnachtsbaum. – Wenn ich soviel kotzen würde wie ich müsste, wäre mein Klo seit Langem verstopft und mein Wohnort nicht mehr nur eine intellektuelle Kloake.
Während anderswo in Kleinbloggersdorf fleißig um Spendengebettelt wird – was dort allerdings das ganze Jahr über und nicht bloß zu Weihnachten geschieht – gibt es auf dem "Narrenschiff" heute Geschenke.
Es geht um zwei Computerspiele (für den PC), die ich abzugeben habe, nämlich um "Pirates of the Flying Fortress" und "Castle Defense" aus dem "Two Worlds II"-Umfeld. Über ersteres (das ich jedem Rollenspielliebhaber nur wärmstens empfehlen kann), habe ich mich hier bereits ein wenig ausgelassen.
Es handelt sich natürlich um unbenutzte, nagelneue Original-DVDs (eine davon noch eingeschweißt). Wer also Interesse an einem oder auch an beiden Spielen hat, möge sich mit entsprechenden Kontaktinformationen in den Kommentaren oder per Mail (editor@gmx.li) bei mir melden. Bei mehr als einer/einem Interessierten entscheidet das (anonyme) Los beim nächsten Blogger-Kaffee mit dem Altautonomen und eventuellen weiteren Gästen – einen Versand noch vor dem 24.12. kann ich in dem Falle nicht garantieren, dafür aber den Datenschutz: Außer mir erfährt niemand den Namen oder gar die Adresse des/der "Gewinners/Gewinnerin". Die anfallenden Verpackungs- und Portokosten übernehme ich selbstverständlich ebenfalls selbst.
Vielen Dank für Euer Interesse an meinem "subversiven" Blog! :-)
(Mercenary: "Through the Eyes of the Devil", aus dem Album "Metamorphosis", 2011)
I am disorder, reign the night
I'm spreading terror, death by my side
I face the never, clothed in leather
I will never turn my face
And face dishonour
You will never put me in the fucking corner
In despair the fallen sinners
Bow their heads and await their death
Do you see me? – See me now
Never ends, you will make amends
The sins of your father are yours now
To repay through endless days
I'll hurt you in endless ways
I am the pain, I am the needles in your spine
And through my endless torture my existence is divine
Cut yourself, and you will see it's not a dream
My existence, pure and evil, this is me
In dismay the broken sinners
Upon their cross, their life is lost
Do you see me? – See me now
Never ends, you will make amends
The sins of your father are yours now
To repay through endless days
I'll hurt you in endless ways
Feel now the silence filling you
Bleed now as the needle punches through
It never ends ...
Anmerkung: Dieser Song ist ein hübsches Statement aus Dänemark zum dystopischen Thema der staatlichen Totalüberwachung. Wenn "unser" Überwachungs- und Repressionsminister Thomas "die Misere" das Liedchen verstünde, würde er es wohl verbieten lassen. Genießen wir's also, solange so etwas Subversives – bislang ohne staatliche Zensur – noch geschrieben und aufgenommen bzw. veröffentlicht wird. In jedem Fall ist dieses kraftvolle Musikstück ein wunderschöner, herz- und hirnerfrischender Kontrast zum gruseligen Einheitsbrei des "neuen deutschen Gewimmers", mit dem TV- und Radioanstalten seit Jahren das ganze Land überschwemmen und das letzten Endes in der musikalischen Hölle und intellektuellen Einöde der Schlager-, Zombie- und vorgeblichen "Volks"-Musik – die gar keine ist – mündet.
Es ist wieder einmal Zeit für eine wilde Flucht aus der bösen Realität, die immer bizarrer und unerträglicher wird. Mein heutiges Ziel ist erneut die Spielwelt von "BioShock": Es geht um den dritten und bislang letzten Teil des Werkes, das vom amerikanischen Entwicklerstudio "Irrational Games" entwickelt und im Jahr 2013 veröffentlicht wurde (über den zweiten Teil habe ich vor knapp zehn Monaten berichtet), nämlich um "BioShock Infinite".
Um eine "richtige" Flucht handelt es sich hier allerdings nicht, denn auch dieses Science-Fiction-Spiel bezieht sich inhaltlich auf die heutige Zeit, ganz gemäß der groben literaturwissenschaftlichen Definition:
"Science Fiction [in ihrer nicht rein auf kommerzielle Interessen ausgerichteten Form, Anm.d.Kap.] entwirft keineswegs Zukunft, sondern Alternative; sie springt in die andere Wirklichkeit und meint nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart." (Dieter Wuckel: "Science Fiction. Eine illustrierte Literaturgeschichte", 1986)
Zur Geschichte möchte ich aus Spoilergründen nicht allzu viel schreiben. Anders als in den ersten beiden Teilen spielt man hier einen typischen Antihelden – den Herrn Booker DeWitt –, der sich 40 Jahre vor den Ereignissen in den Vorgängerteilen aus zunächst mysteriösen Gründen aufmacht, eine junge Frau namens Elizabeth aus der "fliegenden Stadt" Columbia zu befreien, wo sie gefangen gehalten wird. Wie auch zuvor entblättert sich die Geschichte im Verlauf des Spieles nur langsam – und auch nur dann, wenn man Augen und Ohren offenhält, sich in der Spielwelt aufmerksam – auch abseits des meist vorgezeichneten Weges – umschaut und all die Ton- und Bildaufzeichnungen, die sich überall finden lassen, aufmerksam anhört bzw. anschaut. Es geht – und das ist nicht übertrieben oder überinterpretiert – um die Geißel des Kapitalismus', um religiösen Wahn, Nationalismus, Rassismus und dumpfen Faschismus. Dieses unappetitliche, tiefbraune Szenario wird extrem anschaulich und unmissverständlich am Beispiel eines ins Extreme bzw. Absurde überzeichneten "American Exceptionalism" – also der in den USA bis heute weit verbreiteten Vorstellung von der "Einzigartigkeit der amerikanischen Nation" [*glucks*] – dargestellt.
Dabei ist die Überzeichnung – beispielsweise bezüglich des religiösen Fanatismus' oder des Rassismus' – heute erschreckenderweise gar nicht mehr so realitätsfern, und das bezieht sich keineswegs bloß auf die USA.
("For God and Country")
Diese Geschichte, die dieses dramaturgisch vorzüglich inszenierte Spiel erzählt, ist ein wirkliches Highlight aus der kompletten, genreübergreifenden Branche. Dennoch bleibt das Werk weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, denn letzten Endes bleibt es ein "Shooter", wenn es auch angereichert ist durch einige (wenige) Rollenspielelemente. Neben der Geschichte und dem grafisch entwaffnend gut umgesetzen Szenario der "fliegenden Stadt" besteht der Großteil des Spieles nach wie vor daraus, mithilfe verschiedenster Waffen, Spezialfertigkeiten und taktischer Vorgehensweise haufenweise Gegner niederzumetzeln, ohne dabei selber ins Gras zu beißen. – Was für ein wegweisendes Spiel hätte "Infinite" werden können, wenn die Entwickler sich dazu entschlossen hätten, stattdessen ein tiefsinniges Rollenspiel ohne dauerndes Herumgeballere daraus zu machen!
Die Atmosphäre einer amerikanischen Stadt aus dem Jahr 1912, die sich dank "moderner Technik" vom "ketzerischen, liberalen und demokratischen" Rest der USA in die Wolken verabschiedet hat, um dort das kapitalistische, gottgewollte Paradies der weißen Herrenrasse zu errichten, ist jedenfalls perfekt umgesetzt worden. Ich wüsste nicht, wie man das noch besser machen könnte. Dazu zählen neben der Architektur und all den kleinen und großen Details – wie beispielsweise Schallplatten statt Tonbändern, die es 1912 in der bekannten Form noch gar nicht gab – auch die Musik, die ganz im Zeichen des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts (in den USA) steht. Ein Beispiel:
(Garry Schyman: "Elizabeth", aus dem Soundtrack zum Spiel)
Einen weiteren Kritikpunkt will ich nicht verschweigen: Man merkt dem Spiel an allen Ecken und Enden an, dass es für die Konsolenpest konzipiert bzw. optimiert wurde. So gibt es kein wirkliches Inventar, keine Karte, die Steuerung per Maus und Tastatur ist extrem eintönig und wenig intuitiv, die eingeblendeten Symbole sind so groß wie Mühlräder (auf dass man sich als Spieler wie ein infantiler Hampelmann fühle), und vor allem gibt es nicht nur keine Schnellspeicherung, sondern überhaupt keine freie Speichermöglichkeit mehr: Man muss also warten, bis das Spiel automatisch einen "Sicherungspunkt" anlegt, bevor man es beendet – ansonsten darf man bei der nächsten Spielsession wieder beim letzten erreichten Punkt beginnen. Was treibt Entwickler dazu, einen solchen Mumpitz auch für den PC zu kreieren? Die Konsolenkacke ist eine wahre Seuche.
Dafür lief "Infinite" auf meinem Win7/64-System völlig stabil und ohne jeden Absturz. Bugs sind mir nicht aufgefallen. Die deutsche Sprachausgabe ist professionell und ohne jeden Makel – dass sich die optional einblendbaren Texte gelegentlich vom gesprochenen Wort unterschieden, kann man leicht verschmerzen. Leider ist das Werk genretypisch sehr kurz: Selbst ein "Alles-Erforscher" und Langsamspieler wie ich hatte es in weniger als 30 Stunden durch.
(Der Antiheld "Booker DeWitt" auf einem Plakat aus Columbia)
Das Ende der Geschichte – manch einer mag sich fragen, wieso DeWitt angesichts dieser Abbildung ein "Antiheld" sei – verliert sich leider in allzu peinlichen, fast schon absurden SF-Klischeegefilden, die dem brisanten Thema und seiner Auflösung gekonnt ausweichen (was auch schon beim ansonsten so grandiosen "The Moment of Silence" der Fall war). So ein alberner Schluss verdirbt so vieles. Da hat wieder einmal der "Markt" bzw. der angestrebte Profit seinen Duft hinterlassen und vieles zerstört. Man vergleiche dazu einmal den offiziellen, ganz oben eingebetteten Trailer zum Spiel mit dem älteren Gameplay-Trailer aus dem Jahr 2012, bevor das Spiel veröffentlicht wurde (siehe unten): Nahezu keine der dort so wunderbar ausgewalzten systemkritischen Szenen hat es ins fertige Spiel geschafft. Hier war offensichtlich ein (vermutlich kapitalistisch motivierter) Zensor am Werk:
Es gibt (meinens Wissens) drei Addons zu diesem Spiel, von denen ich jedoch nur eines gespielt habe, nämlich "Seebestattung" ("Burial at Sea", zwei Episoden). Hier verschlägt es den Spieler wieder in die aus den ersten beiden BioShock-Teilen bekannte Unterwasserstadt "Rapture", was zwar für viel nostalgischen Flair sorgt, ansonsten aber wenig erwähnenswert ist: Dort geht es nur noch um Ballerei, während das Unterwasser-Szenario zur bloßen Kulisse verkommt. Eine tiefgründige Geschichte sucht man hier vergebens.
Als Resümee kann ich festhalten: "BioShock Infinite" erzählt eine hochaktuelle, beklemmende dystopische Geschichte, kleidet diese jedoch in ein allzu oberflächliches, manchmal gar infantiles Gewand, das dem Thema nicht gerecht werden kann. Damit steht es auf derselben, leider wenig erbaulichen Stufe wie "The Last of Us" (das ich mangels Konsole nicht selber gespielt, sondern nur teilweise angesehen habe). Einen zweiten Durchlauf habe ich vor einigen Wochen nach der Hälfte des Spieles abgebrochen, weil ich die Geschichte schon kannte und mir das ständige, stumpfsinnige Ballern schlicht langweilig wurde.
Im Dezember 2013 verwendete die der US-amerikanischen "Tea-Party"-Bewegung nahestehende "The National Liberty Foundation" ein Artwork des Spiels, u.a. mit der Inschrift "For God and Country – It Is Our Holy Duty To Guard Against The Foreign Hordes", als Ausdruck ihrer Ablehnung von Zuwanderung. Das Artwork dient im Spiel zur Illustration der rassistischen Einstellung der Gründer und wurde mancherorts auch als karikative Anspielung des Entwicklerteams auf die "Tea Party" interpretiert. 2014 verwendete der konservative US-Fernsehsender "Fox News" das Logo-Artwork von "BioShock Infinite" mit dem Schriftzug "Defending the Homeland" zur Illustration eines Interviews mit dem texanischen Gouverneur Rick Perry, unter anderem über das Thema illegale Einwanderung. Levine [einer der Entwickler des Spiels, Anm.d.Kap.] bezeichnete die Verwendung des Logos in diesem Zusammenhang als Ironie.
Darf eine Tabledancerin von notgeilen Truckern angegrapscht werden? Schließlich provoziere sie das doch mit ihren aufreizenden Simultan-Fick-Bewegungen und ihrer nackten Haut. Und Männer seien nun mal Sklaven ihres Testosteronspiegels. Da müsse doch der Druck aus dem Kessel. – Doch falls das jemand wagen sollte, würde ihm vom Sicherheitspersonal schneller das Fliegen beigebracht, als er seinen Truck starten könnte.
Würden die Gäste auf einer Erotik-Messe es wagen, eines der dort um Aufträge konkurrierenden Pornosternchen körperlich zu berühren, könnte der Betreffende vielleicht frühestens nach vier Wochen wieder flüssige Nahrung aus der Schnabeltasse zu sich nehmen. – Und sind Prostituierte, die vergewaltigt werden, keine Opfer, weil diese Form zwischenmenschlicher Kontakte doch ihre eigentliche Profession sei? Auch diese Frage dürfte geklärt sein.
Beim kiezschreiber konnte ich neulich einem Text mit dem Titel "#metoo erreicht Deutschland", der sich mit dem Erotik-Model Micaela Schäfer befasste, entnehmen, dass sich derartige Frauen, die sich das Sexbusiness auf die Fahnen geschrieben haben, bitte nicht beschweren mögen, wenn sie von einem "großen Filmstar" wie Steven Seagal mal ans Knie gefasst und gefragt werden, ob sie mit auf sein Hotelzimmer gehen.
Mit rhetorischer Begleitmusik wird dort ein Kontext gezimmert, der dem Leser suggeriert, dass "Bitches" kein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben, weil sie es ja regelrecht mit allen Künsten einer aggressiven Sexualität darauf anlegten, betatscht zu werden. In dieser Logik trägt auch der Juwelier, bei dem eingebrochen wurde, eine Mitschuld, weil er ja die Klunker im Schaufenster ausgestellt und so den Dieb zum Zugriff provoziert habe. Das erinnert sehr an die in früheren Gerichtsverhandlungen gerne unterstellte "bedingte Einvernehmlichkeit" des Opfers einer sexuellen Straftat, weil es beispielsweise einen Minirock trug, der Einblicke bis zwischen die Mandeln ermöglichte.
Der Blogbetreiber war sich nicht einmal darüber im Klaren, dass auch das Betatschen des Knies seit Dezember 2016 strafbar ist.
Die Schauspielerin Sibel Kekilli ist vor Jahren als Hardcore-Pornodarstellerin mit türkischen Wurzeln durch die BLÖD-"Zeitung" in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit und Kritik geraten. Heute ist sie eine hochdekorierte Filmschauspielerin in Deutschland mit bester gesellschaftlicher und künstlerischer Reputation. Sie sollte sich von Steven Seagal [und vermutlich auch vom kiezschreiber, Anm.d.Kap.] tunlichst fernhalten.
Du weißt, dass Du in einem faschistischen Land lebst, wenn Du in der Qualitätspresse solche Meldungen lesen darfst:
Ein im Internet kursierendes Schreiben des Düsseldorfer Ordnungsamtes an einen 83-jährigen Senior sorgt für heftige Diskussionen. Darin wird von dem Mann ein Verwarnungsgeld von 35 Euro dafür verlangt, [weil] er sich für einige Minuten an einer Bushaltestelle ausgeruht hat.
Bezeichnend ist hier weniger die Tatsache, dass das "Ordnungsamt" einen hochbetagten Rentner eines schlimmen Vergehens bezichtigt (Benutzung einer "Anlage des ÖPNV an der vorgenannten Örtlichkeit nicht ihrer Zweckbestimmung entsprechend"), sondern die Begründung, in der es sinngemäß heißt, dass sich selbstverständlich jeder ältere Mensch an einer Bushaltestelle niedersetzen und ausruhen könne, sofern es sich nicht um ein Mitglied der "Obdachlosen- oder Trinkerszene" handele.
Das ist sowas von hakenkreuzverdächtig, dass mir dazu entsprechende Worte fehlen. Was sind das bloß für "MitarbeiterInnen", die so etwas dem Amt melden; und was sind das für widerliche Kreaturen, die daraus allen Ernstes einen amtlichen Bußgeldbescheid machen? Das grenzt ja schon an die kruden "Jobcenter"-Praktiken – und das will etwas heißen.
Wer hier rechtsextreme staatliche Praktiken erkennt, die mit den furchtbaren Jahren ab 1933 ohne jede Einschränkung vergleichbar sind, befindet sich auf einem guten, keineswegs übertriebenen Weg der Erkenntnis: Die Unterscheidung zwischen einem "normalen" Bürger und einem "asozialen Subjekt" war damals ebenso ausgeprägt. Wir leben in einem stetig radikalisierten Albtraum der faschistischen Menschenfeindlichkeit.
(Kotzgeräusche in ohrenbetäubender Lautstärke übertönen den Rest dieses Kommentars.)
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Bekanntmachung: Todesstrafe
(Aushang der Nazibande in Warschau vom 10.11.1941)
Es ist allseits bekannt, dass es völlig einerlei ist, ob nun die kapitalistische Blockpartei SPD oder deren Schwester im Geiste CDU das Sagen in Herrschaftsfragen hat. Auch die Handlanger – ob es sich nun um Grüne, die FDP oder die Linkspartei handelt – sind egal, da die Ergebnisse stets dieselben sind.
Manchmal tun sich einige ProtagonistInnen in diesem Einheitsbrei aber ganz besonders widerlich hervor; vermutlich, um sich für noch besser bezahlte Pöstchen zu bewerben. So geschieht es gerade in NRW, wo die ehemalige (desaströse) rot-grüne Landesregierung vor einiger Zeit von einer (desaströsen) schwarz-gelben Landesregierung abgelöst wurde. Eigentlich sollte sich also für die Bevölkerung nichts ändern – aber die "christlichen" und "liberalen" GesellInnen haben andere, perfidere Pläne.
Das Entfesselungspaket
Unter dem geradezu wahnwitzigen Titel "Entfesselungspaket" – und niemand lacht bei diesem Wort in den Redaktionen – will die schwarz-gelbe Bande "wirtschaftliche Anreize" schaffen. Der WDRberichtet:
Mit mehr verkaufsoffenen Sonntagen will die schwarz-gelbe Landesregierung den Handel in NRW stärken. (...) / Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sieht keine rechtlichen Probleme oder einen Widerspruch zum Sonntagsschutz. Er will vor allem Unsicherheiten ausräumen und den Handel beleben. "Wir wollen, dass die Geschäfte dann offen haben, wenn Familien auch Zeit haben, gemeinsam einkaufen zu gehen", sagte er im Landtag. (...) / Die von Rot-Grün eingeführte Hygiene-Ampel wird abgeschafft. Sie zeigt die Kontrollergebnisse in Lebensmittelbetrieben an.
Dazu ist anzumerken, dass die rot-grüne "Hygiene-Ampel" eine ebensolche Nebelkerze war, die keinerlei Wirkung entfalten konnte – ebenso wie die "neuen" Maßnahmen der schwarz-gelben Bande keinerlei Wirkung entfalten können. Die Summe "X", die den Menschen in NRW zum widerwärtigen Konsum zur Verfügung steht, verändert sich nicht durch alberne verkaufsoffene Sonntage. Beflügelt wird hier allenfalls die Hoffnung auf mehr Käufe auf Kreditbasis. Was das für die betroffenen Menschen, die im Einzelhandel arbeiten müssen, bedeutet, interessiert aber sowieso niemanden aus dieser marktkonformen Mischpoke.
Entfesselung ist eine Kunst
Die Entfesselungen sind damit aber noch nicht abgeschlossen, denn irgendwie muss die Bewahrung des obszönen Reichtums der Wenigen ja weiter zementiert werden. Auch dafür haben CDU und FDP in NRW eine richtig gute Idee:
Die schwarz-gelbe Regierung wird Zuschüsse zurückziehen, mit denen etwa 300.000 Menschen günstig Bus und Bahn fahren können. Das Geld soll anderweitig eingesetzt werden. / (...) Die 40 Millionen Euro, mit denen das Sozialticket bezuschusst wurde, werden 2018 zunächst auf 35 Millionen reduziert, ein Jahr später halbiert und 2020 schließlich ganz gestrichen. Das Geld wolle man besser investieren, teilte der Verkehrsminister und CDU-Politiker Henrik Wüst mit.
Was schert diese Bande denn auch die Bevölkerung? Es ist schon jetzt ein feuchter Witz, dass ein "Sozialticket" für den ÖPNV in NRW knapp 40 Euro pro Monat kostet – wer um alles in der Welt soll sich denn das leisten können, der mit gerade mal 400 Euro auskommen muss, von denen regelmäßig Stromkosten, Telefon- und Internetkosten sowie aus dem "Regelbedarf" zu bezahlende Heiz- und Mietkosten, die oftmals nicht in voller Höhe übernommen werden, zusätzlich zu Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln und stets anfallenden Sonderausgaben gedeckt werden müssen?
Die Überflüssigen
Aber weshalb sollten Arbeitslose, Kranke, Alte oder Behinderte auch öffentliche Verkehrsmittel benutzen wollen? Nach kapitalistischer "Logik" sind das alles "Überflüssige", die am allerbesten gleich versterben sollten, da sie nur "kosten", aber nichts "einbringen". Vor diesem Hintergrund ist die neue Landesregierung in NRW schon sehr produktiv. Schlimm ist nur: Ich unterstelle diesen GesellInnen, dass sie sehr wohl wissen, welches braune Monster sie da "entfesseln" und es trotzdem tun, weil sie das wohlige Plus auf dem eigenen Konto sehr zu schätzen wissen.
Ich unterstreiche noch einmal, um nicht missverstanden zu werden: Auch die rot-grüne Landesregierung hat nichts anderes getan, sondern es nur ein wenig besser verschleiert. Das Motto hier wie dort lautet schlicht: "Haut der Bevölkerung mit Schmackes die Fresse blutig und mästet die Reichen, auf dass auch wir in unseren Blockparteien genug abbekommen."
Die Deppen
Interessiert sich außer dem Deppen Lapuente eigentlich noch irgendjemand dafür, ob Deutschland zukünftig von der CDU, der SPD, den Grünen, der FDP, der AfD oder der Linkspartei "regiert" wird? – Mir jedenfalls könnte nichts gleichgültiger sein.
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Geburt des Faschismus
(Gemälde von David Alfaro Siqueiros [1896-1974] aus dem Jahr 1936. Pyroxylin auf Masonit, Sala de Arte Publico Siqueiros, Mexiko)
(Bohuslav Martinů [1890-1959]: "Konzert für Violine und Orchester Nr. 2" aus dem Jahr 1943; Violine: Julia Fischer, Tschechisches Philharmonisches Orchester, Leitung: David Zinman, 2017)
Es ist ja ein alter Hut, dass in den Amtsstuben der "Jobcenter" ausschließlich Menschenfreunde hocken, denen es einzig um das Wohl ihrer mit hartnäckiger, kafkaesker Impertinenz als "Kunden" bezeichneten Opfer geht. Ein weiterer "Einzelfall" von Millionen war kürzlich wieder einmal beim WDRnachzulesen:
Der 50-jährige Michael H. aus Dortmund nennt sich selbst "Gelegenheits-Schnorrer". Immer wenn das Geld knapp wird, sitzt er in der Fußgängerzone und bittet um eine kleine Spende. Vor kurzem ist das dem Jobcenter Dortmund aufgefallen, das nun seine monatlichen Bezüge um 90 Euro gekürzt hat.
Man kann hier klar und deutlich die warmherzigen Fürsorgeabsichten des betreffenden Amtsschimmels erkennen, der Herrn H. sanft davor bewahren möchte, einen gefährlichen Dagobert-Duck-ähnlichen Geldspeicher anzulegen, in dem er womöglich ertrinken oder von herabfallenden Goldbrocken erschlagen werden könnte. Ich schlage vor, dieser/diesem vorbildlichen SachbearbeiterIn das Bundesverdienstkreuz am braunen Bande zu verleihen – feierlich überreicht vom Bundespräsidenten und Hartz-Terror-Co-Architekten Frank-Walter Steinmeier (SPD *glucks*) im Adolf-Eichmann-Haus in Berlin.
Ein weiteres Beispiel dieser "Einzelfälle" habe ich gerade kürzlich (zum in verschiedenen Varianten wiederholten Male) selbst erlebt: Da schwadronierte ein junger, sich seiner kleinen Macht offenkundig sehr bewusste Schreibtischhengst in epischer Breite darüber, dass es "heutzutage" eben auch Akademikern "zumutbar" sei, in "Heimarbeit Kugelschreiber zusammenzubauen" – und fand das offensichtlich völlig normal und nicht einmal im Ansatz überdenkenswert. Er weiß wohl nicht, dass es erst 80 Jahre her ist, seit schon einmal auch Rechtsanwälte, Ingenieure, Schriftsteller, Wissenschaftler, Ärzte und Professoren zuerst in die Arbeitslosigkeit, danach zur unentgeltlichen Straßenreinigung (mit Zahnbürsten), dann zum Steinekloppen und -schleppen in KZ-Steinbrüche und letztlich zum Entsorgen von Leichen und deren Überresten in Krematorien "geschickt" wurden.
Aber auch heutige Amtsschimmel hätten ja schließlich "keine Wahl" und "müssten" so überaus menschenfreundlich handeln, ebenso wie Eichmann und seine NazikollegInnen das vor 80 Jahren auch hätten tun "müssen", so hört man es immer wieder an den Stammtischen und im braunen Blätterwald des Systems raunen. Da kann, um beim ersten Beispiel zu bleiben, das Jobcenter Dortmund gar nichts machen: Wenn irgendein Behördenscherge den verarmten Mann einmal oder gelegentlich beim Betteln "beobachtet", muss er eben Meldung bei der Obrigkeit machen; und wenn eine entsprechende Denunziation aus der Bevölkerung eingeht, muss dieser "Information" ebenfalls nachgegangen werden. Da kennt der deutsche Amtsschimmel kein Pardon: Wat mutt, dat mutt! Und schon knallt der Stempel – heute in Form eines vorformulierten, ebenso schnell abrufbaren Sanktionsbescheides inklusive zehn Seiten Juristenkauderwelsches – aufs Papier.
Letztlich tun sie alle nur ihre Pflicht, und sie gehen nach Dienstschluss beruhigt nach Hause – wohl wissend, dem "Gemeinwohl" einen treuen Dienst geleistet zu haben. Die Gründe, weshalb der bettelnde Mann sich derartig erniedrigt und in der Fußgängerzone – also für jedermann sichtbar – bettelt, interessieren da nicht. Es ist völlig irrelevant, ob er eine Stromrechnung bezahlen muss, um weiterhin in den Genuss von Elektrizität in seiner ärmlichen Behausung zu kommen; ob er ein Medikament, eine Brille oder Zahnersatz bezahlen muss; ob er eine Bahnfahrt zu seinem kranken Sohn nach München bezahlen muss; oder ob er einfach mal wieder ins Kino oder Konzert gehen oder etwas anderes als den ewig gleichen Billigfraß aus dem Discounter oder von der "Tafel" verspeisen will: Dem deutschen Amtsschimmel ist das egal – muss das egal sein, denn sonst könnte das wiehernde Vieh ja zu einem selbst denkenden Menschen heranreifen. Und so etwas Obszönes ist in Kapitalistan nicht nur unerwünscht, sondern strikt verboten.
Deutschland ist eben, wie wir nach hundertfacher Wiederholung endlich wissen, ein menschenfreundliches Land Paradies, in dem "wir" gut und gerne leben; Polizisten sind "Freunde und Helfer"; Soldaten sind "Bürger in Uniform", die "unserer" Verteidigung und dem Katastrophenschutz dienen; und Arbeitslose, Kranke, Alte und Behinderte sind "Kunden" der Ämter, und sie sind natürlich – wir leben schließlich im Kapitalismus – "Könige". Nein, nicht einmal Kafka hätte sich so viel verotteten, lächerlichen Gehirnmassenauswurf, wie er Tag für Tag wie selbstverständlich in diese verkommene Welt geschleudert wird, ausmalen können.
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Der Stilllebenmaler
"Die Äpfel kann ich hinten anbeißen, man sieht ja ohnehin nur die vordere Seite."
Du hast dir die Finger einer Hand in den Mund gesteckt, presst ein Würgen in die Kehle zurück. / Nicht schreien! Nein! Den Leib in schwere Ketten legen, damit das Zittern unterdrückt wird. Einen Eimer über den Kopf stülpen, der außen bemalt ist mit einem zufriedenstellenden, ruhebewahrenden Gesicht. Den Anflug eines Lächelns bitte: sanft, stoisch und förmlich! Der Zwang, falsch wie bisher bis zum Ende leben zu müssen, macht nicht halt, dauert über den letzten Augenblick hinaus. Wir tanzen durch die Zimmer, die Türen sind uns im Weg, wir stürzen an die Fenster, manchmal begegnen wir uns, lächeln tapfer mit blutiggebissenen Zungen; aufrecht stehn Leichen vor den Häusern, die Straßen liegen im Schweigen, nur ab und zu kriecht noch ein erschöpfter Amokläufer vorbei, sich tödliche Verletzungen zufügend, Wunden, in denen Sternnebel zu schwären scheinen, während wir uns rütteln und uns befehlen, bitte nicht zu weinen und trotzdem immer wieder unvermutet aufheulen, als ginge uns ein Riss durch Kopf und Leib. Ein Beben umhüllt unsre Herzen. Vielleicht, meinst du, hätten wir einen Mörder, einen Henker dingen sollen, der uns einen vorstellbaren Tod gegeben hätte ... Sie schenken uns ein paar Sekunden ... Wir sind noch immer am Leben ... Dunkle Geräusche. Die Luft zerfällt in ätzende Tropfen. Wir legen uns nieder, hacken uns die Pulsadern auf, reiben unsere Geschlechtsteile, lachend und schreiend vor Angst. Die Erde dreht sich entgegengesetzt. Etwas anderes spüren wir nicht.
(Ludwig Fels [*1946], aus der Kurzgeschichte "12 Uhr", in: Wolfgang Fienhold / Harald Braem (Hg.): "Die letzten 48 Stunden. Science Fiction-Erzählungen vom Weltuntergang", Heyne 1983)
Wohl jeder hat schon einmal etwas von den "Kreationisten" gehört – jener fundamental-christlichen Sekte, die insbesondere in den USA aus den Reihen der "Evangelikalen" hervorgegangen ist und die inzwischen auch in anderen "westlichen", also kapitalistischen Ländern – einschließlich Deutschland – immer mehr Anhänger findet. In jenen Kreisen glaubt man brav an das "Wort Gottes", wie es in der Bibel steht – jeweils basierend auf der bevorzugten Übersetzung der Rückübersetzung der Übersetzung des längst verschollenen Urtextes. Wenn in jenem "Buch der Bücher" also zu lesen ist, dass "Gott die Welt in sieben Tagen schuf", dann glauben Kreationisten dies, während die Evolutionstheorie Teufelszeug für diese Gläubigen darstellt. So weit, so lächerlich und irgendwie lustig.
Weniger bekannt ist allerdings, dass es eine ebenfalls zunehmende Anzahl von Menschen gibt, die ohne den konkreten Bezug auf eine bestimmte Religion oder deren "göttliche" Schriften ebenfalls die "These" des "Intelligent Design" vertreten, die im Grunde dasselbe verkündet. Vince Ebert hat dazu kürzlich eine amüsante Glosse bei spektrum.de veröffentlicht, aus der ich zitiere:
Betrachtet man die Idee allerdings etwas genauer, so treten viele Widersprüche auf. Wenn uns angeblich tatsächlich ein kluger, allmächtiger Designer erschaffen hat, warum hat er dann so etwas Unnötiges wie den Blinddarm entwickelt? Gut, vielleicht war er Chirurg … / Wenn man sich etwas intensiver im menschlichen Körper umschaut, muss man ohnehin an einem intelligenten Designer zweifeln. Das linke Ohr ist mit der rechten Hirnhälfte verbunden, Luft- und Speiseröhre sind gekreuzt, die Abwasserleitung läuft direkt durch das Vergnügungsviertel. Kein Bauleiter würde so eine Butze abnehmen. Intelligenter Schöpfer hin oder her – Innenarchitektur ist mit Sicherheit nicht seine Stärke.
Die Lektüre macht durchaus Spaß. Selbstverständlich muss man diesem semi-religiösen Irrsinn aber noch auf ganz andere Weise begegnen, beispielsweise indem man fragt, was dem "intelligenten Designer" denn wohl an Darmwinden durch den Kopf gegangen sein mag, als er das irdische Prinzip des Fressens und Gefressenwerdens "geschaffen" hat. Wie intelligent ist es, dass beispielsweise manche Fische millionenfachen Nachwuchs in die Welt setzen (müssen), von dem der allergrößte Teil allerdings von anderen Lebewesen aufgefressen wird, so dass nur eine vergleichsweise geringe Anzahl der "Kinder" der Arterhaltung dient? Beispiele wie dieses gibt es tausendfach in der Natur. Ein "intelligenter Schöpfer", der sich so etwas ausdenkt und umsetzt, muss wohl ein pathologischer Sadist, ein Geisteskranker oder ein Kapitalist (okay, das ist ein Synonym für beides) sein.
Derlei Einwände berühren wahre Gläubige jedoch nicht – weshalb die Frage gestattet sein muss, ob eine solche bescheuerte "These" wie das "Intelligent Design" tatsächlich die Ursache oder nicht doch vielmehr ein nachgeschobenes, allzu konstruiertes "Bekräftigungsargument" des auch vorher schon vorhandenen Aberglaubens darstellt. Wie so oft, findet man auch dazu eine passende Antwort bei den esoterischen Glaubensspinnern von "Jenseits der Realität" (Klicken und Lesen auf eigene Gefahr!):
Monika H., Heilerin mit eigener Praxis, erzählt in diesem Auszug aus ihrem Buch "Sei still meine [sic!] Herz, die Bäume beten", wie man im Sinne des Weisen Lao Tse Vertrauen vermehren kann.
Wer sollte einer selbsternannten Heilerin [sic!] – mit "eigener Praxis" gar, ähnlich einer Kardiologin –, die Bäume beten hört und "Gebetsheilung" anpreist, auch widersprechen? Nein, das verbietet sich strikt – man darf psychisch Kranke nicht an den Pranger stellen. Es sei denn, sie sind gar nicht psychisch krank, sondern verfolgen heimlich ganz andere – in diesem Segment meist sehr eigennützige, nämlich schnöde finanzielle – Interessen.
(Die Karte "9 Scheiben: Gewinn" aus dem "Röhrig-Tarot")
Dazu noch einmal Vince Ebert:
Würde die Naturgeschichte noch einmal ablaufen, so verliefe sie vollkommen anders. Genau das ist wahrscheinlich der Grund, weshalb die Evolutionstheorie bei christlichen Fundamentalisten so unbeliebt ist. Weil sie zeigt, dass der pure Zufall zu unserer Existenz führte.
Ich sollte mir endlich überlegen, ob ich nicht auch auf das Business "Esoterik" umsattele: Damit lässt sich im Gegensatz zu linken Blogpostings offenkundig richtig viel Geld verdienen, ohne tatsächlich arbeiten oder denken zu müssen. Wieso in des Spaghettimonsters Namen habe ich bloß immer diese vielen Skrupel, die andere gar nicht zu kennen scheinen?!? Ich besitze schließlich mehr als 40 Tarotkarten-Sets aus drei Jahrhunderten, die ich vor Jahren mal aus wissenschaftlicher Tollheit angeschafft habe (kein Scherz), weil ich mich mit dem literarischen Thema "Humbug, der seit Jahrhunderten immer wieder neu aufgelegt wird" beschäftigt habe und nach passenden Illustrationen für diese Arbeit suchte – und dort natürlich reichlich fündig wurde.
Ich biete also ab sofort Tarot-Sessions an: Für nur 873,99 Euro pro angefangener Stunde zzgl. Mehrwertsteuer lege ich Euch die Karten Eurer Wahl und sage Eure Heilung voraus! Wer bucht zuerst? Monika H., möchtest Du beginnen? Die ersten zehn BucherInnen bezahlen nur 647,39 Euro! Ihr spart euch reich – entdeckt Eure Heilung!
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Der letzte Halt
"Ich glaube nicht mehr an Gott, ich glaube nicht mehr an die Menschen – und jetzt wollen Sie mir auch noch die Karten verekeln!"
Was jeder bereits gewusst hat, lässt sich nun aufgrund der "Paradise Papers" verifizieren: Das kapitalistische System ist ein "Elite"-System, das sich einzig um die Belange der Superreichen dreht. Diese Erkenntnis kann nun nur geistig Benachteiligte überraschen – und dennoch bleiben die kapitalistischen Medien ihrer Aufgabe treu und berichten brav, wie die Herrschaft es von ihnen verlangt. Ganz abgesehen davon, dass die Bezeichnung "Paradise Papers" bereits zynisch ohne Ende ist – richtigerweise müssten diese Dokumente "Hell Papers" heißen –, bewies n-tvvor einer Woche, wo der freiheitlich-demokratische Hase in Kapitalistan langzulaufen hat.
Neben durchaus korrekten Anmerkungen verwest dieser Artikel durch einen fetten Abschnitt über – ja, man kann sich das kaum vorstellen, aber es ist leider so – den "bösen Russen" vor sich hin. Ich zitiere aus dieser Gedankenfäule hier nicht, da soll sich einjede/r selbst die Hirnrinde beim Lesen verbrennen. Ich frage mich schon lange nicht mehr, wieso in deutschen Qualitätsmedien eigentlich nicht von deutschen, amerikanischen, französischen, belgischen und sonstigen Oligarchen die Rede ist, sondern stets nur von russischen; oder weshalb ausgerechnet das russische Episödchen aus den "Hell Papers" so zentral und ausladend aufbereitet und sogar mit einer eigenen Abschnittsüberschrift ("Spuren nach Russland") herausgehoben wird. Die Antwort liegt ja für alle sichtbar auf der Hand.
Nach wie vor werde ich wohl bis hinein ins Grab nicht verstehen, wieso jemand, der schon hunderte oder gar tausende von Millionen Euro oder Dollar "besitzt" ("ergaunert hat" wäre der passendere Ausdruck), sich dennoch wie von Sinnen darum bemüht, diese absurde, geradezu groteske Summe nicht nur stetig zu vermehren, sondern auch noch außer Landes zu schaffen, damit der Staat auch ja keine Portokassenbeträge vom Profit (nicht von der eigentlichen Summe!) abzieht. Das ist nicht nur absurd, sondern grob pathologisch: Solche Menschen gehören dringend in fachärztliche Behandlung.
Dasselbe gilt freilich für die begleitenden politischen Marionetten: Es ist kein Zufall, dass derlei Machenschaften in Kapitalistan legal sind und – darauf verwette ich meinen Hintern – auch weiterhin legal bleiben. Nach ein paar mehr oder weniger "anklagenden" Berichten in der Systempresse wird man wieder zum Tagesgeschäft übergehen. An den kriminellen Strukturen wird sich nichts ändern, und auch die "Steueroasen", die eigentlich "Steuerhöllen" heißen müssten, werden wie gehabt weitermachen. Wir kennen das Prinzip bereits aus der "Finanzkrise": Es wurde viel geschrieben und noch mehr lamentiert – verändert hat sich am Casinobetrieb und seinen "gesetzlichen Rahmenbedingungen" aber trotzdem nichts (ich wiederhole: NICHTS). Stattdessen darf beispielsweise die griechische Bevölkerung die Zeche für die Superreichen zahlen. Was bedeuten denn schon Obdachlose, Hungernde, Kranke und Alte ohne Krankenversicherung, zunehmende Suizide oder steigende Kindersterblichkeit für die Herren und Damen des Kapitals? Sie nennen es, sofern sie keine erklärten Faschisten sind, vermutlich "Kolleteralschäden" und trinken ein weiteres Glas Champagner, anstatt über ihre eigene Widerwärtigkeit zu reflektieren. Und die Journaille applaudiert brav, konsumiert Lachsschnittchen am Katzentisch und bietet willfährig Nebenschauplätze an.
Der totale Irrsinn ist zur Normalität geworden.
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Entfettung
"Hier haben Sie eine Mark – und nun verraten Sie mir aber auch, wie Sie es angefangen haben, so schlank zu werden!"
Es war ja abzusehen, dass es nicht lange dauern wird, bis sich die kapitalistische CDU und die kapitalistische AfD ihrer reichen Herrschaften besinnen, zu deren Stiefelleckzwecken sie existieren. Dass es allerdings so schnell gehen könnte, habe sogar ich oller Schwarz- bzw. Braunmaler nicht für möglich gehalten. In der FR war vor zwei Wochen zu lesen:
Die CDU in der erzgebirgischen Universitätsstadt Freiberg fordert laut und deutlich den Rücktritt von Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Außerdem, so der örtliche Vorsitzende und Baubürgermeister Holger Reuter, solle die sächsische CDU ernsthaft über Bündnisse mit der AfD nachdenken: "Wenn sich die AfD stabilisiert und zu einer Politik kommt, die dem Bürger auch wirklich Wege zeigt, wie es besser werden kann, dann halte ich persönlich auch eine Koalition mit der AfD für möglich", sagte er dem MDR.
Lügireuter und der braune Haufen
Das sitzt – und sollte nun auch dem letzten merkbefreiten "Protestwähler" deutlich die Augen öffnen, mit was für korrupten Abziehbildern sie sich da eingelassen haben. Leider wirkt das "sollte" nicht so, wie es müsste, denn noch immer liegt die AfD in der "Wählergunst" an derselben Stelle. Das legt aus meiner Sicht die Vermutung nahe, dass es sich bei diesen WählerInnen mehrheitlich gerade nicht um "ProtestlerInnen" handelt, sondern um schnöde RassistInnen und NationalistInnen, die einen ausländerfeindlichen Kurs in der Politik selbst dann gut finden, wenn sie dafür weniger Gehalt, weniger Rente, weniger Arbeitslosengeld und einige aus den Fugen quellende, überlaufende Geldspeicher einer kleinen, kriminellen "Elite" bekommen (um nur wenige Beispiele zu nennen). Mit Dummheit allein lässt sich das jedenfalls – aus meiner Sicht – längst nicht mehr erklären.
Man vergleiche diese Ungeheuerlichkeit der sächsischen CDU nur einmal mit der medialen Hinrichtungskampagne gegen Frau Ypsilanti (SPD), als diese es vor Jahren wagte, nach einer Landtagswahl über ein Bündnis mit der Linkspartei nachzudenken. Das Szenario wird nicht erst rückblickend umso lächerlicher, wenn man bedenkt, dass auch eine damalige Koalition von SPD und Linkspartei nichts anderes getan hätte als die Mafia-KollegInnen aus der CDU, FDP und den Grünen. Wer hier noch immer nicht im kristallklaren "Wasser der Erleuchtung" schwimmt und endlich bemerkt, auf welch üblem Rechtskurs mitten hinein in die Latrine der NPD sich die Politik und "freien Medien" befinden, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen. – Genauso verhält es sich heute bezüglich der AfD: Mir hat beispielsweise noch niemand nachvollziehbar den Unterschied zwischen den politischen Zielen der AfD und jenen der CSU erklären können. Falls sich jemand dazu berufen fühlt: Ich bin ganz und gar Ohr!
"We love to verarsch you"
Dasselbe gilt freilich auch für die übrigen kapitalistischen Blockparteien, die sich einzig durch die Balkenfarbe in den Diagrammen der Kuhmedien und den vielfältigen rhetorischen Popanz, nicht aber durch ernstzunehmende Inhalte voneinander unterscheiden. Ich bin sehr gespannt (*gähn*), wie schnell statt "Jamaika" nun die "Schwafaschampel" (CDU/CSU, AfD, FDP) ins Rennen um den schnellsten Weg in den Abgrund geht und wie lange es dauert, bis SPD, Linkspartei und Grüne den längst aufgestellten Turborekord im Umfallen und rechtsspurigen Überholen der Menschenfeinde noch einmal übertrumpfen werden.
Eine Lanze für Merkel
Angesichts des vorgelegten Tempos aus Sachsen kann es sich hier nur um wenige Monate handeln, falls die Bleierne abgesägt wird. Insofern sollte man heute schon überaus dankbar sein, wenn das Merkelmonster trotzdem weiterhin am vermeintlichen Chefsessel klebt wie zähflüssiger, übelriechender, brauner Darmausfluss. Nichts, was da nachzufolgen gedenkt, könnte auch nur ein bisschen weniger furchtbar sein als diese Sockenpuppe der kapitalistischen Mafia aus der Uckermark.
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Charlie im Augenblick des Versuchs, eine Lanze zu brechen.
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...